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Full text of "Jahrbuch der Kais. Kön. Geologischen Reichs-Anstalt"

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JAHRBUCH 


KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 


il 


XLIX.  BAND  1899. 


Mit  17  Tafeln  und  einem  Bildni 


ro^      -^'3\ 


.90) 


Wien,  IGOO. 

Verlag  der  k.  k.   Geologischen  Reichsanstalt. 

In  Commission  bei  R.  Lechner  (Wilh.  Müller),  k.  u.  k.  Hofbuchhandlung, 

I.,  Graben  31. 


Die  Autoren  allein  sind  für  den  Inhalt  ihrer  Mittbeilnngen  .verantwortlich. 


Inhalt. 


Seite 

Personalstand  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  (1.  April   190O)    ....  V 

Correspondenten  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt VIII 


Heft  1. 


Seite 


Geologische  Studien  im  Gebiete  des  01t-  und  Oltetzthales  in  Rumänien. 
Von  Dr.  K.  A.  Redlich.  Mit  2  lithographirten  Tafeln  (Nr.  I  und  II) 
und  7  Zinkotypien  im  Text 1 

Die  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen  Devon.  Von  Franz  Kretschmer, 
Bergingenieur  in  Steruherg  (^Mähren).  Mit  2  Tafeln  (Nr.  IIE  und  IV) 
und  3  Zinkotypien  im  Text 29 

Die  Fauna  der  unterpontischen  Bildungen  um  Londjica  in  Slavonien.  Von 
Prof.  Dr.  Karl  G  orj  au  o  vic  -  K  r  amberger.  Mit  einer  litho- 
graphirten Tafel  (Nr.  V) 125 

Beiträge  zur  Parallelisirung  der  Miocänbildungen  des  piemontesischen 
Tertiärs  mit  denen  des  Wiener  Beckens.  IL  (Nach  Studien,  aus- 
geführt im  Herbste  1898.)  Von  Franz  Schaff  er.  Mit  2  Profilen 
im  Text 135 

Ein  alpines  Längsthal   zur  Tertiärzeit.     Von   Karl  Oestreich.     Mit   einer 

Kartenbeilage  (Tafel  Nr.  VI)  und  3  Zinkotypien  im  Text 165 


Heft  2. 

Seite 
Beiträge    zur    Kenntnis    der    Brachiopoden    des    Stramberger    Tithon.     Von 
MUDr.    Mauric    R  e  m  e  s.     Mit   2   Tafeln    (Nr.    VII    und    VIII)    und 

6  Figuren  im  T(>xt 213 

Die  Fauna  der  oberpontischen  Bildungen  von  Podgradje    und  Vizaaovec  in 
Kroatien.     Von   Prof.    Dr.    Karl   Gorj  ano  vid-Kra  mberger.    Mit 

einer  lithographirten  Tafel  (Nr.  IX) 235 

Ueiier  Eruptivgesteine  aus  dem  Salzkammergut.  Von  C.  v.  John 247 

lieber   die   geologischen  Verhältnisse    des  Bergbaugebietes   von  Idria.     Von 
Franz  Kossmat.     Mit   2  Tafeln  (Nr.   X  und  XI;  und  7  Zinkotypien 

im  Text • 259 

Das  Salzburger  Vorland.  Von  Eberhard  Fugger.'^Mit  2  Tafeln  (Nr.  XII  und 

XIII)  und  30  Zinkotypien  im  Text 287 


Heft  :<•  ^ 

Geologische   Studien   in    den    nordmoldauiscliH»^    ^urpatheii.     Von    Dr.  Sava 

Athanasiu.    Mit  15  Zinkotyp-en  im  ie'xt 429 

Geologische  Studien  in  den  tertiären  und  jünger?v\  Bildungen  des  Wiener 
Beckens.  Von  Felix  K  a  r  r  e  r.  :\Iit  einr^r  lithographirten  Tafel 
(Nr.  XIV)  und  einer  Zinkotypie  im  Text •      493 

ßumevkungen  über  die  Miocänablagerungen  Volhyniens.  Von  W.  Lask.  rf  w       517 

Die    Kreideformation    der   Umgebung    von    Pardubitz    und   Pfelouß    in    0  t- 

böbmen.  Von  J.  V.  ^elizko 529 


IV 


Der  neue  Fundort  in  den  Hallstätter  Kalken  des  Berchtesgadener  Versuchs- 

stollens.   Von  Lukas  Waagen 545 

Ueber  Gesteine  von  Pozoritta  und  Holbak.  Von  C.  v.  John 559 

Bericlit   über    die    Resultate    der    stratigraphischen   Arbeiten    in    der    west- 
böhmischen Kreideformation.    Von  0.  Zahälka 569 


Heft  4. 


Seite 


Die  geologische  Umgebung  von  Graslitz  im  böhmischen  Erzgebirge.  Mit  einer 
geologischen  Karte  iu  Farbendruck  (Taf.  Nr.  XV)  und  20  Zinkotypien 
im  Text.  Von  Carl  Gäbert ,•    •    •    ■      ^^^ 

Versuch  einer  Gliederung  der  Diluvialgebilde   im   nordböhmischen  Elbthale. 

Von  J    E.  Hibsch 641 

Die  Fauna  des   Dachschiefers    von    Mariathal    bei  Presburg  (Ungarn).     Von 

Dr.  Franz  Seh  äff  er.    Mit  einer  lithographirten  Tafel  (Nr.  XVI)  .    .      649 

Die  Fauna  des  glaukonitischen  Mergels  vom  Monte  Brione  bei  IMvn  am 
Gardasee.  Von  Franz  Schaff  er.  Mit  einer  lithographirten  Tafel 
(Nr.  XVII) 659 

Die  Kreide  des  Görtschitz-  und  Gurkthaies.  Von  Dr.  Karl  A.  Redlich  iu 

Leoben.  Mit  9  Zinkotypien  im  Text 663 

Franz  von  Hauer.  Sein  Lebensgang  und  seine  wissenschaftliche  Thätig- 
keit.  Ein  Beitrag  zur  Geschichte  der  österreichischen  Geologie.  Von 
Dr.  E.  Tietze.  Mit  einem  Bildnis      679 


Tafel  Verzeichnis  der  Tafeln:  seite 

I— II  zu:  Dr.  K.  A.  Redlich.     Geologische  Studien   im  Gebiete  des 

01t-  und  Oltetzthales  iu  Rumänien 1 

III— IV  zu:  Franz  Kretschmer.     Die  Eisenerzlagerstätten  des  mähri- 
schen Devon 29 

V  zu :  Dr.  K.  Gorjanovid   K ramberge r.  Die  Fauna  der  unter- 

pontischen  Bildungen  um  Londjica  in  Slavonien        .    .    .      125 
VI  zu:  Karl  Oestreich.  Ein  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzeit.    .       165 
VII— VIII   zu:  Dr.  Mauric  Reme*.  Beiträge  zur  Kenntnis  der  Brachiopoden 

des  Stramberger  Tithon 213 

IX  zu:  Dr.  K.  Gorjanovi(5-Kram berger.    Die  Fauna  der  ober- 
pontischen    Bildungen   von   Podgradje   und  Vizanovec  in 

Kroatien 235 

X— XI  zu:  Franz  Kossmat.    Ueber  die  geologischen  Verhältnisse  des 

Bergbaugebietes  von  Idria 259 

XII— XIII   zu:  Eberhard  Fug? er.    Das  Salzburger  Vorland 287 

XIV  zu:  Felix  Karre r.     Geologische  Studien   in  den   tertiären   und 

jüngeren  Bildungen  des  Wiener  Beckens 498 

XV  zu:  Carl  Gäbert.     Die  geologische  Umgebung  von  Graslitz  im 

böhmischen  Erzgebirge 581 

XVI  zu:  Dr.  Franz   Schaffer     Die    Fauna  des   Dachschiefers   von 

Mariathal      .       . 649 

XVII  zu  :  Dr.  Franz  S  c  h  a  i ,  y ;.  Die  Fanna  des  glaukonitischen  Mergels 

vom  Mt.  Brione 659 

Ein  Bildnis  zu:    Dr.  E.  Tietze.    Franz  v.  Hauer.   Sein  Lebensgang   und 

^  seine  wissenschaftliche  Thätigkeit 679 


Personalstand 

der 

k.  k.  geolcgisGhen    Reichsanstalt. 


Director : 

Stäche  Guido.  Ritter  des  österr.  kaiserl.  Ordens  der  eisernen  Krone 
III.  Gl,  Besitzer  des  Gomthurkreuzes  II.  Gl.  des  königl.  säch- 
sischen Albrechtsordens,  Gommandeur  d.  tunes.  Niscian-Iftkhar- 
Ordens,  Phil.  Dr.,  k.  k.  Hofrath,  Adjunct  der  kais.  Leop.  Carol. 
Deutschen  Akademie  der  Naturforscher  in  Halle,  Ehrenmitglied 
der  ung.  geolog.  Gesellschaft  in  Budapest,  des  Museumsvereines 
Francisco-Garolinum  in  Linz,  der  Societä  adriatica  di  scienze 
naturali  in  Triest,  der  naturforsch.  Gesellsch.  „Isis"  in  Dresden 
und  des  Vereins  der  P'reunde  der  Naturgeschichte  in  Mecklen- 
burg etc.,  III.,  Oetzeltgasse  Nr.  10. 


Vice-Director : 

Mojsisovics  Edler  von  Moj  svär  Edmund,  Ritter  des  österr. 
kaiserl.  Ordens  der  eisernen  Krone  III.  Gl.,  Gommandeur  des 
montenegrinischen  Danilo-Ordens,  Officier  des  k.  italienischen 
St.  Mauritius-  und  Lazarus-Ordens,  sowie  des  Ordens  der  Krone 
von  Italien,  Ehrenbürger  von  Hallstatt,  Jur.  U.  Dr.,  k.  k.  Ober- 
bergrath,  wirkl.  Mitglied  der  kaiserl.  Akad.  der  Wissenschaften 
in  Wien ,  Foreign  Member  der  geologischen  Gesellschaft  in 
London,  Ehrenmitglied  der  Socieie  des  Natural,  de  St.  Peters- 
bourg,  der  Soc.  Beige  de  Geologie,  de  Paleontologie  et  d'Hydro- 
logie  in  Brüssel,  der  Soc.  geol.  de  Belgique  in  Lüttich,  des 
Alpine  Glub  in  London  und  der  Soc.  degli  Alpinisti  Tridentini, 
corresp.  Mitglied  der  kaiserl.  Akad.  der  Wissenschaften  zu 
St.  Petersburg,  der  R.  Academia  ^  .darnese  del  Poggio  in  Monte 
varcchi,  des  R.  Istituto  Lomb.  di  scienze,  lettere  ed  arti  in 
Mailand,  der  Acad.  of  Natur.  Sciences  in  Philadelphia,  der 
British  Association  for  the  Advancement  of  science  in  London  etc., 
III.,  Strohgasse  Nr.  26. 


VI 

Chefgeologen : 

Tietze  Emil,  Iiitter  des  österr.  kaiserl.  Ordens  der  eisernen  Krone 
in  GL.  Besitzer  des  kais.  russischen  Set.  Stanislaus  -  Ordens 
II.  Cl  .  Ritter  des  k.  portugiesischen  Set.  Jacobs-Ordens  und  des 
montenegrinischen  Danilo-Ordens,  Phil.  Dr.,  k.  k.  Oberbergrath. 
Mitglied  der  kais.  Leop.  Gar.  Deutschen  Akad.  der  Naturf.  in 
Halle,  Yicepräsident  der  k.  k.  geogr.  Gesellschaft  in  Wien, 
Ehrenmitglied  der  königl.  serbischen  Akad.  d.  Wissensch.  in 
Belgrad  und  der  uralischen  Gesellschaft  von  Freunden  der  Natur- 
wissenschaften in  Jekaterinenburg,  corresp.  Mitglied  der  geogr. 
Gesellschaften  in  Berlin  und  Leipzig,  der  schlesischen  Gesellschaft 
für  vaterländische  Cultur  in  Breslau  und  der  Societe  geologique 
de  Belgique  in  Lüttich  etc..  III.,  Hauptstrasse  Nr.  90. 

Vacek  Michael,  III.,  Erdbergerlände  Nr.  4. 

Bittner  Alexander,  Phil.  Dr.,  III.,  Thongasse  Nr.  11. 

Teller  Friedrich,  k.  k.  Bergrath,  III.,  Kollergasse  Nr.  6. 

Vorstand  des  clieini sehen  Laboratoriuins : 

John  von  Johnesberg  Conrad,  k.  k.  Piegierungsrath,  IL.  Patfrath- 
gasse  Nr.  6. 

Geologen : 
Geyer  Georg,  IIP,  Kübeckgasse  Nr.  9. 
Bukowski  Gejza  v.,  IIP,  Marxergasse  Nr.  27. 

Adjuncten: 

Rosiwal   August.    Docent    au    der    k.    k.    technischen    Hochschule, 

IL,  Untere  Augartenstra?se  Nr.  37. 
D reger  Julius,  Phil.  Dr.,  IIP,  Uugargasse  Nr.  63. 
Eichleiter  Friedrich,  IIP,  Thongasse  Nr.  4. 

BibHotliekar : 

Matosch  Anton,  Phil.  Dr..  IIP,  Haujitstrasse  Nr.  33. 

Assistenten  : 

Kern  er  von  Marilaun  Fritz,  Med.  U.  Dr.,  IIP,  Ungargasse  Nr.  6. 
Suess  Franz  Eduard,    Phil.  Dr.,    PrivatdOcent   an  der  k.  k.  Univer- 
sität. IT.,  Afrikanergasse  ^   , -9. 
Küssmat  Franz,  Phil.  Dr..  .  ^r  Mvil  ^-manngasse  Nr.  4. 

l  raktikanten : 

Abel  Oth.  "iu.  Phil.  Dr.,  P,  Christinengasse  Nr.  4. 
Hinterlo    hner  Karl,  Phil    Dr.,  IIP,  Geologengasse  Nr.  1. 


Yll 

Für  die  Kartensammlung: 

Z  eicline  r: 
Jahn  Eduard,  Besitzer  des  goldenen  Verdienstkreuzes  mit  der  Krone, 

III.,  Messenhausergasse  Nr,  8. 
S  k  a  1  a  Guido,  III. ,  Hauptstrasse  Nr. ;  8 1' .     ^   ' 
Lauf  Oscar,  VIL,  Kaiserstrasse  Nr.  8. 

Für  die  Eanzlei: 

Girardi  Ernst,  k.  k.  Rechnungsrath,  III.,  Marxergasse  Nr.  23. 

Hilfsbeamte: 

Wlassics  Johannes,    k.  k.  Ingenieur   i.  R.,   III.,  Mohsgasse  Nr.  13. 
Zelizko  Johann,  III.,  ßlattsasse  Nr.  8. 


Diener : 

Erster  Amtsdiener:    Schreiner  Rudolf. 

Besitzer  des  silbernen  Verdienstkreuzes  mit 

der  Krone 
Laborant:  K  a  1  u  n  d  e  r  Franz 
Zweiter  A  m  t  s  d  i  e  n  e  r :  Palme  Franz 
Dritter  Amts  dien  er:  Ulbing  Johann 
A  m  t  s  d  i  e  n  e  r  g  e  h  i  1  f  e  für  das  Laboratorium  : 

Felix  Johann 
A.  m  t  s  d  i  e  n  e  r  g  e  h  i  1  f  e  n  für  das  Museum  : 

Spatny  Franz 

Kreyca  Alois 
Heizer:  Rausch  Josef 

Portier 
Erjauz  Anton,  Real-Invaliden-CorporalBH-  Hauptstrasse  Nr.  1. 


t 


III.,  Rasumoflsky- 
gasse  Nr.  23  u.  25. 


VIII 


Correspondenten 

der 

k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 
1899. 

P.  Luigi  Don  Baroldi  in  Pranzo  bei  Riva. 

Dr.  August  Böhm  von  Böhm  ers  heim,  Privatdcent  an  der 
k.  k.  technischen  Hochschule  in  Wien, 

Heinrich  Fessl,  Bergverwalter  in  Jauerburg. 

Johann  Grimmer,  Berghauptmann  in  Sarajevo. 

Dr.  Jarosl.  J.  Jahn,  a.  ö.  Professor  der  Minera'ogie  und  Geologie 
an  der  böhm.  technischen  Hochschule  in  Brunn. 

Ernst  Kittl,  Gustos  der  geologisch-palaeontologischen  Abtlieilung 
des  k.  k.  naturhistorischen  Museums  in  Wien. 

P.  Desiderius  Laczkö,  Gymnasialprofessor  in  Veszprim,  Ungarn. 

Simon  Rieger,  Bergingenieur  und  Betriebsdirector  des  Quecksilber- 
bergwerkes St.  Anna  am  Loibl  in  Krain 

Joseph  Schmid,  k.  k.  Oberbergrath  und  Director  des  k.  k.  Montan- 
werkes Idria. 

Dr.  Franz  Wähn  er,  Docent  für  Geologie  an  der  Wiener  Universität. 


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9^gi^fm:^^:iß 


-  A  --. 


Ausg^ejjt^bwii   am  -n .   Mai    i-^'.*'.». 


JAHRBUCH 


KAISERLICH  -  KÖNIGLICHEN 


JAHRGANG   1899.  XLIX.  BAND. 

1.  Heft. 

Mit  Tafel  I-VI. 


Wien,   1899. 
Verlag-  der  k.  k.  Geologischen  Reichsanstalt, 

In   Commisaion  bei   R.   Lechner  (Wilh.   Müller),   k.  u.  k.   HoiT3uchhaQdluns'. 

r.,  l?rab.^i'  31. 


California  Academy  of  Sciences 


Presented  byl 


■Qgische 


Reichsanstalt,   Wien 


■*-;l| 


Geologische  Studien  im  Gebiete  des  Olt- 
und  Oltetzthales  in  Rumänien. 

Von  Dr.  K.  A.  Redlich. 

Mit  2  litiiographirten  Tafeln  (Nr.   I  und  IT)  und   7  Zinkotypion  im  Text. 


I.    Die  Kreide    und    das  Eocän   im    Oltthal  (Rumänien). 

Der  von  Hermannstadt  über  den  Rothenthurmpass  Reisende 
gelangt  bald,  nachdem  er  die  Grenze  passirt  hat,  zu  cretacischen  und 
eocänen  Sedimentgesteinen,  welche  ihn,  theils  auf  archäischem,  theils 
auf  palaeozoischem  Gestein  lagernd,  weit  über  den  Badeort  Calimanesti 
hinaus  begleiten.  Das  umstehend  beigefügte  Kärtchen  (Fig.  1)  zeigt 
die  Verbreitung  der  hier  liegenden  Schichtserie.  Sclion  im  Jahre  1895 
hatte  ich  bei  einem  zweistündigen  Aufenthalte  in  Brezoiu  im  Lotru- 
thale Gelegenheit,  einzelne  Fossilien  aufzusammeln,  welche  in  Folge 
ihres  indifferenten  Aussehens  leicht  zu  dem  Irrthum  fiihrten,  dass 
hier  oligocäne  Schichten  ^)  zur  Ablagerung  gelangt  seien.  Im  darauf- 
folgenden Jahre  wurde  dieser  Fehler  so  weit  behoben,  dass  auf  Grund 
der  gesammelten  Fossilien  leicht  das  cretacische  Alter  der  weissen 
Kalke  von  Brezoiu  bestimmt  werden  konnte.  Da  weiter  westlich  zwischen 
Perisani  und  Pripora  sich  Eocänfossilien  fanden,  stellte  ich  die  ganzen 
über  jene  Kalke  scheinbar  discordanten  Complexe  zum  Eocän,  was 
auch  in  meinem  vorläufigen  Berichte  im  Jahre  1896  2)  zum  Ausdruck 
kommt.  Erst  das  gründliche  Studium  der  letzten  Jalire  hat  es  mir 
erlaubt,  eine  genaue  Ausscheidung  der  Schichten  in  diesem  Gebiete 
auszuführen. 

Der  von  mir  studirte  Theil  erstreckt  sich  im  Oltthal  von  Chineni 
an  bis  Calimanesti,  östlich  bis  zum  Topologthal.  westlich  bis  in's 
Stiinthal,  einem  Seitenthal  des  Lotru. 

Die  archäische  Unterlage  besteht  grösstentheils  aus  Biotit-Horu- 
blendegneissen  mit  pegmatitischen  und  aplitischen  Einlagerungen.  Ein 
Eingehen  in  die  petrographischen  Verhältnisse  scheint  mir  deshalb 
nicht  am  Platze  zusein,  da  Herr  Munteanu  Murgoci,  Assistent  des 
petrographischen    Institutes   in  Bukarest,    diesbezüglich    arbeitet  und 

')  Verhandlungen  d    k.  k.  geol.  Reichsanstalt   1896.  pag.  82. 
■')  Verhandlungen  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  1896,  pag.  492. 

Jaliibiich  (1.  k.  k.  geo].  IJcioliaanstalt,  1899,  49.  Bd.,  1.  Mit.  (Dr.  K.  A.  HeiUicb.)        1 


Dr.  K.  A.  Redlich. 


[2] 


Fig.  1. 
llpbersichlskarte  der  Kreide  und  des  Eoclin  im  Oltthal. 


I _]  Archäische,  und  Palaeozoische    Unterwge 

F^ICHTUNG     OF-S    Pl^OFIU  ISl  . 


[3J  Geol.  .Studien  im  Gebiete  des  Ult-  und  Oltetzthales  in  Rumänien.  l] 

in  einem  vorläutigen  Bericht   im  Verein  mit  Professor  Mrazek   die 
wichtigsten  Ergebnisse  dieser  Studien  niedergelegt  hat^l. 

Viel  wichtiger  als  das  Archäische  erscheinen  mir  die  von  Munteanu 
M  u  r  g  0  c  i  und  M  r  a  z  e  k  zum  erstenmal  constatirten  Schichten  von 
Brezoiu,  welche  zum  grössten  Theil  die  Unterlage  der  von  uns  studirten 
Sedimentärschollen  bilden.  Es  sind  dies  Breccien  und  Conglomerate, 
welche  oft  sehr  leicht  mit  Gneissen  verwechselt  werden  können,  nament- 
lich dort,  wo  sie  nicht  grobkörnig  erscheinen.  „Sie  bestehen  aus  grossen 
Stücken  von  Glimmerschiefer,  Amphiboliten,  Graniten,  Quarz  und  Feld- 
spath  etc  ,  einem  Materiale  also,  welches  aus  der  sogenannten  unteren 
Gruppe  der  krystallinen  Gesteine  ^)  stammt.  Ihre  sedimentäre  Natur  ist 
leicht  zu  constatiren,  wie  z.  B.  südlich  und  nördlich  von  Calinesti  in  dem 
gegen  das  Dorf  zu  gelegenen  Kamm,  auf  der  Spitze  des  Mt.  Sida  etc. 
An  anderen  Stellen  dagegen  sind  die  Schichten  namentlich  im  Liegenden 
so  compact,  dass  sie  schwer  von  der  archäischen  Unterlage  unter- 
schieden werden  können.  Dies  ist  z.  B.  nördlich  von  Calinesti  der 
Fall.  Der  Gebirgszug  von  Olanesti,  die  Berge  Naurutui,  Mt.  Sida, 
Mt.  Uli  Popovici  bestehen  aus  dieser  Breccie."  Ich  selbst  habe  beim 
Studium  der  östlichen  Partie  des  Gebietes  diese  Breccie  zwischen 
Perisani  und  Pripora  gegen  den  Mt.  Säte  nachweisen  können,  ebenso 
gegen  den  Mt.  Cozia  zu.  Eine  genaue  Ausscheidung  auf  der  Karte 
bleibt  den  Specialaufnahmen  vorbehalten.  Ueber  das  Alter  dieser 
Schichten  lässt  sich,  wie  schon  Munteanu  Murgoci  hervorhebt,  gar 
nichts  Näheres  sagen,  da  sie  keine  Fossilien  führen  und  in  der  ganzen 
Umgebung  keine  ähnlichen  Gesteine  getrotfen  werden.  Sicher  ist,  dass 
sie  jünger  als  das  Archäische  und  älter  als  jurassische  Schichten  sind  ; 
mir  möchte  es  scheinen,  als  ob  ein  Vergleich  mit  den  verrucanoähn- 
lichen  Conglomeraten,  die  man  so  häufig  in  den  Alpen  und  Karpathen 
findet,  hier  am  Platze  wäre.  In  dem  von  uns  beigegebenen  Profile 
zwischen  Calinesti  und  Cozia  bilden  diese  Breccien  und  Conglomerate 
eine  Antiklinale.  Sie  lagern  discordant  auf  den  ebenfalls  antiklinal 
gebogenen  Gneissen  (vergl.  Profil  IV  auf  Seite  18).  Die  Kreide  und  das 
Eücän  sind  die  jüngsten  Formationsglieder  dieser  Gegend.  Sie  bedecken 
ein  weites  Areal,  bilden  im  Norden  die  zwei  Lappen  von  Brezoiu  und 
Titesti,  während  sie  im  Süden  eine  zusammenhängende  Masse  dar- 
stellen, welche  von  dem  nördlichen  Theil  durch  die  Gebirgsgruppe 
voll  Olanesti  und  dem  Mt.  Cozia  getrennt  ist.  Das  Ganze  wurde  bis 
jetzt  kurzweg  mit  dem  Namen  Flysch  bezeichnet^). 

Das  tiefste  Glied  dieser  Schichtserie  ist  die  obere  Kreide,  welche 
fossilführend  das  Bassin  von  Brezoiu  bildet.  Dasselbe  wird  im  Westen 
begrenzt  durch  das  Stanthal  am  rechten  und  durch  das  Visilatului- 
thal  am  linken  Ufer  des  Lotruflusses.  Im  Norden  reicht  es  bis  zu  den 

^)  Mrazek  und  Murgoci:  Dare  de  seamä  asupra  cercetarilor  geologice 
diu  vara  1897.  III  Muntii  Lotrului.  —  Raport  inaintat  D-lui  Miuistru  al  Agri- 
culturei  etc.  ßucuresci  1898. 

-)  Mrazek:  Essai  d'une  classitication  des  roches  cristallines  de  la  zone 
centrale  des  Carpathes  roumaines.  Archives  des  sciences  phys.  et  nat.,  4«.  ser. 
t.  ril.  Geneve  1897. 

^)  Sabba  Stefanescu:  Etu>ie  sur  les  terrains  tertiaires  de  Roumanie.  Con- 
tributions  ä  l'Etude  stratigraphice.   Lille  1^97,  pag.  69. 

1* 


4  Dr.  K.  A.  Redlich.  [4] 

Abhängen  des  Mt.  lui  Po])Ovici,  im  Süden  bis  zu  den  niedrigen  -Ge- 
hängen, auf  denen  Brezoiu  steht,  lieber  den  01t  herüber  reicht  eine 
schmale  Zunge,  welche  vielleicht  mit  der  im  Osten  sich  weiter  aus- 
dehnenden Masse  des  Mt.  Ciocotita  zusammenhängt.  Diese  Kreide- 
scholle besteht  aus  Conglomeraten  mit  mergeligen  Zwischenlagen, 
weissem  Kalkstein  und  grauem  bis  braunem  Sandstein  ebenfalls  mit 
mergeligen  und  thonigen  Zwischenlagen.  Alle  diese  Schichten  zeigen 
in  dem  ganzen  Bassin  ein  südliches  Verflachen  (10 — 11^\  <  25  — 30°). 
Am  rechten  Ufer  des  Lotru,  dort,  wo  Brezoiu  steht,  bleibt  dieses 
Verflachen  erhalten. 

Die  Kreideschichten  stossen  direct  an  die  Breccie  von  Brezoiu 
an,  die  hier  ein  Verflachen  von  3''  zeigt.  (Die  im  Profil  IV,  pag.  18 
weissgelassenen  Schichten  mit  entgegengesetztem  Fallen,  an  welche 
jene  Kreideschichten  im  Lotruthale  anschliessen,  gehören  nicht  der 
Kreide  an,  wie  man  dies  nach  der  Legende  glauben  sollte,  der  Zeichner 
hat  vielmehr  die  Kreuze  einzusetzen  vergessen,  welche  als  Bezeich- 
nung für  die  palaeozoische  Breccie  angenommen  wurden. )  Ob  wir  hier 
eine  blosse  Discordanz  der  Kreideconglomerate  auf  der  Breccie  von 
Brezoiu,  oder,  was  das  wahrscheinlichere  ist,  eine  Verwerfung 
gegenüber  der  älteren  Unterlage  vor  uns  haben,  Hess  sich  nicht 
mit  Sicherheit  entscheiden.  Weiter  nach  Westen,  gegen  das  Stan- 
thal  zu,  ist  ein  Verflachen  nach  Osten  w^ahrzunehmen.  Li  den 
tieferen  Partien  sind  die  Conglomerate  gröber  und  bestehen  zum 
grössten  Theil  aus  archäischem  Gestein.  Nach  oben  zu  nehmen  sie 
weisse  bis  graue  Kalkbrocken  auf,  welche  in  den  unteren  Partien 
ganz  fehlen.  Diese  Kalkblöcke  erreichen  oft  eine  Höhe  von  8 — 10  m 
und  bergen  eine  rein  senone  Fauna.  Sie  sind  bald  rein  kalkig, 
dann  weiss,  bald  mehr  sandig,  dann  braun,  oft  sind  auch  Brocken 
von  Gneiss  in  ihnen  eingeschlossen.  Sie  enthalten  zahlreiche  Fora- 
miniferen,  namentlich  Orbitoiden,  Korallen,  Echiniden  und  Muschel- 
reste, an  einzelnen  Stellen,  zum  Beispiel  beim  Zusammenfluss  des 
Lotru  und  01t.  auch  Lithothamnien.  An  anderen  Orten  kann  man  direct 
von  Korallenkalken  sprechen.  Trotz  ihres  Reichthumes  an  Fossilien 
sind  diese  nur  mit  grosser  Mühe  zu  erhalten,  da  sie  sich  aus  dem 
dichten  Kalk  nur  schwer  herauslösen.  Die  Fossilien,  welche  ich  aus 
den  Blöcken  am  linken  Ufer  des  Lotru,  namentlich  gegenüber  der 
zweiten  Brettsäge  gesammelt  habe,  sind  folgende : 

LitJiofJiatnnium  cf.  furon/cuin  Eofhplefz 
Orhitoides  genmcica   Leijm. 

„  secans  Leym. 

'J  liamnadraea  cf.  agartcltes  Gold/. 
Centrastraea  cf.  cistella  Defr. 
Cladocera  cf.  temiis  Retiss. 
TrochosmiUa  didijma   GoJdf. 
Orthopsis  cf.  miliaris  Cotteau. 
Cidaris  subves ic uUcn's  d^Orh. 
Eschara  s/>. 

Tcr'chrafiila  hiplicdfa   Brocc. 
„  (uirHCft   Soir. 


[5]  (icol.  Studien   im  (iübicti;  des  Oit-  iiiul  Oltct/tliaics  in   Kiimii,ni(;n.  ;"> 

'rcrehrdtelld  Mvazcki  h.  sp. 
}\'aJ<lh<'iniia  Fascncti-s/s  n.  sp. 
Terebrattilhta  strlaiuUi   Maut. 
h'ln/nclioHeUa  plicatilis  Soir.   cor.  plsmti   (ir'ni. 
FccfcH  cf.  i^uhgyanulafus   Mi\n^t. 

„        I)i(jiir(lini  A.    Römer. 
Pecten  (Amusinm)  invermm  X/Isohu 
Lima   tectd  d'Oi'h. 

„     (lioaricata  Dujard. 
L'nixi  ornafa  (UOrh. 
„     (ispent   Maut. 
Spondijlus  cf.  str latus  Lam. 
Janira  quinqueplicafa  Lam. 

„         ({f.   striatocostata  (joUlf. 
Ostraea    uugulata  Schlofh. 
Grijphaea   resicnlayls  Goldf. 
Exocjijra  sp. 
IJip)pt()'ifc's    cüUiciatus    \Foodir.    rar.   lionianictt   in.   r. 

„  Lapelrousel   Goldf. 

RadioUtes  sp.  (Steinkern). 
Dmtal'mm,  sp. 
Pleurotomaria  sp. 
Trochus  sp. 
Natica  cf.  Hörncsi  Favre. 

„        ruijosa  HotH/riijh. 
Oxijrrhina  MantcUi  Ä(j. 

Die  meisten  von  diesen  Fossilien  kommen  im  Tiiron  und  Senon 
vor,  doch  sind  einzelne  für  dcas  Senon  so  charakteristisch,  dass  wohl 
kein  Zweifel  über  die  Zutheilimg  der  Schichten  in  diese  Altersstufe 
aufkommen  kann.  Vor  Allem  ist  es  die  Anwesenheit  von  Hlppnrlfcs 
Lapclroasel  und  der  Orbitoiden  {Orhitoides  gensacica.  und  Orhiioidcs 
secatis),  welche  diese  Kalke  als  dem  oberen  Campanien  zuge- 
hörend charakterisiren.  Infolge  der  Lagerungsverhältnisse  (es  folgen 
nach  oben,  wie  gleich  gezeigt  werden  wird,  Sandsteine  und  Mergel 
mit  ßacitlifes  anceps  und  Inoccramus  Cripsi)  und  aus  der  Anwesenheit 
von  Hippiirifes  collicialus  rar.  Romanica  zu  schliessen,  ist  es  wahr- 
scheinlich, dass  diese  Fossilien  auch  in  die  tieferen  Theile  des  Cam- 
panien  herabsteigen  und  hier  dem  dritten  senonen  HippuritCiihqrizoiit 
der  Gosau  entsprechen  würden,  wie  ihn  Douville  in  seinen  Etudes 
sur  les  Itudistes,  1.  c.  pag.  103  charakterisiert.  Diese  Ansicht  könnte 
ja  auch  in  dem  Umstände  eine  Stütze  finden,  als  eine  Variation  von 
Lapcirousei  (rar.  crassa  Doiioillc)  allenthalben  aus  dem  mittleren  Cam- 
panieu  der  Gosauschichten  bekannt  ist^)  und  auch  einzelne  Bruchstücke 
in  unseren  Ablagerungen  dieser  Species  angehören  dürften.  Festgestellt 
erscheint  somit,  dass  diese  Kalke  dem  Senon  angehören  und  zwischen 
dem  mittleren  und  oberen  Campanien  zu  stehen  kommen. 

^)  Douville:  Etüde  sur  les  Rudistes.  Mcmoires  de  l;i  soc.  geol.  de  KriUice, 
Paleontolügie,  Tom.   VII,   fasc    III,  pag.  222    Paris   1897. 


6  Dr.  K.  A.  Redlich  ■  [6] 

lieber  diesen  Kalken  folgen  scheinbar  discordant  Sandsteine, 
welche  im  Turia  Stupenita,  dem  nächsten  Bachlauf  vom  Stanthal,  in 
einem  Steinbruch  aufgeschlossen  sind.  Grosse  Inoceramen  bis  zu 
30  -  40  an  Durchmesser  und  zahlreiche  Landpflanzenreste  sind 
namentlich  in  den  mergelig  -  sandigen  Zwischenlagen  eingeschlossen. 
Der  sehr  charakteristische  Inorermmi>^  Crlp4  lässt  es  sofort  erkennen, 
dass  wir  es  abermals  mit  dem  oberen  Senon  zu  thun  haben.  Die 
Sandsteine  werden  nach  oben  zu  immer  dünnbankiger,  die  grauen 
Mergel  und  Tegelzwischenlagen  dagegen  mächtiger.  In  diesen  han- 
genden Sandsteinschichten  fand  ich  gegenüber  der  Kirche  von  Brezoiu 
gleich  über  der  Brücke  folgende  Fauna: 

OrJilfoidcs  Fanjasi   Bronn. 
„         secans  Leijmerie 
Astrocoenia  sp. 
Adinacis  Hauen'  L's. 
Serpnia  ßlifovnm  Soir. 
Pecten  (Amnsiwn)  hwersuni  Nil  sonn 
ApeUana  sp. 

Anisocerax  cf   subcoinpressain  Foibes. 
Li/foccra^  sp.  aus  der  Gruppe  des   T'unokanuin   Major. 
Baciditcs  anceps   Lani. 

Die  mergeligen  Zwischenlager  sind  voll  von  (Jrbitoiden,  von 
denen  ich  Ofhltoides  Faujasi  Bronn,  und  ().  secans  nennen  möchte. 
Ein  iiummulitenähnlicher  Durchschnitt  fand  sich  auch  hier.  Da  jedoch 
keine  weiteren  Exemplare  gefunden  wurden,  kann  ich  nur  sagen,  dass 
jenes  Individuum  spiralig  sich  deckende  Umgänge  mit  grossen  Kam- 
mern zeigt.  Schliesslich  finden  sich  am  rechten  Ufer  des  Lotru  vor  der 
Umbiegung  in  das  Stanthal,  Sandsteine,  die  zahlreiche  Brachiopoden- 
reste  führen.  Da  sich  aus  diesem  groben  Sandsteine  keine  Schalen- 
exemplare herauslösen  Hessen,  so  kann  man  diese  Brachiopoden  nur 
als  RliijncJiondla  aus  der  Gruppe  der  plicafilis  Soir.  bestimmen. 

Alle  Fossilien,  von  den  Schichten  mit  Jnoceramus  Cripsi  au, 
gehören  dem  oberen  Senon  an.  Wie  ist  nun  die  scheinbare  Discordanz 
der  Kalke  mit  den  fast  gleichalterigen  Sandsteinen,  Mergeln  und 
Conglomeraten  zu  erklären?  Die  ganze  Stellung  dieser  Kalke  innerhalb 
der  Conglomerate  ist  eine  höchst  eigenthümliche.  Anfangs  glaubte 
ich  auch  wirklich  an  eine  thatsächliche  Discordanz,  solange  ich  die 
über  diesen  Kalken,  folgenden  Sandsteine  für  Eocän  ^)  hielt.  Wir  sehen 
am  Eingang  des  Lotruthales  aus  dem  Oltthal  die  senonen  Kalke  mit 
einem  Verflachen  nach  Nordost  und  einem  W'inkel  von  60  —  70*^, 
darüber  folgen  die  Conglomerate  und  Sandsteine  mit  südlichem  Ver- 
flachen, von  welchen  ich  ebenfalls  gezeigt  habe,  dass  sie  senonen 
Alters  sind  (siehe  die  nachstehende  Fig.  2). 

Gehen  wir  am  linken  Ufer  des  Lotruflusses  aufwärts,  so  treffen  wir 
an  zahlreichen  Stellen  dieselben  Kalke  mit  der  gleichen  Fossilführung. 


pag.  493. 


Geologische    Stddieii    in    Rumiiiiien,    IL    Verh.    d.  k.  k.    geol.  K.-A.    1896, 


[7] 


Geol.  Stii(li(!U  im  Gebiete  des  01t-  uncrOltetztliales  in  Rumänien. 


Es  sind  Blöcke,  von  denen  einzelne  eine  Höhe  von  mehreren  Metern 
erreichen.  T leberall  kann  man  leiclit  die  Blocknatnr  nachweisen.  An 
einer  einzigen  Stelle  ist  das  nicht  möglich,  d.  i.  im  Oltthal  oberhalb 
Golotreiii.  Hier  fussen  die  Kalke  so  tief,  dass  man  ihr  Liegendes 
nicht  seilen  kann.  Aber  auch  sonst  überall,  wo  ich  diese  Kalke  wahr- 
nahm, waren  immer  nur  Blöcke,  freilich  oft  von  ausserordentlicher 
Grösse,  so  am  Wege  von  Pripora  nach  Poiana,  am  Wege  von  Gausani 
nach  Griblesti  und  an  vielen  anderen  Stellen  mehr.  Diese  Blöcke 


Fig.  2. 
Die  Kreideschiclileii  am  Ziisaiiiiiieiifluss  des  Lotiu  und  Olt. 


(i  =  Senone  Hippuritenkalke. 

h  =--   Conglomerate,   Sandsteine   und   mergehge  Zwischenlageii  mit  Bacitlites 
ftnceps-  Lcini. 


sind  nichts  anderes  als  ein  Zerstörungsproduct  einer 
innerhalb  des  Conglomerates  gebildeten  Kalkbank 
mit  Hippuriten,  so  dass  in  den  tieferen  Partien  der  Conglomerate 
die  Kalke  fehlen  und  erst  nach  oben  zu  überhand  nehmen. 

Da  in  der  ganzen  Masse  von  Brezoiu  das  Verflachen  ein  süd- 
liches bleibt,  so  geht  daraus  hervor,  dass  die  Liegendpartien  nicht 
jünger  als  Senon  sein  können,  somit  der  ganze  Complex  der  oberen 
Kreide  angehört.  Die  beiden  Schollen  im  Stanthal  sind  gleichfalls  der 
oberen  Kreide  zuzurechnen,  wie  dies  aus  dem  Fund  eines  Actäonellen- 
durchnittes  daselbst  hervorgeht. 


8  Dr.  K.  A.  Redlich.  '  [8] 

Wenden  wir  uns  nun  weiter  ostwärts  an  das  andere  Ufer  des 
01t  in  das  Tiial  von  Baiesti,  so  kommen  wir  zu  einem  Gneissrücken, 
der  das  Bassin  von  Brezoiu  von  dem  von  Titesti  trennt.  Im  Tliale 
von  Baiesti  tretten  wir  nach  einstündiger  Wanderung  auf  Conglo- 
merate  mit  einem  Verflachen  von  3 — 4''.  In  ihnen  kommen  noch 
jene  senonen  Kalkblöcke  vor.  Dieses  Verflachen  bleibt  auf  dem  Wege 
nach  Perisani  und  Pripora  dasselbe.  Wir  steigen  also  in  das  Hangende, 
das  wir  oberhalb  Perisani.  auf  der  Bezirksstrasse  bei  der  neuen  Brücke, 
fossilführend  erreichen.  Zahlreiche  Nummuliten  und  Alveolinen  be- 
decken hier  den  Boden.  Diese  gehören  folgenden  Species  nn : 

AloeoHna  longa  Cz. 
Niimmniifcs  contorlu?.   Dci^h. 
,.  parforittus  (VOrJ). 

RawofuU  Defr. 
()i])/foi(lii^  sp. 

Das  nordöstliche  Verflachen  bleibt  nun  dasselbe  bis  oberhalb 
Titesti.  Im  Walde  nördlich  von  Titesti  konnte  ich  mehrmals  dasselbe 
abnehmen.  Bei  einer  Quelle  fand  ich  abermals  einzelne  Nummuliten. 
Den  Fundort  näher  zu  präcisieren  fällt  mir  sehr  schwer,  da  er  mitten 
im  Walde  in  einer  Bachrinne  liegt,  ohne  dass  in  der  Nähe  irgend 
ein  Weg  und  Steg  sich  befänden.  Der  einzige  Anhaltspunkt  wäre  der, 
dass  jenes  Wässerchen  in  den  Ptiu  Barbului  fliesst,  der  seine  llichtung 
gegen  Titesti  nimmt. 

Das  Verflachen  ändert  sich,  sobald  wir  von  Titesti  nach  Norden 
wandern,  u.  zw.  oberhalb  Bumbuesti  8'',  auf  der  Strasse  von  Voisoara 
nach  Griblesti  9''.  Die  zahlreichen  Nummuliten,  die  ich  sowohl  bei 
Perisani  als  auch  oberhalb  Titesti  gesammelt  habe,  beweisen  zur 
Genüge,  dass  wir  es  hier  mit  Eocän  zu  thun  haben.  Dieses  bildet 
die  Form  einer  breiten  Synklinale,  was  auch  Sabba  S  t  e  f  ane  sc  u  in 
seiner  Arbeit  über  die  Stratigraphie  des  Tertiärs  hervorhebt^).  Wenn 
es  nun  zweifellos  ist,  dass  wir  über  Titesti  hinaus  Eocän  vor  uns 
haben,  so  glaube  ich  trotzdem  nicht  fehlzugehen,  wenn  ich  die  nörd- 
liche Partie  des  Beckens  von  Titesti  der  Kreide  zuzähle.  Vor  Allem 
gehen  wir  ja  thatsächlich  in  das  Liegende,  wie  das  Verflachen  von 
8''  und  9''  beweist,  was  aber  noch  auffallender  ist,  das  ist  wieder 
das  Ueberhandnehmen  jener  grossen  senonen  Kreideblöcke,  sowie 
der  gleiche  petrographische  Charakter  der  Kreidescholle  von  Brezoiu. 

Der  ganze  südliche  Theil,  der  bei  dem  Orte  Baiesti  und  Pripora 
beginnt,  von  hier  sich  immer  mehr  verbreitert  und  bis  an  die  Südgrenze 
unseres  Kartenblattes  zu  verfolgen  ist,  wurde  dem  Epcän  zugezählt, 
obwohl  es  auch  hier  möglich  ist,  dass  die  Liegendpartien  der  oberen 
Kreide  angehören.  Fossilführende  Punkte  wurden  nur  auf  dem  Wege 
von  Pripora  nach  Poiana  und  in  dem  Bachbette  gegen  den  Mt.  Clo- 
cotita  gefunden,  üeberall  trifft  man  hier  auf  Nummuliten,  die  ganze 
Bänke  von  Nummulitenkalk  bilden;  in  ihnen  finden  sich  neben  dem 
Nnmmidites.  contortn^  DesJi.,    Sp«ni(Ii//n.'<  cf.   aslafifiis  (l'Airli  und   zahl- 

')  Salilia  Stc  faiiosc  ii:  Etiulft  siir  los  tcrrains  t.ertiaircs  de  Romiiaiiio,  I.e. 
pag.  7ü. 


[^n 


Geol.  Stiulien   im  (lebioto  des  Olt-  und  Oltctzthales  in   Iliiriiänion. 


reiche  Pecteiiabdrücke.  Da  von  liier  aus  das  VerHiiciien  ein  süd-süd- 
östliches  verbleibt,  gegen  Cozia  zu  sogar  ein  rein  südliches  wird 
und  da  überdies  weiter  im  Osten  anschliessend  an  unser  Gebiet 
Sabba  Stefanescu')  im  Topologthal  ebenfalls  Nummuliten  des 
mittleren  Eocän  gefunden  hat,  so  habe  ich  die  ganze  Partie  als  Eociin 
ausgeschieden.  Petrügrai)liisch  besteht  der  ganze  Complex  zu  unterst 
aus  grauem  Sandstein  mit  mergeligen  Zwischenlagen,  wie  sie  auf  der 
Strasse  im  Oltthal  oberhalb  Cozia  aufgeschlossen  sind,  im  Hangenden 
aus  Conglomeraten  ebenfalls  oft  mit  sandigen  und  mergeligen  Zwischen- 
lagen. Die  Schichtfolge  ist  also  umgekehrt,  wie  in  der  oberen  Kreide 
von  Brezoiu,  wo  gerade  die  Liegendschichten  aus  Conglomeraten,  die 
Ilangendschichten  dagegen  aus  Sandstein  mit  mergeligen  Zwischen- 
lagen bestehen.  Das  Ganze  hat  den  echten  Flyschcharakter,  überall 
treffen  wir  Hieroglyphen,  sowohl  in  der  Kreide  als  auch  im  Eocän. 
P^s  ist  daher  eine  Trennung  dieser  beiden  Schichtstufen  auf  Grund 
petrographischer  Merkmale  kaum  möglich,  wenn  nicht  Fossilfunde  die 
Präcisirung  des  Alters  erlauben. 

Eine  auffallende  Erscheinung  jenes  Gebietes  will  ich  nicht  un- 
erwähnt lassen.  Es  sind  die  schwefelwasserstoft'führenden  Quellen,  die 
allenthalben  den  Flyschgesteinen  entströmen.  Neben  denen  von  Cali- 
manesti  sind  es  schwächere  Quellen  in  der  Umgebung  von  Brezoiu, 
welche  unsere  Aufmerksamkeit  erregen.  Namentlich  ist  es  eine  im 
Thale  Doabrei,  einem  Seitenthale  des  Lotru  an  seinem  linken  Ufer, 
gegenüber  der  Kirche  von  Brezoiu,  die  sich  dadurch  auszeichnet,  dass 
mehrere  Meter  ober  ihr  eine  zweite  Schichtquelle  entspringt,  die 
süsses  Wasser  führt. 

Zum  Schlüsse  möchte  ich  noch  unser  Kreide-  und  Eocän - 
vorkommen  mit  den  bis  jetzt  studierten  nächstgelegenen  Partien  ver- 
gleichen und  da  werden  wir  durch  die  ausserordentlich  werthvolle 
Arbeit  von  Popo  vi  ci-Hatzeg^)  auf  die  Umgebung  von  Campulung 
und  Sinaia  gewiesen.  Conglomerate  und  Mergel  bilden  hier  die  Kreide. 
Die  ersteren  enthalten  eine  cenomane  Fauna,  während  die  darüber 
liegenden  Mergel  senonen  Alters  sind.  Das  Eocän  folgt  theilweise 
als  Nummulitenkalk  mit  darüber  lagernden  Conglomeraten,  theilweise 
als  Flysch,  das  sind  Conglomerate  und  Sandsteine  mit  mergeligen 
Zwischenlagen. 

Aus  dem  oberen  Oltthal  auf  ungarischer  Seite  erwähnt  H  er  bi  c  h  3) 
Conglomerate,  aus  welchen  er  an  einer  Stelle  bei  Uermös'^)  Fossilien 
der  ganzen  oberen  Kreide  gesammelt  hat.  Es  scheint  daher,  als  ob 
die  petrographische  Ausbildung  der  Kreidesedimente  von  Cenoman 
aufwärts  in  den  südlichen  Karpathen  dieselbe  geblieben  sei.  Anders 
steht   es    mit  der   palaeontologischen  Entwicklung.     Während  wir  an 

')  Ibidem  pag.  72. 

^)  Popovici:  Etüde  geologique  des  environs  de  Campulaug  et  de  Sinaia. 
These  presentee  a  la  fac.  des  sciences  de  Paris,  pag.  121.  Paris,  Georges  Carro 
et  C.  Naud.  Editeurs.  1898. 

^)  Herb  ich:  Das  Szeklerland  mit  Berücksichtigimg  der  angrenzenden 
Landestheile.  Mitth.  d.  Jahrb.  der  kön.  ung.  geol.  Ges.   1878,  pag.  243. 

*)  Herbich:  Ueber  KreidebihUingen  dar  siebenbürgischen  Ostkar])athon, 
Yorh.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1886,  pag.  308. 

.lahrbiich  d.  k.  k.  geol.  ReicU.Siiiistalt,  18ii9,  49.  Bd.,  1.  lUt.  (Ur.  K,  A.  Kedlieli.)       2 


10  Dr.  K.  A.  Redlich.  |10] 

vielen  Stellen  in  Siebenbürgen  und  auch  an  unserem  Fundorte  zahl- 
reiche Ilippuriten  finden,  so  dass  man  direct  von  Ilippuritenkalken 
sprechen  kann,  fehlen  diese  an  anderen  Punkten  vollständig  und  sind 
durch  eine  reiche  Animonitenfauna  ersetzt,  wie  z.  B.  an  dem  von 
Herb  ich  beschriebenen  oben  citirten  Fundort  von  Uermös. 

Schliesslich  möge  nochmals  darauf  hingewiesen  werden,  dass  bis 
jetzt  ähnliche  senone  Blockkalke  in  dem  südlichen  Karpathenzug  noch 
nicht  gefunden  wurden.  Auch  das  Eocän  ist  überall  gleicli   entwickelt. 


II.  Die  Gegend  zwischen  Cernadia  und  Polowratsch. 

Zwischen  Cernadia  und  Polowratsch  erheben  sich  weithin  sichtbar 
weisse  Kalke,  welche  dieser  Gegend  das  charakteristische  Gepräge 
verleihen.  Sowohl  die  Karte  des  geologischen  Bureaus ')  als  auch  jeiie 
von  I)  r  a g h i  c  e  n  u  ^)  verzeichnen  an  dieser  Stelle  oberjurassische 
Kalke,  ohne  dass  das  Hangende  und  Liegende  einem  besonderen 
Studium  unterworfen  worden  wäre.  In  den  von  mir  in  den  Verhand- 
lungen der  geologischen  Ileichsanstalt  1895,  pag.  330  und  189(),  pag.  82 
gegebenen  Reiseberichten,  habe  ich  in  Bezug  auf  die  Schichtenfolge 
in  dem  hier  zu  besi)rechenden  Gebiete  Ansichten  ausgesprochen, 
M'elche  ich  heute  nach  dem  Abschlüsse  meiner  Studien  auf  Grund 
wiederholter  Begehungen,  bei  denen  ich  neue  bessere  Aufschlüsse  zu 
finden  so  glücklich  war.  nicht  mehr  aufrecht  erhalten  kann. 

Die  Unterlage  besteht  grösstentheils  aus  Gneissen  mit  granitischen 
Zwischenlagen.  Nördlich  von  Cernadia  bis  gegen  das  Thal  des  Galbin 
sind  es  Biotitgneisse.  Diese  sind  deutlich  geschichtet  mit  einem  süd- 
lichen Yertiächen  bei  steiler  Schichtstellung  und  biotitreich.  Unter 
dem  Mikroskope  sieht  man  ein  Aggregat  von  farblosen,  wasserhellen 
Quarzkörnern,  durch  Muscovitschuppen  und  getrübte  Feldspathkrystalle, 
deren  p]]emente  meist  zähnig  ineinander  greifen,  unterbrochen.  Die 
Quarzkörner  zeigen  in  der  Regel  stark  undulöse  Auslöschung,  zuweilen 
erscheinen  sie  auch  zwischen  gekreuzten  Nicols  zwillingsartig  gestreift. 
An  den  Feldspathen  beobachtet  man  nicht  allzu  selten  mikroklinartige 
Zeichnung,  was  wohl  als  Wirkung  des  Gebirgsdruckes  aufzufassen  ist 3). 
Reichliche  Mengen  eines  dunkelbraunen  Biotits  zum  Theil  in  Chlorit 
verwandelt,  si)ärliche  Nadeln  von  Apatit  und  Körner  von  Zirkon  ver- 
vollständigen  das  Bild. 

Die  oben  erwähnten  granitischen  Partien  in  den  Gneissen 
gestatten  folgende  Beobachtung:  Sie  bilden  ein  feinkörniges  bis  "mitt- 
leres Aggregat  ohne  Andeutung  einer  Parallelstructur.  Der  Feldspath 
ist  wohl  seiner  Hauptsache  nach  Orthoklas,  doch  kommen  einzelne 
Körner  von  Mikroklin  und  Plagioklas  vor.     Von  Glimmer  finden  sich 


')  1888:  Harta  geologicn  generala  a  Romaniei  liicratu  de  nioml)ri  bloranlni 
goologic,  snl)  directionea  Dlui  G,  Btefanescu. 

-)  1890,  Draghicenn,  Geologische  Uebersichtskarte  dos  Königreiches 
Kiiniänien,   1:800.000.  Jahrb.  d.  k    k.  geol.  Keichsaiistalt,  Band  XL. 

")  Brauns.  Die  optischen  Anomalien  der  Krystalle,  pag    135.  Leipzig  1891. 


ril]        tieol.   Stiiili(!ii  im  Gebiete  des  01t-  und  ()lt(!t/,thales  in   Rumänien.  |1 

sowohl  Biotit  als  auch  Muscovit,  dofh  beide  in  verhältuissniässig 
j^eriugeii  Meiipieu^i. 

Nach  den  Angaben  von  Munteanu  Murgoci  aus  dem  benachbarten 
Paringugebirge  '•^),  wären  diese  Gneisse  nichts  anderes,  als  palaeo- 
zoisciie  (iesteine,  die  ihr  krystallinisches  Aussehen  einer  nietamorphen 
Umwandlung  durch  die  in  der  Nähe  befindlichen  Granit-  und  Granulit- 
massen  verdanken,  und  sich  in  ununterbrochener  Linie  von  Baia  dl 
Arama  bis  hierher  verfolgen  lassen. 

Diese  Gneisse  mit  granitischen  Partien  bleiben  als  Unterlage 
der  sedimentären  Massen  bis  in  die  Gegend  des  Galbinthales,  wo 
(iranite  die  Gneisse  durchbrechen.  Weiter  gegen  Osten  bei  Polowratsch 
ist  das  Archäische  durch  Gneisse  vertreten.  Hier  kann  man  wohl  mit 
Recht  von  Muscovitgneissen  sprechen,  da  der  Biotit  gegenüber  dem 
Muscovit  weit  zurücktritt.  Der  Feldspath  zeigt  auch  hier  eine  stellen- 
weise recht  deutliche  Mikroklinstructur. 

Ueber  diesen  Schichten  folgt  ein  lichtes,  einem  Aplite  makros- 
koi)isch  nicht  unähnliches  Gestein.  Die  Betrachtung  der  Dünnschliffe 
lehrt  jedoch,  dass  es  aus  Quarzfragmenten,  sehr  spärlichen  Resten 
von  polysynthetisch  verzwillingten,  stark  zersetzten  Feldspatlien  und 
kleinen  Muscovitschuppen  besteht.  Die  beiden  erstgenannten  Ge- 
mengtlieile,  insbesonders  aber  der  Quarz,  zeigen  eine  stark  undu- 
löse  Auslöschung.  Das  Gestein  ist  ein  Sandstein,  welcher  wahr- 
scheinlich dem  durch  Druck  wieder  verfestigten  Granitgrus  seinen 
Ursprung  verdankt  und  kann  mit  dem  Brongni  art'schen  Namen 
Arkose  bezeichnet  werden.  Diese  Arkose  kennt  Mrazek^)  bereits 
aus  dem  Vulkangebirge  und  hat  sie  bis  in  das  Thal  des  Ghilorcelu 
verfolgt.  Dies  ist  jenes  Thal,  bei  welchem  im  Westen  unser  Kalk- 
massiv beginnt.  Von  hier  aus  ziehen  die  Arkosen  weiter  bis  gegen 
das  Galbinthal,  wo  sie  auskeilen.  Mrazek  hält  sie  auf  Grund  von 
Vergleichen  mit  Arkosen  des  Banates  für  liasisch.  Fossilien  Hessen 
sich  darinnen  nicht  finden. 

Eine  auffallende  Erscheinung  zeigt  diese  Arkose  im  Thale  beim 
zweiten  Kalkofen  am  Wege  von  Novaci  nach  Cernadia  (im  Folgenden 
werde  ich  das  Querthal,  das  bei  diesem  Kalkofen  endigt,  kurzweg 
das  der  Pleasa  nennenl  Dringt  man  in  jenes  Thal  vor,  so  trifft  man 
auf  graue  Gesteine,  welche  mir  im  Felde  als  metamorphe  Linsen 
innerhalb  dieser  Arkose  erschienen,  so  dass  ich  ihre  Lagerung  nicht 
weiter  verfolgte. 

Unter  dem  Mikroskope  stellt  sich  nun  heraus,  dass  wir  es  mit 
einem  Fibrolithgneiss  zu  thun  haben.  Das  feinkörnige,  ziemlich  biotit- 
arme  Gestein  zeigt  im  DünnGchlitf  unter  dem  Miskroskope  folgendes 
Bild.  (Siehe  die  Fig.  3.)  Das  aus  reichlichen  Mengen  von  Quarz  und 


')  Die  Stücke,  welche  dieser  Beschreibung  zu  Grunde  liegen,  sind  im  Thale 
des  Ghilorcelu  und  in  dem  der  Pleasa  gesammelt.  Herr  M.  Murgoci,  der  sie  in 
meinen  Aufsammlungen  sah,  erkannte  dieselben  sofort  als  Gesteine,  die  jenen 
Metamorphosen  des  Paringgebirges  gleichen. 

'-)  M.  Murgoci:  Dare  de  reama  cercetarilor  geologica  diu  Vara  1897 
II  Manioul  Paringu.  Bucaresci  1898. 

"j  L.  Mrazek:  Dare  de  seama  asiipra  cercetarilor  geologice  diu  Vara 
1897.  1.  Partea  de  E.  A.  Miintilor  Vulcan,  pag.  15.  Raport  inaintat  D-lni  Minisfru 
Agiiculturei.  Bucnresci  1898. 


12 


Dr.  K.   A.  Redlicli. 


[12] 


spärlichem  Feldspath  bestehende  Aggregat  bildet  etwa  ^/g  der  ganzen 
Gesteinsmasse.  In  diesem  Aggregat  gleichsam  eingebettet  finden  sich 
Biotitlamellen  und  spärliche  Muscovitschiippen.  Einzelne  isotrope 
Körner  mit  auffallend  starkem  Relief  sind  Granat.  Ab  und  zu  er- 
scheinen in  dem  Gesteine  grössere  Partien  von  Quarz,  welche  ganz 
durchspickt  sind  von  äusserst  dünnen  (0001 — 0003  mm),  langen 
Nadeln,  genau  so  wie  in  dem  von  13  ecke  untersuchten  Fibrolith- 
gneiss  ^)   von  Fuglau   im   niederösterreichischen  Waldviertel,    den  ich 

Fig".  3. 


Fibrolitligiieiss  aus  dem  Thale  der  Pleasa  bei  Ceniadia  in  Uuuiänien. 

Die  Sillimanitnadeln  sind  durchscbnittlich  dünner  als  in  dem  Gneisse  von  Fuglau. 
Die  dunkleren  Stellen  enthalten  Biotitlamelleu  und  trübe  Zerset^ungsproducte  des 

Feldspaths. 


des  Vergleiches  wegen  in  Fig.  4  abgebildet  habe.  Die  geringen  Dimen- 
sionen der  Nadeln  verhindern  die  optische  Prüfung,  doch  ist  die  Aehn- 
lichkeit  der  Gesteine  überhaupt  eine  so  grosse,  dass  an  der  Kichtig- 
keit  der  obigen  Bestimmung  nicht  gezweifelt  werden  kann.  Diese 
Laboratoriumsbeobachtung  würde  eher  dafür  sprechen,  dass  die  Arkose 
auf  dem  Fibrolithgneiss  ruht,  dass  wir  es  daher  vielleicht  nur  mit 
einem  aus  nächster  Nähe  herbeigerollten  Block  von  jenem  Gneiss  zu 
thun  haben.  Da  es  nun  natürlich  nicht  mehr  möglich  ist,  jene  Stellen 


^)Becke.  Die  (Tneisforniation  des  niederösterreichischen  Waldviertels. 
Tschermak's  mineral.-petr.  Mittheilungen,  IV.  Bd.,  pag  213.  —  I^ie  Dicke  der 
Sillimanitnadeln  beträgt  nach  meinen  Messungen  (0001 — 0  Ol   mm). 


[13] 


Gt!oI.   Studien  im  (icbictte  des  Olt-  unil  Oltct/tlialcb  in   lliiniiuiicii 


i:5 


zu  besuclieu,    so  imiss  ich  die  Stelhnig  dieser  FibroJitli^neisse  imier- 
lialb  des  Schichtsystenis  offen  lassen. 

Ueber  diesen  Sandsteinen  folgen  die  weissen  oberjurassischen 
Kalke.  An  ihrer  Basis  sind  dieselben  oft  geschiefert  mit  thonigein 
Zwischenmittel,  wie  z.  B.  beim  Kloster  Polowratsch.  Sie  haben  bald 
graue,  bald  weisse  Farbe.  P^>inzelne  unbestimmbare  Nerineen  und 
Korallen  sind  die  ganze  palaeontologische  Ausbeute.  Diese  wurden  in 
losen  Blöcken  im  Galbinthal  gefunden.  Diese  Kalke  bilden  bei  Cernadia 


Fig.  4. 


Fibrolitligiieiss  von  Fug-lau,  Nied.-Oest.,  Waldviertel. 

ISillimaiiitnadeln  zu  Bündeln  vereinigt,  mit  (^iiarz    verwachsen.     Lappen  von   Biotit 
und  grosse  Körner  von  Granat. 


zwei  Antiklinalen,  zwischen  welche  der  Flysch  synklinal  eingefaltet  ist 
(s.  Profil  1  auf  Seite  18).  Die  südlichere  verliert  sich  gegen  Osten 
unter  den  Flysch,  während  die  nördliche  sich  nach  Osten  fortsetzt, 
im  Thale  der  Pleasa  von  einer  Antiklinale  des  Arkosensandsteines 
unterbrochen  wird,  an  welcher  Stelle  eine  Schlucht  am  linken  Ufer 
des  Baches  sichtbar  ist  (s.  Protil  II  auf  Seite  181  Soweit  sich  hier  in 
dem  fast  ungeschichteten,  von  Clivage  durchsetzten  Kalkstein  ein  Ver- 
flachen abnehmen  lilsst,  scheinen  sich  diese  Kalke  noch  einmal  nach 
Norden  svnklinal  einzubiegen.  Wie  schon  Mrazek  ^)  hervorhebt,  w'eisen 


^)  Mrazek:  Dare  de  seama  asiipra  cercetarilor  geol   diu  vara  1S!)7.  I.  Partea 
de  E    A.  Munlilor  Vulcan,  1.  c.  pag.  '20. 


14  Dr.  K.  A.  Redlicli,  [14] 

alle  diese  Kalksteine  (l;is  Karstphäiiomen  auf.  „Ueberall,  wo  wir  ent- 
waldete Thäler  finden,  bedecken  grosse  Trümmermassen  den  Boden. 
Unzählig  sind  die  Grotten,  die  tief  eingerissenen  Thäler,  die  Spalten, 
Löcher  und  die  unterirdischen  Quellen."  So  finden  wir  Thäler,  wie  die 
des  Oltetz  und  der  Cernea,  die  tief  eingerissene  Canons  darstellen, 
solange  sie  in  den  Kalken  ihr  Bett  eingegraben  haben').  Zahlreiche 
Grotten,  wie  die  von  I^olowratsch,  von  denen  die  grösste  an  der  Ost- 
seite des  Oltetzthales  liegt,  während  drei  kleinere  am  entgegengesetzten 
Ufer  in  schwindelnder  Höhe  sich  befinden,  säumen  das  Thal  ein.  Im 
letzteren  findet  sich  Salpeter,  den  Einwohnern  schon  lange  bekannt 
und  zur  eigenen  Pulvererzeuguiig  verwendet.  Bei  Baia  di  fer,  an 
der  Einmündung  des  Galbin,  finden  wir  eine  Höhle  mit  Guano,  aus 
der  Munteanu  Murgoci  den  Zahn  eines  f7/s?(s  spelwus  erwähnt ^j. 
Auch  bei  Cernadia  ist  eine  Höhle,  von  der  der  letztgenannte  Ver- 
fasser glaubt,  dass  sie  mit  der  von  Baia  di  fer  zusammenhänge.  Oft 
kommen  auch  aus  dem  Kalkstein  unvermittelt  Quellen  hervor,  wie 
z.  B.  bei  Cernadia.  Diese  Kalke  sind  Reste  einer  zusammenhängenden 
Kalkmasse,  die  den  ganzen  Südrand  der  Karpathen  eingesäumt  haben. 
Sie  finden  sich  bald  in  grösserer,  bald  in  kleinerer  Ausdehnung  so- 
wohl östlich  und  westlich,  als  auch  nördlich  von  unserem  hier  zu  be- 
schreibenden Gebiete.  Ueberall  sind  sie  leicht  an  ihrer  grauen  Farbe 
zu  erkennen.  Was  ihr  Alter  anbelangt,  so  können  wir  sie  mittelst 
Analogie  dem  oberen  Jura  zuweisen.  Ob  die  Kalkschiefer  an  ihrer 
Basis  ebenfalls  dem  oberen  Jura  zuzuzählen  sind  oder  dem  Dogger 
angehören,  lässt  sich  in  dieser  fossilarmen  Gegend  nicht  bestimmen. 
Als  jüngeres  Glied  folgt  über  diesen  Kalken  der  Flysch.  Der  Flysch  ist 
in  Form  von  Sandstein,  rothen  und  grünen  Schiefern  und  gebankten 
Kalken  mit  thonigem  und  sandigem  Zwischenmittel  ausgebildet.  Eine 
Störung  trennt  ihn  im  Süden  von  den  Kalken,  er  scheint  am  ganzen 
Südrande  auf  dem  jurassischen  Kalke  hinabgesunken  zu  sein,  was 
namentlich  beim  Kloster  Polowratsch  deutlich  sichtbar  wird.  Dass  das 
weiche  Material  der  gebirgsbildenden  Kraft  wenig  Widerstand  ent- 
gegengesetzt hat.  zeigt  sich  deutlich  in  der  Synklinalen  Einfaltung  des 
Flysch  nördlich  von  Cernadia.  Das  genaue  Alter  dieser  Flyschpartie 
zu  bestimmen,  ist  wiederum  in  Folge  der  Fossilarmuth  dieser  Schichten 
unmöglich.  Der  einzige  Anhaltsi)unkt  wäre  ein  Vergleich  ähnlicher 
Schichten  in  den  Alpen,  wo  die  rothen  und  grünen  Schiefer  innerhalb 
des  Flysches  als  der  unteren  Kreide  angehörig  betrachtet  werden. 

Jüngeres  Tertiär  reicht  discordant  über  den  Flysch  hinauf  bis 
an  die  Jnrakalke.  Von  Cernadia  lässt  es  sich  am  Südrand  bis  gegen 
Polowratsch  verfolgen.  Es  besteht  aus  Leithakalken  und  darunter  aus 
lichtgrünem  Tegel.  In  dieser  Ausbildung  legt  sich  eine  Partie  des 
Tertiär  mit  siidlichem  Verflachen  direct  an  die  Jurakalke.  Von  dieser 
durch  den^^ysch  getrennt,  kann  man  eine  zweite  südliche  Ablage- 
rung ebenfa/ftl  mit  südlichem  Einfallen  betrachten,  auf  welcher  Cer- 
nadia  steht.    In  den    an    den  Jurakalken    gelegenen    höheren  Partien 

')  Mrazek:  Queltiiies  romarqiies  sur  le  cours  des  riviöres  en  Vallachie. 
Anmiairo  du  Miiseo  geol.  de  Bncarost  1896,  pag.  19. 

-j  Munteanu  Murgoci:  Calcare  si  fenomene  de  Erosione  in  Carpatii  nieri- 
dionali.  Buletinul  societatii  de  sciinte.    An.  VII,  Nr.   1.   I<s98,  pag.   14. 


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(ieol.  Studien  im  Gebiete  des  01t-  und  Oltetztliales  in  Riimänio 


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16  Dr.  K.  A.  Rodlicli.  |16] 

liatte  ich  Gelegenheit,  zalilreiche  Fossilien  zu  sammeln,  namentlich 
in  einer  am  linken  Ufer  des  Pleasathales  gelegenen  Wasserrinne.  Die 
Leithakalke  sind  gelbweiss  bis  grau,  enthalten  dort,  wo  sie  an  die 
Jurakalke  stossen.  zahlreiche  Brocken  derselben  und  sind  an  einzelnen 
Stellen,  so  namentlich  gegen  den  Ghilorcelu  Rinku  reich  an  Llflm- 
fluinniiiim  raiHosifti^imum-KnoWen.  Neben  diesen  konnte  ich  in  ihnen 
noch  folgende  Fossilien  sammeln : 

Ci/pyaea  s^p. 

CeritJiium  cf.  ruhifjinoAuni  Eichir. 

Bulla  sp. 

Troclnisi  sp. 

Mnnodonta  cmguhifa   Eielnr. 

Fectiincidus  pilosus  Lhin. 

Area  Noae  Linn. 

Cardium  äff.  hispiduiif   Kichir. 

Chama  sp. 

Lima  cf.  sqnmosa  Polli. 

Ausserdem  enthält  das  Gestein  noch  zahlreiche  Foraminiferen, 
welche  Durchschnitte  von  Quinqueloculinen  und  Triloculinon  darstellen, 
die  jedoch  in  diesem  Zustand  nicht  bestimmbar  sind. 

Vor  Allem  herrscht  jedoch  Alveolina  melo  d'Orh.  vor,  welche  an 
manchen  Stellen  geradezu  gesteinsbildend  auftritt. 

Es  ist  also  kein  Zweifel,  dass  wir  marine  Kalke  der  Uferzone 
vor  uns  haben,  welche  mit  den  Leithakalken  des  Wiener  Beckens 
vollständig  übereinstimmen.  Die  darunter  liegenden  Tegel,  weiche 
oft  von  harten  Conglomeratbänken  unterbrochen  werden,  enthalten 
neben  zahlreichen  Polystomellen ,  Sphäroidinen  \\m\  Truncatulincn 
folgende  Fossilien: 

Ringkula  huccinea  JJesh. 
Mitra  recticostata   Bell. 
„       stnafula  Brocc, 
Plcurotoma  n.  xp.  (verwandt  mit  7V.  sfriafida  i. 
Turrifella  hicarinata,  Kiclnr. 

„  turris  Bast. 

„         c.f.  terehrcdis  Law. 
Trocluis  sp. 

Odontostoma  cf.  plicata   Moni. 
Nnfica  liclicina  Brocc. 
Iiissoa  Ldchcsifi  Bdsf. 
Denfafiinn  incurcum  llcn. 
Corlmla  gihha  Olivi. 
Nuctda  nucUus  Linnce. 

,,        Mai/cri  Ilöni. 
Venus  sp. 

Pecteti  cf.   RcKssi  Hörn. 
Osfntea  cochh'C(r  Polli. 
Echinidcnstachel. 
LaiHHU  elcguHx  Ag. 


[17]        Geo\.  Studien  im  Gebiete  des  Olt-  und  Oltetzthales  in   Riimiinien  17 

Diese  Tegel  sind  daher  luicli  ihrer  Fauna  eine  Facies  des  oberen 
Theiles  der  zweiten  Mediterranstufe  und  könnten  am  besten  mit  den 
Ablagerungen  von  Gainfahrn  und  Steinabrunn  verglichen  werden. 
Wie  schon  erwähnt,  zieht  sich  das  Miocän  gegen  Osten  weiter  und 
wird  in  einer  Entfernung  von  zwei  Stunden  im  Oltetzthal  in  Form 
von  groben  Conglomeraten  und  schwarzen  Kalken  wieder  aufgedeckt 
angetroffen.  Es  legt  sich  hier  an  den  Flysch  und  ist  nur  in  dem  tief 
eingerissenen  Thal  sichtbar,  da  jüngere  8chottermassen  das  Ganze 
überdecken. 

Die  scliwarzen  Kalke  enthalten  zahlreiche  Litothamnien  und 
Foraminiferen,  von  denen  auch  hier  Äloeol/na  m4o  (VOrh.  vorherrscht. 
Ueberdies  konnte  ich  aus  ihnen  noch  folgende  Fossilien  heraus- 
präpariren  und  bestimmen : 

Conus  ventricosm  Bronn. 

Cijpraea  sp. 

Cerithium  scahrum  Olivi. 

Rissoina  piisüla  ßrocc. 

Risf'oa  sp. 

Lithodotnus  avitensis  Mai/er. 

Hinnites  s^). 

Modiola  sp. 

Gastrochaena  dubia  Renn. 

Serjmla  sp. 

Vermetus  infortus  Lam. 

Cidaris  cf.  Schwahenaiü  Lcmbe. 

Heliastraea  Reusseana  M.  Edu\  et  H. 

Gegen  Süden  schliesst  sich  an  das  Miocän  concordant  das  Sar- 
matische  an.  Im  Oltetzthal  beginnt  es  mit  einem  kleinen  Faltenzug 
(Profil  ni)  und  zeigt  dann  ein  Verflachen  gegen  Süden.  Es  bestellt 
theils  aus  Conglomeraten,  theils  aus  zwischenlagernden  Sandbcänken. 
Die  Bindemittel  der  ersteren  enthalten  eine  ausserordentliche  Menge 
von  Fossilien  und  sind  an  manchen  Stellen  direet  durch  Muschel- 
breccien  ersetzt,  wie  wir  sie  ähnlich  bei  Nexing  in  Niederösterreich 
antreffen.  Trotz  der  ausserordentlich  grossen  Individuenzahl  konnte 
ich  nur  wenige  Species  auffinden.  Es  sind  dies: 

Madra  podolka  Eicliu\ 
Ervilia  podolka  Eichtv. 
Cerithium  disjunctum  Soir. 

Die  Gasteropoden  treten  gegenüber  denLamellibranchiaten  ausser- 
ordentlich zurück.  Das  jüngere  Tertiär  hat  in  Rumänien  eine  weite 
Verbreitung!)  und  keilt   schliesslich    gegen  Osten  2)    im  Baragan  aus. 

^)  Ueber  die  Ausdehnung  der  Tertiärschichten  in  Rumänien  gibt  uns  die 
Arbeit  von  Sabba  Stefanescu:  „Etüde  sur  les  terrains  tertiaires  de  Koumanic. 
Lille,  Imperimerie  ßigot  Freres,  1897"  Aufschluss. 

-)  C.  A  1  i  m  an  e  s  t  i  anu:  Communicare  asupra  sondagului  din  Baragan. 
Estras  din  buletinul  sog.  politecnice  Nr.  3,  1895,  Anul  XI. 

.labrbneh  d.  k.  k.  geol.  Reiclisanslalt,  1899,  49    Bd.,  1.  Hft.  (Dr.  K.  A.  RedHcli.)       3 


18 


Dr.  K.  A.  Redlich. 


[18] 


riD]        Geol.  Stiulieu  im  Gebiete  des  01t-  niul  Oltetzthalcs  in  Rumiiiiieii.  19 

Die  von  mir  auf  vorstehender  Seite  gegebenen  Trofile  I,  II,  III 
beziehen  sich  auf  diese  Studie.  Profil  I  beginnt  bei  den  ersten  Kalk- 
öfen am  Wege  von  Novaci  nach  Canadia  und  zieht  sicli  nach  Nord- 
nordost, so  dass  das  Thal  von  Ghilorcelu  östlich  liegen  bleibt.  Die 
ältesten  Gesteine  sind  Gneisse  mit  granitischen  Einlagerungen,  darüber 
folgt  die  Arkose.  Die  jurassischen  Kalke  sind  in  zwei  Antiklinalen 
getheilt,  zwischen  welche  der  Flysch  synklinal  eingefaltet  ist.  Das 
Miocän  liegt  in  zwei  getrennten  Partien  auf  dem  Ganzen,  am  Abhang 
des  Ghilorcolu  Rinku  in  Form  von  Leithakalk  mit  Llthothamnium 
mmosiss^imum  und  grünem  Tegel,  welch'  letzterer  am  Fusse  der  Berge 
gegen  das  Dorf  Cernadia  sich  fortsetzt.  Beide  Theile  haben  südliches 
Verflachen. 

Im  Osten  schliesst  sich  Profil  II  an,  welches  die  Verbesserung 
jenes  im  Jahre  1895  in  den  Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt,  pag.  331,  gegebenen  Profils  enthält.  Wir  sehen  die 
südliche  Antiklinale  der  oberjurassischen  Kalke  bereits  nicht  mehr, 
da  dieselbe  unter  dem  Flysch  getaucht  ist;  die  nördliche  Antiklinale 
wird  durch  eine  Schlucht  unterbrochen,  in  welcher  der  Arkosen- 
sandstein  zum  Vorschein  kommt.  Das  obere  Kalkmassiv  scheint  syn- 
klinal eingebogen  zu  sein,  obwohl  dies  nur  eine  Vermuthung  ist,  da 
sich  ein  Verficächen  nirgends  abnehmen  Hess.  Der  Arkosensandstein 
liegt  auch  hier  auf  Biotitgneissen. 

Schliesslich  wäre  das  östlichste  Profil  zu  betrachten.  Die  juras- 
sischen Kalke  ruhen  auf  Muscovitgneiss  (Profil  III),  daran  legt  sich 
der  Flysch,  welcher  durch  eine  Störung  von  den  Kalken  getrennt 
ist;  im  Thale  des  Oltetz  trifft  man  die  Leithakalke,  auf  diesen  con- 
cordant  das  Sarmatische.  Schotter  bedecken  theilweise  den  Flysch 
und  das  jüngere  Tertiär.     Auf  ihnen    steht  das  Kloster  Polowratsch. 


Palaeontologische  Beschreibung   der  Kreidefossilien  des 
Oltetzthales. 

Lif/iofhaninium  cf.   tiironicum  Rothpletz. 

(Siehe  umstehend  Fig.  G.) 

1891.  Iiothi)letz:  Fossile  Kalkalgen  aus  den  Familien  der  Codia- 
ceen  und  der  Corallineen.  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  1891, 
pag.  313,  Taf.  XVI,  Fig.  9,  13. 

Längliche,  strauchartig  sich  verzweigende  Kalkröhrchen  durch- 
setzen das  Gestein.  Sie  haben  einen  Durchmesser  von  1—1 V2  '"^^'• 
Der  ganze  Strauch  hat  eine  beiläufige  Höhe  von  3— 4c;w.  Die  Zellen 
sind  () — 10  [j.  breit  und  10 — 12  [j.  im  Hypotliallium  bis  31  a  lang. 
Gestalt  und  Zellengrösse  stimmen  recht  gut  mit  lAfhothumninm  tiiro- 
nicum überein,  nur  der  Durchmesser  der  Kalkröhrchen  ist  geringer. 
Da  von  der  Fructifikation  nichts  zu  sehen  ist,  so  ist  eine  vollständig 

3* 


20 


Dr.  K.  A.  Redlich. 


[20] 


sichere  Ideiitificirun*^'  mit  L.  turorücum  nicht  möglich.  Herr  Professor 
Rothpletz  in  München  war  so  liebenswürdig,  die  Stücke  mit  seinen 
Originalen  zu  vergleichen,  und  meint,  dass  die  geringe  Dicke  aus 
der  Sterilität  der  Aststücke  zu  erklären  sei,  da  die  fertilen  Stöcke 
stets  ein  kräftigeres  Rindenmaterial  zeigen.  Eine  habituelle  Aehnlich- 
keit  mit  der  recenten  Species  L.  bi/ssoldes  Lam.  haben  mich  bewogen, 

Fig.  6. 
Lithotliaiiinium  cf.  turoiiicum  Rothplctz. 


'>)  Längsbrucli,  den  Verlauf  der  Aeste  zeigend  (nat.  Gr.).  —  h)  Qiierbruch  (nat.  Gr.). 
—  c)  Längsschnitt  bei  circa  200facher  Vergrösseriing. 


Messungen  der  Zellgrösse  vorzunehmen.    Die  bedeutende  Breite  der- 
selben (17 — 19  [j.)  schliessen  jedoch  jede  Identificirung  aus. 

Herr  Professor  Roth p letz  theilt  mir  auch  mit,  dass  das  von 
ihm  beschriebene  LlfJiothamniiim  turonicum.  aus  Reausset  nicht  aus 
dem  Turon  stamme,  wieCoquand  fälschlich  jenen  Fundort  bezeich- 
nete, dass  vielmehr  jene  Schichten  dem  Senon  angehören,  wovon  sich 
genannter  Herr  durch  Autopsie  überzeugen  konnte.. 


J211         (üol.  Stiulieii  im  Gebiete  des  01t-  und  Oltetzthales  in  Htiniäiiieii.  21 

Orbitou/e.'^  secans  Leymeric. 

(Taf.  1,  Fig.   7«— (/.) 
1851.  Leyineiie:  Memoire  sur  iin  iiouveau  type  Pyreiieen.  Meinoires 

de  la  soc.  gool.    de  France,    II  serie.  vol.  IV,  pag.   101,  Taf.  IX, 

Fig.  4«  und  b. 
Die  obere  Schale  ist  convex  gebogen  und  besitzt  oft  einen 
deutlichen  Knopf,  die  untere  ist  flacher.  Vom  Mittelpunkt  gehen 
Tuberkeln  aus,  welche  ihrer  Anordnung  nach  oft  unterbrochen  sind, 
sich  kreuzenden  Streifen  entsprechen  und  gegen  die  Umrandung  hin 
ausstrahlen.  Sie  sind  bereits  mit  freiem  Auge  ersichtlich  und  geben 
dem  Ganzen  ein  chagrenirtes  Aussehen.  Die  Grösse  der  Thiere 
schwankt  zwischen  6  und  8  mm,  die  Dicke  zwischen  l^/g  und  3  mm. 
Ein  grosser  Tlieil  hat  die  Form,  wie  sie  L  e  y  m  e  r  i  e  für  diese 
Species  abbildet  (Fig.  7  d).  Andere  Exemplare  erreichen  wiederum 
eine  beträchtliche  Dicke  (Fig.  7  a,  h,  c),  die  obere  Schale  schwillt 
an  und  erhebt  sich  dann  knopfförmig.  Diese  Formen  nähern  sich 
sehr  den  von  Noetling  beschriebenen  und  abgebildeten  Orhifoldes 
.s'oc7V<//s  Leißn. ')  aus  Baluchistan,  sowohl  in  der  Form  als  auch  in 
der  stärkeren  Ornamentirung.  Ein  Trennen  der  Exemplare  ist  jedoch 
bei  den  vielen  Uebergängen  ganz  unmöglich.  Orbifoides  secans  fand 
sich  sowohl  in  den  Kalken  als  auch  in  dem  darüberlagernden 
Bakulitensandstein. 

Orbitoides  gensacica  Leymerie. 

(Taf.  ir,  Fig.  6«  und  b.) 
1851.  Leymerie:   Memoire  sur  un    nouveau   type  Pyreneen.    Mem. 

de  la  soc.    geol.    de  France,    ser.  II,    tom.  IV,    pag.  IDO,    pl.  IX, 

Fig.  2  und  3. 
Kreisrunde  Scheiben  bis  zu  einem  Durchmesser  von  30  jttin, 
meistens  jedoch  18  —  20  uim  nicht  überschreitend,  bei  einer  Dicke 
von  2 — 3  mm.  Die  obere  Schale  ist  leicht  gewölbt,  mit  einer  schwachen 
Anschwellung  in  der  Mitte,  die  untere  Schale  ist  entweder  ganz 
flach  oder  schwach  convex  gebogen.  Die  Oberfläche  ist  mit  feinen 
Tuberkeln  besetzt,  welche  gegen  die  Mitte  zu  derartig  gedrängt 
sind,  dass  es  den  Anschein  erhält,  als  würden  sie  von  Iladialstrahlen 
abgelöst  werden.  Man  gewinnt  jedoch  bei  einem  Vergleich  der 
Exemplare  die  Ueberzeugung,  dass  diese  radialartige  Anordnung  der 
Tuberkeln  nur  auf  individuellen  Eigenthümlichkeiten  beruht. 

Orbitoides  Faiijasi  d'Orb. 

(Taf.  I,   Fig.  8  a-d) 

18(32.  Reuss:  Palaeontologische  Beiträge.  Sitzungsber.  d.  kais.  Akad.  d. 

Wissensch.  in  Wien,  1862,  pag.  309,  Taf.  IV,  Fig.  9  ;  Taf.  V.  Fig.  1-5. 

Diese    in    unseren    Bakulitenschichten    sehr    häufige  Form    hat 

einen  Durchmesser  von  3^ — 4    mm,    ist    dünn,    scheibenförmig,    unten 


■ ')  Noetling.    Fauna   of  IJaluchistan.  Mem    of    tlie  geol.  öurvey  of  India, 
1897,  vol.  J,  Part  3,  pag.  8,  Tab.  I,   Fig.   1-4. 


22  r>i-.  K    A.  Redlich.  [22] 

etwas  weniger  gewölbt  als  oben,  mit  zugeschärftem  liande.  Die  Ober- 
rtäclie  ist  mit  Tuberkeln  besetzt,  welche  oft  ineinander  Üiessen 
und  der  Schale  ein  runzeliges  Aussehen  geben.  Die  von  mir  gesam- 
melten Plxemplare  stimmen  vollständig  mit  denen  von  Mae  stricht 
überein.  wo  sie  zu  den  gemeinsten  Foramiuiferen  gehören. 

AiUhozoa. 

So  zahlreich  sich  auch  die  Korallen  in  unseren  Ablagerungen 
linden,  so  eignen  sich  doch  die  wenigsten  zur  specifischen  Bestim- 
mung, was  mir  auch  von  Professor  Felix  in  Leipzig,  dem  ich  die 
Stücke  gesandt    hatte,    durch    seine  Bestimmungen    bestätigt  wurde. 

Terebratula  carnea   Sow. 

(Taf.  I,  Fig    5  u  lind  h.) 

1<S47.  d'Orbigny:   Terrains  cretaces- Brachiopodes  —  Paleontologie 
lran(;aise.  Tome  IV,  pag.  103,  pl.  513,  Fig    5 — 8. 

Diese  so  häufige  Senonform  wurde  nur  abgebildet,  um  die  volle 
Uebereinstimmung  mit  den  bis  jetzt  an  anderen  Orten  gefundenen 
Exemplaren  zu    zeigen.    Der  Beschreibung    ist    nichts    hinzuzufügen. 

TerehrateUa  Mrazeki  n.  apJ) 

(Taf.  I.  Fig.  1 

Länge 29    mm 

Breite 26      „ 

Dicke 17-6  „ 

Länge  der  kleinen  Klappe    .  22      ,. 

Die  Gestalt  der  Schale  ist  oval,  quer  verlängert.  Aus  den  oben 
angeführten  Zahlenwerthen  ist  ersichtlich,  dass  die  Dicke  ausser- 
ordentlich schwankt,  während  die  übrigen  Grössenverhältnisse  sich 
ziemlich  gleich  bleiben.  Die  Schalenoberiiäche  ist  mit  zahlreichen 
hohen  aber  abgestumpften  Flippen  verziert.  Von  den  Wirbeln  in 
geringer  Zahl  ausgehend  (grosse  Klappe  8.  kleine  Klappe  7),  ver- 
mehren sie  sich  rasch  durcli  Theilung,  so  dass  man  am  Stirnrand  20 
und  mehr  zählen  kann.  Concentrische  Anwachsstreifen  verleihen  der 
Oberfläche,  wenn  die  Schale  noch  erhalten  ist,  ein  welliges  Aus- 
sehen. Die  grosse  Klappe  ist  stark  gewölbt  und  biegt  in  ihrem  unteren 
Drittel  gegen  den  Stirnrand  zu  unter  einem  stumpfen  Winkel  ab. 
Sie  ist  in  der  Mitte  eingesenkt  und  zeigt  eine  tiefe  Bucht  an  der 
Stirne,  ferner  besitzt  sie  einen  gekrümmten,  sich  allmälig  zuspitzenden 
Schnabel,  der  leider  bei  allen  mir  vorliegenden  Exemplaren  an  seiner 
Spitze  abgebrochen  ist.  Die  Area  ist  breit  und  wird  zum  grössten 
Theile  von  einem  zweitheiligen  Deltidium  eingenommen.  Der  Schloss- 
rand ist  schwach  gebogen. 

')  Ich  benenne  diese  Species  nach  Dr  Mrazek-,  Professor  der  Mineralogie 
an  der  Universität  in  Bukarest. 


27-6  Hirn 

30 "5  )niH 

—    nun 

23-6     „ 

25 

24      „ 

1^^        „ 

22        „ 

17-4  „ 

n)        „ 

20-4     „ 

19      „ 

[2/)]        Geol.  Studien  im  (Johicto  dos  Olt-  und  Oltot/.tl.alos  in  Runiiinion.  2;\ 

Die  kleine  Klappe  hat  einen  durch  tiefe  Furchen  abgegrenzten 
Mittelwulst.  Dieser  ist  gebildet  von  einer  vom  Schlossrand  aus- 
gehenden Rippe,  welche  sich  bald  spaltet  und  durch  Kinschübe  gegen 
den  Stirnrand  vermehrt.  Die  Abbildung  zeigt  die  strahlenförmige  Ab- 
scheidung von  einer  Grundrippe  zu  wenig.  Die  Oberfläche  beider 
Klappen  ist  mit  einer  feinen  und  dichten  Punktirung  bedeckt,  welche 
jedoch  erst  unter  der  Loui)e  sichtbar  wird. 

Die  inneren  Merkmale  blieben  vollständig  unbekannt.  Durch 
die  hohe,  dreieckige  Area  nähert  sich  unsere  Species  der  Gattung 
Li/ra  und  Trif/onosemus.  Von  ersterer  entfernt  sie  sich  durch  den 
gekrümmten  Schnabel.  Von  letzterer  ist  dagegen  die  Abtrennung 
in  Folge  Fehlens  des  Foramens  und  des  inneren  Gerüstes  äusserst 
schwierig.  Ich  stelle  unsere  Form  zur  Gattung  Terehratella,  da  mir 
nach  dem  Schnabelbau  das  Foramen  gross   gewesen  zu  sein    scheint. 

Am  besten  lässt  sich  Terebrafella  Metiardi  d'Orh.  mit  ihr  ver- 
gleichen, von  der  sie  jedoch  leicht  durch  die  spitzige  Gestalt,  durch 
die  höhere  Area  und  durch  die  Dicke  unterschieden  wird. 


Waldheimia  Pascuensis  n.  sp.  0 

(Taf.  I,  Fig.  2  a-c.) 

Schale  länglich  oval,  fast  eben  so  hoch  als  breit.  Die  grosse 
Klappe  hat  einen  hohen  und  breiten  Wirbel  mit  einem  scheinbar 
grossen  Foramen.  Sie  ist  in  der  Mitte  durch  zwei  Rinnen  flach  ein- 
gesenkt und  bildet  eine  schmale  Bucht.  Ein  mittlerer  Einschnitt  lässt 
den  Anschein  erwecken,  als  wäre  ein  Septum  vorhanden,  da  er  sich 
jedoch  nicht  in  das  Innere  fortsetzt,  so  fällt  diese  Vermuthung  weg 
und  wir  haben  es  nur  mit  einem  Eindruck  in  der  Schale  zu  thun. 
Der  Schlossrand  ist  stumpfwinkelig.  Die  kleine  Klappe  ist  hoch 
gewölbt  und  erreicht  unterhalb  des  Wirbels  die  grösste  Dicke.  In 
der  Mitte  liegt  ein  breiter  Mittelwulst.  Ein  aus  einem  Stück  beste- 
hendes nach  innen  zugeschärftes  Septum  durchzieht  zwei  Drittel  der 
Schale.  Die  Commissur  greift  nach  rückwärts,  um  erst  dort,  wo 
Mittelwulst  und  Bucht  zusammentreffen,  sich  nach  vorne  zu  biegen. 
Die  Ornamentirung  der  Schale  besteht  aus  einer  feinen,  dicht  ge- 
reihten Punktirung,  welche  jedoch  erst  unter  der  Eoupe  sichtbar 
wird ;  gegen  den  Stirnrand  stellen  sich  an  der  unteren  Hälfte  sehr 
feine  Längsstreifen  ein. 

Wiederum  ist  es  leider  nur  ein  Exemplar,  das  zur  Beschreibung 
dieser  Species  benützt  werden  konnte.  Dasselbe  ist  noch  dazu  zum 
grössten  Theil  Steinkern,  so  dass  man  die  Längsstreifen,  welche  den 
Unterrand  umsäumen,  nur  als  feine  Eindrücke  sehen  kann,  die  sich 
nicht  einmal  auf  der  Zeichnung  ausdrücken  Hessen. 

Ich  habe  das  Exemplar  nach  mehreren  Seiten  durchschnitten, 
jedoch  nur  das  tiefe  Septum  auf  der  kleinen  Schale  wahrnehmen 
können,  während   von    dem  sonstigen  Armgerüst  nichts   erhalten   ist. 


'>  Diese  Species  wurde  zu  Ehren   des  Ingenieurs  Pascu,  Chef  des  Minen 
dienst  im  Domänenministerium,  benannt. 


24  I>r.  K.  A.  Redlicl).  [24] 

In  Folge  des  langen  Mittelseptums  der  kleinen  Klappe    ist    die  Ein- 
reibung zu  Waldheimia  wohl  gesichert. 

kva  nächsten  steht  unserer  Species  der  Waldheimia  tamarindn.^ 
Soir.  rar.  mar/ua  Walker  aus  dem  Neocom.  Sie  ist  jedoch  von  ihr 
durch  den  stärkeren  Bau  der  gressen  Klappe,  wodurch  die  Commissur 
eine  nach  rückwärts  geschwungene  Linie  annimmt,  leicht  zu  unter- 
scheiden. 

Lima  divaricata  Dujarii 

(Taf.  II,  Fig    4.) 

1888 — 1889.  Holzapfel:  Mollusken  der  Aachener  Kreide.  Palaeonto- 
graphica.  Bd.  XXXV,  Taf.  27,  Fig.   7,  pag.  241. 

Unter  den  zahlreichen  Individuen  dieser  Gattung,  welche  ich 
an  unserem  Fundorte  sammeln  konnte,  istLm«  divaricata  die  häufigste. 
Ihre  Gestalt  ist  bald  ganz  oval,  wie  sie  Holzapfel  aus  der  Kreide 
von  Aachen  abbildet,  bald  etwas  schief  oval,  den  Exemplaren  des 
Elbethalgebirges  gleichend.  Sie  ist  leicht  zu  erkennen  an  den  fein- 
gekörnten Radialrippen,  welche  von  der  Mittellinie  aus  gegen  beide 
Seiten  divergiren  und  durch  Spaltung  sich  vermehren.  Als  indi- 
viduelle Eigenthümlichkeit  wäre  für  unsere  Exemplare  zu  bemerken, 
dass  der  Winkel,  unter  dem  die  Radialrippen  gegen  die  Mitte  zu- 
sammentreffen, ein  spitzerer  ist,  als  die  sonst  beschriebenen  Exemplare 
ihn  zeigen. 

Aniuaium  Inversiwi  Nilso/m. 

1889.  Griepenkerl:  Versteinerungen  senoner  Kreide  von  Königs- 
lutter. Palaeont.  Abh.  IV,  pag.  45. 
Kleine.  5—7  nun  lange  und  fast  ebenso  hohe  Exemplare  finden 
sich  sowohl  in  den  Hippuritenkalken,  als  auch  in  dem  Bakulitensand- 
stein.  Die  Schale  ist  aussen  mit  feinen  Anwachstreifen  ornamentirt, 
im  Innern  befinden  sich  10  Rippen,  welche  durch  die  dünne  Schale 
nach  aussen  durchscheinen.  Dasselbe  gilt  von  den  Zwischenrippen, 
welche  bis  gegen  die  Mitte  der  Schale  reichen  und  an  2  Exemplaren 
zu  sehen  sind.  Die  hinteren  Ohren  sind  rechtwinkelig,  von  den  vor- 
deren ist  nichts  zu  sehen. 

Janira  äff.  striatocostata   Goldf. 

(Taf.  II,  Fig.  3«.) 
1802.  G  0  Id  f  US  s :  Petrefacta  Germania,  pag.  52,  Tab.  XCIII.  Fig.  2  a—q. 
Neben  der  Janira  qin'nquecostafa  fand  sich  ein  Bruchstück  mit 
vier  hervortretenden  Rippen,  dessen  Ornanientirung  in  feinen  Längs- 
riffen sowohl  in  den  Zwischenräumen ,  als  auch  auf  den  Rippen 
besteht.     In  Folge   dieser  Ornamentirung   stelle   ich   dieses  Stück  in 

')  Davidson:  British  fossil  Bracliiopoda  vol.  IV,  snppl.  Crotaceotis  Brach. 
1>1.  VI,  Fig.  16—19,  pl.  VII,  Fig.  5  -0,  pag.  49.  —  Palaonntograpliiral  snc.  Lon- 
don  1874—1882. 


[251        Geol.  8tiulicn  im  Gebiete  des  01t-  und  Oltotzthales  in  Rumänien.  25 

die  Nälie  der  sfriatocost(cfa,  wenn  auch  einzelne  Merkmale  liicht  voll- 
ständig mit  dieser  Species  übereinstimmen.  Die  Hauptrippen  treten 
nur  wenig  hervor  und  die  concentrischen  Streifen  fehlen,  obwohl 
wir  es  mit  einem  jugendlichen  Exemplare  zu  tliun  haben. 


Gryphaea  vesicularis  Lanik. 

(Taf.  I,  Fig.  6.) 

184o.  d'O  r  b  i  g  n  y :  Paleontologie  francaise.  Terrains  cretaces.  Tome  III, 
pag.  742,  Taf.  487. 

Diese  in  allen  Senonablagerungen  der  Erde  so  häufige  Form  ist 
auch  an  unserem  Fundort  vertreten. 

Die  Oberschale  ist  concav  aufgebaueht,  am  Wirbel  abgeplattet, 
an  der  Seite  flügelartig  verlängert  und  mit  Anwachsstreifen  ornamentirt, 
welche  ihr  ein  geblättertes  Aussehen  verleihen. 


Hippurites  colliciafns    J^'oodward  var.  liomanka  nt.  v. 

1813(5.  Hippurites  radiosm  Desmoulins  in  Kedlich:  Geologische  Studien 
in  Rumänien,  II,  Verh.  d.  k.  k.  geol.  K.-A.  1896,  pag.  82. 

Ein  grösseres  Material  von  aufgesammelten  Stücken  lässt  es 
unzweifelhaft  erscheinen,  dass  uns  nicht  Hippurites  radiosus  IJesm. 
vorliegt,  sondern  eine  dem  Hippurites  colliciatiis  Woodward  sehr  nahe 
stehende  Form,  welche  sich  von  dieser  nur  durch  die  Berippung 
unterscheidet. 

Die  untere  Schale  ist  kegelförmig,  bedeckt  mit  schwach  abge- 
rundeten Ripi)en,  welche  durch  gleich  breite  und  tiefe  Zwischenräume 
voneinander  getrennt  sind.  Die  Schlossfalte  (L)  ist  nur  durch  eine 
stumpfwinkelige  Einbiegung  angezeigt,  die  beiden  Säulchen  sind  fast 
gleich  hoch,  von  der  Schlossfalte  weit  entfernt.  Das  vordere  Säulchen 
{S)  ist  an  der  Basis  verbreitet,  nach  oben  zu  abgerundet,  das  rück- 
wärtige {E)  dagegen  ist  an  der  Basis  ein  wenig  eingeschnürt.  Von 
den  Muskeleindrücken  und  Zahnlöchern  ist  wenig  zu  sehen.  Die  obere 
Schale  ist  nicht  erhalten. 

Die  inneren  Charaktere  stimmen  vollständig  mit  dem  von  I)  o  u- 
V  i  1 1  e  ^)  abgebildeten  Exemplar  überein,  der  einzige  Unterschied  diesem 
gegenüber  ist  die  schwache  Berippung.  Da  diese  äussere  Orna- 
mentirung  an  allen  Exemplaren  eine  constante  bleibt,  so  scheide  ich 
unsere  Species  gegenüber  der  echten  D  ouville'schen  Art  als  var. 
Romanica  aus. 

Hippurites  coUiciatus  wurde  bis  jetzt  im  Campanien  in  Klein- 
asien bei  Hakim  Khan  und  im  Waggrabeu  bei  Hieflau  in  den  gleich- 
alterigen  Schichten  gefunden. 


')  Douville:   Etudes    sur  les  Rudistes.    Mem.  de  la  soc.  geol.    de  France 
Paleontologie.   1890—1897,  Nr.  6,  pag.  221,  Taf.  XXXII,  Fig.  8  n.  9. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsuiistalt,  1899,  49.  Bd.,  1.  Uft.  (Dr.  K.  A.  Kedlich.)       4 


26  l>r.  K.  A.  Redlich.  [26] 

Hippurites  Lapelrousei  Goldf. 

(Taf.  II,  Fig.  2  a—d.) 

1890—1897.  Douville:  Etudes  sur  les  Rudistes  Mein.  4«  la  «o^- 
geol.  de  France  Paleontologie  1890—1897,  Nr.  6,  pag.  164,  Taf. 
XXIV,  Fig.  8  und  9. 

Das  einzige,  gut  erhaltene  Exemplar  zeigt  so  sehr  die  charakte- 
ristischen Eigenschaften  dieser  Species,  dass  ein  Zweifel  der  Identi- 
ficirung  nicht  aufkommen  kann.  Die  Schale  ist  dünn,  die  untere 
Klappe  ist  schwach  kegelförmig  und  nähert  sich  mehr  dem  Cylinder. 
Die  Rii)pen  sind  geschärft,  durch  gleich  breite  Rinnen  getrennt.  Die 
obere  Klappe  ist  bedeckt  von  einer  Zellschichte,  welche  nach  aussen 
hin  in  abgerundete,  schwach  verlängerte  Poren  endet ,  darunter  liegt 
ein  Canalsystem,  das  von  der  Mitte  ausgehend,  sich  gegen  den  Aussen- 
rand  zu  öfters  gabelt. 

Die  Schlossfalte  ist  nur  durch  einen  leichten  Eindruck  in  der 
Schale  gekennzeichnet.  Die  Säulchen  ragen  nur  wenig  in  die  Schale 
herein,  sind  breit  und  abgerundet,  der  schmale  Leistenzahn  hat  die 
Form  eines  x,  zu  seinen  Seiten  liegt  die  vordere  und  die  hintere 
Zahngrube. 

Der  hintere  Muskeleindruck  ist  gerundet,  seine  rückwärtige 
Wand  ist  an  dem  vorderen  Säulchen  befestigt  und  reicht  von  hier  aus 
gegen  den  Rand   der  hinteren  Zahngrube,    mit  der  er  sich  vereinigt. 

Hli>i)H)'lfe.s  Lapeiroiisei  findet  sich  namentlich  im  oberen  Cam- 
panien  der  Pyrenäen  und  in  Mästricht  und  charakterisirt  liier  das 
Dordonien,  die  Varietät  crassa  ^)  dagegen,  kennt  man  zugleich  mit  colli- 
ciatus  im  mittleren  Campanien  der  Gosau,  ferner  aus  Bulgarien,  von 
wo  sie  unter  dem  Namen  H.  buh/aricns  von  Toula-)  beschrieben  wurde. 

Einzelne  Bruchstücke  mit  dickerer  Schale  und  gröberer  Orna- 
mentirung  Hessen  sich  zu  dieser  Variation  stellen. 

Pleiirotomaria  sp. 

(Taf.  IT,  Fig.  ort;  h,  c.) 
Leider  ist  auch  diese  Species  nur  in  zwei  nicht  vollständig  er- 
haltenen ?]xemplaren  vertreten.  Da  sie  neu  zu  sein  scheint,  will  ich 
ibr  in  Folge  ihrer  Unvollständigkeit  keinen  Speciesnamen  geben  und 
begnüge  mich  mit  der  palaeontologischen  Reschreibung.  Die  Schale 
ist  flach  kegelförmig,  eng  genabelt,  mit  fünf  Windungen  von  fast 
rhombischem  Querschnitt.  Die  Ornamentirung  besteht  aus  Radial- 
streifen, über  welche  feine,  kaum  sichtbare  Zuwachsstreifen  setzen. 
Der  Mundrand  ist  auf  der  Oberseite  des  letzten  Umganges  erhalten, 
während  die  Basis  nur  als  Steinkern  vorliegt.  Schalenreste  mit  Mund- 
randspuren lassen  es  wahrscheinlich  erscheinen,  dass  dieser  gegen 
die  Kante  der  letzten  Windung  einen  einspringenden  Winkel  ge- 
bildet hat. 


*)  Douville:  Etiules  sur  les  Rudistes,  1.  c.  pag.  222 

^)  Toula:  Untersuchungeu  im  centralen  Balkan.  Denkschr.  d.  k.  Akad,  der 
Wiss.  LV.  Bd.,  II.  Partie,  pag.   101,  pl.  III,  Fig.  24. 


[27]        Geol.  Studien  im  Gebiete  des  01t-  und  Oltetzthales  in  Rumänien.  27 

Lytoceras  aus  der  Gruppe  des   Timotheanwn  Mayor. 

1895.  Kossmat:  Untersuchungen  über  die  südindische  Kreide- 
formation. Beiträge  zur  Palaeontologie  und  Geologie  Oesterreich- 
Ungarns  und  des  Orient.  IX.  Bd.,  pag.  133,  Taf.  XVII,  Fig.  11,  13«,  h. 

Durchmesser 11  mm 

Höhe  der  letzten  Windung      .     .     4  mm 
Grösste  Dicke (>  mm. 

Schon  aus  diesen  Zahlenwerthen  geht  hervor,  dass  wir  es  mit 
einem  Jugendexemplar  zu  thun  liaben.  Die  Umgänge  wachsen  rasch 
an,  so  dass  die  Form  tief  genabelt  erscheint.  Sechs  gegen  den  Rücken 
sattelförmig  ausgebogene  Einschnürungen  zieren  die  sonst  glatte  Schale. 
Der  Querschnitt  der  einzelnen  Windungen  erscheint  fast  viereckig  mit 
breiter  Basis  und  Rücken.  Von  der  Lobenlinie  ist  nur  wenig  zu  sehen. 

Anisoceras  cf.  siibcotnpressmri  Forbes. 

(Taf.  I,  Fig.  3«,  6.) 

1895.  Kossmat:  Untersuchungen  über  die  südindische  Kreide- 
formation, 1.  c.  pag.  145,  iW.  XIX,  Fig.  I0a,h,  11  r/,  6,  12. 

Diese  Art  ist  durch  ein  einzelnes  Bruchstück  vertreten.  Es  ist 
ausgezeichnet  durch  einen  länglich  ovalen  Querschnitt  und  besitzt  als 
Ornamentirung  zugeschärfte  Rippen.  Von  der  Lobenlinie  ist  uur  der 
Aussenlobus,  Aussensattel  und  der  erste  Seitenlobus'  sichtbar.  Diese 
stimmen  vollständig  mit  der  von  Kossmat  gegebenen  Abbildung 
der  indischen  Exemplare  überein. 

Baculites  anceps  Lamk. 

(Taf.  I,  Fig.  4f/,  ö.) 

1840.  d'Orbigny :  Paleontologie  francaise.  Terrains  cretaces,  pag.  565, 
Taf.  CXXXIX,  Fig.  1—7. 

Zahlreiche  Fragmente  von  Bakuliten  mit  eiförmigem,  an  der 
Siphonalseite  zugeschärftem,  an  der  Antisiphonalseite  abgerundetem 
Durchschnitt,  lassen  sich  in  ihrer  Ornamentirung  und  Lobenlinie  leicht 
mit  dem  von  d'Orbigny  abgebildeten  Baculites  anceps  identificiren. 
Die  Schale  ist  mit  halbmondförmigen  Rippen  versehen,  welche  auf  der 
Siphonalseite  beginnen,  gegen  den  Rücken  stark  aufbiegen,  ohne  ihn 
zu  erreichen.  Die  Lobenlinie  ist  ein  vollständiges  Abbild  des  von 
d'Orbigny  gegebenen  Bildes. 


Von  der  langen  Reihe  der  in  den  Kreideschichten  des  Oltetz- 
gebietes  gesammelten  Fossilien  habe  ich  nur  jene  zur  palaeontologischen 
Beschreibung  ausgewählt,  welche  erstens  neu  waren,  zweitens  durch 
individuelle  Abweichungen  gegenüber  den  Originalbeschreibungen 
Ergänzungen  bedurften,  und  schliesslich  solche,  die  in  der  Literatur 
bis  jetzt  noch  selten  beschrieben  sind. 


28  I^r.  K.  A.  Redlich.  [28] 

Ich  kann  diese  Arbeit  nicht  schliessen,  ohne  allen  denen,  die 
mir  mit  Rath  und  That  behilflich  zur  Seite  standen,  wärmstens  zu 
danken.  Vor  Allem  gilt  dies  von  dem  Chef  des  Minendienstes  im 
Domänenministerium  in  Bukarest,  Ingenieur  A 1  i  m  a  n  e  s  t  i  a  n  u  und 
Ingenieur  Pascu,  Herrn  Professor  Mrazek  in  Bukarest,  von  Pro- 
fessor Grossouvre  in  Bourges,  von  Professor  Felix  in  Leipzig, 
Director  Fuchs  in  Wien,  Professor  Höfer  in  Leoben,  Professor 
Rothpletz  in  München  und  schliesslich  von  meinem  Freunde  und 
Lehrer  Dr,  Anton  Pelikan,  der  mir  bei  der  petrographischen  Be- 
schreibung  und  Abbildung  helfend  die  Hand  reichte. 


Die  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen 

Devon. 

Von  Franz  Kvetsclimer,  Bergingenieur  in  Sternberg  (Mähren). 
Mit  2  Tafeln  (Nr.  III  [1]  und  IV  [2J)  und  3  Zinkotypien  im  Text. 


Einleitung. 

Die  Schwierigkeit,  die  nöthigen  Eisenerze  herbeizuschaifen,  ist 
für  viele  Hochöfen  der  allein  maßgebende  Grund,  dass  dieselben 
ihre  Production  restringiren,  oder  durch  den  gänzlichen  Verhau  der 
leichter  gewinnbaren,  zuweilen  fast  sämmtlicher  Eisenerzlager,  worauf 
sie  basirt,  niedergeblasen  und  anderwärts  übertragen  werden  müssen. 

Die  abgebauten  Erzlager  bedeuten  einen  unersetzlichen  Substanz- 
verlust, und  in  dem  Maße  als  die  grossen  Eisenerzvorkommen  in 
unserem  Vaterlande  (Eisenerz,  Nutschitz,  Biudt,  Gyalar)  durch  fort- 
währende Steigerung  der  Production  täglich  stärker  in  Anspruch 
genommen  werden,  ihre  leichter  gewinnbaren  Erzmittel  successive 
abnehmen,  verschärft  sich  die  Situation  des  Erzbezuges  und  die 
kleineren  Erzvorkommen  gewinnen  an  Bedeutung;  sie  schieben  sich 
gleichsam  näher  dem  Vordergrunde  und  gelangen  täglich  mehr  zur 
Geltung. 

Von  diesem  Gesichtspunkte  aus  mag  es  nicht  ungerechtfertigt 
erscheinen,  durch  nachstehende  Studien  neuerdings  die  Aufmerksamkeit 
auf  eine  Reihe  technisch  wichtiger  Eisenerzlagerstätten  der  mährisch- 
schlesischen  Devonformation  zu  lenken,  w^elche  schon  im  Mittelalter 
und  in  diesem  Jahrluindert  als  Grundlage  dem  wichtigeren  Theile 
der  mährisch -schlesischen  Roheisen-Industrie  dienten,  gegenwärtig 
aber  wegen  des  Schwindens  der  Entfernungen  und  der  dadurch  be- 
günstigten Massenproduction  auf  den  von  der  Natur  grossartig  ver- 
anlagten Erzvorkommen  zum  grössten  Theile    ausser  Betrieb  stehen. 

Aber  nicht  nur  in  bergmännisch-technisclier,  auch  in  geologischer 
Hinsicht  knüpft  sich  besonderes  Interesse  an  diese  Erzlager,  welche 
insbesondere  durch  den  neuzeitigen  Bergbau  näher  bekannt  geworden 
sind  und  auch  in  weiteren  Fachkreisen  bekannt  zu  werden  verdienen. 
Der  Verfasser  hatte  als  Bergbaubetriebsleiter  Gelegenheit,  diese  Erz- 
lager und  die  darauf  umgehenden  Bergbaue  genau  kennen  zu  lernen 
und    übergibt   hiemit   seine   in   langjähriger   Praxis   erworbenen   p]r- 

Jahrbucli  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1899,  49.  Band,  1.  lieft.  (Fr.  Kretschuier.; 


30  Franz  Kretschmer.  [2] 

fahrimgen  und  Beobachtungen  der  Oeffentlichkeit,  in  der  Hoffnung 
und  Zuversicht,  dass  dies  dem  vaterländischen  Bergbau  zum  Nutzen 
gereichen  möge. 


I.  Geologischer  Theil. 

Der  nordöstlich  d  e  s  M  a  r  c  h  t  h  a  1  e  s  verbreitete  Devon 
Mährens  und  des  angrenzenden  Schlesien  beherbergt  ausser  einigen 
vereinzelten  untergeordneten  Vorkommen  drei  g  r  ö  s  s  e  r  e,  d  e  u  1 1  i  c  h 
ausgeprägte  Eisenerzlagerzüge,  und  zwar  vom  Liegenden 
zum  Hangenden  fortschreitend: 

1.  Die  in  bergmännisch- technischer  Hinsicht  wichtigste  Erzab- 
lagerung in  der  Umgebung  von  Mährisch- Aussee,  welche  bei 
M  e  e  d  1,  S  t  o  r  z  e  n  d  o  r  f,  D  ö  r  f  e  1  und  T  r  e  u  b  1  i  t  z  einsetzt,  dagegen 
im  Hellbusch  bei  Trübenz,  bei  Pürkau,  Janowitz  erzarm 
ist  und  erst  am  ü  r  1  i  c  h  b  e  r  g  e  bei  K 1  e  i  n  -  M  o  h  r  a  u  ihre  reiche 
Fortsetzung  findet.  Dieser  p]rzlagerzug  gehört  —  wie  später  nachge- 
wiesen wird  —  dem  Unterdevon  an. 

2.  Ebenfalls  noch  im  U  n  t  e  r  d  e  v  o  n,  aber  dicht  an  der  Grenze 
gegen  das  Mittel devon  taucht  der  zweite  E]rzlagerzug  am 
P  i  n  k  e  r  Berge  nächst  M  ä  h  r  i  s  c  h  -  N  e  u  s  t  a  d  t  aus  der  umgebenden 
March-Oskawa-Niederung  empor  und  streicht  in  einem  im  geognosti- 
schen  Sinne  ununterbrochenen  Zuge  über  Schönwald,  Pinkaute, 
D.-Eisenberg,  Hangen  stein,  Bittenwald  bei  Ptömerstadt, 
Klein-Mohrau    nach    Neu-Vogelseifen    und    Morgenland. 

3.  N  a  h  e  der  F  o  r  m  a  t  i  o  n  s  g  r  e  n  z  e  gegen  die  C  u  1  m- 
schichten  folgt  der  von  mir  bereits  früher  beschriebene  Zug  der 
Diabasgesteine  \),  in  deren  Begleitung  Eisenerze  auftreten,  welche  den 
dritten  Erzlage rzug  bilden;  dieselben  setzen  bei  Sternberg 
im  SSW  ein  und  streichen  über  D. -Lodenitz,  Bärn,  Rauden- 
berg,  Bennisch  bis  Lichten  im  NNO. 

Das  Haupt  streichen  dieser  Erzlagerzüge  verlauft  conform 
mit  den  übrigen  Gliedern  der  Devonformation  nach  2h  7gd;  dem- 
selben allgemeinen  Streichen  folgen  die  unterteufenden  archäischen 
und  die  auflagernden  Culmschichten. 

Betrachtet  man  die  orograph  is  chen  Verhältnisse  des 
Hohen  Gesenkes  in  unserem  Gebiete,  so  findet  man,  dass  die 
hervorragenden  Kuppen  der  südwestlichen  Ausläufer:  Hohe  Raute 
bei  Sternberg  (058  m  ü.  M.),  Karler  Berg  (623  m),  Kreuzberg  bei 
D.-Eisenberg  (590  m).  Hoher  Viebich  (540  m)  sehr  angenähert,  i  m 
Kreuz  streichen  20  h  13  gd  liegen;  nahezu  parallel  läuft  die 
Hauptkette  des  Hohen  Gesenkes:  Altvater  (1490  m  ü.  M.),  Rother- 
berg (1333  m),  Kepernik  (1424  m),  Fichtlich  (1109  in]  längs  einer 
Linie  nach  21  h  3gd. 

Fast  in  senkrechter  Richtung  darauf  erscheint  die  Bergkette : 
Hoher  Viebich    (549  m  ü.  M.),    Habichtsberg    (850  m),    Weisserstein 


^)  Zeitsclirift  für  Berg-  niul  Hüttenwosen,  XLII.  Jahrg.,  pag.   1G8  ii.  ff. 


["3]  Die  Eiseiierzlugorstätten  ilos  mährischen  Devon.  31 

(1)47  in),  Verlonierstein  (1155  m),  Backofeu  (1555  m),  Schieferhaide 
(1355  m),  Maiberg  (1381  m),  Hoheliaide  (1440  ni),  lilngs  der  Linie 
2h  7gd  angeordnet,  also  parallel  mit  dem  allgemeinen 
Streichen  der  Gesteinsschichten.  Es  liegt  somit  die  Rich- 
tung der  1)  r  i  m  ä  r  e  n  Hebung  und  des  g  e  n  e  r  e  1 1  e  n  S  c  h  i  c  h- 
tenstreichens  senkrecht  auf  der  Hauptkammrichtung 
desHohen  Gesenkes,  wie  wir  dies  auch  beispielsweise  am 
Harze  und  in  einem  Theile  des  Thüringer  Waldes  wiederfinden. 

Aus  Taf.  HI  [1],  welche  das  Querprofil  der  Devonformation  in 
dem  hier  in  Betracht  kommenden  Terrain  zwischen  Mährisch- 
A  u  s  s  e  e  und  Sternberg  darstellt,  ist  die  Stratification  der  einzelnen 
Formationsglieder  zu  entnehmen.  Nach  dem  Vorgange  Römer's') 
wird  die  Gliederung  in  drei  Gruppen  auch  für  den  in  Bede  stehenden 
Theil  der  Formation  beibehalten. 


A.  Unterdevon. 

Das  unterste  Formationsglied  wird  durch  den  Quarzitzug 
vom  Bradlwald  repräsentirt,  der  jedoch  widersinnig  nach  NW 
fällt,  so  dass  die  archäischen  Schichten,  bestehend  aus  Chloritgneissen, 
aufgelagert  erscheinen. 

Die  Quarzite  unterteufend,  folgt  eine  mächtige  Zone  grüner 
Schiefer  mit  Kalkste  in  lagern,  welche  ebenfalls  NW  fallen 
und  wahrscheinlich  einen  centralen  Kern  repräsentiren. 

Daran  stosst  der  Au  sseer  Quarzitzug  vom  Grossen  und 
Kleinen  Taubenbusch  jedoch  mit  SO-Fallen,  welcher  wegen 
seiner  petrographischen  Aehnlichkeit  möglicherweise  die  südöst- 
liche Flanke  e  i  n  e  s  L  u  f  t  s  a  1 1  e  1  s  darstellt,  den  die  B  r  a  d  1  e  r 
Quarzite  hier  bilden. 

W^eiter  südöstlich  lagern  sich  abermals  Grünschiefer  mit 
SO-Fallen  ein,  die  aber  zum  Theile  modificirt  erscheinen  und  die 
Eisenerzlager  statten  des  ersten  Zuges  mitführen ;  in  einer 
Mulde  der  letzteren  Gesteinszone  liegen  als  jüngste  Bildung  die 
Q  u  a  r  z  s  a  n  d  s  t  e  i  n  e  mit  ihren  typischen  Vertretern  am  M  e  e  d  1  e  r 
Steinberg,  worauf  dann  abermals  NO-fallende,  theilweise  veränderte 
Grün  schiefer  mit  dem  zweiten  Erzlagerzuge  folgen,  welche 
ich  als  den  complemenfären  Gegenflügel  derMeedl — Fink  er  Grün- 
schiefermulde auffasse,  wie  in  dem  Profil  Taf.  HI  [IJ,  gezeichnet. 

Für  diese  Züge  von  Quarzit,  sowie  die  Grünschieferzonen,  bis 
dorthin,  wo  diese  bei  Mähr.-Neustadt,  Bergstadt.  Klein -Mohrau  an 
die  halbkrystallinischen  bis  klastischen  Grauwacken  und  T hon- 
schiefer anstossen,  ergibt  sich  nach  Maßgabe  der  palaeontologischen 
Einschlüsse  und  der  Stratification  deren  Zugehörigkeit  zum  Unter- 
devon. Chloritgn  eiss  nordwestlich  des  Bradler  Quarzit- 
zug e  s  einerseits  und  m i 1 1  e  1  d  e  v o n i s  c h  e  G  r a u  w a  c k  e  n  am 
Hangenden  kalkreicher  Grünschiefer  mit  dem  zweiten 


';  Feld.  Römer:  (leologie  von  Ohersclilesien   1870. 


32  Franz  Kretschmer.  [4] 

Erzlagerzug    andererseits,     bilden    die    Grenzen    des 
Unter  de  von. 

Merkwürdig  ist  die  Consequenz ,  mit  welcher  die  einzelnen 
Forniationsglieder,  sowohl  was  die  Äehnlichkeit  ihrer  Structur  betrifft, 
als  auch  in  Bezug  auf  ihr  stratigraphisches  Verhalten,  ohne  nennens- 
werte Störungen  auf  grosse  Entfernungen  ruhig  abgelagert  erscheinen, 
so  dass  man,  auf  demselben  Streichen  vorkommend,  Gesteine  gleichen 
Alters  findet,  während  in  der  darauf  senkrechten  Richtung  gegen 
Südost  stets  jüngere  Glieder  auftreten. 

Petrographisches  Verhalten. 

Die  Quarzite  des  untersten  oder  Hauptzuges  bestehen  vor- 
Aviegeud  aus  dichtem  bis  grobkörnigem,  weissem  bis  grauem  Quarz 
mit  wenigem  G  1  i  m  m  e  r  von  weisser,  durch  Verwitterung  hochrother, 
goldgelber  Färbung  bald  schimmernd,  bald  matt.  Durch  Aufnehmen 
von  mehr  Glimmer  wird  der  Quarzit  häufig  schiefrig  und  bei  Ueber- 
handnehmen  der  Glimmer  finden  seltene  Uebergänge  in  Glimmer- 
schiefer statt. 

Während  der  nordöstliche  Theil  dieses  Quarzitzuges  zumeist 
aus  feinkörnigem  Quarzit  besteht,  welcher  selten  Reste  ehemals 
klastischer  Structur  erkennen  lässt,  sind  die  Quarzite  desBradl- 
waldes  als  Conglomerate  ausgebildet,  über  deren  klastische  Natur 
kein  Zweifel  obwalten  kann ;  sie  bestehen  aus  fein-  bis  grobkörnigem, 
weissem  bis  glasigem  Quarz,  jedoch  mit  einem  zart  gefältelten 
chloritis  ch  e  n  Glimmer  als  Bindemittel.  Sehr  häufig  erreichen 
jedoch  die  wohlgerundeten  Quarzkörner  Wallnuss-  bis  Hühnereigrösse, 
seltener  sind  sie  bis  kindskopfgross,  während  sich  der  chloritische 
Glimmer  mit  horizontaler  Fältelung  in  charakteristischer  Weise  um 
die  einzelnen  Quarzkörner  herumlegt.  Diese  Bestandtheile*  sind 
vorherrschend  miteinander  zu  einem  Ganzen  verflösst  und  erst  auf 
den  Verwitterungsflächen  treten  die  eigentlichen  Structurverhältnisse 
deutlicher  hervor. 

Die  Ausseer  Quarzite  (zweiter  Zug)  tragen  im  wesentlichen 
denselben  i)etrographischen  Charakter  an  sich,  wie  die  Bradler,  sie 
sind  gleich  diesen,  überwiegend  fein-  bis  grobkörnige  Quarzite,  Avorin 
die  Quarzkörner  dicht  verflösst  erscheinen,  mit  Uebergängen  theils 
in  grobe  Conglomerate  und  feinkörnige,  dünnschiefrige.  vielfach 
gequetschte  Q  u  a  r  z  i  t  s  c  h  i  e  f  e  r,  worin  auf  mächtigen  Nestern  und 
Klüften  Partien  weissen  und  glasigen  Quarzes  eingeschlossen 
sind.  Diese  Quarzite  enthalten  ebenfalls  ein  chloritisch-glimmeriges 
Bindemittel,  welches  in  parallelen  Lagen  dem  Quarzit  eingeschaltet 
ist;  in  den  oberen  Gesteinspartien  verwittert  und  gebleicht,  bis  zu 
losem  Sand  zerfallend,  erscheint  dasselbe  nach  der  Teufe  frisch 
erhalten,  fest  und  durch  beigemengte  organische  Substanz  blaugrau 
gefärbt.  Die  Conglomerate  sind  auch  hier  aus  bis  hühnereigrossen 
Rollstücken  Aveissen  Quarzes  zu  einem  Ganzen  verflösst. 

Auf  der  Markersdorfer  Horka  führen  die  nämlichen  Quar- 
zite und  Conglomerate  sehr  viel  von  chloritisch-glimmerigem  Binde- 
mittel, das  durch  Graphit  dunkelgrau  gefärbt  erscheint;    dieselben 


[5]  Die  P]isenerzliigerstiittcn  des  mälirisclicn  Devon.  33 

enthiilteii  ferner  Lagen  und  Trümmer  von  weissem  Quarz,  graplii- 
t  i  s  c  h  e  m  P  h  y  1 1  i  t  mit  Kalkstein  in  linsenförmigen  Concretionen 
verwachsen. 

Eine  weitere  Modific.ation  dieser  Quarzite  findet  sich  am  Grossen 
und  Kleinen  Brable tzb erge,  wo  sie  seltener  als  Congiomerate 
ausgebildet  und  durch  ein  k  a  1  k  i  g  e  s,  von  E  i  s  e  n  o  xy  d  und  G  r  a  p  h i  t 
gefärbtes  Bindemittel  verbunden  sind;  das  Gestein  ist  ausserdem  von 
Calcit  in  Körnern  bis  Wallnussgrösse  durchschwärmt.  Zufolge  Ueber- 
wiegen  des  Bindemittels  vollziehen  sich  Uebergänge  in  Kalks  te in ; 
ferner  schliesst  fast  jede  Schicht  des  Quarzits  mit  einem  phyllitischen 
Gesteinsblatt  ab,  oder  der  PhyUit  ist  in  grösseren  Bestandmassen 
intercalirt.  Häufig  erscheint  das  Brabletzgestein  vom  Kopfe  der 
Schichten  her  auf  Klüften  und  Spalten  seines  Bindemittels  beraubt, 
so  dass  aussen  ein  poröses,  schwammartiges,  durch  Eisenoxyd  rostig 
gefärbtes  Gestein  übrig  bleibt,  während  im  Innern  und  nach  der 
Teufe  der  ursprüngliche  Gesteinscharakter  unversehrt  blieb;  bei 
weitergreifender  Verwitterung  zerfällt  das  Gestein  leicht  zu  Grus 
und  Sand. 

Die  Ausseer  Quarzite  enthalten  öfter  auf  Klüften  und  Spalten 
gangartig  secundären  Quarz  mit  Bergkry  stall  -  Drusen,  theils 
frisch  erhalten,  theils  wieder  zerfressen,  ferner  Calcit  und  Pseudo- 
morphosen  von  Quarz  nach  Calcit,  Zellen  nach  Pyriten  etc., 
zuweilen  ebenfalls  pseudomorph  mit  Quarz  ausgefüllt. 

Sandsteine.  Diese  sind  überwiegend  aus  groben  Körnern 
glasigen  bis  weissen  Quarzes  nur  theilweise  verflösst  oder  blos  zu 
zelligen,  porösen  Massen  zusammengesintert,  so  zwar,  dass  ihre  kla- 
stische Beschaffenheit  im  Gegensatz  zu  den  älteren  Quarziten  sofort 
in  die  Augen  fällt,  theils  sind  sie  durch  ein  modificirtes  thonig- 
talkiges  Bindemittel  verkittet  oder  es  ist  das  letztere  in  parallel 
zur  Schichtung  eingelagerten  mächtigen  Partien  selbständig  ausge- 
schieden. Durch  Verwitterung  erscheinen  einzelne  Straten  ihres 
Bindemittels  beraubt,  weniger  fest,  brüchig,  bröckelig  oder  ganz  zu 
losem  Sand  zerfallen,  während  das  Bindemittel  zu  einer  weissen 
bol artigen  milden  Masse,  den  sogenannten  „faulen"  Adern  der 
Steinbrecher,  umgewandelt  wurde.  Nur  einzelne  Partikeln  von  grünlich 
glänzenden  unzersetzten  Chlorittalk  finden  sich  hie  und  da  im 
festen  Gestein,  den  ursprünglichen  Zustand  des  Bindemittels  ver- 
rathend.  Eigenthümlich  sind  die  durch  Eisen-  und  Manganlösungen 
gefärbten  sphärischen  Sandsteinzonen,  deren  Centrum  strohgelb  bis 
weiss,  während  die  Peripherie  zuweilen  im  wiederholten  Earbenwechsel 
ockergelbe  und  dunkelrothe  Binge  mit  schwarzen  Rändern  zeigt. 

Nimmt  man  die  Sandsteine  vom  Meedler  Steinberg  als 
Prototyp,  so  erscheint  in  jenen  vom  Silberberg  bei  D.- Losen  der 
Glimmer  mehr  verändert,  der  Chlorit  gelbroth  ohne  Glanz ;  bei  Treiblitz 
nimmt  das  milde  bolartige  Mineral  an  Menge  erheblich  zu,  während 
in  der  Schönwälder  Horka  grosse  Quarzblöcke  einzehi  in  ver- 
witterten glimmerigen  Massen  eingebettet  erscheinen. 

Diese  Sandsteine,  welche  unter  dem  Ausdruck  Meedler  Sand- 
steine zusammengefasst  werden  sollen,  sind  offenbar  der  Detritus  der 
Bradler  und  Ausseer  Quarzite. 

Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1899,  49.  Band,  1.  Heft.  (Fr.  Kretschmer.)  5 


34  Franz  Kretschmer.  [6] 

Die  dem  Unterdevon  in  drei  Zügen  eingeschalteten  Grün- 
schiefer sind  dichte,  schwer  bestimmbare  Gesteine  von  sehr  wech- 
sehider  Beschatt'enheit,  deren  Gemengtheile  nur  unter  dem  Mikroskop 
erkennbar  werden;  sie  haben  demzufolge  seither  eine  sehr  ver- 
schiedene Deutung  erfahren.  Auf  den  älteren,  vom  geologischen 
Werner- Verein  zur  Durchforschung  Mährens  und  Schlesiens,  sowie  der 
von  der  österr.  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  herausgegebenen 
Karten  0  hat  man  dieselben  entweder  als  Talkschiefer  oder  gar 
nicht  ausgeschieden   und  bei    dem  „Urthonschiefer-Phyllit"  belassen. 

E.  Daubrava^)  nennt  sie  Chlorittalkschiefer,  F.  Römer^)  be- 
schreibt aus  der  Gegend  von  Klein-Mohrau,  Wiedergrün,  Engelsberg 
und  Würbentlial  auf  demselben  Zuge  liegende  Gesteine  als  Diorite, 
Dioritschiefer    und    diesen    engverbundene    „Grünschiefer",    während 

F.  B  e  c  k  e  *)  dieselben  als  U  r  a  1  i  t  d  i  a  b  a  s,  U  r  a  1  i  t  d  i  a  b a  s  s c  h  i  e  f  e  r 
und  schiefrigen  Uralitdi  abas  porphyrit  erkannt  hat.  Selten  ist 
das  Gestein  so  grobkörnig  und  so  erhalten,  dass  die  wesentlichen 
Gemengtheile  Uralit  und  Oligoklas  mit  freiem  Auge  deutlich 
erkennbar  sind.  Nachdem  nicht  festgestellt  ist,  ob  der  Augit  überall 
in  Form  von  Uralit  erhalten  ist,  soll  in  folgender  Darstellung  der 
allgemeinen  Bezeichnung  D  i  a  b  a  s  s  ch  i  e  f  e  r  der  Vorzug  gegeben 
werden. 

Diese  Diabass  chief  er  verleugnen  ihre  eruptive  Abkunft,  es 
sind  mikrokrystallinisch  gemengte  Gesteine,  u.  zw.  vorwaltend  lauch- 
grüne, chloritreiche,  aphanitische  Diabase,  beziehungsweise  deren 
T  uff  e,  während  andere  Vari  etat  e  n  daneben  nur  eine  beschränkte 
Verbreitung  erlangen;  im  erhaltenen  Zustand  matt,  bis  stark  glänzend, 
indem  ein  secundärer  lichter  Glimmer  die  Structurflächen  überzieht; 
sie  sind  von  durchwegs  ausgezeichneter  Schiefer-  und  Parallelstructur, 
bald  dünnschiefrig,  bald  dickschiefrig,  selten  plattig.  in  ü'ö  bis  l'O 
dicken  Bänken  wohl  geschichtet,  ferner  erscheinen  dieselben  an  zahl- 
reichen Punkten  ihres  weiten  A'erbreitungsgebietes  in  autfallender 
Weise  durch  dynamische  Vorgänge  verändert,  gequetscht,  sowie 
gefältelt,  und  zwar  sind  sowohl  die  einzelnen  Schieferlagen  und  Gesteins- 
bänke, als  auch  ganze  Schichtencomplexe  vielfach  gebogen,  gerunzelt, 
wellig  gewunden,  im  Zickzack  geknickt,  sowie  zu  mehrfachen  Mulden, 
Sätteln  und  Falten  zusammengeschoben. 

In  öfters  wiederkehrenden  Zonen  besitzen  diese  Diabas- 
schiefer eine  autfallend  parallele  Wechsellagerung  feinster  bis 
mehrere  Millimeter  starker  Lagen  von  dunkellauchgrüner,  chlorit- 
reicher  und  hellgrüner  chloritarmer  felsitischer  Gesteinsmasse,  wodurch 
eine  bemerkenswerte  zonare,  schalige  und  streifige  Anordnung  nach 
Art  des  Festungsachates  hervorgerufen  wird.  Unter  dem  Mikroskop 
hat    man   gefunden,    dass    der  lagenförmige,    streifige    Diabasschiefer 


^)  Geologische  Karte  von  Mäl)ren  und  Schlesien,  aufgenommen  von  L.  Hohen- 
egger.  bearheitet  von  F.  Fötterle,  Wien   1866. 

^)  Die  gcognostischon  Verhältnisse  von  M.-Neustatlt.  Jahrb.  dei-  k.  k.  geol. 
R.-A.,   13.  Bd.,  4.  Heft,  Jahrgang   1863. 

■')  Geologie  von  Oberschlesien  von  F,  Römer,  1870. 

*)  Sitzungsberichte  der  k.  Akademie  der  Wissenschafton  in  Wien,  Bd.  I, 
Abthg    I,  1892,  pag.  28G  u.  ff. 


[7]  Die  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen   Devon.  35 

wesentlich  aus  gleichviel  Plagioklas  und  Quarz,  reicliliehem,  dem 
Klinochlor  nahestehendem,  deutlicli  pleochroitischem  Clilorit,  unterge- 
ordnet Epidot,  Jtutil  in  herzförmigen  Zwillingen,  Turmalinsäulchen  und 
Magnetitoktaedern  besteht,  während  Kalk  fehlt,  also  die  Entstehung 
dieses  Diabastuffes  aus  Diabas   schwer  nachweisbar  erscheint. 

Ausser  den  ai)hanitischen  Diabasschiefern  und  den  lagenförmig- 
streifigen  Diabastutfen  lassen  sich  noch  folgende  Varietäten  unter- 
scheiden : 

Q  u  a  r  z  d  i  a  b  a  s  s  c  h  i  e  f  e  r,  zumeist  stark  glänzend,  auf  den 
Schieferungsfläclien  breitet  sich  ein  talkähnlicher  Glimmer  in  ganzen 
Häuten  aus,  mit  glasigem,  bis  röthlichem  Quarz  in  schwachen  Lagen 
interponirt,  oft  in  feinster  Wechseilagerung  von  Quarz  und  Diabas. 
Häufig  erscheint  der  weisse  Quarz  in  selbständigen  Massen  dem 
Diabasschiefer  in  Knollen,  mächtig(?n  Blöcken  und  in  untergeordneten 
Lagern  eingeschaltet. 

D  i  a  b  a  s  m  a  n  d  e  1  s  t  e  i  n  und  K  a  1  k  a  p  h  a  n  i  t  s  c  h  i  e  f  e  r,  lauch- 
grün, glanzlos  bis  matt;  zu  den  oben  angeführten  wesentlichen  Gemeng- 
theilen  gesellt  sich  weisser,  rosenroth  bis  violett  gefärbter  Calcit  in 
rundlichen  Körnern  mehr  oder  weniger  dicht  eingestreut  oder  in 
zarten  Lamellen  bis  zu  stärkeren  Lagen  der  chloritreichen  Diabas- 
grundmasse intercalirt;  zuweilen  tritt  der  Calcit  in  selbständigen 
Bestandmassen  in  grösseren  Nestern  und  Adern  oder  untergeordneten 
Lagern  auf. 

Ferner  Diabastuffe  mit  beigemischtem  Kalk-  oder  Thonschiefer- 
sediment,  in  welchem  das  Diabasmaterial  zurücktritt,  während  Kalk 
entschieden  überwiegt,  oder  aber  es  kam  neben  der  übrigen  Gesteins- 
masse Thonschiefersediment  in  grösserer  oder  geringerer  Menge  zum 
Absatz. 

Durch  Anhäufung  des  Chlorits  werden  örtlich  einestheils  Chlo  rit- 
schief er  ausgebildet,  während  anderntheils  aus  der  Umsetzung 
Talk  hervorgeht,  und  durch  successive  Uebergänge  verknüpft,  Talk- 
chloritschiefer  und  reine  Talkschiefer  entstehen. 

Auch  eine  porphyrische  Form  dieser  Diabasgesteine  ist  den 
verschiedenen  Varietäten  untergeordnet,  und  zwar  zeigt  sich  die 
dunkellauchgrüne,  im  wesentlichen  chloritreiche,  schiefrige  Gesteins- 
masse von  sehr  vielen  weissen  oder  röthlich  angehauchten  Schmitzen 
durchzogen,  welche  zumeist  aus  noch  unzersetztem  Plagioklas,  neben 
reichlichem  Calcit  besteht  und  einen  gequetschten  Diabasporphyrit 
vorstellt. 

Anfängliche  Verwitterung,  namentlich  der  Diabasmandelsteine 
und  Kalkaphanitschiefer,  äussert  sich  durch  Auslaugung  der  Kalk- 
spathsecretionen,  so  dass  das  Gestein  seinen  Kalkgehalt  gänzlich 
verliert  und  ganze  Schichten  und  Zonen  davon  durchaus  porös  und 
schwammartig  durchlöchert  erscheinen.  Durch  weitergreifende  Ein- 
flüsse der  Verwitterung  wird  der  Chlorit  zunäclist  angegriffen,  während 
die  übrigen  Gemengtheile  noch  stabiler  bleiben ;  das  Gestein  erscheint 
von  ockriger  Substanz,  dem  Zersetzungsproduct  des  an  Eisenoxyd 
sehr  reichen  Chlorits  erfüllt,  weiterschreitend  wird  es  matt,  röthlich- 
gelb  bis  ockergelb,  schliesslich  büsst  dasselbe  seine  Cohärenz  ein  und 
wird  zu  milden,  talkthonigen  Schiefern  umgewandelt. 

5* 


36  Frauz  Kretschmer.  [g] 

Autfalleiul  ist  es,  dass  in  dem  hier  in  Betracht  kommenden 
Terrain  neben  den  weitverbreiteten  Diabasschiefern  dichte  und 
körnige  Di  ab  ase  von  massiger  Stru  et  ur  so  selten  sind;  ich 
fand  sie  blos  auf  dem  nordwestlichen  Sattelflügel  im  Hangenden  der 
Bradler  Quarzite,  und  zwar  am  Scheitel  des  Steinhübel  bei 
Neb  es,  wo  ein  fester  plattiger  Grünstein  in  nackten  Felsen  zu  Tage 
ansteht.  Ein  cähnliches  Gestein  wird  auf  der  Vogelhaide  bei  Steine 
für  den  Strassenbau  gewonnen,  wo  es  in  kahlen  Felsklippen  zu  Tage 
tritt;  hier  ist  dasselbe  jedoch  grobkörnig,  nicht  massig,  sondern 
geschichtet,  sehr  langklüftig,  plattig,  lagerliaft  und  liefert  deshalb 
vorzügliche  Ueberlegsteine  für  Hochbauzwecke;  das  Streichen  ist 
2— 3  h,  Fallen  20 — 21  h -^  75 — 80«.  Körniger  Diabas  steht  ferner  in 
der  obenerwähnten  centralen  Zone  der  Diabasschiefer  oder  im  Lie- 
genden des  Bradler  Quarzitzuges  auf  der  Höhe  Ob  er  kr  ug  {344:  m 
ü.  M.)  bei  Poleitz  in  einer  nackten  Felspartie  zu  Tage  an  u.  s.  w. 

Die  Diabasschiefer  stehen  im  Zusammenhange  mit  den  andern 
Formationsgliedern,  insbesondere  mit  dunkelgeflammten  bis  blau- 
schwarzen kohligen  und  hellgrünlichgrauen  Thylliten,  sowie  lichten 
Quarz- Chi oritoids  Chi efern.  Die  Phyllite  sind  sehr  fein  ge- 
fältelt, von  ausgezeichneter  Parallelstructur,  auf  Schieferungsflächen 
stark  seidenglänzend. 

Dadurch,  dass  der  Feldspath  (Orthoklas,  selten  Plagioklas),  welcher 
in  den  Phylliten  zuweilen  accessorisch  in  liirsekorn-  und  erbsengrossen 
Körnern  beigemengt  ist,  local  überhand  nimmt,  werden  grobkörnige 
und  andere  S  chief  er  gn  e  isse  ausgebildet,  welche  mit  den  Phylliten 
wechsellagern. 

Die  zwischen  den  Bradler  und  Ausseer  Quarziten  verbreiteten 
Diabasschiefer,  welche  das  tiefste  Niveau  einnehmen,  bilden,  wie 
bereits  oben  angeführt,  wahrscheinlich  einen  centralen  Kern, 
beziehungsweise  ein  sc  hie  f  liege  ndesSchichtengewölbe 
wie  dies  im  Profil  auf  Taf.  HI  [1],  dargestellt  erscheint.  Diese  Schiefer 
sollen  folgend  kurz  als  A  u  s  s  e  e  r  D  i  a  b  a  s  s  c  h  i  e  f  e  r  benannt  werden. 

Die  im  Hangenden  der  Ausseer  Quarzite  folgenden  jüngeren 
Diabasschiefer  und  Tuffe  von  Meedl  und  Pinke  bieten 
wohl  in  petrographischer  Hinsicht  dieselben  Merkmale  und  ähnliche 
Varietäten  dar,  wie  oben  eingehend  erörtert,  jedoch  sind  dieselben 
hier  weniger  glimmerglänzend,  sie  scheinen  zuweilen  mehr  matt,  ura- 
gew^andelt  bis  thonschieferähnlich. 

Auch  in  der  Meedler  und  Pinker  Diabasgesteinszone  treten 
Diabasporphyrite  als  untergeordnete  Intercalirungen  auf.  — 
Neben  den  normalen  und  Quarz- Diabasschief  ern  erlangen 
dagegen  mit  Kalkcarb  onaten  infiltrirte  Diabasschiefer, 
und  zwar  Diabasmandelstein-  und  Kalkaphanits  chief  er 
eine  grössere  Verbreitung,  welche  durch  ihren  Reichthum  an  Calcit 
und  Chlorit,  häufig  aucli  an  Talk  ausgezeichnet  sind  und  mit  den 
Eisenerzlagerstätten  der  eingangs  erwähnten  Lagerzüge  im  Contaet 
stehen. 

Charakteristisch  erscheinen  gewisse  in  der  Nähe  der  P^isenerz- 
lagerstätten  sowohl  am  Hangenden  als  auch  im  Liegenden  stehende 
olivengrün  matte  Diabasschiefer,  worin  zahlreiche  bis  dicht  eingestreute 


r9]  Die  Eisenerzlagerstätten  des  miihrischen  Devon.  37 

wohlgebildete  millinieter-  bis  centimetergrosse  Göthit  -  Hexaeder  ^), 
metasomatisc'lie  Pseudoinorphosen  nach  Eisenkies  eingewachsen  sind 
und  die  ich  kurz  Pyritschiefer  nenne.  Die  Umwandlung  der  Eisen- 
kieskrystalle  ging  bisweilen  fortschreitend  weiter  in  ockriges  Braun- 
eisenerz vor  sich,  bis  auch  dieses  durch  Erosion  weggeführt  wurde 
und  ähnlich  wie  bei  den  Mandelsteinen  ein  schwammartig  durch- 
löcherter Schiefer  zurückblieb. 

Die  Meedler  und  Pinker  Diabasschiefer  und  deren  Tuffe  führen 
ebenfalls  Quarz  und  Calcit  in  selbständigen  Bestandmassen,  in 
Knollen,  grösseren  Blöcken  und  in  Lagen ;  sie  zeigen  den  gleichen 
parallel  lagenförmigen,  achatähnlichen  Aufbau  und  die  dadurch  bedingte 
Streifung  und  Bänderung,  dasselbe  ausgezeichnet  schiefrige  Gefüge, 
ähnliche  complicirte,  oft  wunderliche  Runzelungen,  Windungen, 
Biegungen.  Faltungen  und  Knickungen  der  Schichten  wie  die  älteren 
Diabasschiefer.  Auch  transversale  Schieferung  wurde  stellenweise 
beobachtet ;  so  z.  B.  zeigen  die;  in  Begleitung  der  Eisenerzlager- 
stätten am  Storzendorfer  Erzberg  auftretenden  Diabasschiefer  deutlich 
diese  Erscheinung  u.  s.  w. 

Umsetzung  der  Diabasschiefer  einestheils  in  Chi orit schiefer, 
anderentheils  in  Talk  schiefer  kommen  auch  hier  nicht  selten 
vor.  Namentlich  als  Nebengestein  und  taube  Mittel  in  den  Eisenerz- 
lagern kommt  eine  Modification  der  Diabasschiefer  vor,  die  fast  als 
reiner  Talkschiefer  erscheint;  letzterer  ist  weiss  bis  grünlich,  mild 
sehr  fettig  anzufühlen,  mit  Fettglanz,  zartester  paralleler  Fältelung 
und  Knickung:  accessorisch  ist  Chlorit  in  gras-  bis  lauchgrünen 
Partikeln  eingestreut. 

Beginnende  Verwitterung  dieser  Mandelsteine  äussert  sich 
ebenfalls  in  Kalkwegfuhr,  wodurch  das  zumeist  matte  Gestein  entweder 
einzelne  erodirte  rundliche  Löcher  zeigt,  oder  in  schmalen  Streifen 
und  Lagen  ausgehöhlt  ist  und  weitergehend  durchaus  porös  und 
schwammartig  erscheint.  Bei  weiter  fortschreitender  Zersetzung 
wird  der  Diabasschiefer  seiner  lebhaft  lauchgrünen  Farbe  verlustig, 
indem  das  Eisen  und  Mangan  des  Chlorits  zu  Oxyd,  Oxyduloxyd  oder 
Oxydhydrat  umgewandelt  wurde,  dadurch  dem  Gestein  die  verschieden- 
artigsten, rasch  wechselnden  P'arbennuancen,  schwarz,  braunroth,  rosen- 
roth,  rothgelb,  ockergelb  verleihend;  gleichzeitig  büsst  das  Gestein 
auch  seine  Cohärenz  ein,  wird  bei  theilweisem  Verlust  seines  Eisen- 
und  Kieselerdegehaltes,  schliesslich  seiner  schiefrigen  Structur  ver- 
lustig und  zu  gelbbraunen  bis  dunkelrothen  oder  hellfarbigen  weissen 
1  e  1 1  e  n-  o  d  e  r  b  o  1  a  r  t  i  g  e  n  Massen  decomponirt.  Mit  de m  G  r  u  n  d- 
wasser  in  Berührung  lösen  sich  diese  letzteren  vollends  zu  brei- 
artige n,  dem  schwimmenden  Gebirge  ähnliche  n  M  a  s  s  e  n 
auf,  die  in  der  Nähe  der  E  i  s  e  n  e  r  z  1  a  g  e  r  s  t  ä  1 1  e  n  u  n  r  e  g  e  1- 
mässige  ausgedehnte  Zonen  bilden,  von  den  Bergleuten 
„Wassersäcke"  genannt. 


^)  Y.  Kobcll  hat  gezeigt,  dass  das  durch  Metasomatosis  des  Kisenkieses 
entstandene  Brauneisenerz,  gewöhnlich  die  chemische  Zusammensetzung  des 
Göthits  besitzt. 


3g  Franz  Kretschmer.  [10] 

In  den  eben  erwähnten  zersetzten  Meedler  Schichten,  und  zwar 
in  der  unmittelbaren  Nähe  der  Eiseiierzlagerstätten  und  als  taube 
liergmittel  auf  diesen  letzteren  selbst,  sind  zahlreiclie  feste  völlig- 
intakte  Rippen,  viele  Kubikmeter  grosse  Gesteins- 
blöcke und  Schollen,  sowie  ganze  Lager  von  Diabas- 
mandelstein und  Kaikap  h  anitsc  hie  f  er  beim  Grubenbetrieb 
angetroffen  worden,  deren  Inneres  von  der  ringsum  statt- 
gehabten Zersetzung  verschont  geblieben  ist.  Diese 
stoffliche  Metamorphose  äussert  sich  derart,  dass  die  unversehrt  ge- 
bliebene Masse  durch  verschiedene  Stadien  in  den  zersetzten  Zustand 
übergeht,  und  zwar  so,  dass  das  Gestein  von  aussen  und  den  Structur- 
liächen  her  zu  fettig  anzufühlenden,  lettigen  bis  breiartigen  Massen 
zersetzt  erscheint,  sodann  eine  schwache  äussere  Hülle,  porös  und 
schwammartig  durchlöchert,  mit  Roth-  und  Gelbockernestchen  die 
Gesteinsschollen  rings  umgibt,  während  der  Kern  noch  völlig  unver- 
sehrten festen,  glänzenden,  grünlichen,  chlorit-  und  talkreichen 
Diabasmandel  stein  und  K  alkaph  anit  schief  er  oder  deren 
Tuffe  mit  Kalksediment  birgt. 

Eine  untergeordnete  Stellung  nehmen  die  Kalksteine  des 
hier  in  Frage  kommenden  Gebietes  ein,  sie  sind  vorherrschend  blau- 
grau in  bald  helleren,  bald  dunkleren  Nuancen  und  von  körniger 
Beschaffenheit,  seltener  sind  reine  Kalksteine,  in  der  Regel  über- 
wiegen dolomitische  mit  einem  Gehalt  an  Bittererdecarbonat  bis  zu 
lG"/o,  oder  auch  durch  Kieselerde  verunreinigt.  Häufig  besteht  das 
Gestein  aus  abwechselnd  papierdünnen  bis  wenige  Millimeter  starken 
Lagen  von  graublauem,  dolomitischem  und  weissem  reinem  Kalk- 
stein, oder  der  erstere  wechselt  mit  ebensolchen  Lagen  von  grün- 
lichgrauem Diabasmaterial,  wodurch  das  Gestein  eine  achat- 
ähnliche Streifung  und  Bänderung  zeigt,  und  zwar  mit  vielfacher 
bogenförmig  oder  im  Zickzack  hinlaufender  Biegung,  Faltung,  bezie- 
hungsweise Knickung  der  Schieferlagen  und  durch  mehr  oder  weniger 
mächtige  Schichten  gehend.  Bei  Verwitterung  werden  die  Lagen 
reinen  Kalksteins  und  die  Diabasmasse  zuerst  weggeführt,  während 
der  schwer  verwitteibare  dolomitische  und  kieselige  Kalkstein  als 
Gerippe  stehen  bleibt,  wodurch  das  Gestein  auf  den  Zerklüftungs- 
flächen tief  durchfurcht  erscheint.  Der  Kalkstein  ist  demzufolge  zu- 
meist unrein,  sehr  fest  und  findet  nur  für  die  Zwecke  des  Strassen- 
baues  Verwendung. 

Dagegen  sind  gewisse,  in  Begleitung  der  Eisenerze  auf- 
tretende Kalksteine  (wie  weiter  unten  folgende  Analyse  nach- 
weist) sehr  rein  und  reich  an  wirksamen  Kalkcarbonat;  ihre  Färbung 
ist  vorherrschend  weiss  bis  hellgrau,  deren  Structur  zuckerkörnig, 
überwiegend  massig  oder  dick  geschichtet. 

Ein  besonderes  Interesse  knüpft  sich  an  den  g  r  a  n  i  t  ä  h  n- 
lichen  Gneiss,  welcher  dem  Unterdevon  intrusiv  eingeschaltet,  sich 
hier  als  ein  krystallinisch  grobkörniges  Aggi-egat  von  glasigem  bis 
weissem  Q  u  a  r  z  mit  kleinen  Bergkrystall-Druschen,  weissem,  gelblichem 
bis  röthlichem,  })er]mut,terglänzendem  Orthoklas,  seltener  graulich- 
weissem  Oligoklas  darstellt,  worin  der  Glimmer  durch  den  lauch- 
grünen   t  a  1  k  c  h  1 0  r  i  t  i  s  c  h  e  n  G  1  i  m  m  e  r   unserer  Gegend  vertreten 


n  1]  Die  P'iisenerzlagerstiltten  dos  mährischen  Devon.  39 

ist,  welch  letzterer  nicht  völlig  regellos  eingestreut  ist,  sondern  eine 
Tendenz  nach  paralleler  Anordnung  zeigt.  Durch  Verwitterung  erscheint 
der  Feldspath  häufig  caolinisirt,  der  talkchloritische  Glimmer  zu  roth- 
ockeriger  Substanz  zersetzt. 

Der  granitähnliche  Gneiss  ist  allem  Anscheine  nach  ein  I  n- 
tr  u  s i  V g  e  s  t  e  i  n  von  massiger  S  t  r  u  c  t  ur,  regellos  von  zahlreichen 
Klüften  durchsetzt,  er  scheint  dem  ProtOgyn  der  Schweizer  Central- 
alpen  am  nächsten  verwandt  und  nimmt  an  Stellen,  wo  er  besonders 
stark  tektonischen  Druckwirkungen  ausgesetzt  war,  einen  gewissen 
Flasergneissen  ähnlichen  Habitus  an. 

Der  Phyllit,  welcher  den  granitähnlichen  Gneiss  mantelförmig 
umschliesst,  verliert  durch  Contactmetamorphose  seinen  petrographi- 
schen  Charakter,  wird  äusserlich  matt  schwarzgrau,  ist  variolitisch 
von  glasigem  Quarz  durchzogen  und  zeigt  an  Stelle  des  schiefrigen  ein 
stark  plattiges  Gefüge;  bisweilen  geht  auch  dieses  verloren  und  das 
Gestein  wird  hornfelsartig,  massig,  höchst  fest. 

Verbreitung'  und  Gliederung. 

Die  tiefsten  Quarz  ite  der  mährisch-schlesischen  Devon- 
formation bilden  einen  scharf  charakterisirten  Horizont  und  erheben 
sich  aus  dem  Diluvium  des  Marchthales  im  Wäldchen  südlich 
der  Bezirksstrasse  von  Poleitz  nach  Dubitzko,  ferner  bei  dem 
Wirtschaftshofe  des  Jambor  auf  dem  kleinen  Polankaberge 
(346  m  ü.  M.),  wo  sie  jedenfalls  nahe  zu  Tage  treten,  wie  nach  den 
im  LÖSS  herumliegenden  Blöcken  von  Quarzit  und  Conglomerat  ge- 
schlossen werden  darf;  ausserdem  wurde  im  Hausbrunnen  des  Land- 
wirtes Jambor  Quarzit  durchteuft.  Nun  erscheint  der  Quarzitzug 
westlich  Poleitz  auf  eine  längere  Distanz  durch  Berglöss  verdeckt 
uud  erst  auf  der  Besdieger  Horka  itritt  der  Quarzit  in  einer 
isolirten,  auffallend  höckerigen,  felsigen  Bergkuppe  zu  Tage.  In  nord- 
östlicher Richtung  fortschreitend,  stösst  man  schon  im  Dorfe  Wele- 
borsch  auf  die  Quarzite  des  Bradlwaldes,  welche  auf  der  Welc- 
her s  c  h  e  r  S  k  a  1  k  a  (460  m),  am  K  a  t  z  e  n  s  t  e  i  n  (570  m),  am  B  r  a  d  1- 
stein  (601  m)  und  endlich  am  Drei  st  ein  (567  iii)  hoch  aufgethürmte, 
vielfach  zerrissene,  nackte  und  weithin  sichtbare  Felsmassen  bilden, 
auf  den  Gehängen  von  ausgebreiteten  Moränen,  den  Resten  einstiger 
Vergletscherung  umgeben  sind  und  speciell  am  Bradlstein  die  grösste 
Mächtigkeit  von  schätzungsweise  200  m  erreichen.  Das  Streichen  der 
Bradler  Quarzite  verläuft  in  einer  sanften  Curve  von  5  h  bis  3  h,  das 
Fallen  ist  23— 21  h  unter  -^60—75*'. 

Nach  Maßgabe  des  allgemeinen  Streichens  finden  die  Bradler 
Quarzite  ihre.  Mos  durch  die  Auswaschung  der  D.  -  L  i  e  b  a  u  e  r 
Thalmulde  unterbrochene  Fortsetzung  auf  den  Gehängen  des 
S  t  ü  c  k  e  n  w  a  1  d  e  s  (534  m  ü.  M  )  un d  des  M  ü  h  1  b  e  r  g  e  s  (577  in), 
wo  sie  infolge  Durchbrechung  des  Seifenbaches  in  querschlägiger 
Richtung  vorzüglich  aufgeschlossen  sind,  in  grossartigen  kahlen  Klippen 
zu  Tage  anstehen;  sie  bilden  hier  auf  den  Seifen  lehnen  und  im 
Hofwaid  nördlich  D.-Liebau  mehrere  i)arallele  Quarzitlager  von 
bedeutender  Mächtigkeit,  welche  mit  stark  glänzendem  Diabasschiefer 


40  Franz  Kretschmer.  [12] 

und  Phylliten  wechseln,  was  auf  wiederholte  Schichtenfaltung  hinzu- 
weisen scheint.  Massige,  fast  dichte,  sehr  feinkörnige,  krystallinische 
Quarzite  wechseln  mit  groben  Conglomeraten,  worin  die  wohlgerundeten 
Knollen  weissen  Quarzes  bis  Faustgrösse  erreichen.  Dass  von  diesen 
Gesteinen  eingenommene  Gebiet  besitzt,  normal  auf  das  Streichen 
gemessen,  ungefähr  2  km  Breite. 

Am  Mühlberg  selbst  und  in  der  Fortsetzung  am  H  u  t  b  e  r  g 
(5V)6  w/)  bei  Bladenstlorf  nimmt  die  Mächtigkeit  iler  Quarzite 
wieder  ab  und  beträgt  am  letzteren  Fundort  ungefähr  120m;  hier 
stehen  sie  am  Scheitel  des  Berges  zu  Tage,  woselbst  plattige,  gut 
spaltende,  lagerhafte  und  körnige  Quarzitschiefer  in  einem  Bruche 
gewonnen  werden. 

Auf  dem  östlichen  Gehänge  des  J*  r  i  s  e  n  b  e  r  g  e  s  (705  ni.)  bei 
Bladensdorf  verschwindet  das  schwache  Quarzitlager  abermals  unter 
Löss.  Im  allgemeinen  Streichen  2  h  verbleibend,  lässt  sich  der 
Quarzitzug  zunächst  durch  Moränen,  sodann  insbesondere  durch  zu 
Tage  anstehende,  die  Kämme  und  Scheitel  der  Berge  bildende,  nackte 
Felsmassen  weiter  nordnordöstlich  verfolgen,  über  den  Ilabichtberg 
(850  m),  wo  die  Quarzite  abermals  zumeist  als  Conglomerate  vertreten 
sind,  nach  dem  H  a  i  d  s  t  e  i  n,  dem  Weisse  u-  und  S  c  h  w  a  r  z  e  n  s  t  e  i  n 
und  F  i  c  h  1 1  i  n  g,  weiterhin  am  V  e  r  1  o  r  e  n  e  n  s  t  e  i  n,  H  ö  r  n  d  1  s  t  e  i  n. 
Backofenstein,  Schief  er  haide  ,  Maiberg,  Hohe  Hai  de, 
Oppafall,  Mooslehne,  Würben  thaler  Höh  enberg,  Lu  d- 
w  i  g  s  t  h  a  1  e  r  S  c  h  1  o  s  s  b  e  r  g ,  K  a  u  h  b  e  e  r  s  t  e  i  n  ,  Einsiedler 
D  ü  r  r  e  n  b  e  r  g,  M  o  t  h  s  e  i  f  e  n  k  a  m  m ,  H  a  c  k  e  1  s  t  e  i  n  und  Kahlen- 
berg,  letzterer  in  der  Berggruppe  des  mächtigen  Querberges. 
Es  ist  dies  somit  ein  grossartiger,  im  geognostischen  Sinne  zu- 
sammenhängender Gesteinszug  von  rund  ()0  Kilometer  Länge,  der  in 
orographischer  Hinsicht  dadurch  ausgezeichnet  ist,  dass  derselbe  in 
der  Regel  die  höchsten  Bergrücken  zum  Theil  über  VdOO  )n  ü.  M. 
bildet  und  auf  den  Kämmen  und  Scheiteln  derselben  in  senkrecht 
abfallenden,  bis  10 /«hohen,  vielfach  zerisseuen,  nackten  Klippen  zu 
Tage  tritt. 

Während  die  vorwaltend  gut  geschichten  Quarzite  im  nord- 
östlichen Theile  bis  zum  Backofenstein  gegen  SO  fallen  und  die  Auf- 
lagerungsfläche derselben  gegen  die  NW  fallenden,  älteren  Chlorit- 
gneisse  keine  durchwegs  normale,  sondern  durch  Längsbrüche  hervor- 
gerufen sein  dürfte,  ist  das  Fallen  vom  Hörndlstein  bis  zum  Fichtling 
concordant,  sehr  flach  gegen  NW,  von  da  ab  bis  zum  Habichtsberg 
widersinnig,  um  vom  Bladensdorfer  Hutberg  beginnend,  gegen  SW 
nochmals  parallel  mit  dem  Chloritgneiss  nach  NW  einzufallen. 

Die  reinen,  feinkörnigen  Quarzite  werden  örtlich  zur  Chamott- 
erzeugung  und  als  Zustellsteine  für  hüttenmännische  Feuerungsanlagen 
benützt. 

Am  Dürrenberg  bei  Einsie  de  1  führt  der  geschilderte 
(^larzitzug  eine  reichhaltige  fossile  Faunai)  derzufolge  der 
Dürrenberger  Quarzit  unzweifelhaft  der  unteren  Abtheilung 
der   Devonformation    oder    nach   der   Gliederung    von    Römer 

')  Römer:    Zeitschrift   der    D.  geol.    Uesellschaft.  Jahrgang    18(j5,    Ö.    579. 


[13]  IHe  p]isonerzlagerst<ätten  des  mährischen  Devon.  41 

dem  Unterdevoii  angehört.  p]ine  zweite  Fundstelle  gleicher  Ver- 
steinerungen wurde  in  jüngster  Zeit  am  Schlossberge  bei  Lud- 
wigsthal entdeckt,  wo  es  mir  gelungen  ist,  beim  Steinbruchsbetriebe 
gute  Exemplare  von  Grammi/sia  Ilanültonensis  E.  de  Vemeuü,  Hpiyi/er 
mncropterus  Goldf.,  Naticopsis  (?)  sp.,  Serpulifes  sp.  etc.  zu  gewinnen. 
Die  !Se)piUites-B{ii\k  ist  circa  0-75  m  mächtig. 

Wenn  auch  die  weiter  südwestlich  auftretenden  Quarzite, 
namentlich  jene  des  Bradlwaldes,  bisher  keine  organischen  Ein- 
schlüsse ergeben  haben,  so  ist  es  doch  unzweifelhaft,  dass  diese 
letzteren  Quarzite,  wie  oben  nachgewiesen  wurde,  in  der  südwest- 
lichen Fortsetzung  der  demselben  Zuge  angehörigen  Dürrberger  und 
Schlossberger  Quarzite  liegen  und  mit  diesen  ein,  wenn  auch  nicht 
überall  zusammenhängendes ,  dessenungeachtet  gleichzeitig  abge- 
lagertes Ganzes  bilden.  Zufolge  die  s  er  Lagerungsverhältnisse 
ergibt  sich  die  Zugehörigkeit  der  ß  r  a  d  1  e  r  Quarzite 
gleichwie  für  die  Dürren  berger  und  Schlossberger  zum 
Unter  de  von,  desgleichen  gehören  dahin  die  mit  den- 
selben zusammen  vorkommend  en  Diabas  schiefer,  sowie 
die  eingeschalteten  Kalksteine  und  aufgelagerten 
Quarz  Sandsteine. 

Im  nordöstlichen  Theile  des  geschilderten  Quarzitzuges,  speciell 
am  Dürrenberg  liegt  der  Quarzit  unmittelbar  auf  C  h  I  oritgneis  s  als 
Liegendem,  einem  sehr  charakteristischen  Gestein,  das  durch  vielen 
Albit,  geringe  Menge  Orthoklas,  seinen  Reichthum  an  Muscovit 
ausgezeichnet  ist  und  ein  schiefriges,  grobkörniges  Gefüge  besitzt ; 
seine  Farbe  ist  vorherrschend  dunkelolivengrün,  verursacht  durch 
eingeschaltete  Chloritschui)i)en  und  Flasern ,  die  sich  auf  den 
Schieferungsflächen  ausbreiten  und  häufig  neben  Muscovit  überwiegen ; 
der  letztere  erscheint  an  zahlreichen  Fundstellen  in  bis  zollgrossen 
Tafeln,  was  dem  Gestein  ein  auffälliges  Aussehen  verleiht.  Solche 
Chloritgneisse  halten  mit  ihren  auffälligen  petrographischen  Merkmalen 
in  merkwürdiger  Consequenz  auf  grosse  Entfernung  unter  dem  grossen 
Quarzitzuge  an,  ich  fand  dieselben  ausser  am  D  ürr  enber  ge,  weiter 
südwestlich,  unterhalb  Karlsbrunn,  am  Hin-  und  Wied  erstein,  am 
Kamm  des  H  a  i  d  e  n  z  u  g  e  s  (Peterstein),  am  P  r  i  s  e  n  b  e  r  g ,  auf  der 
Höhe  nordöstlich  Bladensdorf  (wo  sie  nicht  so  glimmerreich),  bei 
der  B 1  a  d  e  n  s  d  0  r  f  e  r  S  t  ä  r  k  e  f  a  b  r  i  k,  am  linksseitigen  Thalgehänge 
des  S  e  i  f  e  n  g  r  II  n  d  e  s ;  hier  übergehen  sie  am  Hangenden  in  M  u  s- 
covitgneisse  von  dünnschieferiger  bis  grobklotziger  und  massiger 
Structur,  welche  gegen  die  Quarzite  quarzreicher  werden.  An  den 
südwestlichen  Abdachungen  des  Stücke  nwald  e  s  bei  D.-Liebau 
findet  man  zwischen  losen  Blöcken  von  Quarz- Con gl ome rat 
grosse  Trümmer  eines  ähnlichen  Chloritgneisses,  der  aber  insofern 
modificirt  erscheint,  als  darin  bis  wallnussgrosse  Ausscheidungen 
glasigen  bis  weissen  Quarzes  einen  wesentlichen  Gemengtheil  bilden. 
Allem  Anscheine  nach  dürfte  das  Gestein  in  der  Nähe  der  hier 
durchgehenden  Quarzite  anstehen. 

Anders  liegen  diese  Verhältnisse  noch  weiter  südwestlich,  wo 
am  Steinhübel  bei  Liebesdorf  am  südlichen  Ausgange  dieses 
Ortes,   in   einem  verlassenen  Steinbruche,    dunkle,   kohlige,  glimmer- 

Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsaustalt,  1899,  49.  Uand.  l.  Heft.  (Fr.  Kretschmer.)  Q 


42  Franz  Kretscliraer.  [14] 

reiche  Phyllite  von  zarter  Filltehmg  auf  den  Schieferflachen  und 
transversaler  Schieferung  an  die  Bradler  Quarzite  treten ;  erst  weiter 
im  Thale  aufwärts  finden  sich  in  einem  verlassenen  Steinbruche  am 
linken  Gehänge  grüne,  zartgefaltete,  chlori tische  Schiefer, 
ebenfalls  mit  falscher  Schieferung ;  dadurch  bemerkenswert,  dass  sich 
auf  den  stark  glimmerigen  Structurflächen  Tafeln  von  Muscovit  ein- 
stellen und  durch  Feldspathaufnahme  Uebergänge  in  Chloritgneiss 
entstehen.  (Streichen  3  h,  Fallen  21  h  <  75".) 

Diabasschiefer  werden  in  dem  Steinbruche  am  Zusammen- 
flusse des  S  t  e i  n  e  r-  u  n  d  R  0  h  1  e  r  b  a  c  h  e  s  gewonnen,  woselbst  sie  auch 
weiter  thalabwärts  an  mehreren  Stellen  in  nackten  Felsen  zu  Tage 
treten.  Das  Gestein  führt  rundliche  Quarzeinschlüsse,  ist  sehr  fest, 
zähe,  vielfach  gefaltet  und  geknickt  und  wird  durch  Verwitterung 
schmutziggelb  bis  rothbraun. 

Ebenso  treten  bei  Unter-Bezdieg  duükelgeflammte  kohlige 
Thons  Chief  er  an  die  Quarzite  und  erst  bei  Ober-Bezdieg  lagert 
ein  dünnschieferiger  Chloritgneiss.  (Streichen  4  h.  Fallen  22  h  <  60^.) 

Diese  an  die  unterdevonischen  Bradler  Quarzite  gegen  NW 
angelagerten  krystallinischen  dunkeln  und  kohligen  Phyllite,  sowie  die 
grünen  Diabasschiefer  scheinen  hier  zwischen  die  archäischen  Chlorit- 
gueisse  eingeschoben  und  es  ist  nicht  unmöglich,  dass  die  bei 
Nebes,  Steine  und  Rohle  entwickelten  Diabasgesteiue 
den  n  0 r  d  w  e  s  1 1  i  c  h  e  n  S  a  1 1  e  1  s  c  h  e  n  k  e  1  d  e  r  ]\I  e  e  d  1  e  r  D i  a b  as- 
s  Chief  er,  beziehungsweise  ihrer  Tuffe  darstellen,  wie  dies  die 
Ergänzungscurven  des  Profils  auf  Taf.  III  [1],  andeuten. 

Nachdem  nun  solcher  Art  ein  fester  Ausgangspunkt  für  die 
Altersbestimmungen  gewonnen  ist,  müssen  nach  dem  Vorgange  R  ö  m  e  r's 
die  Au  sseer  Quarzite,  dann  die  Mee  dler  San  ds  t  eine,  sowie 
die  A  u  s  s  e  e  r  ä  1 1  e  r  e  n  u  n  d  j  ü  n  g  e  r  e  n  D  i  a  b  a  s  s  c  h  i  e  f  e  r,  w  e  1  c  h  e 
letztere  die  Eisenerzlager  von  Meedl  bei  M. -Aussee 
und  Pinke  nächst  M. -Neustadt  ums chliessen,  bis  dort,  wo 
sie  am  Galgenberge  bei  letzterer  Stadt  an  die  Grau- 
w  a  c  k  e  n  a  n  s  t  o  s  s  e  n ,  in  richtiger  Consequenz  dem  U  n  t  e  r  d  e  v  o  n 
zugewiesen  werden. 

Die  Aussee r  Quarzite  verlaufen  in  einem  zum  allgemeinen 
Streichen  der  Bradler  Quarzite  (3  h  2  gd)  parallelen  Zug;  ihr  oro- 
graphisches  Verhalten  ist  dadurch  bemerkenswert,  dass  auch  sie  die 
Scheitel  und  Rücken  jenes  Höhenzuges  einnehmen,  welcher  am  Durch- 
bruche der  March  steil  einsetzt,  über  den  Grossen  Br  ab  letz 
(342  w  ü.  M.),  den  Kl  ei  neu  Br  ab  letz  (327  w),  St.  Rochus 
(320w),  Barbara,  Kirchl,  Kleinen  Taubenbusch  (370  w), 
Grossen  Taubenbusch  (374  m),  Treiblitzer  Horka  (ßm  m) 
fortstreicht;  durch  die  Erosionsmulde  bei  Treiblitz  und  Markersdorf 
unterbrochen,  finden  wir  ihre  Fortsetzung  in  dem  W  oll  m  ann'schen 
Bruche  auf  der  Höhe  H  i  n  t  e  r  -  Z  a  h  o  n  südlich  B  ö  h  m  i  s  c  h  -  L  i  e  b  a  u 
und  im  S  chmidt'sch  en  Bruche,  sowie  am  Wachberg  nördlich 
Deutsch -Lieb  au  wieder. 

Das  allgemeine  Streichen  der  Ausseer  Quarzite  ist  4  h  und  mit 
dem  Streichen  des  erwähnten  Gebirgsrücken  conform,  das  Fallen  ist 
deutlich  ausgesprochen    10  h  unter  <  60—70»;    sie  sind  am  Tauben- 


[151  r)io  Eisenerzlagerstätton  dos  raiihrischon   Devon.  43 

busch  von  grossen,  tlieilweise  offenen  Klüften  nach  verschiedenen 
Richtungen  durchzogen,  dieselben  werden  wegen  leichterer  Arbeit 
von  den  Steinbrechern  bei  der  Gewinnung  verfolgt,  insbesondere  im 
Winter,  wo  die  überlagernde  Decke  gefriert  und  darunter  ohne 
Zimmerung  gefahrlos  gearbeitet  werden  kann. 

Die  Ausseer  Quarzite  stehen  jenen  vom  Bradlwalde  an  Mächtigkeit 
nach ;  erstere  werden  durch  die  beiderseitigen  Diabasschieferzonen 
in  ihrer  Verbreitung  eingeengt.  Grössere  Mächtigkeit  erreichen  die- 
selben auf  der  Treiblitzer  Ilorka,  wo  sie  früher  in  mehreren  Brüchen 
entblösst  waren  und  einerseits  beim  Bahn- Wächterhause  Nr.  19  zu 
Tage  treten,  andererseits  bei  Pissendorf  an  die  Ausseer  Diabasschiefer 
stossen.  Die  festesten  Quarzite,  insbesondere  der  weisse  Quarz,  finden 
geschlägelt  zum  Strassenbau  Verwendung,  die  weniger  festen  Bruch- 
steine werden  für  Hochbauzwecke  ausgehalten. 

Einen  ähnlichen  Parallelzug  bilden  die  nun  weiter  im  Hangenden 
folgenden  Meedler  Sandsteine,  welche  am  Meedler  Stein- 
berg (287  m  ü.  M.)  in  mehreren  grossen  Steinbrüchen  circa  300  w 
im  Streichen,  50  m  in  der  Mächtigkeit  aufgeschlossen  sind  und  hier 
nach  3  h  streichen,  9  h  und  21h  unter  <  80  bis  85^  einfallen,  also 
eine  steil  aufgerichtete,  zusammengeschobene  Schichtenstellung  ein- 
nehmen. Allem  Anscheine  nach  sind  diese  Sandsteine  concor- 
dant  der  Meedl-Pinker  Grünschiefer- Synklinale  auf- 
gelagert. 

Vom  Steinberg  südwestlich  verschwinden  die  Quarzsandsteine 
unter  Löss  und  Lehm  und  erst  nach  Ueberschreitung  der  Niederung 
des  Adelmannbaches  finden  wir  sie  im  stark  verwitterten  Zu- 
stande in  dem  Bruche  am  Scheitel  des  Stein  hübeis  südwestlich 
Hlivitz,  ferner  am  Rothenberg  (269  m),  bei  Königlosen 
dürfte  nach  den  zahlreichen  der  Ackererde  inneliegenden  Stufen  von 
Meedler  Quarzsandstein  und  weissem  Quarz  auf  die  Anwesenheit  in 
geringer  Teufe  geschlossen  werden. 

Vom  Steinberg  gegen  NO  begegnen  wir  den  Quarzsandsteinen 
wieder  auf  dem  Scheitel  der  Höhe  rechts  der  Strasse  Meedl- 
Trei blitz,  wo  sie  früher  in  einem  nun  eingeebneten  Bruche  beim 
Bahnbau  ausgebeutet  wurden;  weiter  am  Rücken  des  Deuts  ch- 
Losener  Silberberges  (291  m  ü.  M.),  dann  auf  der  Dlauha 
hora  (264  m)  nordöstlich  Treiblitz  und  erst  nach  der  durch  das 
Oskawa-  und  Markowathai  bedingten  Unterbrechung  treten  sie  auf 
der  Schön  Wälder  kleinen  Horka  und  in  dem  Erbrichter- 
Walde  nördlich  Trübenz  wieder  zu  Tage. 

In  örographischer  Beziehung  ist  noch  zu  erwähnen,  dass  die 
Meedler  Sandsteine  ebenfalls  den  Scheitel  und  Rücken  des  gedachten 
Höhenzuges  einnehmen,  dessen  Richtung  dem  allgemeinen  Streichen 
der  Sandsteinschichten  conform  ist.  Die  Meedler  Quarzsandsteine 
werden  als  Bruchsteine  und  Sand,  theils  zum  Hochbau,  theils  zum 
Strassenbau,  auch  für  Chamotterzeugung  und  als  Form-  und  Schweiss- 
sand  für  hüttenmännische  Zwecke  verwendet. 

Im  Gegensatze  zu  den  Quarziten,  welche  als  das  widerstands- 
fähigere Gesteinsmateriale  die  Höhen  dominiren,  treten  in  dem  hier 


44  Franz  Kretschmer.  HQl 

in  Betracht  kommenden  Gebiet  die  Diabasschiefer  und  deren  Tuffe 
als  leichter  verwitterbar,  zumeist  auf  den  Gehängen  und  in  den 
Niederungen,  Thälern  und  Gräben  auf.  Den  drei  Quarzitzügen  ent- 
sprechen drei  Diabasschieferzonen,  und  zwar  ist  die  älteste  oder 
tiefste,  jene  der  sogenannten  Ausseer  Diabas  s  c hie  f  er  am 
besten  aufgeschlossen,  auf  den  westlichen  Abfällen  des  Ausseer 
Kreuzberges  und  des  S  c  h  1  o  s  s  b  e  r  g  e  s,  dann  im  Polleitzer 
Graben  bis  U  n  t  e  r- B  e  z  d  i  e  g,  in  dem  Graben  gegen  L  e  p  i  n  k  e 
und  dem  Katzenstein,  sowie  auf  letzterem  selbst,  wo  sie  theils 
in  kahlen  10 — 20  m  hochragenden  Felspartien  zu  Tage  anstehen  oder 
in  zahlreichen  Steinbrüchen  entblösst  sind;  ferner  sind  diese  Gesteine 
mit  mehreren  Einschnitten  der  mährischen  Grenzbahn  zwischen  den 
Stationen  Markersdorf  und  D  eutsch-Liebau  durchbrochen. 
Jenseits  der  Liebauer  Terrainmulde  erscheinen  sie  auf  der  Seifen- 
lehne im  Hofwald  und  am  Ameisen  hüb  el  in  Wechsellagerung 
mit  mächtigen  Quarziten.  Ihre  weitere  Erstreckung  gegen  NO  bildet 
das  dem  Haidenzuge  Fichtling — Hohe  H a i d  e  vorgelagerte  Berg- 
land, wo  aber  die  lebhaft  grünen  chloritreichen  Diabasschiefer  in 
ihrer  Verbreitung  gegen  kohlige  Phyllite  zurücktreten,  bis  diese 
letzteren  weiterhin  vorherrschend  werden. 

Der  nun  folgende  Schichtencomplex  der  Me  edler  Diabas- 
schiefer ist  in  unserem  Gebiet  grösstentheils  zu  milden  Massen 
zersetzt,  denen  kaum  die  Schieferstructur  erhalten  blieb,  welche  daher 
mehr  weniger  tief  weggewaschen  sind  und  unter  Lössbedeckung  ver- 
schwinden ;  ihre  Verbreitung  und  sonstigen  Verhältnisse  sind  erst  durch 
den  darin  umgehenden  Eisenerzbergbau  näher  erkannt  worden.  Die 
Zahl  obertägiger  Aufschlüsse  ist  demzufolge  beschränkt.  Am  südöst- 
lichen Gehänge  des  Ausseer  Q  u  a  r  z  i  t  k  a  m  m  e  s  zeigt  sich  der  Löss 
tief  in  das  Innere  der  zersetzten  Diabasschiefer  von  zahlreichen  5  bis 
10  m  tiefen  Gräben  durchfurcht,  wo  die  letzteren  in  dem  ihnen  eigen- 
thümlichen  modificirten  Zustande  als  rothe,  gelbe,  weisse,  theils  milde 
thonschiefrige,  theils  als  lettige  und  bolartige  Massen  entblösst 
erscheinen.  Guten  Aufschluss  gewährt  der  Pingenrand  beim  fürstlich 
L  i  e  c  h  t  e  n  s  t  e  i  n'schen  Z  e  c  h  e  n  h  a  u  s  des  Bergbaues  M  e  e  d  1. 
Charakteristische  Di  ab as -Man  d  eiste  in  e  stehen  zu  Tage  an  in 
dem  Steinbruche,  wo  die  Fahrwege  von  Hlivitz  und  Königlosen 
nach  M. -Aussee  unterhalb  der  St.  Rochus-Cap  eile  zusammen- 
treffen. Den  erwähnten  gleiche ,  zersetzte  Gebirgsschichten  sind 
mit  dem  ersten,  nördlich  des  Treublitz  er  Bahnhofes  in  einer 
Curve  gelegenen  Eisenbahn-Einschnitt  blossgelegt  worden.  Das  Haupt- 
streichen dieser  Schichten  verläuft,  von  nebensächlichen  Störungen 
abgei^ehen,  parallel  zu  den  Quarzitzügen  3  h  mit  wechselndem  Fallen 
nach  9  h  und  21h;  dieselben  umschliessen  bei  Meedl  und  Storzen- 
dorf  die  hochwichtigen  Erzlagerstätten  des  obenerwähnten  ersten 
Erzlagerzuges. 

Jenseits  der  Liebauer  Terrainmulde  erleiden  diese  Gesteine 
jedoch  im  nordöstlichen  Fortstreichen  eine  wesentliche  Störung, 
d  u  r  c  h  n  a  c  h  10  h  quer  v  o  r  g  e  1  a  g  e  r  t  e,  i  n  K  u  p  p  e  n  e'm  p  o  r- 
ragende,  pro togyn ähnliche  Gneis  se,  welche  auf  dem 
Rücken     des    H  ö  h  e  n  k  a  m  m  e  s     zwischen    W  a  c  h  b  e  r  g    und 


[17]  Die  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen  Devon.  45 

13ü  schelberg  theils  in  nackten  Felsblöcken  anstehen,  tlieils  in 
mehreren  Steinbrüchen  gute  Aufschlüsse  gewähren ;  die  Schiefer  er- 
scheinen mantelförmig  aufgelagert  und  durch  Contactwirkung  niodi- 
ficirt,  was  am  besten  in  dem  grossen  Steinbruche  am  südöstlichen 
Ende  des  Wach  b  e  rgkam  m  es  zu  beobachten  ist.  weder  glimnier- 
schieferähnlich  veränderte  Schiefer  9  h  streicht,  15  h  unter  -^SO  — 40^* 
fällt,  sehr  fest  wird  und  in  Quadratmeter  grossen  Platten  bricht. 
Am  Büschelberg  selbst  lagert  weisser  Quarz  in  mächtigen  Blöcken, 
von  verwittertem  gelbockerigen  Schiefer  umhüllt. 

Der  S  p  i  t  z  h  ü  b  e  1  bei  ]\I  o  s  k  e  1  e,  auffällig  durch  seine  isolirt 
dastehende  Kegelform,  ist  vorherrschend  aus  grobkörnigem  Chi  orit- 
gneiss  zusammengefügt,  der  stellenv/eise  in  Wechsellageruug  mit 
Grünschiefer  auftritt  und  wieder  normales  Streichen  2h  und  Fallen 
20h  aufweist.  —  In  der  Schön wälder  grossen  Horka,  deren  dom- 
ähuliche  Form  sofort  auffällt,  findet  sich  in  mantelförmiger  Auflagerung 
ein  mattes,  dichtes,  dunkelgraues,  chloritfreies,  zumeist  schiefriges 
Gestein  mit  ausgezeichneter  Parallelstructur,  vielfach  wellig  gebogen, 
gefaltet,  sowie  mit  Lamellen  glasigen  Quarzes  interponirt;  jedenfalls 
ein  durch  die  Nähe  eruptiver  Gesteinsmassen  modificirter  Phyllit, 
der  aber  an  der  Westseite  des  Berges  in  normale  Diabasschiefer, 
beziehungsweise  deren  Tuffe  verlauft. 

Der  n  0  r  d  ö  s  1 1  i  c  h  e  n  F  0  r  t  s  e  t  z  u  n  g  der  M  e  e  d  1  e  r  D  i  a  b  a  s- 
s  Chief  er  begegnen  wir  bei  Pürkau,  Janowitz,  am  Kalks-  und 
Urlich  berge  bei  Kl  ein  mehr  au,  am  Mittelstein  und  Holz- 
berg bei  C  a  r  1  s  b  r  u  n  n.  Auf  der  T  u  c  h  1  a  h  n  bei  N  e  u  d  o  r  f  enthalten 
die  Diabasschiefer  drei  Gänge  silberhaltigen  Blei  glänz  es, 
auf  denen  ausserdem  Siderit,  braune  Zinkblende  und  p]isen- 
kies  nebst  Kupferkies  in  derben  körnigen  Aggregaten,  selten  in 
Krystallen  einbrechen.  Cerussit  erscheint  sehr  untergeordnet.  Auf 
diesen  Gängen  geht  ein  alter,  mit  sehr  wechselndem  Glück  betriebener 
Bergbau  um,  der  gegenwärtig  durch  die  vereinigte  Königs-  und  Laura- 
hütte (preuss.  Oberschlesien)  betrieben  wird.  —  Derselben  speciell  hier 
ausUralit-Diabas,  schiefrigem  Uralitporhyrit  und  deren  Tutfen  bestehen- 
den Gesteinszone  scheinen  auch  die  goldhaltigen  Quarzgänge 
bei  Dürrseifen  anzugehören,  jedoch  verlaufen  hier  die  Diabas- 
schiefer in  theilweise  ch  loritis  ch  e  Phy  Ui  te,  die  mit  kohligen 
Thonschiefern  wechsellagern.  Die  Gänge  bestehen  hauptsächlich 
a US  g  ö  1  d  i  s  c  h  e  n  Eisenkiesen  und  deren  Verwitterungsproduct 
B  r  a  u  n  e  i  s  e  n  e  r  z,  g  o  1  d-  und  s  i  1  b  e  r  f  ü  h  r  e  n  d  e  m  B 1  e  i  g  1  a  n  z  und 
f r e i g 0 1  d h a  1 1 i g e m,  eisenschüssigem,  gelbem  und  braunem 
Quarz;  untergeordnet  brechen  auf  den  Gängen  ein:  Siderit, 
Magnetit,  Fahl  er  z,  Kupferkies,  Zinkblende,  Arsenkies 
und  Antimonit.  Wahrscheinlich  stehen  auch  hier  die  Durchbrüche 
von  Uralit-Diabas  nebst  seinen  Varietäten  mit  der  Vererzung  im 
Zusammenhange. 

Gleichgeartet  ist  die  (dritte)  Zone  der  P  i  n  k  e  r  Diabas- 
schief er,  welche,  soweit  sie  auf  der  M a r c h - N i e d e r u n g  verbreitet 
erscheinen,  ebenfalls  unter  jüngeren  Gebilden,  namentlich  Löss,  ver- 
deckt sind  und  sich  gleich  den  Meedler  Diabasschiefern  in  einem  weit 
vorgeschrittenen  Zersetzungszustand  befinden.  Nur  am  P  i  n  k  e  r b  e  r  g  e 


4R  Franz  Kretschmer.  [18] 

und  am  Hofberg  bei  Schöiiwald  treten  diese  Schichten  näher 
zu  Tage  und  bilden  insbesondere  am  ersteren  Orte  im  Verein  mit 
Kalkstein,  Kiesel  eisenstein  und  Roth  eise  nerz  einen 
isolirten  Bergkegel,  dessen  geologische  Verhältnisse  erst  durch  den 
dort  umgehenden  Bergbau  erschlossen  worden  sind. 

Weiter  im  nordwestlichen  Fortstreichen ,  dort  wo  sich  bei 
Trübenz  und  Pinkaute  die  Ausläufer  des  Hohen  Gesenkes  aus 
der  Kbene  erheben,  treten  uns  diese  Schichten  zunächst  in  zwei  Stein- 
brüchen rechts  des  Verbindungsweges  von  Schönwald  nach  Trübenz, 
dann  in  der  Waldstrecke  „Obere  Sc h a c h t e n "  nördlich  P i n k a u t e, 
am  Kreuzberg  und  Vogelfels  bei  D  eutsch-P]isenberg  in 
ihrer  ursprünglichen  Structur  und  Farbe  als  normale  Diabasschiefer, 
insbesondere  aber  als  chloritreiche  D  i  ab  a s  - M  a  n  d  e  1  s  t  e  i n  e  entgegen 
und  streichen  in  merkwürdiger  Regelmässigkeit  conform  mit  den  anderen 
Formationsmitgliedern  nach  3  h,  während  das  allgemeine  Fallen  bis 
hierher  nach  21  h  gerichtet  ist.  Die  Fortsetzung  derselben  Schichten, 
welche  von  da  ab  nach  SO  fallen,  lässt  sich  vom  Res  ebner  Wasser- 
fall über  Hau  gen  stein,  Bitten  wald,  Bräu  niste  in,  Klein- 
M  0  h  r a  u,  Morgenland  und  N  e  u  - V  o  g  e  1  s  e  i  f  e  n,  an  der  Grenze 
gegen  das  folgende  Mittel-Devon  weiter  nordostwärts  verfolgen,  auf 
welchem  Wege  sie  überall  in  Begleitung  von  Rotheisen  er  z-  und 
Magneteisenerz- Lagern  nebst  Kieseleisensteinen  des  oben 
erwähnten  zweiten  Lagerzuges  auftreten. 

Da  in  unserem  Gebiete  die  Meedler  Diabass  chief  er  süd- 
östlich 9h  und  die  Pinker  NW  21h,  also  gegeneinander 
einfallen,  so  ist  wohl  mit  Rücksicht  auf  dieses  stratographische 
Verhalten  und  die  Aehnlichkeit  der  p  e  t  r  o  g  r  a  p  h  i  s  c  h  e  n 
Charaktere  beider  Diabasschiefergebiete  die  Schlussfolgerung 
zulässig,  da  SS  dieselben  in  einer  Mulde  abgelagert  sind, 
wie  dies  im  Profil  auf  Tafel  HI  [1]  angedeutet  erscheint. 

Die  im  Unter  de  von  vorkommenden  Kalksteine  haben  nur 
eine  geringe  Verbreitung,  sie  bilden  darin  stockförmige,  den  Diabas- 
schiefern untergeordnete  Massen.  Speciell  sind  hervorzuheben  die  der 
Ausseer  Diabasschieferzone  parallel  eingeschalteten  Kalkstein-Stöcke 
im  Riede  „Karnik"  bei  Pissen  dorf,  wo  sie- vielfach  gebogen,  ge- 
faltet, geknickt,  am  Kopf  stehend  oder  überstürzt  auftreten  und  in 
mehreren  Steinbrüchen  für  die  Zwecke  der  Erzeugung  von  Strassen- 
schotter  abgebaut  werden. 

Mit  dem  benachbarten  Einschnitte  der  mährischen  Grenzbahn 
bei  Markersdorf  wurde  ein  ähnlicher  Kalkstein  durchbrochen, 
dessen  Schichten  ebenfalls  mannigfache  Biegungen  und  Faltungen  auf- 
weisen; dieselben  streichen  4  h,  fallen  unter  <  oO«  nach  10  h  und 
22h,  und  bilden  solcher  Art  ein  flaches  Schichtengewölbe, 
wie  dies  bei  dem  undulirten  Schichtenbau  unserer  Gegend 
häufig  vorkommt. 

Auch  die  beiden  E  r z  1  a  g  e  r z  ü  g  e  der  Meedler  und  Pinke  r 
Diabasschiefer  mit  ihrer  Fortsetzung  nach  NO  werden  theils  von 
sehr  kalkreichen  Diabasschiefern,  theils  von  mehr  oder  weniger 
verunreinigten  K  alk  stein  läge  rn  begleitet.  Speciell  am  Pinker- 
berge   in    den    dortigen    Eisenerz  g  r  u  b  e  n   ist   man    auf  dem 


\ 


n9]  Die  P^isencrzlagerstätten  des  mährischen  Devon.  47 

M  a  s  Chilis  (' li ach  te  in  der  Teufe  von  4>^  in  au  f  k  ry  sta  Ui- 
n  i  s  c  h  körnigen,  hellgrauen  bis  weissen  massigen  Kalk- 
stein gestossen,  der  nach  der  Teufe  bedeutend  an  Mächtigkeit  ge- 
winnt, daselbst  von  ansehnlichen,  weitverzweigten  Höhlen  durch- 
zogen ist,  die  theilweise  von  mulmigem  Rotheisenerz  ausgefüllt 
sind.  Bei  n  ä  h  e  r  e  r  B  e  t  r  a  c  h  t  u  n  g  z  e  i  g  t  s  i  c  h,  d  a  s  s  d  i  e  H  a  u  pt- 
m  a  s  s  e  dieses  Kalksteins  aus  S  ä  u  1  e  n  g  1  i  e  d  e  r  n  von  C  r  i- 
noiden  besteht,  welche  insbesondere  auf  den  angewitterten  Structur- 
llächen  und  an  den  abgenagten  Ilöhlenwänden  in  zahllosen  bis  finger- 
langen Säulenstücken  erkennbar  werden.  P]s  ist  zumeist  Crinoidearum 
genus?  mit  einfachem  Nahrungscaiial  durchbohrt,  wie  solche  A.  Halfar 
früher  in  dem  A  Is  cher'schen  Schieferbruche  am  unteren  Dorfende 
von  Dittersdorf  bei  Engelsberg  gesammelt  hat^);  ausserdem  fanden 
sich  nicht  näher  bestimmbare  Brachiopoden.  Der  Pinker  Crinoiden 
Kalkstein  ist  sehr  rein,  wie  die  chemische  Analyse  nachweist,  welche 
folgende  procentische  Zusammensetzung  ergab: 

Procent 

Kalkerde * 99-24 

Kieselerde 0"36 

Thonerde 0-19 

Eisenoxyd 0'14 

Zusammen     .     .     .  99-93 


B)  Mitteldevon. 

Darunter  wird  ein  mächtiges,  über  einen  grossen  Flächenraum 
ausgedehntes  Schichtensystem  begriffen,  das  aus  Grau  w  a  c  k  e  n 
und  T  honschiefern  zusammengesetzt  ist,  jedoch  auf  der  March- 
niederung  nur  in  wenigen  sanften  Elrhebungen  aus  dem  Löss  und  dem 
Alluvium  emportaucht,  dagegen  im  nordöstlichen  Theile  zwischen 
Langendorf  und  Bladowitz  die  Breite  von  9/./«  besitzt,  im 
Westen  durch  das  Diabasschiefergebiet  Pinke — Deutsch-Eisenberg 
und  im  Osten  durch  die  Diabas-Mandelsteinzone  bei  Sternberg  be- 
grenzt wird. 

Petrographisches  Verhalten. 

Vorherrschend  sind  feinkörnige  Gra  uwacken -Sands  teine, 
deren  Gemengtheile  mit  einander  theilweise  verflösst  erscheinen,  was 
dem  Gestein  ein  halbkrystallinisches  Gefüge  verleiht  Weisse  Körner, 
zumeist  Quarz,  selten  relds[)ath,  erscheinen  durch  ein  chloritisch- 
thoniges  Bindemittel  dem  Derivat  der  Diabasschiefer  verkittet,  örtlich 
wird  das  Bindemittel  kalkspäthig.  Dem  Gestein  kommt  vorwaltend 
ein  dickschiefriges  Gefüge  zu,  welches  in  mächtigen  Bänken  abge- 
lagert ist.  Grauwacken-Conglomerate  sind  selten. 

Die  T  h  0  n s  c  h  i  e  f  e  r  sind  grau,  schwärzlichgrau  geÜammt  bis 
schwarz,  bei  Verwitterung  wird  die  Färbung  schmutziggelb.  Parallele 

^)  F.  Römer,  Geologie  von  Oherschlesien  1870,  pag.  21. 


48  Franz  Kretschmer.  ["201 

Fälteluiig  der  Schieferungsfliicheii  ist  allgemeiu,  desgleichen  ist  die 
falsclie  Scliieferuiig  häufig  und  infolge  davon  griffeltormig  prismatische 
Zerklüftung.  Die  untersten  Schichten  des  Systems  enthalten  noch  viel 
von  den  talkchloritischen  Ilesten  der  Diabasschiefer  als  sogenannte 
„faule  Adern"  eingeschlossen  und  successive  vollziehen  sich  die  Ueber- 
gänge  von  den  Pinker  Diabasschiefern  zu  den  feinsandigen  Thon- 
schiefern. 

Der  Kalkstein  ist  gewöhnlich  krystallinisch,  dicht  bis  feinkörnig, 
hellgrau  bis  tiefschwarzgrau ,  mit  Calcit  durchädert,  zumeist  vo^n 
massiger  Structur,  stark  zerklüftet,  die  Kluftiiachen  mit  gelbbraunen 
Letten  überzogen,  doch  ist  stellenweise  auch  Schichtung,  bestehend 
aus  2—4  w  nicächtigen  Bänken,  zu  beobachten.  Die  tief  dunkelgraue 
Varietät  ist  mehr  oder  weniger  rein  und  wird  im  beschränkten  Maße 
als  B  a  u  k  a  1  k  verwendet ;  die  hellgrauen  Varietäten  sind  theils 
dolomitische  Kalksteine,  deren  Gehalt  an  Bitterde-Carbonat 
bis  zu  227o  steigt,  theils  sind  es  feste  Kieselkalksteine,  welche  für 
die  Zwecke  der  Strassenbeschotterung  gute  Verwendung  finden. 

Lageruiigs Verhältnisse  und  Gliederung. 

Zwischen  den  Grauwacken  und  Thonschiefern  findet  regelloser 
Wechsel  statt,  jedoch  so,  dass  die  Grauwacken  vorherrschen.  Der 
g^mze  Schichtencomplex  ist,  wie  die  angrenzenden  Zonen,  in  eine 
Jieihe  paralleler  —  von  örtlichen  Störungen  abgesehen  —  von  Süd- 
west nach  Nordost  streichender  Mulden  und  Sättel  gefaltet,  daher  die 
Bestimmung  der  Mächtigkeit  nicht  möglich  ist. 

In  der  Marchniederung  sinken  diese  Schichten  grösstentheils 
unter  Löss  und  Alluvium;  späriiche  Aufschlüsse  gewähren  die  Stein- 
brüche am  Wolfs-  und  Galgenberge  bei  Mähr. -Neustadt, 
die  Bahneinschnitte  zwischen  den  Haltestellen  Aujezd  und  Blado- 
witz;  besseren  Einblick  bieten  häufige  natürliche  Aufschlüsse  und 
zahlreiche  Steinbrüche  bei  Bladowitz  und  in  den  Ausläufern  des 
Hohen  Gesenkes.  Die  Grauwacken  liefern  einen  vorzüglichen  lager- 
haften  Baustein. 

Die  Kalksteine  bei  Langen  dorf  bilden  in  den  um- 
schhessenden  Grauwackengesteinen  zwei  mächtige  Einlagerungen 
zwischen  der  Eulenberg  er  Strasse  einerseits  und  dem  Dorfe 
Karle  andererseits,  welche  am  Fusse  des  Vogelfels  einsetzen 
über  diesen  hinweg  nach  Eulenberg,  dem  Uhustein  gegen  NO 
lortstreichen  und  nordöstlich  Zech  an  endigen.  Das  allgemeine 
Streichen  dieser  Kalklager  ist  3-4  h,  das  Fallen  9-10  h  unter 
<  40—50". 

Nachdem  der  in  Uede  stehende  Schichtencomplex  zwischen  den 
unzweifelhaft  unterdevonischen  Quarziten  und  Diabasschiefern  einer- 
seits, sowie  den  einem  höheren  Niveau  der  Devonformation  ange- 
hongen  Sternberger  Schichten  andererseits  lagert,  so  ergibt  sich  für 
denselben  nach  Maßgabe  seiner  stratigraphischen  Stellung  zwischen 
diesen  beulen  Altersstufen  ein  mitteldevonisches  Alter 


[21]  Uie  Eiseiit'izlagerstiittt'ii  des  mälirischeii  Devon.  49 


C)  Oberdevon 

Dasselbe  umfasst  in  der  Gegend  bei  Stern berg  ein  System 
von  G  r  a  u  w  a  c  k  e  n  -  Sandsteinen,  T  h  o  n  s  c  h  i  e  f  e  r ,  sowie 
mächtige  D  i  a  b  a  s  -  M  a  n  d  e  1  s  t  e  i  n  e  mit  körnigen  als  anch  dichten 
Diabasen  und  D  iabas-Porpli  y  rite  n  nebst  Kalksteinen.  In 
Begleitung  der  Mandelsteine  treten  die  Eisenerzlagerstätten  des  p]in- 
gangs  erwähnten  dritten  Eis  enerzlagerzuge  s  auf. 

Petrographisches  Verhalten. 

Die  G  r  a  u  w  a  c  k  e  n  -  S  a  n  d  s  t  e  i  n  e  lassen  sich  kaum  von  den 
oben  geschilderten  mitteldevonischen  unterscheiden,  sie  sind  nur 
deutlicher  körnig,  die  Gemengtheile  weniger  verflösst  als  bei  den 
letztgenannten.  Das  Bindemittel  ist  zumeist  kalkhaltig,  daher  Brausen 
mit  Säuren  beständig  zu  beobachten.  Häufig  ist  das  Gestein  sehr 
grobkörnig,  doch  nicht  in  dem  Maße,  dass  es  als  Conglomerat 
bezeichnet  werden  könnte.  Durch  Verwitterung  wird  das  Gestein 
schmutziggelb.  Local  sind  die  im  Hangenden  der  Eisenerzlagerstätten 
in  grösserer  Mächtigkeit  auftretenden  Sandsteine  ihres  kalkhaltigen 
Bindemittels  beraubt  und  zu  gelblichen  bis  weissen  Sauden  ver- 
wittert, welche,  mit  Wasser  wie  ein  Schwamm  durchtränkt,  Schwimm- 
sand ähnliche  Massen  bilden,  die  beim  Schachtabteufen  Schwierig- 
keiten entgegensetzen. 

Die  Thonschiefer  zeigen  viel  mehr  als  die  mitteldevonischen 
das  Aussehen  mechanisch  gebildeter  Sedimente,  das  glimmerschiefer- 
ähnliche Gefüge,  sowie  die  parallele  Fältelung  fehlt.  Die  Thon- 
schiefer übergehen  durch  sandige  Thonschiefer  in  Grauwacken-Sand- 
steine,  zwischen  welchen  Gesteinen  eine  wiederholte  Wechsellagerung 
stattfindet. 

Aehnlich,  aber  doch  anders  erscheinen  die  T  h  o  n  s  c  h  i  e  f  e  r, 
welche  die  Diabas-Mandelsteine  local  in  ansehnlicher  Mächtigkeit, 
gleich  einer  m a  n  t  e  1  f ö  r  m  i  g  e  n  Hülle,  umgeben  oder  zwischen 
denselben  eingeschlossen  sind.  Dieselben  erscheinen  hellgrünlichgrau 
bis  bläulichgrau,  schwarzgefieckt,  durch  Verwitterung  gelbfleckig ;  ein 
vorzügliches  schieferiges  Gefüge  und  eine  ebensolche  Spaltbarkeit 
ist  ihnen  durchwegs  eigenthümlich,  daher  sie  früher  häufig  zur 
Dach  schief  er-Gewinnung  Anlass  geboten  haben.  An  zahlreichen 
Punkten  zeigen  diese  Schiefer  ausgezeichnete  Parallelstructur  und 
Fältelung,  sowie  sehr  häufig  die  Erscheinung  transversaler  Schieferung, 
beispielsweise  im  0 1 1  i  l  i  e  n  s  t  o  1 1  e  n  bei  G  o  b  i  t  s  c  h  a  u .  auf  der 
alten  D  eutsch-Hauser  Strasse  zwischen  Wächtersdorf  und 
Gobi  tschau,  am  Waldwege  am  oberen  Ende  von  Lippein  und 
zahlreichen  anderen  Orten.  Häufig  ist  der  Schiefer  insbesondere  in 
der  Nähe  der  Eisenerzlagerstätten  kalkhaltig  oder  derselbe  um- 
schliesst  Kalkstein  in  Lagen  und  Knollen  oder  letzterer  wechsel- 
lagert in  dünnen  Bänken  mit  dem  ersteren ;  ferner  enthält  derselbe 
Schiefer  bisweilen  Trümmer  und  mächtige  Blöcke  von  Grauwacken- 
Sandstein  eingeschoben. 

.Jalirl).  d.  k.  k.  geol.  Heichsaiistalt,  1899,  49.  Baucl,  1.  Heft.  (Kr,  KretscliHicr.)         7 


50  Franz  Kretschmer.  [22] 

Das  Vorkommen  von  Kalkstein  ist  auch  liier  nur  ein  unter- 
geordnetes; derselbe  ist  von  dunkelgrauer  bis  hellgrauer  Farbe  und 
bildet  in  der  oberwähnten  Schieferhülle  der  Diabas-Mandelsteine 
geringmächtige,  linsenförmige  Lager.  Im  Kalkgraben  beiRietsch 
treten  im  mittleren  und  hinteren  Tiieile  desselben  an  den  Gehängen 
1-5 — 3-0  w  und  mehr,  mächtige  Kalklager  in  der  gedachten  Schiefer- 
hülle auf,  welche  in  mehreren  Steinbrüchen  ausgebeutet  wurden.  Der 
Kalkstein,  welcher  wohlgeschichtet  ein  dickschieferiges  Gefüge 
besitzt,  2-3  h  streicht, -8  —  9  h  unter -^  45^  einfällt,  liefert  nach  dem; 
Brennen  einen  reinen,  sandfreien  Speckkalk,  der  für  Bauzwecke 
der  nächsten  Umgebung  Verwendung  findet.  —  Andere,  ebenfalls 
nur  geringmächtige  Kalksteinlager,  finden  sich  auf  Kaminka  süd- 
westlich VV  ächtersdorf.  im  Walde  Poppenried  nordöstlich  Go- 
bi t  s  c  h  a  u  in  Begleitung  von  K  i  e  s  e  1  e  i  s  e  n  e  r  z,  D  i  a  b  a  s  -  M  a  n  d  e  1- 
stein  und  Schal  stein. 

Die  Diabasgesteine  gleichen  durchaus  denjenigen  in  den 
Umgebungen  von  Dillenburg  (Nassau),  Bennisch  (Schlesien  ^)  und  an 
anderen  Orten :  es  sind  folgende  Varietäten  hervorzuheben : 

Körniger  Diabas  tritt  innerhalb  der  gedachten  Gesteinszone 
nur  sporadisch  auf.  als  ein  krystallinisches  Gemenge  von  normaler 
Zusammensetzung  und  dunkellauchgrüner  Farbe,  ein  echtes  Massen- 
gestein mit  polyedrischer  Zerklüftung.  Herr  Prof.  H.  Ilö  f  ör  (Leobeii) 
hatte  die  Güte,  den  Diabas  aus  dem  Steinbruche  links  am  Wege 
Riet  seh  nach  dem  Kuhgraben  u.  d.  M.  zu  untersuchen  und  lautete 
der  Befund:  ,.Normaler  Diabas,  bestehend  aus  Plagioklas,  Augit, 
Chlorit,  Magnetit,  Titanit  und  wenig  Apatit,  stark  ver- 
wittert, daher  im  Schliffe  nicht  durchsichtig,  dennoch  manche  Plagio- 
klase  ziemlich  frisch."  —  Herr  Dr.  A.  Pelikan  (Wien)  fand  in 
demselben  Gestein:  Augit  rothbraun,  Titan  eisen  mit  Titanit- 
r  a  n  d,  Plagioklas,  Chlorit,  und  erklärte  dasselbe  für  einen  in 
Zersetzung  begritfenen  Diabas. 

Granitische  Diabasgemenge  sind  selten,  dagegen  häufiger  Diabas- 
porphyrite.  In  einer  lauchgrünen,  grünlichgrauen,  zuweilen  ge- 
bleichten hellgrauen  Diabas-Grundmasse  liegen  zahlreiche,  selten 
frisch  erhaltene,  zumeist  mehr  oder  weniger  stark  alterirte  bis  centi- 
metergrosse,  weisse  bis  gelblichgraue  Krystalle  von  Plagioklas 
(OligoklasV).  während  Augit-Einsprengiinge  gänzlich  fehlen.  Auch 
dieses  Gestein  erscheint  von  zumeist  massiger,  vielfach  zerklüfteter 
Structur.  häufig  ist  dasselbe  jedoch  durch  Gebirgsdruck  schiefrig 
geworden.  Besonderes  Interesse  knüpft  sich  an  die  im  Ottilien- 
Stollen  bei  der  K 1  u  n  k  e  r  m  üble  vorkommenden  Diabasporphyrite, 
ein  lebhaft  grasgrünes  Gestein,  dicht  durchschwärmt  von  weissen 
Schmitzen,  letztere  bestehend  aus  Calci t,  mit  einem  Reste  unzer- 
setzten,  sehr  basischen  Plagioklas  es.  Viele  von  den  weissen 
Partikeln  zeigen  deutliche  Krystallumrisse.  Diese  Deformation  von 
Krystallen  dürfte  dem  Gebirgsdruck  zuzuschreiben  sein  und  hat  man 
es   also    hier   mit   einem  gequetschten  Diabasporphyrit   zu   thun.     In 


')  Die  Eisenerzberghaiie  bei  Henniscb  (Schlesien)  von  Franz  Ktotsobmer. 
Oesterr.  Zeitschr.  f.  B.  u    H.  Jahrgang  XLII,  S.   167.  ■ 


|2o]  I^'f  Eisnufrzlagerbtiitteii  dos  inährischoii  J)c!V()n.  51 

einem  kSteiiibruclie  und  einzelnen  am  Tage  herumliegenden  ötutt'en 
fand  ich  bei  Krokersdorf  einen  reichlich  makroskopischen  Titanit 
führenden  Diabasporphyrit.  Speciell  auf  dem  Westgehänge  der 
F eiger  1  koppe ,  östlich  Niedergrund,  am  Waldwege  von  der 
Reiclisstrasse  zur  Kukuksbaude,  treten  Diabasporphyrite  auf, 
welclie  stellenweise  faust-  bis  kopfgrosse  Bruchstücke  von  Diabas- 
Mandelstein  umschliessen ;  diese  intereissanten  Breceien  sind  innig 
verflösst,  so  dass  deren  Bestandtheile  erst  durch  Verwitterung  besser 
hervortreten. 

Im  Gegensatze  zu  den  vorigen  Varietäten  erscheinen  die 
Diabas-Mandelsteine  wohlgeschichtet  und  von  lagerartigem 
Charakter;  es  kommt  denselben  fast  durchwegs  ein  zumeist  dick- 
vscbieferiges,  plattiges  und  langklüftiges  Gefüge  zu.  In  der  gewöhnlich 
lauchgrünen  dichten  Grundmasse  liegen  mohnkorn-  bis  hanfkorngrosse, 
weisse,  seltener  gelbe,  rothe  oder  violette  Körner  von  Kalkspatli. 
In  ganz  frischem  Zustande  ist  die  Farbe  des  Gesteins  grünlichschwarz, 
bei  beginnender  Verwitterung  jedoch  erscheint  häufig  die  Grundmasse 
hellgrün  gebleicht,  grünlichgrau  bis  hellgrau,  was  auch  durch  ursi»rünglich 
chloritreiche  und  chloritarme  Abänderungen  bewirkt  wird. 

Hieran  schliessen  sich  noch  folgende  Varietäten:  Diabas- 
aphanit  (Diabasschiefer),  worin  die  Kalkspathkörner  gänzlich  ver- 
schwunden sind  und  die  in  der  Regel  cidoritreiche  Diabasgrundmasse 
ausschliesslich  vorherrscht,  also  eine  Art  Grünscliiefer  ausgebildet  wird. 

Kalkaphanit;  in  der  aphanitischen,  beziehungsweise  chlori- 
tischen  Diabasgrundmasse  erscheinen  die  Kalkspathkügelchen  immer 
häufiger  und  schliesslich  so  dicht  gedrängt,  dass  Leisten  und  Lagen 
von  Kalk  entstehen,  welcher  endlich  derart  vorherrschend  wird,  dass 
die  Diabasgrundmasse    bis    auf  wenige  Membranen  verschwunden  ist. 

Herr  Professor  H  Höfer  hatte  die  Güte,  die  Diabas-Mandel- 
steine ebenfalls  zu  untersuchen,  und  fand  u.  d.  M. :  1.  Diabas- 
Mandelstein  aus  dem  Steinbruche  im  Liegenden  der  Eisenerz- 
zeche „Paul"  in  der  Ob  er  au  bei  Sternberg,  frisch  erhalten, 
grünlichschwarz,  mit  sehr  vielen  Iialkspathkügelchen  durchsetzt. 
„Normaler  Diabas-Mandelstein,  sehr  reich  an  Erzen,  Plagioklas 
noch  zum  Theil  erhalten,  Augit  völlig  chl  oritisirt,  Kalkspath- 
kügelchen häufig  durch  Calcitmasse  verbunden." 

2.  D  iabas  ap  h  an  it,  mit  dem  Ot  tilie  nsto  llen  bei  Gobit- 
schau  in  175w.  Entfernung  vom  Mundloch  durchbrochen:  „Grüner 
Schiefer,  kalkreich,  in  welchem  die  Entstehung  aus  Diabas  kaum 
mehr  nachzuweisen  ist,  K  a  1  k  s  p  a  t  h  und  C  h  1  o  r  i  t  vorherrschend. 
Feldspath  völlig  in  Kaolin  und  Quarz  zersetzt,  von  Siderit 
begleitet  Sonst  Mangel  an  Erzen,  auffallenderweise  auch  ohne 
Limonitbildung,  daher  weniger  verändert." 

.3.  Diabas-Mand  eist  ein  modiiicirt,  gebleicht,  hellgrau,  aus 
dem  Gobitsc  hau  er  P]rb  stellen,  bei  200  ni  vom  Mundloch 
anstellend:  „Erinnert  an  gewisse  Variolite,  ist  aber  kalkreich,  viel 
umgewandelte  Tuffmasse ,  die  nicht  durchsichtig  wird  und  deren 
Zusammensctzuiig  daher  problematisch  bleibt.'' 

Auch  lloiT  Dr.  A.  Pelikan  hatte  die  Güte,  die  erwähnteji 
Diabasgesteine  aus    demselben  Stollen  u.  d,  M."  zu    untersuchen    und 


52  Franz  Krotschmor.  [24] 

hat.  die  Ergebnit^se  dieser  Forschungen  in  seiner,  nach  Vollendung 
vorliegender  Arbeit  erschienenen  Abhandlung:  „Ueber  die  mährisch- 
schlesiche  Schalsteinforniation  von  A.  Pelikan"  (Sitzungsber.  der 
kais.  Akad.  d.  Wissenschaften  in  Wien,  Juni  1898.  Bd.  CVII,  Abth.  1) 
veröffentlicht.  P]ine  systematische  Sammlung  der  mit  dem  gedachten 
Stollen  durchfahrenen  Gesteinsreihe,  sowie  Proben  der  körnigen  Dia- 
base und  Diabasporidiyrite  obiger  Fundorte,  welche  ich  an  Professor 
F.  Becke  eingesendet,  gelangten  bei  dieser  Arbeit  in  Verwendung. 
Pelikan  hat  einen  Theil  der  Diabasgesteine  aus  der  Umgebung  von 
Sternberg  als  S  p  i  1  i  t  •  M  a  n  d  e  1  s  t  e  i  n  ,  beziehungsweise  S  p  i  1  i  1 1  u  f  f 
erkannt. 

Durch  V  e  r  w  i  1 1  e  r  u  n  g  und  A  u  s  1  a  u  g  u  n  g  werden  die  Kalk- 
spathmandeln  und  -Körner  des  Diabas-Mandelsteins  weggeführt,  und 
es  erübrigt  ein  poröses,  löchriges  und  schwammartiges  Gestein,  das 
sich  bei  fortschreitender  Verwitterung  zunächst  graubraun  färbt, 
dann  zu  milden,  verschieden  braungelb  bis  weiss  gefärbten  T  hon- 
schiefern zersetzt  erscheint,  um  schliesslich  in  gelbbraune,  letten- 
artige Massen  aufzugehen. 

Schalstein,  feinerdige  Grundmasse  von  Diabas  mit  Kalk- 
und  T  hon  Schiefersediment  vermischt,  umschliesst  Bruchstücke 
von  T  h  0  n  s  c  h  i  e  f  e  r,  F  e  1  d  s  p  a  t  h,  K  a  1  k  s  p  a  t  h  und  erhält  dadurch 
das  deutliche  Aussehen  eines  mechanischen  Sediments ;  örtlich  finden 
sich  Schalst ein-Conglomerate  und  Breccien.  sowie  loser 
S  c  h  a  1  s  t  e  i  n  s  c  h  u  1 1.  Eine  nicht  unbedeutende  Rolle  spielen 
breccienartige  Gesteine,  bestehend  aus  Mandelstein- 
Bruchstücken  mit  Kalkbindemittel.  Solche  Breccien  finden 
sich  beispielsweise  am  Weinberg  bei  Sternberg  und  beim  Gobit- 
schauer Kreuz,  links  der  alten  Deutsch-Hauser  Strasse  etc.  Alle  diese 
oben  angeführten  Varietäten  der  Diabasgesteine  sind  durch  zahlreiche 
Uebergänge  miteinander  und  den  obgedachten  Thonschiefern  ver- 
knüpft. 

Wirft  man  einen  Rückblick  über  die  oben  geschilderte  Gesammt- 
reihe  der  dem  mährisch-schlesischen  Devon  eingeschalteten  Diabas- 
gesteine, so  finden  wir  dieselben  durch  folgende  petrographische 
Unterschiede  scharf  charakterisirt :  Während  in  den  Diabaszügen 
des  Unterdevons  die  ai)hanitischen  Diabassrhiefer  und  deren  Tuffe 
die  Hauptmasse  der  betreffenden  Gesteinszonen  bilden  und  andere 
Varietäten  dagegen  fast  ganz  zurücktreten,  sind  in  dem  ober- 
devonischen Diabaszuge  die  Mandelsteine  vmd  Schalsteine  w^eitaus 
vorherrschend.  Auffällig  ist  es,  dass  neben  den  ausgezeichnet  schief- 
rigen  und  geschichteten  Diabasgesteinen,  welche  grössere  Mächtigkeiten 
und  weite  Verbreitung  erreichen,  massige  Diabase  sowohl  in  den 
unter-,  sowie  auch  oberdevoiiischen  Diabaszonen  so  vereinzelt  auf- 
treten. Die  Diabaseruptionen  haben  währe.nd  der  ganzen 
D  e  v  0 u z e i  t  wiederholt,  und  zwar  submarin,  statt- 
gefunden mit  nachfolgender  Zerstäubung  und  Sedimentation  des 
Diabasmaterials,  welches  gleichzeitig  mit  Kalk-  und  Thonschiefer- 
sediment  zum  Absatz  gelangte.  Am  nachhaltigsten  und  stärksten 
wirkten  diese  Vorgänge  im  Unterdevon,  wo  die  Diabasgesteine  ihre 
grösste  Entwicklung  erlangen,  während  h\  den  oJ)eren  Horizonten  des 


r2r)]  ni(>  Kisenorzlagorstätten  dos  mährischen  Devon.  53 

Oberdovoiis  sicli  diese  Krsclieimnifieii  wesentlich  abschwächten,  so  dass 
nur  die  sclnnale  Diabaszone  Stornberg  — Benniscii  zur  Ausbildung-  kam. 
Eine  auffällige  Thatsache  ist  es.  dass  in  dem  oberdevonischen 
Diabaszuge  Sternberg  —  Bennisch  C  o  n  t  a  c  t  g  e  s  t  e  i  n  e .  ähnlich  den 
Harzer  Spilositen  und  Desmositen  gilnzlich  fehlen;  dagegen  werden 
die  unterd^nonischen  Diabasgebiete,  wie  aus  obigen  Ausführungen 
hervorgeht,  von  Thonscliiefern  begleitet,  welciie  zu  rhylliten  meta- 
morphosirt  erscheinen;  letztere  sind  aus^^rdem  local  hornschiefer- 
artig  und  dickplattig  abgesondert. 


N'crbreituiig,'  und  Gliederung'. 

Das  Schichtensystem  bei  Steruberg  und  Umgebung  gehört 
einer  42  hn  langen  und  durchschnittlich  1  /.;//  breiten  Gesteinszone 
an,  welche  ich  bereits  früher  beschrieben  i) ;  dieselbe  taucht  bei  Stern- 
berg im  SW  aus  der  Marchnie  d  erung  empor  und  streicht  über 
D  e  u  t  s  c  h  -  L  0  d  n  i  t  z ,  Barn,  C  h  r  i  s  t  d  o  r  f ,  Bennisch  bi  s 
Lichten  im  NO;  bei  Sternberg  nimmt  dieselbe  die  grösste 
Breite,  ca.  2T)  h-tn  ein,  wo  sie  von  Bladowitz  im  W  bis  an  die 
aus  Sandsteinen  und  kohligen  Thonschiefern  bestehenden  Culm- 
schichten  dicht  bei  der  Stadt,  ausgedehnt  ist. 

Speciell  die  Diabasgesteine  bilden  in  o  r  o  g  r  a  p  h  i  s  c  her  Be- 
ziehung zahlreiche,  theils  auffällige  Rücken,  theils  domförmige 
Kuppen,  denen  5 — 10  w  hohe  felsige  Höcker,  insbesondere  am 
Scheitel  derselben,  aufgesetzt  erscheinen ;  sie  sind  bei  Sternberg 
petrograi)hisch  am  vollständigsten  entwickelt  und  erreichen  mit  den 
ihnen  untergeordneten  Thonschiefern  daselbst  die  grösste  Ver- 
breitung auf  dem  gedachten  Zuge.  Die  Kenntnis  ihrer  Lagerüngs- 
verhältnisse  ist  insbesondere  durch  den  Eisenerzbergbau  gefördert 
worden. 

Die  Hauptmasse  der  Diabasgesteine  mit  den  eingeschalteten 
und  umschliessenden  Thonschiefern  lagert  dem  Kreuzstreichen  nach 
zwischen  den  Gemeinden  Rietsch  und  Wächtersdorf:  dagegen 
reichen  sie  im  Streichen  vom  Strachow  bis  in  den  Kalk  graben 
und  von  Babitz  bis  in  den  Popenried  nordöstlich  Gobitschau. 
Eine  Einlagerung  von  weit  geringerer  Ausdehnung  findet  sich  im 
Liegenden  der  Hauptzone  am  Altar  st  ein  nordöstlich  Rietsch. 
Eine  dritte  Zone  von  Diabasgesteinen  setzt  oberhalb  dem  StJ'ern- 
b  e  r  g  e  r  S  c  h  1  o  s  s  b  e  r  g  ein  und  streicht  zu  beiden  Seiten  der  neuen 
und  alten  Reichsstrasse  bis  dicht  an  Lippein  heran  über  die  Höhe 
Eccehomo  bis  in  die  „Mastichen"  nächst  Neudoi f.  -   ■ 

Das  normale  Hauptstreichen  der  Diabaä-Mandelsteihlager 
ist  conform  den  Grauwackengesieinen  zwischen  2—4  h  schwankend, 
das  Fallen  durchwegs  8—10  h  unter  <  30  bis  45^.  Nur  auf  den 
„  G  r  0  s  s  e  n  B  e  r  g  e  n "  in  der  0  b  e  r  a  u  und  am  W  e  i  n  b  e  r  g  westlich 
Stern berg  ändern  die  Diabassteine  ihr  normales  Streichen,  welches 
daselbst  einen  Haken  bildet,  sich  fast  in  das  normale  Kreuzstreich^n 
8— 10  h  vorlegt,    in   welcher  Lage    dieselben   an   den   Gehängen  des 


^)  Oesterr.  Zeitschrift  für  Berg- u.  Hüttenwesen,  Jahrg.  1894,  XXII,  pag.  165 


54  Franz  Kretschmer.  '[^^] 

Weinberjies  bei  der  Lanp;engiisse  zu  Tage  ausstreiche«.  5  Die  Graur 
wackengesteiue  ersclieinen  parallel  dieser  hakenförmigeii, Einbuchtung 
der  Diabas-Mandelsteine  gelagert. 

Die  theilweise  kalkhaltigen,  dachschieferähnlichen  Thon- 
schiet'er  wechsellagern  häufig,  in  bald  sehr  ansehnlicher,  bald  ge- 
ringfügiger Mächtigkeit  mit  den  Diabasgesteinen ;  fast  alle  Djabas- 
■gesteinslager  erscheinen  an  den  Grenzen  gegen  die  Grauwacken- 
sandsteine  von  einer  local  sehr  mächtigen  Hülle  solcher  Thonschiefer 
umschlossen,  welche  insbesondere  am  Wege  von  Rietsch  zum 
A It a r s t e i n,  im  K a  1  k g r ab e n,  an  der  alten  und  neuen  Deutsch- 
hauser  Bezirks  Strasse,  sowie  den  Gehängen  des  Schäfer- 
b  a  c  h  t  h  a  1  e  s  nördlich  G  0  b  i  t  s  c  h  a  u  "  zu  ansehnlicher  Mächtigkeit 
gelangt  sind  und  in  früherer  Zeit  in  zahlreichen  Brüchen  für  die 
•Zwecke  der  Da  ch.sc  hi  efer-Erzeugung  ausgebeutet  wurden.  Diese 
Schieferbrüche  sind  jedoch  seither  alle  wieder  zum  Erliegen  ge- 
kommen, weil  der  Schiefer,^.heils  zu  sehr  gebräch,  eine  zu  geringe 
Ausbeute  lieferte,  und  doch  wieder  zäh  und  pelzig  war,  theils  dessen 
Farbe  unansehnlich  erschien  und  sich  demzufolge  die  Gewinnung 
nicht  lohnte. 

Merkwürdigerweise  sind  in  dem  tief  eingeschnittenen  Defilee 
des  Schäferbaches  selbst  nirgends  Diabasgesteine  constatirt  worden ; 
derselbe  hat  sein  Bett  durchwegs  in  den  Grauwacken  gegraben, 
während  die  Diabasgesteine  zu  beiden  Seiten  die  Höhen  beherrschen. 

Körnige  Diabase  sind  nur  auf  wenige  Aufschlusspunkte  be- 
schränkt, und  zwar:  In  dem  bereits  erwähnten  Steinbruche  links  des 
Fusssteiges  von  Rietsch  nach  dem  Kuhgraben,  lagern  solche 
im  weiteren  Liegenden  der  Kuhgrabener  Eisenerzlagerstätte;  im 
Steinbruche  auf  dem  nordwestlichen  Gehänge  des  Klobens  (Reh- 
koppe) und  auf  dem  letzteren  selbst  als  nackte  Felsmassen  zu  Tage 
anstehend;  ferner  an  den  Abhängen  des  Weinberges  gegen  die 
Langegasse  bei  Sternberg  in  Begleitung  eisenschüssiger,  dunkler 
Diabas-Mandelsteine  etc.  etc. 

Diabasporphyri te  sind  insbesondere  sehr  charakteristisch 
auf  der  Feiger  1  k  0  p  p  e  südlich  der  Kukukskoppe  zu  Tage  an- 
stehend ;  dieselben  wurden  ferner  in  dem  Steinbruche  im  sogenannten 
Poppenried  nördlich  Gobi  tschau  als  Strassenschotter  gewonnen; 
ein  ähnlicher  Porphyrit  kommt  auf  der  Höhe  Peinitz  östlich  der 
Colonie  Levin,  in  der  Waldstrecke  Raaba  östlich  Rietsch  und 
an  zahlreichen  anderen  Punkten  vor. 

Schöne  Aufschlüsse  über  die  Gesteinsreihe  der  Diabasgesteine 
werden  insbesondere  im  p]isenhahneinschnitte  Strahow  zwischen 
K  r  0  c  k  e  r  s  d  0  r  f  und  B 1  a  d  0  w  i  t  z  dargeboten  ;  hier  ist  vorwaltend 
ein  aphanitischer  Diabasschiefer  mit  spärlichen  Kalkeinschlüssen  ver- 
itreten.  —  Ein  lehrreiches  Beispiel  über  die  Lagerungsverhältnisse 
der  gedachten  Gesteine  bietet  ferner  der  bei  der  sogenannten 
K 1  u  n  k  e  r  m  ti  h  1  e  angeschlagene  0 1 1  i  1  i  e  n  s  1 0 1 1  e  n  der  Zöptauer 
und  Stefanauer  Bergbau  und  Eisenhütten-Gewerkschaft,  welcher  fast 
im  Kreuzstreichen  gegen  die  Eisenerzlager  im  „Kreuzried-'  bei 
Gobi  tschau  aufgefahren  wird  und  von  seinem  Mundloch  weg,  vom 
Hangenden  zum  Liegenden  folgende  Gesteinsreihe  durchbrochen  hat: 


["27']  Die  Kisenerzlagerstätten  des  mährischen  Devon.  5'5 

Meter 

Thon  schiei'er,  (lüiinschiefrig,  briU-hi«»,  mit  zarter  Faltelunp; 

auf  den  iStructurHachen  und  transversaler  Schieferung,  um- 

schliesst  Trümmer  von  Grauwac  k  en -San  d  stein     .     .      80*o 
Diabas-Man  de  Istein,    hellgrau,    untergeordnet    Einlage- 
-  rungen    von    chloritreichem    Diabasaphani t ,     weissem 

Quarz  und  Calci  t .     .      3rO 

M  a  g  n  e  t  e  i  s  e  n  e  r  z,  reich 0-3 

Diabas- Mandelstein,    chloritarm ,    grau ,    untergeordnet 

Kalkschalstein    .     .     . 9:2. 

Diabas-Man  de  Istein  ,    chloritreich  ,    grün,    untergeordnet 

Diabasaphanit .      35*0 

Diabasporphyrit,  gras-  bis  lauchgrün,  gequetscht     .     .     .        9-0 
D  i  a b  a  s  p  0  r  p  h  y  r  i  t,  wie  vorher,  zum  Theil  D  i  a  b  a  s-M  a  n  d  e  1- 

stein  mit  Erzschnürchen,  zu  unterst  Kalkschalstein      85-0 
Zertrümmertes  Ph'zlager.   unbauwürdig,   bestehend   aus 

Magnet-   und    Braun  eisen  erz,    weissem    Calci  t   und 

Quarz,  nebst  tauber  Lagerausfüllung bO 

Thon  schief  er,     wie    oben,     mit    Ausscheidungen    weissen 

Quarzes     . 45-5 

Kalkschals  tein,  untergeordnet  Man  de  Istein     ....      H8-5 
Diabas,   dicht,    schwärzlichgrün,   massig,   wechsellagernd  mit 

schieiVigem  Diabasi)0  rphyri  t 35*0 

Zusammen     .     .    4Ö4'Ö 

Diese  Schichten  streichen  im  Stollen  allgemein  3  h.  fallen  9  h 
zwischen  >  30  bis  40*^  schwankend ;  dieselben  sind  von  sehr  zahl- 
reichen Parallel-  und  Kreuz k lüften  durchsetzt,  welche,  von 
glattem,  lettigem  Gesteinsblatt  beginnend,  bis  zu  1  m  Mächtigkeit 
und  darüber  erreichen.  Die  mächtigen  Klüfte  sind  mit  Zermal- 
mungsschutt  ausgefüllt,  zeigen  an  den  beiderseitigen  Saalbändern 
gestreifte  und  spiegelige  Rutsch  flächen  und  tragen  somit  den 
Charakter  von  Dislocations spalten  an  sich.  Von  dem  schwachen 
Magneteisenerzlager  abgesehen,  das  im  Diabas -Mandelstein 
eingeschlossen  erscheint,  ist  blos  auf  der  Gesteinsscheide  der  ersten 
Diabaszone  und  dem  folgenden  zweiten  Thonschieferlager  ein  zer- 
trümmertes E  i  s  e  n  e  r  z  1  a  g  e  r  zur  Ausscheidung  gelangt,  während 
die  übrigen  Gesteinsscheiden  im  Stollen,  soweit  die  heutigen  Auf- 
schlüsse reichen,  leer  geblieben  sind. 

Im  Zuge  der  Diabasgesteine  nördlich  Lippein  und  bei  Ecce- 
homo  treten  häutig  porphyritarti ge  Diabase  und  Diabas- 
porphyrite  auf,  mit  scharfkantigen,  theilweise  caolinisirten 
Plagioklas-Einsprenglingen.  Daselbst  findet  sich  auch  Kalk  schal- 
stein am  linken  Thalgehänge  nördlich  Lippein,  unterhalb  Ecce- 
homo  in  einer  circa  10  7n  hohen  zerklüfteten,  grossblockigen  Felspartie 
zu  Tage  anstehend. 

Der  Schichtencomplex  der  Diabasgesteine  und  Thonschieferlager 
bei  Sternberg  überhaupt  ist,,  wie  oben  angedeutet,  durch  zahl- 
reiche Drüche  gestört  und  bieten  in  dieser  Richtung  ein  be- 
sonderes Interesse  die  mit  dem  0  ttilienstollen  bei  der  Klunker- 


5ß  Franz  Kretschnier.  [28] 

mühle  durchbrochene  Schichtenreihe  und  die  Stalf  elbrüch  e  auf 
der  Mathildezeche  l)ei  Wächtersdorf,  von  welch'  letzteren 
noch  weiter  unten  ausführlicher  die  Rede  sein  wird  (siehe  Fig.  3). 
Neben  diesen  Erscheinungen  im  Grossen  machten  sich  auch  solche 
im  Kleinen  geltend  und  führten  selir  häutig  an  solchen  Stelleu  der 
gedachten  Gesteinsreihe,  welche  starkem  seitlichem  Drucke  ausgesetzt 
waren ,  zur  11  u  n  z  e  1  u  n  g .  Faltung,  g  e  k  r  ö  s  e  a  r  t  i  g  e  n  W  i  n- 
dungen,  vielfachen  Biegungen  und  zickzackförmigen  Knickungen, 
sowie  zur  t  r  a  n  s  v  e  r  s  a  1  e  n  S  c  h  i  e  f  e  r  u  n  g  der  Schichten.  Damit  im 
Zusammenhange  steht  die  d  y  n  a  ni  o  m  e  t  a  m  o  r  p  h  i  s  c  h  e  Gesteins- 
u  ni  w  a  n  d  1  u  n  g ,  welche  sich  namentlich  deutlich  in  den  d  e  f  o  r- 
niirten  Plagioklas-Finsprengiingen  der  Diabasporphyrite  ausspricht, 
welche  u.  d.  M.  Kataklasstructur  zeigen. 

Vorstehende  Beobachtungen  sind  geeignet,  die  von  der  k.  k. 
geologischen  Reichsanstalt  herausgegebenen  Specialkarten,  speciell 
das  Blatt  Zone  6,  Col.  XVI,  Mähr.-Neustadt — Schönberg,  geologisch 
colorirt  nach  der  älteren  Aufnahme  von  M.  V.  Lipoid,  wesentlich 
zu  ergänzen  und  zu  erweitern.  Während  diese  Karte  fünf  Diabaslager 
erkennen  lässt,  erhellt  aus  obigem,  dass  es  thatsächlich  weit  zahl- 
reichere Diabasstöcke  und  Lager  sind,  die  theils  inselartig,  theils  in 
Lagerzügen  aus  den  umschliessenden  Thonschiefern  hervortreten, 
welch  letzteren  Grauwacken-Sandsteine  entweder  blos  eingeschaltet 
oder  aber  denselben  in  mächtiger  Zone  unter-  oder  aufgelagert 
erscheinen. 

Wie  die  im  (Jttilienstollen  bei  Gobitschau  verquerte  Schichten- 
folge lehrt,  zeigt  sich  daselbst  ein  rascher  Wechsel  mannigfaltiger 
Diabasgesteine  mit  Thonschiefer.  Eine  ähnliche  Schichtenfolge  lagert 
westlich  vom  Kaminka-Maschinenschachte  im  Kaminkawalde  und  eine 
ebensolche  wurde  auch  mit  dem  Eisenerzbergbau  im  Kuhgraben  bei 
Rietsch  erschlossen.  Weitere  Aufschlüsse  an  anderen  Orten  des  ge- 
dachten Gebietes  mangeln,  doch  würden  dieselben  sehr  wahrschein- 
lich ebenfalls  eine    rasche  Wiederkehr  derselben  Schichten    ergeben. 

In  dem  Querprofil  auf  Tafel  III  [1]  habe  ich  blos  die  fünf  vom 
Liegenden  zum  Hangenden,  stets  am  Contact  von  Diabasgestein  und 
Thonschiefer  einander  folgenden  E  i  s  e  n  e  r  z  -  E  i  n  1  a  g  e  r  u  n  g  e  n  dar- 
gestellt, wie  dieselben  in  der  Profillinie  Rietsch— Kaminka-Maschin- 
schacht zum  Schnitt  gelangen.  Weitere  Details  konnten  darin  des  kleinen 
Maßstabes  wegen  nicht  aufgenommen  werden.  Dass  der  rasche  Wechsel 
der  Schichten,  wie  ihn  beispielsweise  das  Profil  des  Ottilienstollens 
darbietet,  auf  einer  einfachen  Wechsell.igerung  beruht,  ist  wohl  zu 
bezweifeln,  auch  dürfte  es  sich  nicht  um  Faltenbildungen  handeln, 
vielmehr  weisen  die  zahlreichen  und  mächtigen  Dislocations- 
spalten  im  Ottilienstollen  darauf  hin,  dass  wir  es  mit  einem 
Bruchgebirge  zu  thun  haben,  demzufolge  die  rasche  Auf- 
ein a  n  d  e  r f  0  Ige  derselben  Gesteine  v e r m u th li ch  mit  Ve r- 
w  e  r  f  u  n  g  e  n  u  r  s  ä  c  h  1  i  c  h  z  u  s  a  m  m  e  n  h  ä  n  g  t. 

An  a  n  o  r  g  a  n  i  s  c  h  e  n  E  i  n  s  c  h  1  ü  s  s  e  n  ist  die  eben  geschilderte 
Schichtenreihe  bei  Sternberg  sehr  arm.    Nach  Römer')  wurden  zu- 


')  Römer.  Geologie  von  Oberscblesien   1870,  jag.  3(t. 


[29]  Die  Eiseuerzlagerstätten  des  mührisclieii  Devon.  57 

sammengedrückte  Individuen  der  Gattung  Stfi/ioJa  sp.  in  einem  mürben 
T  h  0  n  s  c  li  i  e  fe  r  bei  G  o  b  i  t  s  c  h  a  u  aufgefunden,  womit  ganze  Schiefer- 
lagen erfüllt  sind.  Auf  den  K  a  1  k  s  t  e  i  n  1  a  g  e  r  n  im  K  a  1  k  g  r  a  b  e  n  bei 
Rietscli  sollen  früher  sparsame  organische  Reste  von  Korallen 
und  B  r  a  c  h  i  o  p  öden  gefunden  worden  sein  (?),  Kriechspuren  und 
Polypenreste  hat  man  auch  in  der  Schieferhülle  der  Diabas- 
gesteine an  dem  rechtsseitigen  Gehänge  im  Kalk  graben  beobachtet. 
Diese  Versteinerungen  sind  zur  Feststellung  eines  geologischen  Niveaus 
kaum  zu  benützen.  Nachdem  jedoch  die  Sternb  erger  S  chi  cht  en 
in  derselben  Gesteinszone  lagern,  welche  F.  Römer  unter  dem  Namen 
„Bennischer  Schichten"  zusammengefasst  hat,  so  sind  die  ersteren 
gleich  den  letzteren  nach  Maßgabe  der  allgemeinen  Lagerungsverhält- 
nisse j  e  d  e  n  f  a  1 1  s  j  ü  n  g  e  r  a  1  s  d  i  e  u  n  t  e  r  d  e  v  0  n  i  s  c  h  e  n  B  r  a  d  1  e  r 
Quarzite  und  die  den  letzteren  benachbarten  älteren 
Diabasschiefer,  sowie  die  angrenzenden  mitteldevoni- 
schen Grauwacken. 


Besondere  Mineralvorkomnmisse. 

Quarz  (Bergkrystall).  In  bis  6  Centimeter  langen  und  2  Centi- 
meter  dicken,  farblosen,  weissen  bis  rauchgrauen  Krystallen  der  Form 
CO  P.K,  —  B,  oft  verzerrt,  pellucid,  glasglänzend,  zuweilen  in  schönen 
Drusen  und  Gruppen.  Häufige  Pseudomorphosen,  d.  h.  Zellräume 
nach  verschwundenen  bis  3  Centimeter  grossen  Calciten,  welch 
letztere  den  Mittelkanten  parallel  gestreift  waren.  Auf  Klüften, 
Spalten  und  Plohlräumen  der  F^rz Lagerstätten  zu  Meedl  und 
Storzendorf,  sowie  in  den  Ausseer    Quarzite  n. 

Galcit  vom  Bergbau  Meedl  und  Pinke.  Farblos,  weiss,  gelb 
und  röthlich,  häufigste  Krystallform  B;  dann  an  Pinker  Krystallen 
—  47/  oder  auch  2  B  zuweilen  combinirt  mit  4F  und  j  //  in  büschel- 
und  garbenförmiger  Gruppirung,  pellucid,  glasglänzend ;  auf  Klüften 
im  Kieseleisenstein. 

Calcit  von  Liskowetz  und  Kuh  graben  bei  Rietsch  nächst 
Sternberg.     Zumeist  kleine    bis  centimetergrosse,  farblose  bis  weisse 

Krystalle  ;    häufig  vorkommende  Form  B,   ferner ~  B.  cc  R  reihen- 

und  treppenförmig  gruppirt  und  zu  schönen  Drusen  verbunden,  auf 
B  r  a  u  n  e  i  s  e  n  e  r  z  aufsitzend. 

Am  Eduardschacht  IV  bei  Gobitschau,  ebenfalls  se- 
cundär  auf  Klüften  im  Diabas  man  de  Ist  ein.  Schöne  Drusen  und 
Gruppen  von  weissem  und  farblosem  Calcit  der  Form  B3.B,  die 
äussere  Oberfläche  der  grösseren  Rhomboeder  und  Skalenoeder  gegen 
das   Poleck,    aus   unzähligen   kleinen   Rhomboedercheu   in    paralleler 


Magnetit.  Bildet  in  kleinen  bis  millimetergrossen  Kryställchen, 
in  grosser  Menge  eingesprengt,  einen  wesentlichen  Gemengtheil  der 
Meedl  er  Rotheisenerze.  Vorherrschende  Form  der  Krystalle 
ist  0,  selten  combinirt  mit  oo  0  od,  metallisch  glänzend,  eisenschwarz. 

Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1899,  49.  Band,  l.  Heft.  (Fr.  Kretsclimer.)  ö 


5  g  Franz  Kretschmer.  [30] 

Grössere  Krystalle  sitzen,  zu  Gruppen  verbunden,  auf  den  Structur- 
flächeu  der  iVleedler  Erze.  Auch  den  Pinker  Erzen  ist  Magnetit 
in  kleinsten  Octaedern,  jedoch  sparsamer  eingestreut. 

Eisenkies.  Die  zumeist  kleinen  Krystalle,  speisgelb  bis  gold- 
gelb, metallisch  glänzend,  zeigen  nur  die  einfache  Form  ccOoo, 
eingesprengt  in  den  Erzen  und  Kieseleisensteinen  zu  Meedl 
und  Pinke,  insbesondere  an  den  Ausbissen  ihrer  Lager. 

Ferner  metasomatische  Prjeudomorphosen  von  Göthit  nach 
Eisenkies,  bis  centimetergrosse  Krystalle  —  fast  ausschliesslich 
der  einfachen  Form  co  0  go,  häufig  nach  einer  tetragonalen  Axe  ver- 
längert, deren  Gestalt  dann  der  tetragonalen  Combination  ccP.OP 
ähnlich  erscheint;  aber  auch  Durchkreuzungszwillinge  mit  geneigten 
Hauptaxen  beider  Individuen.  Dicht  gedrängt  eingewachsen  in  die 
weiter  oben  geschilderten  D  i  a  b  a  s  t  u  f  f  e,  sogenannte  Pyritschiefer, 
welche  in  Begleitung  der  Meedler  Erzlagerstätten  auftreten.  Dieses 
interessante  Vorkommen  verdient  einen  Platz  in  jeder  Sammlung. 
Auch  in  w^eissem  Quarz  und  in  den  Kieseleisensteinen  der 
Meedler  und  Pinker  Erzlager  eingesprengt. 

Psilomelan.  Amorph,  in  traubigen,  nierenförmigen  oder 
stalaktitischen  Formen  von  schaliger  Structur,  eisenschwarz  bis 
bläulichschw^arz.  Strich  bläulichschwarz,  zumeist  matt,  in  mehr  weniger 
starken  Rinden  auf  den  Spalten  uud  Klüften  der  Eisenerzlager 
zu  Meedl  und  Storzendorf.  Ebendaselbst  erscheinen  häufig 
eckige  Bruckstücke  von  rothmelirten  Kieseleisensteinen  durch 
warzigen  und  stalaktitischen  Psilomelan  zu  förmlichen  Breccien 
verkittet. 

Limonit.  Bildet  ebenfalls  auf  Klüften  und  Spalten  der 
Meedler  Erzlager  Warzenanhäufungen,  ferner  dünne  Ueberzüge, 
welche  im  bunten,  prachtvollen  Farbenspiel  pfauenschweifartig  er- 
glänzen; auch  zarte,  goldgelbe,  stark  metallisch  glänzende  Häutchen 
eines  wasserhaltigen  Eisenoxydes  auf  Magnetrotheisenerz,  Zuweilen 
finden  sich  auf  sammtartigen,  nelkenbraunen  bis  schwarzbraunen 
Limonitüberzügen  der  Meedler  Erze  prachtvolle  manganitische  und 
pyritische  Dendriten. 

Pinguit.  Derb,  sehr  mild,  geschmeidig,  zeisiggrün  bis  gras- 
grün, Bruch  uneben,  splitterig,  mit  Fettglanz  und  undurchsichtig, 
sehr  fettig  anzufühlen;  eingewachsen  in  Aederchen  und  klein- 
muscheligen Partien,  -als  Ueberzüge  und  Rinden  auf  Magnet-  und 
Brauneisenerz  und  den  in  den  Erzlagern  vorkommenden  talk- 
thonigen  Berg  mitte  In,  auf  den  Eisenerzgruben  Robertzeche  im 
Kuhgraben,  Georgzeche  in  Liskowetz,  Ottilienzeche  bei 
Gobi  tschau,  auf  Kaminka  und  in  der  Ob  er  au.  Dieses  wasser- 
haltige, amorphe  Eisenoxydsilicat  erscheint  ebenfalls  als  ein  secun- 
däres  Zersetzungsproduct  allgemein  auf  den  Eisenerzlagerstätten  der 
Mandel-  und  Schalsteinzone  Sternberg— Bennisch. 


[31]  Die  Eisenerzlagerstätten  des  mälirischen  Devon.  59 

Siderit.  Derb,  in  krystallinischen  Aggregaten  theils  auf  den 
Erzlagern,  theils  im  Mandelstein  selbst  eingeschlossen,  stellenweise 
in  Limonit  umgewandelt,  insbesonders  häufig  auf  der  Ottilien- 
zeche  bei  G  o  b  i  t  s  c  h  a  u. 

Sollten  dies  die  letzten  Reste  des  Eisenspathes  sein,  welche 
verschont  geblieben  sind  von  dem  auch  hier  stattgefundenen  Ver- 
laufe der  Oxydation  und  Desoxydation  in  Hilmatit  und  Magnetit  auf 
den  gedachten  P'rzlagernV 

Stilpnom  e  lan.  Krystallinisch,  von  feinschuppiger,  klein-  und 
grossblättriger,  seltener  parallel-  und  sternförmig  strahliger  Structur, 
schwärzlichgrün  bis  pechschwarz,  fettgiänzend.  Strich  olivengrün  oder 
grünlichgrau,  spröd,  fast  undurchsichtig;  derselbe  bildet  auf  den 
Magnet-  und  Braun  ei  se  nerzlagern,  zuweilen  auch  im 
Mandelstein  selbst,  kleine  derbe  Partien,  Schnüre  und  Nester, 
schmale  Spalten  und  Klüfte  im  Zusammenvorkommen  mit  Calcit 
und  Quarz,  feinschuppigem  und  dichtem  Chlorit,  feinkörnigem 
Magnetit,  ferner  mit  eingesprengtem  Pyrit,  seltener  hellgrünem 
und  feinkörnigem  Epidot. 

Auf  der  Paulzeche  nächst  Sternberg  kommt  der  Stil- 
pnomelan  in  sehr  dünnen,  randlich  zernagten  oder  rauhen  Krystall- 
tafeln  vor,  welche  sechsseitige  Umrisse  erkennen  lassen,  zumeist 
zellig  gruppirt    und  mit  Eisenocker  überzogen. 

Häufig  ist  auf  den  Eisenerzlagern  ferner  ein  schwarzes, 
schieferiges  Gestein,  sogenannter  Stilpnome  lan  schief  er,  mit 
körnigem  und  octaedrischem  Magneteisenerz  imprägnirt  und  mit 
Nestchen  von  gelbokerigem  Limonit  durchsetzt,  so  z.  B.  auf  der 
Ottilienzeche  bei  Gobitsc  hau    u.  s.  w. 

Der  Stilpnomelan  stellt  sich  als  ein  secundäres,  auf  den  Eisen- 
erzlagerstätten der  Mandel-  und  Schalsteinzone  Sternberg — Bennisch 
fast  allgemein  vorkommendes  Accessorium  dar,  und  erscheinen  als 
wichtigere  Fundorte  erwähnenswert:  Hugo-  und  Robertzeche  bei 
Rietsch,  Mathildezeche  bei  Wächtersdorf,  Ottilienzeche  bei 
Gobi  tschau,  als  auch  die  Eisenerzgruben  in  der  Kaminka  und 
Ob  er  au  nächst  Sternberg. 


II.  Bergmännischer  Theil. 


Die  Eisenerzlagerstätten  und  der  Bergbaubetrieb. 

Die  Eisenerzlager,  beziehungsweise  die  darauf  umgehenden 
Bergbaue  sollen  nun  nachfolgend  in  der  natürlichen  Reihenfolge 
von  den  unterdevonischen  zu  den  oberdevonischen,  oder  mit  anderen 
Worten:  vom  Liegenden  zum  Hangenden  fortschreitend,  zur  Dar- 
stellung gelangen. 

8* 


ßQ  Frauz  Kretsclimer.  [32] 

A.    Bergbau  Poleitz. 

Auf  der  unmittelbar  östlich  der  Kirche  zu  Poleitz  (nächst 
Mcähr. -  Aussee)  gelegenen  Anhöhe,  der  sogenannten  Poleitzer 
Horka  (349  m  ü.  M.)  und  deren  Abhängen  gegen  den  Poleitzer 
Graben,  also  dem  ersten  Zuge  der  tiefsten  oder  sogenannten 
Ausseer  Diabas  schief  er  eingelagert,  findet  sich  ein  wohl 
untergeordnetes,   aber  sehr  reiches  Magneteisenerz  -Vorkommen. 

Die  D  i  a  b  a  s  s  c  h  i  e  f  e  r  der  Bergbauörtlichkeit  sind  durch  eine 
lebhaft  grüne,  chloritreiche  Modification  ausgezeichnet,  deren  dicht- 
gedrängte Blasenräume  mit  Kalkspat h,  selten  Quarz  infiltrirt 
sind ;  letzterer  erscheint  häufig  in  grösseren  Bestandmassen  selbst- 
ständig ausgeschieden.  Ausserdem  sind  noch  andere  Varietäten, 
Diabasmandelstein,  Diabastuffe  mit  reichlichem  Kalk- 
sediment, sowie  untergeordnet  Diabasporphyrite  vertreten.  Zu- 
weilen zeigen  diese  Schiefer  neben  der  herrschenden  Zersetzung 
des  Uralits  in  lauchgrimen  mehr  weniger  fettglänzenden  Chlorit, 
solche  in  grünlichweissen  perlmuttergläuzenden  Talk,  hie  und  da 
auch  ölgrünen  Epidot.  In  unregelmässigen  Zonen  und  einzelnen 
Schichten  erscheint  das  Gestein  zufolge  Auslaugung  der  Kalkspath- 
secretioneu  gänzlich  schwammartig  durchlöchert;  letztere  sind  total 
verschwunden,  so  dass  das  graubraun  verwitterte  Gestein  seines 
Kalkgehaltes  gänzlich  verlustig  wurde.  Durch  weitergreifende  Ein- 
wirkung der  Verwitterung  werden  aucli  hier  stark  modificirte, 
talkthonige,  milde,  weiss,  gelblich  und  röthlich  gefärbte  Schiefer 
ausgebildet.  Die  Parallelstructur  dieser  Schiefer  scheint  ebenfalls 
sehr  bemerkenswert;  sie  sind  ausserdem  vielfach  gebogen,  ge- 
faltet und  geknickt;  dieselben  streichen  nach  3— 4h  und  fallen 
nach  21 -22  h  unter  <  45-70". 

Den  Aufschluss  dieses  Erzvorkommens  hat  man  anfänglich 
—  wie  zahlreiche  Pingen  nachweisen  —  durch  Tagbaue  und 
mehrere  Haspelschächte,  später  durch  den  fast  auf  der  Sohle 
des  Poleitzer  Grabens  angeschlagenen  Carolinen  Stollen  bewerk- 
stelligt, welch  letzterer  allgemein  die  Richtung  9  h  bis  10  h  im 
Quergestein  verfolgt  und  bei  244  w  ganzer  Länge  ungefähr  60  m 
Saigerteufe  einbringt.  Mit  demselben  sind  vom  Mundloche  weg  drei 
bauwürdige,  nach  2  h  bis  3  h  streichende,  20  h  bis  21  h  unter  <  45 
bis  600  einfallende  Magneteisenerzlager  angefahren  und  dem 
Abbau  zugeführt  worden,  und  zwar: 

Das  erste  Erzlager,  etwas  mehr  mit  Quarz  durchzogen, 
bildet  einen  40  w  im  Streichen  anhaltenden,  bis  15  m  mächtigen 
lenticulären  Erzlagerstock,  dessen  Mächtigkeit  gegen  den  Ausbiss  hin 
bis  1-25  und  0-65  m  successive  abnimmt. 

Das  folgende  zweite  Erzlager  ist  an  der  mächtigsten  Stelle 
9-5  m  stark,  im  übrigen  ist  seine  Mächtigkeit  blos  0-95  bis  1-25  m 
und  sinkt  gegen  die  Lagerenden  bis  auf  0-65  m  herab ;  dasselbe  hält 
nordwestlich  vom  Stollen  67  m,  südwestlich  von  demselben  50  m, 
zusammen  1 17  w  im  Streichen  an. 

Endlich  folgt  das  dritte  Erzlager;  nordöstlich  vom  Stollen 
auf  76  ni  streichender  Länge  anhaltend,    behauptet  sich  dasselbe  zu- 


["331  Die  Eisenerzlagerstätten  dos  mährischen  Devon.  61 

meist  in  einer  Mächtigkeit  von  1-25  w,  schwillt  local  bis  3-H  in  an  und 
verdrückt  sich  ))is  auf  0-()5  m  herab. 

Ausserdem  sind  noch  einige  andere  schwache,  0-3  bis  OG  m 
mächtige  Einlagerungen  von  IMagneteisenerz  mit  dem  Stollen  über- 
fahren worden,  welche  jedoch  als  unbauwürdig  nicht  näher  in  Betracht 
kommen  mögen.  Auf  dem  im  Stollenvorfeld  befindlichen,  40  m  tiefen 
Fanny  seh  acht  hat  man  0-30  bis  0-95  m  mächtige,  mulmige 
Magneteisenerze  (Schliche)  von  sehr  hohem  Eisengehalt  gebaut. 
Die  Masse  der  Poleitzer  Erzlager  besteht  aus  einem  dichten 
bis  körnigen,  eisenschwarzen,  zuweilen  schwärzlichgrünen  Aggregat 
von  Ma  gn  e  ti  t  eisen  er  z,  in  welchem  zahllose  kleinste  bis  milli- 
metergrosse,  aber  wohlgebildete,  stark  metallisch  glänzende  Mag- 
n  e  tit-Kryställchen  der  Form  0  eingestreut  sind.  Das  Erz  ist  sehr 
stark  magnetisch  und  örtlich  durch  Verwitterung  in  lose  Körner  und 
Kryställchen  zerfallen,  dem  von  den  Bergleuten  sogenannten  Schlich- 
erz (Magneteisenmulm).  Nachstehende  Analysen  geben  Aufschluss 
über  die  chemische  Zusammensetzung  im  Grossen  und  richtig  ge- 
wählter Durchschnittsproben : 

Poleitzer  Erze 
kStuferz  roh        Schlicherz  roh 
Percent  Percent 

Eisen      . 49-30  04-7 

Mangan 1-24  ? 

Kieselsäure      ......     21-40  8-25 

Thonerde 0-50  3-25 

Kalkerde 4-00  Spur 

Magnesia —  Spur 

Schwefel O'U  — 

Phosphor —  — 

Glühverlust 3-70  — 

Eine  Reihe  von  9  anderen  Analysen  roher  Stuferze  führt  auf 
den  durchschnittlichen  Gehalt  an 

Eisen 49 -20/0 

Kieselsäure 18-5^0 

Die  Poleitzer  Magnetite  sind  überwiegend  schussfeste  Stufen- 
erze ;  neben  den  reichen  Magneteisenerzen  brechen  auf  den  Lagern 
auch  dichte,  sowie  eigenthümlich  cavernöse  Kiese  leisen  st  eine 
ein,  welche  mit  vielem  weissen  bis  rosenrothen,  stark  zerfressenen 
Quarz,' mit  ziegelrothem  Jaspis  gestreift  und  gebändert  als  auch 
mit  stark  metallisch  glänzendem  Magnetit  eingesprengt  sind.  Auf 
den  Erzlagern  kommen  ausserdem  vor:  weisser,  rosenrother  bis 
violetter  Quarz  und  Calcit  in  Adern,  Nestern  und  Butzen,  auch 
in  grösseren  Bestandmassen  lagerförmig;  ferner  schwärzliche  und 
grünliche  dichte  Diabasschiefer  in  wiederholten  Einschaltungen; 
besonders  bemerkenswert  sind  dichte  bis  körnige  Gemenge  von 
C  h  1 0  r i  t  und  M  a  g n  e  t  e  i s  e  n,  worin  tafelförmige  Krystalle  zuweilen 
mit     sechsseitigen    Umrissen    von    Klino  chlor,     Magnetit    der 


62  Franz  Kretschmer.  [34] 

Form  0,  seltener  0 .  oo  0  oo ,  goldgelbe,  stark  perlmutterglänzende 
Muscovittafeln,  spärlicher  Eisenkies  eingestreut  erscheinen. 

Oben  geschilderte  Erzlager  sind  wohl  oberhalb  der  Stollensohle 
bis  auf  wenige  restliche  Lagertheile  grösstentheils  abgebaut,  dieselben 
setzen  jedoch  ohne  Qualitäts-  und  Mächtigkeitsunterschiede  unter  die 
Stollensohle  herab.  Die  Wasserzuflüsse  auf  der  Stollensohle  sind 
ohne  Bedeutung  und  dürften  nach  der  Teufe  keine  nennenswerte 
Vermehrung  erfahren,  so  dass  eine  schwache  Pumpe  zur  künftigen 
Wasserbewältigung  hinreichen  möchte.  Die  Erzförderung  ging  auf 
der  Stollensohle  in  ungarischen  Förderhunden  um;  zur  Wetterführung 
hat  man  zwei  Lichtschächte  in  der  Nähe  der  Lager  II  und  IIl 
offen  gehalten.   Gegenwärtig  ist  der  Bergbau  zeitweilig  sistirt. 

Andere  Erzvorkommen  aus  der  Umgebung  von  Po- 
leitz  wären  zu  erwähnen:  Bedeutungslose  Erzschnüre  sind  durch 
mehrere  Schurfgräben  entblösst  worden  rechts  am  Verbindungswege, 
welcher  unterhalb  der  zu  Poleitz  gehörigen  Colonie  Krug  durch  die 
daselbst  östlich  abzweigende  Terrainmulde  nach  Kloppe  führt.  — 
Schlichartige  Magneteisenerze  hat  man  mit  dem  30  m  tiefen  Schurf- 
schachte  erschürft  rechts  am  Verbindungswege  von  B  e  s  d  i  e  g  nach 
Kloppe,  wo  dieser  den  Scheitel  der  Höhe  erreicht.  Die  Erze  sollen 
jedoch  angeblich  grösstentheils  im  Wasser  liegen  (?). 


B.  Bergbau  Meedl. 

Die  E  i  s  e  n  e  r  z  1  a  g  e  r  s  t  ä  1 1  e  n  bei  Meedl  sind  dem  beschriebenen 
Zuge  der  Meedler  Diabasschiefer  untergeordnet  und  setzen 
rechts  und  links  der  Bezirksstrasse  von  König  losen 
nach  Mährisch  Aussee  ein;  dieselben  streichen  nach  3  h  2"  in 
einem  durch  theils  nicht  bescliürfte,  theils  erzleere  Zonen  unter- 
brochenen Zuge  über  die  Witkowitzer  Maschin  sc  hacht-Anlage 
beim  sogenannten  „Busch",  das  Eisenberger  Zechen  haus  an 
der  Bezirksstrasse  Meedl  — Mährisch  Aussee  und  die  daselbst 
befindliclie  grosse  Pinge  nach  dem  Riede  „In  den  Schächten", 
Südann  über  Storzendorf  und  die  Pinge  am  Erzberg,  wo  sie  auf 
den  Zöptauer  Schürfungen  westlich  D  örfel  ihr  heute  bekanntes 
Ende  erreichen,  und  beträgt  diese  streichende  Länge  3-3  hn.  Aber 
auch  darüber  hinaus,  sowohl  in  nordöstlicher  als  auch  südwestlicher 
Richtung,  ist  das  von  den  Bergleuten  sogenannte  „Schöne  Erzgebirge'', 
nämlich  die  charakteristischen  zersetzten,  früher  Uralit  und  Kalk 
reichen  Diabasscli  iefer  verbreitet,  welche  die  Meedler  Erz- 
lagerstätten beherbergen,  und  zwar  sind  sie  durch  Schürfungen 
in  der  Königlosen  er  „Daubrawa"  westlich  des  kleinen  Bra- 
l)letzberges  und  entgegengesetzt  bei  Dörfel  und  Tr  ei  blitz  theils 
durch  Scliüifungen  auf  Eisenerze  und  Brunnengrabungen  und  dem  oben 
erwähnten  Einschnitt  beim  T  r  e  u  b  1  i  t  z  e  r  B  a  h  n  h  o  f  constatirt  worden. 

Die  durch  Bergbaubetrieb  näher  bekannt  gewordene  Haupt- 
masse der  Meedler  Erz  n  i  ed  erläge  befindet  sich  west- 
lich Meedl  beim  sogenannten  „Busch"  und  „In  den 
Schächten"    rechts    und    links    der    Bezirksstrasse    von 


[35]  t)ie  Eisenerzlagerstätteu  des  mährischen  Devon.  63 

Meedl  nach  Mährisch  A  ussee.  P]s  sind  zwei  La  gergruppen, 
eine  westliche  und  eine  östliche,  zu  unterscheiden,  welche  durch 
ein  180  m  mächtiges  taubes  Mittel  modificirter  Diabasschiefer  vonein- 
ander getrennt  erscheinen.  Die  östliche  Gruppe  birgt  den  llaupt- 
schatz  des  Vorkommens;  sie  umfasst  drei  mächtige  Lager,  und 
zwar  im  Kreuzstreichen  von  NW  nacli  SO  aufgeführt : 

Das  I.  Lager  setzt  im  nordöstlichen  Felde  des  Meedler  Ma- 
schinenschachtes ein  und  hält  daselbst  auf  200  m  streichender  Länge  bau- 
würdig an  und  vereinigt  sich  mit  dem  II.  Lager  dicht  an  der  Bezirks- 
strasse Meedl— Aussee;  seine  Mächtigkeit  schwankt  zwischen  2  bis  3  m. 

Das  II.  Lager  behauptet  seine  Bauwürdigkeit  im  nordöstliclien 
Maschinenschachtfelde  bis  über  den  Josefschacht  II  (gegenüber  dem 
Eisenberger  Zechenhaus)  hinaus  auf  die  streichende  Länge  von  260  m,, 
seine  Mächtigkeit  beträgt  3-5  bis  4-5  m ;  dagegen  im  südwestlichen 
Schachtfelde  spitzt  es  erst  beim  Josefschacht  V  aus,  das  streichende, 
nur  kurz  unterbrochene  Anhalten  beträgt  nach  dieser  Richtung  280  m^ 
zusammen  somit  540  m.  Im  gedachten  südwestlichen  Schachtfelde  bildet 
das  II.  Lager  drei  mächtige  Erzlinsen,  deren  Mächtigkeit  13m, 
\Q>  m  und  Im  beträgt;  dasselbe  ist  im  Streichen  und  Fallen 
zuMulden  undSätteln  oder  zusammenhängenden  Falten 
gebogen. 

Das  III.  Lager  ist  südwestlich  vom  Maschinenschacht  bei  den 
Schächten  VIII,  X  und  XI  in  mehrere,  nahe  beieinander  lie- 
gende Erzlinsen  von  13  bis  16  w  Mächtigkeit  getrennt, 
welche  ebenfalls  sattel-  und  muldenförmig  eingelagert  er- 
scheinen; in  der  Terrainmulde  beim  Meedler  Maschinenschacht 
sind  die  Verhältnisse  dieses  Erzlagers  wegen  des  zerstückten  Montan- 
besitzes und  Wassernoth  unbekannt  geblieben;  dagegen  erweitert 
es  sich  in  der  grossen  Finge  beim  Eisenberger  Zechen- 
haus zu  einem  38  bis  47  m  mächtigen  E r z  1  a g e r s t o c k.  Der- 
selbe spitzt  wohl  auf  dem  Bergrücken  oberhalb  dem  gedachten  Zechen- 
haus aus,  setzt  aber  alsbald  wieder  ein,  dessen  bauwürdiges  Anhalten 
durch  uralte  Baue  und  neue  Schurfversuche  bis  zum  Grenzgraben 
zwischen  Meedl  und  Storzendorf  nachgewiesen  wurde.  Die  ganze  Länge 
des  III.  Lagers  von  südlich  des  Schachtes  XI  bis  an  den  gedachten 
Grenzgraben  beträgt  750  m. 

Das  Hauptstreichen  der  geschilderten  Eisenerzlagerstätten 
verläuft  sowohl  untereinander,  als  auch  zu  den  umschliessenden  Diabas- 
schiefern und  deren  Tuffen  parallel  nach  3  h  2^,  das  Einfallen  ist 
infolge  der  Faltungen  sehr  schwankend,  doch  im  Wesentlichen  nach 
9  h  20  gerichtet. 

Als  weitere  Fortsetzung  dieser  Lagergruppe  fand  sich  „Schönes 
Erzgebirge"  in  den  beiden  Brunnen  nächst  der  Sto  rze  n  dorf  er 
Schmiede  und  der  daselbst  befindlichen  Kapelle.  Ferner  sind  in 
der  Gemeinde  Storzendorf  selbst  mehrere  Ansassen  beim  Brunnen- 
abteufen auf  Eisenerze  gestossen ;  so  z.  B.  stehen  beim  Gärtner  Johann 
Conrad  Nr.  22  feste  Stuferze  über  die  ganze  Brunnensohle  an,  etc.  etc. 

Allem  Anscheine  nach  gehört  derselben  Lagergruppe  die  mäch- 
tige Erzablagerung  am  Erzberg  circa  200  m  nordöstlich 
Storzendorf,    wo  mit  dem  Blanskoer  Maschinenschacht  — 


64  Franz  Kretschmer.  [36] 

obwohl  derselbe  nur  kurze  Zeit  im  Betriebe  gestanden  war  —  dennoch 
zwei  reiche  Eisenerzlager  aufgeschlossen  worden  sind,  und  zwar 
das  erste  knapp  östlich  des  Maschinenschachtes  2  bis  3  m  mächtig, 
hat  man  auf  40  w,  das  zweite  westlich  davon,  1  bis  3  m  stark,  wurde 
auf  60  III  im  Streichen  verfolgt,  welches  letztere  beide  Lager  parallel 
nach  2  h  einhalten,  während  das  Einfallen  steil  nach  20  h  gerichtet 
ist,  obwohl  liach  gelagerte  Partien  nicht  fehlen,  da  auch  hier  die 
Schichten  dieselbe  Faltung,  wie  oben  geschildert,  darbieten. 

Die  westliche  Lagergruppe  ist  auf  grosse,  streichende 
Längen  unterbrochen  und  unbekannt,  die  folgenden  Erzpunkte  liegen 
blos  längs  des  Hauptstreichens  angeordnet,  ohne  dass  ihr  Zusammen- 
hang näher  nachgewiesen  wäre.  Das  schönste  Vorkommen  dieser  Lager- 
gruppe wurde  mit  den  Wilhelmschächten  I  bis  III  im  Riede 
„In  den  Schächten"  auf  der  Grenze  Meedl— Storzen  dorf 
abgebaut,  woselbst  ein  1  bis  3  m  mächtiges  Eisenerzlager  mit  normalem 
Streichen  (3  h  2°),  wechselndem  Fallen  gegen  NW  und  SO  eingelagert 
erscheint,  das  eine  der  Faltung  der  Diabasschiefer  voll- 
kommen analoge,  oft  wiederholte  Mulden-  und  Sattel- 
bildung aufweist,  wie  das  die  nachfolgenden  Profile  (Textfigur  \a,h 
und  c,  S.  65  [37])  durch  das  Erzlager  in  der  Partie  zwischen  dem 
Mittelschachte  II  und  dem  weiter  nordöstlich  situirten  Förderschacht  III 
versinnlichen. 

Im  Weiterstreichen  dieser  Lagergruppe  gegen  SW  linden 
wir  eine  bauwürdige  Erzablagerung,  wieder  auf  den  Eduard- 
schächten IV  und  IX,  links  der  Bezirksstrasse  Mähr.  Aussee — 
Königlosen,  woselbst  ein  1  bis  3  m  starkes  Erzlager,  das  sich 
stellenweise  zu  mächtigen  Erzlinsen  erweitert,  in  oberen  Sohlen  ab- 
gebaut wurde,  auf  der  I.  Tiefbausohle  nicht  bauwürdig  ist,  es  erscheint 
jedoch  nicht  ausgeschlossen,  dass  es  auf  der  II.  Tiefbausohle  neuerdings 
einsetzt,  wie  nach  der  daselbst  im  hochgradig  zersetzten  Zustande 
herabsetzenden  Diabasschieferzone  (sogenannten  ..Schönes  Erzgebirge") 
gehofft  werden  darf. 

In  der  Terrain  m  ulde,  wo  sich  die  Wege  von  Königlosen 
und  aus  der  Daubrawa  südlich  der  Ausseer  Roch  uskap  eile 
kreuzen,  befinden  sich  alte  Zöptauer  Eisen  erzsch  ürfung  e  n, 
woselbst  theils  seidenglänzende,  theils  matte  und  zersetzte  Diabas- 
schiefer der  Meedler  Erzformation,  grünl  chgrau  bis  rosenroth  und 
ockergelb  vertreten  sind,  in  der  Nähe  von  charakteristischem  Diabas- 
Mandelstein  begleitet. 

In  der  K  ö  n  i  g  1  0  s  e  n  e  r  Daubrawa  hat  man  auf  dem  Meedler 
Hauptstreichen  mit  11  Schurfschächten  ein  armes,  schwaches, 
nicht  bauwürdiges,  mit  schwarzem  Kalkspath  durchsetztes  Braun- 
eisenerzlager untersucht,  das  wahrscheinlich  an  der  Grenze  gegen 
die  Meedler  Quarzsandsteine  vorkommt  und  von  glänzendem, 
glimmerreichen  bis  thonigen,  zersetzten  Diabasschiefer  und -Tuff, 
sandigem,  grünlichgrauen  Thonschiefer  begleitet  wird,  welch' 
letzteres  Gestein  die  Uebeigänge  in  den  Meedler  Quarzsandstein  des 
Steinhübeis  vermittelt.  Streichen  2  h,  Fallen  20  h  unter  <  75». 

Dagegen  dürfte  wohl  die  nordöstliche  Fortsetzung  der 
westlichen    Lagergruppe    auf    den    Zöptauer    Eisenerz- 


[37] 


I)ie  KiKeiiorzlag(;rstJi,ttou  des  mähriscbon  Dovoii. 


65 


Schürfungen  westlich  Dört'el  zu  suchen  sein,  wo  aber  nur  belang- 
lose Erzlinsen  in  Begleitung  von  zersetzten  normalen  I)  i  a  b  a  s- 
schiefer,  D  i  a  b  a  s  -  M  a  n  d  e  1  s  t  e  i  n ,  sowie  sogenannter  P  y  r  i  t- 
s  Chief  er  erschürft  wurden. 

Bezüglich  der  Ausfüllung  d  e  r  M  e  e  d  1  e  r  Eisenerzlager- 
Stätten  ist  zu  bemerken,  dass  speciell  die  geschilderte  öst- 
liche    oder    Haupt-Lagergruppe    vorwaltend     aus    einem 

T\g.  1. 
Eisenerzbau  Willielmzeche  bei  Meedl. 

Maßstab:  1:500. 


NW 


a.  Querprofil    durcli    das  Liegendlagcr   der  Partie   zwischen    dem  Mittelschachte 
Wilhelm  II  und  dem  Nordschachte  Wilhelm  III. 


NW 


h.  Qiierprofil  durch  dasselbe  Liegendlager,    jedoch    etwas  'näher  an  dem   Wilhelm- 
schachte III. 


c.  Längsprofil  nach  dem  Streichen  derselben  Erzlagerpartie. 


rothstrichigen  dichten  B  o  t  h  e  i  s  e  n  e  r  z  besteht,  das  als  Zeichen 
beginnender  Bückverwandlung  sehr  viel  Magnetit  eingesprengt 
enthält,  daher  stark  magnetisch  ist;  häufig  ist  darin  Jaspis  ein- 
gewachsen. Das  Botheisenerz  ist  derb,  öfters  faserig,  matt  bis  spiegelig, 
bräunlichroth  bis  dunkelstahlgrau  schimmernd,  von  unebenem  Bruch; 
der  Magnetit  erscheint  darin  in  eisenschwarzen,  stark  metallisch 
glänzenden,  kleinsten  bis  millimetergrossen  Kryställchen  der  Form  0, 
oder  in  kleinsten  Körnern  und  in  grösseren  Mengen  eingewachsen; 
der  Jaspis   ist    dicht   von  Eisenoxyd    blutroth    gefärbt,    matt.     Durch 

Jahrb.  d.  K.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1899,  49.  Band,  1.  Heft.  (Fr.  Kretschmer.)  9 


6(^  Franz  Kretschmcr.  [38j 

fortgesetzte  Rückbildung  wird  der  Magnetit  mehr  vorherrschend,  bis 
endlich,  durch  eine  lleilie  von  I^ebergängen  vei'knüpft,  local  mehr 
oder  weniger  grobkrvstallinische  Magneteisenerze  ausgebildet 
werden,  bei  weiterschreitender  Umwandlung  entsteht  Braun  ei sen- 
erz,  das  jedoch  nur  untergeordnet  auf  den  Blanskoer  Schächten, 
nordöstlich  des  pjsenberger  Zechenhauses,  vorkommt.  Auf  diesen 
Erzlagerstätten  sind  insbesondere  m  u  1  m  i  g  e  M  a  g  n  e  t-  und  K  o  t h- 
eisenerzo  vertreten,  wegen  ihres  hohen  Eisen-  und  geringeren 
Kieselerdegehaltes  sehr  geschätzt,  deren  Menge  ungefähr  50%  der 
reichen,  bezw.  schmelzwürdigen  Lagermasse  ausmacht.  Sie  sind  durch 
Verwitterung  der  festen  Erze,  speciell  der  grobkörnigen  Magnet- 
eisenerze entstanden;  letztere  geben  stellenweise  einen  scharfen,  sehr 
reichen  M  a  g  n  e  t  e  i  s  e  n  s  a  n  d.  Der  K  i  e  s  e  1  e  r  d  e  g  e  h  a  1 1  der  festen 
Magnet-,  sowie  der  Rotheisenerze  erscheint  in  den  reichen  Erzen 
untergeordnet,  wächst  jedoch  in  stetig  ansteigender  Reihe,  wodurch 
sauere,  nicht  verhüttungswürdige  Kieseleisensteine 
entstehen,  welche  bei  weiterer  Anreicherung  der  Kieselerde  in  eisen- 
arme Ei  s  e  n  k  i  e  s  e  1  übergehen,  wie  die  unten  folgenden  Analysen 
nachweisen. 

Alle  diese  Varietäten  sind  miteinander  durch  mannigfaltige 
Uebergänge  verknüpft,  zuweilen  tritt  weisser  Quarz  oder  Kalk  in 
feinste  Wechsellagerung  mit  M  agn  e  t-  oder  R  o  th  e  i  s  e  n  e  rz,  wodurch 
ein  dunkelgrau  und  weiss  gestreiftes  oder  gebändertes  Gestein  entsteht. 
Das  Rotheisenerz  hat  zumeist  ein  schiefriges  Gefüge,  zuweilen 
zeigt  es  dieselbe  P  a  r  al  1  e  1  s  t  r  u  c  t  u r  und  zarteste  F  ä  1 1  e  1  u  n  g 
wie  gewisse  Diabasschiefer,  aus  denen  es  durch  eine  Art  meta- 
somatischer Pseudomorphose  hervorgegangen  ist.  Die  rothmelirten 
Kieseleisensteine  und  E  i  s  e  n  k  i  e  s  e  1  sind  auf  den  gedachten 
Eisenerzlagerstätten  in  sehr  m  ä  c  h  t  i  g  e  n  und  1  a  g  e  r  s  t  o  c  k  a  r  t  i  g  e  n 
Massen  vertreten,  sie  zeigen  vorwaltend  massige  Structur,  zuweilen 
auch  Schichtung  und  führen  als  wesentlichen  Gemengtheil  Magnet- 
und  Rotheisenerz  in  Kryställchen,  oder  derb  in  Streifen  und 
Lagen;  accessoriscli  eingewachsen  glasigen  und  milcluyeissen  Quarz, 
blutrothen  Jaspis,  seltener  Feldspath,  Chlorit,  aber  häufig 
Pyritkrystalle  oder  zahlreiche,  oft  dichtgedrängte,  poröse  und  zer- 
fressene G  öthit  würfeln  als  Pseudomorphosen  nach  Pyrit,  oft  noch 
einen  speisgelben  Kern  enthaltend;  infolge  weiterer  Verwitterung 
verschwindet  der  Göthit  und  das  Gestein  erscheint  von  hexaedrischen 
Zellen  durchzogen. 

Ein  ähnliches  Erz  führen  die  Lagerstätten  am  Storzendorfer 
Erzberge,  nämlich  ein  dichtes  Rotheisenerz  mit  45  bis  507o 
Eisengehalt  und  S[)uren  von  Mangan;  dasselbe  ist  spiegelig,  roth- 
strichig  und  mit  glänzenden  Mag ne  tit Oktaedern  und -Körnern  stark 
eingesprengt,  in  untergeordneter  Menge  kommen  auch  hier  feste, 
bisweilen  sehr  grobkörnige  Magneteisenerze  vor,  örtlich  zu 
Mulm,  d.  h.  einem  grusähnlichen  Aggregat  von  Magnetit  verwittert. 

Auf  den  obenerwähnten  Wilhelmschächten  I  bis  Jll  der 
westlichen  Lagergrupi)e  kommt  ein  mehr  oder  weniger  mit 
Magnetit  imprägnirtes  Rotli  ei  sen  e  rz  vor,  das  durch  sein  stark 
poröses,    zelliges    und    schwanimartiges    Ausselien    auffällig    ist ;     es 


[39] 


Die  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen  Devon. 


67 


yclieiiit,  dass  auch  hier  epigeiietisch  Kieselsäureverhiste  stattgefunden 
haben.  Accessorisch  sind  dem  Erz  eingewachsen  selten  Felds  path, 
hautig  Chlorit,  Calcit,  weisser  Quarz,  rother  Jaspis,  pseudo- 
morphe  Göthitwürfeln  oder  hexaedrische  Zellen  nach  diesen,  ferner 
Psilonielan  auf  Structurfiächen. 


Meedler  Roilieiseiier/e. 


Eisen  .    .    .  . 

Maugan  .    .  . 

Kieselsäure  . 

Thonerde   .  . 

Kalkerde    .  . 

Magnesia    .  . 

Schwefel     .  . 

Phosphor    .  . 

Glühverlast  . 


63-38 

iSpnr 

5Ü9 

1-4U 


0  03 
0-72 


58-52 
16-43 


021 


5407 
060 

1806 
403 
0-51 

Spur 

0-24 


49-86 
20-49 


0-24 


33-60 
110 

5000 
0-68 
0-67 

Spur 


1.  Mulmiges    Magnet -Rotheisenerz  (roh)  vom  Witko  witzer  Maschinen - 
Schacht  bei  Meedl,  I.  Tiefhausohle,    östliche  Lagergnip]ie,  Lager  III. 

2.  Meedler  Schlicherz  (roh)  aus  demselben  MascLinenschacht. 

3.  Rotheisenerz,  magnetisch,  rohe  Stufen  aus  dem  Witkowitzer  Maschinen- 
schacht bei  Meedl,  östliche  Lagergruppe 

4.  Meedler  Stuferz,  geröstet,  aus  demselben  Schaclite 

5.  Kieseleisenstein,  festos  Stuferz,  geröstet,  aus  demselben  Maschinen- 
schacht. 


Der  Bergbaubetrieb  der  „Alten". 

Im  Mittelalter  ist  bei  Meedl  und  S  t  o  r  z  e  n  d  o  r  f  ein 
blühender  Bergbau  umgegangen,  dem,  nach  der  Grossartigkeit 
der  FAn-  und  Zubaue  zu  schliessen,  bedeutende  Hilfsmittel  zur  Dis- 
position standen,  und  zwar  mussten  günstige  ökonomische  Verhältnisse 
—  entgegen  den  Schwankungen  der  neuen  Zeit  —  constant  und 
nachhaltig  gewirkt  haben.  Ich  hatte  keine  Gelegenheit  genommen, 
durch  Quellenforschung  die  wenig  bekannte  Vergangenheit  dieses 
Bergbaues  aufzuhellen,  doch  wäre  dies  ein  dankenswertes  Feld  der 
engeren  vaterländischen  Geschichtsforschung. 

Zum  Aufschlüsse  der  Meedler  Erzlagerstätten  haben 
die  Alten  unterhalb  Hlivitz  auf  der  noch  heute  so  genannten 
„St  ollen  wiese"  einen  grossen  Stollen  angeschlagen;  derselbe 
hatte  wahrscheinlich  sein  Mundloch  links  des  Fahrweges  von  Meedl  nach 
Königlosen,  unfern  dem  Punkte,  wo  der  Ad  elmann  sbach  in  den 
sogenannten  „Stollengraben"  einmündet,  und  ist  zwischen  dem 
Meedler  Maschinenschacht  und  dem  Eisenberger  Zechen- 
haus auf  den  Erzlagern  eingetrotfen,  demzufolge  seine  Länge  nicht 
weniger  als  ISOOm  und  die  eingebrachte  Saigerteufe,  auf  die  Hänge- 
bank des  genannten  Maschinenschachtes  bezogen,  35  m  betragen  haben 

9* 


ßg  Franz  Kretschmer.  [40] 

dürfte.  Als  man  mit  dem  letzteren  auf  der  I.  Tiefbausohle  die  Erz- 
lager erreichte,  zeigte  sich  die  überraschende  Thatsache,  dass  die 
„Alten"  noch  circa  100  m  tiefer  gebaut  haben!  Allerdings 
war  der  Abbau  der  „Alten"  in  dieser  Teufe  belanglos,  die  tieferen 
Erzmittel  blieben  unverritzt,  da  sie  schönere  Erzanbrüche  in  oberen 
Teufen  hatten  und  der  Bergbau  mittlerweile  wahrscheinlich  iinver- 
muthet  zum  Stillstand  kam.  Einen  Stollen  von  1800  m  Länge  aufzu- 
fahren, in  den  zersetzten  Meedler  Diabasschiefern,  welche  ungemein 
blähen,  demzufolge  sehr  druckhaft  und  örtlich  bis  zu  schwim- 
menden Massen  d e c o m p  o n i r  t  sind,  erscheint  als  eine  Meister- 
leistung, die  unser  Erstaunen  erweckt;  die  Ausdauer  und  Geschick- 
lichkeit der  alten  Bergleute,  welche  es  ermöglichten,  mit  den  dama- 
ligen primitiven  Hilfsmitteln  diesen  Stollen  nicht  nur  aufzufahren, 
sondern  auch  zu  erhalten,  erscheint  im  glänzenden  Lichte;  es  musste 
überdies  eine  günstige  wirtschaftliche  Lage  vorhanden  gewesen  sein, 
dass  ihnen  die  hiezu  nöthigen  Geldmittel  nicht  versiegten. 

Ein  zweiter  Stollen  diente  den  Alten  zur  Lösung  des 
Erzvorkommens  am  E  r  z  b  e  r  g  bei  S  t  o  r  z  e  n  d  o  r  f,  derselbe  hatte 
sein  Mundloch  muthmaßlich  am  nordwestlichen  Ausgange  von 
Meedl,  unfern  der  Bildsäule  am  Kreuzungspunkt  der  Feldwege 
von  Meedl  nach  dem  Erzberg  und  Dörfel;  er  dürfte  in  der 
Nähe  des  Blanskoer  Maschinen  Schachtes  auf  den  Erzlagern 
eingetroffen  sein  und  demzufolge  dessen  Länge  ungefähr  1100  m,  die 
eingebrachte  Saigenteufe  beiläufig  33  m  betragen  haben  (?)  In  oberer 
Teufe  ist  man  mit  dem  neuen  Bergbau  auf  ein  Gesenk  mit  Horn- 
stätte  gestossen,  worin  die  „Alten"  Handpumpen  aus  Eichenholz  mit 
Radantrieb  eingebaut  hatten,  es  scheint,  dass  sie  sich  anfänglich  auf 
diese  Weise  mit  Unterwerken  geholfen  haben. 

Zur  Zimmerung  der  Stolleu  und  Strecken  bedienten  sich  die 
„Alten"  hauptsächlich  des  Eichenholzes,  welches  damals  in  den 
nahen  Auenwäldern  der  „Daubrawa"  zweifelsohne  weit  billiger  zu 
haben  war  als  heute,  nur  beim  Abbau  benutzten  sie  auch  das  billigere 
Birkenholz.  Die  Alten  haben  nur  die  e  i  s  e  n  r  e  i  c  h  e  n  Schlicherze 
(Magneteisen-  und  Rotheisenerzmulm),  dann  die  quarz  armen, 
milden  und  gebrächen  Stuferze  gefördert,  dagegen  sind  die 
kieselerdereichen,  festen  Stufen  zum  Versatz  der  Verhaue 
verwendet  worden.  In  neuer  Zeit  hat  man  dieses  gute  Beispiel  nicht 
beachtet  und  von  den  quarzigen  und  festen  Stufen  Vieles  mitgefördert, 
was  besser  unten  geblieben  wäre,  und  dadurch  die  Qualität  der 
Meedler  Erze  discreditirt 


Der  neue  Bergbaubetrieb. 
I.  Der  Witkowitzer  Bergbau  bei  Meedl. 

Zur  Entdeckung  des  Meedler  Bergbaues  führten  anfangs  dieses 
Jahrhunderts  die  von  den  „Alten"  bei  den  neuen  Haspelschächten 
VIII  und  X  circa  100  m  südlich  des  Witkowitzer  Maschinenschachtes 
zurückgelassenen,  ausgedehnten  Erzhalden.  Es  war  wohl 
darüber  im  Laufe  der  Zeit  ein  völliger  Nadelholzwald  gewachsen,  bis 


[411  Die  EisenerzlageistätU'ii  des  mahrischen  Devon.  69 

einzelne  Stamme  vom  Sturme  ausgelioben,  das  darunter  liej;en(l(i  Va'z 
biosiegten,  welches  dann  zu  den  Hochöfen  bei  Marienth  a  1  (im 
Feistritzthal)  abgefahren  und  gleichzeitig  von  Bergleuten  nach  den 
anstehenden  P^rzhigerstätten  gescliürft  wurde.  Eine  ebensolche  uralte 
Erzhalde  führte  zur  Entdeckung  des  mit  den  Eduardschächten  IV 
und  IX  abgebauten  Erzlagers  der  Liegendlager-Gruppe. 

Dem  neuzeitigen  Bergbau  dienten  anfänglich  zahlreiche  Haspel- 
schächte zum  Aufschluss  und  zur  Förderung;  in  den  Vier- 
ziger Jahren  hat  das  Eisenwerk  Marienthal  infolge  der  günstigen 
Erzanbrüche  zur  Entwässerung  am  nördlichen  Ausgange  von  Hlivitz 
einen  Stollen  mit  Richtung  auf  die  E  d  u  a  r  d  z  e  c  h  e  (links  der 
Bezirksstrasse  Aussee— Königlosen)  betreiben  lassen;  derselbe  be- 
gegnete jedoch  in  den  blähenden,  daher  sehr  druck  haften,  mit 
Wasser  Säcken  behafteten  Diabasschiefern  solchen  Schwierigkeiten, 
dass  er  nicht  vorwärts  kam;  selbst  einige  auserlesene  Kühr- 
Ostrauer Bergleute,  welche  in  der  dortigen  „Kurzawka"  gearbeitet 
haben,  vermochten  den  Stollen  in  dem  Schwimmenden  nicht  ans 
Ziel  zu  bringen,  so  dass  derselbe  schliesslich  aufgegeben 
werden  musste.  Ein  grober  Fehler  war  es,  dass  man  die  Licht- 
schächte im  Voraus  in  der  Stollenaxe  abteufte,  wodurch  dem  Schwim- 
menden vermehrte  Wassermengen  zugeführt  wurden,  das  dann  voll- 
ends nicht  zu  halten  war. 

Im  Jahre  1854  hat  man  sich  zur  Anlage  eines  Maschine  n- 
schachtes  entschlossen  und  dessen  Position  in  dem  tauben  Mittel 
zwischen  den  beiden  oben  geschilderten  Lagergruppen  180  w  süd- 
westlich der  Bezirksstrasse  Ausse  e — M  e  e  d  1  gewählt ;  damit 
hat  man  in  10  w  Teufe  den  natürlichen  Grundwasserspiegel 
getroffen,  dann  bis  34-6  m  mittelst  Handpumpen  weiter  abgeteuft  und 
1 855  den  Schacht  mit  einer  W  a  s  s  e  r  h  a  1 1  u  n  g  s  -  D  a  m  p  f  m  a  s  c  h  i  n  e 
nebst  Pumpen  ausgerüstet,  welche  sich  jedoch  gegenüber  den  Wasser- 
zuflüssen als  völlig  unzureichend  erwiesen  hat,  so  dass  die.  Anlage 
schon  1859  wieder  ausser  Betrieb  gesetzt  und  später  wieder  abge- 
tragen wurde. 

Im  Jahre  1868  Hess  das  Witkowitzer  Eisenwerk  auf 
demselben  Schacht  eine  den  Wasserzuflüssen  gewachsene,  entsprechend 
grössere  Maschinenanlage,  mit  genügend  kräftigen  Maschinen 
und  Pumpen  ausgerüstet,  erbauen;  damit  hat  man  den  i]-4:  m  langen, 
2-4  m  breiten  Schacht  nun  ausgebaut,  mit  zwei  P'örderabtheilungen, 
einem  Fahr-  und  einem  Kunsttrumm  versehen ,  sodann  bis  58-8  m 
abgeteuft  und  darin  in  M-G  m  die  I.  Tiefbausohle,  in  54*4  m  die  II. 
Tiefbausohle  gefasst.  Zur  Ableitung  der  gehobenen  Wässer  diente 
eine  in  11-3  m  Teufe  herangeführte,  durchwegs  ausgemauerte  Abhub- 
brösche,  deren  Mundloch  in  den  Graben  südöstlich  des  Maschinen- 
schachtes, 190  m  von  diesem  entfernt,  gelegen  ist.  Die  früher 
bestandenen  Haspelförderschächte  und  zwar  im  nordöstlichen  Maschinen- 
schachtfelde,  Josefschächte  I,  II,  III  und  IV.  im  südwestlichen  Schacht- 
felde die  Schächte  VIII,  IX,  X  und  XI  wurden  successive  abgeworfen 
und  nur  die  zur  Wetterführung  nöthigen  offen  gelassen. 

Auf  den  beiden  Bausohlen  hat  man  zunächst  die  Bau- 
sohle n  q  u  e  r  s  c  h  1  ä  g  e  gegen  die  östliche  L  a  g  e  r  g  r  u  p  p  e  aufge - 


70  Franz  Kretschmer.  [42] 

fahren  und  zM'ei  Erzlager  querschliigig  überbroclien.  das  dritte 
liegt  an  dieser  Stelle  bereits  im  nachbarlichen  Grubenfelde.  Die  bis 
zu  1  e  1 1  e  n-  und  b  o  1  a  r  t  i  g  e  n  Massen  zersetzten  ]VI  e  e  d  1  e  r 
Schiefer  zeigen  der  Einwirkung  der  f  e  u  c  h  t  e  n  Gruben- 
a  t ni 0  s p h ä r e  ausgesetzt,  im  h  o h  e n  G r a  d  e  die  b ö s e  E i  g e  n- 
Schaft  des  B 1  ä h  e n s  und  bieten  d a d  u r  c h  d e  m  B  e r gm a n n 
zuweilen  bedeutende  Schwierigkeiten  dar.  Von  der  Er- 
wägung ausgehend,  dass  die  Zersetzung  Ucäher  zu  den  Erzlagerstätten 
zunimmt,  demzufolge  der  Druck  auf  die  Zimmerung  grösser  wird  und 
um  keine  Bergfesten  zurücklassen  zu  müssen,  also  eine  sofortige 
vollständige  Ausgewinnung  der  Erzlagerstätten  zu  erzielen,  hat  man 
beim  Betriebe  der  Bausohlenstrecken  die  festeren  Liegendgesteine 
aufzusuchen  getrachtet  und  darin  letztere  aufgefahren,  sowie  in  Ab- 
ständen von  durchschnittlich  50  ?«  Verbind ungs-Quer schlage 
nach  den  Erzlagern  ausgelängt.  Auf  diese  Weise  sind  auf  der  I.  Tief- 
bausohle die  nordöstliche  B  a  u  s  o  h  1  e  n  s  t  r  e  c  k  e  2i')  7  m  und  die 
südwestliche  300  m  zu  Feld  getrieben  worden.  Obige  Voraussetzung 
ist  jedoch  nicht  überall  zugetroffen,  es  zeigte  sich  später,  dass  es  örtlich 
besser  sei  mit  den  Bausohlenstrecken  innerhalb  der  Erzlager- 
stätten zu  bleiben,  wei  1  das  Gebirge  daselbst  entschieden 
weniger  druckhaft,  demzufolge  die  Pirzhaltung  dieser  Strecken 
nicht  so  kostspielig  war. 

Die  Schwierigkeiten,  welche  die  so  tiefgreifend  umgewandelten 
Diabasschiefer  darboten,  wurden  andererseits  wieder  dadurch  aufge- 
hoben, d  a  s  s  d  i  e  s  e  1  b  e  n  b  e  i  m  V  0  r  b  a  u  und  d  e  r  E  r  zg  e  w  i  n  n  un  g 
wesentliche  Erleichterungen  gewährten,  wenn  nicht 
erst  solche  möglich  machten,  indem  man  darin,  sobald  diese 
Massen  entwässert  waren,  rasch  vorwärts  kam,  weil  die  schussfeste 
Cohärenz  der  intacten  Schiefer  in  die  des  Keilhauen-,  beziehungs- 
weise Lettenhauen-Gebirges  übergeführt  erscheint.  Manche  schwächere 
Erzlagerstätte,  welche  bei  Schussfestigkeit  derselben  und  des  Neben- 
gesteins den  Abbau  nicht  lohnen  würde,  ist  durch  die  erörterten 
Umwandlungsvorgänge  erst  abbauwürdig  gemacht  worden. 

Das  E  d  u  a  r  d  1  a  g  e  r  hat  man  mittelst  eines  o49  m  langen 
Diagonalschlages  ausgerichtet.  Auf  der  IL  Tiefbausohle  sind  die 
Aus-  und  Vorrichtungsbaue  nicht  so  weit  gediehen,  weil  der 
Bergbau  infolge  der  allgemeinen  wirtschaftlichen  Krise  des  Jahres 
1873,  Ende  1877  ausser  Betrieb  gesetzt  werden  musste,  demzufolge 
die  südwestliche  Bausohlenstrecke  nur  die  Länge  von  171//?,  die 
nordöstliche  eine  solche  von  158  m  erreichte.  Die  letztere  Strecke 
war  jedoch  45m  vom  Bausohlenquerschlag  weg  in  ausgedehnte 
Wasser  Säcke  gerathen,  deren  weitere  Verörterung  schwierig 
und  kostspielig  erschien,  demzufolge  der  übrige  Theil  der  nordöstlichen 
Bausohlenstrecke  im  Lager  I  aufgefahren  worden  ist,  was  sich  gut 
bewährt  hat.  Bei  dem  wechselnden  Fallen  und  der  Absätzigkeit 
dieser  Erzlagerstätten  musste  man  vom  Vorbau  im  Kreuzstreichen 
innerhalb  der  Lagerstätte  vielfach  absehen  und  war  bemüssigt,  zu 
S  a  i  g  e  r  -  G  e  s  e  n  k  e  n  ,  beziehungs\veise  S  a i  g  e  r  -  Ti  e  b  e  r  br  e  c  h  e n 
zu  greifen,  die  an  den  Verbin  dun gs-Q  uer schlagen  dicht 
bei   den   Erzlagern    disponirt   wurden  und  welche  zum  Ab- 


[431  r)ie  Eisonorzlagorstiitten  dos  niähiischcn  Devon.  71 

ba  11- Aiifi'ri  l'f  der  Mulden-  und  Sntteltliigel,  sowie  zur  Förderuii}^' 
und  VVettertulirung-  dienten.  Die  solcliergestalt  abgegrenzten  Abbuu- 
felder  wecbselten  wohl  sehr  in  iliren  Abmessungen,  im  allgemeinen 
waren  sie  circa  ßO  m  lang  und  20  m  Ha(di  hoch.  Die  insbesondere  im 
II.  Tiefbau  vorkommenden,  ganz  flachgelagerten  Sattelflügel 
sind  mittelst  seh  we  b  en(l  er  Aufhauen  dem  Abbau  zugeführt 
worden. 

Als  Abbaum  e  tli  od  e  stand  ein  Firstenbau  in  Schmal- 
stössen  in  Anwendung,  d.  h.  die  Stosshöhe  musste  wegen  des 
milden  und  brüchigen  Nebengesteines  blos  in  gewöhnlicher  Strecken- 
höhe --  2-2  m  (in  der  Gesteinslichte  gemessen)  geführt  werden,  weil 
der  Ausbau  dem  Abbau  sofort  nachfolgen  muss.  In  der 
Regel  wurde  auf  jeder  Firstenstrosse  von  dem  Saiger-Ueber- 
brechen  aus,  gewöhnlich  am  Liegenden  eine  Hauptstreichende 
aufgefahren,  bei  grösserer  Mächtigkeit  der  Lagerstätte  in  der  Mitte 
oder  gleichzeitig  eine  Streichende  am  Hangenden  aufgefahren.  Von 
der  Hauptstreichenden  aus  erfolgte  dey  Verhau  mittelst  Qu  erb  au 
in  Lo?«,  höchstens  oO  m  breit  ausgezimmerten  querortmässigen  Pfeiler- 
abschnitten. Dem  Strossen  verhau  folgte  alsbald  der  Berg- 
versatz des  zum  grösseren  Theile  aus  den  beim  Abbau  fallenden 
Bergmitteln  und  aus  nicht  schmelzwürdigen  Kieseleisensteinen,  sowie 
eisenarmen  Eisenkiesel,  als  auch  den  vom  Vorrichtungsbau  kommenden 
Bergen  hergestellt  wurde;  nur  wenn  diese  Materialien  nicht  hinreichten, 
war  es  gestattet,  Bergstrecken  zur  Versatzgewinnung  aufzufahren, 
sonst  war  dies  untersagt,  um  den  ohnehin  bedeutenden  Gebirgsdrück 
nicht  unnützerweise  zu  vermehren. 

Was  den  Ausbau  betrifft,  so  hat  dieser  im  schwimmenden 
Gebirge,  speciell  in  den  mit  breiartigen  und  s  u  j)  p  i  g  e  n  M  a  s  s  e  n 
angefüllten  W  a  s  s  e  r  s  ä  c  k  e  n  erhebliche  Schwierigkeiten 
bereitet  und  an  die  Geschicklichkeit  und  Zuverlässigkeit  der  Häuer 
nicht  geringe  Anforderungen  gestellt.  Es  waren  zwei  Steiger  aus 
dem  Ostrauer  Steinkohlenrevier,  die  dort  im  Schwimmsand  gearbeitet 
und  die  Meedler  Belegschaft  auf  die  Getriebezimmerung  in  den 
Wassersäcken  eingeschult  haben.  Die  B  a  u  s  o  h  1  e  n  (^  u  e  r  s  c  li  1  ä g  e 
und  -Strecken  mussten  fast  durchwegs  in  solider  Ge- 
triebe Zimmerung  aufgefahren  werden,  nur  in  den  unzer- 
setzten  erzleeren  Zonen  und  in  den  entwässerten  Abbaufeldern  war 
„stumpfes"  Verpfählen  zulässig.  Die  Bausohlenquerschläge  waren  im 
doppelgeleisigen  Profil  21m  hoch,  16  m  verglichen  breit  in  der 
Zimmerungslichte,  die  Bausohlenstrecken  2-1  m  hoch,  0-<.»5  w  ver- 
glichen breit  aufgefahren  :  sobald  man  jedoch  an  die  Wassersäcke  kam, 
musste  man  vorerst  im  kleinen  Profil  löm  hoch,  0  G  ;w  breit  durch- 
gehen, um  zu  entwässern  und  dann  erst  im  Normalprofil  nachzu- 
zimmern. 

Das  Blähen  d  e  s  N  e  b  e  n  g  e  s  t  e  i  n  s  äusserte  sich  local  durch 
einen  enormen  Druck  auf  die  Zimmerung.  Es  wurde  fast 
durchgehends  mit  dem  besten  Fichten-  und  Tannen-Stammholz  in 
Bolzenschrott  auf  Trieb  gezimmert,  doch  es  kam  wiederholt  vor,  dass 
besonders  blähende  Strecken  mit  Kappen-,  Stempel-  und  Grundsohlen 
von  40,  aO  beziehungsweise  20cm  mittleren  Durchmesser  nach  3  bis 


72  Franz  Kretschinor.  [44] 

6  Monaten  derart  zerbrochen  und  das  S  treckenprof  il  so 
deforniirt  war.  dass  kein  Förderwa^en  mehr  durch  konnte 
und  unverzüglich  die  Auswecli  slung  veranlasst  werden 
musste.  Von  der  Wirkung  des  Blähens  erhält  man  durch  folgende 
Thatsachen  eine  bessere  Vorstellung:  Wenn  vor  einem  im  zersetzten, 
aber  bereits  entwässerten  Diabasschiefer  anstehenden  Ort,  vom  Häuer 
die  nöthige  Gesteinslichte  mittelst  Keil-  und  Lettenhaue  ausgeschlagen 
war,  so  folgte  in  der  Regel  sofort  der  Ausbau;  wurde  dies  jedoch 
versäumt  und  blieb  der  ausgehauene  Raum  durch  kurze  Zeit  etwa 
() — 12  Stunden  unverzimmert  stehen,  so  musste  dann  beim  Einbauen 
der  im  vorgeschriebenen  Normalprofil  vom  Tagzimmerling  angefertigte^ 
Hauptzimmer  10  bis  15cm  an  der  Firste,  den  beiden  Stössen 
und  der  Sohle  nach  gehauen  werden,  denn  soviel  war 
mittlerweile  das  sonst  gut  stehende  Gebirge  allmälig 
in  den  0 r  t  s  q  u e r s  c h n i 1 1  h e r  e i n g e  w a c h s  e n !  Beim  Abteufen 
des  Maschinenschachtes  kam  es  öfters  vor,  dass  das  am  Samstag  auf 
die  Schichtsohle  gelegte,  35— 40tm  starke  Hauptzimmer  bis  Montag 
in  der  a u f g e b  1  ä h t e n  M a s s e  gänzlich  verschwunden  war! 
Aus  dieser  Ursache  hatte  der  Bergbau  Meedl  alljährlich  einen  be- 
deutenden H  0  1  z  c  0  n  s  u  m  .  welcher  auf  die  Gestehungskosten 
empfindlich  drückte.  Man  hat  daher  vielfache  Mittel  versucht,  dieser 
Calamität  entgegen  zu  wirken,  und  zwar  um  dem  Ausbau  eine  längere 
Dauer  zu  verleihen.  Eichenholz  herangezogen;  dasselbe  zeigte 
sich  wolil  dem  Drucke  und  dem  Blähen  gegenüber  viel  widerstands- 
fähiger, doch  erschien  es  in  der  Folge  zu  wenig  elastisch,  spröd  und 
bekam  vielfach  Sprünge  und  Risse,  welche  einen  namhaften  Theil 
der  grösseren  Festigkeit  wieder  aufhoben  und  da  es  zu  theuer  war, 
so  hat  man  diese  Art  des  Ausbaues  wieder  fallen  gelassen. 

Der  Meedler  Bergbau  hatte  im  Sommer  häufig  mit  mattem 
Wetter  zu  kämpfen ;  letztere  wurden  hauptsächlich  verdorben 
durch  faulendes  Grubenholz,  insbesondere  dem  im 
Alten  Mann  zurückbleibenden,  weil  nicht  allerorts 
geraubt  werden  durfte,  durch  die  Oxydation  der 
blähenden  Schiefer,  desgleichen  durch  0  x }'  d  a  t  i  o  n  und 
R  e  g  e  n  e  r  i  r  u  n  g  des  d  e  n  B  e  r  g  v  e  r  s  a  t  z  b  i  1  d  e  n  d  e  n  G  e  s  t  e  i  n  s- 
materials  und  andere  minder  gewichtige  Ursachen.  Es  genügte 
wohl  im  allgemeinen  die  natürliche  Wetterführung,  doch 
muss  auf  mehrere  Durchschläge  mit  dem  Tage  Bedacht  genommen 
werden,  um  mehrere  frische  Wetterströme  der  Grube  zuzuführen,  da 
sich  diese  überall  an  den  Zimmerpaaren  der  durchwegs  im  Ausbau 
stehenden  Ein-  und  \'orbaue  und  an  vielen  Krümmungen  derselben 
stossen,  ferner  infolge  obiger  Ursachen  sehr  bald  sauerstoffarm 
werden  ,  also  nach  Z  u  r  ü  c  k  1  e  g  u  n  g  auffallend  kurzer 
W  e  1 1  e  r  w  e  g  e  a  u  f  g  e  b  r  a  u  c  h  t  s  i  n  d ,  dann  das  Licht  nicht  brennt 
und  jede  Arbeit  aufhört.  Die  oben  erwähnten  Haspelschächte  haben 
dem  gedachten  Zwecke  gute  Dienste  geleistet. 

Zur  Wasserhaltung  diente  eine  doppelt  wirkende  Dampf- 
maschine horizontaler  Aufstellung  mit  verstellbarem  Expansions-Ex- 
center,  oime  Condensation.  Cylinderbohrung  ()-518w,  Kolbenhublänge 
U-92()  w,  welche  bei  0-33  Füllung,  4  Atmosphären  absoluter  Admissious- 


[451  Die    Kiseiierzlagerstätten  des  inälirisclicii   Devon.  73 

Spaiimu»^  und  40  Toiiron  pro  Minute,  ;")()  IIP  an  der  Maschinenwelle 
abü;ab.  Die  Punipentransniission  bestand  aus  Zahnradvorgelege  und 
2  Knnstwinkeln  von  Ml  Arnilänge  auf  zwei  über  dem  Pumpentrumm 
liegenden  50  cm  Blecliträgern  montirt.  Die  Pumpen  waren  gewöhnliche 
Hubpumpen  mit  in  den  Steigrohren  durchgeliendem,  sclimiedeisernem 
Gestänge  von  03  mm  Durchmesser,  so  dass  beim  Ersaufen  Liderung 
von  oben  möglich  war,  was  bei  den  a  u  s  d  e  n  W  a  s  s  e  r  s  ä  c  k  e  n  u  n  d 
den  klüftigen,  wasserdurchlässigen  P^rzlagern  zu  er- 
wartenden W  a  s  s  e  r  d  u  r  c  h  b  r  ü  c  h  e  n  notliwendig  erschien.  Durch- 
messer des  Pumpenkolbens  ^  0'805  m,  die  Kolbenhublänge  ült<')0  w, 
die  genieteten  schmiedeisernen  Steigrolire  von  7  mm  Blechstärke  hatten 
()-421  m  Durchmesser  und  da  die  Pumpen  gleichzeitig  als  Abteufpumpen 
fungirten,  so  war  an  den  Saugrohrenden  je  ein  ausziehbarer,  schmied- 
eiserner Schläucher  angebracht.  Die  Pumpen  gössen  auf  der  Abhub- 
rösche in  11-3;«  Teufe  aus,  von  wo  ein  direct  an  den  Kunstwinkel 
angehängter  Drucksatz  von0'118;>i  Phurgerdurchmesser  und  0-790/// 
Hub  die  nöthigen  Speisewässer  zu  Tage  gehoben  hat. 

Die  anfänglichen  Wasserzuflüsse  haben  28  Secun- 
denliter  betragen,  die  auf  502 //^  Förderhöhe  zu  heben  waren, 
es  blieb  somit  bei  der  Wasserhaltungsmaschine  eine  mehr  als  aus- 
reichende Kraftreserve  für  Wasserdurchbrüche  zur  Disposition,  welche 
auch  wiederholt  vorgekommen  sind  und  nach  acht-,  längstens  vierzehn- 
tägiger Inundation  der  Grube  wieder  zu  Sumpf  gebracht*  wurden. 
Genaue  Rechnung  führt  zu  dem  Resultat,  dass  für  die  Wasserzuflüsse 
des  Bergbaus  Meedl  eine  Dampfmaschine,  welche  unter  den  oben 
angegebenen  Bedingungen  30  HP  effectuirt  haben  würde,  genügend 
stark  gewesen  wäre.  Während  bei  den  ursprünglichen  Wasserzugängen 
die  Wasserhaltungsmaschine  22  Stunden  per  Tag  und  Nacht  im 
Gange  erhalten  werden  musste,  trat  später  successive  der  Beharrungs- 
zustand in  den  Wasserzuflüssen  ein,  welche  sich  auf  normale 
22  Secundenliter  verminderten,  so  dass  der  Pumpenbetrieb 
auf  18  Arbeitsstunden  per  Tag  und  Nacht  reducirt  werden  konnte. 
Insbesondere  im  Frühjahr,  aber  auch  im  Herbst  haben  die  Wasser- 
zugänge durch  die  Thau-  und  Regenwässer  eine  namhafte  Vermehrung 
erfahren,  weil  die  zu  Tage  ausbeissenden  Erzlagerstätten  bis  dahin 
abgebaut  worden  sind  und  sich  nun  die  atmosphärischen  Wässer  in 
den  Pingen  sammeln  und  durch  den  „Alten  Mann"  den  Tief  bauen 
zusitzen. 

Der  Depressionskegel  der  durch  diesen  Pumpenbetrieb 
erzeugt  wurde,  war  ein  ganz  bedeutender.  Auf  den  oben  erwähnten 
Blanskoer  Wilhelmschächten,  welche  vom  Witkowitzer  Maschinenschacht 
500  m  entfernt  liegen,  i  s  t  d  e  r  n  a  t  ü r  1  i  c  h  e  G  r  u  n  d  w  a  s  s  e  r  s  p  i  e  g  e  1 
successive  13-3  w  saiger  deprimirt  worden,  so  dass  auf 
diesen  Schächten  ein  dementsprechend  hoher  E  r  z- 
p  feil  er,  der  früher  im  Gr  u  n  d  wasser  lag,  trocken  gelegt 
ohne  j  e  d  e  W  a  s  s  e  r  h  a  1  tu  n  g  a b  g  e b  a  u  t  w  erde  n  k  o  n  n  t  e.  dem 
zufolge  auch  dieser  Grubennachbar  zu  den  Kosten  der  Wasserhaltung 
beigetragen  hat.  Wie  gross  das  Depressionsgebiet  war  und  wie  langsam 
sich  dasselbe  nach  Einstellung  der  Wasserhebung  1877  mit  den  auf- 
gegangenen Grundwässern  wieder  füllte,  darüber  gibt  die  interessante 

Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  lleichsanstalt,  1899,  49.  Band,  1.  Heft.  (Kr.  Kretsclimer.)       10 


74  Franz  Kretschmer.  ["46] 

Thatsache  Aufschluss.  dass  die  Wässer  im  Maschinellschachte  von 
ihrem  tiefsten  Stande  in  58'8  m  Teufe,  erst  im  Jahre  1892  am 
Eösclienmundloch  lim  unter  der  Maschinenschächter  Hängebank 
wieder  zum  Ausiluss  kamen;  es  benöthigte  also  das  Grund- 
wasser 15  Jahre  Zeit,  um  jenes  Niveau  wieder  zu  er- 
reichen, das  ein  8-jähriger  Pumpenbetrieb  abgezapft  hat! 

Die  Förderung  besorgte  eine  achtpferdige  doppeltwirkende 
Dampfmaschine  horizontaler  Aufstellung  mit  Stephen  so  n'scher 
Coulisse  von  0*259  m  Kolbendurchmesser  und  0-458  m  Hublänge. 
Der  Treibapparat  war  durch  Zahnrad-Transmission  verbunden  und 
bestand  aus  zwei  cylinderischeii  Seiltrommeln,  wovon  eine  fix  das 
Unterseil,  die  andere  mit  Mitnehmer  construirt,  das  Oberseil  trug. 
Das  Gewicht  der  Förderschale  war  350  l-g,  des  leeren  Förderwagens 
200  AT/,  die  Nettoförderlast  600 /.y/,  somit  äussere  Seilbelastung  1150  äy/. 
Die  Förderschalen  waren  mit  der  bekannten  Ostrauer  Fangvorrichtung 
versehen,  als  Aufsatzvorrichtung  diente  ebenfalls  die  bekannte  Ostrauer 
Construction.  Die  Förderung  ging  auf  den  Hauptvorbauen  durchwegs 
in  englischen  Förderwagen  auf  Yignolschienenbahn  von  045  m  Spur- 
weite vor  sich,  nur  auf  den  Firstenstrossen  bediente  man  sich  der 
ungarischen  Förderhunde. 

Die  Dampfsp  eise  pumpe  hatte  0-131  m  Durchmesser  des 
Dampfcylinders,  0090  m  Plungerdurchmesser  und  0-238  m  gemein- 
schaftlichen Hub. 

Diese  Schachtanlage  wurde  mit  Dampf  versorgt  durch  drei 
gleiche  B  o  u i  1 1  e  u  r  k  e  s  s  e  1,  bestehend  aus  je  einem  cyliuderischen 
Oberkessel  von  6  954  m  Länge,  1-106  m  Durchmesser  und  je  einem 
Siederohr  von  4-900  m  Länge  und  0-790  m  Durchmesser,  also  mit 
einer  directen  Heizfläche  von  27  m-  und  für  5  Atmosphären  Dampf- 
spannung concessionirt.  Höhe  der  gemauerten  Esse  24-65  in. 

Der  Kohlen  verbrauch  war  erheblich,  und  betrug  26-6  q 
in  24  h.  Die  Speisewässer  enthielten  sehr  viel  Kalk-  und  Magnesia- 
carbonat,  die  im  Kessel  schaumige  und  schlammige  Massen  bildeten 
und  vom  Dampf  bis  in  die  Cylinder  der  Maschinen  mitgerissen  und 
hier  lästig  wurden.  Diesem  Uebelstande  begegnete  man  theil weise 
mittelst  Popper'scher  Blecheinlageu. 

Die  Maschinen  und  Kessel  waren  in  einem  ebenerdigen  Kiegel- 
wandgebäude  von  265  in-  verbauter  Grundfläche  untergebracht. 
Da  infolge  Entwässerung  des  Gebirges,  besonders  durch 
Trockenlegung  der  W  a  s  s  e  r  s  ä  c  k  e  und  der  damit  zu- 
sammen h  ä  11  g  e  n  d  e  n  V  o  1  u  m  v  e  r  m  i  n  d  e  r  u  n  g ,  sowie  d  u  r  c  h 
Abbau  erhebliche  Terrainsetzungen  eintraten,  so  er- 
schien hier  eine  leichte,  sich  gleichmässig  nachsen- 
kende Riegel  wand  sehr  am  Platze.  Mit  dem  Maschinen- 
schachtgebäude  einen  Hofraum  bildend,  sind  noch  vorhanden:  eine 
Grubenschmiede  und  Magazin  79  m^,  ein  Zechenhaus  mit  Arbeiter- 
wohnung 165  ni^,  weiter  davon  ein  Steigerhaus  228  m'^;  das  Ganze 
repräsentirt  sich  noch  heute  als  eine  recht  schmucke  Bergwerksanlage. 
Unterhalb  dem  Maschinenschachte  stehen  zwei  Rostöfen,  in  denen 
seinerzeit  feste,  zum  Theile  kaum  verhüttungswürdige,  weil  schlecht 
geschiedene  Stuferze  geröstet  w^urden. 


147]  Dio  Eisouerzlagerstätten  des  mährischen  Devon.  75 

Die  Jahresproductioii  des  Witkowitzer  Bergbaues 
Meedl  war  bei  der  Abhängigkeit  von  der  jeweiligen  Conjunctur 
der  Eisenindustrie  eine  schwankende,  speciell  der  Witkowitzer 
Maschinenschacht  förderte  in  den  letzten  drei  Jahren  seines  Voll- 
betriebes von  1873  bis  einschliesslich  1875  im  Durchschnit  120.000  q 
Magnet-  und  Rotheisenerze  jährlich,  welche  mit  der  Belegschaft  von 
100  Mann  zum  Gestehungskostenpreis  von  39-6  Kreuzer  per  100  k</ 
erbauen  und  zu  Tage  gefördert  worden  sind.  Es  beträgt  somit  die 
per  Kopf  der  beschäftigten  Arbeiterzahl  erzielte  Jahresförderung  1200  7 
und  1000 5  der  Erzförderung  absorbirten  einen  Materialaufwand  von: 


81       q 

Kesselkohle 

6-4  fm 

Grubenholz 

25      kg 

diverses  Eisen 

3-5  ,; 

Dynamit 

23       „ 

Rüböl  als  Grubengeleucht 

2.  Der  Eisenberger  Berbgau  bei  Meedl. 

Derselbe  war  nur  von  beschränktem  Umfange  und  baute  zumeist 
auf  dem  Erzlager  III  der  östlichen  Lagergruppe,  welches 
hier  sehr  mächtige,  leicht  gewinnbare  Stuf-  und  Schlicherze  führt. 
Der  Aufschluss  geschah  durch  mehrere,  in  der  Aloisiazeche  abgeteufte 
Haspelschächte  von  circa  31  m  mittlerer  Bauteufe.  Der  A  b  b  a  u 
bewegte  sich  also  durchwegs  in  oberen  Teufen  oberhalb 
dem  Grundwasserspiegel,  und  auch  heute  stehen  daselbst 
oberhalb  dem  letzteren  noch  reiche  und  bedeutende  E  r  z  m  i  1 1  e  1 
an.  Dieser  dem  Fürsten  Johann  Liechtenstein  gehörige  Berg- 
bau kam  zum  Erliegen,  weil  der  Hochofen  zu  Eisenberg  a.  d. 
March  1873  ausgeblasen  wurde.  Die  Jahresproduction  bezifferte 
sich  bei  13  bis  15  Mann  Belegschaft  auf  rund  14.000  q,  wovon  der 
Classe  nach  50  bis  60%  reiclie  Magnet-  und  Rotheisenerzstufen  und 
40   bis  500/0  Magneteisenerzschliche. 

3.  Der  Blanskoer  Bergbau  bei  Meedl  und  Storzendorf. 

Auf  diesem  dem  Fürsten  II  u  g  0  S  a  1  m  gehörigen  Bergbau 
sind  mit  den  Haspel  schachten  in  der  Barbarazeche  bei 
Meedl  die  Erzlager  II  und  III  der  östlic  h  en  Lagergruppe, 
welche  auch  hier  sehr  mächtig  und  reich  sind,  bis  zum  Grundwasser- 
spiegel abgebaut  worden;  das  Fortstreichen  derselben  von  da  gegen 
NO  zum  Grenzgraben  und  darüber  hinaus  wurde  durch  Schurfversuche 
constatirt;  dem  weiteren  Vordringen  in  jene  Teufe,  wo  bauwürdige 
Lagerungen  auftreten,  hat  Wassernoth  Einhalt  gethan,  jedoch  sind 
überall  uralte  Gruben])aue  angefahren  worden,  die  auf  bauwürdigen 
Erzlagern  umgegangen  sind. 

Zum  Aufschluss  des  Lie  gen  dlagers  auf  der  W  ilhelms- 
zeche  im  Riede  „Bei  den  Schächten"  hat  man  den  Barbara- 
stollen herangeführt,  dessen  Mundloch  bei  der  sogenannten  „Alten 
Weide«    oberhalb  Meedl    im    Grenzgraben    gegen  Storzendort    hegt: 

10* 


7R  FYanz  Krctschmer.  [48] 

derselbe  diente  dem  Zwecke  der  Wasserlosung  und  brachte  auf  den 
Wilhelmsclüichten  oO  m  Saigerteufe  ein.  Auch  dieser  Stollen  begegnete 
bei  seiner  Auffahrung  in  den  zersetzten,  in  Berührung  mit  Wasser 
sehr  beweglichen  Diabasschiefern  und  ihren  Tuffen  solch'  grossem 
Druck,  dass  die  stärkste  Zimmerung  keinen  Widerstand  zu  leisten 
vermochte;  später  theilweise  in  Bruchstein -Mauerung  gesetzt,  ist 
auch  diese  letztere  arg  deformirt  worden. 

Die  Haspelschäclite  Wilhelm  I,  II  und  III  entsprachen  haupt- 
sächlich dem  Zwecke  der  Förderung,  womit  die  Erzlager  bis  zur 
Stollensohle  abgebaut  wurden.  Als  später  der  Witkowitzer  Maschinen- 
schacht den  Grundwasserspiegel  successive  l3'o  m  tiefer  legte,  sind 
dann  die  genannten  Haspelschächte  von  bisherigen  oC)  m  bis  49'o  m 
im  Trockenen  tiefer  nachgeteuft  und  die  Erzlager  ohne 
W  a  s  s  e  r  e  r  h  a  1 1  u  n  g  s  k  0  s  t  e  n  d  e  m  A  b  b  a  u  zugeführt  worden. 
Nach  Einstellung  des  erwähnten  Maschinenschachtes  1877  hat  man 
noch  zwei  Jahre  weiter  gearbeitet,  bis  auch  hier  die 
G  r  u  n  d  w  ä  s  s  e  r  w  i  e  d  e  r  successive  aufgegangen  sind,  dem- 
zufolge dieser  Tlieil  des  Bergbaues  ebenfalls  bis  zur  Wiederaufnahme 
des  maschinellen  Pumpenbetriebes  still  liegen  muss. 

Am  Storz  endorf  er  Erzberg  galten  anfänglich  zwei  links 
des  Fahrweges  von  Storzendorf  nach  Dörfel  abgeteufte  Versuch- 
schächte der  Aufsuchung  des  Erzvorkommens  überhaupt,  der  eine 
davon  erreichte  beill"4y//  das  natürliche  Wasserniveau  und  ist  damit 
ein  schwaches,  dunkelstahlgraues  Magneteisenerz  abgebaut  worden.  — 
Rechts  von  dem  gedachten  Vei'bindungswege  Storzendorf — Dörfel  hat 
man  den  sogenannten  Pumpenschacht  abgeteuft,  womit  bei  \bm 
Teufe  der  natürliche  Grundwasserspiegel  erteuft  wurde ;  mit  Iland- 
pumpen  hat  man  sodann  den  Versuch  gemacht,  unter  die  uralten  Baue 
zu  kommen,  weitere  2  m  abgeteuft,  jedoch  diese  Arbeit  nach  hart- 
näckigem Wasserkampfe  aufgegeben.  Die  angefahrenen,  uralten,  aus- 
gedehnten Verhaue  setzen  tief  unter  die  erreichte  Sohle  herab,  die- 
selben enthalten  viel  altes  Grubenholz  und  aus  festen  Stuferzen 
hergestellten  Versatz. 

Nachdem  man  sich  dergestalt  überzeugt  hat,  dass  die  Wasser- 
zuflüsse mittelst  Hand  nicht  zu  bewältigen  sind  und  die  „Alten"  mit 
der  weiter  oben  beschriebenen  Stollenanlage  die  Erzlagerstätten  viel 
tiefer  gefasst  und  abgebaut  haben,  ist  man  1891  zur  Anlage  eines 
M  a  s  c  h  i  n  e  n  s  c  h  a  c  h  t  e  s  geschritten,  welcher  circa  200  m  gegen  NO 
von  Storzendorf  entfernt,  knapp  rechts  vom  wiederholt  angeführten 
Fahrweg  nach  Dörfel  angeschlagen,  2-b  m  lang,  1-2  m  breit  gemacht 
und  mit  zwei  Förder-  und  einer  Fahrabtheilung  versehen  worden  ist. 
Zur  Wasserhebung  diente  eine  unterirdische  Wasserheb- 
maschine von  0215  Dampfcylinder  =  0'170  m  Plungerdurchmesser 
und  0172m  gemeinschaftlichem  Hub;  den  Dampf  besorgte  eine  am 
Tage  in  einer  Nothkaue  untergebrachte  Loco  mobile,  deren 
Dampfkessel  low-  Heizfläche  besass  und  für  5  Atmosphären  Ueber- 
druck  concessionirt  war.  Diese  Dampfpumpe  zeigte  sich  in  der  Folge 
als  für  die  Wasserzufliisse  nicht  ausreichend.  Trotzdem  ist  es  gelungen, 
den  Maschinenschacht  soweit  abzusinken,  dass  man  in  41  m  Teufe  die 
1.  Tiefbausohle  fassen  und  die  oben  geschilderten,    reichen  Erzlager 


r491  Hie  Kisonoizlag(;rstätten  dos  mährischen  Devon.  77 

ausrichten  konnte;  dabei  zeigte  sich,  class  die  Alten  bis  zu  der 
e  r  h  e  b  1  i  (•  h  e  u  T  e  u  f  e  von  Ho  m  li  e  r  a  b  g  e  li  o  ni  ni  e  ii  w  a  r  e  n ,  was 
mit  IliU'ksiclit  auf  die  bedeutenden  Wasserzugänge  nur  mit  Hilfe  des 
oben  erwähnten  Stollens  möglich  war.  Die  geschilderte  Schachtanlage 
hatte  nur  den  Charakter  eines  \'ersuches  an  sich,  doch  ehe  man  an 
die  Ausführung  der  p  r  o  j  e  c  t  i  r  t  e  u  definitiven  Anlage  gelangen 
konnte,  ist  auch  dieser  Tiieil  des  Bergbaues  trotz  der  sehr  günstigen 
und  reichen  Erzanbrüche  189)3  wegen  Auflassung  des  Hochofen- 
betriebes in  Blansko  zum  Stillstand  gekommen.  Eine  definitive 
Maschinenschachtanlage  für  dieses  Vorkommen  möchte  vortheilhaft 
ihre  Position  links  des  Weges  von  Storzendorf  nach  Dörfel  erhalten. 

Die  J  a  h  r  e  s  p  r  0  d  u  (;  t  i  0  n  d  e  s  ß  l  a  n  s  k  o  e  r  B  e  r  g  b  a  u  e  s  bei 
Meedl  und  Storzendorf  betrug  durchschnittlich  bei  der  Beleg- 
schaft von  25  bis  30  Mann  abgerundet  24.0UÜ  q.  Beim  Bergbau  Meedl 
und  Storzendorf  sind  somit  von  den  drei  Gewerkschaften 
zusammen  in  den  Jahren  des  Witkowitzer  Maschinenschacht- 
betriebes  circa  158.000  <^  Eisenerze  im  Durchschnitt  pro 
Jahr  gefördert  worden.  — 

W^as  die  Zukunft  des  Bergbaues  bei  Meedl  betrifft,  so 
ist  hervorzuheben,  dass  dieses  Erzvorkommen  die  ergiebigste  und 
reichste  E  r  z  n  i  e  d  e  r  1  a  g  e  de  r  m  ä  h  r  i  s  c  h  -  s  c  h  1  e  s  i  s  c  h  e  n 
Devonformation  darstellt,  welche  heute  noch  dem  d er- 
einstigen Abbaue  vorbehalten  ist.  Allerdings  sind  die  Erze 
in  dem  W  i  tk  o  w  i  tz  e  r  M  a  a  s  s  e  n  c  o  m  p  1  e  x  oberhalb  dem  natürlichen 
Grundwasserspiegel  bis  auf  untergeordnete  Pfeilerreste  fast  gänzlich 
aufgebaut,  ferner  hat  der  Witkowitzer  Maschinenschacht  die  Erzlager 
I  und  II,  sowie  Theile  der  Lager  III,  soweit  dieselben  in  den  Witko- 
witzer Feldesantheil  hineinfallen,  auf  der  I.  Tiefbausohle  abgebaut, 
obwohl  auch  hier  nocli  unabgebaute  Lagertheile  zurückgeblieben  sind; 
dagegen  war  die  II.  Tiefbausohle  erst  in  der  Vorrichtung  begritfen 
und  hat  daselbst  der  Abbau  kaum  begonnen.  Die  in  den  Eise  n- 
berger  Montanbesitz  fallenden  Erzlager  sind  nicht  einmal  bis 
zum  natürlichen  Grundwasserspiegel  gänzlich  verhauen  und  steht 
somit  die  Hauptmasse  dieser  Erze  noch  zur  künftigen 
Disposition.  Auf  den  Blansko  er  W  il  h  el  m  schäc  hte  n  hat 
man  mit  dem  sinkenden  Grundwasser  eine  relativ  geringe  Pfeilerhöhe, 
der  westlichen  Lagergruppe  weggebaut.  Alles  übrige,  also  die 
Hauptmasse  der  Erze,  n  amen  tli  ch  das  Lager  III  als 
mächtigstes  der  östlichen  Lagergruppe,  ist  auch  hier 
noch  zum  grössten  Theile  unverritzt,  dem  künftigen 
Abbau  vorbehalten.  Wenn  man,  um  sicher  zu  gehen,  blos  bis  zu 
einer  künftigen  III.  Tiefbausohle  rechnet,  wohin  die  absoluten  und 
relativen  Erzaufschlüsse  reichen,  so  ergibt  diese  Schätzung,  dass 
sich  der  Erzrei  chthum  bei  Meedl  auf  4  —  5  Millionen 
metrische  Centner  beziffert,  wobei  darauf  Rücksicht  ge- 
nommen ist,  dass  man  bei  der  Kuttung  und  Scheidung  der  Erze 
rigoros  zu  Werke  geht,  nur  Magneteisenerz-Schliche  gewinnt  und  von 
den  festen  Magnet-  und  Botheisenerz -Stufen  nur  die  quarzarmen, 
eisenreichen  mitfördert,  alles  andere  als  Versatz  oder  angebaut  in 
der  Grube  belässt. 


78  Franz  Krctschmer.  [50] 

Um  bei  Meedl  einen  rationellen  Bergbau  mit  billigen  Productions- 
kosten  zu  ermöglichen,  ist  es  nothwendig,  dass  der  zerstückte 
M  0  n  t  a  n  b  e  s  i  t  z  V  0  r  e  r  s  t  z  u  s  a  m  m  e  n  g  e  s  c  li  1  a  g  e  n  w  e  r  d  e  ;  dann 
genügt  für  das  Erzvorkommen  bei  Meedl  ein  einziger  Maschinen- 
schacht mit  gleichlangen  Schachtfiügeln  von  dem  aus  die  Ausrichtung 
und  der  Abbau  in  zweckentsprechender  Weise  erfolgen  kann.  Dagegen 
empfiehlt  sich  für  das  Vorkommen  am  Erzberg  bei  Storzendorf  selbst- 
redend eine  separate  Maschinenschachtanlage,  weil  ein  übermäßig 
grosses  Schachtfeld  wegen  kostspieliger  Erhaltung  sehr  langer  und 
druckhafter  Bausohlenstrecken  nicht  rationell  wäre. 


C.  Bergbau  Pinke. 

Am  Pinker  Berge,  der  isolirten  Erhebung  zwischen  dem 
Galgen  berge  bei  Mähr.-N  eustadt  und  dem  Dorfe  Pinke, 
treten  zahlreiche  Erzlagerstätten  auf,  deren  Fortsetzung  nach  beiden 
Streichrichtungen  über  den  Umfang  des  Berges  hinaus  gegen  NO  und 
SW  denudirt  und  durch  Löss  verdeckt  erscheint;  dieselben  setzen, 
soweit  sie  durch  Bergbaubetrieb  bekannt  wurden,  am  südöstlichen 
Ausgange  von  Pinke,  beziehungsweise  am  SW-Fusse  des  Berges  ein, 
streichen  über  den  Scheitel  des  letzteren  hinweg  und  endigen  am 
nordöstlichen  Fusse  der  Erhebung,  das  ist  am  Verbindungswege 
Mähr.-Neustadt — Königlosen. 

Diesem  Vorkommen  sind  die  Fig.  2 — 5  auf  Taf.  IV  (2)  gewidmet, 
wovon  Fig.  2  einen  markscheiderisch  genauen  Grundriss  der  Erzlager, 
sowie  der  sie  umschliessenden  Gesteine  auf  der  L  Tiefbausohle  des 
Maschinenschachtes  "darstellt,  während  die  Figuren  3,  4  und  5  Profile 
gut  aufgeschlossener  Theile  der  Lagerstätten  wiedergeben.  Ihre 
mächtige  und  vollständige  Entwicklung  fanden  die  obgedaehten  Erz- 
lager am  Scheitel  des  Berges  zu  beiden  Seiten  des  Ver- 
bindungsweges Mäh  r.-  N  e  u  s  t  a  d  t  —  P  i  n  k  e  und  lassen  hier  —  wo 
der  Bergbau  hauptsächlich  umgegangen  ist  —  zwei  voneinander 
in  der  Richtung  de  s  Haupts tr eiche ns  durch  eine  taube, 
30  m  lange  G  e  s  t  e  i  n  s  z  o  n  e  getrennte  L  a  g  e  r  g  r  u  p  p  e  n  er- 
kenne n,  und  zwar  liegt  die  s  ü  d  1  i  c  h  e  G  r  u  p  p  e  dicht  beim  gemein- 
schaftlichen M  a  s  c  h  i  n  e  n  s  c  h  a  c  h  t ,  südöstlich  des  Zöptauer  Z  e  c  h  e  n- 
h aus  es,  zwischen  diesem  einerseits  und  dem  steinernen  Kreuz  am 
gedachten  Pinker  Verbindungswege  andererseits.  Von  dieser  Gruppe 
am  Streichen  vorkommend,  folgt  auf  die  Vertaubung  —  darauf  das 
erwähnte  Zeclienhaus  steht  —  von  letzterem  gegen  NO  die  nörd- 
liche Lager gruppe,  welche  unterhalb  des  verlassenen  Stein- 
bruches der  Stadtgemeinde  Mähr.-Neustadt  endigt. 

Die  südliche  Lag  er  gruppe  umfasst  7  Erzlager,  welche 
vom  Hangend  zum  Liegend  in  nachstehender  Reihe  folgen  : 

Das  Lager  I  (Hubert  lag  er  genannt)  ist  im  Maschinen- 
schacht erteuft  worden,  gestaltet  sich  jedoch  nur  auf  der  II.  Tief- 
bausohle bauwürdig,  setzt  wohl  unter  letztere  herab,  sitzt  aber  dort 
schon  theihveise  auf  dunklem  C  rin  oidenk  alkstein ;  oberhalb 
der  I.  Tiefbausohle  spitzt  es  aus,  oder  führt  dort  nur  Kieseleisensteine ; 


[51]  Die  Eisenerzlagerstäften  des  mährischen  Devon.  79 

seine  streichende  Länge  beträgt  153  m  nach  2  li  12",  das  Fallen 
ist  unter  <^  70"  nach  20  h  12^.  Mit  dem  Bausohlenquerschlage  im 
II.  Tiefbau  ist  dasselbe  5"65  /w  mächtig  verquert  worden,  bestehend 
aus  zusammen  3*40  m  mächtigem  S  t  u  f-  u  n  d  S  c  h  1  i  c  h  e  r  z ,  sowie 
Kieseleisensteinbänken,  mit  2"25  m  tauben  Mitteln  in 
Wechsellagerung;  gegen  SW  nimmt  er  beim  südlichen  Verbindungs- 
querschlage den  gedachten  Kalkstein  auf,  so  dass  hier  vom  Hangend 
zum  Liegend  auf  0-G  w  Schlicherz,  O'T  m  Crinoid  enkalk  und 
2-8  w  K  i  e  s  e  1  e  i  s  e  n  s  t  e  i  n  folgen,  und  die  ganze  Mäclitigkeit  4*  1  m 
beträgt.  Im  Durchschnitt  wechselt  die  Mächtigkeit  der  bau- 
würdigen S  c  h  1  i  c  li  e r  z  e  (R  o  t  h  e  i  s  e  n  e  r  z  m  u  1  m)  dieses 
Lagers  von  1  bis  3m,  solche  der  Kieseleisensteine  am  Liegenden 
in  denselben  Grenzen.  Gegen  SW  verbindet  sich  das  Lager  I  mit 
dem  Lager  III  und  bildet  dort  eine  3  bis  6  m  mächtige  Linse 
reiner  S  c  h  1  i  c  h  e  r  z  e. 

Von  untergeordneter  Bedeutung  ist  das  Lager  II  (auch 
Grenz  lag  er  genannt),  das  vom  vorigen  durch  eine  20  w  mächtige 
Zwischenlagerung  getrennt  wird;  dasselbe  ist  beim  Hauptquerschlag 
auf  der  IL  Tiefbausohle,  wo  es  bauwürdige  Schlicherze  führt,  nur 
52  m  lang  im  Streichen,  auf  der  I.  Tiefbausohle  blos  durch  ein 
5  m  mächtiges  Kieseleisensteinlager  vertreten ;  es  streicht  2  h  8", 
fällt  unter  <  72"  nach  20  h  8",  die  durchschnittliche 
M  ä  c  h  t  i  g  k  e  i  t  d  e  r  b  a  u  w  ü  r  d  i  g  e  n  E  r  z  e  b  e  t  r  ä  g  t  3  ?w.  Unterhalb 
der  II.  Tiefbausohle  führte  es  noch  4  m  mächtige  Schlicherze,  war 
jedoch  nur  mehr  16  m  lang  und  wird  gegen  SW  durch  Kalkstein 
verdrückt.  In  demselben  Schichtenniveau  findet  sich  auf  der  IL  Tief- 
bausohle eine  belanglose  Erzeinlagerung  beim  südlichen  Verbindungs- 
querschlag; dieselbe  ist  nur  kurz  im  Streichen,  besteht  aus  05  bis 
l'O  m  Schlicherz,  sowie  0-5  m  Kieseleisenstein  am  Liegend  und 
spitzt  aber  sowohl  oberhalb  als  auch  unterhalb  der  IL  Tiefbausohle 
gänzlich  aus. 

SW  vom  Maschinenschacht  lagert  beim  südlichen  Verbindungs- 
Querschlage  das  Hubertlager  III,  welches  jedoch  auf  der  zweiten 
Strosse  oberhalb  der  IL  Tiefbausohle  auskeilt;  auf  der  I.  Tiefbau- 
sohle enthält  es  vielen  Kieseleisenstein,  besitzt  durchschnittlich 
circa  3  m  Mächtigkeit,  erscheint  zunächst  50  m  lang 
im  Streichen,  verbindet  sich  gegen  SW  mit  dem  Lager  I  und 
übersetzt  sodann  ins  Hangende,  wo  es  1876,  kurz  vor 
d  e  r  B  e  t  r  i  e  b  s  e  i  n  s  t  e  1 1  u  n  g,  4  >M  mächtig  angehauen,  jedoch 
auch  später  nicht  weiter  untersucht  w  o  r  d  e  n  i  s  t.  Das 
Streichen  des  Hubertlagers  III  ist  nach  3  h  1«  und  das  Fallen 
21h  1"  gerichtet.  Auf  den  mittleren  Strossen  der  IL  Tief- 
bausohle ist  das  Erzlager  länger,  beiläufig  75  m  und 
3-3  m  mächtig,  und  zwar  in  der  Mitte  1-5  m  Schlich  erz,  am 
Hangend  und  Liegend  je  13  m,  beziehungsweise  0-5  m  Kiesel- 
eisenstein. 

D  a  s  L  a  g  e  r  IV  ■;  H  a  n  g  e  n  d  s  t  r  e  i  c  h  e  n  g  e  n  a  n  n  t )  setzt  gleich 
unter  dem  Löss  am  Tage  ein  und  verflächt  durch  alle  Sohlen  bis 
unterhalb  die  IL  Tiefbausohle  in  bauwürdiger  Mächtigkeit,  indess 
seine    daselbst    125    m    betragende   Länge    im    Streichen 


80  Franz  Kretschmer.  [52] 

«ach  der  Wettersohle  liiii  zunimmt,  von  da  gegen  den  Tag  abnimmt. 
Das  Streichen  ist  3  h  1«,  das  Fallen  21  h  P  <  67".  Die  durch- 
schnittliche Mächtigkeit  dieses  Erzlagers  (welches  mit  den 
Lagern  V  und  VI  den  Hauptschatz  der  Witkowitzer  Grube  bildet) 
beträgt  4  bis  10  m,  hievon  entfallen  auf  die  in  wiederholter 
Wechsellagerung  auftretenden  K  i  e  s  e  1  e  i  s  e  n  s  t  e  i  n  e  2  bis  6  ni, 
während  die  reinen  Schliche  (untergeordnet  reiche  Stufen)  durch- 
schnittlich 2*0  bis  4-5  m  Mächtigkeit  besitzen ;  ausserdem  fanden  sich 
am  nordöstlichen  und  südwestlichen  Ende  dieses  Erz- 
lagers auf  allen  Sohlen  Linsen  reiner  Schlicherze,  die 
bis  5,  8,  ja  10  m  Mächtigkeit  anschwellen.  Unterhalb  der 
IL  Tiefbausohle  ist  die  Mächtigkeit  der  Schlicherze  noch  1  bis  2-5  m 
mit  Anschwellungen  bi&  4  m,  jedoch  bei  abnehmender  streichender 
Länge  constatirt  worden,  da  auch  hier  Kalkstein,  von  dem 
in  den  oberen  Sohlen  keine  Spur  war,  die  Stelle  der 
Erze  einzunehmen  beginnt. 

Auch  das  Lager  V  (Mittelstreichen  genannt)  setzt  vom 
Tage  unterm  Löss  durch  alle  Sohlen  hinab  ;  es  hat  die  g  r  ö  s  s  t  e 
streichende  Länge,  und  zwar  bis  zum  Witkowitzer  Wetter- 
0  f  e  n  s  c  h  a  c  h  t  140 ,  darüber  hinaus  bis  zum  S  o  p  h  i  e  n  f  u  n  d- 
schacht  198  m;  wie  weit  es  von  da  noch  südwestlich  fortstreicht, 
ist  nicht  untersucht  worden.  Seine  Mächtigkeit  wechselt  von 
1"0  bis  50  ni.  und  besteht  zumeist  aus  reinen  Schlich  erzen 
mit  untergeordneten  Stuf  erzen  am  Liegenden;  die  bis 
5  ni  mächtigen  Schlicherzanschwellungen  sind  auf  den  verschiedenen 
Sohlen  innerhalb  der  Lagerstätte  zufällig  bald  da,  bald  dort  vertheilt. 
Auch  dieses  Lager  wird  gleich  dem  anderen  von  mehr  weniger 
mächtigen  Kieseleisensteinen  begleitet,  es  streicht  2  h  10"  und 
fällt  20  h  10«  unter  <  Gö".  Unterhalb  der  IL  Tiefbausohle  wurde 
dieses  Erzlager  1*5  bis  bis  l'Om  mächtig  im  Wasser  verlassen, 
hievon  die  bauwürdige  Erz  mäch  tigkeit  l'ö  bis  3-0  m 
beträgt,  wiewohl  auch  hier  bis  b  m  starke  E  r z  1  i n s e n  auf- 
setzen, das  übrige  sind  Kieseleisensteine  und  taube  Einlagerungen; 
den  Kalkstein  hat  man  jedoch  auf  diesem  Erzlager 
noch  nirgends  gesehen. 

Eine  untergeordnete  Lagerstätte  bildet  das  Lager  VI  (Liegend- 
streichen g  e  n  a  n  n  t),  von  dem  vorigen  durch  ein  6  m  starkes 
Gesteinsmittel  getrennt.  Dasselbe  ist  blos  38  m  im  Streichen 
lang,  Ibis  2  m  mächtig,  wiewohl  linsenförmige  Erweiterungen 
der  bauwürdigen  Erzmä  chtigk  eit  bis  6  m  auch  hier  nicht 
fehlen.  Das  Lager  streicht  2  h  5"  und  fällt  20  h  5»  unter  <  IV 
vom  Tage  herab  durch  alle  Sohlen  ein  und  ist  auf  der  IL  Tief- 
bausohle in  unverminderter  Mächtigkeit  und  Länge 
anstehend  im  Wasser  verlassen  worden. 

Auf  eine  circa  36  m  mächtige  taube  Zwischenlagerung  folgt 
das  Lager  VII  (Marialager  genannt),  welches  Qine  Ibis  3m 
mächtige  Ausscheidung  reiner  S  c  h  1  i  c  h  e  r  z  e  mit 
bauchigen  P^rweit  erungen  bis  zu  5  m,  in  einem  10,  15 
bis  28  m  mächtigen  K i eseleisenstein lager  darstellt. 
Der  bauwürdige  Ilotheisenerzmulm    ist    mit    geringer  Unterbrechung 


[531  I^ie  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen  Devon.  81 

bis  nun  auf  103  m  streichender  Länge  aufgeschlossen, 
ohne  in  der  Richtung  gegen  NO  das  Ende  erreicht  zu 
haben,  da  der  weitere  Aufschluss  wegen  Einstellung  des  Bergbau- 
betriebes unterblieb.  Das  Erzlager  streicht  2  h  0^  und  fällt  unter 
<  70^  nach  20  h  0^,  es  setzt  gleich  unter  Tags  ein,  keilt  jedoch  auf 
der  ersten  Tiefbausohle  zum  grösseren  Theile  aus.  Von  besonderem 
Interesse  ist  es,  dass  das  umschliessende,  mächtige  Kieseleisenstein- 
lager auf  derselben  Sohle  plötzlich  mitauskeilt  (s.  Taf.  IV  (2),  Fig.  3) ; 
nur  vereinzelte  Trümmer  von  Kieseleisenstein  erreichen  die  I.  Tief- 
bausohle. Obwohl  nicht  herabsetzend,  wurde  dieses  Lager  dessen- 
ungeachtet in  den  Grundriss  Fig.  2  aufgenommen,  um  überhaupt 
eine  Vorstellung  davon  zu  vermitteln. 

Das  Marialager  findet  allem  Anscheine  nach  seine  südwestliche 
Fortsetzung  auf  dem  früheren  M  a  r  i  a  s  c  h  a  c  h  t  I,  wo  ebenfalls 
durchschnittlich  l'Om  mächtige  Schlicherze  in  Begleitung 
von  Eisenkiesel  abgebaut  wurden.  Demselben  Schichtenniveau  dürften 
auch  die  mit  den  ehemaligen  Theresiaschächten  I  und  II,  sowie 
die  im  Brunnen  de  s  Gärtnerhauses  Nr.  17in  Pinke  erteuften 
Erze  angehören.  Auf  den  genannten  Theresiaschächten  hat  man 
nämlich  zwei  schwache  S  c  h  1  i  c  h  l  a  g  e  r,  bis  zum  unteren  Aus- 
biss  in  der  Saigerteufe  von  35  m,  gänzlich  zu  Ende  verhauen.  Das 
Streichen  des  Marialagers  ist  insbesondere  gegen  NO  zu  wenig  unter- 
sucht, um  darüber  ein  abschliessendes  Urtheil  fällen  zu  können; 
hier  ist  auf  dem  Mariaschachte  II  kurz  vor  der  Betriebs- 
einstellung ein  bis  bm  mächtiges,  bislang  52m  im  Streichen 
aufgeschlossenes  Schlicherzlager  angefahren  worden.  Wie 
weit  es  noch  gegen  NO  fortsetzt,  ist  unbekannt;  jeden  falls  dürfte 
man  es  hier  mit  einer  beachtenswerten  Erzaus- 
scheidung zu  thun  bekommen. 

Die  nördliche  Lagergruppe  begreift  wohl  nur  drei,  aber 
mächtige  Erzlager  in  sich,  und  zwar : 

I.  Lager  (auch  Hang  endlag  er  genannt)  und  das 
Lager  II  (Hauptlager  genannt)  gehören  dem  südöstlich  des 
Zöptauer  Wetterofenschachtes  vorkommenden,  30  m  mächtigen 
Kieseleisensteinstock  an,  in  welchem  sie  zwei  selbständige 
Erzausscheidungen  in  der  Mitte  und  am  Liegenden  dieser  Lagerstätte 
bilden.  (Vergl.  Taf.  IV  (2),  Fig.  4.)  Diese  beiden  Erzlager  vereinigen 
sich  in  der  Nähe  des  mehrerwähnten  Zechenhauses  und  verfolgen  von 
da  ab  gegen  NO  ein  divergentes  Streichen,  indem  das  Lager  I  nach 
2  h  0»  streicht  und  unter  <  58  bis  78«  nach  20  h  0«  einfällt;  dagegen 
ist  das  Streichen  des  Lagers  II  3  h  8"  und  das  Fallen  unter  <  53 
bis  630  nach  21  h  3^  gerichtet.  Vom  Wetterofenschächter-Querschlage 
ungefähr  12  7n  gegen  NO  nimmt  das  stetig  stärker  werdende,  aus 
Kieseleisensteinen  bestehende  Mittel  zwischen  den  beiden  Erzlagern, 
Diabasschiefer  und  Kalkstein  auf. 

Das  I.  Lager  hat  vom  Zechenhause  bis  zu  seinem  Ende  an 
dem  mächtigen  Kieseleisensteinlager,  welches  am  Tage  im  verlassenen 
Steinbruch  der  Stadtgemeinde  Mähr.- Neustadt  für  die  Zwecke  der 
Strassenpflasterung  seinerzeit  abgebaut  wurde,  eine  bauwürdige 
streichende  Länge  von  150  m.    Die  reichen  Schlicherze 

Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsaustalt,  1899,  49.  Band,  1.  Heft.  (Fr.  Kretschmer.)        n 


g2  Franz  Kretschnier.  [54] 

wechseln  in  der  Mächtigkeit  von  l'O  bis  4-5  und  5-5  m, 
indem  sich  die  Lagerstätte  local  zu  mehr  weniger  langen  Erzlinsen 
erweitert.  Am  Hangenden  wird  diese  letztere  von  einem  13  bis  14  w 
mächtigen  Kieseleisensteinlager  begleitet,  das  identisch  ist  mit  dem- 
jenigen, welches  in  dem  erwähnten  Steinbruche  entblösst  erscheint 
und  hierorts  am  Hangenden  auf  der  I.  Tiefbausohle  ein  schwaches 
und  a  r  m  e  s  S  c  h  1  i  c  h  e  r  z  1  a  g  e  r  mitführt ;  dasselbe  hat  sich,  obwohl 
73  in  im  Streichen  nach  3  h  IP  verfolgt,  nirgends  bauwürdig  auf- 
gethan.  Das  I.  Lager  wird  6bisl0m  unter  der  L  Tiefbau  sohle 
durch  den  oben  geschilderten  weissen  bis  hellgrauen 
und  massigen  Kalkstein  abgeschnitten;  die  festen  Kiesel- 
eisensteine am  Hangenden  setzen  wohl  in  grössere  Teufen  herab, 
ohne  jedoch  bauwürdige  Erzausscheidungen  mitzu- 
f  ü  hr  en. 

Das  Hauptlager  besitzt  vom  Zechenhause  bis  zum  Ueber- 
brechen  VII  eine  bauwürdige  Länge  von  1 59  in,  von  da  setzt 
es  noch  50  m  in  unbauwürdigem  Zustande  bis  zum  Verbindungs- 
querschlag IV  fort,  so  dass  dessen  ganze  Länge  bis  zum  Ausbiss  209  m 
beträgt ;  seine  Mächtigkeit  ist  starkem  Wechsel  unterworfen  und 
schwankt  von  1*0  bis  4,  6*5  und  8  tn,  doch  kommen  local 
auch  stockförmige  Erz  aussehe!  dun  gen  vor,  deren 
Mächtigkeit  bis  14  und  selbst  18  m  anschwillt,  allerdings 
sind  diese  grossen  Erzkörper  hauptsächlich  durch  grobschotterig 
desaggregirte  Kieseleisensteine,  welche  bei  der  Erz- 
gewinnung ausgerecht  werden  müssen,  verunreinigt.  Wie  die  Profile 
Fig.  4  und  5  zeigen,  wird  das  Hauptlager  schon  auf  der  I.  Tiefbau- 
sohle, und  zwar  am  Wetterofenschachte  durch  Kalkstein,  20  m 
im  Streichen  unterbrochen.  Der  letztere  bildet  daselbst  eine  aus- 
gedehnte, bis  zur  3.  Firstenstrosse  emporragende  Kuppe, 
welche  an  ihrer  Oberfläche  zu  rundlich  abgenagten 
Blöcken,  Klippen  und  Felswänden  zerfallen  erscheint, 
und  auf,  sowie  zwischen  denen  die  Sc lilic herze  und 
Kieseleisensteine  sitzen.  Von  dieser  Unterbrechung  weiter 
gegen  NO,  fällt  der  Kalkstein  unter  die  I.  Tiefbausohle,  wohin  das 
Hauptlager  8  m  tief  hinabsetzt  und  dort  in  trichterförmigen 
und  höhlenartigen  Räumen  im  Crinoidenkalkstein 
lagert.  Zahlreiche,  ringsum  abgenagte,  viele  Cubikmeter  grosse 
Kalkstein  blocke  —  Ueberreste  der  hydrochemischen  Vorgänge 
—  finden  sich  auch  hier  lose  in  Seh  lieh  erzen  eingebettet; 
sie  reichten  auch  hier  stellenweise  bis  zur  dritten  Firstenstrosse  auf 
der  I.  Tiefbausohle  hinauf. 

Durch  ein  Schiefermittel  von  24  m  abgesondert,  folgt  im  nord- 
östlichen Felde  das  reiche  Liegendlage^r;  dasselbe  ist  auf  der 
I.  Tiefbausohle  mit  dem  Verbindungsquerschlage  III  9-5  m  mächtig 
überfahren  worden,  bestehend  aus  sehr  reichen  Schlicherzen  mit 
geringfügigen  Schiefermitteln,  während  Kieseleisensteine  fehlen.  Die 
durchschnittliche  Mächtigkeit  schwankt  von  7  bis  8-5m; 
gegen  NO,  wo  sich  auf  der  I.  Tiefbausohle  in  sein  Streichen  Kalk- 
stein vorlagert  und  es  abschneidet,  schwillt  dasselbe  bis  10 
und  12  m    mächtig    an;    gegen   den   südwestlichen  Ausbiss   sinkt 


[55]  Die  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen  Devon.  83 

seine  Mtächtigkeit  bis  auf  10  m  herab.  Die  bauwürdige  Länge 
beträgt  55  w,  das  Streichen  ist  ;)  h  2°,  das  Fallen  21h  2°  unter 
<  57^;  gegen  die  Wettersohle  und  oberhalb  des  Grundwasserniveaus 
wird  dieses  unten  auffällig  reine  Lager  von  Kieseleisenstein- 
lagen begleitet;  10  m  unter  der  ersten  Tiefbausohle  werden  die 
reichen  Schlicherze  lettenartig,  arm,  zum  grösseren  Theile  aber 
durch  viele  Kalksteinb  lö  cke  und  -Klippen  verdrängt. 

Ausser  den  geschilderten  Erzlagerstätten  hat  man  beim  Bergbau 
Pinke  noch  zahlreiche  andere  kleinere  Erzausscheidungen  angefahren 
und  auch  theilweise  abgebaut,  sie  sind  jedoch  ohne  jede  Bedeutung, 
können  daher  füglich  übergangen  werden. 

Die  vorwaltende  Ausfüllungsmasse  der  bauwürdigen  Lagertheile 
der  Pinker  Erzlagerstätten  wird  durch  ein  mulmiges  Rotheis  enerz, 
sogenanntes  Schlicherz  gebildet,  dem  etwas  Wad  in  feiner  Ver- 
theilung  beigemengt  ist ;  dasselbe  hat  ein  erdig  verwittertes  Aussehen 
und  ist  infolge  seines  Wadgehaltes  röthlichbraun  abfärbend.  Bei 
zunehmendem  Wadgehalt  wird  das  Erz  bis  bräunlichschwarz,  sehr 
leicht,  feinerdig  und  staubig,  so  dass  es  der  Wind  von  der  Halde 
trägt.  Untergeordnet  tritt  auch  dichtes  bis  faseriges,  stufiges 
Rotheise nerz  auf,  in  zoll-  bis  fussdicken  parallelen  Lagen  mit 
dem  Schlicherz  wechsellagernd  ;  dasselbe  enthält  Magnetit  in 
kleinsten  Oktaedern  und  Körnchen  sparsam  eingestreut;  es  ist  von 
kirschrother  Farbe ,  ebenem ,  auffällig  pseudoregulärem  Bruch , 
ferner  von  sehr  dünnschiefrigem  Gefüge,  gebräch  bis  mürbe,  stark 
zerklüftet,  daher  leicht  gewinnbar.  Beide  Erzvarietäten  wirken  in 
weit  geringerem  Maße  auf  die  Magnetnadel,  als  die  Meedler 
Erze;  während  dort  die  Compassmissweisungen  beim  Verziehen  8 
bis  15°  betragen  haben,  sind  hier  nur  solche  von  1  bis  2'/2*^  constatirt 
worden.  Rückbildung  in  mulmiges  Magneteisenerz,  dadurch, 
dass  sich  stetig  zunehmend  Magnetit  anhäuft,  kommt  häufig  und 
zufällig  auf  den  Schlicherzkörpern  vertheilt  vor.  Die  Stuferze  ver- 
halten sich  ebenso,  und  sind  Uebergänge  in  stufige  Magnet- 
eisenerze, insbesondere  amAusbiss,  und  als  begleitende  Hangend- 
oder Liegendschwarten  der  Rotheisenerzlager  zu  beobachten.  Die 
Magnetite  zerfallen  häufig  zu  einem  r  e  s  c  h  e  n  M  a  g  n  e  t  e  i  s  e  n  s  a  n  d. 
Wo  die  Erze  am  Kalkstein  aufsitzen,  wechseln  Partien  rehr  reicher 
mit  armen,  1  e  1 1  i  g  e  n  S  c  h  1  i  c  h  e  r  z  e  n,  welche  schliesslich  in  einen 
braun rothen,  eisenschüssigen  Letten  übergehen.  Die  Erze 
der  nördlichen  Lagergruppe  sind,  wie  die  unten  folgenden  Analysen 
darthun,  durchschnittlich  6"/o  reicher  als  jene  der  süd- 
lichen Lagergruppe.  Insbesondere  ist  es  das  L  i  e  g  e  n  d  1  a  g  e  r  der 
ersteren  Gruppe,  welches  auf  der  L  Tiefbau  so  hie  und  der 
Gesenksohle  ein  sehr  reiches  S  c  h  1  i  c  h  e  r  z  führt ,  das  durch 
seinen  grösseren  Gehalt  an  r  e  s  c  h  e  m  M  a  g  n  e  t  e  i  s  e  n  e  r  z  m  u  1  m 
ausgezeichnet  ist. 

Dem  Verhalten  der  geschilderten  Rotheisenerzlagerstätten  zu- 
folge besteht  die  Erzförderung  vorherrschend  aus  Schlicherzen, 
während  Stuferze  dagegen  sehr  erheblich  zurücktreten  und  kaum 
10%  der  ganzen  Förderung  ausmachen. 

11* 


§4  Franz  Kretschmer.  [56] 

Die  Kieseleisensteine  und  Eisenkiesel  treten  auf  den 
Rotheisenerzlagern  mit  den  Schlicherzen  in  bandförmig  geordneten 
Streifen  bis  meterstarken  Bänken  parallel  eingeschaltet  auf,  oder  die 
ersteren  bilden  selbständige  Lager  und  Lagerstöcke  von  ansehnlicher 
Mächtigkeit,  denen  die  Rotheisenerzlager  untergeordnet  sind  und 
unregelmässig  bald  am  Hangend,  bald  am  Liegend  oder  in  der  Mitte 
derselben  zur  Ausscheidung  kamen.  Beispielsweise  besteht  das 
Kieseleisensteinlager  beim  Wetterofenschacht  zwischen  dem  Hangend- 
und  Hauptlager,  überwiegend  aus  gänzlich  zerklüfteten 
und  zu  einem  Haufwerk  groben  Schotters  zerfallenen 
Kieseleisenstein  mit  schwächerenund  stärkeren  Lagen, 
Nestern  und  Butzen  eines  reichen  Schlicherzes  durch- 
setzt, so  dass  es  sich  lohnte,  diesen  12  in  mächtigen  Theil  der 
Lagerstätte  als  Abrecherz  abzubauen.  Auch  sonst  müssen  bei  der 
Erzgewinnung  die  den  Rotheisenerzschlichen  eingelagerten  Kiesel- 
eisensteine gut  ausgerecht  werden,  worauf  der  Rückstand  einen 
reichen  Schlich  liefert.  Die  Kieseleisens  teine  sind  überwiegend 
geschichtet,  doch  fehlt  nicht  massige  Structur;  sie  bestehen 
hauptsächlich  aus  Quarz  mit  beigemengtem  Rotheisenerz,  von 
welch'  letzterem  die  rothmelirte  Farbe  herrührt,  ausserdem  führen 
sie  als  wesentlichen  Gemengtheil  Magnetit  in  Oktaedern  oder 
körnigen  Aggregaten  in  Leisten  und  Nestern.  Accessorisch  finden 
sich  darin  häufig  blutrother  Jaspi  s  (dichter  Eisenkiesel),  ferner  hin 
und  wieder  zahlreiche  Pyritkrystalle,  theilweise  in  Pseudomorphosen 
von  Göthit  nach  Pyrit.  Stellenweise  verschwinden  die  Göthitwürfeln 
und  das  Gestein  erscheint  von  hexaedrischen  Zellen  durchzogen, 
bisweilen  mit  Limonit- Stalaktiten  ausgekleidet.  Als  Seltenheit 
findet  sich  Feldspath  eingesprengt,  auf  Structurflächen  öfters 
Ueberzüge  von  Psilomelan  in  traubigen  und  nierenförmigen  Aggre- 
gaten. Zuweilen  erscheinen  die  Kieseleisensteine  zerfressen, 
porös,  von  cavernoser  und  zelliger  Structur  oder  sie  sind 
von  grösseren  erodirten  Löchern  durchzogen,  theilweise  aus- 
gefüllt mit  einem  mulmigen  Rotheisen  er  z.  Offenbar  wurde  die 
Kieselerde  weggeführt,  während  das  gleichfalls  in  Lösung  über- 
gegangene Eisenoxydul   sogleich  wieder   zur   Ausscheidung   gelangte. 

Obige  Eisenerzvarietäten  sind  —  wie  das  in  der  Natur  des  Vor- 
kommens begründet  ist  —  durch  interessante  Uebergänge  miteinander 
verknüpft  und  ist  insbesondere  aus  den  nachfolgenden  Analysen  zu 
ersehen,  dass  von  den  reichen  und  milden  Rotheisen  erzen 
bis  zu  den  armen  und  sehr  festen  Kieseleisensteinen  eine 
continuirliche  Reihe  mit  stetig  sinkendem  Eisengehai t 
und  gleichzeitig  steigendem  Kie  sei  erdegehalt  besteht. 

Der  Phos])horgehalt  der  Pinker  Rotheisenerze  ist  schwankend 
und  zwar  enthalten  die  Schliche  0-09  bis  0-207o,  dagegen  die  ge- 
brächen, schiefrigen  Stufen  abnehmend  0-07,  die  festen,  derben  Stufeu 
O'Oe^,,  Phosphor.  Dieser  Phosphorgehalt  ist  wohl  gering,  dessenunge- 
achtet ist  die  Zusammensetzung  der  Pinker  P]rze  eine  derartige,  dass 
dieselben  mit  anderen  Erzen  gattirt,  hauptsächlich  zur  Darstellung 
eines  vorzüglichen  Giessereiroheisens,  nebenher  auch  für  Thomasroh- 
eisen, jedoch  nicht  fiir  Bessemerroheisen  Verwendung  finden. 


[57] 


Die  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen  Devon. 


85 


Eisen  .  . 
Mangan 
Kieselsäure 
Thonerde  . 
Kalkerde  . 
Magnesia  . 
Schwefel  . 
Phosphor  . 
Glühverlust 


53-13 

? 

17-50 

3-25 

ü-75 

Spur 

Spur 

? 

2-00 


47-69 
1-39 

19-70 
5-45 
0-75 

Spur 

Spur 
? 
4-20 


4504 
0-89 

24-75 
6-98 
0-43 
0-92 

Spur 
0-09 
205 


43-88 
1-80 

23-00 
7-30 
0-80 

Spur 
? 

0-13 
3-40 


54-51 
1700 


33-04 

? 

50-30 
2-30 
0-10 

? 

0-10 

? 

9 


2500 
Spur 
63-30 
Spur 
0-70 
? 

? 
? 
0-30 


17-02 

71-80 


Nördliche  Lagergruppe. 

1.  Rotheisenerz-Schliche  vom  Hauptlager. 

2.  Rotheisenerz-Schliche,  Durchschnitt  von  den  3  Lagern,  Wettersohle. 

5.  Rotheisenerz-Stufen,  schiefrig,  gebräch,  verwittert. 

6.  Kieseleisenstein,  wie  er  bis  1873  gefördert  und  verhüttet  wurde. 

7.  Kieseleisenstein,  feste  eisenarmc  Stufen. 

8.  Kieseleisenstein,  sehr  fester  eisenschüssiger  Quarz. 

Südliche  Lagergruppe. 

3.  Rotheisenerz-Schlich ,   theilweise   gemischt   mit    mürben    schiefrigen 
Stufen,  Durchschnittsprobe  aus  den  Lagern  IV,  V  and  VI,  Wettersohle, 

4.  Rotheisenerz-Schlich,   theilweise   gemischt    mit   mürben   schiefrigen 
Stufen,  Durchschnittsprobe  aus  den  Lagern  IV,  V  und   VI,  f.  Tiefbausohle. 


Der  (Trubenbetrieb  Pinke. 

Obwohl  den  „Alten"  fast  alle  wichtigen  Erzvorkommen  auf  den 
obengeschilderten  Erzlagerzügen  der  mährisch  -  schlesischen  Devon- 
formation bekannt  waren,  hat  man  am  Pinker  Berge  nirgends  Spuren 
ihrer  Thätigkeit  angetroffen,  es  scheint,  dass  ihnen  dieses  schöne 
Erzvorkommen  unbekannt  geblieben  war.  Der  Bergbau  Pinke  wurde 
anfangs  dieses  Jahrhunderts  durch  den  Gewerken  Josef  Zwi erzin a 
für  das  Eisenwerk  Marienthal,  bald  darauf  durch  das  damals  dem 
Oberstkanzler  Grafen  Mitrowsky  gehörige  Eisenwerk  Zop  tau 
aufgenommen  und  je  nach  Lage  der  Eisenindustrie  mit  wechselndem 
Geschick  betrieben;  auf  Perioden  schwunghaften  Betriebes  folgten 
solche  gänzlichen  Stillstandes.  Gegenwärtige  Besitzer  sind  die  Wit- 
k  0  w  i  t  z  e  r,  dann  die  Z  ö  p  t  a  u  e  r  und  S  t  e  f  a  n  a  u  e  r  Bergbau- 
u  n  d    E  i  s  e  n  h  ü  1 1  e  n  -  G  e  w  e  r  k  s  c  h  a  f  t. 

Im  Bergbauterrain  bei  Pinke  liegt  der  Grundwasserspiegel 
27-54  unter  Tage  (auf  die  Hängebank  des  Maschinenschachtes  be- 
zogen); anfänglich  wurden  bis  dahin  die  beschriebenen  Erzlager- 
stätten mittelst  zahlreicher  Haspels  ch ächte  abgebaut.  Auch  hat 
man  einen  Stollen  herangetrieben,  dessen  Mundloch  am  NO-Fusse 
des  Berges  liegt,  während  seine  ganze  Länge  (bis  Maschinenschacht) 
595-5  m  beträgt;   es  ist  jedoch  der  Zweck  dieses  Stollens  nicht  ein- 


86  Franz  Kretschmer.  [58] 

leuchtend,  da  derselbe  (am  Maschinenschacht)  blos  24-69  m  Saiger- 
teufe  einbringt,  somit  der  Grundwasserspiegel  dort  2-84  m  tiefer  liegt, 
also  zur  Wasserlosung  gar  nicht  dienen  konnte  und  auch  zur  Förde- 
rung überflüssig  war. 

Dem  weiteren  Vordringen  in  die  Teufe  setzten  die  Grundwässer 
unübersteigliche  Hindernisse  entgegen ;  wiederholte  Versuche,  mit 
Handpumpen  tiefer  zu  kommen,  waren  erfolglos,  man  war  dem- 
zufolge bemüssigt,  1873  zu  einem  Maschin ens  ch acht  zu  greifen, 
welcher  vom  Zöptauer  Zechenhause  55  ni  nach  16  h  11"  im  Hangenden 
der  südlichen  Erzlagergruppe  angeschlagen  wurde.  Der  Schacht  er- 
hielt rectangulären  Querschnitt  4*44  m  X  1*75  ni  =  7*77  m^  in  der 
Zimmerungslichte  gross,  mit  Eintheilung  in  2  Förder-,  1  Fahr-  und 
1  Pumpen-Trumm,  seine  ganze  Teufe  bis  Sumpfsohle  beträgt  72*10  m. 
Die  I.  Tiefbau  so  hie  wurde  bei  47-66  m,  die  II.  Tiefbau- 
sohle bei  67-14  m  gefasst.  Um  die  Wässer  nicht  zu  Tage  heben 
zu  müssen,  hat  man  den  vorerwähnten  Stollen  zum  Zwecke  der 
Wasserableitung  von  den  Pumpen  benützt,  doch  hat  sich  dieser  an 
sich  gute  Gedanke  bei  Pinke  nicht  bewährt,  weil  dadurch  nicht  nur 
nichts  erspart  wurde,  sondern  ein  so  langer,  im  blähenden  Schiefer 
anstehender  Stollen,  wie  die  Rechnung  zeigt,  grössere  Erhaltungs- 
kosten erforderte,  als  was  eine  stärkere  Wasserhebmaschine  und  der 
Mehrverbrauch  an  Kohle  im  anderen  Falle  gekostet  haben  würde. 

Um  schon  während  des  Maschinenschacht-Abteufens  Erze  zu 
fördern  und  künftig  für  Wetter  vorzusorgen,  hat  man  aus  den  drei  zur 
Wetterführung  offen  gelassenen  H  a  s  p  e  1  s  c  h  ä  c  h  t  e  n  bei  30- 15  m 
Teufe  (auf  den  Maschinenschacht  bezogen)  eine  Wettersohle 
angeschlagen.  Bald  nach  Anfahrung  der  Erzlager  auf  der  I.  Tief- 
bausohle jedoch  wurde  der  Bergbaubetrieb  gleich  den  anderen  Gruben 
auch  hier,  infolge  der  Nachwehen  der  grossen  ökonomischen 
Krise  des  Jahres  1873,  Mitte  1876  sistirt,  demzufolge  die 
Grundwässer  wieder  aufgegangen  sind,  während  die  neu  a  u  f- 
gefahrenen  Vorbaue  in  den  zersetzten  Diabasschie  fern 
und  erdigen  Schlich  erzen  anstehend,  welche  sich  in 
Berührung  mitWasser  zu  breiartigen  Massen  auflösen, 
gänzlich  zu  Bruche  gingen.  Demzufolge  gestaltete  sich  die 
gegen  Ende  1881  erfolgte  Wiederaufnahme  dieses  Bergbaues  langwierig 
und  kostspielig. 

Der  Vorrichtungsbau  auf  der  I.  Tief  bausoh  le  bestand 
in  der  Auffahrung  des  Hauptqu erschlage  s ,  womit  sämmtliche 
Lager  der  südlichen  Gruppe  im  bauwürdigen  Zustande  verquert 
wurden,  dagegen  hat  man  das  Marialager  bei  118  m  vom  Maschinen- 
schacht im  gänzlich  verdrückten  Zustande  erreicht;  sodann  ist  die 
nordöstliche  Bausohlenstrecke  im  Lager  IV  durch  die  Ver- 
taubung  hindurch  bis  zum  Hangend-  und  Hauptlager  der  nördlichen 
Grupi)e  und  weiter  bis  zum  Ausbiss  des  letztgenannten  Lagers  auf 
280  m  Länge  aufgefahren  worden.  Die  s  ü  d  w  e  s  1 1  i  c  h  e  B  a  u  s  o  h  1  e  n- 
s trecke  hat  man  auf  dem  Lager  V  bis  166  m  vorgetrieben.  Nahe 
beieinander  liegende  Lager,  wie  IV,  V  und  VI,  sind  mittelst  der  Bau- 
sohlenstrecke im  Lager  V  abgebaut  worden,  um  an  Erhaltungskosten 
der  sehr  druckhaften  Bausohlenstrecken  zu  sparen,   während  die 


[51)]  l>i(!  P^iseuerzlftgerstiltten  des  mährischen  Devon.  87 

anderen  Lager  durch  llili'squerschlage,  an  denen  die  tonlägigen  Vor- 
baue im  Kreuzstreichen  zu  liegen  kamen,  in  Abständen  von  40  bis 
60  m  verbunden  wurden.  In  gleicher  Weise  wurden  die  Lager  I,  II 
und  III,  theilweise  auch  IV  von  der  Bausohlenstrecke  im  Lager  I  aus 
abgebaut.  Die  weiter  auseinander  liegenden,  durch  feste  Mittel  ge- 
trennten Lager  der  nördlichen  G  r  u  p  p  e  erhielten  zum  Theil 
jedes  seine  separate  Bausohlenstrecke,  da  diese  auch  unter  weit 
geringerem  Druck  zu  leiden  hatten.  Die  Vorbaue  im  Kreuz- 
streichen, als  welche  ton  lägige  U  eberhauen  dienten,  hat 
man  hier  mit  Rücksicht  auf  die  grössere  Mächtigkeit  durchschnittlich 
blos  30  m  auseinander  gelegt. 

Aehnlich  gestaltete  sich  der  Vorbau  auf  der  II.  Tiefbau- 
sohle, jedoch  ist  man  daselbst  mit  der  nordöstlichen  B  a  u- 
sohlen strecke  hinter  der  verdrückten  Zone  anstatt  auf  das  Haupt- 
lager der  nördlichen  Gruppe  auf  grosse  dom  förmige  Höhlen 
im  Crinoidenkalkstein  gestossen,  welche  theilweise 
mit  einem  Haufwerk  schotteriger  Kieseleisensteine 
und  mit  Schlicherzen  von  den  obensitzenden  Erzlager- 
stätten ausgefüllt  waren;  gleichzeitig  ergoss  sich  über  eine 
Kalksteinterrasse  ein  Sturzbach  durch  die  Strecke  zum  Maschinen- 
schacht! Hier  sah  man  die  Natur  so  recht  bei  der  Arbeit!  An  diese 
Höhlen  schlössen  sich  andere,  verbunden  durch  labyrinthische,  im 
Kalkstein  ausgenagte  grössere,  theils  otfene,  später  mit  Schlicherzen 
theilweise  ausgefüllte  Klüfte  und  Gänge.  Am  Hangenden  der 
Höhlenkalksteine  setzen  blos  höchst  feste  Kieseleisen- 
steine herab.  Damit  war  die  wichtige  Thatsache  constatirt,  dass 
das  Hangend-  und  Hauptlager  nicht  herabsetzen,  viel- 
mehr in  der  Teufe  gänzlich  durch  Kalkstein  verdrängt 
werden;  dasselbe  wurde  später  bezüglich  des  Liegendlagers  fest- 
gestellt. Die  weitere  Auffahrung  der  letzterwähnten  nordöstlichen  Bau- 
sohlenstrecke in  dem  massigen  Kalkstein  erschien  zu  kostspielig  und 
war  man  nach  der  solcherart  erfolgten  Abzapfung  der  Wässer  ge- 
zwungen, die  unter  die  I.  Tiefbausohle  6  bis  8  m  tief  herabsetzenden 
Theile  der  Erzlager  der  nordöstlichen  Lagergruppe  mittelst  G  e- 
s  enken  abzubauen. 

Das  Marialager,  welches  auf  dem  Mariaschachte  II  nur  bis 
38  m  Saigerteufe  herabsetzt,  hat  man  mittelst  zweier  Haspel- 
schächte und  einem  We  tters  chacht  vorgerichtet  und  blos 
zum  kleineren  Theile  abgebaut. 

Beim  Pinker  Bergbau  stand  dieselbe  Abbaumethode  in  Anwen- 
dung, wie  sie  beim  Bergbau  Meedl  beschrieben  wurde ,  nämlich 
F  i  r  s  t  e  n  b  a  u  mit  S  c  h  m  a  1  s  t  ö  s  s  e  n  und  unmittelbar  nach- 
folgendem Versatz;  bei  grösseren  Mächtigkeiten  ist  dieses  Ab- 
bausystem mit  dem  Qu  erbau  combinirt  worden.  Zum  Versatz  dienten 
die  in  den  Vorbauen  fallenden  Berge,  so  z.  B.  wurden  dieselben  von 
der  tieferen  auf  die  obere  Sohle  mittelst  Fördermaschine  gehoben 
und  dort  in  die  unterhalb  befindlichen  Firstenverhaue  gestürzt.  Die 
Gewinnung  von  Versatzbergen  in  Berg  strecken  oder  gar  B  erg- 
müh ien  war  untersagt,  um  die  Vermehrung  des  ohnehin  erheblichen 
Gebirgsdruckes  zu  verhindern.     Durch  die   rasche   Oxydation   der 


gg  Frauz  Kretschmer.  [60] 

anstehenden  Schiefer  und  der  Versatzberge,  sowie  den  Fäulnisprocess 
des  Grubenholzes  etc.  erhöhte  sich  die  Temperatur  der  Grubenluft 
auf  den  oberen  Firstenstrossen  so  bedeutend,  dass  bei  einer  Tem- 
peratur des  einziehenden  Wetterstromes  am  Sohlqiierschlage  von  10 
bis  120  Pi..  auf  den  Abbaustrossen  18  bis  20°  R  zu  verzeichnen  waren. 
Diese  Verhältnisse  erzeugten  auf  den  Strossen  sehr  häufig  matte 
Wetter,  bewirkten  aber  eine  rasche  Regenerirung  des  Bergversatzes, 
welcher  schon  nach  zwei  bis  drei  Jahren  vom  gewach- 
senen Gebirge   fast   nicht  zu   unterscheiden  war. 

Beim  Ausbau  hatte  der  Pinker  Bergbau  nicht  jene  Schwierig- 
keiten zu  überwinden  wie  Meedl,  es  sind  hier  die  mit  breiartigen 
Massen  angefüllten  Wassersäcke  nicht  vorhanden.  Dessenungeachtet 
hat  man  auch  in  Pinke  gegen  blähende,  demzufolge  stark 
druckhafte  milde  Schiefer  anzukämpfen,  insbesondere  waren  es 
die  Bausohlenstrecken  der  südlichen  Lagergruppe,  soweit  sie  in  zer- 
setzten Diabasschiefern  anstehen,  deren  Erhaltung  mit  Schwierig- 
keiten verknüpft  war.  Gewöhnlich  hat  die  Auswechslung  der  Zimme- 
rung nach  kaum  halbjährigem  Bestände  begonnen,  um  fast  nicht  mehr 
aufzuhören.  Auf  den  Erzlagern  und  im  Quergestein  aufgefahrene 
Hauptvorbaue  zeigten  weit  geringeren  Druck.  Auch  hier  mussten  die 
Ein-  und  Vorbaue  grosse ntheils  in  solider  Getriebszi mm  e- 
rung  aufgefahren  werden,  sogenanntes  „stumpfes  Anstecken" 
war  nur  bei  gut  stehendem,  entwässerten  Gebirge  zulässig.  Für  den 
Ausbau  in  der  ganzen  Grube  bestanden  einheitliche  Normal- 
profile mit  folgender  Lichtweite  der  fast  durchgehends  auf  Zahn 
angefertigten  Hauptzimmer,  und  zwar  für  Bausohlenquerschläge  2-15 
X  1-05  m  verglichen  breit,  für  Bausohlenstrecken  2-05  X  0'90  m,  für 
Wagenförderung,  ferner  Abbaustrecken,  Querorte  etc.  1-75  X  0-80  m, 
für  ungarische  Hundeförderung,  Ueberbrechen  zur  Fahrung  und  För- 
derung 1-50  X  090  m.  Dergleichen  Normalprotile  galten  auch  für  die 
Haspelschächte  und  Gesenke,  was  den  grossen  Vortheil  darbot,  dass 
die  Zimmerung  überall  passte,  beim  Rauben  überall 
wieder  verwendet  werden  und  von  einer  separaten 
Zimmerling  skühr  in  Vorrath  nach  billigen  Gedings- 
s ätzen    angefertigt   werden   konnte. 

Auf  Grund  langjähriger  Erfahrung  empfiehlt  sich  als  bestes 
Mittel  gegen  das  B  1  ä  h  e  n  der  Schiefer ,  welches  die  solideste 
Zimmerung  so  rasch  zerdrückt,  ein  möglichst  die hterAbschluss 
der  blossgelegten  Gesteinswände  gegen  die  Einwirkung 
der  mit  Wasser  geschwängerten  Grub  enatm  o  Sphäre. 
Auf  Schrott  ausgezimmerte  Ein-  und  Vorbaue  zeigten  sich 
widerstandsfähig,  was  aber  zu  kostspielig  erschien,  da  man  zuerst 
auf  Trieb  auszimmern  muss  und  dann  erst  ausschroten  kann.  Als 
billigste  Art  hat  sich  eine  möglichst  luftdicht  ab- 
schliessende Verpfählung  bewährt,  die  Pfähle  müssen  nach 
der  Schnur  gesäumt  und  die  Strecke  faßartig  an  First  und  Stössen 
dichtschliessend  verpfählt,  sowie  die  ganze  Arbeit  exact  ausgeführt 
werden.  Solcher  Ausbau  hat  dem  Blähen  relativ  am  besten  Widerstand 
geleistet;  sogenannte  „Gatter"- Verpfählung,  welche  mit  Pfahlmaterial 
spart,  ist  in  diesem  Falle  verwertiich.  Zur  Conservirung  der  Gruben- 


[61]  Die  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen  Devon.  89 

Zimmerung  an  weniger  druckhaften  und  trockenen  Stollen  hat  sich 
Anstrich  mit  Kalkmilch  bewährt,  weniger  solcher  mit  Gar- 
bo 1  i  n  e  u  m  ;  ferner  ist  auf  häufiges,  regelmässiges  S  c  h  w  a  m  m  kehren 
zu  dringen.  Obwohl  der  jährliche  Holzaufwand  lange  nicht  jene  Höhe 
wie  beim  Bergbau  Meedl  erreicht  hat,  war  derselbe  immerhin  gross 
genug,  um  einen  wesentlichen  Bestandtheil  der  Gestehungskosten 
auszumachen. 

In  friiherer  Zeit  hatte  der  Pinker  Bergbau  alljährlich  während 
der  Monate  Juni,  Juli  und  August  aus  den  gleichen  Ursachen  wie 
Meedl  unter  mattem  Wetter  zu  leiden,  jedoch  in  verstärktem 
Maße ;  es  kam  soweit,  dass  die  Erzförderung  sowie  jede  andere  Arbeit 
in  der  Grube  wochenlang  unterbrochen  war,  selbst  im  Maschinen- 
schacht konnte  man  nur  bis  zur  I.  Tiefbausohle  gelangen  und  musste 
die  Liederung  der  Pumpen  von  oben  bewerkstelligt  werden.  Diesem 
Uebelstand  begegnete  man  erfolgreich,  durch  Erbauung  eines  Tag- 
wetterofens auf  dem  Wetterschacht  im  Hangenden  der  nördlichen 
Lagergruppe.  Um  für  100  Mann  in  der  Schicht  und  einem  Wetter- 
bedarf von  5  m^  per  Secunde  zu  genügen,  erhielt  der  Wetterofen 
1  m^  Rostüäche  und  ist  mit  einer  Blechesse  von  0-79  m  Durchmesser 
und  15  m  Höhe  angerüstet  worden.  Die  Einrichtung  hat  sich  nach 
jeder  Richtung  hin  bewährt  und  hatte  der  gedachte  Bergbau  seit  dem 
noch  niemals  infolge  matter  Wetter  eine  Betriebsstörung  zu  erleiden 
gehabt. 

Die  Wasserhaltung  und  Förderung  besorgten  zwei 
Maschinen  und  zwei  Dampfkessel,  untergebracht  in  einem 
Schacht-,  Maschinen-  und  Kesselhause  von  280  m^  ver- 
bauter Grundfläche.  Das  Gebäude  ist  ebenerdig,  massiv  aus  unge- 
brannten Ziegeln  erbaut,  was  sich  später  nicht  bewährte,  da  dasselbe 
infolge  der  bedeutenden  Terrainsenkungen  um  den  Maschinen- 
schacht stark  zerrissen  und  aus  dem  Loth  gekommen  ist,  so  dass  es 
theilweise  abgetragen  und  reconstruirt  werden  musste.  Wegen  der 
geschilderten  Gebirgsbeschatienheit  bildeten  sich  über  den  ausgebauten, 
wohl  versetzten  Räumen,  dessenungeachtet  insbesondere  in  der  süd- 
lichen Lagergruppe,  tiefe  abflusslose  Pingen,  der  Maschine  n- 
schacht  kam  ungefähr  1'25  m  dergestalt  aus  dem  Loth, 
dass  er  sich  mit  seinem  Tag  kränz  gegen  die  Pingen 
neigte.  Ausserdem  zeigte  sich  eine  langsam  fortschreitende  Setzung 
des  Maschinenschacht  -  Tagkranzes  sammt  dem  Taggebäude ,  den 
Maschinen,  Kesseln  und  Pumpen  im  verticalem  Sinne,  welche 
schliesslich  die  Grösse  von  ungefähr  l'öO  m  erreichte 
und  die  Ursache  häufiger  Reparaturen  war. 

Die  Wasserhaltungsmaschine  ist  horizontal  angeordnet, 
doppelt  wirkend,  mit  May er'scher  Expansionsschieber-Steuerung  und 
mit  einem  Dampfstrahl-Condensator  nach  Körting  ausgerüstet.  Der 
Dampfcylinder  hat  0-277  m,  Bohrung,  Kolbenhublänge  O'BIO  in  und 
beträgt  die  Leistung  der  Maschine  im  normalen  Betriebe  an  der 
Maschinenwelle,  d.  i.  bei  0-33  Füllung,  4-5  Atmosphären  ettectiven 
Kesselüberdruck  und  65  Touren  pro  Minute  (ohne  Berücksichtigung 
der  Condensation)  11  Pferdestärken;  bei  0-5  Füllung  und  sonst 
gleichen  Bedingungen  efiectuirte  die  Maschine  15-4  HP. 

Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1899.  49.  Band,  1.  Heft.  (Fr.  Kietschmer.)        12 


90  Franz  Kretschmer.  [62] 

Die  Pumpentransmission  besteht  aus  einem  Zahnradvorgelege 
1  :5  und  zwei  Kunstwinkeln  von  1-263  m  Schenkellänge  für  die 
beiden  Hubpumpensätze  und  1-583  m  für  den  Speisewasserdrucksatz. 
Die  zwei  H  u  b  p  u  m  p  e  n  haben  eine  Cylinderbohrung  von  0-217  m  und 
0-946  m  Kolbenhublänge,  gusseiserne  Steigrohre  von  0-240  m  Licht- 
weite und  darin  durchgehenden  schmiedeisernen  Gestänge  mit  Keil- 
muffen 35  mw  stark ;  es  erhielten  also  auch  diese  Pumpen  die  zweck- 
mässige Einrichtung,  dass  Liederung  und  Reparatur  von  oben  erfolgen 
konnte,  was  sich  in  den  vorausgesehenen  Fällen  des  Ersaufens  der 
Grube  und  bei  Wetternoth  als  sehr  betriebssicher  erwiesen  hat. 
Beide  Pumpen  hoben  die  Wässer  aus  dem  Schachtsumpf  blos  auf 
die  Stollensohle,  so  dass  die  Förderhöhe  sich  auf  49  m  reducirte, 
während  die  Plungerpumpe  von  0145  m  Durchmesser  und  1-184  m 
Hublänge  die  nöthigen  Speise-  und  Condensationswässer  aus  24-69  m 
Teufe  zu  Tage  lieferte. 

Seit  Eintritt  des  Beharrungszustandes  betragen  die  Wasser- 
zuflüsse 8  S  e  c  u  n  d  e  n  1  i  t  e  r,  und  werden  diese  von  den  Pumpen 
normal  in  13  Spielen  bewältigt,  wobei  letztere  16  Stunden  im 
Betriebe  bleiben,  während  restliche  acht  Stunden  auf  Stillstände 
entfallen.  Anfänglich  waren  11  Secundenliter  und  bei  Wasser- 
durchbrüchen, sowie  bei  der  Gewältigung  der  aufgegangenen  Grund- 
wässer im  Jahre  1882  bis  zu  16  Secund  enlit  er  zu  halten, 
wobei  die  Wasserhebmaschine  im  Maximum  zwei  bis  drei  Stunden 
per  Tag-  und  Nachtschicht  stehen  durfte ;  dementsprechend  war  der 
Ko  hl en  verbrauch  für  Wasserhaltung  und  Förderung  anfangs 
18*5  (/  per  24  Stunden,  welcher  später  nach  Abzapfung  des  Wasser- 
magazins successive  auf  108  f/  herabsank. 

Die  Fördermaschine  von  nominell  15  Pferdestärken  ist 
ebenfalls  horizontal  aufgestellt,  doppeltwirkend,  mit  Gocch'scher 
Coulissenumsteuerung  ausgerüstet.  Der  Kolbendurchmesser  ist  0-277w, 
die  Kolbenhublänge  0-610  m.  Zahnradvorgelege  1:5  überträgt  auf 
den  Treibapparat,  bestehend  aus  zwei  cylinderischen  Seiltrommeln 
von  1-93  m  Durchmesser,  wovon  eine  fix  das  Unterseil,  die  andere 
lose  mit  Mitnehmer  versehen,  das  Oberseil  trägt.  Die  Seilscheiben 
haben  1-93  w  Durchmesser,  als  Förderseile  dienen  Gussstahldrahtseile, 
bestehend  aus  sechs  Litzen  ä  acht  Drähten  Nr.  16,  sie  haben  11  mm 
Durchmesser  und  wiegen  per  laufenden  Meter  1-06  kg.  Die  äussere 
Seilbelastung  setzt  sich  zusammen  aus  350  hj  Gewicht  der  Förder- 
schale, 200  li(j  Gewicht  des  leeren  W'agens,  470  kg  Nettoförderlast, 
zusammen  1020  kg;  demzufolge  beträgt  die  wirkliche  Leistung  der 
Maschine  beim  Anhübe  13-5  HP.  Die  Förderschalen  haben  Ostrauer 
Fangvorrichtung,  als  Aufsetzvorrichtung  diente  ebenfalls  die  bekannte 
Ostrauer  Construction.  Die  Förderung  geht  in  den  Hauptvorbauen 
durchwegs  in  Förderwagen  auf  Vignolschienenbahn  von  0*450  m  Bahn- 
spurweite vor  sich,  nur  in  den  Abbaustrecken  auf  den  Firstenstrossen 
stehen  ungarische  Förderhunde  in  Verwendung. 

Die  Wandpumpe  zur  Kess  el  speisung  hat  0091  m 
Durchmesser  des  Dampf cylinders,  0-089  m  Plungerdurchmesser  und 
0-234  w  gemeinschaftlichen  Hub. 


[63]  Die  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen  Devou.  91 

Zur  Dampfbeschatt'ung  sind  im  Kesselhause  zwei  gleiche, 
für  5  A  t  m  0  s  j)  h  ä  r  e  n  U  e  b  e  r  d  r  u  c  k  c  o  n  c  e  s  s  i  o  n  i  r  t  e  B  o  u  i  1 1  e  r- 
ke SS  ein  untergebracht,  dieselben  haben  nachstehende  Abmessungen: 
Länge  des  Oberkessels  8'798  m,  Durchmesser  desselben  1-106  m; 
Länge  des  Siederohres  8*060,  Durchmesser  0-790  m,  die  Heizfläche 
beträgt  38-6  m^,  Höhe  der  Blechesse  (über  dem  Rost)  Ulm,  deren 
Durchmesser  0-48  m. 

Der  Witkowitzer  Bergbau  bei  Pinke  förderte  von  1882 
bis  incl.  1890  durchschnittlich  jährlich  mit  dem  Mannschaftsstande 
von  50  Köpfen  50.000  q  Rotheisenerz-Schliche  gemischt  mit  reichen 
schieferigen  Stufen.  Dagegen  erzielte  der  Zop  tau  er  und  Stefan- 
auer  Bergbau  in  den  letzten  12  Jahren  (1883  bis  1894)  mit  der 
durchschnittlichen  Belegschaft  von  60  Mann,  die  Durchschnitts-Jahres- 
förderung  von  50.000  q  überwiegend  reiche  Schlicherze.  Die  pro  Kopf 
der  beschäftigten  Arbeiteranzahl  erzielte,  jährliche  Erzförderung  ist 
somit  im  ersteren  Falle  1000  q  und  im  zweiten  833  q.  Die  Gestehungs- 
kosten pro  lOO/.v/  calculirten  sich  oberhalb  des  Grundwasserspiegels 
mit  26  kr.,  unter  demselben  sind  sie  durch  die  hinzukommenden 
Wasserhaltungskosten  etc.  theurer  geworden,  und  zwar  in  der  Periode 
des  gemeinschaftlichen  Betriebes,  wo  die  Jahresförderung  fast  100.000  (/ 
betrug,  vertheilten  sich  alle  Spesen  günstiger,  demzufolge  sich  die 
Erzeugungskosten  auf  38  kr.  stellten,  später,  in  der  Periode  des 
Alleinbetriebes,  wo  die  ganze  Förderung  auf  60.000  q  zurückgegangen 
war,  erhöhten  sie  sich  auf  44  kr.  pro  100  q. 


1000  q 

der 

Erzförderung 

absorbirten    einen 

Mate 

r  i  a 

a  u  f- 

wan 

d  von: 

91  q 

4-38  fm 
153  Stück 
14-8  kg 

46-2   I 

Kesselkohle 

Grubenholz 

Schwarten 

diverses  Eisen 

Dynamit 

Grubengeleucht. 

Obwohl  der  Pinker  Bergbau  zum  überwiegenden  Theile  abgebaut 
erscheint,  so  ist  dessen  ungeachtet  auf  den  verbliebenen 
La  gertheilen  noch  ein  jahrelanger  Betrieb  möglich. 
Wie  aus  obiger  Darstellung  erhellt,  setzen  die  Lager  I,  H,  lü,  V 
und  VI  der  südlichen  Lagergruppe  unter  die  H.  Tiefbausohle  herab, 
jedoch  mit  der  Einschränkung,  dass  die  Lager  I,  II  und  IV  bereits 
auf  der  II.  Tiefbausohle  Kalksteinmittel  aufnehmen,  dadurch  an 
Mächtigkeit  einbüssen  und  im  Streichen  kürzer  werden,  wahrscheinlich 
in  geringer  Teufe  unter  letzterer  Sohle  durch  Kalkstein  gänzlich 
verdrückt  werden ;  dagegen  ist  bis  nun  auf  den  Lagern  V  und  VI  kein 
Kalkstein  zu  sehen  gewesen  und  setzen  die  letzteren  in  schöner 
Mächtigkeit  und  gleicher  Qualität  der  Erze  weiter  herab,  so  dass 
die  Fassung  einer  III.  Tiefbausohle  rationell  erscheint. 
Ausserdem  sind  auf  den  beiden  Tiefbausohlen  bauwürdige  Pfeilerreste 
und  Lagertheile  der  Erzlager  I,  III,  V  und  VI,  sowie  am  Marialager 
zurückgeblieben;  speciell  beim  Sophie  n  -  Fundschacht  und 
in    der    westlichen    Fortsetzung    gegen   das   Dorf  Pinke 

12* 


92  Franz  Kretschmer.  [64] 

sind  noch  unverritzte  Theile  der  Lcager  III  und  IV  an- 
stehend, da  dort  seit  Inangrittnahme  des  Tiefbaues  nichts  geinaclit 
wurde. 

Die  Lager  der  nördlichen  Gruppen  werden  nach  der  Teufe  — 
wie  weiter  oben  ausgeführt  —  sämnitlich  durch  Kalkstein  abgeschnitten 
und  erscheint  ihre  Hauptmasse  bis  dahin  abgebaut;  nur  am  Hangend- 
lager stehen  noch  unter  dem  Stollen  zurückgebliebene  Sicherheits- 
pfeiler, desgleichen  ein  Theil  der  Sicherheitspfeiler  für  die  Bau- 
sohlenstrecke im  Hauptlager,  sowie  jene  der  verlassenen  Bausohlen- 
strecke im  Liegendlager  zur  Gänze,  und  zwar  sind  es  in  den  beiden 
letzten  Fällen  fast  drei  Abbaustrossen. 

Approximativ  kann  das  beim  Pinker  Bergbau  noch  heute  an- 
stehende, absolut  und  relativ  aufgeschlossene  Erzvermögen 
auf  mindestens  300.000  q  reicher  S  c  h  1  i  c  h  e  r  z  e,  mit  etwas 
Stufen  untermischt,  geschätzt  werden,  wobei  aber  der 
sehrwahrscheinlicheAufschlussneuerErzlagerstätten 
imberücksichtigt  bleibt. 

Der  Pinker  Bergbau  ist  anfangs  September  1895  wegen  grosser 
Erzvorräthe  eingestellt  worden,  es  dürfte  sich  aber  bei  günstiger  Con- 
junctur  und  vorher  zusammengeschlagenem  Montanbesitz  verlohnen,  die 
Kosten  einer  neuerlichen  Wassergewältigung  daran  zu  wagen,  um  die 
zurückgebliebenen  Erzlagertheile  und  Pfeilerreste  zu  holen. 

Am  Schlüsse  der  Darstellung  über  das  Meedler  und  Pinker  Erz- 
vorkommen angelangt,  möchte  wohl  auch  die  Frage,  betreffend  die 
Genesis  der  geschilderten  Eisenerzlagerstätten,  in  den 
Kreis  der  Erörterung  gezogen  werden. 

Dadurch,  dass  der  Pinker  Bergbau  in  der  relativ  geringen  Teufe 
von  48  m  saiger,  auf  dem  oben  erwähnten  Crinoiden-Kalkstein  gestossen 
ist,  auf  welchem  der  grösste  Theil  der  Pinker  Eisenerzlagerstätten 
aufsitzt,  ergab  sich  für  die  Beantwortung  der  gedachten  Frage  eine 
gesicherte  Grundlage ;  führen  doch  schon  die  Profile  3,  4  und  5, 
Taf.  IV  (2)  an  und  für  sich  in  dieser  Hinsicht  eine  sehr  verständ- 
liche Sprache. 

Die  ursprüngliche  Stratification  am  Pinker  Berge  bestand  aus 
normalen  D  i  a  b  a  s  s  c  h  i  e  f  e  r  mit  untergeordnetem  M  a  n  d  e  1  s  t  e  i  n  und 
deren  Tuffen  im  Wechsel  mit  Kalkstein-  und  K  i  e  s  e  1 1  a  g  e  r  n. 
Ein  instructives  Bild  hievon  bietet  insbesondere  die  mit  dem  Wetter- 
querschlage auf  der  II.  Tiefbausohle  im  südwestlichen  Maschinen- 
schachtfelde  durchfahrene  Gesteinsreihe,  wo  dieselbe  noch  in  ihrer 
ITrsprünglichkeit  erhalten  ist. 

Die  Erzlager  sind  demnach  nicht  gleichzeitiger, 
sondern  späterer  oder  secundärerEntstehung  auf  hydro- 
chemischem  Wege;  es  hat  eine  Art  Metasomatosis  im 
Grossen  stattgefunden,  so  dass  die  äussere  Form  und 
die  Structur  der  Kalksteinlager  auch  den  Eisenerz- 
lagern erhalten  blieb.  Wahrscheinlich  vom  Kopf  der 
Schichten  her  wurde  successive  derKalkstein  als  Doppel- 
carbonat  weggeführt  und  gleichzeitig  Eisen carb onat 
an   seine   Stelle   abgesetzt,    letzteres   wurde  durch    Sauerstoff 


[651  I^ie  Eiseuerzlagerstätten  des  mährischen  Devon.  93 

reiche  Wasser  sogleich  hölier  oxydirt  als  Eisenoxydhydrat  ausgeschieden, 
die  Kohlensäure  in  Freiheit  gesetzt,  welche  wieder  neuerdings  als 
Lösungsmittel  in  den  Kreislauf  treten  konnte.  Das  Eisenoxydliydrat 
ging  dann  durch  den  Verlust  des  Wassers  in  Rotheisenerz  und  durch 
Desoxydation  endlich  in  Magneteisenerz  über;  jedoch  war  dieser 
Umwandlungsprocess  nicht  durch  die  ganze  Masse  der  p]rzablagerung 
gleichmässig  gediehen,  so  dass  lloth-  und  Magneteisenerz  nebenein- 
ander vorkommen. 

Auf  diese  Weise  sind  aus  den  Kalksteinlagern  die  Eisenerzlager 
hervorgegangen.  In  oberen  Teufen,  im  Oberbau  (oberhalb  des  Grund- 
wassers) bis  hinab  zur  dritten  Strosse  auf  der  I.  Tiefbausohle  fand 
sich  nirgends  eine  Spur  von  Kalkstein;  er  ist  der  G  e- 
s  t  e  i  n  s  -  M  e  t  a  m  0  r  p  h  0  s  e  gänzlich  zum  Opfer  gefallen,  so 
radical  hat  dieser  Umbildungsprocess  gewirkt!  Dagegen  gehört  dem 
Kalkstein  als  Primärgestein  die  Teufe. 

Das  Eisen  stammt  jedenfalls  von  den  Diabasschiefern,  denen 
die  Kalksteine  eingeschaltet  waren  oder  es  noch  sind  und  welch 
erstere  etwa  5— 15*^/o  manganhaltiges  Eisenoxyd  führen;  insbesondere 
ist  der  in  den  Diabasschiefern  einen  wesentlichen  Gemengtheil  bildende 
Chlorit  durch  hohen  Eisengehalt  ausgezeichnet.  Wie  die  diesfällige 
Analyse  nachweist,  enthalten  die  gleichgearteten  und  benachbarten 
Ausseer  Diabasschiefer  die  abnorm  grosse  Menge  von  19"80%  mangan- 
haltigem  Eisenoxyd. 

Neben  einem  Theil  des  Eisengehaltes  haben  die  in  Begleitung 
der  Eisenlager  auftretenden  Diabassschiefer  auch  einen  grossen 
Theil  i  h  r  e  r  K  i  e  s  e  1  e  r  d  e  i  n  L  ö  s  u  n  g  gegeben,  während  die 
Thonerde  zur  Gänze  zurückgeblieben  ist,  wie  durch  Bausch- 
analysen nachgewiesen  wurde ;  so  z.  B.  enthält  der  relativ  fast  unver- 
änderte Diabasschiefer  aus  dem  Hangenden  des  Pinker  Hauptlagers 
64-85<'/o  Kieselerde  und  17-88*'/,,  Thonerde,  während  dessen  Zersetzungs- 
product,  die  bolartige  Masse  vom  Marialager,  blos  37i>5%  Kieselerde, 
hingegen  35'84"/o  Thonerde  ergab.  Je  nach  dem  nun  in  den  Mineral- 
lösungen das  Eisen  oder  die  Kieselerde  mehr  oder  weniger  vorherrscht, 
präcipitirten  nun,  die  Stelle  des  Kalksteins  einnehmend,  mehr  oder 
weniger  reiche  Magnet-Rotheisenerze  oder  Kieseleisensteine,  wie  dies 
an  der  Ausbildungsform  der  Pinker  Eisenerzlagerstätten  zu  beob- 
achten ist. 

Der  gedachte  Auslaugungsprocess,  welchem  einerseits  die  Bildung 
der  Pinker  Eisenerzlagerstätten  zu  danken  ist,  bewirkte  andererseits 
die  mehr  oder  weniger  vorgeschrittene  M  o  d  i f  i  c i r  u n  g  d  e  r  Di  a b  a s- 
schiefer,  indem  Eisen  und  Kieselerde  weggeführt,  da- 
gegen Wasser  aufgenommen  wurde,  bis  schliesslich  nur 
ein  theilweise  eisenschüssiges  Thonerde-Magnesia- 
silicat  von  hohem  Wassergehalt  zurückblieb,  nämlich 
jene  fettig  anzufühlenden,  milden  letten-  und  bolartigen 
Massen,  welche  weiter  oben  im  petrographischen  Theile  der  Gegen- 
stand eingehender  Schilderung  waren. 

Gleichzeitig  mit  diesen  hydrochemischen  Vorgängen,  welche  zur 
Entstehung  der  Erzlager  führten,  erfolgte  noch  eine  Anr  ei  eher  ung 
derErz  mittel  in  derArt,  dass  die  Kieselerde  der  eisen- 


94  Franz  Kretschmer.  [66] 

schüssigen  Massenquarze  zum  Tlieil  ebenfalls  frei 
wurde,  während  das  mitgelöste  Eisencarbonat  sogleich 
in  der  Form  als  mulmiges  Roth-  und  Magneteisenerz 
s  e  c u n d ä r  z u r  A  u s s c h  e  i  d  u n g  kam.  Hiefür  sprechen  die  in  den 
festen  Kieseleisensteiuen  ausgefressenen  zahlreichen  Gruben,  Hohl- 
räume etc.,  welche  Reste  von  Roth-  und  Magneteisenmulm  umschliessen, 
dann  das  schotterige  Haufwerk  von  Kieseleisenstein,  gemischt  mit 
Rotli-  und  Magneteisenmulm,  zu  welchem  die  Kieseleisensteinlager 
örtlich  zerfallen  sind. 

Betrachtet  man  die  Profile  Fig.  o,  4  und  5,  Taf.  IV  (2),  so  ist 
wohl  an  eine  ursprüngliche  magmatische  Spaltung  in  der  Art,  dass 
das  Magneteisenerz,  beziehungsweise  Rotheisenerz  primär  auf  den 
gedachten  Lagerstätten  zur  Ausscheidung  gelangte,  kaum  zu  denken. 

Aehnliche  Bildungsvorgänge  mögen  auch  zur  Entstehung  der 
Meedler  Eisenerzlagerstätten  geführt  haben,  obwohl  dort  noch  nicht 
jene  Teufe  erreicht  ist,  wo  die  Erze  nachweislich  auf  Kalkstein  auf- 
sitzen ;  dagegen  hat  man  daselbst  im  Oberbau  wiederholt  schwache 
Kalksteinbänke  iil  Wechsellagerung  mit  dem  Diabasschiefer  überfahren. 

Auf  die  mit  Pinke  ähnliche  Art  der  Genesis  weist  ausser  dem 
gleichen  petrographischen  Verhalten  der  Umstand  hin,  dass  auch 
dort  diestarkzersetzten  Diabasschiefer  und  bolartigen 
Massen,  welche  die  Erzlager  umgeben  und  deren  Zer- 
setzungsstadium  mit  der  Entstehung  der  letzteren  im 
engen  Connex  steht,  nach  der  Teufe  weniger  zersetzt 
und  fester  erscheinen;  schon  auf  der  H.  Tiefbausohle  des 
Meedler  Maschinenschachtes  finden  sich  die  oben  beschriebenen  zahl- 
reichen Blöcke,  Schollen  und  Lager  von  intaktem  Diabasschiefer, 
während  oberhalb  dieser  Sohle  die  Nebengesteine  der  Erzlagerstätten, 
durchwegs  hochgradig  zersetzt,  erscheinen.  Li  welche  Teufe  jedoch 
die  hydrochemische  Umsetzung  der  Carbonate  und  Silicate  hinabge- 
reicht hat,  beziehungsweise  wo  die  Erze  aufhören  und  die 
Kalksteine  in  ihrer  Ursprün  glichk  ei  t  lagern,  darüber  fehlen 
bei  Meedl  bis  nun  nähere  Anhaltspunkte;  jedoch  ist  nach  Analogie  des 
Pinker  Vorkommens  mit  hoher  Wahrscheinlichkeit  der  Schluss  zulässig, 
dass  dies  ebenfalls  in  keiner  grossen  Teufe  sicherlich  der  Fall  sein 
wird.  Das  Auskeilen,  beziehungsweise  Aufsitzen  der  Pinker,  voraus- 
sichtlich auch  der  Meedler  Eisenerzlagerstätten  nach  der  Teufe,  steht 
im  ursächlichen  Zusammenhange  und  erhält  hiedurch  die  Anschauung 
von  deren  s  e  c  u  n  d  ä  r  e  r  E  n  t  s  t  e  h  u  n  g  s  w  e  i  s  e  vom  Kopf  der 
Schichten  her,  eine  wichtige  Stütze. 

Während  die  intakten  Diabasschiefer  und  deren  Tuffe  imper- 
meable Gesteine  sind,  worin  die  Wasserzuflüsse  stets  gering  waren, 
erscheinen  die  umgewandelten  und  zersetzten  infolge  der 
erlittenen  Substanzverluste  und  der  damit  ursächlich  zusammen- 
hängenden Volumverminderung  als  mehr  o  d  e  r  w  e  n  i  g  e  r  i  n  t  e  n  s  i  v 
mit  Wasser  angesoffen  e  Gesteinsmedien.  Die  grösste 
Wasserdurchlässigkeit  besitzen  jedoch  die  Eisenerz- 
lager und  die  sie  begleitenden  Kieseleisensteinlager 
selbst,  was  sich  beim  Grubenbetriebe  in  der  Art  äusserte,  dass  das 
jedesmalige  Anhauen  der  Erzlager  auf  den  einzelnen  Bausohlen  mehr 


[671  Die  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen  Devon.  95 

oder  weniger  intensive  Wassereinbrüclie  zur  Folge  hatte,  verknüpft 
mit  einer  mehrtägigen  Inundation  der  Grubenbaue.  Zeigten  sich 
vor  den  Ausriclitungsbauen  autfällig  verstärkte  Wasserzuflüsse ,  so 
konnte  mit  einiger  Sicherheit  auf  die  Nähe  der  Erzlagerstätten  ge- 
schlossen werden.  Diese  Erscheinung,  sowie  die  damit  ursächlich  ver- 
knüpfte grosse  Klüftigkeit  der  Erzlager  —  welche  so  weit  geht,  dass 
dieselben,  wie  oben  erwähnt,  bis  zu  einem  schotterigen  Haufwerk 
zerfallen  sind  —  als  auch  zahlreiche  nesterförmige  Holilräume  darin 
haben  ihre  Ursschen  in  der  V o  1  u  m  v  e  r  m  i  n  d  e  r  u  n  g ,  welche  da- 
durch entstanden  war,  dass  das  erstlich  anwesende  Eisencarbouat, 
successive  in  Eisenoxyd  und  Eisenoxyduloxyd  übergeführt  wurde. 
Dividirt  man  nämlich  die  absoluten  Gewichte  durch  die  specifischen 
des  Siderits  und  des  Magnetits,  so  ergibt  sich  für  den  letzteren  ein 
um  51o/o  geringeres  Volumen  gegenüber  dem  Spatheisen,  aus 
welchem  das  Magneteisen  hervorgegangen.  Die  durch  die  gedachte 
Volumabnahme  hervorgebrachte  Klüftigkeit  der  Erzlager  bedingt  die 
grössere  Durchlässigkeit  für  Wasser,  denn  diese  ist  abhängig  von  der 
Anzahl  der  Durchgangsöftnungen,  welche  ein  bestimmter  Querschnitt 
darbietet.  Poröse  und  klüftige  Massen  werden  im  Gegensatze  zu  den 
dichten  massigen  stets  grössere  Wassermengen  ergeben. 

Die  entstandenen  Hohlräume  und  Klüfte  füllten  sich  unter  dem 
Grundwasserniveau  mit  Wasser,  welches  dann  beim  Anfahren  der 
Erzlager  die  Veranlassung  zu  den  Wassereinbrüchen  wird. 

D.  Das  Bergrevier  Sternberg. 

Der  im  Westen  der  Stadt  Sternberg  verbreiteten,  oben  geschilderten 
Zone  mächtiger  Diabasgesteine  mit  Thonschiefer-  und  Grauwacken- 
sandsteinlageru  wechselnd,  sind  zahlreiche  Eisenerzlagerstätten  unter- 
geordnet, welche  insbesondere  Ausscheidungen  und  Anhäufungen  am 
Contact  von  Diabas  und  Thonschiefer  darstellen  und  eine  durch  das 
gleiche  Auftreten  bedingte  Aehnlichkeit  mit  dem  Erzvorkommen  bei 
Bennisch  und  Umgebung  aufweisen  ^) ;  sie  sind  geognostisch  von  be- 
sonderem Interesse  und  technisch  hochwichtig.  Dieselben  waren  mit 
wenigen  Ausnahmen  bereits  den  „Alten"  bekannt,  welche  darauf,  wie 
überhaupt  auf  dem  ganzen  Erzlagerzuge  der  Mandelsteinzone  Stern- 
berg-Bennisch,  im  Mittelalter  einen  blühenden  Bergbau  betrieben 
haben,  der  später  durch  Jahrhunderte  geruht,  bis  derselbe  anfangs 
dieses  Jahrhunderts  zu  neuem  Leben  wieder  erwacht  ist  und  je 
nach  der  Conjunctur  der  Eisenindustrie  mit  wechselndem  Geschick 
betrieben  wurde.  Was  die  „Alten"  auf  den  ihnen  bekannten  Eisen- 
erzlagern oberhalb  des  Grundwasserspiegels  zurück- 
gelassen haben,  hat  der  neuzeitige  Bergbau  vollends  weggebaut,  die 
den  „Alten"  nicht  bekannten  oder  von  denselben  nicht  gebauten 
Lagerstätten  sind  seither  bis  zu  diesem  Niveau  ebenfalls  fast  gänzlich 
zu  Ende  verhauen  worden,  so  dass  heute  oberhalb  des  natürlichen 
Grundwasserspiegels  nur  belanglose  Pfeilerreste   und  Lagertheile   an- 


^)  F.  Kretschmer:  Die  Eisenerzbergbaue  bei  Benniscli  (Schlesien).  Oesterr. 
Zeitschr.  f.  Berg-  u.  Hüttenwes.  XLII,   1894,  Nr.  15  u.  16. 


9ß  Franz  Kretschmer.  [68] 

Stehen;  die  Erzlager  setzen  aber  abbauwürdig  in  weitere  Teufen 
lierab,  wo  sie  des  Aufschlusses  durch  Stollen-  oder  Maschinenschacht- 
anlagen  harren. 

Um  im  Sinne  einer  übersichtlichen  Ordnung  vorzugehen,  sollen 
die  gedacliten  Lagerstiitten.  so  wie  sie  am  Streichen  in  annähernd 
demselben  Schichtenniveau  liegen,  vom  Liegenden  der  ausgedehnten 
Sternberger  jNIandelsteinzone  beginnend  und  zum  Hangenden  fort- 
schreitend, aufgeführt  werden,  und  zwar: 

a)  Gabrielenzeche  am  Altarstein  nordöstlich  Rietsch. 

Jenseits  des  Kalkgraben  am  Altarstein  findet  sich  ein  von  dem 
übrigen  MandeLsteingebiet  durch  zwischengelagerte  blaugraue  Kalk- 
steine und  dachschieferähnliche  Thonschiefer  isolirtes  Mandelsteinlager 
von  untergeordneter  Verbreitung.  Oberhalb  des  Altarsteins,  rechts 
vom  alten  Deutsch-Hauser  Verbindungswege  im  ehemaligen  Rietscher 
Gemeindewalde,  wird  dieser  Mandelstein  an  der  Grenze  gegen  die  im 
Liegenden  unterteufenden  Grauwacken  von  armen  Brauneisenerzen 
begleitet,  welche  bis  zu  Tage  ausstreichen,  leicht  gewinnbar  sind,  in 
reiche  feinkörnige  bis  dichte  dunkellauchgrüne  Magneteisenerze 
übergehen,  die  hier  in  den  Fünfziger  Jahren  dieses  Jahrhunderts 
durch  mehrere  Schächte  gewonnen  und  im  Stefanauer  Hochofen  ver- 
hüttet worden  sind. 


b)  Sophienzeche  in  Liskowetz  südlich  Rietsch. 

An  dem  westlichen  Gehänge  der  Höhe  Liskowetz  im  Rietscher 
Gemeindewalde  lagert  im  Mandelstein  ein  untergeordnetes  Vorkommen 
eines  reichen  Magneteisenerzes,  das  zum  Theil  eine  beginnende  Um- 
wandlung in  Rotheisenerz  darbietet  und  das  durch  mehrere  Schurf- 
baue  untersucht,  jedoch  nicht  weiter  aufgeschlossen  ward. 

c)  Georg-Hu^ozeche  im  Liskowetz  nordwestlich  Krokersdorf 
und  Robertzeche  im  Knhgraben  südöstlich  Rietsch. 

Von  der  Bezirksstrasse  Sternberg— Römerstadt  circa  300  m 
entfernt,  stösst  man  im  gutsherrlichen  Walde  auf  den  südöstlichen 
Abhängen  des  Liskowetz  auf  einen  grösseren,  vom  Tagbau  der  „Alten" 
herrührenden  Ringenzug,  und  zwar  zunächst  auf  die  ungefähr  100  m 
langen  Pingen  auf  Georgzeche,  dann  folgen  jene  der  Hugozeche  mit 
120  m  Länge  und  nach  einer  längeren  Unterbrechung  die  circa  180  m 
lange  Ringe  der  Robertzeche  im  Kuhgraben.  Es  sind  im  wesentlichen 
drei  im  selben  Schichtenniveau  aneinandergereihte  Erzkörper,  welche 
im  Liegenden  von  Thonschiefer,  darunter  Grauwackensandstein,  im 
Hangenden  von  Diabasmandelstein  umschlossen  sind;  letztere  häufig 
in  typischer  Ausbildungsform  mit  mohn-  bis  schrottkorngrossen  Kalk- 
spath-Secretionen. 

Speciell  der  Georgzecher  Erzkörper  hält  152  w  im 
Streichen  an,  das  zwischen  2h  bis  3h  schwankt,  während  sein 
Fallen  OSO   unter  <  50«   erfolgt,   dessen    Mächtigkeit   von  l'O 


[69]  Die  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen  Devon.  97 

b  i  s  8"2  m  wechselt.  Nachdem  die  Grenzen  der  Verdrückung'  des 
Erzlagers  im  Streichen  gegen  die  Teufe  divergiren,  so  wächst  die 
streichende  Baulänge  mit  zunehmender  Teufe.  Das  Erzlager  besteht 
überwiegend  aus  einem  feinkörnigen,  eisenschwarzen, 
glänzenden  Magneteisenerz,  das  in  der  Grube  gesprengt 
werden  muss,  somit  als  Stuferz  bricht,  das  jedoch  am  Tage  in  Be- 
rührung mit  den  Atmosphärilien  seine  Farbe  allmälig  in  graubraun 
bei  Verlust  des  Glanzes  verändert  und  zu  einem  Brauneisenerz 
ähnlichen  Schlich  zerfällt;  es  stehen  jedoch  auch  mulmige  Magnet- 
eisenerze an.  Verwitterung  zu  Braun  eisen  erz  kommt  häufig 
vor,  das  auch  zuweilen  in  grösseren  Bestandmassen  auf  der  Lager- 
stätte einbricht;  seltener  sind  Uebergänge  in  Rotheisenerz.  Die 
Erze  sind  häufig  von  weissem  und  gelbem  Kalk spath  in  Adern  und 
Trümmern  durchzogen,  hie  und  da  werden  auf  Brauneisenerz  sitzend, 
schöne  Drusen  rhomboedrischen  Kalkspaths  gefunden. 

Analyse  der  stufigen  Magneteisenerze  unter  I,  pag.  117,  Ana- 
lyse der  mulmigen  Magneteisenerze  unter  II  ebendaselbst. 

Zum  Aufschluss  und  Abbau  dieser  Erzlagerstätte  diente 
neben  mehreren  H  a  s  p  e  1  s  c  h  ä  c  h  t  e  n  der  Lisko  wetzer  Stollen, 
dessen  Röschenmundloch  die  Stollenwässer  in  den  „Goldene  Ente" 
genannten  Bach  500  vi  westlich  Krokersdorf  ausgiesst.  Derselbe  hatte 
unterwegs  vier  Lichtschächte,  erreichte  bis  zum  Erzlager  (Schacht  V) 
die  Länge  von  860-7  ;;?,  während  die  daselbst  eingebrachte  Saigerteufe 
33'19  m  beträgt.  Dieser  Stollen  ist  als  Sohlstrecke  auf  dem  Erz- 
lager und  darüber  hinaus  auf  95  ni  fortgesetzt  worden  und  obwohl 
die  Erze  in  Gestalt  von  untergeordneten  Putzen  und  Nestern  weiter- 
streichen, hat  man  den  Weiterbetrieb  gegen  Hugo  und  Robert  wegen 
der  in  grösserer  Menge  zusitzenden  Wässer  sistirt;  es  erscheint 
jedoch  die  W'iederaufnahme  dieses  Stollenbetriebes  hoffnungsreich.  — 
Nachdem  das  Erzlager  über  der  Stollensohle  vollständig  zu  Ende 
verhauen  war ,  hat  man  dasselbe  mit  zwei  t o n  1  ä g i g e n  Ge- 
senken bis  zur  flachen  Teufe  von  5-7  m  unter  der  Stollensohle 
abgebaut,  dabei  die  Wasserzugänge  mittelst  Schlepppumpen  gehalten. 
Die  Mächtigkeit  des  Erzlagers  soll  nach  Angabe  der  alten  Bergleute 
auf  der  Unterwerkssohle  noch  unverändert  angetroffen  worden  sein, 
was  jedoch  der  Bestätigung  bedarf. 

Der  H  u  g  0  z  e  c  h  e  r  Erzkörper  ist  wesentlich  kürzer  im 
Streichen,  ungefähr  120  m,  und  bricht  auf  demselben  überwiegend 
ein  aus  der  Verwitterung  hervorgegangenes,  dichtes  und  o  c  k  r  i  g  e  s 
Brauneisenerz,  das  übrigens  ähnliche  Verhältnisse  darbietet, 
wie  das  folgende  Robertzecher  Erzlager.  Der  gedachte  Erzkörper 
ist  bis  zum  natürlichen  Grundwasserspiegel  gänzlich  abgebaut,  jedoch 
sind   hier  nach    der   Teufe    noch    ansehnliche  p]rzmittel   zu  erhoffen. 

Wichtiger  als  der  vorgenannte,  erscheint  der  folgende  Rob  ert- 
zecher  Erzkörper  im  Kuhgraben,  0-87  hn  südöstlich  Rietsch ; 
er  streicht  4h,  fällt  10h  unter  <  50  bis  60«,  seine  Mächtig- 
keit in  oberen  Teufen  beträgt  3-0  bis  3'5  m  und  in  der 
Sohlstrecke  am  natürlichen  Grundwasserspiegel  1-9 
bis  5-7  w,  woselbst  er  auch  209  w,  weiter  oben  blos  171  m  im  Streichen 
bauwürdig  anhält,    so  dass   auch   hier  die  Grenzen    der  Verdrückung 

Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Keicbsaustalt,  1899,  49.  Band,  1.  Heft.  (Fr.  Kretschmer.)       13 


98  Franz  Kretachmer.  [70] 

an  den  beiden  Lagerenden  gegen  die  Teufe  divergiren.  —  Der  Erz- 
körper enthält  oben  fast  ausschliesslich  dichte,  sowie  ockerige  Braun- 
eisenerze, wovon  nur  ungefähr  2b^lQ  Stufen,  während  die  Schlicherze 
den  Rest  ausmachen.  Auch  dieses  Erz  stellt  sich  als  ein  Rück- 
bildungs-Product  des  Magneteisenerzes  dar,  was  leicht  nach- 
weisbar ist  an  den  im  Lager  einzeln  vorkommenden  Stufen,  die  aussen 
in  mulmiges  Brauneisenerz  umgewandelt  sind,  während  der  un- 
regelmässige Kern  sich  noch  im  Magne  tit-Zus  tand  e 
befindet.  Ausserdem  gehen  die  Brauneisenerze  dicht  unter  dem 
Grundwasserspiegel  —  der  dahier  im  Mittel  45-2  m  saiger  unter 
Tage  liegt  —  fast  gänzlich  in  b  1  ä  u  1  i  c  h  s  c  h  w  a  r  z  e ,  stufige 
Magneteisenerze  über.  Uebergänge  der  reichen  Erze  durch  zahl- 
reiche Mittelglieder  in  eisenarme  Kieseleisensteine  fehlen  auch 
hier  nicht. 

Im  Liegenden  des  Robertlagers  steht  hellgrauer  bis  bläulich- 
schwarzer, durch  Verwitterung  strohgelb  gefleckter  Thon  schief  er, 
welcher  in  der  Mächtigkeit  von  0'5  m  bis  zu  mehreren  Metern 
wechselt  und  weiterhin  wahrscheinlich  durch  den  nordwestlich  des 
Hugozecher  Lagers  in  einem  Steinbruche  zu  Tage  tretenden  Grau- 
w  a  c  k  e  n  s  a  n  d  s  t  e  i  n  unterteuft  wird ;  dagegen  bildet  das  unmittelbare 
Hangende  ein  schiefriger  Mandelstein  in  mehr  oder  weniger 
verwestem  Zustande,  und  zwar  ist  das  ursprünglich  sehr  chloritreiche 
Gestein  in  strohgelben  bis  weissen,  talkthonigen  Schiefer  umgewandelt, 
der  successive  seines  schiefrigen  Gefüges  beraubt  wird,  um  endlich 
in  fettig  anzufühlende,  bolartige  Massen  zu  verwittern.  Weiterhin  folgen 
frisch  erhaltene,  feste  Diabasmandelsteine  und  Schal  steine. 

Von  Mineralien  sind  auch  hier  auf  Brauneisenerz  sitzende 
schöne  Krystalldrusen  von  Kalkspath  zu  erwähnen.  Als  Ueberzüge 
und  Leisten  in  Brauneisenerz  oder  in  den  talkthonigen  Bergmitteln 
des  Erzlagers  kommt  gelblich-grüner  Pinguit  vor.  Zumeist  an  den 
Lagerausbissen  finden  sich  Pyrite,  zerfressene  Quarze,  Kalk- 
späthe  etc. 

Analyse  der  Brauneisenerzstufen  unter  HI,  pag.  117,  Analyse 
der  Brauneisenerzschliche  unter  IV,  ebendaselbst. 

Dem  A  u  f  s  c  h  1  u  s  s  und  Abbau  dieses  Lagers  dienten  zahl- 
reiche Haspel  seh  ächte  von  B7-9  bis  52-5  m  ganzer  Bauteufe, 
von  denen  mindestens  zwei  gleichzeitig  offen  gehalten  wurden ;  damit 
hat  man  die  Lagerstätte  bis  zum  Grund  was  serniv  e  au,  also  bis 
45-2  m  Teufe  zum  grösseren  Theile  verhauen,  jedoch  sind  daselbst 
noch  ansehnliche  Pfeilerreste  zurückgeblieben,  welche  künftighin  im 
Trockenen  abgebaut  werden  können,  während  die  Hauptmasse 
der  Erze  in  die  Teufe  ins  Wasser  hin  absetzen,  ohne 
Mächtigkeits-  und  Qualitätsunterschiede  wahrnehmen  zu  lassen. 

Die  Vorrichtung  bestand  in  der  Auffahrung  der  meist  kurzen 
Sohlquer  schlage,  der  Sohlstrecken,  sowie  der  Bau  strecken, 
welch'  letztere  in  Saigerabständen  von  9-5  m  aufeinander  folgten, 
worauf  im  Kreuzstreichen  Ueb erbrechen  26-5  m  entfernt,  die 
Pfeiler  begrenzten,  während  der  Abbau  firstenstrossenförmig  mit 
Versatz  nachrückte,  hiebei  wurden  grössere  Mächtigkeiten  mittelst 
Quer  bau  verhauen.    Die  Gestehungskosten   der  Erze   stellten 


[711  Die  EisenerzlagerBtätten  des  mährischen  Devon.  99 

sich  auf  18  Kreuzer  per  100  hg,  also  billig,  da  keine  Wasserhaltungs- 
ko8ten  darauf  lasteten. 

(1)  Concordia-,  Hubert-  und  Liborzeche  im  Walde  „Draschba" 
nördlich  Krokersdorf. 

Von  dem  vorhergehenden  Lagerzuge  durch  ein  280  m  mächtiges 
Gesteinsmittel  getrennt,  folgt  dieses  kurzabsätzige  Vorkommen;  es 
sind  zumeist  belanglose  Butzen  und  Nester  längs  des  generellen 
Streichens  angeordnet.  Auf  Concordia  lagern  30  bis  SS^/o  eisen- 
haltige milde  Br aun eisener ze,  wenig  aufgeschlossen;  dieselben 
waren  im  Zuge  gegen  Hubert  mächtiger.  Auf  letzterer  Zeche  sind 
uralte  Tagbaue  sichtbar ;  die  Brauneisenerze  mit  Ueber- 
gängen  in  Magneteisenerze  sind  reich,  leicht  gewinnbar,  jedoch 
häufig  durch  Verwerfungen  gestört.  Aehnliche  Verhältnisse  be- 
stehen auf  Liborzeche.  Das  Liegende  dieser  Erzlager  bildet  auch 
hier  der  Thonschiefer,  während  am  Hangenden  Diabasmandelstein 
nebst  seinen  Varietäten  lagert. 

e)  Hilaristollen  im  gutsherrlichen  Walde  „Dubsko"  nord- 
westlich Gobitschau  (Stachetenried). 

Dieses  isolirte  Vorkommen  ist  durch  einen  uralten  mächtigen 
Tagbau  gekennzeiclmet;  die  dabei  umherliegenden  grossen  Stufen 
von  Brauneisenerz  mit  angeblich  3G'7o  Eisengehalt  lassen  auf 
deren  Anstehen  in  nächster  Nähe  schliessen.  Die  „Alten"  hatten  als 
Einbaue  zwei  Stollen  vorgetrieben.  Neuere  Schürfungen  stiessen 
in  geringer  Teufe  auf  Wasser,  die  eingebaute  Pumpe  versank  im 
„Alten  Mann". 

f)  Eduardzeche  im  Riede  „Raaba",  15  km  nordöstlich 
Krokersdorf. 

Von  den  sub  d)  angeführten  Vorkommen  durch  eine  425  m 
mächtige  Gesteinszone  getrennt,  folgt  das  schöne  Erzvorkommen  in 
der  Raaba,  eines  der  wenigen,  welches  die  „Alten"  nicht  gebaut 
haben  und  das  erst  der  neuzeitige  Bergbau  aufgeschlossen  hat. 

Hier  treten  zwei  nahe  b  e  i  e  i  n  a  n  d  e  r  1  i  e  g  e  n  d  e  Erzlager 
in  einem  Diabasmandelstein  auf,  der  zu  einem  strohgelb  gefleckten, 
milden  Thonerdesilicat  zersetzt  erscheint.  Von  den  beiden  Erzlagern 
ist  insbesondere  das  liegende  stärker  gebaut  worden,  es  hält  circa 
104  m  im  Streichen  gegen  NO  an  und  fällt  nach  SO  ein,  gegen  das 
Ausgehende  hin  keilt  es  ungefähr  5  m  unterm  Tage  aus.  Das  ein- 
brechende Erz  ist  vorwiegend  ein  reiches  Magneteisenerz,  das 
an  den  Structurflächen  und  im  Innern  der  Stufen  beginnende  Um- 
wandlung in  Rotheisenerz  darbietet,  dadurch  spiegelig  dem  Eisen- 
glanz ähnlich  erscheint,  wofür  dasselbe  auch  früher  irrthümlich  ge- 
halten worden  war.  Zu  B  r  a  u  n  e  i  s  e  n  e  r  z  verwitterte  Lagerpartien 
gegen  den  Tag  hin  sind  auch  hier  häufig. 

Der  Aufschluss  und  Abbau  wurde  durch  3  Haspelschächte 
von  29-1 '//<  durchschnittlicher  Bauteufe  bewerkstelligt;  mit  Gesenken 

13^ 


IQO  Franz  Kretschmer.  [72] 

hat  man  die  Erze  bis  zum  natürlichen  Wasserniveau,  das  hier  in  der 
Teufe  von  34-8  m  unterm  Tage  liegt,  gänzlich  zu  Ende  verhauen,  unter- 
halb desselben  fallen  die  bauwürdigen  Erze  ins  Wasser  und 
um  dieses  letztere  zu  heben,  hat  man  auch  hier  einen  Versuch  mit 
Handpumpen  gemacht,  ohne  jedoch  die  Zuflüsse  zu  zwingen. 

g)  Bartholomäuszeche   im  gutsheriiichen  Walde  Kalkgraben 
westlich  der  alten  Strasse  Sternberg— Deutsch-Hause. 

Das  daselbst  aufsetzende  Erzlager  besteht  aus  einem  fein- 
körnigen, reichen  Magneteisenerz  von  angeblich  50%  Eisen- 
gehalt, dem  accessorisch  tafelförmige  Krystalle  und  krystallinische 
Blättchen  von  Eisenglanz  eingestreut  sind.  Dasselbe  ist  mit  einem 
15-2  m  langen  Versuchstollen  und  einem  95  m  tiefen  Licht- 
schacht erschürft  worden,  worauf  man  dann  einen  Zubaustollen 
von  132'7  m  Länge  zum  weiteren  Aufschluss  herangeführt  hat. 

h)  Bergbau  Ottilienzeche  bei  Gobitschau. 

Zwischen  dem  Dorfe  Gobitschau  einerseits  und  der  alten  Strasse 
Sternberg — Deutsch-Hause  andererseits,  im  sogenannten  Kreuzriede, 
treten  zwei  durch  ein  90  in  mächtiges  G  ebirgsmitt  e  1  ge- 
trennte Eisenerzlager  auf,  und  zwar  das  Liegend-  oder 
Ottilienlager  in  der  Ottilienmaß  I  und  das  Hangend-  oder 
Eduardlager  in  der  ehemaligen  Eduardzeche,  jetzt  Ottilienmaß  IL 
Speciell  das  letztere  ist  in  den,  dicht  an  der  Südseite  des  Dorfes 
gelegenen  Gärten,  durch  eine  tiefe  Terrainsenkung  vom  früheren 
Abbau   herrührend,  am  Tage  gekennzeichnet. 

Das  Liegendlager,  welches  in  der  Mächtigkeit  von 
M,  2-5  bis  4-0  w  wechselt,  nach  3  h  ll'6o  streicht,  unter  49" 
nach  9  h  11-6  o  einfällt,  besteht  aus  einem  weniger  stufigen,  vor- 
wiegend mulmigen  Braun  eis  enerz,  über  dessen  Metallgehalt  die 
Analysen  V  (Stufen)  und  VI  (Schlich)  pag.  117  den  nöthigen  Aufschluss 
bieten.  Dasselbe  ist  aus  einem  bläulich-schwarzen,  dichten  bis  körnigen 
Magneteisenerz  hervorgegangen,  wie  an  der  Hand  unverwitterter 
Lagerpartien  in  der  Teufe  nachgewiesen  werden  kann.  Ausserdem 
brechen  auf  diesem  Lager  ein:  faust-  bis  kopfgrosse  Stufen  von 
schwärzlich-grünem,  grossblätterigem  S  t  i  1  p  n  o  m  e  1  a  n  ,  eisenarme, 
dunkle  S  t  i  1  p  n  o  m  e  1  a  n  s  c  h  ie  f  e  r  als  0-3  bis  0-7  w  mächtige 
Zwischenmittel,  vereinzelte  Trümmer  von  Diabasmandelstein  und 
mehr  oder  weniger  starke  Th  o  n  schi  ef  ermittel;  auf  den  Structur- 
flächen  ist  zeisiggrüner  bis  grasgrüner  Pinguit  häufig,  seltener  ist 
ein  feinerdiger  chocoladebrauner  W  a  d  der  Lagermasse  in  3 — 5  cm 
starken  Leisten  intercalirt.  Magneteisenerz  und  Stilpnomelanschiefer 
fünd  durch  instructive  Uebergänge  miteinander  verknüpft. 

Dieses  Erzlager  wurde  bis  zum  natürlichen  Grundwasser- 
spiegel, das  ist  bis  zur  Saigerteufe  von  44-6  m  mittelst  zweier 
saigerer  Haspelförderschächte  und  einem  tonlägigen  Fahr- 
und  Wetterschacht  derart  zum  Abbau  vorgerichtet,  dass  daraus 
vier  Baustrecken    betrieben  worden  sind,    welche  sich  in  Saiger- 


[731  r^ie  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen  Devon.  101 

abständen  von  7'6  tn  folgten  und  denen  19—23  m  entfernt  liegende 
Ueb erbauen  ins  Kreuz  führten.  Die  so  gebildeten  Pfeiler  von 
11  bis  12  ni  flacher  Höhe  und  18  bis  22  m  Länge  hat  man  sodann 
firstenst  rossen  förmig  mit  nachgeführtem  Bergversatz  abge- 
baut. Das  bauwürdige  Anhalten  des  Erzlagers,  in  oberen  Teufen 
etwas  kürzer,  hat  man  auf  der  tiefsten  Sohlstrecke  am  Grund- 
wasserspiegel auf  250  w  Länge  nachgewiesen.  Nachdem  also 
oben  die  Grenzen  der  Verdrückung  an  den  Lagerenden  in  NO  und 
SW  gegen  die  Teufe  hin  divergiren,  so  dürfte  auch  unter  dem  Grund- 
wasseruiveau  die  bauwürdige  Länge  derselben  bis  zu  einer  gewissen 
Grenze  voraussichtlich  wachsen. 

Das  Liegendlager  ruht  auf  Thon  schief  er  und  Zermalmungs- 
producten  des  letzteren  zusammen  3  m  mächtig,  dann  folgt  Grau- 
wackenconglomerat  Im  stark  und  schliesslich  Grauwacken- 
sandstein  nicht  durchbrochen;  darüber  im  Hangenden  folgt  nach 
Massgabe  der  mit  dem  Hangendquerschlage  vom  Ottilienförderschacht  I 
durchfahren  en  Schichten :  Diabas  mandelstein  (theilweise  zersetzt 
mit  Intercalirungen  von  Diabasporphyrit  80-0  m,  T  h  o  n- 
schiefer  157  m,  Diabasmandelstein  (nicht  durchbrochen).  Auf 
der  letzteren  Grenze  zwischen  Thonschiefer  und  den  im  Hangenden 
folgenden  Diabasmandelstein  findet  sich  weiter  gegen  ONO  vorkommend 
das  Hang  endlag  er,  auch  Eduardlager  genannt,  welches  circa 
<  450  gegen  SSO  fällt  und  von  WSW  nach  ONO  streicht,  dessen 
bauwürdige  Länge  am  Grundwasserspiegel  mau  blos 
mit  112  m  constatirte;  dagegen  war  seine  Mächtigkeit  sehr  er- 
heblich, obwohl  nicht  näher  bekannt,  doch  weist  darauf  die  ansehn- 
liche Pingenbreite  unverkennbar  hin.  Dasselbe  ist  mit  einem  fein- 
körnigen kalkhaltigen  Magneteisenerz  von  angeblich  36% 
Eisengehalt  ausgefüllt,  das  in  seiner  äusseren  Erscheinung  dem  weiter 
unten  angeführten  Mathildezecher  Magneteisenerz  ganz  ähnlich  ist,  so 
dass  das  erstere  für  die  Fortsetzung  des  letzteren  gehalten  wird  (?). 
Den  Abbau  hat  man  auch  hierdurch  zwei  Haspelschächte  von 
31'29  m  mittlerer  Teufe  bewerkstelligt;  unter  dieser  Sohle  sind  die 
Erze  bis  zum  Grundwasserspiegel,  welcher  hier  in  einer  mittleren 
Teufe  von  41  34  m  liegt,  mittelst  T  0  n  1  a  g  s  g  e  s  e  n  k  e  n  zur  Gänze 
verhauen  worden. 

Obigem  zufolge  sind  beide  Erzlager  bis  zum  Grundwasserspiegel 
abgebaut,  also  über  dem  letzteren  keine  Erze  mehr  anstehend,  da 
diese  jedoch  auf  beiden  Lagern  in  bauwürdiger  Mächtigkeit  und 
Qualität  in  die  Teufe  hinabsetzen,  erschien  die  Entwässerung  dieser 
Lagertheile  Erfolg  verheissend;  nachdem  ferner  die  Terrainverhält- 
nisse südwestlich  und  südöstlich  Gobitschau  einer  Stollen  an  läge 
günstig  liegen,  so  hat  man  letzteren  einem  Maschinenschacht  aus 
dem  Grunde  vorgezogen,  weil  der  Stollen  sowohl  in  den  Anlagekosten, 
als  auch  in  den  Betriebs-  und  Unterhaltungskosten  wesentlich  billiger 
zu  stehen  kommt. 

Die  Terrainverhältnisse  gestatteten  sowohl  die  Anlage  eines 
Stollens  in  der  Richtung  des  generellen  Streichens,  als  auch  im 
hangenden  Querstein  in  fast  gleicher  Länge  und  Teufe,  doch  hat 
man   den  Liegendstollen  vorgezogen:    1.)  Um  möglicherweise  die  be- 


■[Q2  Franz  Kretschmer.  [74] 

kannten  Hangendlager  der  Willengottes-,  Engelbert-  und  Albertzeche 
zu  verqueren,  und  2.)  weil  sich  zufallender  Mandelstein  über  das 
Streichen  weit  leichter  arbeitet,  als  im  Streichen.  Demzufolge  ist 
der  Stollen  in  dem  Seitenthale,  welches  vom  Schäferbache  gegen 
die  Colonie  Levin  führt,  nächst  der  sogenannten  Klunkermühle 
dergestalt  angeschlagen  und  nach  20  h  3 "  52 '  betrieben  worden, 
dass  das  Liegendlager  bei  645-2  m  Gesammtlänge  erreicht  und  nach 
Abzug  der  zulässigen  Ansteigens  von  1  pro  ^'/oo,  84-74  m  an  Sai ger- 
teufe eingebracht  wird,  so  dass  also  unter  dem  Grund- 
wasserspiegel rund  40  w  an  saigerer  Pf  eil  erhöhe  gelöst 
werden,  welche  durch  eine  Mittelsohle  in  zwei  gleiche  Bausohleu 
von  20  m  Saigerabstand  getheilt  werden  sollen.  Gegenwärtig  ist  der 
Stollen  auf  4040  ni.  vorgetrieben  und  damit  die  oben  angeführte 
Schichtenfolge  durchbrochen  worden.  Die  Stollentagrösche  ist  bis 
()  m  Höhe  ausgebrochen  und  ausgemauert,  der  Stollenmund  im  er- 
weiterten Profil  auf  13-4  w.  Länge,  2'50  m  hoch  X  1-27  verglichen 
breit  =  3-18  m^  gross  gezimmert  und  weiterhin  das  normale,  gleich- 
falls trapezförmige  Stollenprofil  in  der  Zimmerungslichte  2*35  m  hoch 
X  ri2  m  verglichen  breit  =  2-63  m^,  im  festen  Gestein  2-40  m  hoch 
X  1-40  m  breit  =  3-36  m'^  gross  ist,  wovon  0*45  m^  auf  die  Wasser- 
saige  entfallen,  während  der  übrige  Theil  der  Förderung  und  Fahrung 
dient. 

Das  hohe  Stollenprofil  hat  man  gewählt,  um  für  eine  kräftige 
Bewetterung  vorzusorgen,  was  seither  auch  vollständig  gelungen 
ist.  Es  steht  zu  erwarten,  dass  der  Stollen  damit  ans  Ziel  gebracht 
wird,  demzufolge  Lichtschächte  ganz  erspart  werden,  die  in  dem 
festen  Mandelstein,  sowie  auch  im  Thonschiefer  bei  der  erheblichen 
Saigerteufe  theuer  zu  stehen  kämen.  Bei  der  Stollenlänge  von  335  m 
sind  zahlreiche  und  wasserreiche  Kreuzklüfte  angefahren  worden, 
welche  ausserdem  matte  Wetter,  sehr  wahrscheinlich  aus  dem 
„Alten  Mann"  der  vorliegenden  alten  Grubenbaue  mitbrachten,  so  dass 
die  Grubenlichter  ihren  Dienst  versagten.  Nach  circa  drei  Wochen  war 
die  auffällige  Erscheinung  vorüber  und  die  Wetter  so  frisch  wie  früher. 
Um  den  natürlichen  Wetterwechsel  zu  unterstützen,  sind  von  dem 
Gefälle  vor  dem  Stollenmundloch  13-3  m  in  einer  Parti al-Turbine 
nutzbar  gemacht  worden  zum  Betriebe  eines  C  entri  fug  al- Ven- 
tilator. Als  Aufschlagswasser  dient  das  Stollenwasser,  dessen 
Menge  von  8-9  Secundenliter  in  Maximum  bis  5-6  Secundenliter  im 
Minimum  schwankt,  je  nach  der  Jahreszeit  und  der  Wasseranspannung 
der  durch  den  Stollenbetrieb  entblössten  Klüfte.  An  den  Ventilator 
schliesst  sich  bis  vor  Stollenort  ein  hölzerner  Luttenstraug  von  0-20  m 
Seite  des   quadratischen  Querschnittes,    in  innerer  Lichte    gemessen. 

Die  oben  angeführten  Stollenwassermengen  blieben  constant, 
wie  eine  mehrjährige  Beobachtungsreihe  nachweist.  Eine  Ein- 
wirkung auf  die  obertägigen,  in  der  Nähe  befindlichen 
Quellen  hat  sich  nicht  ergeben,  wie  vielfache,  nacli  längereu 
Zeiträumen  wiederholte  Beobaclitungen  und  Messungen  nachweisen,  die 
an  den  Wasserständen  der  Hausbrunnen  in  der  Gemeinde  Gobitschau 
und  den  Quellen,  welche  am  Fusse  des  nördlichen  Gehänges  dicht 
iiinter  Gobitschau  zu  Tage  treten,  angestellt  wurden. 


[751  l)iö  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen  Devon.  103 

Dies  ttiidet  seine  Begründung  in  der  Betrachtung  nachstehender 
Thatsachen:  Die  gemessenen  15  Brunnen  der  Gobitschauer  Ansassen 
haben  nur  eine  Tiefe  von  110  m  im  Minimum  bis  1570  m.  im  Maxi- 
mum oder  7  2  m  im  Mittel  und  tragen  zum  Theil  den  Charakter  von 
Cisternen  an  sich,  oder  führen  nur  d  i  e  W  il  s  s  e  r  der  v  a  d  o  s  e  n 
subterranen  Circulation,  welche  sich  in  der  o  b  e  r- 
tiigigen  Detrituslage  bewegen  und  nach  der  Teufe 
grösserem  Widerstände  an  einer  Lettenschicht  be- 
gegnen. Der  Ottilienstollen  aber  hat  die  profunde  subterrane 
Wassercirculation  zum  Gegenstande ,  deren  mittlerer  Si)iegel  im 
„Kreuzriede",  wie  bereits  oben  erwähnt,  44-6;«  unter  Tage  liegt; 
es  herrscht  somit  zwischen  den  beiden  Wasserniveaus 
eine  mittlere  saigere  Höhendifferenz  von  37-4  w.  Dem- 
zufolge ist  eine  Abzapfung  der  Gobitschauer  Hausbrunnen  durch 
den  Ottilienstollen,  obwohl  derselbe  84*7  m  Saigerteufe  unter  Ter- 
rain im  benachbarten  „Kreuzriede"  einbringt,  dessenungeachtet  aus- 
geschlossen. 

Nach  der  Wassermenge  und  den  von  ihr  mitgebrachten  matten 
Wettern  zu  schliessen,  konnte  eine  Depression  des  natürlichen  Grund- 
wasserstandes auf  den  241  m  im  Stollenvorfeld  befindlichen  Erzlagern 
üttilie  und  Eduard  mit  einiger  Sicherheit  vermuthet  werden,  man 
hat  demzufolge  zwei  alte  H  a  s  p  e  1  s  c  h  ä  c  h  t  e  ge  wältigt,  dann  trocken 
weiter  abgeteuft  und  dem  künftigen  Stollenhorizont  vorauseilend,  auf 
dem  Ottilienlager  eine  Wettersohle  in  5o-5  w  Saigerteufe  gefasst 
und  mit  der  Erzförderung  begonnen.  Gegenwärtig  beträgt  die  Beleg- 
schaft 40  Mann,  die  Jahresförderung  30.000  q. 

Die  Erz  menge,  welche  durch  die  obige  Stollenanlage  bei  dem 
Schüttungsvermögeu  der  soliden  Maße  per  1  m^  =  24  <[  gelöst  wird, 
beziffert  sich  rücksichtlich  des 

Ottilienlagers  mit 420.000  q 

Eduardlagers  (schätzungsweise) .     .     350.000  „ 


zusammen  .     .     770.000  q 

Der  E  r  z  e  u  g  u  n  g  s  p  r  e  i  s  der  Erze  vom  Liegendlager  berechnet 
sich  oberhalb  dem  Grundwasserniveau,  also  beim  Abbau  im  Trockenen, 
auf  26  kr.  pro   100  kg. 


i)  Willengotteszeche  im  Sclieibenriert  nördlich  Wächtersdorf. 

Ungefähr  100  m  westlich  der  alten  Strasse  Sternberg— Deutsch- 
Hause  auf  der  Kat.  Parc.  Nr.  323  bricht  am  Contact  von  Thonschiefer 
und  Mandelstein  ein  0'6  bis  12  m  mächtiges  Magneteisenerz 
von  angeblich  55  bis  60%  Eisengehalt.  Dasselbe  ist  bis  an  die  Ver- 
drückung mittelst  Haspelschächten  abgebaut  worden,  jedoch  die 
Möglichkeit,  es  hinter  der  Verdrückung  wieder  auszurichten,  sehr 
wahrscheinlich.  Zum  tieferen  Aufschluss  hat  man  aus  dem  sogenannten 
Gründel  nördlich  und  oberhalb  Wächtersdorf  einen  Stollen  auf  un- 
gefähr 133  m  Länge  herangetrieben. 


104  Franz  Kretschraer.  [76] 

k)  Helene-,  Mathias-  und  Sidoniazeche  im  fürstlichen  Walde 
Kaminka  in  der  Gemeinde  Babitz. 

Versteckt  im  Walde,  insbesondere  rechts  des  Fahrweges  von 
Sternberg  nach  Rietsch,  finden  sich  zahlreiche  Pingen  und  Halden 
von  Schurfduckeln  und  Haspelschächten  alter  Eisenerzförderungen 
herrührend.  Auch  hier  ist  ein  in  Begleitung  von  modificirten  Mandel- 
stein auftretendes  mildes  Braun  eise  nerz  der  Gegenstand  des 
Abbaues  gewesen ,  das  seinerzeit  in  den  Hochöfen  zu  Marienthal 
und  Witkowitz  zur  Verhüttung  gelangte.  Zur  Unterfahrung  dieses 
Vorkommens  ist  ein  beiläufig  95  ni  langer  Stollen  vom  Kaminka- 
bache herangeführt  worden. 

1)  Engelbert-  und  Albertzeche  beiderseits  der  Strasse  Stern- 
berg—Deutsch-Hause, circa  300  ni  nördlich  Wächtersdorf. 

Eine  nach  dem  allgemeinen  Streichen  gestreckte  Finge  bezeichnet 
die  Stelle,  wo  früher  ein  untergeordnetes  putzenförmiges  Vorkommen 
armer  Braun  eise nerze  abgebaut  worden  ist.  Allem  Anscheine 
nach  treten  die;  Erze  auf  der  Gesteinsscheide  des  daselbst  zu  Tage 
tretenden  Thonschiefers  mit  dem  Mandelstein  auf. 

Weiter  im  Hangenden  gegen  SO  fortschreitend,  sind  mit  dem 
Steinbruche  im  Walde  der  Wächtersdorfer  Erbrichterei  im  schiefrigen 
Diabasporphyrit,  Diabasmandelstein  und  Diabastutf  lagernd,  ungefähr 
rOO  m  mächtige  Butzen  armer  Brauneisenerze  entblösst  worden. 


m)  Bergbau  Sternberg,   Paul-,  Juliana-  und  Prokopzeche  in 
der  (/olonie  Oberbau. 

Knapp  hinter  der  Sternberger  Vorstadt  Neustift,  in  der 
Colonie  Oberau,  bezeichnet  am  Tage  eine  grosse  und  tiefe  Finge 
die  Stelle,  wo  die  „Alten"  einen  ansehnlichen  Tag  bau  betrieben 
haben.  Es  lagern  hier  in  der  oben  beschriebenen  hackenförmigen 
Einbuchtung  der  Diabasgesteine  gegen  die  Stadt  Sternberg  hin,  und 
zwar  auf  der  Grenze  gegen  die  letzteren  und  die  im  Hangenden 
folgenden  Grauwackensandsteine ,  hauptsächlich  zwei  demselben 
Schichtenniveau  angehörige  Erzvorkommen,  und  zwar  die  B  u  t  z  e  n 
und  Stöcke  von  Magneteisenerz  auf  der  Paulzeche 
dicht  hinter  der  Vorstadt  Neustift  und  das  mächtige 
Erzlager  auf  der  Juliana-  und  Prokopzeche  in  der 
O  b  e  r  a  u. 

Das  Paulzecher  Erzvorkommen  ist  am  Tage  durch  eine 
sanfte  Terrainsenkung  (Finge)  der  dortigen  Akerparcellen  gekenn- 
zeichnet, es  setzt  gleich  hinter  der  Vorstadt  Neustift  bauwürdig  ein, 
streicht  in  der  Richtung  gegen  die  Häusergruppe  Oberau,  conform 
mit  dem  hier  aus  dem  normalen  Streichen  verrückten  Diabasgesteinen 
nach  20  bis  22  h,  während  das  Verflachen  2  bis  4  h  unter  <  22" 
erfolgt;  dasselbe  erleidet  im  Weiterstreichen  gegen  die  Julianazeche 
eine  längere  Verdrückung,  welche  bisher  noch  nicht  zur  Ausrichtung 
gelangte.     Das  Lager  hält  am  Grundwasserspiegel,  der  hier  in  einer 


[77]  Die  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen  Devon.  105 

mittleren  Teufe  von  33*2  m  unterm  Tage  liegt,  auf  89  m  Länge 
bauwürdig  an. 

Die  Ausfüllung  dieser  Lagerstätte  bildet  vorwaltend  Magnet- 
eisenerz, das  in  untergeordneten  Partien  zu  dichten  und  okerigen 
Brauneisenerz  verwittert  und  accessorisch  mit  Schnüren  sowie 
Nestern  von  schwärzlich-grünen  bis  pechschwarzen  blätterigen  Stil- 
p  n  0  m  e  1  a  n,  als  auch  mit  C  a  1  c  i  t  und  Quarz,  spärlichen  Pyrit 
durchwachsen  ist.  Dieses  Erzvorkommen  ist  bis  zum  Grundwasser- 
niveau gänzlich  abgebaut,  verspricht  jedoch  nach  Maßgabe  seines 
Verhaltens  in  der  Wassersaige,  nach  der  Teufe  bauwürdig  einzufallen. 
Wahrscheinlich  galt  dem  Aufschluss  dieses  Vorkommens  der  ur- 
alte Stollen,  welcher  angeblich  an  den  Gehängen  des  Weinberges 
gegen  die  Langegasse,  bestanden  haben  soll  (?). 

Auf  denselben  Gehängen  westlich  der  Langengasse  hat  man  auch 
einen  Erzausbiss  im  Mandelstein  zwischen  der  fürstlich  Liechtenstein- 
schen  Ziegelei  und  gegenüber  dem  Obstgarten  des  Gasthofbesitzers 
Netter  angetroffen. 

An  dem  Feldwege,  welcher  durch  die  Oberau  nach  dem  Wind- 
mühlberge führt,  dicht  am  östlichen  Pingenrand  thut  sich  das  Juliana- 
lager  bauwürdig  auf,  streicht  in  der  Richtung  der  Pinge,  um  sich 
weiterhin  gegen  die  „Grossenberge"  zu  verdrücken;  es  ist  jedoch 
nach  Analogie  gleicher  Vorkommen  fast  gänzlich  fraglos,  dass  sich 
dasselbe  gegen  „Kaminka"  neuerdings  bauwürdig  einwerfen  dürfte. 
Das  Juliana-Eisenerzlager  bildet  neben  dem  KamJnkalager  den  vor- 
nehmsten Schatz  der  Gegend ;  sein  allgemeines  Streichen  ist  8  h,  das 
Verflachen  2  h  unter  -^  40  bis  50°,  die  Lager mächtigkeit 
schwankt  von  2  und  3  m  bis  5-7  m,  während  das  ununterbrochene 
Anhalten  im  Streichen  am  natürlichen  Grundwasser- 
spiegel bei  28'5  m  Teufe  auf  200  m  constatirt  wurde.  Die 
Verdrückungen  an  den  Endschaften  des  Lagers  divergiren  auch  hier 
nach  der  Teufe,   so  dass  also  dahin  diese  Länge  noch  etwas  wächst. 

Ein  Bild  von  der  Stratification  des  Lagers  und  seiner  Neben- 
gesteine gewährt  der  Kreuzriss  (siehe  Textfigur  2  auf  umstehender 
Seite)  durch  den  Prokopschacht  I  am  nordwestlichen  Pingenrand  und 
den  Maschinenschacht;  es  ruht  auf  in  mächtiger  Zone  entwickeltem, 
schwärzlich-grünem,  dichtem  Diabas-Aphanit,  welcher  weiter  im 
Liegenden  in  einen  dunkeln,  durch  dichtgedrängte  Kügelchen  weissen 
Kalkspaths  sehr  charakteristischen  Diabas-Mandelstein  über- 
geht. Auf  das  am  Prokopschachte  I,  3-8  m  mächtige  Erzlager  folgt 
zunächst  0'95  m  Th  on  s  c  h  i  e  f  e  r,  sodann  3"8  m  S  c  h  a  1  s  t  e  i  n- 
Conglomerat  und  -Breccie,  ferner  1-9  m  S  chal  Steins  chutt 
und  endlich  ein  26  bis  32  m  mächtiger  Complex  von  bis  zu  lockerem 
Sand  aufgelösten  Grauwacken  -  San  dst einen ,  welche  ^  24^ 
herab  einfallen,  so  dass  eine  Aufstellung  der  Schichten  gegen  die 
Diabasgesteine  hin  stattfindet,  was  mit  der  eruptiven  Herkunft  der 
letzteren  zusammenhängt. 

Was  die  Zusammensetzung  des  Julianalagers  betrifft,  so  wird 
dieses  auf  der  Wettersohle  in  34  m  Teufe  aus  einem  schwärzlich- 
grünen, dichten  bis  feinkörnigen  Magneteisenerz  gebildet,  das 
sich  mit  der  Keilhaue  arbeiten   lässt    und   häufige  Umänderungen   zu 

Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Ueichsanstalt,  1899,  49.  Baud,  1.  Heft.  (Fr.  Kretsohmer.)       14 


106 


Franz  Kretschmer. 


[78] 


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[79]  I^ie  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen  Devon.  107 

Brauneisenerz  darbietet;  gegen  das  Ausgehende  erscheint  es  fast 
gänzlich  in  ein  dichtes  und  gelbockriges  Braun  eise  nerz,  sowie 
T  hon  eisen  stein  umgewandelt.  Das  Magneteisenerz  wird  häufig 
von  Schnüren  eines  pechschwarzen,  körnig-blätterigen  Stilpnomelan 
und  weissen  Kalkspathadern,  sowie  zuweilen  auch  von  Chlorit, 
durchzogen ;  bisweilen  bildet  sich  eine  dem  Mandelstein  völlig  gleiche 
Structur  aus,  indem  das  dunkle  Magneteisenerz  als  Grundmasse  dicht- 
gedrängte, hanfkorngrosse ,  weisse  Kalkspathkügelchen  umschlossen 
hält.  Eine  stellenweise  vorkommende,  0*5  m  starke  Lage  des  Erzkörpers 
am  Hangenden  ist  durch  Diabasmaterial  verunreinigt,  daher  unbau- 
würdig; im  übrigen  ist  dasselbe  auffallend  rein. 

Die  Analyse  der  Brauneisenerze  ist  unter  VII,  pag.  117,  und 
diejenige  der  Magneteisenerze  unter  VIII,  ebendaselbst  angeführt. 

Den  Bergbaubetrieb  betreffend,  ist  anzuführen,  dass  das 
Julianalager,  wie  oben  erwähnt,  bereits  auch  von  den  „Alten"  ab- 
gebaut wurde,  und  zwar  haben  sie  die  Erze  am  Tage  herausgenommen, 
wovon  die  230  m  lange  und  40  m  breite  Finge  zurückgeblieben  war. 
—  In  neuer  Zeit  ist  dieser  Bergbau  1 843  wieder  erschlossen  worden, 
und  zwar  beschränkte  man  sich  anfänglich,  das  Erzlager  bis  zum 
Gr und w asser horizont  mittelst  zahlreicher  Haspelschächte 
abzubauen.  Als  aber  bis  dahin  alle  Erzmittel  zu  Ende  verhauen  waren, 
hat  man  den  Versuch  gemacht,  mittelst  Handpumpen  niederzu- 
kommen, was  an  starken  Wasserzuflüssen  scheiterte.  Eine  nicht  zu 
kostspielige  Stollenanlage  hätte  blos  38  m  Saigerteufe  eingebracht, 
demzufolge  blieb  nur  die  Erbauung  einer  Masch  inen  seh  acht- 
anlag e  zum  Aufschluss  der  gedachten,  im  Wasser  liegenden  Lager- 
theile  übrig.  1873  hat  man  mit  dem  Bau  begonnen  und  den  Maschinen- 
schacht nördlich  der  Häusergruppe  Oberau  derart  angeschlagen,  dass 
derselbe  157  tn  ins  Hangende  des  Julianalagers  fällt  und  dessen  strei- 
chende Länge  in  zwei  gleiche  Flügel  getheilt  wird.  Das  Schacht- 
Maschinen-  und  Kesselhaus  ist  massiv  aus  Bruchstein  erbaut, 
deckt  eine  Fläche  von  251  m^  und  sind  darin  eine  Wasserhaltungs-, 
eine  Fördermaschine,  zwei  Dampfkessel  eingebaut,  welche 
aber  sowohl  in  ihrer  Constructionsart,  als  auch  in  den  Abmessungen 
völlig  conform  sind  der  maschinellen  Ausrüstung  der  Pinker  Maschinen- 
schachtanlage,  welch  letztere  oben  der  Gegenstand  eingehender  Be- 
schreibung war,  daher  hier  übergangen  werden  kann. 

Im  Grunde  des  Projectes  sollten  vorerst  zwei  Tiefbausohlen  in 
475  und  66'5  m  Schachtteufe  gefasst  werden,  doch  entschied  man 
sich  später,  um  den  91  w  langen  Querschlag  auf  der  I.  Sohle  zu 
sparen,  blos  die  IL  Sohle  aus  dem  Maschinenschacht  zu  fassen  und 
bei  47'5  m  Teufe  eine  Mittelsohle  einzurichten.  Der  Maschinenschacht 
erhielt  einen  rectangulären  Querschnitt  per  4*42  m  Länge  und  1-74  w 
Breite  =  7-69  m^  und  ist  in  2  Förder-,  1  Fahr-  und  1  Fumpen-Trumm 
eingetheilt;  im  letzteren  waren  2  Ilubpumpensätze  von  22  cm  Boh- 
rung und  95  cm  Kolbenhub  eingebaut. 

Man  durchteufte  mit  diesem  Maschineuschacht  die  nachfolgende 
Schichtenfolge  : 

14* 


108  Franz  Kretschmer.  [80] 

Ackererde VOO  tn 

LÖSS,  gelb 3-55  „ 

Grauwackeiisandstein,  gelb,  verwittert 23-14,, 

Blauer  Thonschiefer 0-57,, 

Grauwackenschiefer,  gelb,  verwittert 1"90  « 

Blauer  ThoDSchiefer 0-57,, 

Gelber  Grauwackenschiefer 2-09  „ 

Dunkler  Thonschiefer,  sandig,  kohlig 0-76  „ 

Grauwackenschiefer,  lichtgelb 2-46,, 

„                         mit  dunklen  Thonschieferlagen  .  24-27  „ 
Zu  Sand  aufgelöster  G r au wacken Sandstein   mit  viel 

Wasser  (Fliesssand) ? 

Zusammen     .     .     60*31  m 

Bis  dahin  betrug  der  Wasserzufluss  nur  3-7  Secundenliter. 
Plötzlich  änderte  sich  dieses  Bild,  die  letztangeführte  Schichte  des 
obigen  Schichtenprofils  wurde  nicht  an2;ehauen,  sondern  durch  Wasser- 
druck aufgehoben,  brachte  sehr  bedeutende  Wasserzugänge  und  ergoss 
ihren  Sand  sofort  unter  die  beiden  Hubpumpensätze,  welche  ver- 
schlemmt, den  Dienst  versagten,  demzufolge  die  Wässer  bis  29-7  m 
Teufe  aufgegangen  sind. 

Die  Wassergewältigung  gestaltete  sich  schwierig  und  kostspielig ! 
Zuerst  setzte  man  die  Fördermaschine  mit  zwei  Wasserkästen 
in  Betrieb,  mittlerweile  sind  zwei  21cm  Hubpumpen  Sätze  ein- 
gebaut, mittelst  Wasserhebmaschine  in  Betrieb  gesetzt  und  damit  die 
ersoffenen  Pumpenrohre  geholt  worden,  endlich  versah  man  die  Förder- 
maschine mit  einem  zweiten  Zahnradvorgelege  und  hing  daran  zwei 
weitere  in  die  Fahrabt  h  eilung  eingebaute  27  cm 
Pumpensätze.  Diese  vier  Pumpensätze  hielten  in  50*8  ?« 
Schachtteufe  einen  Wasserzufluss  von  23-7  Secunden- 
liter, womit  sich  ein  scheinbarer  Beharrungszustand 
am  Maschinen  Schacht   ausbildete. 

Um  für  die  Wetterführung  auf  der  I.  Tiefbausohle  vorzusorgen 
und  früher  zur  Erförderung  zu  gelangen,  teufte  man  mit  den  sinkenden 
Grundwässern  nächst  dem  Erzlager  drei  Haspelförder  seh  ächte 
ab,  welche  das  Wasserniveau  bei  38  w  erreichten,  es  war  somit 
b  er  e  i  t  s  9-5  w  W a  s  s  e r  a b  g  e  z  0  g  e  n.  Diesen  abgetrockneten  Lager- 
theil  hat  man  sodann  in  der  Teufe  von  35  in  vorgerichtet  und  gleich- 
zeitig dadurch  die  Wettersohle  für  den  Tiefbau  vorbereitet. 

In  der  Folge  vermochte  selbst  ein  zehn  monatlich  er  ange- 
strengter Gang  der  oben  gedachten  vier  Pumpen  die 
aufgegangenen  Wässer  nicht  unter  50-8  m  Schachtteufe 
abzusinken,  weil  die  im  Hangenden  lagernde,  schwammartig  mit 
Wasser  angesoftene  Schicht,  zu  Sand  zerfallener  Grauwacke,  beim 
Maschinenschacht  ungefähr  26  bis  '62  m  mächtig  sein  dürfte  und  im 
Streichen  einseits  an  die  Vorstadt  Neustift,  andererseits  bis  in  den 
Kaminkaried  reicht  —  wo  sie  mit  dem  Maschinenschacht  6-6  m  mächtig 
durchsuiikeu  wurde  —  also  auf  beiläufig  1-8  km  Länge  anhält  und 
dergestalt  ein  grosses  unte rirdis ches Wasserreservoir 
bildet.     Dessen   ungeachtet   erfolgte,    wie    oben   erwähnt,   auf   dem 


[81]  Die  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen  Devon.  109 

Erzkörper,  124  m  vom  Masrhinenschacht  entfernt,  ein  wohl  langsames 
aber  stetiges  Sinken  des  Grundwasserstandes  von  28"5  w  bis  HS-O?« 
unter  Terrain,  so  dass  eine  vollständige  Abzapfung  dieses 
unterirdischen  Wassermagazins  in  Aussicht  stand! 

Bei  dem  Umstand  jedoch,  dass  die  Wässer  mangels  eines 
Stollens  53*1  m  hoch  zu  Tage  zu  heben  waren,  der  Kohlen  ver- 
brauch dauernd  die  Höhe  von  '52-b  q  per  24  h  behauptete,  so  er- 
schien die  gewinnbringende  Nutzbarmachung  der  Erze 
durch  zu  grosse  Wasserhebungskosten  in  Frage  gestellt; 
der  Weiterbetrieb  dieser  kostspieligen  Entwässerung 
des  weit  ausgedehnten  Wasserträgers  war  mit  einem 
entsprechenden  Erzeugungspreis  der  Erze  in  Wider- 
spruch gerathen.  Bevor  jedoch  weitere  Maßnahmen  getroffen 
werden  konnten,  ist  auch  der  Bergbau  in  der  Umgebung  von  Stern- 
berg iofolge  der  wirtschaftlichen  Depression  der  Siebziger  Jahre 
zum  Stillstand  gekommen. 

Der  Aufschlagspunkt  des  Maschinenschachtes  war  in  dem  wasser- 
reichen Hangeudsand  entschieden  ungünstig  gewählt;  derselbe  steht 
überhaupt  zu  weit  im  Hangenden  und  hatte  demzufolge  einen  zu  weit 
ausgedehnten  Gebirgstheil  zu  entwässern.  Bei  künftiger  Wieder- 
aufnahme des  Bergbaues  wird  es  sich  empfehlen,  die  jetzige 
Maschinens  chachtanlage  abzubrechen,  die  wasserreichen 
Hangendsande  uüverritzt  zu  lassen  und  die  Position  der  neuen 
Anlage  so  zu  wählen,  dass 

1.  der  Maschinenschacht  unterhalb  des  natür- 
lichen Grundwasserspiegels  zur  Gänze  in  die  mehr 
dichten,  weit  weniger  wasserdurchlässigen  Diabas- 
gesteine hineinfällt; 

2.  die  Bausohlenquerschläge  dessenungeachtet  in  den  schuss- 
festen Mandelsteinen  möglichst  kurz  ausfallen ; 

3.  von  der  bauwürdigen  Lagermasse  keine  zu  grossen  Sicherheits- 
pfeiler zum  Schutze  der  obertägigen  Anlagen  stehen  bleiben  müssen. 

Die  bis  zur  projectirten  11.  Tiefbausohle  in  <J6-5  m  Saigerteufe 
anstehende  Erzmenge  calculirt  sich  bei  dem  Schüttungsvermögeu 
der  soliden  Masse  von  24  q  per  i  m^  nach  den  gegebeneu  Daten 
und  20o/o  Abschlag  für  Vertaubungen 

rücksichtlich  des  Julianalagers  auf      .......   340.000  q 

rücksichtlich  des  Paullagers  auf 160.000  „ 

Zusammen       .    .   500.000  q 

Dass  diese  Erze  in  weitere  Teufen  einfallen,  kann  nacli  Maß- 
gabe anderer  Erzvorkommen  auf  dem  Zuge  Steraaberg — Bennisch 
angenommen  werden. 

Auf  dem  Streichen  gegen  die  „Grossen  Berge"  und  „Ka- 
minka" vorkommend,  gelangt  man  vorerst  links  oberhalb  der  Bezirks- 
strasse Sternberg— Römerstadt  zu  dem  dortigen  Steinbruche,  worin 
Mauersteine  erzeugt  werden.  Hier  findet  sich  im  Diabasmandelstein 
nebst  Varietäten  ein  0*2  bis  l'Om  mächtiges  Brauneisenerz- 
lager,   durdiwaxilisen   mit  Stilpnomelan,  Kalkspath    und   \m- 


110  Franz  Kretschmer,  [82] 

verwitterten  Partien  eines  dichten  Magneteisenerzes.  Stellen- 
weise.  schwillt  das  Lager  bis  2  m  Mächtigkeit  an,  aber  im  Ganzen 
ist  es  arm,  unbauwürdig.  Auch  hier  ist  die  verrückte  Lage  der 
Schichten,  nämlich  Streichen  nach  10  h,  Fallen  4  h  unter  <  35 — 40^ 
deutlich  zu  beobachten. 


ii)  Bergbau  Kaminka. 

Genau  l'l  hn  südwestlich  von  Wächtersdorf  und  zu  beiden 
Seiten  des  Verbindungs-Fahrweges  Babitz— Wächtersdorf  im  Riede 
„Kaminka",  links  des  gleichnamigen  Baches,  lagert  unter  ähnlichen 
Verhältnissen  wie  in  der  Oberau,  an  der  Grenze  der  Diabasmandel- 
steine gegen  die  im  Hangenden  folgenden  Grauwacken,  das  wichtige 
Adolfzecher  Eisenerzlager.  Durch  die  Ausrichtungen  auf  der 
L  Tiefbausohle  constatirte  man  eine  bauwürdige  Länge 
von  265m  und  eine  durchschnittliche  Lagermächtigkeit 
von  2-5  bis  2-8  m ;  das  allgemeine  Streichen  hat  hier  seine  normale 
Lage  und  ist  nach  Maßgabe  dieser  Auffahrungen  3  h,  das  Einfallen 
9h  unter  -^230.  Die  Bausohlenstrecke  auf  der  IL  Tiefbausohle 
hat  eine  streichende  Bauwürdigkeit  in  geschlossener  Länge 
von  290  tn  ergeben,  es  nimmt  also  diese  letztere  nach  unten  zu, 
da  die  Grenzen  der  Verdrückung  an  den  beiden  Lagerenden  dahin 
ebenfalls  auseinanderlaufen;  dagegen  vermindert  sich  die  Mächtigkeit 
des  Lagers  in  der  Wassersaige  der  letztgenannten  Sohle  örtlich  bis 
auf  r6  m,  wovon  die  eine  Hälfte  aus  Erz,  die  andere  aus  Kiesel- 
eisensteinen besteht. 

Das  Adolfzecher  Erzlager  liegt  auf  mächtigem  Diabas- 
mandelstein,  welcher  im  unmittelbaren  Liegenden  dünnschiefrig, 
mild,  stark  zersetzt  erscheint,  weiterhin  folgt  dann  eine  26 '6  m 
mächtige  Schicht  von  Kalks  ch als t ein,  worauf  feste  Mandelsteine 
einsetzen ;  im  Hangenden  ist  es  überlagert  zunächst  von  3  m  T  h  o  n- 
schiefer,  dann  folgt  Grauwacken  Sandstein,  der  zu  losem 
Sand  aufgelöst  ist,  der  schliesslich  in  die '  herrschenden  festen 
Grauwacken  übergeht. 

Die  Lagermasse  wird  im  wesentlichen  durch  ein  eisen- 
schwarzes, selten  schwärzlich-grünes  Magneteisenerz  gebildet, 
das  aus  einem  Aggregat  kleinster  Magnetitoktaeder  und 
Körner  besteht,  verunreinigt  durch  weissen  Quarz,  blutrothen 
Jaspis,  röthlichen  Eisenkiesel,  seltener  ist  Calcit,  Pyrit, 
Stilpnomelan,  Chlorit  und  Pinguit.  Ueberwiegend  erscheint 
das  körnige  Erz  zerfressen,  dadurch  zellig,  cavernös,  bis  zu  losem 
Schlich  (Mulm)  zerfallend.  Das  poröse  Erz  ist  grösstentheils  mit  ver- 
witterten Nestchen  mulmigen  B  raun  eise  nerzes  durchzogen, 
wovon  die  im  allgemeinen  braunmelirte  Färbung  der  Kaminker  Erze 
herrührt.  Dieser  Verwitterungsprocess  findet  am  Tage  seine  Fort- 
setzung, indem  ein  Theil  der  eisenschwarzen  Stufen  nach  längerem 
Liege^i  an  der  Luft  ebenfalls  zu  einem  braunen  Schlich  zerfällt. 

Durch  Aufnalime  von  mehr  Kieselerde  bilden  sich  auf  den 
Lagern  in  grösseren  Bestandmassen  unreine  Varietäten  aus,  und 
zwar  Kieseleiseusteiue,  Eiseukiesel  mit  blutrothem  Jaspis, 


[83]  Die  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen  Devon.  111 

weissen  Quarz  und  Kalkspat h  verwachsen;  dieselben  machen 
insbesondere  am  Ausbiss  und  in  den  verdrückten  Partien  den  vor- 
wiegenden Theil  der  Lagermasse  aus.  In  untergeordneten  Nestern 
und  regellosen  Partien  finden  sich  auch  andere  Oxydationsstufen  des 
Eisens,  und  zwar  selten  Rotheisenerz,  häufig  Brauneisenerz, 
welch'  letzteres  gegen  das  Ausgehende  hin  schliesslich  den  grössten 
Theil  des  Lagers  ausmacht.  Was  die  Cohärenzverhältnisse  anbelangt, 
so  gibt  das  Erzlager  bei  guter  Scheidung  40%  Stufen,  607o  Schliche 
und  Erzklein. 

Die  chemische  Analyse  der  stufigen  Magneteisenerze  ist  weiter 
unten  folgend  unter  IX,  pag.  117,  diejenige  der  mulmigen  Magnet- 
eisenerze unter  X,  ebendaselbst,  angeführt. 

Der  Bergbaubetrieb. 

Zur  Entdeckung  des  Bergbaues  Kaminka  führten  die  von  den 
Eisenerzförderungen  der  „Alten"  zurückgebliebenen  Erzhalden,  auf 
welche  Bergleute  anfangs  der  Vierziger  Jahre  in  dem  früher  daselbst 
vorhandenen  Walde  links  des  Fahrweges  Babitz — Wächtersdorf  ge- 
stossen  sind,  die  dann  zu  den  Hochöfen  nach  Zöptau  abgeführt 
wurden.  Die  Alten  haben  die  Erze  blos  bis  zur  Wassersohle  heraus- 
genommen. In  neuerer  Zeit  wurde  zur  tieferen  Lösung  der  Lager- 
stätte der  an  der  Strasse  Sternberg -^ Römerstadt  beim  Wirtshaus 
„Filzlaus"  am  Kaminkabache  angeschlagene  Stollen  herangetrieben, 
welcher  bis  zum  Erzlager  793  m  lang  ausgefallen  ist  und  am  Fund- 
schachte 24-7  m  Saigerteufe  einbrachte.        ':.      ..lO'- 

Als  auch  hier  das  Erzlager  bis  zur  StoHensohle;  gänzlich  zu 
Ende  verhauen  war,  wurde  als  billigstes  Auskunftsmittel  ebenfalls 
eine  Tiefbauanlage  1870  erbaut.  Der  Maschinenschacht 
ist  106  m  im  Hangenden  derart  augeschlagen,  dass  die  bauwürdige 
Länge  der  Erzablagerung  ebenfalls  in  ungefähr  zwei  gleiche  Flügel 
getheilt  erscheint;  derselbe  erhielt  einen  rectangulären  Querschnitt 
in  der  Lichte  der  Bolzenschrottzimmerung  403  m  lang,  1*58  m  breit 
=  6-37  m^  gross  gehalten ;  er  ist  in  2  Förder-,  1  Fahr-  und  1  Pumpen- 
Trumm  abgetheilt  und  erreichte  den  Stollenhorizont  bei  343  w  Teufe. 
Die  I.  Tiefbausohle  hat  man  bei  48-5  m,  die  II.  Tiefbausohle  bei  68*3  m 
gefast,  demnach  die  saigeren  Bausohlenabstände  14-2  und  198  m 
betragen. 

Die  im  Maschinenschacht  durchsunkene  Schichtenreihe  ist: 

Ackererde  und  Löss  .    .    . 1-0  m 

Grauwacken  Sandstein     und    Grauwacken  schief  er 

wechsellagernd 35-3  „ 

Grauwacken  Sandstein  zu  losem  Sand  aufgelöst.    .    .     ö-6  „ 

Thonschiefer  hellgelb  zersetzt      2-8  „ 

Magneteisenerzlager 2*8  „ 

Diabasmandelstein  zu  oberst  stark  zersetzt    .    .    .    .    ■   21'5  „ 

Zusammen   .    .    .    70-0  m 

Maschinenschacht  und  Stollen  sind  durch  eine  im  Liegenden  geführte 
167  m  lauge  Umbruchstrecke   verbunden. 


1-|2  Franz  Kretschmer.  [84] 

Den  Vorbau,  speciell  auf  der  II.  Tiefbausohle,  hat  man  in 
der  Weise  eingeleitet,  dass  nach  Anfahrung  des  Erzlagers  mittelst 
des  455  w  langen  Bausohlenquerschlages  zunächst  die  Bau- 
sohlen strecke»  auf  dem  Erzlager  bis  an  die  Verdrückung  in  NO 
und  SW  zur  Verörterung  gelangten.  In  20  m  Entfernung  gegen  SW 
und  165  m  gegen  NO  hat  man  zwei  U  eberhauen  im  Verflachen 
bis  zur  I.  Tiefbausohle  aufgefahren,  behufs  Abgrenzung  des  Sicher- 
heitspfeilers zum  Schutze  für  den  Maschinenschacht  und  die 
obertägigen  Anlagen.  Die  48'5w  betragende  flache  Baufeldhöhe  wurde 
nun  dergestalt  in  Pfeiler  eingetheilt,  dass  von  den  letzteren  Ueberhauen 
aus  in  18  m  Abstand  von  der  Bausohlenstrecke  und  dann  in  weiteren 
Ibm  flacher  Höhe  Bau  st  re  ck  en  in  südwestlicher  und  nordöstlicher 
Richtung  bis  an  die  Lagerenden  getrieben  worden  sind.  Diesen 
Strecken  führten  durchschnittlich  20  m  auseinanderliegende  Ueber- 
hauen von  der  IL  zur  I.  Tiefbausohle  ins  Kreuz,  wodurch  rectan- 
guläre  Pfeiler,  durchschnittlich  320  m^  gross,  entstanden  sind. 

Das  Abbausystem  war  hier  im  Gegensatze  zu  den  bereits 
geschilderten  Bergbauen,  wo  fast  nur  Stossbaue  in  Anwendung  stehen, 
ein  Pfeilerbau  mit  Zubruchewerfen  des  Hangenden. 
Nachdem  die  nächstobere  Sohle  zu  Ende  verhauen  war,  erfolgte  der 
Abbau  der  folgenden  Sohle  heimwärts  von  den  Lagerendschaften 
gegen  den  Schacht,  und  zwar  ist  der  Pf eilerverhau  schwebend 
in  Abschnitten  von  6 — 7  m  Breite  bewerkstelligt  worden,  während 
das  Hangende  (Dach)  mit  langen  Kappen  und  Scharstempeln  ab- 
gefangen werden  musste.  Langsam,  aber  stetig,  senkte  sich  sodann 
das  Hangende  herab,  gleichzeitig  quoll  das  Liegende  empor,  auf  diese 
Weise  die  offenen  Verhaue  schliessend.  Belästigend  wirkten  allerorts 
die  aus  dem  Hangendsand  zusitzenden  Wässer.  Wegen  des  zersetzen 
milden  Liegenden  wurden  beim  Herabkratzen  der  Schlicherze  in  den 
Ueberhauen  diese  letzteren  durch  taubes  Material  theilweise  verun- 
reinigt, was  deren  Qualität  beeinträchtigte. 

Der  Ausbau    bot    im  Uebrigen    nichts  Bemerkenswertes    dar. 

Die  Wetterführung  war  eine  natürliche,  welchem  Zwecke 
je  ein  Wetterschacht  an  den  Enden  der  beiden  Maschinenschacht- 
flügel  zu  entsprechen  hatte. 

Das  Schacht-,  Maschinen-  und  Kesselhaus  dieser  Tief- 
bauanlage massiv  aus  Bruchstein  erbaut,  bedeckt  eine  Fläche  von 
283-8  m2  und  befindet  sich  darin  nachstehende,  der  Wasserhaltung 
und  Förderung  dienende  maschinelle  Ausrüstung: 

Eine  W  asserhaltungs-Dampfmaschine  von  12  HP,  hori- 
zontaler Aufstellung,  ohne  Expansion  und  Condensation  (!),  Kolben- 
durchmesser 0-265  m.  Kolbenhublänge  0-632  m,  macht  42  Spiele 
pro  Minute,  Zahnradvorgelege  1  :  6  und  ein  Kunstkreuz  von  löl  m 
Armlänge.  Diese  Maschine  bethätigt  eine  Druckpumpe  mit  Leder- 
klappen von  0-263  m  Kolbendurchmesser  und  1-264  7n  Kolbenhub- 
länge, und  lieferte  bei  normalem  Gange  mit  7  Spielen  pro  Minute 
0-410  m»  Wasser  auf  36  m  Förderhöhe  (bis  zur  Stollensohle).  Die 
Saug-  und  Druckrohre  hatten  einen  Durchmesser  von  0-184w.  Diese 
geringe  Tourenanzahl  genügte,  um  beim  coutinuirlichen  Betriebe  der 
Wasserhaltungsmaschine   die    eurrenten  Wasserzuflüsse   zu  Sumpf  zu 


[85]  l^ie  Eiseiierzlagerstätten  des  mähriscbeu  Düvou.  1 1  3 

halten,  welch'  letztere  dem  Gange  der  Pumpe  entsprechend,  f)H 
Secundenliter  ausmachen. 

Die  Fördermaschine  von  8  HP  horizontaler  Anordnung 
mit  Gouch'scher  Coulisse ,  0-200  m  Kolbendurchmesser,  0-525  in 
Kolbenhublänge,  macht  normal  42  Spiele  pro  Minute.  Zur  Bethätigung 
des  Treibapparates  ist  ein  Zahnradvorgelege  mit  dem  Uebersetzungs- 
verlüUtnis  1  : 6  angeordnet.  Der  Treibapparat  besteht  aus  zwei  cylin- 
derischen  Seilkörben  von  225  m  Durchmesser,  0-33  m  Breite,  zwei 
Seilscheiben  von  2-20  m  Durchmesser ,  zwei  Förderschalen  theils 
mit,  theils  ohne  Fangvorrichtung  und  der  bekannten  Ostrauer  Aufsetz- 
vorrichtung. Die  äussere  Seilbelastung  setzt  sich  zusammen  aus  dem 
Gewicht  der  Förderschale  250  kg,  leerer  Wagen  175  kg^  Netto- 
Förderlast  400  A-//,  zusammen  825  L-cj.  Die  Förderung  erfolgte  durch- 
wegs in  englischen  Förderwagen  auf  Vignolschienenbahn  mit  037  m 
Spurweite. 

Zur  Kessel  Speisung  diente  eine  stehende  I)ampfi)umpe, 
an  der  Wand  des  Kesselhausses  verankert.  Dem  Zwecke  der  Dampf- 
vers o  r  g  u  n  g  genügten  zwei  gleiche  PM  n  s  i  e  d  e  r  o  h  r  k  e  s  s  e  1 
von  356  m-  Heizfläche  concessionirt  für  5  Atmosphären  maximalen 
Ueberdruck,  doch  ist  die  Kesselspannung  bei  normalem  Betriebe 
nur  bei  3^2  Atmosphären  gehalten  worden.  Länge  des  Oberkessels 
8*692  w,  Durchmesser  desselben  0'948  w  ;  Länge  des  Sieders  7-740  >>/, 
dessen  Durchmesser  0-724  m,  Fläche  des  Planrostes  1-56  w^,  Höhe 
der  Blechesse  13-4  m.  Durchmesser  derselben  0-79  m,  Kohlen- 
verbrauch per  24  Stunden  14-8  q  Grieskohle,  weil  die 
Wasserhebmaschine  sehr  unökonomisch  arbeitete. 

Ein  Zechenhaus  43-2  m^,  eine  Grubenschmiede  34-6 /^r^ 
und  ein  Gez  äheschopfen  44-6  m^  gross,  nächst  dem  Maschinen- 
schachte erbaut,  vervollständigten  die  obertägigen  Anlagen. 

Der  Maschinenschacht  in  der  Kaminka  förderte  jährlich  60.000  ^^, 
deren  Gestehungskosten  sich  folgend  bezifferten: 

Arbeitslöhne  für  Gewinnung  und  Förderung 255  kr. 

Kosten  des  Maschinenbetriebes 16-7  kr. 

Materialien  und  Regie-Auslagen 6-0  kr. 

Zusammen  per  100  ky   .    .    .   48-2  kr. 

1000  ^  der  Erzförderung  machten  einen  Materialaufwand  er- 
forderlich von : 

96-4    <i      Grieskohle 

1-63  fm  Grubenholz 

?  Sprengmaterial 

?  Geleucht. 

Ueber  den  gegenwärtigen  Stand  der  unverritzten  Erzmittel 
am  Kaniinkaer  Maschinenschachte  ist  zu  bemerken,  dass  das  Erzlager 
blos  am  Stollenhorizont  vollständig  abgebaut  ist,  dagegen  steht  auf 
der  L  Tiefbausohle  der  im  Streichen  68  in  lange  Sicherheitspfoiler 
für  den  Maschinenschacht  und  den  Bausohlenquerschlag,  ferner  steht 
die  IL  Tiefbausohle  zur  Gänze  vorgerichtet  und  bis  auf  wenige 
Pfeiler  an  der  Baugrenze  noch  unverritzt  an.    Demzufolge  berechnet 

Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1899,  49.  Band,  1.  Heft.  (Fr.  Kretscbmer.)        15 


]  {4  Franz  Krütscbrner.  186] 

sicli  die  am  K  a  ni  i  n  k  a  1  a  g  e  r  bis  zur  II.  T  i  e  f  b  a  ii  s  o  h  1  e  a  u- 
stehende,  bereits  zUm  Abbau  Vorgerichte  te  Erzmenge 
bei  dem  Schüttu  11  gs vermögen  der  soliden  Masse  per  l  m^ 
^  30  q  auf  794.450  (/.  Dass  die  Erze  unter  die  gedachte  Sohle 
weiter  einfallen  und  sich  dort  bauwürdig  aufthun,  ist  sehr  wahr- 
scheinlich, was  eventuell  durch  eine  mittelst  Separat- Wasserhaltung 
zu  betreibende  Einfallende  zu  untersuchen  wäre. 


o)  Matliildezeche  westlich  Wächtersdorf. 

Am  Kaminkabach  aufwärts  gegen  Wächtersdorf  befindet  sich 
450  m  westlich  von  letzterem  Orte  im  sogenannten  „Scheibenried" 
ein  Erzvorkommen,  das  in  gleicher  Weise,  wie  das  Kaminkalager, 
auf  der  Gesteinsscheide  zwischen  Mandelstein  im  Liegenden  und 
den  mächtigen  Grauwacken  im  Hangenden  auftritt  und  das  überdies 
ein  interessantes  Beispiel  localer  Störungen  der  Schichten  darbietet. 
Das  Erzlager  besteht  aus  einem  feinkörnigen,  theils  stufigen,  theils 
mulmigen  Magneteisenerz,  es  streicht  2  bis  3  h,  fällt  9  h  im 
allgemeinen  unter  -^  35  — 40^  das  bauwürdige  Anhalten  im 
Streichen  ist  auf  der  Wassersohle  mit  9b  m  nachgewiesen 
worden,  während  die  Mächtigkeit  zwischen  1*5  bis  2b  m 
wechselt.  Dem  Verflachen  nach  betrachtet,  ist  das  Erzlager  bis 
auf  die  tiefste  Abbaustrecke  9"1  m  unterhalb  dem  Oberstollen  durch 
5  Verwerfungen  von  5  bis  7  m  Sprunghöhe  in  sechs  Gebirgstücke 
getrennt;  diese  letzteren  sind  dem  Fallen  nach  gemessen  6  bis  10m 
lang  und  verflachen  15  bis  18^  nach  8  bis  9  h,  dagegen  verflachen 
die  Sprungklüfte  75  bis  80"^  ebenfalls  SO.  Nebenstehendes  Profil 
Fig.  3  versinnlicht  diese  Dislocationen,  welche  sich  als  parallele 
Verwerfungen  darstellen,  verknüpft  mit  normalen  Senkungen  der 
getrennten  Gebirgsstücke  am  Hangenden  der  Sprungklüfte.  Zu  diesen 
Störungen  durch  Längsklüfte  im  Fallen  gesellen  sich  Störungen  im 
Streichen,  wodurch  das  Lager  in  seiner  Fortsetzung  gegen  NO  wieder- 
holt ins  Hangende  übersetzt. 

Untenfolgend  sind  die  Analysen  der  Mathildezecher  Magnet- 
eisenerzstufen unter  XI,  der  mulmigen  Erze  und  des  mitfallenden 
Erzklein  unter  XII,  pag.  117,  angegeben.  Diese  letzteren  Erze  sind 
immer  etwas  ärmer,  weil  ihr  Eisengehalt  durch  bei  der  Gewinnung 
und  Förderung  hineinkommendes  Bergklein  herabgezogen  wird. 

Die  Alten  haben  das  Mathildezecher  Erzvorkommen  nicht  gebaut, 
dasselbe  ist  erst  in  den  Vierziger  Jahren  entdeckt  und  dem  Abbau 
zugeführt  worden. 

Ursprünglich  dienten  dem  letzteren  mehrere  H  a  s  p  e  1  s  c  h  ä  c  h  t  e, 
später  hat  man  aber  dort,  wo  das  von  Wächtersdorf  herabkommende 
S  c  h  1  i  c  h  t  g  r  ü  n  d  e  1  im  Kaminkabach  einmündet,  den  0  b  e  r  s  t  o  1 1  e  n 
angeschlagen,  welcher  bis  zum  Anfahrungspunkt  des  Lagers  115  m 
lang  geworden  ist  und  auf  dem  Hauptförderschacht  21-2  m  Saiger- 
teufe  einbringt.  Neuerdings  ist  17-2  tri  unter  dem  Oberstollen  noch 
ein  zweiter  Stollen  vom  Kaminkabach  her  bis  auf  303  w  auf- 
gefahren worden,  welcher  mit  478  w  das  Mathildenlager  anfahren 
soll.  Unter  dem  Einflüsse  der  durch  diesen  Stollen  erzeugten  Depression 


[87] 


Die  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen  Devon. 


115 


^  S 


15* 


{IQ  B>anz  Kretschmer.  [88] 

des  natürlichen  Grundwasserspiegels  ist  man  bis  30-3  tn  Saigerteufe 
gekommen  und  hat  bis  dabin  die  Erze  gänzlich  zu  Ende  verhauen. 
Dagegen  liegt  das  Mundloch  des  Kaminkastollens  unter  dem 
Mathilde-Unterstollen  59-44  w.  und  würde  der  erstere  eventuell  vom 
Kaniinkaer  Maschinenschacht  bis  zum  tiefsten  Gesenk  am  Mathilde- 
lager noch  auf  759  m  dem  Streichen  nach  weiterzutreiben  sein, 
wobei  man  unterwegs  den  Aufschluss  neuer,  auf  der  Gesteinsscheide 
einbrechender  Erzlagerstätten  erhoffen  darf. 

Ungefähr  4w  unterhalb  der  Brücke  über  den  Kaminka- 
bach a m  F a h r w e g  e  W  ä c h  t e r  s  d 0 r f — K rockersdorf  ist  eine 
Linse  schönen  Magneteisenerzes  gefunden  worden,  von 
welcher  man  seinerzeit  über  100  g  Erze  erzeugte.  Die  Erze  haben 
sich  wohl  bei  2  m  Gesenkteufe  in  der  Sohle  verdrückt  und  konnten 
dieselben  wegen  Wasserzuflüssen  aus  dem  Bache  nicht  weiter  unter- 
sucht   werden.     Dieses    Vorkommen    deutet    darauf   hin,    dass    das 


p)  Peiiiitzstolleii    im  Sclieibeiiiiecl  östlich  der  C'olonie  Lewiii. 

Auf  der  Waldparcelle  des  Ansassen  Josef  Schulmeister, 
Cons.-Nr.  22  in  Gobitschau,  wurde  ein  Braun  ei  s  euer  z-Vorkommen 
erschürft,  das  ebenfalls  am  Contakt  zwischen  D  iabasm  and  sls  tein 
im  Liegenden  und  Thon schiefer  im  Hangenden  lagert;  letzterer 
enthält  eingeschobene  Kalksteinlagen  und  zeigt  deutlich  ausge- 
sprochene Clivage,  deren  Ebene  senkrecht  auf  den  Hauptschieferungs- 
flächen  steht.  Auf  dieses  Vorkommen  hat  man  auf  lialber  Höhe  des 
Schäferbachgehänges  einen  Zubau,  den  sogenannten  Pein  itz Stollen 
angeschlagen  und  durch  die  im  Hangenden  auftretenden,  sehr  festen 
Grauwackensandsteine,  mit  untergeordneten  Thonschiefern  wechsel- 
lagernd, auf  ungefähr  133 w  vorgetrieben,  sowie  einen  Lichtschacht 
abgeteuft;  der  Stollen  hat  jedoch  die  Erzlagerstätte  nicht  erreicht, 
weil  der  weitere  Vortrieb  desselben  aus  unbekannten  Gründen  vor- 
zeitig eingestellt  wurde. 

Die  nebenstehende  Tabelle  gibt  ein  Bild  der  chemischen  Con- 
stitution der  Eisenerze  von  Sternberg  und  Umgebung.  Diese,  sowie 
die  weiter  oben  angeführten  Erzanalysen  stammen  zum  grösseren 
Theile  aus  dem  hüttenmännisch-chemischen  Laboratorium  zu  Witko- 
witz,  welche  theilweise  auf  meine  Anregung  hin  und  mit  den  von  mir 
besorgten  Proben  ausgeführt  worden  sind.  Ein  weiterer  Theil  dieser 
Erzanalysen  rührt  aus  dem  Probirgaden  zu  Stefanau  her,  und  fühle 
ich  mich  gegenüber  den  maßgebenden  Factoren  zu  geziemendem 
Danke  verpflichtet,  für  die  gütigst  ertheilte  Zustimmung  zur  Ver- 
öffentlichung dieser  Analysen,  weil  sie  eine  nothwendige  Ergänzung 
vorliegender  Arbeit  bilden. 

Die  geschilderten  Eisenerzlager  bei  Sternberg  und  Umgebung 
bieten  dieselbe  L  i  n  s  e  n  s  t  r  u  c  t  u  r  dar,  wie  ich  solciie  für  die  derselben 
Gesteinszone  angehörigen  Eisenerzlager  bei  Bennisch  und  Umgebung 
gezeichnet  und   beschrieben  habe  i).     Merkwürdig   ist,    dass  auch  die 


^)  F.  Kretschmer  a.  a.  0. 


[89] 


Die  P]isenerzlagerstätten  des  mährischon  Devon. 


117 


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118 


Franz  Kretschmer. 


[90] 


Erzlager  bei  Sternberg  genau  so  wie  bei  Bennisch  an  den  Lager- 
spitzen (Enden)  gesetz massig  derart  übergreifen,  dass 
wenn  man  auf  dem  L  a  g  e  r  s  t  r  e  i  c  h  e  n  gegen  S  W  vorwärts 
schreitet  oder  im  Lagerfallen  gegen  SO  abwcärts  vor- 
kommt, so  findet  man  die  nächstfolgende  Erzlinse  im 
Liegenden  des  a  u  s  k  e  i  1  e  n  d  e  n  L  a  g  e  r  t  h  e  i  1  s ,  wie  dies  die  bei- 
stehende grundrissliche  Skizze  (Fig.  4)  versinnlicht.  Diese  Störungen 
liängen  häufig  nicht  nur  ab  von  der  ursprünglichen  Absonderungsform 
der  kalkreichen  Mandelsteine,  beziehungsweise  Kalksteine,  aus  denen 
die  Eisenerzlager  durch  einen  secundären  Umwandlungsprocess  her- 
vorgegangen sind,  sondern  wir  haben  es  örtlich  mit  wirklichen 
Di  slo  cation  en    zu    thun.    und    zwar    dürften    es    in    den    meisten 


Fig.  4. 


Fällen  rechtsinnige  Verwerfungen  sein,  hervorgerufen  durch 
Kreuzklüfte,  welche  normale  Senkungen  am  Hangenden  des  Verwerfers, 
jedoch  von  geringer  Sprunghöhe,  zur  Folge  hatten.  Nachdem  diese 
Dislocationen  in  der  ganzen  Gesteinszone  Sternberg— Bennisch  local 
wiederkehren,  so  dürften  dieselben  in  allgemeinen  Ursachen  ihre 
Begründung  finden,  und  möglicherweise  gleichzeitig  mit  der  Auf- 
richtung der  Schichten  stattgefunden  haben. 

Gleichwie  bei  Dillenburg  und  Herborn  in  Nassau  die  wichtigeren 
Eisenerzlagerstätten  auf  der  Gesteinsscheide  zwischen  Schalstein  und 
Cypridinenschiefer  (Kramenzel)  lagern,  ebenso  gilt  auch  für  die  Um- 
gebung von  Sternberg,  sowie  überhaupt  auf  dem  ganzen  Diabaszuge 
Sternberg— Bennisch,  der  für  den  Bergmann  sehr  wichtige  Erfahrungs- 
satz, dass  die  bauwürdigen  Eisenerzlagerstätten  stets 
am  Contakt  von  Thonschiefer  und  Diabas  man  del  stein 
(oder  seinenVarietäte  n),  niemals  aber  i  m  D  i  a  b  as  g  e  s  t  e  i  n 
selbst  aufsetzen. 


[<)1]  r)ie  Eiscnerzlagerstätteii  des  mälirischeii  Devon.  110 


Rückblick. 

Neuerdings  hat  Dr.  E.  Tietze^)  in  genialer  Art  eine  andere 
(Jliederung  des  mährisch-schlesischen  Devons  begründet;  darnach  wäre 
dasselbe  auf  das  Unterdevon  Römer's  und  eine  Anzahl  sporadisch 
verbreiteter  Gesteinsklippen  beschränkt.  Derselbe  trennt  die  bisher  als 
devonisch  betrachteten  Grauwacken  vom  Devon  ab,  um  sie  dem  Culm 
einzuverleiben  und  gelangt  zu  der  Schlussfolgerung,  dass  wir  in  den 
bei  Bennisch  und  Sternberg  in  Form  untergeordneter  Lager  auf- 
tretenden Crinoidenkalken  mit  den  zum  Theil  kalkhaltigen  Thon- 
schiefern  „alte  Klippen  des  Devon  vor  uns  haben,  welche  von  der 
Culmgrauwacke   umlagert,    bezüglich   theil  weise    überlagert   werden." 

Tietze  folgert  ferner  aus  den  Devonpartien  von  Lud  mir  au, 
von  Rittberg,  von  Nebotein  und  von  Grügau  allgemein,  dass 
die  Grauwacken  denselben  nicht  normal  aufgelagert,  vielmehr  örtlich 
Discordanz  unzweifelhaft  erkennen  lassen,  dass  die  Devongebilde 
keineswegs  einer  auf  den  Nordwest,  längs  der  allgemeinen  Streichens- 
richtung der  Grauwacken,  beschränkten  Zone  angehören,  sondern  einen 
klippenförmigen  Charakter  an  sich  tragen. 

Ausser  den  oben  erwähnten,  in  der  Marchfurche  durch 
Erosion  biosgelegten  Devoninseln,  werden  auch  solche  aus  der 
Beczwafurche  angeführt,  wo  in  der  Gegend  bei  W e i s s k i r c h  e n 
zweifellos  devonische  Gesteine  „sich  sogar  noch  nahe  der  äussersten 
Ostgrenze  der  bezüglich  ihres  untercarbonischen  Alters  allseitig  an- 
erkannten Culmgrauwacken  Mährens  befinden.  Daraus  allein  geht 
hervor,  dass  erstlich  devonische  Gesteine  sich  unter  dem  Culm  allent- 
halben, sei  es  fortsetzen,  sei  es  einmal  fortgesetzt  haben,  so  dass  ihr 
Auftreten  an  irgend  welchen  Stellen  des  Grauwackengebietes  nichts 
Auffälliges,  hat  und  zweitens,  dass  vor  allem  eine  regelmässige  Auf- 
einanderfolge der  hier  in  Betracht  kommenden  palaeozoischen  Gesteine 
von  Westen  nach  Osten  im  Sinne  Römer's  nicht  existirt." 

Diese  radicale  Umgestaltung  der  bisherigen  Ansichten  über  die 
mährisch-schlesische  Devonformation  im  Sinne  der  von  Tietze  ent- 
wickelten Auffassung  vermochte  ich  nicht  vollinhaltlich  anzunehmen, 
ich  glaubte  noch  an  der  älteren,  insbesondere  von  F.  Römer  auf 
palaeontologische  Einschlüsse  gegründeten  Devongliederung  festhalten 
zu  sollen. 

Es  ist  nicht  meine  Aufgabe,  auf  die  rein  theoretische  Frage 
betrejfs  der  Altersdeutung  Tietze's  näher  einzugehen;  immerhin  ist 
es  aber  auffällig,  dass  in  unserem  hier  in  Betracht  kommenden  Terrain 
nirgends  eine  Transgression  der  Grauwackengesteine  über  die  mit 
Sicherheit  erkennbaren  Devongebilde  beobachtet  werden  konnte,  viel- 
mehr zeigen  sich  die  Grauwackengesteine  überall  concordant,  den 
anderen  Devongliedern  aufgelagert;  erstere  streichen  und  fallen 
völlig  conform  den  letzteren.  Wo  ich  am  Pinker  Bergbau  aus  den 
erzführenden,    dem   Unterdevon    angehörenden    Diabasschiefern    und 


')  Die  geognostischen  Verhältnisse  der  Gegend  von  Olraütz  von  Dr.  E.  Tietze, 
Jahrbuch  der  k.  k    gcol.  R.-A.   1893,  ßd.  43,  Hft.  3,  pag.  399—566. 


120  B'ranz  Kretschmer.  [92] 

deren  Tuffen  ins  Liegende  mit  Querschlägen  hinausgefahren  bin  (siehe 
das  Profil  Fig.  3  auf  Taf.  IV  |2])  konnte  ich  nicht  nur  keine  Discor- 
danz,  geschweige  denn  eine  Transgression  der  Schichten,  vielmehr 
sogar  in  petrogr  aph  is  eher  Hinsicht  successive  Ueber- 
gänge  vom  Diabasschiefer  und  dessen  Tuffen  in  phyl- 
litähnliche  Thonschiefer  und  schliesslich  in  zweifellos 
klastische  Thonschiefer  beobachten,  welch  letztere  bereits 
den  Grauwacken  einzuverleiben  sind  und  nach  der  Altersdeutung 
Tietze's  als  culmisch  anzusprechen  wären,  was  wohl  ausgeschlossen 
erscheint,  da  bei  transgredirender  Auflagerung  eine  scharfe  Abgren- 
zung und  kein  successiver  Uebergang  der  constituirenden  Gesteins- 
elemente zu  erwarten  ist. 

Wohl  sind  die  Diabasmandelsteine  nebst  ihren  Schieferhüllen 
der  Gesteinszone  Sternberg— Bennisch  gegen  den  Grauwackensand- 
stein  scharf  abgegrenzt,  zeigen  jedoch  gegen  diese  nirgends  trans- 
gredirende  Auflagerung,  vielmehr  wechsellagern  Diabasmandelsteine 
und  Schalsteine  mit  den  Thonschiefern  und  devonischem  Encriniten- 
und  Korallenkalkstein,  sowie  mit  Grauwackensandstein  in  vollkommen 
concordanter  Lagerung,  wie  die  oben  gegebenen  als  auch  die  Profile  i) 
von  dem  Eisenerzbergbau  bei  Seitendorf  nächst  Bennisch  (Schlesien) 
nachweisen.  Dagegen  habe  ich  discordante  Auflagerung  der  Thon- 
schiefer, namenthch  derjenigen,  welche  die  Schieferhüllen  bilden,  auf 
den  Diabasgesteinen  innerhalb  der  Gesteinszone  Sternberg— Bennisch 
nicht  selten  beobachtet,  was  mit  der  Präexistenz  dieser 
Thonschiefer  zusammenhängt.  Ferner  enthalten  die  Thon- 
und  Mergelschiefer  der  Mandelstein  -  Schieferhüllen  zuweilen 
gro  sse  Trümmer  von  Grauwackensandstein  eingeschoben, 
welche  möglicherweise  durch  dynamische  Vorgänge  beim  Aufbruch 
der  Diabase  in  die  Thonschiefer  gelangt  sind,  also  ein  directer 
Beweis  für  die  frühere  Anwesenheit  der  Grauwacke, 
so  zwar,  dass  ein  postdevonisches  Alter  derselben  ausgeschlossen 
erscheint. 

Nach  Massgabe  des  Profils  auf  Taf.  III  (1)  beginnen  die  Grau- 
wackengesteine dort,  wo  sie  an  das  Unterdevon  anstossen ,  das 
letztere  scheinbar  unterteufend,  mit  einer  Antiklinale  westlich  Mähr.- 
Neustadt;  weiter  gegen  SO  verschwinden  sie  unter  der  jungtertiären 
und  quartären  Ueberlagerung,  so  lässt  sich  also  nur  per  Analogie 
schliessen,  dass  auch  die  übrigen  Theile  des  in  das  Profil  fallenden 
Grauwackengebiets  zu  Mulden  und  Sätteln  gebogen  sind,  doch  kann 
soviel  mit  Bestimmtheit  constatirt  werden,  dass  die  Grauwacken  bei 
Bladowitz  und  Rietsch  überall  südöstlich  völlig  concordant  unter  die 
unzweifelhaften  oberdevonischen  Thonschiefer  (h  des  Profils)  nebst  den 
ihnen  intercalirten  Kalksteinlagern  und  die  Diabasmandelsteine,  sowie 
die  Schalsteine  (/)  einfallen.  Dasselbe  Verhalten  zeigen  die  im  Hangen- 
den des  Mandelsteinzuges  folgenden  oberdevonischen  Grauwackensand- 
steine,  also  auch  hier  an  der  südöstlichen  F  o  r  m  a t i o  n  s- 
grenze,     sowie     vorhin     an     der    nordwestlichen    keine 

^)  Die  Eisenerzberghaiie  bei  Hennisch  (Schlesien)  von  Fr.  Kretschmer: 
üesterr.  Zeitschr.  f.  Berg-  u.   Hüttenwesen,  Jahrg.  XLII,  S.   167  ff. 


I 


[93]  J^i«  EiseiierzlagerBtätten  des  mährischen  Dovoii.  121 

Tran sgressi  011  der  Schichten.  Es  erscheint  somit  gewaltsam, 
die  Formatioiisgiieder  ( /;  f/,  /.;)  aus  der  natürlichen  Reihenfolge  heraus- 
zureissen  und  dem  Culm  zuzuweisen. 

Während  sich  Römer  (Geologie  von  Oberschlesien,  pag.  .'U)  f  iir 
das  Gebundensein  der  P]isenerze  an  die  Diabase  aus- 
spricht, V.  C  am  erl  ander  (Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1890)  ebenfalls 
für  diese  Anschauung  eintritt,  verficht  Tietze  die  Auffassung,  dass 
nicht  alle  diese  Eisenerze  den  devonischen  Diabasgesteinen  angehören, 
vielmehr  denselben  ein  verschiedenes  geologisches  Auftreten  eigen  ist. 

Ich  will  die  Unhaltbarkeit  dieser  Anschauungen  auf  Grund  meiner 
langjährigen  Beobachtungen  bei  den  hier  in  Betracht  kommenden  lu'z- 
bergbauen  nachweisen.  Im  Gebiete  der  bisher  als  subcarbonisch  an- 
gesehenen (jrauwacken  ist  mir  nicht  ein  Eisenerzvorkommen  bekannt, 
auf  dem  eine  nennensw^erte  Eisenerzgewinnung  stattgefunden  hätte. 
Wohl  spricht  Camerlander  in  seiner  erwähnten  Arbeit  (pag.  170 
[681)  von  alten  Urkunden  aus  den  Jahren  1080,  1200  und  1269,  in 
welchen  von  Eisenwerken  bei  Laschtian  und  Domstadtl  die  Rede  ist, 
sowie  von  Bergen  daselbst,  „in  welchen  Eisen  gegraben  wird".  An 
beiden  Oertlichkeiten  kommen  jedoch  keine  P^isenerzlagerstätten  vor 
und  dürfte  die  von  Tietze  bezweifelte  Vermuthung  Camerlander's 
jedenfalls  richtig  sein,  dass  es  sich  in  jenen  alten  Urkunden  um 
Hüttenwerke,  aber  nicht  Eisenerzbergwerke  gehandelt  habe. 

Dagegen  erhellt  aus  den  obigen,  auf  (irund  eigener  Anschauung 
gegebenen  eingehenden  Schilderungen  jener  technisch  wichtigen  Eisen- 
erzlagerstätten, dass  dieselben  ausnahmslos  den  devonischen 
Diabaszonen  angehören,  mit  diesen  untrennbar  ver- 
bunden sind  und  entweder,  wie  bei  Sternberg,  fast  ausschliesslich 
an  deren  Grenze  gegen  die  Nebengesteine  (Thonschiefer)  eingelagert 
sind,  oder  dieselben  erscheinen  direct  zwischen  die  Diabasschiefer 
und  deren  Tuft'e  eingebettet,  wie  hinsichtlich  der  Eisenerzvorkommen 
bei  Pinke  und  Meedl  nachgewiesen  wurde.  Was  für  die  Eisenerz- 
niederlageii  von  Meedl.  Pinke  und  Sternberg  gilt,  ist  auch  für  die 
auf  demselben  Zuge  liegenden  Eisenerzlagerstätten  im  Urlich  bei 
Klein-Mohrau,  beziehungsweise  Bittenwald — Neu-Vogelseifen — Wieder- 
grün, ferner  von  der  Fortsetzung  des  Eisenerzlagerzuges  Deutsch- 
Lodenitz— Bärn — Bennisch  zutrelfend. 

Jedenfalls  stammt  s  ä  in  m  1 1  i  c  h  e  s  E  i  s  e  n  j  e  n  er  L  a  g  e  r- 
Stätten  im  wesentlichen  von  den  Diabasen  her,  die 
Diabasaufbrüche  brachten  das  Eisen  aus  dem  Erdinnern 
näher  an  die  Tagesob e  r fläche  in  Form  von  eisenreichem 
Augit,  der  zu  Uralit  und  Chlorit  umgewandelt  wurde.  Letzterer  ist 
dann  weiter  gespalten  worden  in  ein  wasserhaltiges  Thonerde-Silicat 
und  Eisencarbonat,  das  auf  die  Wanderschaft  ging  und  den  Platz 
mit  dem  Kalkcarbonat  ausgetauscht  hat.  Darum  stehen  Diabas- 
u n d  Eisenerzlager  im  n o  t h  w  e n d i g  e  n  C a u s a  1  z u s a m m e  n- 
hange,  erstere  bedingen  letztere,  ohne  Diabas  keine 
Eisenerzlager!  Die  oben  geschilderten  Eisenerzlager  gehören 
fast  ausnahmslos  diesem  Typus  an,  ein  primärer  Ursprung  infolge 
von  magmatischer  Spaltung  dürfte  nur  auf  die  im  Diabasporphyrit 
und   Diabasmandelstein   vorkommenden,  jedoch   gänzlich   untergeord- 

Jahib.  d.  k.  k.  geol.  Reichsaiistalt,  1899,  49.  Band,  1.  Heft.  iFr.  Kretscbiner.)        IQ 


122  Frauz  Kretschmer.  [94] 

neten  sowie  unbauwürdigeii  Magneteisenerz-  beziehungsweise   Braun- 
eisenerzlinsen beschränkt  sein. 

Es  ist  bis  nun  über  die  oben  geschilderten  Eisenerzlagerstätten, 
sowie  über  die  darauf  umgehenden  Bergbaue  sehr  wenig  in  die 
Oeffentlichkeit  gedrungen,  und  nachdem  die  neuzeitige  Bergbau- 
thätigkeit  diesbezüglich  überaus  zahlreiche,  als  auch  wertvolle  Auf- 
schlüsse gebracht  hat.  und  um  diese  nicht  in  unverdiente  Vergessenheit 
gerathen  zu  lassen,  ist  eine  auf  Autopsie  begründete  Darstellung 
dieser  unter  denkwürdigen  geologischen  Verhältnissen  auftretenden 
Eisenerzlager  nicht  nur  keineswegs  überflüssig,  sondern  zeitgemäss, 
weil  dieselben  auch  künftighin  in  bergmännisch-technischer  Hinsicht 
aller  Beachtung  würdig  erscheinen.  In  wiefern  ich  meiner  Aufgabe 
gerecht  geworden,  mag  der  nachsichtsvollen  Beurtheilung  der  Fach- 
genossen überlassen  bleiben. 


Inhalts -Verzeiehnis. 


Seite 

Einleitung      1—2 

I.  Geologischer  Theil. 

Hiezu  das  Profil  auf  Tafel  III  (1). 

Die  Erzlagerstättenzüge 2 

Petrographisches   Verhalten,    Zusammenhang   des   allgemeinen   Schichten- 

und  Gebirgsstreichens 2-3 

A.  Unterdevou. 

Allgemeine  Lagerungsverhältnisse  der  einzelnen  Formationsglieder  und  der 

beiden  Erzlagerzüge 3  —  4 

Petrographisches  Verhalten. 

Bradler  Quarzite 4 

Ausseer  Quarzite 4 — 5 

Meedler  Quarzsandsteine 5 

Die  Diabasschiefer  und  deren  Tuffe,  Beschreibung  der  einzelnen  Varietäten  6—8 

Diabasschiefer  von  Aussee      8 

Diabasschiefer  von  Meedl,  den  ersten  Erzlagerzug  umschliessend     ....  8—9 

Diabasschiefer  von  Pinke,  den  zweiten  Erzlagerzug  umschliessend    ....  8—9 

Verwitterung  und  Umwandlung  der  Diabasschiefer 9—10 

Kalksteine , 10 

Granitähnlicher  Gneiss  (Protogyn) 10— U 

Contactgesteine  (Phyllit) H 

Verbreitung  und  Gliederung. 

Zone    der  Bradler  Quarzite   als    tiefstes   Glied    des    Unterdevon,  stratigra- 

phisches  Verhalten,  Altersbestimmung 11  —  13 

Archäischer  Chloritgneiss  an  der  unteren  Grenze  des  Unterdevon    ....  13 

Diabasgesteine  und  Phyllite  bei  Nebes,  Steine  und  Rohle      13-14 

Lagerungsverhältnisse  und  Alter  der  Ausseer  Quarzite ^  .    .    .  14  —  15 

Lagerungsverhältnisse  und  Alter  der  Meedler  Sandsteine 15 

Verbreitung   und  Stratigraphie  der  Ausseer  Diabasschiefer 15-16 

Verbreitung  und  Stratigraphie  der  Meedler  Diabasschiefer 16 


[95]                       I^iß  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen  Devon.  123 

Seite 

Gneiss,    Diabasschiefer    und  Phyllit   am    Wachbergkamm,    Spitzlmbel    bei 

Moskele  und  der  Schönwälder  grossen  Ilorka 16—17 

Gänge  silberhaltigen  Bleiglanzes  bei  Neudorf 17 

Goldhaltige  Quarzgänge  bei  Dünseifen 17 

Verbreitung  und  Stratigraphie  der  Pinker  Diabasschiefer 17  —  18 

Lagerungsverhältnisse  der  Kalksteine 18—19 

B.  Mittehlevon. 

Erzleere  Grauwacken  und  Thonschiefer  nebst  den  Kalksteinen 19 

Petrographisches  Verhalten , 19—20 

Lagerungsverhältnisse  und  Gliederung 20 

C.  Oberdevon. 

Petrographisches  Verhalten. 

Grauwackensandsteine  und  Thonschiefer 21 

Kalkhaltige  Thonschiefer  und  Kalksteine    ...           21—22 

Diabasgesteine  mit   dem    dritten  Erzlagerzug,  Beschreibung   der   einzelnen 

Varietäten,  der  Mandel-  und  Schalsteine,  sowie  der  Breccien        .    .    .  22  —  23 

Mikroskopische  Analyse  der  Diabasgesteine  .    • .       ...  23 — 24 

Vergleichung  der  oberdevonischen  mit  den  unterdevonischen  Diabasen  .    .  24—25 

Contactgesteine      25 

Verbreitung  und  Gliederung. 

Die    Gesteinszone    Sternberg— Bennisch,    deren    orographisches   Verhalten 

und  Lagerungsverhältnisse 25 

Fundorte  der  einzelnen  Diabasvarietäten  bei  Sternberg  und  Umgebung  .    .  2G 

Profil  der  Schichtenfolge  im  OttilienstoUen  bei  Gobitschau 2G— 27 

Dislocationen  und   andere  Störungen  in   dem  Complex    der  Diabasgesteino 

und  Thonschiefer  bei  Sternberg 27 — 28 

Organische  Einschlüsse  und  Altersbestimmung 28—29 

Besondere  Mineralvorkommnisse 29—31 


II.  Bergmännischep  Theil. 

Die  Eisenerzlagerstätten  und  der  Bergbaubetrieb 3l 

A.  Bergbau  Poleitz. 

Specielle  Beschreibung  der  Erzkörper  und  deren  mineralogische  Zusammen- 
setzung, sowie  des  Grubenbetriebes 32—34 

B.  Bergbau  Meedl. 

Specielle  Darstellung  der  Erzlagerstätten  mit  den  Profilen.  (Fig.  1)    ...  34—37 

Die  Ausfüllungsmasse  derselben  in  mineralogischer  Beziehung 37  —  39 

Chemische  Analysen  der  Meedler  Rotheisenerze 39 

Der  Bergbaubetrieb  der  „Alten" 39—40 

Der  neuzeitige  Bergbaubetrieb: 

1.  Der  Witkowitzer  Bergbau  bei  Meedl  und  seine  maschinelle  Aus- 

rüstung etc. 40—47 

2.  Der  Eisenberger  Bergbau  bei  Meedl        47 

3.  Der  ßlanskoer  Bergbau  bei  Meedl  und  Storzendorf 47 — 49 

Die  Zukunft  des  Meedler  Bergbaues  und  sein  Erzreichthum 49 — 50 

C.  Bergbau  Pinke. 

Specielle  Schilderung  der  Pinker  Erzlagerstätten,  hiezu  Tafel  IV  (2)      .    •  50—55 

Die  Pinker  Erzlager  in  mineralogischer  Hinsicht 55— 5G 

Chemische  Analyse  der  Pinker  Rotheisenerze 57 

Der  Grubenbetrieb  Pinke 57 — 61 

16* 


124  Franz  Kretschmer.  [96] 

Seite 

Die  maschinelle  Ausrüstung  desselben      61—63 

Wirtschaftliche  Verhältnisse  und  Erzvermögen 63  —64 

Genetische    Betrachtungen    über    die    Pinkor   und    MecMller 

Eisenerzlagerstätten      64—67 

D.  Das  Bergrevier  Sternberg. 

ff.  Gabrielenzeche  am  Altarstein  nordöstlich  Rietsch 67 

h.  Sophienzeche  im  Liskowetz  südlich  Rietsch 68 

c.  Georg-   und  Hugozeche    im  Liskowetz    nordwestlich  Kro- 
kersdorf    und    Robertzeche    im    Kuhgraben    südöstlich 

Rietsch 68—71 

(l.  Concordia-,    Hubert-    und   Liborzeche    im   Walde  „Draschba"    nördlich 

Krokersdorf 71 

e.  Hilaristollen  im  gutsherrlichen  Walde  „Dubsko"  nordwestlich  Gobitschau 

(Stachetenried) 71 

./,  Eduardzeche  im  Riede  „Raaba",  1*5  km  nordöstlich  Krokersdorf  ...       71 
(f.  Bartholomäuszeche  im  gutsherrlichen  Walde  „Kalkgraben"  westlich  der 

alten  Strasse  Sternberg— Deutsch-Hause 72 

h.  Bergbau  Ottilienzeche  bei  Gobitschau. 

Darstellung  der  Eisenerzlager 72  —  73 

Die  neue  Stollenanlage 73—74 

Die  Grundwasserverhältnisse 74—75 

i.  Willengotteszeche  im  Scheibenried  nördlich  Wächtersdorf        75 

k.  Helene-,   Mathias-  und  Sidoniazeche   im  fürstlichen  Walde  „Kaminka" 

in  der  Gemeinde  Babitz 76 

/.  Engelbert-  und  Albertzeche    beiderseits  der  neuen  Strasse  Sternberg  — 

Deutsch-Hause,  circa  300  m  nördlich  Wächtersdorf 76 

m.  Bergbau    Sternberg,    Paul-.    Juliana-    un  d  Pr  o  kopzeche    in 
der  Colonie  Ob  er  au. 

Specielle  Schilderung  der  Erzlagerstätten    .    .    , 76-77 

Profil  durch  den  Maschinen-  und  Prokopschacht  (Fig.  2) 78 

Die  mineralogische  Constitution  der  Erzlager 77—79 

Der  Bergbaubetrieb  und  anstehende  Erzmenge 79—81 

«..  Bergbau  Kam  inka. 

Eingehende  Schilderung  der  Eisenerzlagerstätte 82 

Deren  Zusammensetzung  in  mineralogischer  Hinsicht 82—83 

Der  technische  Grubenbetrieb  und  seine  maschinelle  Ausrüstung  .    .   83—85 
Jahresförderung,  (Jestehungskosten,  aufgeschlossene  Erzmenge  .    .    .   85 — 86 
0.  Mathilde  zeche   westlich    Wächtersdorf. 

Beschreibung   der   Erzlagerstätte    und    ihrer   Störungen,    sowie  der 

Aufschlussbaue      . , 86 

Profil  der  Erzlagerstätte  (Fig.  3) 87 

p.  Peinitzstollen  im  Scheibenried  östlich  der  Colonie  Levin 88 

Chemische  Analyse  der  Eisenerze  von  Sternberg  und  Umgebung 88—89 

Allgemeine  Betrachtangen    über    die   Structur   und   die  Verwerfungen   der 

Erzlagerstätten  in  der  Gesteinszone  Sternberg  -  Benisch  mit  Fig.  4  .  .  88  u  90 

Rückblick  und  Schlassl)emerkungen 91—94 


Die  Fauna  der  unterpontischen  Bildungen 
um  Londjica  in  Slavonien. 

Von  Prof.  Dr.  Karl  Goi'janovic-Krainlx'rger. 

Mit  einer  lithographirten  Tafel  (Nr.  V). 

Der  Ort  Londjica  liegt  nahe  dem  östlichen  Ende  des  Krndija- 
Gebirges,  unweit  Gradisce  bei  Kutjevo  (siehe  Specialkarte  1 :  75.000, 
Zone  24,  Col.  XVIII).  Den  Kern  dieser  Gegend  bilden  krystallinische 
Schiefer,  welche  zumeist  nur  in  tieferen  Wassergräben  anzutreffen 
sind.  In  denselben  finden  wir  auch  petrefactenreiche  Leithakalke, 
welche  in  Gestalt  grösserer  oder  kleinerer  Fetzen  den  krystallinischen 
Kern  umgeben.  An  den  Leithakalk  schliessen  sich  stellenweise  marine 
Mergel,  dann  sarmatische  und  präpontische  weisse  Mergel  an,  auf 
welchen  endlich  eine  mächtige  Folge  pontischer  Bildungen  liegt.  Alle 
erwähnten  Gebilde  sind  durch  diluviale  Lehme  und  Sande  überdeckt  ^). 

Ich  habe  bereits  von  dem  Fundorte  Bekinac  südlich  Londjica 
in  der  nominirten  Schrift  (1.  c.  i)ag.  22  und  24)  einer  von  Herrn 
Milan  Turkovic,  Herrschaftsbesitzer  von  Kutjevo,  mir  freundlichst 
zugesendeten  Collecte  Erwähnung  gethan,  in  welcher  ich 

Vdlenciennesia  Eeussi  Ncum.  (nicht    J\  annulafa  h'fim^s.) 

PJanorbis  sp. 

Card'mm  Leyizl  li.  Hörn. 

Congeria  hanatica  E.  Hörn,  und 

Fischreste  (Schuppen  und  Kiefer  von  Gadoiden) 

erkannte,  und  welche  Fauna  ich  mit  jener  von  Beocin  verglich. 

Im  Jahre  1898  überraschte  mich  Herr  M.  T  urko  vic  abermals 
mit  einer  sehr  netten  Sammlung  von  Gastropoden  und  Lamelli- 
branchiaten,  und  zwar  aus  Babindol,  südlich  von  Londjica.  und 
der  Gegend  zwischen  Crnaklada  und  Kovacevac  östlich  von 
Londjica.  Die  Suite  von  Babindol  ist  blos,  was  das  petrographische 
Aussehen  der  Gesteine  anlangt,  verschieden  von  der  vorerwähnten 
und  aus  Bekinac  stammenden.  Während  der  Mergel  von  letzterer 
Fundstelle  grau  ist,  ist  jener  von  Babindol  und  der  Gegend  von 
Crnaklada  fast  weiss  und  so  weich,  dass  er  bei  Berührung  abfärbt. 

')  Gorjano  vic -Kr  am  berger:  „Geologija  okolice  Kutjeva".  „Rad"  der 
südsl.  Akad    Agram  1897. 

.lahrb.  d.  k.  k.  geol.  Keichsanst.,  1899,  49.  Bd.,  1.  Ilft.  (Gorjauovic-Kiainberger.) 


126  Prof.  Dr.  Karl  Gorjanovi(5-Kramberger.  [2] 

Indem  die  Faunen  aller  dieser  Fundorte  übereinstimmen,  also 
einem  und  demselben  Niveau  angehören,  so  werde  ich  dieselben  auch 
zusammenhängend  schildern  und  blos  bei  jeder  Art  den  betreffenden 
Fundort  angeben. 


A.  Ga  stropoda. 

Gen. :  Hydrobia. 

1.   Hydrobia  sp.  ind. 

Von  dieser  Gattung  liegt  blos  ein  aus  Babindol  stammendes, 
ungenügend  erhaltenes  Exemplar  vor,  welches  keine  nähere  Unter- 
suchung zulässt. 

Gen.:  Limnaeus. 

2.  Lünnaeiis  velutinus  Desh. 

(Taf.  V,  Fig.  1.) 

Limnaea  vehifina  Desh.  —  Sandberger:  „Land-  und  Süsswasser- 
conchylien,  Tab.  XXXII,  Fig.  10  und  10«. 
Diese  grosse  Limnaeen-Art  wurde  schon  vonReuss  („Palaeon- 
tolog.  Beiträge  VII. ^',  Sitzungsber.  d.  k.  k.  Akad.  d.  Wiss.,  57.  Bd., 
pag.  92)  und  später  von  Lenz  und  A.  Koch  aus  Beoßin  nominirt^). 
Auch  in  Kroatien,  und  zwar  in  der  Umgebung  von  Agram  finden  sich 
in  den  unteren  pontischen  Bildungen  (entsprechend  dem  Beociner 
Cementmergel)  grosse  Limnaeen,  welche  sehr  an  Limn.  vdntinus  Desh. 
erinnern  2). 

Aus  Babindol  liegen  6  Exemplare  eines  Limnaeus  vor,  die  noch 
am  besten  mit  L.  celutinns  übereinstimmt.  Sie  sind  zwar  kleiner  als 
die  Deshayes'sche  Art,  mau  kann  sie  indessen  doch  nicht  von  jener 
trennen. 

3.  Linmaeus  shnplex  Krmnb.-Gorj. 

(Taf.  V,  Fig.  3.) 

Ein  einziges,  mehr  in  der  Längsrichtung  entwickeltes,  ziemlich 
bauchiges  Stück  trenne  ich  von  der  vorerwähnten  Art,  da  es  sich 
sehr  leicht  durch  seine  Gestalt  von  jener  unterscheiden  lässt.  Das 
Gehäuse  dieser  neuen  Art  ist  22  mm  lang  und  IG  mm  breit.  Die  Ober- 
fläche des  Gehäuses  (vornemlich  Steinkern)  ist  ausser  einigen  spär- 
lichen, hauptsächlich  bei  der  Mundöffiiung  vorhandenen  Zuwachs- 
streifen, glatt. 

Fundort:  Babindol. 


^)  „Geologie  der  Friiska  gora".  Math.-natiirw.  Berichte  aus  Ungarn,  Bd. 
XIII,  pag.  114. 

Lenz:  „Beiträge  zur  Geologie  der  Fmiska  gora  in  Syrmion".  Jahrb.  d.  k.  k. 
geol.  R.-A.   1873,  28.  Bd.,  3.  Heft. 

*)  Gorjanovic-Kramberger:  „Das  Tertiär  des  Agraraer  Gebirges". 
Jabrl).  d.  k    k.  geol.  K-A.  1897,  pag    554. 


[3]        Die  Fauna  ik-r  iinterpoutischen  Bildungen  um  Loiuljica  in  Slavonieii.     1  27 

4.   (?)  Limnaeus  nobills  lieiiss. 
iTaf.  V,   Fig.  2.) 
1868.  Llmnaeiis  nohllis  lieuss:  Palaeontol  Beiträge  (2.  Folge).  Sitzungs- 
berichte d.    math.-naturw.  Cl.  d.  k.  Akad.  d.  Wiss.    Wien,    LVIl. 
Bd.,  I.  Abth.,  pag.  85,  Tab.  II,  Fig.   1  und  2. 
Diese  interessante  Art  beschrieb  Rcuss  auf  Grund  von  4  Kxem- 
phiren,  welche  aus  dem  Steinbruche  am  Hahnenbach,  eine  Stunde  SO 
von  Arbegen,  zwischen  Madiasch  und  Hermannstadt,  herrühren. 

Zwischen  Crna  klada  und  Kovacevac  bei  Londjica  wurde  ein 
samnit  Abdruck  erhaltenes  Stück  dieser  Art  aufgefunden,  jedoch  beide 
unvollständig.  Aus  eben  diesem  Grunde  konnte  die  Artbezeichnung 
nicht  als  definitiv  feststehend  betrachtet  werden,  weil  ja  die  Möglich- 
keit nicht  ausgeschlossen  werden  konnte,  dass  uns  hier  etwa  blos 
der  Wirbeltheil  einer  Valendennesia  Reussi  vorläge.  —  Vorderhand 
mag  wenigstens  in  unbestimmter  Form  das  Auftreten  dieser  schönen, 
mit  deutlich  welligen  Querfurchen  versehenen  Art  gedacht  werden. 
Ich  werde  nicht  ermangeln,  bei  erster  Gelegenheit  die  Fundstelle  per- 
sönlich zu  besuchen,  um  über  das  Vorhandensein  dieser  Art  in  den 
unteren   pontischen    Schichten    Slavoniens  Gewissheit   zu  verschaffen. 

Gen.:  Valendennesia. 

5.    Valenclennesia  Reussi,  Neum. 

1875.  Valendennesia  Reussi,  Neum. :  „Congerien-  und  Paludinenschichten 
Slavoniens".     Abhandl.    d.  k.  k.  geol.  R. -A.,   Vol.  MII,   pag.  81, 
Tai".  IX,  Fig.  22. 
1884.  Valendennesia  Reussi,  Neum.  Brusina:   „Fauna  der  Congerien- 
schichten  von  Agram".    Beiträge   zur  Palaeontol.  v.  Oester.-Ung., 
Vol.  m,  pag.  179,  Tab.  XXVII,  Fig.  70  und  72. 
1897.    Valendennesia    Reussi.,    Neum.    Brusina:    „Materiaux    pour   la 
Fauna  malacologique  neogene  . .  ."  Agram,  pag.  1,  Tab.  I,  Fig.  17. 
Diese  merkwürdige   Gastropodenart,  welche    genetisch  zweifels- 
ohne von  den  Limnaeiden.  insbesondere  von  der  Art  Limnaeus  nohilis 
Reuss  abzuleiten  ist '),    finden  wir   auch  in  Babindol  in  sehr  schönen 
grossen  Exemplaren   vor,    die   ich   nicht   näher   beschreiben    will,   da 
dies  schon  in  der  citirten  Literatur  erschöpfend  geschehen  ist. 

Gen.:  Plaiiorbis. 

6.  Flanorbis   Turkovici,  Kramb.-Gorj. 

(Taf.  V,  Fig.  4,  5  und  G.) 

Dieser  Gastropode  ist  so  zu  sagen  das  interessanteste  Object 
dieser  CoUecte.  Es  ist  dies  ein  verhältnismässig  grosser  Flanorbis, 
der  in  4  Exemplaren    vorliegt.     Obwohl   keines  davon   intact  ist,   so 

^)  Vergleiche  diesbezüglich:  Hauer:  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.  A.  1867, 
pag.  234,  und  insbesondere:  Neumayr:  Die  Congerien-  und  Paladinenschichteu 
Slavoniens,  pag.  81. 


128  Prof.  Dr.  Karl  Gorjaiiovic-Kramberger.  [4] 

kann  man  doch  alle  Eigentliümlichkeiten  dieser  Art  feststellen.  Von 
den  Dimensionen  ist  es  blos  die  Höhe  des  Gehäuses,  welche  mir 
unmöglich  ist  zu  bestimmen,  da  alle  Stücke  im  Mergel  eingebettet  sind. 

Indessen  ist  die  Sculptur  des  Oehäuses  so  bezeichnend,  dass 
man  imstande  ist,  schon  nach  einem  Bruchstücke  derselben  diese 
Art  zu  erkennen. 

Wie  gesagt,  liegen  vier  Exemplare  vor.  die  von  zwei  nahe 
liegenden  Fundorten,  nämlich  Babindol  und  Dobra  voda  herrühren. 
Die  drei  abgebildeten  Stücke  zeigen  uns  ihre  beiden  Seiten;  an 
zweien  davon  ist  je  eine  Schalenpartie  erhalten,  so  dass  man  an 
ihnen  gleichzeitig  die  Sculptur  der  beiden  Seiten  des  Gehäuses  beob- 
achten kann. 

Das  flache,  zarte  Gehäuse  misst  im  Durchmesser  bis  18  mm 
und  besteht  aus  S^o  allmälig  anwachsenden  Umgängen,  die  an  der 
oberen  Seite  durch  tiefere  Furchen  abgegrenzt  sind,  und  dadurch 
etwas  gewölbt  erscheinen,  während  die  untere  Seite  flacher  ist.  Die 
Breite  des  ersten  Umganges  beträgt  nahe  dem  Mundrande  6  mm, 
während  der  zweite  (in  derselben  Lage)  ca.  3  mm  misst.  Die  Sculptur 
der  Schalenfläche  ist  sehr  bemerkenswert,  indessen  ziemlich  ver- 
schieden oben  und  unten.  Die  Oberfläche  der  oberen  Schalenfläche 
scheint  anfangs  glatt  zu  sein;  wendet  man  sie  indessen  gegen  das 
Licht,  bemerkt  man  sehr  leicht  drei  Ileihen  flacher,  knotiger  Er- 
höhungen, und  gegen  den  Mundrand  hin  noch  sehr  zarte  Zuwachs- 
streifen, knapp  vor  dem  Rande  selbst,  auch  stärkere  Rippen.  Gegen 
die  älteren  Windungen  zu  sind  die  regelmässig  angeordneten  Rippen 
sehr  deutlich  und  überall  mit  drei  Knoten  versehen.  —  An  der 
unteren  Seite  sieht  man  ausser  feinen,  dichten  Zuwachsstreifen  regel- 
mässig angeordnete,  sehr  deutliche  Radial-  (Quer)  Rippen,  die  gegen 
die  älteren  Umgänge  hin,  allmälig  dichter  werden.  Die  einzelnen 
Rippen  sind  mit  7  —  8  deutlichen  kleinen  Knötchen  verziert,  welche 
indessen  nach  vorne  zu  (gegen  den  Mundrand)  verschwinden.  Es 
möge  bemerkt  sein,  dass  diese  Knötchen  an  der  inneren  Schalen- 
seite weit  kräftiger  ausgeprägt  sind  als  an  der  äusseren,  wo  man 
sie  ziemlich  schwer  beobachtet.  Die  Rippen  greifen  auch  etwas  über 
den  Rand 
erscheint. 

Diese  FluHoi-hls-AYt  scheint  in  der  unteren  Abtheilung  (ins- 
besondere meiner  4.  Etage)  der  pontischen  Stufe  eine  ziemlich  wich- 
tige Rolle  zu  spielen,  da  sie  ausser  in  Slavonen  auch  in  Kroatien 
und  Ungarn  vorkommt.  Wenngleich  es  nicht  dieselbe  Art  ist,  die  da 
angetroffen  wird,  so  sind  es  doch  ganz  nahestehende  Formen,  welche 
in  direct  verwandtschaftlichen  Beziehungen  mit  unserer  Art  stehen. 
Vor  allem  gedenke  ich  der  Lör enthey'schen  Art  Flanorbis  pon- 
ticH.^  1),  welche  sich  nicht  nur  blos  bezüglich  der  Gestalt  und  der  Zahl 
der  Windungen,  sondern  auch  theilweise  in  der  Sculptur  der  Schale 
eng  an  unsere  Art  anscliliesst. 

M  „Beiträge  zur  Kenntnis  der  nnterpontisclien  Bildungen  des  Szilslgyer 
Comitates  und  Siebenbürgens."  Klausenburg  1893.  Ertesitö  II,  naturw.  Sectiön, 
pag.  315  (27).  Taf.  IV.  Fig.  Ha. 


[5]       Die  Fauna  der  unterpontiscluüi  Bildungen  um  Londjica  iü  Slavonien.      \'2S) 

Sowohl  der  Planorhii^  potiticits  Lör.  als  insbesondere  unser  77. 
TnrkoDu'i  ni.  erinnert  einjü;ermassen  an  jene  Phinorben-Abtheilunfi, 
welche  als  „Armiyer''  bezeichnet  wurde.  Ich  erwähne  die  Art  J'l. 
(ArmUjer)  cristatus  Drap,  aus  den  levantinischen  Schichten  von  Khodus, 
welche  uns  ().  v.  Bukowski  beschrieb').  Diese  Art  steht  unserer 
bezüglich  der  Sculptur  ziemlich  nahe,  nur  ist  sie  bei  weitem  kleiner, 
da  sie  im  Maximum  2  umi  im  Durchmesser  erreicht.  Sie  schliesst 
sich  übrigens  viel  enger  an  die  recenten  Formen  dieser  Planorben- 
Gruppe,  von  welchen  ich  die  Arten  Planorhls  nautileu?  Jj.  mr.  cr'ififatm 
Dnrp.  und  F(.  nanüleu^  var.  xpinalnsm  CUs.  erwähne  •'),  an.  —  Auch 
die  Brusina'sche  Art  PL  ptijcophorm,  welche  aus  den  Congerien- 
schichten  der  Umgebung  Agrams  stammt,  dürfte  diesem  Formenkreis 
angehören.  Nachdem  aber  diese  Art  noch  nicht  näher  beschrieben 
und  abgebildet  wurde,  so  kann  auch  nichts  über  die  verwandtschaft- 
lichen Verhältnisse  derselben  zu  unserer  Art  gesprochen  werden. 

7.  Planorbis  tenulstrlatus  Kramh.-Gorj. 

(Taf.  V,  Fig.  7.) 

Das  flache,  aus  41/0  durch  ziemlich  scharfe  Nahten  getrennten 
Windungen  bestehende  (lehäuse  misst  im  Durchmesser  14-6  mm.  Die 
einzelnen  Windungen  wachsen  nur  allmälig  an  so  zwar,  dass  die  erste 
um  die  Hälfte  breiter  ist  als  die  ihr  vorangehende.  Der  äussere 
Rand  des  Gehäuses  ist  etwas  comprimirt. 

Die  Oberfläche  des  Gehäuses  ist  mit  äusserst  feinen  Streifen 
dicht  bedeckt,  die  indessen  nur  mit  Hilfe  der  Lupe  wahrnehmbar  sind. 

Fundort:  Babindol. 

8.   Planorbis  sp.  äff.   Radmanesti,  Fuchs. 

1870.  Planorbis  Radmanedi,  Fuchs.  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  K.-A.  Wien, 

XX,  pag.  :i46,  Tab.   14,  Fig.   i;-5-lG. 
1884.  Planorbis  Jiadmanesti,  FucJts.  Brusina:   „Die  Fauna  der  Con- 
gerinenschichten  von  Agram  .  ."    Beiträge    z.  Palaeontol.  Oester.- 
Ung.,  HI.  Bd.,  pag.  176,  Tab.  XXX,  Fig.  :-30— 32. 
Dieser  Art  theile  ich  vorläufig  ein  einziges  aus  Babindol  stam- 
mendes  Exemplar  zu,    welches   ziemlich   gut   zur   Fuchs'schen   Be- 
schreibung passt.   —  Durchmesser  des  Gehäuses:  4'5  mm. 

Gen.:  Valvata. 

9.    Valvala  sp. 

Hieher  gehört  ottenbar  ein  deformirtes  Gehäuse,  welches  nicht 
näher  bestimmt  werden  kann. 


^)  „Die   levantinische    Molluskeufauna    der    Insel    lUiodns".    I.  Theil,    Wien 
1893.  Denkschr.  d.  niath.-naturw.  Cl.  d.  k.  Akad.,  pag.  18,    Tab.  VIII,  Fig.  2—3. 

^)  Clesin:    „Die    Familie  der  Liranaeiden'.    Nürnberg    188G,   pag.  152  und 
153,  Tab.  21,  Fig.  5  und  7. 

.Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst.,  1899,  49.  Bd.,  1.  Htt.  (Gorjaiiovic'-Kriiniberger.)    I7 


"130  Prof.  Dr.  Karl  Gorjanovid-Kramberger.  [6] 

Gen. :  Zagrabica. 

10.  Zagrabica  cf.  rhytiphora  Brus. 

1897.  Zacjrabka   rhi/tiphora,  Brus.     „Materiaux   pour   la  Fauna  mala- 
colog  ..."  Agram.  Tab.  XIII,  Fig.  12  und  13. 

So  bezeichne  ich  ein  ungenügend  erhaltenes  Gehäuse,  welches 
bezüglich  seiner  Sculptur  an  die  eben  genannte  Art  erinnert,  nur  dass 
die  Querlinien  unseres  Exemplares  bei  weitem  zarter  und  verhältnis- 
mässig etwas  breiter  sind. 

Fundort:  Babindol. 


B.  Lamellibranehiata. 
Gen.:  Coiigeria. 

1.  Congeria  hanatica  B.  Hörn. 

1875.  Congeria  hanatica,  R.  Hörn.  Hörnes:  „Tertiärstudien".  Jahrb. 

d.  k.  k.  geol.  R.-A.   Wien    1875,   pag.  75  und  76,    Tab.  III,   Fig. 

2—5. 
1897.   Congeria  hanatica,  R.   Hörn.  Andrusow:    „Fossile  u.  lebende 

Dreissensida''  Eurasiens".  Petersburg,  pag.  211  (Resume,  pag.  45), 

Tab.  XI,  Fig.  18-20. 

Die  von  Babindol  und  Crnaklada  stammenden,  hieher  gehörigen 
Exemplare  entsprechen  ganz  der  von  Hörnes  gegebenen  Beschrei- 
bung, und  zwar  entspricht  seine  Fig.  3  unserem  aus  Crnaklada  (bei 
Kovacevac).  und  seine  Fig.  4  unseren  aus  Babindol  stammenden 
Stücken. 

2.  Congeria  zagrahiensis  Brus. 

1883.  Dreissena  zagrahiensis  Brus.     „Congerienschichten    von  Agram". 

Beiträge   zur   Palaeontol.    Oesterr.-Ung.,    Bd.  III,    pag.  140,    Tab. 

XXVII,  Fig.  52. 
1894.   Congeria   zagrahiensis    Brus.     „Fauna  von  Dubovac".    Jahrb.  d. 

k.  k.  geol.  R.-Ä.,  Vol.  XLIII,  pag.  372,  Tab.  VI,  Fig.  1. 
1897.  Congeria  zagrahiensis  Brus.     „Materiaux   pour   la  Fauna   mala- 

col.  .."."  Agram,  pag.  29,  Tab.  XVI,  Fig.  3. 
1897.   Congeria  zagrahiensis  Brus.    Andrusov:  „Fossile  und  lebende 

Dreissensidae^^ .  Petersburg,  pag.  199,  Tab.  IX,  Fig.  17 — 21. 

Von  dieser  sehr  charakteristischen  Art  habe  ich  mehrere  Exem- 
plare aus  Babindol,  und  zwar  so  typische,  dass  es  ganz  überflüssig 
wäre,  eine  Abbildung  davon  zu  reproduciren. 


[7]       Die  Fauna  der  unterpontischcn  Bildungen  um  Londjicii  in  Slavonieu.     131 

Gen. :  Limiiocardiuni. 

3.  Limnocardkim   Ahichiforniis  Kramb.-Gorj. 

(Taf.  V,  Fig.   12,   l;$  und   14.) 

So  benenne  ich  eine  in  mehreren  Exemplaren  vorliegende,  aus 
Babindol  stammende  Art,  welche  auf  den  ersten  Blick  der  Art  Car- 
(Uuin  Äbichi  R.  Hörn,  anzugeliören  scheint,  sich  indessen  von  dieser 
durch  constante  Merkmale  unterscheidet. 

Das  hauptsachlichste  Merkmal  des  C.  Abichi  bilden  die  geschlos- 
senen Schalen,  dann  die  zehn  schütter  angeordneten  Radialrippen, 
zwischen  welchen  noch  hie  und  da  schwache  Falten  auftreten,  dann 
der  scharfe,  zur  hinteren  Seite  verlaufende  Kiel,  hinter  welchem  die 
Schale  entweder  glatt  ist,  oder  von  einer  schwachen  Rippe  durch- 
zogen wird.  —  Unsere  Exemplare  haben  zwar  auch  dünne,  ovale,  un- 
gleichseitige und  hinten  abgestutzte  Schalen,  besitzen  aber  immer 
12  —  14  Radialrippen,  die  ziemlich  von  einander  entfernt  auftreten, 
jedoch  zwischen  sich  keine  secundären  Rippen  oder  Falten  bergen, 
und  was  besonders  hervorgehoben  sein  mag.  hinter  der  stärksten  nach 
hinten  verlaufenden  Rippe  immer  noch  drei  sehr  deutliche  Rippen 
zeigen.  Ausserdem  beobachtet  man  an  der  Schale  noch  schwache 
Zuwachsstreifen. 

Vergleichen  wir  unser  Limnocardium  mit  Limn.  Äbichi,  so  lässt 
sich  einerseits  ihre  enge  Verwandtschaft  nicht  leugnen,  andererseits 
aber,  falls  wir  zu  den  älteren  nahen  Formen  zurückgreifen,  eine 
genetische  Formenreihe  zusammenstellen,  die  uns  dann  auf  eine  mit 
schüttern.  gleichartigen  Rippen  versehene  Stammart,  nämlich  auf  das 
Linmocanl.  p/icatum  Eichw.  zurückführt.  Man  hätte  demnach  das 
schütterrippige  sarmatische  Card,  plicatum  als  Stammform  betrachtend, 
in  der  Art  Limnoatvd.  plicataeformis  in.  den  präpontischen  etwas 
degenerirten  Nachkommen  mit  schwach  geknoteten  Rippen,  und  im 
Limnoc.  Abiclii/onnis  m.  den  glattrippigen,  sonst  gleichartigen  pon- 
tischen  Vertreter  des  Limnoc.  plicatum  zu  erblicken,  von  denen  sich 
Limnoc.  Abichi  It  H.  blos  durch  die  Reduction  der  hinteren  Rippen, 
respective  der  Rippenzahl  auszeichnet. 

Limnoc.  Abichiformis  m.  —  Limnoc.  Abichi  R.  Hörn. 
~ — -  Limnoc.  plicataeformis  m. 

1 

Limnoc.    plicatum  Eichw. 

Ich  muss  noch  bemerken,  das  ein  junges,  ebenfalls  aus  Babindol 
stammendes  Exemplar  unserer  neuen  Art  blos  sieben  weit  stehende 
Rippen  und  eine  Falte  vor  der  kräftigen,  nach  hinten  ziehenden  Rippe 
zeigt.  Obwohl  das  Stück,  wie  bemerkt,  jung  ist,  so  hat  es  doch  au 
der  hinteren  Seite  zwei  Rippen,  welche  sonst,  wie  es  scheint,  bei 
jüngeren  Exemplaren  der  Art  Limn.  Abichi  R.  H.  dort  fehlen. 

17* 


1\32  Prof-  r>i".  Karl  Got-jaiiovi(^-Kraml)erger.  [g] 

Erwacli seile  Stücke  unserer  Art  erreichen  30  nun  Länge  und 
21^'  '«'"  an  Breite:  oder  es  verhält  sich  die  Länge  zur  Breite  wie 
=  Vb:  l. 

4.  Limnocardimn  asperoro.sfafmn   Kramh  -Gorj. 

(Taf.  V,  Fig.   10  und  11.) 

Dieses,  flache  Liiiinocardium  hat  die  Gestalt  des  Limn.  ntiophorum 
ßrus.,  ist  indessen  bedeutend  grösser  und  weist  eine  geringere  An- 
zahl von  Rippen  auf.  Während  jene  33  — 35  Rippen  besitzt,  hat  unsere 
neue  Art  blos  10.  Dieselben  sind  nicht  sehr  hervortretend,  indessen 
doch  bezeichnend:  zwischen  je  zwei  Rippen  befindet  sich  ein  ebenes 
Feld,  und  an  der  Basis  der  Rippe,  eine  mit  derselben  parallel  laufende 
etwas  erhabene  Linie.  Der  Rippenkamm  ist  beschuppt  und  ausserdem 
die  ganze  Schale  mit  zarten  Zuwachsstreifen  versehen.  Diese  feinere 
Oberflächensculptur  wurde  nach  einem  Abdrucke,  welcher  sich  neben 
der  abgebildeten  Art  befindet,  beschrieben.  —  Die  in  natürlicher 
Grösse  dargestellte  linke  Schale  ist  26  nun  lang,  21  mm  breit  und 
etwa  5  nnn  dick. 

Fundort:  Babindol  (4  Exemplare). 

5.  Limnocardümi  otiophoruin  Brus. 

1884.  Ädacna  otiophora  Brus.  „Die  Fauna  der  Congerienschichten  von 
Agram..."  Beiträge  zur  Palaeontol.  Oesterr.-ling.,  Bd.  III,  pag. 
158,  Tab.  XXIX,  Fig.  45  und  46. 

1897.  Limnocardium  otiophonim  Brus.  „Materiaux  pour  la  Fauna 
malacol.  ..."  Agram,  pag.  53,  Tab.  XX,  Fig.   14. 

Von  dieser  kleinen  Muschel  besitze  ich  4  Exemplare  aus  Ba- 
bindol. Die  grösste  davon  ist  8mw  lang  und  '6'2mm  breit;  die  kleinste 
6"2  mm  lang  und  5*3  mm  breit. 

Gen.:  Pisirtiiim. 

In  diese  Gattung  reihe  ich  einige  sehr  interessante  Schalen, 
die  sich  von  den  sonst  bekannten  Pisidien  dadurch  unterscheiden, 
dass  sie  einen  kräftigen,  nach  rückwärts  zu  verlaufenden  Kiel,  und 
hinter  diesem  eine  mehr  minder  kräftige  Falte  aufweisen. 

Aehnliches  beobachten  wir  an  einem  Pisldiimi,  den  uns  Sand- 
berger  in  seinem  Atlas  auf  Taf.  XXXIII,  Fig.  4  darstellt. 

Unsere  aus  Babindol  und  Crnaklada  stammenden  Pisidien  ge- 
hören zwei  Arten  an,  die  sich  sehr  gut  durch  den  mehr  oder  weniger 
vorgezogenen  vorderen  Muschelrand  unterscheiden. 

6.  Pisldium  cosfatnm  Kramb.-Gorj. 

(Taf.  V,  Fig.  8.) 

Schale  9  mm  lang.  7-5  mm  breit,  vorne  abgerundet,  hinten 
schräge  abgestutzt.   \'om  Wiihel  zieht  sich  nach  hinten  zu  ein  scharfer 


[O]  '     I>i('  Fauna  der  iintei-ponti^chon  Hildiingeii  lim  I.ondjica  in  Slavonien.     1  :i;5 

Kiel,  hinter  welcliein  sicii  nödi  eine  leichte  Falle  befindet.  —  Die 
Schale  ist  sonst  mit  Zuwachsstreifen  versehen. 

Fundort:  I^abiridol  (2  Exemplare i. 

Bemerkung:  P]in  derartiges  Pmdium  fand  ich  auch  in  den 
tieferen  i)0htischen  Schichten  von  Gornji  Stenjevac    bei  Agram. 

7.   Pisidiuni  protradum   Kraiuh.-ijorj. 

.     (Taf.  V,  Fig.  9.) 

Schale  13  mm  lang  und  8  mm  hoch.  Der  verlängerte  Vorder- 
rand auffallend  nach  vorne  gezogen;  der  ebenfalls  längere,  jedoch 
breitere  Hinterrand  abgestutzt.  Vom  Wirbel  zieht  sich  nach  hinten 
zu  ein  deutlicher  Kiel  hinter  welchem  eine  Falte  sichtbar  ist.  — 
Das  eben  beschriebene  Exemplar  stammt  aus  Babindol.  —  Ein  aus 
der  Gegend  von  Crnaklada  herrührendes  Stück  ist  bei  l5o  wni  lang. 


Schlussbemerkung. 

Die  Fauna  um  Londjica  (Babindol,  Crnaklada— Kovacevac,  Dobra 
voda)  ergab  folgende  Liste: 

Hijdrohia  .s/>. 

L'nnnaeui^  cf.   rehd'niu?.  Desli. 
(?)         „  nohili?,   Reuss 

„  simpIex  Kramb.-Gorj. 

l^aleficiemiesia  Reuss/\  Neum. 
Thiiiorhlx    J'url'ovia,  Kyamb.-Gorj, 
,,  fPHiiistriatiis  Kramb.-Gorj. 

„  sp.  uff'.   Radtnanesti  Fuchs 

J^alvata  i^p. 

Zagrabica  cf.  rlii/fiplioya  Bikk. 
Congeria  banatica  R.   Hörn. 
„         zagrabiensis  Brns. 
Limnocardium   AbicJiiformis  Kramb.-Gorj. 
„  asperocosfatum  Kramb.-Gorj. 

„  ofiophorum  Ems. 

Fisidium  cosfatiUH   Kramb.-Gorj. 
„         protractum  Kramb.-Gorj. 

Fischreste. 

Unter  den  angeführten  Mollusken  sehen  wir  Lhnnams  celufinus, 
dann  Congeria  banatica,  welche  gewöhnlich  in  den  unterpontischen  Bil- 
dungen auftreten.  Ausser  diesen  müssen  noch  erwähnt  werden  PJa- 
Horbis  Tiirkovici  und  Limnocardimu  Abichiformis  als  dependente  Formen 
für  P/atiorbis  pordicui^  Lör.  und  L/mnoc.   Abichi  /.'.   Hörn.  Wenn  auch 


134  Prof.  Dr.  Karl  Goi;janovJc-Kramberger.  no] 

der  Betrag  der  übereinstiinmeiiden  Formen  ein  geringer  zu  sein 
scheint,  so  ist  dies  doch  blos  dem  Umstände  zuzuschreiben,  dass  die 
einzehien  tieferen  pontischen  Faunen  nocli  unzulänglich  faunistisch 
ermittelt  sind.  Trotzdem  kann  es  als  feststehend  betrachtet  werden, 
dass  die  Faunen  von  Babindol,  Bekinac.  Crnaklada,  ßeocin  in  Sla- 
vonien  mit  der  entsprechenden  des  Ägramer  Gebirges  (Kremenjaker 
Kalkniergel),  und  der  Localitiiten  Novi  Marof  in  Kroatien  und  Olah- 
Lapäd  in  Ungarn  gleichalterig,  ja  einer  und  derselben  Etage  (meiner 
vierten)  angehören,  somit  unter  dem  „ii'//oy//Ao/V/ea-Niveau"  und  dem 
„Li/rcaca-EoYizowV  der  oberen  pontischen  Abtheilung  liegen. 


Beiträge  zur Parallelisirung  derMiocänbildungen 

des  piemontesischen  Tertiärs  mit  denen  des 

Wiener  Beckens.  11/) 

(Nach  Studien,  ausgeführt  im  Herbste  1898.) 
Von  Franz  Schauer. 

Mit   2  Profilen   im   Text. 

Um  meine  im  Frühjahre  1898  begonnenen  Untersuchungen  in 
dem  westlichen  Tertiärbecken  Oberitaliens,  insbesondere  in  dem  an 
den  Apennin  sich  anschmiegenden  Südschenkel  der  Synclinale  fort- 
zusetzen, begab  ich  mich  im  Herbste  desselben  Jahres  nochmals  in 
das  junge  Bergiand  von  Piemont  und  Ligurien^). 

Gleichzeitig  wollte  ich  einer  liebenswürdigen  Einladung  des 
Cav.  Luigi  Rovasenda  in  Sziolze  zum  genaueren  Studium  seiner 
so  überaus  reichen  und  für  das  in  Frage  stehende  Gebiet  so 
interessanten  geologischen  Sammlung  nachkommen.  Leider  mangelte 
es  mir  aber  zum  Schlüsse  an  der  für  diesen  Zweck  erforderlichen 
Zeit,  so  dass  ich  mich  auf  einen  kurzen  Besuch  dieser  so  merkwürdigen 
Localität  beschränken  musste. 

Obwohl  die  Resultate  meiner  früheren  Untersuchungen  bei 
Beginn  der  neuen  noch  nicht  publicirt  waren,  zog  ich  es  dennoch 
vor,  beide  Theile  separat  zu  behandeln,  da  dadurch  der  innere  Zu- 
sammenhang nicht  viel  einbüsst,  und  die  nur  skizzenhafte  Darstellung 
ganz  dem  Charakter  der  aus  der  Gesammtfülle  der  Erscheinungen 
herausgegriffenen  partes  disjectae  entspricht. 

Meine  stratigraphischen  Studien,  verbunden  mit  einer  möglichst 
eingehenden  Ausbeutung  einzelner  Fundstätten,  verfolgten  auch  diesmal 
den  Zweck,  zur  detaillirten,  auf  palaentologischer  Grundlage  fussenden 
Kenntnis  einzelner  Horizonte  beizutragen,  um  dadurch  Anhaltspunkte 
für   eine   weitergehende,    über   grössere    Gebiete    sich    erstreckende 

')  Siehe  ersten  Theil  dieser  Beiträge.  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1898, 
Bd.  48,  Heft  3. 

^)  Streng  genommen  wäre  also  der  für  diese  Arbeit  gewählte  Titel  ungenau, 
aber  die  politischen  Grenzen  Liguriens  können  wohl  mit  Berechtigung  ausser  Acht 
gelassen  werden,  da  der  in  diese  Provinz  reichende  Theil  der  Tertiärmulde  nur 
unbedeutend  ist  und  im  Vergleiche  zu  der  Piemont  angehörigen  Hauptmasse  ganz 
vernachlässigt  werden  kann.  Er  ist  ein  Theil  des  grossen  „piemontesischen 
Tertiär  be  cken  s". 

Jahrbuch  d.  k.  k,  geol.  Reichsanstalt,  1899,  49.  Band,  1.  Heft.  (Fr.  Schaffer.) 


136  Franz  Schaffer.  [2] 

rarallelisirung  ganzer  Schichtencomplexe  zu  gewinnen.  Denn  um  die 
Sache  von  einem  höheren  Standpunkte  aus  betrachten  zu  können, 
fehlt  es  bis  jetzt  noch  an  den  nöthigen  genau  bekannten  Einzelheiten, 
aus  deren  Menge  erst  die  Auslese  der  charakteristischen,  allgemein 
giltigen  Merkmale  zu  geschehen  hat. 

Vor  allem  Anderen  muss  ich,  um  etwaigen  Missdeutungen  vor- 
zubeugen, einen  unliebsamen  Irrthum  richtigstellen,  der  sich  ohne 
mein  Verschulden  in  den  ersten  Theil  dieser  Beiträge  eingeschlichen  hat. 

Da  nämlich  mein  beabsichtigter  Besuch  der  Localität  Vignale, 
der  mich  über  die  Stellung  des  über  der  typischen  pietra  da  cantoni  ^) 
liegenden  Mergels  aufklären  sollte,  damals  vereitelt  wurde,  so  musste 
ich  mich  darauf  beschränken,  eine  mir  von  Herrn  Dr.  F.  Vaschetti 
in  liebenswürdigster  Weise  mitgetheilte  Faunenliste  wiederzugeben. 
Leider  verwechselte  der  genannte  Herr,  der  seine  Untersuchungen 
nur  als  Liebhaber  betreibt,  die  beiden  Horizonte  „Elveziano" 
und  „Tor  toniano"  und  sandte  mir  eine  Liste  von  Fossilien  des 
„Elveziano"  —  der  hier  sehr  sandreichen  pietra  da  cantoni  — 
unter  der  Bezeichnung  „Tor toniano",  so  dass  ich  annehmen  musste, 
sie  stammten  aus  den  von  den  italienischen  Fachgenossen  für  tortonisch 
angesehenen  Mergeln. 

Diesen  Irrthum  konnte  ich  erst  jetzt  bei  einer  persönlichen 
Unterredung  mit  Herrn  Dr.  Vaschetti  feststellen. 

Da  aber  die  grösstentheils  aus  der  pietra  da  cantoni  stammenden 
Fossilreste  auf  eine  bedeutende  Meerestiefe  hinweisen,  und  da  sie 
nach  der  irrthümlichen  Angabe  über  diesem  unseren  Horner- 
schichten  entsprechenden  Horizonte  auftreten  sollten,  so  sprach  ich 
die  Meinung  aus,  dass  die  oberen  Mergel  unserem  Schlier  ent- 
sprächen. 

Diese  Ansicht  ändere  ich  jetzt  nach  dem  Besuche  der  Localität 
durchaus  nicht,  da  diese  spröden  Mergel  fossilleer  sind.  Wenigstens 
konnte  ich  selbst  trotz  eifrigen  Suchens  keine  organischen  Ileste  darin 
entdecken,  und  auch  einer  privaten  Mittheilung  des  Herrn  Dr.  G.  de 
Alessandri  zufolge  wurden  nie  welche  daraus  gesammelt. 

Damit  glaube  ich  den  übrigens  belanglosen  Fehler  berichtigt 
zu  haben. 

')  Bei  dieser  Gelegenheit  möchte  ich  auf  eine  Tliatsuche  von  jjrincipieller 
Bedeutung  hinweisen,  die  ich  schon  hei  der  Besprechung  der  Ijocalität  Rosignano, 
wenn  auch  nicht  mit  gel)ührendem  Nachdrucke,  hervorhob.  Es  wird  nämlich  von 
den  italienischen  Forschern  die  pietra  da  cantoni  stets  als  „arenaria",  als 
Sandstein,  bezeichnet.  Thatsilchlich  ist  auch  ihr  Aussehen  dem  eines  feinkörnigen 
^Sandsteines  sehr  ähnlich.  Aber  wenn  man  ein  Stückchen  mit  verdünnter  Salzsäure 
behandelt,  so  zeigt  sich  ein  so  bedeutendes  Vorherrschen  kalkiger  Substanz,  dass 
die  Grundlosigkeit  dieser  Bezeichnung  sofort  augenscheinlich  wird.  Der  grünlich- 
graue, thonigfette  Rückstand  enthält  nur  mikroskopische  Tartikelchen  von  kieseliger 
Substanz    und  winzige  Glimnierschüppclion. 

Selbstverständlich  gilt  dies  nur  von  den  reineren  Gesteinsjiartien  und  kann 
nicht  auf  die  stark  mit  Sand  vermengten  Vorkommnisse  ausgedehnt  werden. 

Tch  balie  daher  für  die  pietra  da  cantoni  nach  dem  massenhaften  Auftreten 
der  Gattung  (Uobiyerimt  (neben  anderen  Tiefseeforaminiferen)  die  Bezeichnung 
G  lobiger  inenkalkstein  gewählt,  um  damit  auch  ihre  ausgesprochene  Aehn- 
lichkeit  mit  dem  lower  globigerina  limestone  von  Malta  und  Gozzo  hervorzuheben, 
der  ebenfalls  vielfach  als  Sandstein  angesehen  wird. 


[;5]         Beitr.  z.  rarallolisirung  d.  Mi()cäiii)il(lniigeii  d.  picmont    Tertiärs  ntc.      \l]'J 

Der  Punkt,  auf  den  ich  diesmal  meine  Aufmerksamkeit  liaui)t- 
sächlich  concenti-irte,  und  auf  dessen  Studium  ich  den  grössten  Tlieil 
der  verfügbaren  Zeit  verwendete,  war  Serravnlle-Scrivia. 

Um  das  dieser  Localitiit  anhaftende  Interesse  zu  erliöhen.  dazu 
trug  vor  allem  der  Umstand  bei,  dass  an  iiir  einer  der  eifrigsten 
Forscher  in  dem  (iebiete  der  tertiären  Ablagerungen  Euroi)as,  ins- 
besondere auch  in  denen  des  oberitalienischen  fjeckens,  Charles 
May  er -Ey  mar,  lange  Jahre  hindurch  eingehenden  Studien  oblag, 
deren  Resultate   aber  bisher  nur   theilweise  bekanntgegeben  wurden. 

Schon  1877  bedauerte  Th.  Fuchs  \)  anliisslich  seinei-  Studien- 
reise in  die  Tertiärgebiete  Oberitaliens  die  Zurückhaltung  des  ge- 
nannten Forschers,  der  die  gewiss  reichen  Ergebnisse  seiner  Arbeit 
der  Oeffentlichkeit  vorenthält,  und  heute,  nach  zwanzig  Jahren,  muss 
man  das  Fehlen  einer  diesbezüglichen  ausführlichen  Schrift  noch 
immer  beklagen. 

Denn  die  Arbeiten  ]\areto's2)  haben  bei  dem  i'aschen  Fort- 
schritte und  nach  dem  heutigen  Stande  der  Foi'schung  nur  mehr 
historisches  Interesse,  und  die  veröffentlichten  Resultate  dei-  älteren 
Untersuchungen  May  ei's  3j  besitzen  nicht  den  nöthigen  Grad  von 
Detailbeschreibung,  da  sie  sich  über  zu  ausgedehnte  Landstriche  er- 
strecken ;  zudem  sind  seithei'  zwei  Decennien  verflossen. 

Th.  Fuchs,  der  im  Jahre  1S77  das  Profil  von  Sei-ravalle  — 
freilich  nur  flüchtig  —  verfolgte,  sprach  sich  sehr  skeptisch  über 
dessen  von  Mayer  immer  hervorgehobenen  stratigraphischeu  Wert 
aus,  Aveil  er  den  erwarteten  Fossilreichthum  der  einzelnen  Horizonte 
vermisste.  Und  in  der  That  ist  nur  ein  unserem  Badener  Tegel  ent- 
sprechendes Schichtglied  durch  seinen  aber  wirklich  überraschenden 
Reicdithum  an  Fossilresten  ausgezeichnet,  alle  anderen  behergen  sie 
nur  in  spärlicher  Menge,  und  blos  durch  eingehende  Untersuchungen 
war  es  mir  möglich,  eine  Anzahl  bestimmbarer  Fossilien  aus  manchen 
Schichten  zu  erbeuten.  Auch  fehlt  in  diesem  Profile  das  Aequivalent 
unserer  Horner  Schichten  in  faunistisch  charakterisirter  Ausbildung, 
und  die  Stellung  der  an  der  Basis  der  miocänen  Bildungen  auf- 
tretenden fossilleeren  Schichtglieder  ist  eine  sehr  fragliche.  Gleich- 
wohl ist  die  Vollständigkeit  der  Schichtserie  vom  Schlier  bis  in  das 
jüngste  Miocän  Grund  genug,  dieses  Profil  als  Normalprofil  des  Süd- 
schenkels der  piemontesischen  Tertiärmulde  eingehender  zu  besprechen. 

Die  Ortschaft  Serravalle-Scrivia  liegt  an  der  wichtigen,  von 
Novi-Ligure  nach  Genua  über  den  Roncopass  führenden  Weltstrasse, 


^)  Th.  Fuchs,  Studien  über  die  Gliederung  der  jüngeren  Tertiärbildungen 
Oberitaliens.  Sitzber.  d.  k.  Akad.  d    Wiss.  LXXVII    Bd.,  I.  Abth.,   1878. 

^)  L.  Paieto,  Note  snr  les  subdivisions  que  l'on  pourrait  etablir  dans  ies 
terrains  tertiaires  de  l'A pennin  septentrional.  Eull.  soc.  geol.  France.  2.  ser., 
tom.  XXII,  pag.  210. 

L.  Pareto,  Coupes  ü  travers  1' Apennin  des  bords  de  la  Mediterranee  <\  la 
vallee  du  Pö,  depuis  Livnurne  jusqu'ä  Nice.  Bull.  soc.  geol.  France.  2.  ser., 
tom.  XIX. 

*)  Ch.  May  er-Eyniar,  Sur  la  carte  geologique  de  la  Ligurie  centrale. 
Bull,  soc    geol    P'rance.  3.  ser.,  tom  V,   pag.  282. 

Ch.  Mayer-Eymar,  Studii  geologici  sulla  Liguria  centrale.  Bell.  com. 
geol.  It.  Vol.  VIII  1877,  pag.  407. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsaustalt,  1899,  49.  Band,  i.  Heft.  (Fr.  Schatfer.)       18 


138  Franz  Schaffer.  [4] 

dort,  wo  sich  die  Vorberge  des  Apennin  steil  aus  den  jungen  Alluvien 
der  Ebene  erheben.  Die  Tieflandsbucht  von  Novi  erstreckt  sich  süd- 
wärts zwischen  die  niederen  Höhenzüge  der  jüngsten  Tertiärzeit  bis 
knapp  vor  Serravalle.  Hier  verlässt  die  Scrivia  das  enge  Thal,  in 
welchem  sie  das  Gebirge  durchbricht,  und  das  dem  Orte  den  Namen 
gegeben  hat.  Im  Sommer  fast  wasserleer,  bietet  das  50  — 60  m  breite, 
von  hohen,  senkrechten  Wänden  eingesäumte  Flussbett  einen  ganz 
eigenthümlichen  Anblick.  Die  ganze  Schichtfolge  ist  an  diesen  Fluss- 
rändern vortrefflich  aufgeschlossen,  und  es  lässt  sich  hier  der  ein- 
fache geologische  Bau  dieses  in  orographischer  Hinsicht  so  äusserst 
mannigfaltigen,  pittoresken  Berglandes  sehr  gut  verfolgen.  Die  in 
einem  mit  dem  geologischen  Alter  abnehmenden  Neigungswinkel  gegen 
N  fallenden  Schichten  wechseln  in  ihrer  petrographischen  Beschaffen- 
heit ausserordentlich  und  bedingen  dadurch  die  Mannigfaltigkeit  der 
Terrainverhältnisse,  die  bei  der  ungeheueren  Mächtigkeit  der  einzelnen 
Horizonte  ganz  von  deren  Natur  abhängig  zu  sein  scheinen.  Tiefe,  oft 
schluchtenartige  Nebenthäler  folgen  dem  Streichen  der  leichter  zer- 
störbaren Mergelschichten,  und  in  scharfen  Contouren  erhebt  sich 
das  widerstandsfähigere  Material,  wie  Conglomerate  oder  Sandsteine, 
zu  beträchtlicher  Höhe  über  die  Thalsohle. 

Die  grösstentheils  nur  spärliche  Pflanzendecke  gestattet  zudem 
ein  leichtes  Verfolgen  einzelner  Horizonte  über  weite  Strecken,  Den 
Thalboden,  der  in  einer  Meereshöhe  von  ca.  220  w  liegt,  bedeckt 
eine  mehrere  Meter  mächtige  Decke  von  typischem  Löss,  der  in 
einigen  Ziegelöfen  Verwendung  findet  und  nach  Aussage  der  Arbeiter 
öfters  Knochenreste  geliefert  hat.  Oberhalb  Serravalle  verschwindet 
er  doch  bald. 

Da  es  gerade  in  diesem  Profile  sehr  schwierig  ist,  eine  untere 
Grenze  für  die  in  den  Bereich  meiner  Untersuchung  zu  ziehenden 
jüngeren  tertiären  Bildungen  festzustellen,  so  beginne  ich  mit  einem 
fossilleeren,  von  den  italienischen  Geologen  ^)  noch  dem  Oligocän  zu- 
gezählten, von  Th.  Fuchs  2)  als  Flysch  angesprochenen  Schichtgliede, 
das  bei  Arquata-Scrivia  längs  des  Flusses  und  an  den  steilen  Hängen 
gut  aufgeschlossen  ist  und  in  der  nächsten  Umgebung  Höhenrücken 
bis  388  m.  zusammensetzt.  Der  letztgenannte  Forscher  erwähnte  aber 
damals  das  Vorkommen  von  losen  Blöcken  eines  Bryozoen,  Nummuliten 
und  Pectenscherben  enthaltenden  Gesteines  mitten  im  „Flyschgebiete" 
und  knüpfte  daran  die  Vermuthung,  dass  solche  versteinerungsführende 
Schichten  in  der  Nähe  anstehend  vorkommen  dürften.  Mir  gelang  es 
jedoch  nicht,  etwas  Derartiges  aufzufinden. 

Die  petrographische  Beschaffenheit  dieses  tiefsten  hier  in  Be- 
tracht gezogenen  Horizontes  ist  eine  äusserst  wechselnde.  Wenn  man 
bei  der  Ortschaft  Varinella  in  das  Flussbett  der  Scrivia  hinabsteigt 
und  das  an  den  steilen  Uferwänden  aufgeschlossene  Profil  verfolgt, 
so  sieht  man  grobkörnige  Sandsteine  mit  sandigen  Mergeln,  mit 
Conglomeraten  und  wahren  Blockanhäufungen  wechsellagern. 

1)  V.  Sacco,  I  terreni  terziari  del  Piemonte  e  della  Liguria  setteutrionale. 
1886,  1:25.000  Blatt  Serravalle— Scrivia. 

F.  Sacco,  II  bacino  terziario  del  Piemonte.  Milano  1889. 
»)  Th.  Fuchs,  1.  c.  pag.  34. 


[5]        Boitr.  z.  Parallelibirung  d.  Miocänbildungen  d.  pieinont.  Tertiärs  etc.      139 


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140  Vranz  Schaffer.  [6] 

Der  Sandstein  ist  ein  !;rauer.  dickbankiger,  mürber  Quarz- 
sandstein, der  auf  den  Scliichtflächen  Fliesswülste  erkennen  lässt.  wie 
sie  bei  unserem  Flyschsandsteine  vorkommen,  mit  dem  er  auch  sonst 
grosse  Aelinlichkeit  aufweist.  Doch  ist  sein  Korn  im  Allgemeinen 
gröber,  und  es  fehlt  der  Glimmer  fast  vollständig,  während  kleine 
Glauconitkörper  darin  auftreten.  Fossilreste  sind  mir  aus  diesem 
Sandsteine  nicht  bekannt.  F^r  geht  stellenweise  in  dunkelgraue, 
bröckelige,  sandreiche  Blätterniergel  über,  die  ebenfalls  vollständig 
fossilleer  sind,  und  mit  diesen  wechsellagern  dann  wieder  Conglomerate 
und  Gerolle  von  Urgestein  und  Serpentin.  Die  Grösse  der  einzelnen 
Geröllstücke  ist  sehr  verschieden.  Sie  erreichen  mitunter  Kopfgrösse. 
An  mehreren  Stellen  nehmen  sie  aber  ganz  gewaltige  Dimensione^i 
an,  und  Blöcke  von  mehreren  Gubikmetern  Inhalt  treten  in  mächtigen 
Bänken  angehäuft  auf.  so  dass  man  von  wahren  Blockanhäufungen 
sprechen  kann.  Dabei  konnte  ich  stets  nur  wohlgerundete,  aber  nie 
eckige  Trümmer  beobachten.  Es  kann  also  keinem  Zweifel  unter- 
liegen, dass  dieses  Material  von  bewegtem  Wasser  transportirt 
wurde. 

Diese  Blocklager  und  Conglomerate  inmitten  des  äusserst 
mächtigen,  fossilleeren  Horizontes  erinnern  auffallend  an  die  analogen 
Bildungen  der  nächsten  Umgebung  von  Turin  (Superga)  und  anderer 
Orte,  die  dort  überall  an  der  Basis  des  Miocäns  auftreten,  und  an 
die  Conglomeratbänke  vom  Santuario  di  Crea  (basso  Monfferrato), 
die  mir  eine  dem  tiefsten  Miocän  entsprechende  Fauna  geliefert 
haben  ' ).  Ich  glaube  daher  keinen  grossen  Fehler  begehen  zu  können, 
wenn  ich  diese  Ablagerungen  in  Rücksicht  auf  die  im  Hangenden 
auftretenden  fossilführenden  Horizonte  entgegen  den  Ansichten  der 
italienischen  Forscher  ebenfalls  an  die  Grenze  von  Oligocän  und 
Miocän  stelle. 

Die  Lagerungsverhältnisse  sind  in  diesem  ein  paar  hundert 
Meter  mächtigen  Schichtgliede  durch  tektonische  Vorgänge  complicirt, 
lassen  sich  aber  unterhalb  Varinella  an  dem  Uferrande  gut  verfolgen. 
Das  Fallen  der  Schichten  ist  hier  gegen  NO  gerichtet  und  nimmt, 
wenn  man  ein  Stück  flussaufwärts  schreitet,  einen  immer  grösseren 
Neigungswinkel  an.  Schliesslich  stehen  einige  Bänke  saiger  und  dann 
beginnt  der  ganze  Schichtcomplex  gegen  SW  einzufallen,  so  dass  wir 
also  eine  vollständige,  eng  gefaltete  Antiklinale  vor  uns  haben.  Doch 
ist  das  Verfolgen  der  einzelnen  Bänke  in  beiden  Schenkeln  nicht  so 
einfach  und    die  Darstellung  in  dem  Profile    eine    nur  schematische. 

Gegen  oben  wird  das  Fallen  der  hier  vorherrschenden  Sand- 
steinbänke flacher,  und  es  folgen  die  jüngeren  Bildungen  in  fast  con- 
cordanter  Ueberlageruug.  Der  Gegensatz,  der  zwischen  diesen  so 
stark  gestörten  Liegendschicliten  und  den  jüngeren,  gleichmässig 
gegen  N  fallenden  Etagen  besteht,  lässt  erkennen,  dass  eine  Periode 
gewaltiger  tektonischer  Bewegungen  zwischen  der  Ablagerung  dieser 
beiden  Horizonte  platzgegriöen  hat.  deren  Zeugen  uns  an  so  vielen 
Punkten  des  'J'ertiärbeckens  entgegentreten,  und  auf  die  ich  noch 
an  anderer  Stelle  zu  sprechen  kommen  will. 

^)  Siehe  den  ersten  Theil  dieser  Beiträge,  pag.  19. 


[7]        Beitr.  z.  Parallelisirimjr  i].  MiociuibildunKCii  d.  pieniont.  Tertiärs  etc.      141 

Das  näoliste  sich  in  petrograpiiischer  Hinsiclit  auf  das 
Deutlichste  abtrennende  Hchiclitglied  bilden  graue,  festgebankte 
Mergel  von  einer  ganz  ausserordentlichen  Mäclitigkeit.  Nördlich  von 
dem  Fosso  Liborno  ist  ihre  concordante  Aut'lagerung  auf  dem  hier 
nur  etwa  20»  gegen  N  fallenden  Hyschähnlichen  Sandstein  zu  er- 
kennen. Sie  setzen  sich  mit  ziemlich  gleichbleibendem  Fallen  bis  an 
den  nördlichen  Bergrand  der  \al  Borbera  fort,  .so  dass  ihre  Oesammt- 
mächtigkeit  wohl  800  )k  betragen  mag.  Und  in  diesem  für  eine  aus- 
gesprochene Tiefseebildung  (hier  wie  immer,  wenn  nicht  ausdrücklich 
bemerkt,  im  Sinne  Th.  Fuchs'  als  unter  der  50  Fadenlinie  abgelagert) 
wohl  ganz  enormen  Schichtcomplexe  lusst  sich  kaum  ein  Unterschied 
in  irgend  einer  Hinsicht  feststellen,  der  stichhältig  wäre,  eine  weitere 
Gliederung  vorzunehmen. 

Von  der  Basis  bis  an  die  Grenze  gegen  die  Hangendschiehten 
treffen  wir  denselben  grauen,  stellenweise  etwas  schmutziggrünen 
Me^'gel  in  seiner  ganzen  Mächtigkeit  in  ca.  ^2  ^>^  dicke  Bänke  ge- 
sondert. Diese  Bankung  wird  durch  einen  auffälligen  Wechsel  von 
härtereu,  kalkreicheren  und  leicht  zerreiblichen,  sandigen  Lagen 
herbeigeführt.  Es  ist  überraschend,  mit  welcher  Regelmässigkeit  diese 
Wechsellagerung  an  allen  Punkten  auftritt,  wo  immer  die  Mergel  zu 
Tage  treten,  und  wie  sie  in  dieser  Zone  nach  0  und  W  au  das 
Sediment  gebunden  erscheint.  So  treffen  wir  bei  Acqui  —  etwa  30  hn 
westlich  —  denselben  Mergel  mit  der  gleichen  regelmässigen  Bankung 
\yieder. 

Im  Relief  kommt  diese  mächtige  Zone  leichter  zerstörbaren 
Materiales  sehr  gut  zum  Ausdrucke.  Das  weite  Thal  des  Torreute 
Borbera  ist  hier  der  Länge  nach  in  diese  Mergel  eingeschnitten,  und 
die  von  diesen  gebildeten  Bergzüge  stehen  denen  der  Umgebung  an 
Höhe  und  Schärfe  der  Contouren  weit  nach.  Sie  bilden  die  welligen 
Höhen,  die  das  linke  Scriviaufer  begleiten,  und  der  durch  ihr  Streichen 
vorgezeichneten  Terrainsenke  folgt  die  westwärts  nach  Gavi  führende 
Strasse. 

Die  kalkreichen,  festen  Bänke  enthalten  besonders  in  den 
höheren  Lagen  zahlreiche,  wenn  auch  fast  durchwegs  durch  Druck 
stark  deformirte  Fossilreste.  Die  Kalkschalen  sind  grösstentheils  durch. 
Auflösung  entfernt  und  haben  vermutlilich  dazu  beigetragen,  den 
Kalkgehalt  der  Bänke  zu  erhöhen.  Stellenweise  konnte  ich  nester- 
artige Anhäufungen  von  Fossilien  beobachten ;  doch  sind  diese  im 
allgemeinen  ziemlich  selten. 

Ausser  zahlreichen  Ttlanzenresten,  die  sich  auf  den  Schichtflächen  . 
finden,  und  die  wieder  die  merkwürdige  Thatsache    bestätigen,    dass 
Landpfianzen  so  häufig  in  Ablagerungen  grösserer    Tiefe   augetroft'en 
werden,  kommen  darin    noch    folgende    bestimmbare    Fossilien    vor: 

Trochiis  turrifus  Bon. 
Cassidarla  ecliinopjiora  Lant. 

„  .s7>. 

Fnsiifi  sp. 

Östren  tieylerta  Michf. 
Lucina  sinuosii^  Don. 


142  "  Franz  Schaffer.  '  '         [8] 

Lacina  sp. 

Solenom^/a  Doderleinl  Matj. 

Attiria  Äf/uri  Bast. 

Vaqmdla  Calandrellii  Mi  cht. 

.      ■„         Rzehaki  Kittl. 

Balantium  pulcherrimim  May.  .  '  .  >. 

Carinaria  Paretoi  Maif. 

Hijalaea  sp.  ■ 

Cleodora  sp. 

Ausserdem  treten  zahlreiche  Foramiuiferenarten  auf.  •   .   , 

'  •; :  '  Dem  Alter  nach  kann  ich  diesen  ausgedehnten  Horizont  dem 
Schlier  von  Oberösterreicli  und  Baiern  gleichstellen,  Und  zwar  gestützt 
sowohl  auf  die  P'auua.  als  insbesondere  auf  die  concordant  darüber- 
liegenden  jüngeren  Sedimente,  die,  wie  aus  Nachfolgendem  hervor- 
gehen wird,  unseren  Schichten  von  Grund  entsprechen.  Die  grösste 
Uebereinstimmung  aber  zeigen  diese  Schliermergel  in  petrographische^ 
Hinsicht  und  in  Bezug  auf  die  Zusammensetzung  und  den  Erhaltuiigö- 
zustand  ihrer  E'auna  mit  dem  Schlier  von  San  Leo,  CäSaläcchio, 
Monte  Paderno  und  anderen  Localitäten  des  Tertiärs  vOn  Bologna. 
Mit  dem  ein  nur  untergeordnetes  Schichtglied  bildenden  Länghiano 
des  nördlichen  Montferrat  möchte  ich  sie,  wie  aus  meiner  ersten 
diesbezüglichen  Abhandlung  hervorgeht,  nicht  identificireii. 

Wenn  man,  von  S  kommend,  bei  dem  Stcädtchen  Vignole  die 
Borbera  überschreitet,  so  steht  man  vor  dem  steilen,  stellenweise 
senkrechten  Absturz  eines  von  WSW  nach  ONO  streichenden  Betg- 
zuges,  der  die  höchsten  Erhebungen  der  nächsten  Umgebung  —  bis 
468  m  —  umfasst  und  nach  einer  seinen  Gipfel  krönenden  Wallfahrts- 
kirche die  Costa  di  Madonna  del  Monte  genannt  wird.  ; 

Mehr  als  240  m  ragt  der  Kamm  über  die  Thalsohle  eriipor, 
und  in  seiner  reichen,  scharfen  Gliederung  gibt  sich  sofort  ein 
grosser  petrographischer  Gegensatz  zu  den  eben  besprochenen 
Horizonten  zu  erkennen. 

Dieser  ganze  Höhenzug  wird  von  einem  äusserst  widerstands- 
fähigen Sandsteine  von  lichtgelber  oder  lichtgrauer  Farbe  gebildet, 
der  hier  am  Fusse  des  Berges  auf  den  Schliermergeln  autiagert.  Es 
ist  ein  meistens  mehr  grobkörniger  Quarzsandstein  mit  vereinzelten 
Serpentinkörnern  und  Glimmers(  liüppchen,  oftmals  mit  einer  bedeu- 
tenden Menge  von  organischem  Detritus  vermengt.  Ein  schmutziggelb- 
liches Kalkcement  verkittet  diese  Elemente  zu  einer  sehr  festen  Masse. 

An  den  steilen,  nackten  Hängen  dieses  Bergzuges  tritt  allent- 
halben eine  sehr  deutliche  Bankung  zu  Tage,  die  sich  durch  den 
ganzen  ungeheuren  Horizont  dieser  Sandsteine  auf  eine  horizontale 
Erstreckung  von  ca.  2000  m  in  unserem  Profile  constant  bleibt.  Bei 
dem  20^  selten  übersteigenden,  so  ziemlich  gegen  N  gerichteten 
Neigungswinkel  der  Schichten  müssen  wir  demnach  die  Gesammt- 
mächtigkeit  des  in  Frage  stehenden  Sedimentes  an  dieser  Stelle  auf 
mindestens  700  m  veranschlagen. 

Die  Stärke  der  einzelnen  Bänke  ist  wechselnd,  doch  beträgt 
sie  meistens  Va— 1  ^^^-  Ihre  Oberfläche  ;^eigt  —  insbesondere  in  den 


[9]       Bfitr.  z.   Parallelisinuiff  d.  Miocänbildiinge»  d.  piemont.  Tertiärs  etr.     143 

(lichteren,  feinkörnigen  Lagen  —  ausgesprochene  Fliesswiilste,  wie 
sie  an  den  Flyschsandsteinen  zu  heobacliten  sind  und  die  Schicht- 
flachen  mit  seltsamen  wurmförinigen  Relieffiguren  bedecken.  Stellen- 
weise —  z.  B.  in  der  Val  Sereigo,  östlich  von  Stazzano  ---  treten 
polsterähnliche  und  walzenförmige  Concretionen  auf,  welche  lebhaft 
an  die  in  den  Leithakalkbildungen  des  Wiener  Beckens  (Neudorf 
an  der  March)  vorkommenden  erinnern. 

Hier  ist  auch  die  sonst  so  ausgesprocliene  Bankung  theilweise 
durch  eine  falsche  gegen  0  fallende  Schichtung  verwischt,  welche 
sehr  leicht  zu  Irrthümern  Anlass  geben  könnte. 

Der  Sandstein  besitzt  in  seinem  Habitus  eine  auffällige  Aehn- 
lichkeit  mit  dem  Eggenburger  Sandsteine  des  ausseralpinen  Wiener 
Beckens,  mit  dem  er  auch  früher  dem  Alter  nach  gleichgestellt 
wurde.  Doch  ist  jetzt  durch  die  spärlichen  Fossilreste,  die  er  liefert, 
sein  jüngeres  Alter  zweifelsohne  festgestellt.  Dieser  Irrthum  wurde 
durch  den  Mangel  einer  reicheren  Fauna  verursacht.  Denn  wo  immer 
man  die  Sandsteinbänke  untersucht,  wird  man  stets  feinen  Detritus 
von  Conchylienschalen ,  Bryozoen ,  Cirripedien  und  Echinodermen 
finden,  ohne  aber  in  den  meisten  Fällen  auch  nur  wenige  sicher 
deutbare  Fossilreste  zu  erhalten.  In  manchen  lockeren  Lagen  nimmt 
dieses  organogene  Sediment  so  überhand,  dass  es  einen  förmlichen 
Muschelgrus  bildet  und  lebhaft  an  den  jungen  Muschelsandstein 
von  Girgenti  erinnert,  der  das  Material  zu  den  gewaltigen  Tempel- 
bauten des  alten  Agrigentum  lieferte.  Auch  in  den  heutigen  Meeren 
finden  sich  stellenweise  solche  Aidiäufungen  von  organischem  Detritus, 
an  dessen  Bildung  die  in  den  F^xcrementen  vieler  Fische  massenhaft 
enthaltenen  unverdaulicheii  Speisereste  einen  wesentlichen  Antheil 
zu  nehmen  scheinen. 

Nur  diese  lockeren  Lagen  bergen  bisweilen  fossile  Reste  in 
einem  Erhaltungszustande,  der  ihre  Bestimmung  gestattet.  Doch  sind 
sie,  soweit  ich  erkennen  konnte,  auf  die  höheren  Gesteinspartien 
beschränkt. 

In  den  festen  Bänken,  die  einen  vorzüglichen  Bruchstein  liefern, 
scheinen  die  Kalkschalen  zur  Bildung  des  Bindemittels  gedient  zu 
haben  und   grösstentheils  der  Auflösung  zum  Opfer   gefallen  zu  sein. 

In  Folgendem  gebe  ich  ein  Verzeichnis  der  in  diesem  Sandstein- 
horizonte auftretenden  fossilen  Arten  : 

Lithotliamniuni  sp. 
Tefhia  simplex  Micht. 
Caryophijllia  cyatha  Mich. 
Pentacrinus  Gastaldi  Micht. 
Cidaris  avenionensis  Desni. 
Serpula  sp. 

Myriopora  friincafa  Mich. 
Tevehratula  oitrea  Lirin. 

„  miocenica  Micht. 

Ävicula  phalaenacea  Lam- 
Pecten  henedictns  Lam. 
latissimus  Brocc. 


144  Franz  Scliafffir.  [10] 

Pecfcn  i^cahrellus  L<im. 
,,       pu»io  Lam. 
„        Besser!  Ändr. 
,,       ele(fans  Ändr. 
,,        oenfiJabrum   Goldf. 
An  omni  costafa  Brocc. 
Ostrea  plicatuia   Gmel. 
.,       digitalina  Dub. 
„       Bohlayi  Desh. 
Cardita  scahrkosta  Mich  f. 
.,       Joiianneti  Bast. 
'„       Partschi    Goldf. 
Lucina  columhella  Lam. 
(jlob'ulosa  Desh. 
,,       horealis  Linn. 
Venus  Agiaurae  Bro7i</. 
Tapes  vetidus  Bast. 
Tiirritella  turris  Bast. 

cermicularis   Brocc. 
„  cathedroHs  Brong. 

Cerithium  lignifarntn   Kiclnr. 
VagirteUa  sp. 

Balatdium  peclcynotitaiuiin   M<ii/. 
Bald  uns  sp. 
Lannui  sp. 

Auf  Grund  dieser  Fauna,  die  typische  Formen  der  älteren 
Mediterranstufe  mit  jüngeren  Arten  vereint  aufzuweisen  hat,  können 
wir  dieses  mächtige  Schichtglied  als  ein  Aequivalent  unserer  Schichten 
von  Grund  und  Niederkreuzstätten  ansehen. 

Ich  möchte  hier  nur  kurz  auf  das  prägnante  Relief  dieser  Sand- 
steinzone hinweisen,  welche  in  unserem  Profile  drei  scharfe,  parallel 
zur  Streichungsrichtung  verlaufende  Rücken  bildet:  die  Costa  di 
Madonna  del  Monte,  die  Costa  Bufalara  und  die  Costa  Capanna',  die 
alle  durch  enge,  schluchtenartige  Thäler  von  einander  getrennt  sind. 
Von  der  ersten  zieht  sich  ein  scharfer  Grat  in  fast  SN-Kichtung  bis 
knapp  an  die  zweite  hin,  wird  aber  durch  die  tiefe  Schlucht  des 
Rio  Sereigo  steil  abgeschnitten.  Wenn  man  diesen  Grat  verfolgend 
bis  an  den  jähen  Absturz  gelangt  ist,  so  hat  man  eine  nackte,  schiefe 
Wand  —  den  Südabsturz  der  Costa  Bufalara  —  vor  sich,  die  mit 
ihren  kahlen,  regelmässig  aufeinander  gethürmten  Schichtköpfen  den 
Anblick  einer  cyklopischen  Mauer  gewährt.  Man  könnte  geneigt  sein, 
das  hier  geradlinig  verlaufende,  enge  Thal  auf  eine  tektonische 
Linie  zurückzuführen,  so  auffallend  tritt  uns  seine  Nordwand  wie 
durch  eine  Verwerfung  abgeschnitten  entgegen.  Doch  habe  ich  keinen 
thatsächlichen  Grund,  eine  solche  tektonische  Erscheinung  anzunehmen, 
welche  die  enorme  Mächtigkeit  dieses  Horizontes  durch  theilweise 
Wiederholung  erklären  würde. 

Weiter  westlich  verlaufeil  in  etwa  SSO — NNW-Richtung  noch 
zwei  scharfe  Bergketten,  die  bei  Stazzano    schroff  an  die  Thalebene 


( 


[11]     Beitr.  z,  Parallelisirung  d.   Miocänbildnngcn  d.  pioniont.  Tertiärs  Hr.     145 

herantreten  und  hier  auf  steiler  Höhe  den  j^ewaltigen  Bau  des 
.Seminario  Leone  XIII.  tragen. 

Gegen  oben  <>ehen  die  Sandsteinbänke  nach  steUenweise 
mergeligen  Einschaltungen  allmählich  in  einen  grauen,  sandigen 
Tegel  über,  der  schon  am  Monte  Antico  —  in  der  Fortsetzung  der 
Costa  Capanna  —  zu  Tage  tritt  und  an  dem  Nordabhange  dieses 
Berges,  durch  einige  tiefe  VVassergerinne  aufgeschlossen.  Conchylien- 
schalen  lieferte.  Wenn  wir  den  Abhang  hinabsteigen  und  jenseits  der 
von  Stazzano  gegen  Vargo  führenden  Strasse  in  den  Weinbergen  das 
Profil  weiter  verfolgen,  wird  der  Tegel  reiner,  plastischer,  er  nimmt 
eine  hellgraue  Färbung  an.  und  die  fossilen  Reste  von  Gastropoden, 
Scaphopoden  und  Bivalven  finden  sich  vom  Regen  ausgewaschen  in 
den  Abzugsgräben  in  Menge. 

Es  folgt  nun  ein  wild  zerrissenes  Relief,  das  einige  kleine, 
theilweise  periodische  Wasserläufe  aus  dem  weichen  Materiale  heraus- 
gearbeitet haben,  ein  System  enger  Schluchten  und  steiler  Kämme, 
denen  der  Volksmund  nach  einem  kleinen  Gehöfte  —  wie  man  mir 
erklärte  —  den  Namen  Bocca  d'Asino  gegeben  hat.  Die  steilen, 
durch  Erosion  und  Rutschungen  an  vielen  Stellen  entblössten  Ab- 
hänge schliessen  den  undeutlich  gebankten  Tegel  bis  in  eine  beträcht- 
liche Tiefe  auf.  und  ihnen  ist  es  zu  verdanken,  dass  diese  Oertlichkeit 
eine  der  reichsten  Fundstätten  im  marinen  Neogen  Italiens  geworden 
ist.  Es  war  nur  das  in  verhältnismässig  'kurzer  Zeit  gesammelte 
Material,  das  mir  zur  Zusammenstellung  der  im  Nachfolgenden  ge- 
gebenen Fossilliste  vorlag  und  doch  238  Arten  von  Gastropoden, 
Scaphopoden  und  Lamellibranchiaten  lieferte,  deren  Zahl  sich  nach 
meinem  Ermessen  bei  umfangreicherer  Ausbeutung  gewiss  um  ein 
Beträchtliches  erhöhen  liesse. 

Die  Schichtung  ist  durch  das  von  Regengüssen  herabgeschwemmte 
Material  stark  verwischt,  aber  es  lässt  sich  doch  an  einigen  Punkten 
ein  leichtes  Nordfallen  (15 — 20^)  constatiren,  insbesondere  dort,  wo 
sich  Zwischenlagen  von  Serpentingeröllen  und  Sauden  einschalten. 
Vorzugsweise  in  dem  engen  Thale  des  Rio  della  Bocca  d'Asino  und 
in  dessen  linker  Nebenschlucht  treten  inmitten  des  plastischen  Tegels 
Lagen  von  groben  Gerollen  —  vorherrschend  von  Serpentin  —  auf, 
die,  soweit  ich  erkennen  konnte,  über  eine  ziemliche  horizontale 
Ausdehnung  verbreitet  sind.  Doch  lassen  sich,  wie  es  die  Nach- 
giebigkeit des  Materiales  mit  sich  bringt,  keine  genauen  Grenzen 
ziehen ;  Tegel  und  Gerolle  sind  wie  durcheinander  gemengt. 

Diese  Erscheinung  fiel  schon  L.  Pareto  auf,  der  die  Menge 
der  in  diesen  groben  Detritusmassen  vorkommenden  Fossilreste  her- 
vorhob ^),  ohne  aber  eine  Deutung  zu  versuchen,  während  Ch.  Mayer 
sie  „eher  auf  einen  unterseeischen  Serpentinkegel,  als  auf  die  Mündung 
eines  Flusses"  zurückführen  möchte  '-^i.  Aber  selbst  für  den  Fall,  dass 
der  genannte  Forscher  mit  diesem  „Serpentinkegel"  nur  eine  hervor- 
ragende Klippe  des  Grundgebirges  bezeichnen  wollte,  lässt  sich  seine 
Deutung  nicht  mit  den  gegebenen  Thatsachen    in    Einklang    bringen. 


^)  Bnll.  soc.  geol.  France.  2.  s^r.,  tom.  XXII,  pag.  238. 
')  Bull.  soc.  gäol.  France.  3.  s^r.,  tom.  V,  pag.  292. 
Jahi'buch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1899,  49.  Band,  i.  Heft.  (Fr.  Öchafter.)        19 


146  Franz  Srhaffer.  [12] 

Deim  auf  einem  so  tiefen  und  ruhigen  Meeresboden,  wie  ihn  die  für 
die  Entwickelung  der  hier  herrschenden  Pleurotomenfauna  erforder: 
liehen  Standortsverhältnisse  bedingen,  kann  kein  so  grobes  Sediment 
zur  Ablagerung  gelangen,  ohne  dass  die  Lebensbedingungen  gänzlich 
umgestaltet  würden.  Von  einer  Veränderung  der  hier  ständigen  Fauna, 
die  damit  noth wendiger  Weise  Hand  in  Hand  gehen  müsstß,  ist  aber 
nichts  zu  bemerken.  Es  ist  also  die  Annahme  einer  —  natürlich  i3is 
in  die  Region  der  Brandung  reichenden  —  Klippe  keineswegs  in  den 
thatsächlichen  Verhältnissen  begründet. 

Die  schon  von  Pareto  angeführte  Thatsache  des  Vorherrschens 
der  Fossilien  in  den  Gerolle  führenden  Lagen  war  es,  die  mir  den 
Weg  wies,  einen  diesbezüglichen  Erklärungsversuch  zu  unternehmen, 
der,  wie  ich  im  Folgenden  zu  zeigen  gedenke,  vielleicht  etwas  riiehr 
als  Wahrscheinlichkeit  für  sich  in  Anspruch  nehmen  darf. 

Bei  dieser  Gelegenheit  möchte  ich  ausdrücklich  auf  die  Ver- 
wirrung hinweisen ,  welche  in  den  bei  der  Bestimmung  miocäuer 
Mollusken  gebräuchlichen  Tafelwerken  herrscht,  und  welche  theils 
durch  unrichtige  Uebernahme  älterer  Namen,  theils  durch  übergenaue 
Unterscheidung  von  Species  ohne  Rücksichtnahme  auf  Varietäten 
entstanden  ist. 

Es  ist  hier  nicht  der  Ort,  auf  die  selbst  bei  wichtigen  Leit- 
fossilien sjch  zeigenden  Ungenauigkeiten  näher  einzugehen ,  die 
freilich  die  bedauerlichsten  Irrthümer  verschulden  müssen. 

Ich  habe  mich  bei  der  Bearbeitung  des  Materiales  -v-  um  einer 
Ueberfülle  von  Species  auszuweichen  —  soweit  es  mir  möglich  war, 
an  die  von  M.  H  o  e  r  n  e  s,  B  r  o  c  c  h  i,  M  i  c  h  e  1  o  1 1  i,  B  a  s  t  e  r  o  t  u.  a* 
eingeführte  Nomenclatur  gehalten  und  erst,  wenn,  ich  damit  nicht 
mein  Auskommen  fand  —  wie  besondei-s  bei  den  Pleurotomen  — 
das  grosse  Werk  von  Bella rdi-Sacco  zuhilfe  genommen. 


yerzeichnis  der  in   dem  Tegel  der  Localität  Bocca  d'Asino 
vorkommenden  Mollusken. 

h,  hh,  bhli   verschiedene   Grade   von   Häufigkeit,   *  bedeutet,   dass  die  Exemplare 
deutliche  mechanische  Einwirkung  erkennen  lassen. 

Laniellibraiichiata. 

Feden  scabreUus  Lam.  * 

„       Besseri  Andy.  * 
Chlamys  tauroperstriata  Sacco  * 

„        gloria  maris  Duh.  * 
Spondi/l'us  s^j.  * 
Anomia  costata  Brocc. 
Ostrea  digitaUna  Duh.   '■' 

„       Bohlayl  Desh.   * 
Nncitla  tiucleus  Linn. 

„       May  tri  IJoern. 
Area  diluvii  Lam.  h 

^     Turonica  Duj. 


jli3]     Beitr.  z.  Parallelisiruiig  d.  Miöcanbildiingeii  d.  piemoiit.  Tertiiirs  etc.      147 

Area  Fichteli  Desli.  "-*=  i) 

„  '  sp. 
Pedunculus  pilosus  Linn.  * 
Chama  gryphina  Lam^  * 

„       papyvacea  Desh. 
Cardita  Jouanneti  Bast:  * 
Lucina  colwnbella  Lam. 

„       globulosa  Desh.  * 
Cardium  hians  Brocc.  * 

„         discrepans  Lam.  * 

Venus  plicata  Gmel.  * 

„        Baster otl  Desh . 

„       cincta  Eichiv. 

„       Äglaurae  Brong.  * 
Cytherea  Pedemontana,  Äg.  * 
Corhula  carinata  Duj. 
„         gibba   Olivi 

Scaphopoda. 

Dentalium  Bouei  Desh.  \\\\ 

„  Badense  Partsch.  hh 

„  inaequale  Bronn. 

„  gadus  Mont. 

Oastropoda. 

Turbo  $p.  ^ 

Trochus  patulus  Brocc.  hh 
Xenophora  testigera  Bronn. 
Calyptraea  chinensis  Linn. 
Natica  redempta  Micht.  hh 
''■  „       Josep)hinia  Risso.  h 

„       millepunctata  Lam.  hh 
„     ;  helicina  Brocc.  hh 
Scalaria  lamellosa  Brocc. 

„         geniculata  Bell. 
Turritella  varicosa  Brocc.  h 

„,.         Archimedis  Brong.  * 

„  hicarinata  Eichte.  * 

„  imbricatarla  Brocc. 

„        .  subangulata  Brocc.  * 

„  vermicular/s  Brocc.  * 

„  tricarinata  Brocc.  hh 

„  tripUcata  Brocc.  * 

„  cochleata  Brocc. 


^)  Ich  glaube,  die  mir  vorliegenden  Bruchstücke  mit  Sicherheit  auf  diese 
Art  zurückführen  zu  können,  die  auch  an  anderen  Localitäten  in  Ablagerungen 
der  zweiten  Mediterranstufe  auftritt,  z.  B.  bei  Largileyre  ä  öalles ,  Gironde 
(Sammlung  des  k.  k.  uaturhistorischen  Hofmuseums). 

19* 


jlg  Franz  Schaffer.  [14] 

TurriteUa  tmris  Bad. 
Vermetus  arenarma  Linn.  * 

„         intortua  Lam.  * 
Turhnnilla  lacfea  Linn. 
Melania  huec'meUa  Bon. 
Cerithinm  Ugnitarnm  Eichir.  * 
„  minutum  Serr.  * 

„  Bronni  Fartsch. 

„  doliolum  Brocc. 

„  dertoneme  Maif. 

Chenopm  pes^  pdiranl  PliiL 
Stromhus  np. 

Cassidarid  e^hinophora  Lam. 
Cassis  mammiUaris  Grat.  " 

„       crumea  Lam. 

Dolium  cf.  suhfasciatum  Sacra. 

Triton  corrugafum  Lam. 

..        Apenninicum  Sassi.  h 

„         Tarbelliamim  Grat.  * 

Ranella  marginata  Brong.  hhh 

„        reticularis  Desh. 
Coluntbella  nassoides  Bell. 
„  scripta  Bell. 

„  semicaudata  Bon.  h 

,,  thiam  Brocc.  h 

„  earinata  Bon.  hh 

„  compta.  Bronn. 

„  suhulato  Bell. 

^  negkcta  Bell. 

Buccinum  Brugadinum  Grat.  * 
Phos  polygonus  Brocc.  h 

„      connectens  Bell, 
üyllema  ancillariaeformis  Grat,  hh 

„         terebrina  Bell. 
Nassa  prismatica  Brocc,  h 
„      gibba  Brocc. 
„       (/.  turbinata  Bell. 
„       Pareti  May. 
„       cf.  laxcsulcata  Bell, 
],       Perelrae  Bell. 
„      cf.  notanda  Bell. 
„       incrassata  Mull. 
„       (/,  mnfrosa  Bell. 
„       pseudoclathrata  Mi  cht. 
„       t'urrita   Bors. 
„       Bonelli  Sism. 
„       fiimida  Eicliic. 
„       obliquafa  Brocc. 
„       tornata  Dod. 

mutabilis  Linn.  h  ,        . 


[15]     Beitr.  z.  Parallelisirnng  d.  Mmcänbildiinffcii  d.  picmont.  Tertiärs  etc.     \4.\) 


NanHd  pidchra  d'AtKj.  h 

roatrtata  Kiclnr.   lih 

.,       deiionensii(   Jic/I. 

„       Hoprncsl  Maij. 

,,       soUdit/a   Beil. 
transUans   Bell. 

„       Alhuianensifi   Bell. 
Muri'x  nindohommtH  Hoerti. 

„       horridwi  Brocc. 

„       sublaratus   Bast,  h 

„       eritutceus  Llnn. 

„       craticulaius  Brocc. 

„       ßshdosusi  Bronn. 
.    „       productus  Bell. 

„        Renieri  Miciä. 

„       derionensis  May. 

„  Partschi  Hoern. 
Fusus  crispus  Bors,  h 

„       semiru^osus  Bell,  et  Mich  f. 

„       intermedius  Micht.  h 

„       corneus  Linn. 
'    „       clavatus  Brocc. 

^,       Klipsteim  Micht.  hh 

„       virgmetis  (irat. 
Chrysodmtms  cinguUferus  Jan. 
Fasciolaria  Tarbdliana,  Grat. 
Pyrula  rudicula  Bast  * 

„        Gondita  Brotiff.  * 
Marginella  Deshayesi  Micht.  h 
MUra  paucicostata  Bell. 

„       gomophora  Bell. 

„       Bronni   Micht. 

„       scrobiculutAt  Brorc. 

„       fusiformlii  Brocc. 

„       cupremna  Brocc    h 

„       aperia  Bell. 

„       Michelotti  Hoern. 

^      pijramidella  Brocc.  h 

,,       ex-ornaia  Bell. 

„  rcdicosfata  Bell. 
Vduta  rarisplna  Bell. 
Aneillaria  obmleta  Brocc. 

„         glandiformh  Lani.  hhh 
OUva  cla,vuia,  Lmu. 
Cancellariu  Bellardü  Micht. 
„  callosa  Partsch. 

„  lyrata  Brocc. 

Bondli  Bell. 
„  cancellata  Lam. 

^  m^mllacea  Micht. 


150 


Franz  Schaffet.  "'■'^''  •■    '■^"''     [16] 

CanceUaria  Do'derleini  May:  ■ 

,."■'■  Barjönae  Da  Cosf. 

„  ^  oartcosa  Brocc.    ■ 

„  serrata'Brbnn.     < 

Terebra  acuminatd  Bors. 

„  fuscafa  Bvücc.  * 

,,  costuläfa  Bors. 
^•r-'FarmPsr^ont.      '■'"'"''^^ 

„  terehrinä  Bort. 
„      '  reticularis  Peech. 

„  spinuJosaiDöA: 
PusioneUä  '^pedSnmMn'ä  Sacco. 
Pleurotoma  Muanrfefi  Desm.  h 

„  dlmidtatä  Brocc. .  hh 

„  LamarcM  Meli,  h 

„  'aviü-  Bell: 

„  ÄlUohii  Bell  hh 

„  Paretl  Muyt 

'■  •  ^-   „  .      ^emlmarginafa  Lam.  h 

,;  (iraniiküö-cincta  Mund,  h 

„  ramosa  BaM.  hh 

„  cäidphracta  Brocc.  hh 

•,  '  hracteata  Bfocc.  hh 

„  Sehr  eiber  si  Hoern. 

/-  V  trifasciata  Hdem. 

■^■y  Jani  Öell.          "  ' 

„  incerfa  Bell,  h         ' 

„  rotata  Brocc.  hh 

„  rotulata  Bon.  h    ' 

„  configua  Brocc.  i\ 

„  spiraUs  Serr.  \\ 
(jradafa  Defr.  h 

„  ditissima   May. 

„  ordita  Bell. 

„  imstulafa  Brocc.  hli 

„  calcarae  Bell. 

„  furbinata  Bell,  h. 

'„  Sotterii  Micht. 

„  Ciirionii  'Micht. 

„  incrassata  Du). 

„  turricula  Brocc. '  h 

„  Mercatii  Bell. 

i:'ri"S  .'v.'^^  Stazzanensis  Bell. 

„  spinosa  Grat. 

„  Copü  J5eH.  h 

„  txcavata  Bell. 

„  Coquandi  Bell. 

„  pinguis  Bell. 

„  modiola  Jan. 

,,  intermedia  Bronn. 


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n-y]     B«itr.  z.  PrtralleliBirung  d.  MiocJinbiUlun^fii  d.  piemojit.  TertiärB  ctr-     1-5] 

iij -T'?/}  T-irrT      '.'M     ^leurptQ9t^<i'  Uirgidnla  Bell.    AXh. 
.;.,';'»'    'nl;  .ii^    ii'viK/.';;;»  ;;,.,t.     JCüssutltJ  JißU.    müjj- 
ivim  '>iji->«i<f  •^•ü/i!i'jfh«;>i.  'Al-icf-  Äcfassizi  Hdhn 
;o  m:nata:  Pe^'r.     .,.!:>• 
rio[co>'o^«to;  MüpaL 

:  i'i^f.j'eGÜcosfa   Bell.  .   ■;'.) 

[ueonsiilariß  M(m. 

•  Geslini  D^^in.  .    ■■; 

:;':>^-:ij('  'rtTsii.  »i  d;:/':  ^  »;     .     praecedens  Bell,    ;. ; 
'il-nf'.o  •:^[;  i'rvil'i-.?:;;.'    :;■;,>■     .     pfQavia  Bell,    , 

.^;.    '         '!       .  ,;      .       rustica  BrocQ.  .,.■;,  :..;. 

-.  i  ;:      .:■■..  «  cf^  Inornata  Bell.  ,:^.i 

=.;.-;Vio    '*.;.■;;:•■    '»hr:';   .„:        ■  interseda  Dod.    ■    •     •  jj-ij 

„  tuhercidata  Puscli.  :  ,   .;»|k» 

„  asperulnta  Lam. 

„  Reevei  Bell. 

Conus  rf.  Ißemponderosm  Sacco. 
„  .     Escheiregl  Da  Cost..^    > 
„       hetuUnokles  Lam.  * 
„       o/.  oUvaefomm  R.  Hoenn.  * 
.,      fuscocingulatns  Bronn.  : 
„       PuscJiii  Micht.  *. 
„       antediluvignus  Br¥<J.  .h 
„       Dujardlyil  Desk.  * 
„       Brezinae  R.  Hoern.    . 
„        Bercjhausi  Micht-  h  * 
„       Kßxren  Hoern.  et  Aning.  * 
,,       elatus  Micht.  * . 
„       antiqmis  Brocc.  • 
„       raristr latus  Bell. 
„       ventricüsus  Bronn.  *     . 
„       hungaricns   R.  Hoern.. 
„       Mojsvari  R.  Hoern.  >;..   . 
B%dla  lignaria  Linn.  *  »a  ;" 

„      Brocehi  Micht.      '        • 

Ausserdem  finden  sich  zahlreiche  Arten  von  Anthozoeu,  besonders 
der  Gattungen  Flahellum,  Trochocyathus,  Stephanophgllia^  Desmophyllum, 
Heliastraea,  Deadrophyllia  und  Is^/s,  Rhizopoden  in  grosser  Menge 
und   abgerollte   Brocken    von   Lithothaninienkalk. 

Diese  reiche  Fauna  stellt  sich  uns  in  ihrer  (lesammtheit  be- 
trachtet als  ein  beiläufiges  Aequivalent  der  Lapugyer  Fauna  dar. 
Wir  haben  die  Vertreter  einer  ausgesprocheneu  Pleurotomenfauna, 
also  Bewohner  einer  mindestens  1,00.  Faden  betragenden  Tiefe,  und 
daneben  treten  zahlreiche  •  Arten  auf.  die  für  eine  Strandfacies 
charakteristisch  sind.      .         ,■,,..   .. 

Aber  diese  Faunenmiscliuhg  scheint  wenigstens  nach  meiner 
Ueberzeugung  eine  nicht  primäre  zu  sein,  wie  sich  aus  folgenden 
Thatsachen  entnehmen  lässt. 


Ig;^  Franz  Scbaffer.  [18] 

Ich  habe  schon  im  Vorhergehenden  auf  die  merkwürdige 
stellenweise  Einstreuiing  von  Schotter  und  Gerollen  in  die  Tegel- 
biinke  hingewiesen.  Diese  auffällige  facielle  Erscheinung  brachte  mich 
nun  auf  die  Vermuthung,  dass  wir  es  hier  vielleicht  mit  einer 
secundären  Mengung  zweier  verschiedener  Faunen  zu  thun  haben. 
Und    ich   glaube   mich   in    dieser   Erkenntnis   nicht   geirrt  zu  haben. 

In  der  vorhergehenden  Liste  sind  alle  jene  Arten  mit  einem 
Sternchen  bezeichnet,  welche  durch  Bruch,  Abrollung  oder  einen 
anderen  mechanischen  Eintluss  lädirt  sind  und  auch  in  ihrer  blassen 
Färbung  und  in  dem  opaken,  mehr  kreidigen  Aussehen  der  Schale 
von  den  mattglänzenden,  oft  chalcedonartig  durchscheinenden,  licht- 
gefärbten Gehäusen  der  Mehrzahl  der  Species  abstechen.  Stellen  wir 
diese  Formen  zusammen,  so  ergeben  sie  folgende  typische  Strand- 
oder Seichtwasserfauna : 

Peden  scabrellus  Lant. 

„       Besseri  Andr. 
OilaiHi/s  fauroper^triata  Sacco. 

„        f/loria  mm'is  Diih. 
Spondijins  sp. 
Ostrea  dü/italuia   Dub. 
„       Bohlaiji  De.^h. 
Area  FlcJifeli  ])esh. 
Fectunculns  pilosus  Linn. 
Chama  (jryphina  Lam. 

„       papiiraceu  Desii. 
Cardita  Jouanneti,  Bas  f. 
Lucina  glohulosa  De^h. 
Cardinm  hians  Brocc. 

„  discrepans  Lam. 

Venus  plicata  (jlmeL 

„       AgJaurae  Brong. 
Ci/therea  Pcdemontana  A(f. 
Turbo  sp. 
Turritella  Archimedis  Bromj. 

„  bicarlnala  Elcliiv. 

„  subangulata  Brocc. 

„  vermicuJaris  Brocc. 

„  triplicata  Brocc. 

Vermetus  arenarius  Linn. 

„         intortus  Lam. 
Cerithium  Ugnitarum  Eichw. 

„  minutmn  Serr. 

6V/s.s'/,s-  mammiUaris  Graf. 
Triton   TarbelJianum  Grat. 
Biiccinuin   Bruyadlniim   Graf. 
Fijrtda  ru^ticnla   Bast. 
■        •   '       •  ,,       condifa   Brong. 

Terebra  fiiscata  Brocc.  '     ■     >   '    •      •  ■•    • 

Conuft  Esche wegi  Da  Cost. 


[19]     Beitr.  z.  Parallelisirung  d.  Miocänbildiingen  d.  piemont.  Tertiärs  etc.     153 

Conus  betulinoides  Lam. 

„  cf.  olivaefornm  R.  Hoern. 

„  Puschii  Mi  cht. 

„  Ihijardini  Desli. 

„  Berghmm  Micht. 

„  Karren  Hoern.  et  Avln(/. 

„  elatus  Micht. 

„  ventricosus  Bronn. 

Bulla  h'gnaria  Linn. 

Weiters  erkennen  wir,  dass  alle  diese  Arten  nur  in  sehr  be- 
schränkter Individiienzahl,  meistens  vereinzelt,  vorkommen.  Daraus 
ergibt  sich  die  erste  Thatsache:  Die  der  Facies  fremden  (he t e- 
ropischen)  Arten  treten  vereinzelt  auf  und  sind 
1  ä  d  i  r  t. 

Wenn  wir  dann  eine  Ostrea  von  einer  ca.  20  mm  messenden 
Schalendicke,  die  nicächtigen  Klappen  des  Fedunculus  piloms,  der 
Cijtherea  pedemontana,  der  Cardifa  Jouanneti  und  anderer  grosser 
Lamellibranchiata,  das  Gehäuse  der  Terehra  fuscata  stets  und  die 
grossen  Turritellen  meistens  zerbrochen  finden  und  an  anderen 
dieser  bezeichneten  Molluskenschalen  deutliche  Abrollung  constatireu 
können,  während  die  zartesten  Gehäuse  der  reich  verzierten 
Canaliferen,  besonders  der  Pleurotomen,  die  Stacheln  mancher 
Murex-Ai%  die  papierdünnen  Schalen  kleiner  Bivalveu  (Nacula, 
Corhula  u.  a.)  und  die  so  zerbrechlichen  Dentalieu  in  einem  selbst 
für  eine  Tegelfacies  selten  guten  Erhaltungszustande  auftreten,  dann 
ist  wohl  der  Schluss  gestattet,  dass  alle  jene  z u e r s t  a n g e- 
führten  Fossil  reste  hier  auf  secundärer  Stätte  lagern. 
Und  zM'ar  liegt  die  Vermuthung  nahe,  dass  sie  mit  den  Gerollen, 
die  ja  auch  ein  fremdes  Element  bilden,  in  die  Ablagerungen  grösserer 
Tiefe  gelangt  sind. 

Trennen  wir  nun  die  mit  einem  Sternchen  versehenen  Arten 
von  den  anderen,  so  haben  wir  zwei  ganz  verschiedene  Faunen  vor 
uns,  von  denen  die  eine  unserem  Badner  Tegel  entspricht,  während 
sich  die  andere  als  ausgesprochene  Seichtwasserfauna  repräsentirt. 
Wir  haben  uns  demnach  wohl  vorzustellen,  dass  sich  an  küstenfernen 
Punkten  inmitten  plastischer  Tegel  und  an  ufernahen  Stellen,  wo  sich 
Gerolle  und  Sande  ablagerten,  zwei  verschiedene  Faunen  entfaltet 
haben,  und  dass  dann  die  Strandfauna  mit  dem  Sedimente  in  grössere 
Tiefe  transportirt  wurde.  Wie  dies  geschah,  darüber  können  wir  nur 
Vermuthungen  anstellen. 

Es  ist  möglich,  dass  die  an  einem  höheren,  küstennahen  Punkte 
abgelagerten,  grobkörnigen  Sedimente,  die  unter  dem  Maximum  des 
Neigungswinkels  aufgehäuft  waren,  bei  Niederwasser  infolge  des 
mangelnden  Gegendruckes  oder  bei  einer  heftigeren  Erderschütterung 
auf  ihrer  schlammigen  Unterlage  abglitten,  und  sich  unter  die 
Ablagerungen  ruhigerer  Tiefen  mengten,  oder  dass  sie  bei  einer 
negativen  Verschiebung  der  Strandlinie  in  den  Bereich  der  Brandung 
geriethen,  von  den  Wogen  von  ihrer  primären  Lagerstätte  losgerissen 
und    durch  das   am  Grunde  zur  Tiefe   strömende   Wasser,   den   Sog, 

Jahrbuch  d,  k.  k.  geol.  Keichaanstalt,  1899,  49.  Band,  1.  Heft.  (Fr.  Schaffe!'.)         2ü 


154  Franz  Schaffer.  [20] 

fortgeschleppt  wurden.  In  beiden  Fällen  wurden  natürlich  die  darin 
eingebetteten  Fossilien  von  ihrer  ursprünglichen  Lagerstätte  entfernt 
und  in  Faciesverhältnisse  gebracht,  die  mit  ihrer  Lebensweise  in 
Widerspruch  stehen.  Dass  sie  bei  diesem  gewaltsamen  Transporte 
sehr  zu  Schaden  kamen,  ist  selbstverständlich,  wohingegen  die  im 
Tegel  endogenen  Arten  gegen  diese  äusseren  Angriffe  geschützt  waren. 

Ob  einer  dieser  Erklärungsversuche  der  hier  entsprechende  ist, 
das  zu  entscheiden,  liegt  ausser  unserer  Macht,  und  wir  stehen  hier 
wieder  vor  einer  der  vielen  ungelösten  Fragen,  wie  sie  uns  überall 
aufs  Meue  entgegentreten. 

Nun  verstehen  wir  aber  den  zwischen  der  Localität  Bocca 
d'Asino  und  St.  Agata  bestehenden  faunistischen  Gegensatz,  der  darin 
zum  Ausdrucke  kommt,  dass  an  letzterem  Orte  eine  typische  Badner 
Pleurotomenfauua  ohne  so  zahlreiche  eingestreute,  exogene  Arten 
auftritt,  und  wir  können  uns  das  Fehlen  einer  ausgesprochenen 
Strandbildung,  wie  sie  fast  allenthalben  auf  das  Innigste  mit  der 
Tegelfacies  verknüpft  ist,  in  unserem  Profile  erklären.  Denn  wenn 
auch  tief  im  Thale  des  Rio  Sereigo  ein  grauer  Mergel  zutage  tritt, 
und  darüber  ein  grobkörniger  Sandstein  mit  vielen  Bruchstücken 
von  Molluskenschalen  und  Nulliporenkalkbrocken  liegt,  der  erst  in 
die  sandreichen  Tegelbänke  des  Monte  Antico  übergeht,  so  kann  ich 
mich  nach  meiner  durch  Augenschein  gewonnenen  Erkenntnis  doch 
nicht  dazu  entschliessen,  diese  oberen  Sandsteinbänke  als  eine  unseren 
Leithakalkbildungen  aequivalente  Ablagerung  anzusehen,  sondern 
glaube,  sie  ihrem  ganzen  Habitus  nach  nur  als  ein  Glied  des  mächtigen, 
unseren  Grunder  Schichten  altersgleichen  Sandsteinhorizontes  an- 
sprechen zu  müssen. 

Interessant  wäre  es  nun,  festzustellen,  ob  östlich  von  Sardigliano, 
wo  die  Schottereinlagerungen  in  dem  Tegel  verschwinden,  insbesondere 
bei  St.  Agata  Fossili,  diese  im  Westen  vernichtete  Strandbildung 
nachzuweisen  ist,  ob  also  dort  die  für  das  Zustandekommen  dieser 
eigenthümlichen  Faunenmischung  an  der  Bocca  d'Asino  massgebenden 
Vorbedingungen  gefehlt  haben. 

Ich  möchte  nur  noch  auf  das  Auftreten  von  GeröUe-  und 
Schotterlager  mitten  in  Tiefseebildungen  der  heutigen  Meere  hin- 
weisen. So  fand  das  Schiff  „Travailleur"  an  der  Küste  von  Portugal 
und  Spanien  in  einer  Tiefe  von  300—500  Faden  grobe  Detritus- 
massen mit  einer  ausgesprochenen  Tiefseeiauna,  die  sich  wohl  auch 
infolge  ähnlicher  Vorgänge,  wie  wir  sie  für  die  GeröUe  im  Tegel  der 
Bocca  d'Asino  voraussetzen  müssen,  auf  secundärer  Lagerstätte  be- 
finden mögen  ^). 

Nordöstlich  von  der  letztgenannten  Localität  in  der  Fortsetzung 
unseres  Protiles  gegen  den  orographisch  scharf  hervortretenden  Monte 
Rosso  wird  der  Tegel  sandreicher  und  geht  schliesslich  vollständig  in 
unreine,  lockere  Sande  über,  die  mit  mergeligen  Zwischenlagen  wech- 
seln. Aus  diesem  Horizonte  konnte  ich  folgende  Fossilien  bestimmen : 


^)  Milne  Edwards,  Rapports  sur  la  campagne  de  dragages  du  Travailleur 
dans  la  Mediterranee  et  dans  l'Atlantiqtie  en  1881.  (Assoc.  Scieat.  de  France, 
22  Jan.  1882.) 


[21]     Beitr.  z,  Parallelisirung  d.  MiocänbilJtm^feii  d.  piomout.  Tertiärs  etc.     155 

Facten   criatatus   Bronn. 
Pectiinadui^  pilosus  Lhin. 
Venus  muUilamella  Lam. 
Corhuht  <jlbh(i  Olioi. 
Natica  helicina  Brocc. 
Turritella  turris  Bast. 

,,  suhahgnJata  Brocc. 

Centhium  minufiim  Serr. 

„  ruhig inoHUiH  Eichw. 

„         pictum  Bast. 
Buccinum  sp. 
Pleurotoma  cataphrada   Brocc. 

„  dimkliata  Brocc. 

Conus  ponderosus  Brocc. 

Ausserdem  kommen  darin  zahlreiche  Arten  von  Foraminiferen 
und  Authozoen  vor. 

Es  scheinen  also  diese  obersten  Schichten  des  Tortoniens  hier 
die  Rolle  unserer  oberen  Leithakalkbildungen  zu  spielen. 

Gegen  oben  nehmen  die  mergeligen  Zwischenanlagen  überhand, 
es  treten  darin  Gypslinsen  und  Kalkbänke  auf,  die  zwar  in  unserem 
Profile  kaum  nachzuweisen  sind,  aber  weiter  östlich  einen  streng 
innegehaltenen  und  gut  ausgeprägten  Horizont  charakterisiren,  der 
in  volkswirtschaftlicher  Beziehung  eine  gewisse  Rolle  spielt.  Bei 
Sardigliano,  Giusulana  und  weiter  bei  St.  Agata  Fossili  und  Mossa- 
bella  gewinnen  diese  Gypslinsen  eine  ziemliche  Mächtigkeit  und  werden 
mit  den  kalkigen  Zwischenlagen  in  vielen  Steinbrüchen  ausgebeutet. 
Im  engsten,  ursächlichen  Zusammenhauge  mit  diesen  Vorkommnissen 
stehen  schwefelhaltige  Quellen,  die  an  verschiedenen  Stellen  zutage 
treten,  und  deren  ich  noch  zu  gedenken  beabsichtige. 

Dieser  in  seiner  Mächtigkeit  nicht  besonders  bedeutende 
Horizont  —  er  erreicht  an  anderen  Orten  vielleicht  100  m  im 
Maximum  —  ist  der  beständigste  in  der  ganzen  neogenen,  ja  in  der 
ganzen  tertiären  Schichtreihe  der  italienischen  Halbinsel.  Von  Sicilien 
bis  in  die  südwestliche  Ecke  des  Beckens  von  Piemont  lässt  er  sich 
an  unzähligen  Punkten  in  gleich  typischer  Entwickelung  verfolgen 
und  bietet  einen  sicheren  und  leicht  erkennbaren  Markstein  bei  der 
Gliederung  des  marinen  Neogens.  Nach  S.  von  Bosniasky^)  be- 
hauptet er,  an  vielen  Orten  mit  Schwefelvorkommnissen  verbunden, 
seine  Lage  unmittelbar  über  dem  Tortoniano  in  Sicilien,  Calabrien, 
in  der  Romagna,  den  Marche  und  in  Toskana,  und  am  Nordfusse  des 
Apennin  und  im  Berglande  des  Montf errat  finden  wir  ihn  in  der 
nämlichen  Ausbildung  wieder. 

Im  Hangenden  der  Mergel  und  Gypse  folgt  in  unserem  Profile 
eine  circa  100  m  mächtige  Ablagerung  grober  Gerolle  und  Con- 
glomerate,  die  unfern  der  Villa  Monte  Rosso,  in  steilen  Wänden  an- 
steigend, den  Gipfel  des  Monte  Rosso  bilden.  Diese  gewaltige  Masse 


')  S.  de  Bosniasky,    La    formazione  gessoso-solfifera  e  il  secondo  piano 
mediterraneo  in  Italia.  Soc.  Toscana  di  Scienvj.  Nat.  14.  nov.  1880. 

20" 


156  Franz  Scbaffer.  [22] 

widerstaiidstahigen  Materiales  tritt  im  Relief  scharf  hervor,  und  wer 
je  den  Weg  von  Serravalle  nach  St.  Agata  über  das  Gebirge  zurück- 
gelegt hat,  dem  wird  gewiss  das  durch  sie  bedingte  landschaftliche 
Gepräge  aufgefallen  sein.  Hier  im  Osten  gewinnen  nämlich  diese 
Geröllmassen  eine  ganz  ausserordentliche  Mächtigkeit,  wie  sie  über- 
haupt auf  den  südöstlichen  Theil  der  Tertiärmulde  beschränkt  sind 
und  gegen  Westen  nur  mehr  in  einzelnen  Flecken  auftreten,  die 
dann  bei  S.  Cristoforo  vollständig  verloren  gehen.  Es  liegt  daher  die 
Vermuthung  nahe,  dass  diese  Bildung  auf  die  durch  das  steile  Ein- 
fallen der  tertiären  Schichten  bedingte  Nähe  des  Grundgebirges  im 
Osten  zurückzuführen  ist,  wohingegen  im  Westen  der  Apennin  weiter 
zurücktritt,  und  die  Zone  der  känozoischen  Ablagerungen  infolge  des 
äusserst  flachen,  muldenförmigen  Baues  eine  ganz  ausserordentliche 
Breite  erlangt.  Auch  das  Material,  Urgestein,  Serpentin,  flyschartiger 
Sandstein  und  doloraitische  Kalke,  weist  schon  auf  die  Herkunft 
dieser  Massen  aus  dem  Apennin   hin. 

Von  einer  Sonderung  nach  der  Grösse  der  einzelnen  Rollstütke 
konnte  ich  nichts  bemerken.  Es  liegen  oft  ein  paar  Cubikmeter 
grosse  Blöcke  mitten  in  kleineren  Gerollen,  und  gegen  oben  nehmen 
besonders  grobe  Sande  in  ganz  hervorragendem  Maasse  an  der 
Bildung  dieses  undeutlich  gebankten  Schichtgliedes  Antheil. 

Durch  einen  weit  vorgeschrittenen  Oxydationsprocess  ist  seine 
Färbung  eine  lebhaft  rostrothe  und  sticht  im  landschaftlichen  Bilde 
von  dem  Grün  des  Bestandes  von  Kastanien,  Eichen  und  Robinien, 
der  die  Villa  Monte  Rosso  umgibt,  scharf  ab.  Ihr  verdankt  der 
Berg  seinen  Namen. 

In  30 — 40  in  hohen,  senkrechten  Wänden  erhebt  sich  sein 
Gipfel  über  die  Sande  und  Mergel  der  Basis  und  bildet  in  unserem 
Profile  den  zweithöchsten  Punkt  (432  m).  Wo  die  Atmosphärilien 
von  keiner  Vegetationsdecke  gehemmt  ihren  zerstörenden  Angriff 
ausüben  konnten,  da  bedeckt  ein  grellrostrother,  etwas  thoniger 
Sand  die  Oberfläche,  der  besonders  am  nördlichen  Abhänge  des 
Berges  gegen  Cassano  Spinola  eine  ausgedehnte  Verbreitung  besitzt. 
Aber  nicht  nur  hier,  überall,  wo  die  Conglomerate  und  Gerolle  zu- 
tage liegen,  stellt  sich  das  nämliche  Zersetzungsproduct  ein,  das 
öde,  unfruchtbare  Höhenrücken  über  weite  Strecken  bildet  und  bei 
heftigen  Regengüssen  von  den  fliessenden  Wässern  in  tiefere 
Mulden  zusammengeschwemmt  wird.  Es  ist  ein  trauriger  Anblick, 
den  diese  von  zahllosen  Wassergerinnen  zerschnittenen  Höhen 
gewähren,  auf  denen  kaum  ein  paar  kümmerliche  Sträucher  die 
nothwendigen  Vegetationsbedingungen  finden  können. 

Von  P'ossilien  fand  ich  an  Geröllstücken  aufsitzend  grosse 
Austernschalen,  die  meines  Erachtens  hier  auf  secundärer  Lager- 
stätte ruhen.  Ob  diese  Geröllmassen  eine  dem  Belvederschotter  ana- 
loge Bildung  sind,  ist  nicht  mit  Sicherheit  zu  entscheiden,  aber  wahr- 
scheinlich; gewiss  jedoch  ist,  dass  wir  ihre  Bildung  als  eine  Folge 
des  Rückzuges  des  Miocänmeeres  und  mancher  damit  in  engstem 
Zusammenhange  stehender  tektonischer  Veränderungen  des  Hinter- 
landes zu  betrachten  haben.    Er  ist  das  letzte  Glied  der  so  überaus 


[2o]     Beitr.  z.  Parallelisining  d.  Miocänbildiingcu  d.  piomont.  Tertiärs   etc.     157 

mächtigen  und  mannigfachen  Serie  von  marinen  Miocänbildungen.  die 
wir  soeben  durchwandert  haben. 

Den  gesammten  über  dem  tortonischen  Tegel  und  Sande 
liegenden  Schicbtcomplex  von  Sauden,  Gypsmergeln  und  Gerollen 
aber  können  wir  als  ein  Aequivalent  unserer  sarmatischen  Stufe  und 
der  Congerienschichten  ansehen,  denn  abgesehen  von  den  Lagerungs- 
verhcältnissen  treten  in  demselben  Horizonte  an  verschiedenen  Loca- 
litäten  Vertreter  einer  typischen  Brackwasserfauna  wie  Adncna,  Dreis- 
seria,  MeJania,  Melanopi^is,  Hi/drobici,  Ci/retia,  Neritodonta  auf,  und  wir 
können  also  auch  hier  den  allgemeinen  Rückzug  des  jüngeren  miocänen 
Mediterranmeeres  constatiren,  bevor  es  neuerdings  mit  dem  Beginne 
der  Plioccänzeit  in  einer  örtlich  weit  verbreiteten  Transgression  vor- 
dringt und  in  den  Mergeln  des  Piacentino  und  den  Sauden  des 
Astiano  seine  reiche,  so  auffällig  veränderte  Meeresfauna  begräbt. 
Und  diese  gewaltige  Schwankung  der  Strandlinie  in  negativem 
Sinne,  die  zwischen  der  Miocän-  und  Pliocänzeit  platzgegriffen  hat, 
ist  durch  diesen  höchsten  Horizont,  der  eine  theilweise  Aussüssung 
des  Beckens  anzeigt,  allenthalben  auf  das  Schärfste  präcisirt,  und 
mit  ihr  die  obere  Grenze  des  Miocäns  mit  einer  Genauigkeit  gegeben, 
die  wir  an  der  Basis  bei  der  Abgrenzung  gegen  das  Oligocän  leider 
noch  immer  vermissen. 

Ich  kann  es  bei  dieser  Gelegenheit  nicht  unterlassen,  ein 
Phänomen  zu  erwähnen,  das  gerade  zur  Zeit  meiner  Anwesenheit  in 
dieser  Gegend  viel  Aufsehen  machte  und  die  abergläubige  Be- 
völkerung in  Furcht  und  Schrecken  versetzte.  Zu  Spineto,  einem 
kleinen  Orte  in  der  Nähe  von  Villalvernia,  befindet  sich  ein  Haus- 
brunnen, der  in  den  letzten  Tagen  des  Monates  August  eine  ganz 
eigenthümliche  Erscheinung  zeigte.  Um  Mitternacht  begann  es  in 
seiner  Tiefe  mit  grossem  Geräusche  zu  brodeln,  das  Wasser  trübte 
sich,  und  ein  weisser,  im  Dunkeln  schwach  leuchtender  Nebel  erhob 
sich  über  den  Brunnenrand.  Dies  dauerte  circa  30  Minuten,  dann 
wurde  es  wieder  ruhig.  Diese  Erscheinung  wiederholte  sich  nun  jede 
Nacht  um  dieselbe  Stunde.  Das  Wasser  des  Brunnens  ist  frisch  und 
trinkbar  und  bewahrte  auch  während  des  Aufwallens  seine  Temperatur. 
Diese  Angaben  wurden  mir  von  verlässlichen  Personen  gemacht, 
welche  das  Phänomen  zur  Nachtzeit  beobachteten. 

Die  Kunde  hievon  verbreitete  sich  in  der  ganzen  Gegend,  und 
es  mangelte  durchaus  nicht  an  den  abenteuerlichsten  Deutungen, 
nach  denen  ein  fabelhaftes  Thier,  ja  der  Teufel  selbst,  in  der  Tiefe 
des  Brunnens  sein  Wesen  treiben  sollte. 

Mir  lag  natürlich  daran,  diesen  pozzo  bollente,  wie  er  all- 
gemein genannt  wurde,  kennen  zu  lernen,  um  dem  räthselhaften 
Vorgange  auf  den  Grund  zu  kommen,  und  ich  war  mit  Herrn 
Ingenieur  E.  Mainini  aus  Serravalle  schon  auf  dem  Wege  nach 
Spineto,  als  wir  erfuhren,  dass  in  St.  Agata  ein  Brunnen  dieselbe 
Erscheinung  zeige,  den  wir  denn  auch  aufsuchten.  Er  befindet  sich 
im  Hofe  des  Oekonomiegebäudes  des  Herrn  Advocaten  E.  Bellingeri. 
Seine  Tiefe  beträgt  etwa  10  m ;  das  Wasser  steht  bis  circa  5  m 
unter  der  Oberfläche.  Das  Aufwallen  dieses  Brunnens  geschieht  in 
ungleichen  Intervallen  und  ist  auch  in  seiner  Dauer  nicht  beschränkt. 


158  Franz  Schaffer.  [24] 

Das  Wasser  wird  dabei  röthlich,  —  blutig  wie  die  Leute  sagten.  Ein 
Trunk  überzeugte  mich  sofort  von  seinem  hepatischen  Geschmack, 
und  eine  flüchtige  geologische  Untersuchung  der  nächsten  Umgebung 
Hess  mich  erkennen,  dass  der  Untergrund  von  den  im  Vorhergehenden 
erwähnten  gypsführenden  Mergeln  gebildet  wird,  und  es  lässt  sich 
meines  Erachtens  das  Aufwallen  des  Wassers  auf  das  Aufsteigen  von 
Gasblasen  —  vermuthlich  von  Schwefelwasserstoff  —  zurückführen, 
die  sich  in  dem  rothen,  thonigen  Schlamme  des  Bodens  —  einem 
Zersetzungsproducte  der  hier  weit  verbreiteten  rothen  Gerolle 
und  Sandmassen  —  ansammeln  und  von  Zeit  zu  Zeit  den  Druck  der 
Wassersäule  zu  überwinden  imstande  sind.  Dabei  wird  durch  das 
Aufwühlen  des  Grundes  die  Trübung  herbeigeführt.  Die  Periodicität 
dieser  Erscheinung  in  dem  Brunnen  von  Spineto  scheint  mir  —  falls 
sie  überhaupt  Thatsache  ist  —  auf  Zufall  zu  beruhen. 

Einige  schwefelhaltige  Quellen,  die  in  derselben  Zone  zutage 
treten,  z.  B.  die  reiche  zwischen  Cassano  Spinola  und  Sardigiiano 
gelegene,  werden  zu  Heilzwecken  verwendet  und  scheinen  in  engstem 
Zusammenhange  mit  den  überall  auftretenden    Gypslinsen  zu  stehen. 


Einige  interessante,  von  dem  Profile  von  Serravalle  abweichende 
Einzelheiten  und  eine  überaus  bedeutsame  Ergänzung  der  daselbst 
verfolgten,  an  der  Basis  aber  lückenhaften  Schichtfolge  des  marinen 
Miocäns  bietet  die  nächste  Umgebung  von  Acqui.  Den  Ruf,  welchen 
dieser  Ort  als  Curort  schon  unter  den  Römern  als  Aquae  Statiellae 
genoss,  verdankt  er  den  heissen  Schwefelquellen,  die  in  der  Stadt 
selbst  und  südlich  davon  am  rechten  Ufer  der  Bormida  zutage 
treten.  Die  Stärke  der  Quellen,  ihre  hohe  Temperatur  (40—750  C.) 
und  ihre  chemische  Zusammensetzung  —  sie  enthalten  vorwiegend 
Schwefelcalcium,  Chlornatrium,  Chlorcalcium  und  Kieselsäure  —  machen 
den  Ort  zu  einem  der  besuchtesten  Bäder  Oberitaliens.  Es  wird  zu- 
meist der  aus  zersetztem  Mergel  und  dem  Mineralniederschlage  der 
Quellen  gebildete  Schlamm  zu  Heilzwecken  verwendet. 

Aber  abgesehen  von  den  thermalen  Erscheinungen  verdient  die 
Localität  ein  ganz  besonderes  Interesse,  denn  an  ihr  zeigt  sich  in 
typischer  Weise  die  stets  noch  geleugnete  Ueberlagerung  der 
Bildungen  der  ersten  Mediterranstufe  durch  die  der  zweiten.  Dabei 
sind  besonders  die  tieferen  Glieder  durch  einen  Fossilreichthum  aus- 
gezeichnet, der  jeden  Zweifel  an  der  Altersverschiedenheit  der 
einzelnen  stratigraphischen  Horizonte  ausschliesst,  und  die  einfachen, 
allenthalben  in  mächtigen  Aufschlüssen  zutage  tretenden  Lagerungs- 
verhältnisse machen  das  zu  besprechende  Profil  (vergl.  Fig.  2,  pag.  159) 
zu  einem  wirklich  classischen  Normalprofil  für  das  marine  Miocän  des 
Mediterranbeckens. 

Ich  kann  mich  bei  seiner  Besprechung  umso  kürzer  fassen, 
als  die  an  der  Basis  liegenden  Schichten  von  G.  Trabucco')  zum 
Gegenstande  einer   eingehenden    Monographie    gemacht  wurden,  und 


')  G    Trabucco,  Sulla  vera  posizione  del  Calcare  di  Acqui.  Firenze  1891. 


[25]    Beitr.  z.  Parallelisirung  d.  Miocänbildungen  d.  piemont.  Tertiärs  etc.     159 


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160  Franz  Schaffer.  '     [26] 

die  höheren  sich  in  gleicher  Ausbildung  wie  bei  Serravalle 
wiederholen. 

Als  tiefstes  Glied  tritt  auch  hier  ein  fossilleerer  Horizont  von 
schmutzig-grünem  Mergel  auf.  Er  geht  gegen  oben  in  sandreiche 
Geröll-  und  Conglomeratbänke  über,  in  denen  Serpentin  und  Quarzit 
vorherrschen.  Diese  sind  meines  Erachtens  den  früher  erwähnten 
analogen  Bildungen  vieler  anderer  Localitäten  des  piemontesischen 
Tertiärs  altersgleich  und  dürften  mit  Sicherheit  an  die  Basis  des 
Miocäns  zu  stellen  sein.  Hierher  rechne  ich  auch  den  dünnbankigen, 
grauen  Mergel,  der  südlich  vom  „Stabilimento  dei  Bagni  di  Acqui" 
in  dem  engen,  tief  eingeschnittenen  Thale  des  Rio  Ravanasco  zutage 
tritt  und,  nach  den  oberflächlichen,  wohl  stark  verwitterten  Partien 
zu  urtheilen,  keine  makroskopischen  Fossilreste  enthält.  Das  Fallen 
der  Schichten  ist  gegen  N  gerichtet  und  beträgt  etwa  20°. 

Diese  Mergel  werden  gegen  oben  sandreicher  und  gehen 
unmittelbar  am  Badeetablissement  in  eine  vielleicht  20  m  mächtige 
Nulliporenkalkbank  über  Diese  ist  im  Relief  sehr  deutlich  ausgeprägt, 
denn  ihrem  Streichen  folgt  der  steile  Nordabhang  des  hier  bis  an 
das  Bett  der  Bormida  herantretenden  Bergzuges,  und  die  leicht  zer- 
störbaren Mergelbänke,  welche  im  Hangenden  in  concordanter 
Lagerung  folgen,  tragen  noch  dazu  bei,  das  orographische  Bild  als 
eine  directe  Folge  des  geologischen  Baues  zu  kennzeichnen. 

Die  Kalkbank  ist  in  einem  Steinbruche  in  einer  ca.  10  m  hohen 
Wand  aufgeschlossen  und  stellt  sich  uns  als  ein  gewachsener  Litho- 
thamnienkalk  dar,  der  von  einem  der  Hauptsache  nach  aus  Bryozoen- 
ästchen  und  Foraminiferenschälchen  gebildetem  Gemenge  erfüllt  und 
durch  ein  kalkiges  Cement  zu  einer  äusserst  dichten,  ziemlich 
homogenen  Masse  zusammengekittet  ist. 

Von  fossilen  Resten  finden  sich  darin  der  Hauptsache  nach 
grosse  Pecten  in  oft  vortretflicher  Erhaltung  und  Zähne  von 
Selachiern.  Sie  wurden  von  G.  Trabucco  in  der  oben  erwähnten 
Arbeit  einem  eingehenden  Studium  unterzogen,  das  uns  den  calcare 
di  Acqui  als  eine  Bildung  mittlerer,  etwa  30-70  m  betragender 
Tiefe  und  als  ein  Zeitäquivalent  der  Eggenburgerschichten  des  ausser- 
alpinen  Wienerbeckens  anzusehen  lehrt. 

Der  Vollständigkeit  halber  lasse  ich  im  Nachstehenden  die  von 
dem  genannten  Forscher  gegebene  Fossilliste  dieses  Horizontes  folgen  : 

Carcharodon  megalodon  Ag. 
Odontasp/s  cuspidata  Ag. 

„  contortidem  Ag. 

Oxyrhina  hastalk  Ag. 
Hemijiristis  serra  Ag. 
CJirgsophrys  cincta  Ag. 
Balamis  pyodudus  Miclif. 
Teredo  JSorvegica  Spengl. 
Lucina  pecten  Lam. 
Fecten  Holgeri  Gem. 

„       Solarium  Lam. 

„        hurdigaleniiiin   Lam. 


[27]     Beitr.  z.  Parallelisirung  d.  Miocänbildungen  d.  piemont.  Tertiärs  etc.     161 

Fecten  Haueri  Micht. 

„       Malvinae  Dub. 

„        (Janira)  reoolutus  Micht. 
Terebripora  Ärchiaä  Fisch. 
Ohjpeaster  sp. 
Astraea  sp. 
Textilaria  sp. 
ClavuUna  sp. 
Nodosaria  sp. 
Globigerina  sj). 
Hastigerina  sp. 
Truncatulina  sp. 
Ämphistegina  sp. 
Operculina  spr. 
Gyroporella  sp. 
Lithothamnium  racemus  Aresch. 

Ich  habe  schon  in  dem  ersten  Theile  meiner  Arbeit  auf  die 
Unzulässigkeit  der  für  diesen  Kalkstein  von  vielen  Autoren  ge- 
brauchten Altersbezeichnung  Aquitaniano  hingewiesen,  und  folge 
der  Meinung  Trabuccos,  der  ihn  der  L an ghi sehen  Stufe  zu- 
zählt, wiewohl  ich  mich  dessen  weiteren  Folgerungen  von  der  Zu- 
sammenziehung von  Aquitaniano,  Langhiano  und  Elveziano 
inferiore  unter  der  Bezeichnung  Langhiano,  soweit  sie  das 
Profil  von  Acqui  betreffen,  nicht  vollinhaltlich  anschliessen  kann. 
Denn  während  der  Nulliporenkalk  von  Acqui  ohne  allen  Zweifel  der 
älteren  Mediterranstufe  angehört,  müssen  wir  die  darüberfolgenden 
Mergel-  und  Sandsteinhorizonte,  welche  die  directe  Fortsetzung  der 
bei  Serravalle  angetroffenen  mittelmiocänen  Schichtglieder  sind,  als 
unserer  zweiten  Mediterranstufe  angehörig  betrachten. 

Die  an  dem  rechten  Ufer  der  Bormida  zunächst  über  dem 
Kalksteine  liegenden,  mit  einem  etwa  20^  betragenden  Neigungs- 
winkel gegen  N  fallenden  Mergel  sind  von  dem  im  Thale  der 
Borbera  angetroff'enen  Schliermergel  weder  petrographisch  noch 
faunistisch  zu  unterscheiden.  Sie  zeigen  dieselbe  deutliche  Bankung, 
denselben  Wechsel  von  sandigen  und  kalkreicheren  Lagen  und  den 
nämlichen  Erhaltungszustand  der  fossilen  Reste.  Ihre  Mächtigkeit 
ist  bei  dem  auf  eine  nordsüdliche  Erstreckung  von  mehr  als  3  km 
sich  gleichbleibenden  Neigungswinkel  mit  1000  tn  wohl  nicht  zu  hoch 
veranschlagt.  Die  Stadt  Acqui  liegt  ganz  in  dieser  breiten,  im  Relief 
durch  das  weite  Bormidathal  und  die  nördlich  gelegenen,  niederen 
Bergzüge  bezeichneten  Zone,  welche  durch  das  senkrecht  zur 
Streichungsrichtung  verlaufende  Thal  des  Rio  Medrio  auf  eine  weite 
Strecke  aufgeschlossen  ist. 

Von  Fossilien   führt   G.    Trabucco    aus   diesen   Mergeln    an: 

Squalidi  Spirialis  atlanta  Koen. 

Lepas  Capellinii    Trab.  Hyalaea  sp. 

Aturia  Aturi  Bast.  Balantium  pedemontanum  May. 
„       radiata  Bell.  „  siymosum  Bell. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1899,  49.  Band,  1.  Heft.  (Fr.  Schaflfer.)        21 


162 


Franz  Schaffer. 


[28] 


Balant'mm  pulcherrimum  May. 
Vaginella    Calandrellii  Micht. 
„         Rzehaki  Kiftl. 
„         Lapugiensis  Kittl. 
Carinaria  Parefi  May. 

„         Hugardi  Bell. 
Trochus  sp. 
Natica  helicina  Brocc. 

„      redempta  Micht. 
Bulla  Brocchi  Micht. 
Bullaea  varicosa  Ponzi. 
Teredo  navalis  Linn. 
Neaera  Saracchii   Trab. 
Pholadomya  sp. 
Solenomya  Doderleini  May. 
Lucina  miocenica  Micht. 

„       Ägassizi  Micht. 

„       spinifera  Montg. 

„       Dicomani  Mengh. 
Leda  fragilis  Chemn. 

„      Taramellii  Trab. 
Änomia  costata  Brocc. 
Placuna  langhiana  Trab. 
Pecten  Philippi  Micht. 


Ostraea  neglecta  Micht. 
Schizaster  sp. 

Lunulites  intermedia  Micht. 
Turbinolia  sp. 

StephanophyUia  elegans  Bronn. 
Nodosaria  comata  Bats. 

„  bacillum  Defr. 
Uvigcrina  pigmaea  d'Orb. 
Globig  er  ina  bulloides  d'Orb. 

„  bulloides   var.  triloba 

Reuss. 

„  inßata  d'Orb. 

„  rubra  d'Orb. 

„  dubia  Egger. 

„  quadrilobata  d'Orb. 

Orbulina  universa  d'Orb. 
Pullenia  obliquo-loculata  d'Orb. 

„       sphaeroides  d'Orb. 
Sphaeroidina  austriaca  d'Orb. 
Pulvinulina  Menardii  d'Orb. 
Filliti. 

Nemertites  sp. 
Helminthoida  sp. 
Palaeodictyon  tectiforme  Sacco. 


Die  horvorragendsten  Charakterzüge  dieser  Fauna,  das  Fehlen 
der  Canaliferen,  das  Vorherrschen  zartschaliger  Bivalven,  wie 
Neaera,  Leda  und  mancher  Lucinen,  das  massenhafte  Auftreten  von 
Pteropoden,  die  zahlreichen  Arten  von  Tiefseeforaminiferen  und  die 
Einzelkorallen  lassen  diese  Mergel  als  unzweifelhaftes  Aequivalent 
des  Schliers  von  Oberösterreich  und  Bayern  erkennen,  wie  wir  es 
auch  in  dem  Profile  von  Serravalle  nachweisen  konnten. 

Wenn  wir  von  Acqui  nordwärts  durch  das  Thal  Medrio  wandern, 
so  sehen  wir  beiläufig  an  der  Stelle,  wo  der  gegen  Ricaldone  führende 
Fahrweg  von  der  Fahrstrasse  abzweigt,  den  Mergel  sandreichef 
werden  und  schliesslich  in  dieselben  lichten  Sandsteinbänke  über- 
gehen, die  wir  in  so  ungeheuerer  Mächtigkeit  in  den  Bergen  östlich 
von  Stazzano  antrafen.  Auch  in  diesem  Profile  ist  ihre  Entwicklung 
keine  geringere,  denn  sie  lassen  sich  hier  auf  eine  horizontale  Ent- 
fernung von  etwa  2000  m  verfolgen,  und  wir  können  ihre  Gesammt- 
mächtigkeit  auf  ca.  700  m  schätzen.  Die  so  ausgezeiclinete  Bankung 
und  der  Wechsel  härterer  und  lockerer  Schichten,  die  Menge  von 
feinem  organischen  Detritus,  den  wir  allenthalben  in  dem  Gesteine 
antreffen,  und  der  ungünstige  Erhaltungszustand  der  fossilen  Reste 
sind  auch  hier  die  bezeichnendsten  Merkmale  dieses  so  wohl 
charakterisirten  Horizontes. 

Von  den  Fossilien,  die  ich  an  wenigen  Punkten  zu  sammeln  in 
der  Lage  war,  konnte  ich  bestimmen: 


[29]    Beitr.  z.  Parallelisirung  d.  Miocänbildtmgen  d.  piemont,  Tertiärs  etc.     163 
Lithothamnium  sp.  Lucina  globulosa  Desh. 


Cidaris 


sp. 


Pecfen  latissimus  Brocc.  Venus  sp. 

„       scabrellus  Lam.  Turritella  turris  Bast. 

„       Bessert  Andr.  „         vermicularis  Brocc. 

Anomia  costata  Brocc.  Cerithium  liynitarum  Eichw. 

Osfrea  digitalma  Dub.  Baianus  sp. 

„       sp.  Lamna  sp. 
Cardita  Jouanneti  Bast. 

Ausserdem  fand  ich  zahllose  Aestchen  von  Bryozoen,  welche 
manche  Lagen  ganz  erfüllen,  und  kleine   Korallenstöcke. 

Es  kann  also  keinem  Zweifel  unterliegen,  dass  wir  dieses 
mächtige,  eintönige  Schichtglied,  das  eine  directe  Fortsetzung  der 
bei  Serravalle  angetroffenen  analogen  Bildungen  ist,  als  Aequivalent 
unserer  Schichten  von  Grund  und  Niederkreuzstetten  anzusehen 
haben.  Die  zahlreichen  jüngeren  Formen  seiner  leider  noch  nicht 
genügend  bekannten  Seichtwasserfauna  bieten  einen  auffälligen 
Gegensatz  zu  den  typischen  Charakteren  der  ersten  Mediterranstufe, 
welche  uns  in  dem  Nulliporenkalke  von  Acqui  begegnet  sind. 

Die,  wie  wir  gesehen  haben,  im  0  und  dann  wieder  weiter 
im  W  in  so  gewaltiger  Entwicklung  auftretenden  tortonischen  Mergel 
und  die  damit  in  engstem  Zusammenhange  stehenden  Bildungen  der 
Strandfacies  sind  in  diesem  Profile  auf  eine  ganz  unbedeutende 
Zone  reducirt,  die  an  manchen  Punkten  vollständig  verschwindet,  so 
dass  die  gypsführenden  Mergel  des  obersten  Miocäns  direct  auf  den 
Sauden  vom  Alter  unserer  Grunderschichten  auflagern.  Es  erinnert 
das  Zurücktreten  dieses  sonst  so  mächtigen  marinen  Tegels  ganz 
an  die  im  Profile  von  Castelnuovo  d'Asti  angetroffenen  Verhältnisse. 
(Siehe  ersten  Theil  dieser  Abhandlung,  Jahrbuch  d.  k.  k.  geol. 
R.-A.  1898,  Bd.  48,  pag.  418.)  Wo  aber  diese  Tegel  in  ihrer  typischen 
Ausbildung  zutage  treten,  da  führen  sie  auch  die  so  bezeichnende 
Canaliferenfauna. 

Eine  ganz  ausserordentliche  Entwickelung  gewinnen  in  diesem 
Profile  die  brackischen  Ablagerungen  des  obersten  Miocäns.  Die  an 
der  Basis  auftretenden  Gypse  und  Kalke  nehmen  hier  eine  gewaltige 
Zone  ein,  während  die  Mergel  zurücktreten.  Dieser  ökonomisch  so 
wichtige  Horizont  lässt  sich  bis  unter  die  Ortschaft  Ricaldone  ver- 
folgen, wo  er  von  Sauden  und  Schotter  von  nur  geringer  Mächtigkeit 
und  endlich  von  den  mit  diesen  stets  verbundenen  spröden  Mergeln 
überlagert  wird.  Alle  diese  Schichtglieder  entsprechen  auf  das 
Genaueste  den  am  Monte  Rosso  angetroffenen  und  als  Aequivalente 
der  sarmatischen  Stufe  und  der  Congerienschichten  erkannten  Bildungen. 
Fossilreste    konnte  ich  darin  in  diesem   Profile   nirgends  nachweisen. 

Nördlich  von  Ricaldone  breiten  sich  in  einer  ausgedehnten 
Zone  die  Tegel  und  Sande  des  Pliocäns  in  der  allerorten  sich  gleich- 
bleibenden reichen  faunistischen  Entwicklung  aus. 


21* 


164  Franz  Schaffer.  [30] 

Es  Wäre  überflüssig,  über  den  Wert  der  beiden  besprochenen 
Profile  in  Hinsicht  auf  die  Stratigraphie  des  unteren  Neogens  viele 
Worte  zu  verlieren. 

Das  Profil  von  Serravalle  umfasst  das  mittlere  und  obere 
Miocän  in  reicher  faunistischer  Entwickelung  und  in  seltener  Voll- 
ständigkeit. Wir  haben  als  tiefstes,  durch  eine  individuenreiche,  wenn 
auch  artenarme  und  einförmige  Fauna  ausgezeichnetes  Glied  den 
Schlier  im  Borberathaie,  darüber  den  mächtigen  Horizont  von 
Sanden  und  Sandstein,  das  Altersäquivalent  unserer  Gruuderschichten, 
über  denen  dann  in  ungemein  fossilreicher  Entwickelung  der  Badner 
Tegel  mit  den  Sanden  der  Leithakalkbildungen  und  schliesslich  die 
brackischen  Schichten,  die  sarmatische  und  die  pontische  Stufe,  folgen. 

Bei  Acqui  liegen  an  der  Basis  graue  Tegel,  die  mir  keine 
makroskopischen  Fossilreste  lieferten  und  etwa  als  Aequivalente  des 
Foraminiferentegels  von  Ketösmezö  angesehen  werden  könnten, 
darüber  folgt  der  Nulliporenkalk  von  Acqui,  der  die  Fauna  unserer 
Eggenburgerschichten  führt,  und  dann  die  vollständige  Serie  der  bei 
Serravalle  angetroffenen  Schichtglieder,  der  Schlier,  die  Schichten 
von  Grund,  der  tortonische  Tegel  und  die  den  Rückzug  des  Miocän- 
meeres  anzeigende  brackische  Stufe. 

Dieses  letztere  Profil  ist  in  seiner  Vollständigkeit  und  regel- 
mässigen Ausbildung  wohl  eines  der  interessantesten  in  dem  Gebiete 
mediterraner  Neogenbildungen  und  das  einzige  mir  bekannte,  welches 
in  so  typischer  Weise  die  Ueberlagerung  einer  sicher  der  ersten 
Mediterranstufe  angehörigen  Fauna  durch  unzweifelhafte  Ablagerungen 
des  jüngeren  Mediterranmeeres  erkennen  lässt.  Es  ist  ein  glän- 
zender Beweis  für  die  Richtigkeit  der  von  E.  Suess  für 
das  Wiener  Tertiär  hecken  aufgestellten  Schichtfolge 
und  für  die  Altersverschiedenheit  der  beiden  älteren 
Mediterranstufen. 

Es  ist  als  gewiss  anzusehen,  dass  ähnlich  wie  bei  Acqui  zahl- 
reiche Profile  in  dem  südlichen  Theile  des  jjiemontesischen  Tertiär- 
beckens dieselbe  vollständige  Schichtserie  aufweisen  werden,  und  es 
wäre  nur  zu  wünschen,  dass  dieses  Gebiet  zum  Gegenstande  ausge- 
dehnterer und  eingehenderer  Untersuchungen  gemacht  würde,  die,  wie 
zu  erwarten  ist,  zahlreiche  Ergänzungen  und  Erweiterungen  meiner  — 
der  Natur  der  Sache  nach  —  nicht  genügend  abgeschlossenen  Studien 
ergeben  werden. 


Ein  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzeit. 

Von  Karl  Oestreich. 

Mit  einer  Tafel  ^Nr.  VI)  und  3  Zinkotypien  im  Text. 


Vorbemerkung. 

Die  vorliegende  Studie  verdankt  ihre  Entstehung  einer  Anre- 
gung von  Herrn  Professor  P  e  n  c  k  in  Wien.  Er  war  es,  der  eine  bei 
dem  Verfasser  durch  Wanderungen  im  Gebirge  von  frühester  Jugend 
an,  besonders  aber  durch  die  Vorlesungen  seines  ersten  Lehrers,  des 
Herrn  Professor  Fischer  in  Marburg,  geweckte  Neigung  zu  Thal- 
studien in  die  richtigen  Bahnen  lenkte. 

Die  Studie  selbst  ist  die  Frucht  der  Arbeit  zweier  Jahre. 

W^ährend  des  Sommers  1896  wurden  die  orientirenden  Touren 
zur  Kenntnis  der  orographischen  und  stratigraphischen  Verhältnisse 
des  gesammten  Gebietes  ausgeführt.  Während  der  ganzen  schnee- 
freien Zeit  des  Jahres  1897  wurde,  nach  nunmehr  erlangter  Kenntnis 
der  für  diesen  speciellen  Fall  nothwendigen  Arbeitsmethode,  die  geo- 
logische Aufnahme  der  Tertiärablagerungen  vorgenommen ;  dabei  aber 
auch,  soviel  Zeit  sich  erübrigen  Hess,  durch  häufigen  Besuch  über- 
ragender Berge  die  Einsicht  in  die  allgemeinen  Verhältnisse  des  Ge- 
birges erweitert. 

Die  Literatur  für  das  bearbeitete  Längsthal  beschränkt  sich 
eigentlich  auf  Stur's  Abhandlung:  „Ueber  die  neogenen  Ablagerungen 
im  Gebiete  der  Mürz  und  Mur  in  Obersteiermark",  die  im  Jahrbuch 
der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  in  Wien  im  Jahre  1864  erschien. 
Stur's  1871  veröffentlichte  Geologie  der  Steiermark  gab  nur  eine 
Correctur  seiner  Ansichten  über  das  genauere  Alter  der  Tertiär- 
ablagerungen, verwies  aber  im  übrigen  auf  die  genannte  Abhandlung. 

Als  Karten  standen  dem  Verfasser  die  neuen  Aufnahmskarten 
von  Vacek: 

Leoben  und  Brück  a.  d.  Mur  (Zone  16,  Coi.  XH), 
Mürzzuschlag  (Zone  15,  Col.  XHI), 
Neunkirclien— Aspang  (Zone  15,  Col.  XIV) 

zu  Gebote.  Ausserdem  copirte  er  sich  Theile  der  Blätter: 

Eisenerz — Wildalpe— Aflenz  (Zone  15,  Col.  XH) 

der  neuen  Aufnahme  und 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Keichsanstalt,  1899,  49.  Band,  1.  Heft.  (K.  Oestreich.) 


166  Karl  Oestreich^  [2] 

St.  Michael  (Zone  17,  Col.  IX), 
Murau  (Zone  17,  Col.  X), 
Köflach— Voitsberg  (Zone  17,  Col.  XII) 
der  alten  Aufnahme. 

Blatt:  Judenburg  (Zone  17,  Col.  XI) 

endlich  enthält  ältere  und  neuere  Aufnahmsresultate  verschiedener 
Bearbeiter  zusammen. 

Die  neogenen  Bildungen  sind  auf  diesen  Blättern  fast  stets  nur 
mit  einem  Farbenton  ausgeschieden,  so  dass  des  Verfassers  Arbeit 
im  Punkte  der  kartographischen  Gliederung  eine  durchaus  origi- 
nale war. 

Von  einer  Discussion  der  Bemerkungen  Stur's  wurde  abge- 
sehen. Der  Vergleich  mit  den  folgenden  Ausführungen  wird  ergeben, 
dass  Stur's  Anschauungen  manchmal  acceptirt,  manchmal  modificirt, 
manchmal  fallen  gelassen  wurden,  dass  von  Stur  als  tertiär  ange- 
sprochene Bildungen  eine  andere  Deutung  erfuhren,  dass  seitdem, 
durch  die  jüngsten  Aufnahmen  oder  die  des  Verfassers,  neue  Vor- 
kommnisse entdeckt  wurden.  Zumal  Vacek  hat  in  dankenswerter 
Weise  tertiäre  Terrassen  ausgeschieden;  allerdings  ist  eine  solche 
Ausscheidung  nicht  immer  in  dem  Sinne  zu  verstehen,  dass  die  be- 
treffenden Terrassen  auch  jetzt  noch  wirkliche  Tertiärablagerungen 
trügen. 

Die  vorliegende  Arbeit  gliedert  sich  in  einen  directe  Beob- 
achtungen wiedergebenden  und  einen  mehr  theoretischen  Theil. 
Innerhalb  des  ersteren  wurde  ausserdem  noch,  zur  besseren  Kenntnis 
des  ganzen  in  Rede  stehenden  Gebietes,  eine  mehr  compilatorische 
Arbeit  niedergelegt,  eine  Darstellung  des  geologischen  Grundgerüstes, 
wie  sie  sich  aus  Geyer's  und  Vacek's  Berichten  ergibt. 


I.   Theil. 

Geologisch  -  morphologische  Skizze  und  Darstellung  der 
tertiären  Ablagerungen. 

Man  denkt  nur  an  die  allgemeine  Lage  zum  Streichen  der  Ost- 
alpen, wenn  man  die  von  der  oberen  Mur  und  der  Mürz  durchflossene 
Thalfurche  ein  Längsthal  nennt.  Sie  stellt  in  Wahrheit  einen  Wechsel 
von  Längs-  und  Querthalstrecken  dar  und  ist  somit  als  ein  „zusam- 
mengesetzes  Thal"  zu  bezeichnen. 

Zudem  lässt  ein  Blick  auf  die  Karte  zwei  ihrer  Richtung  nach 
unterschiedene  Thalstrecken,  eine  westliche,  von  West  nach  Ost,  und 
daran  anschliessend  eine  östliche,  von  Südwest  nach  Nordost  ziehende, 
erkennen.  Diese  beiden  Theilstrecken  gehören,  wie  das  Studium  des 
Gebirgsbaues  lehrt,  in  der  That  gänzlich  verschiedenen  geologischen 
Gebilden  an ;  daher  eine  gesonderte  Betrachtung  der  beiden  Regionen 
des  oberen  Murbeckens  und  des  Mürzbeckens  von  selbst  gegeben 
erscheint. 


[3]  Ein  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzeit.  t67 

Das  obere  Murbecken. 

Das  formgebende  Element  in  der  Urographie  der  östlichen 
Centralalpen  ist  die  Umschwenkung  der  Tauernaxe  nach  Südost  und 
das  damit  verbundene  Ausweichen  aller  Schichtglieder  aus  der  bisher 
allgemein  befolgten  West — Ostrichtung  in  die  neue,  dazu  diagonale 
nordwest-südöstliche.  Und  wenn  somit  die  Flussrichtungen  in  dem 
Gebiet  östlich  von  dieser  Biegung  andere  sind,  als  weiter  im  Westen, 
ist  es  uns  erlaubt,  dem  Stand  unserer  heutigen  Kenntnisse  entsprechend, 
den  letzten  Grund  dieses  Verhaltens  in  der  uns  noch  verborgenen 
Ursache  zu  suchen,  welche  die  Umbiegung  der  Streichungsrichtungen 
im  böhmischen  Massiv  veranlasste,  also  im  alten  hercynisch-sudetischen 
Gebirge,  zu  dem  ja  auch  das  palaeozoische  Grundgerüst  unserer 
Alpen  gehört. 

Vom  geologischen  Bau  der  Umbiegungsregion  gibt  uns  das 
Studium  der  diesbezüglichen  Arbeiten  Georg  G  e  y  e  r's  ein  klares 
Bild  1). 

Eine  solche  Umbiegung  ist  wie  jede  tiefer  greifende  Bewegung 
in  einem  aus  Gesteinsmassen  verschiedener  Festigkeit  und  Mächtigkeit 
bestehenden  Complexe  eine  sehr  complicierte  Erscheinung.  Wir  finden 
nicht  etwa  von  einem  Punkte  an  im  geologischen  Streichen  aus- 
schliesslich die  neue  Richtung  ausgedrückt;  wir  haben  im  Gegentheil 
eine  Anzahl  von  mehr  oder  weniger  starren  Kernen,  die  im  Streichen 
normalerweise  die  neue  Hauptrichtung  documentieren,  umflossen 
von  den  weicheren  Schichten,  die  mannigfache  Eigenbewegungen  aus- 
führen. Doch  ist  auch  das  Streichen  der  richtunggebenden  starren 
Massen  kein  regelmässiges,  wie  die  folgende  Betrachtung  lehrt. 

Vier  Gneisskerne,    vier    „Centralmassive",    umrahmen  den  west- 
lichen Theil  unseres  Längsthaizuges: 

Das  Ankoglmassiv  im  Westen, 

das  Königstuhlmassiv  im  Süden, 

das  Hochgollingmassiv  im  Norden, 

das  Bösenstein-Grössenbergmassiv  im  Osten. 

Das  Schichtstreichen  ist  im  Ankogl-  und  dem  Bösenstein-Grössen- 
bergmassiv das  nordwest-südöstliche;  im  Hochgollingmassiv  ein 
westöstliches,    und    im   Gneissgebirge    des   Königstuhls   ein    meridio- 


*)  Bericht  über  die  geologischen  Aufnahmen  im  Gebiete  der  krystallinischcn 
Schiefer  von  Judenburg,  Neuniarkt  und  Obdach  in  Steiermark.  Verhandl.  d.  k.  k. 
geol.  R.-A.  1890,  pag.   199. 

Bericht  über  die  geologischen  Aufnahmen  im  Gebiete  des  Specialkarten- 
blattes Murau.  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1891,  pag.  108 

Bericht  über  die  geologischen  Aufnahmen  im  oberen  Murthale  (Phyllitmulde 
von  Murau  und  Neumarkt).    Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.   1891,  i)ag.  352. 

Reisebericht  über  die  geologischen  Aufnahmen  im  Luogau  (Salzburg).  Ver- 
handl. d.  k.  k.  geol.  R.-A.   1892,  pag.  319. 

Vorlage  des  Blattes  „St.  Michael".  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1893,  pag.  40. 

Ueber  die  Stellung  der  altpalaeozoischen  Kalke  der  Grebenze  zu  den  Grün- 
schiefern und  Quarzphylliten  von  Neumarkt  und  Set.  Lambrecht.  Verhandl.  d.  k.  k. 
geol.  R.-A.  1893,  pag.  406. 


1^  Karl  Oestreich.  [4] 

nales,  das  jedoch  in  der  Murgegend  ebenfalls  in  das  westöstliche 
einlenkt. 

Das  Verhäitniss  der  Gneisskerne  zu  den  die  Zwischenräume 
ausfüllenden  Glimmerschiefermassen,  also  die  Frage  nach  dem  ab- 
soluten und  relativen  Alter  der  Centralmassive,  steht  noch  ausserhalb 
der  allgemeinen  Discussion.  Doch  ist  anzunehmen,  dass  Gneissmassive 
und  Glimmerschiefer  in  dieser  Gegend  von  der  grossen  Gebirgs- 
faltung  in  gleicher  Weise  betroffen  wurden.  Wird  doch  der  West- 
ost streichende  Gneisskamm  der  Niedern  Tauern  (Hochgollingmassiv) 
nach  seinem  Untertauchen  unter  den  Glimmerschiefer  von  diesem  als 
kammbildendem  Element  nahezu  in  gleicher  Höhe  gegen  Osten  hin 
fortgesetzt,  bis  auch  dieser  Kamm  in  die  Nordwest-Südostrichtung  um- 
schwenkt, die  Mur  überschreitet  und  die  Seethaler  Alpen  zusammen- 
setzt, zwischen  dem  Neumarkter  und  dem  Obdacher  Sattel  0,  ein 
breites  Gewölbe,  das  nur  auf  seinem  Scheitel,  vielleicht  durch  Zerrungs- 
vorgänge, westöstliche  Streichrichtuugen  zeigt.  Auch  die  im  Süden 
zu  beiden  Seiten  des  Königstuhlmassivs  gelegenen  Glimmerschiefer- 
massen haben  das  normale  nordwest- südöstliche  Streichen  mit  gele- 
gentlichen west-östlichen  Ausweichsrichtungen.  Im  Hangenden  dieser 
ältesten  Bildungen  haben  sich  an  zwei  ge.ichützten  Stellen  jüngere, 
transgredirende  Schichtglieder  erhalten,  innerhalb  (d.  h.  westlich)  des 
Katschthal  -  Taurach  -  Bruchs  die  Kalkphyllite  des  Lungau  und,  wie 
Geyer  sagt,  geschützt  durch  die  Umbiegung  des  Glimmerschiefer- 
kamms der  Niederntauern  die  Gesteine  der  Phyllitmulde  von  Murau- 
Neumarkt.  Die  Kalkphyllite  des  Lungau  fallen  vom  Gneiss  des  Ankogl- 
massivs  nach  Osten  und  Südosten  gleichmässig  ab  und  erfüllen  den 
Raum  zwischen  diesem  und  der  Hochgollingmasse,  wobei  sie  das 
Liegende  der  Kadstädter  Triastransgression  bilden. 

Die  Phyllitmulde  von  Murau-Neumarkt  erleidet  eine  grössere 
Complication  durch  das  Auftreten  einer  mächtigen  Kalkplatte  in  den 
Kalkphylliten,  die  in  einer  bedeutenden,  meridional  verlaufenden 
Aufwölbung  zutage  tritt,  ferner  dadurch,  dass  die  hangenden  Quarz- 
phyllite  über  die  Kalkphyllite  hinaus  auf  die  Glimmerschiefer  über- 
greifen. Funde  von  Crinoidenstielgliedern  in  den  Kalken  der  Grebenze 
verweisen  die  ganze  Serie  dieser  halbkrystallinischen  Gebilde  bereits 
in  das  Palaeozoicum.  Das  Gesammtstreichen  der  Mulde  ist,  der  Haupt- 
leitlinie entsprechend,  das  nordwest-südöstliche.  Die  meridionale  Rich- 
tung, die  ausser  in  dem  erwähnten  Kalkzug  noch  in  den  östlich  des- 
selben streichenden  Quarzphyllitfalten  der  Neumarkter  Niederung 
zutage  tritt,  ist  vielleicht  nur  eine  unbedeutende  Abweichung  von  der 
Hauptrichtung,  und  es  ist  noch  nicht  nöthig,  an  zwei  zeitlich  unter- 
schiedene Störungsvorgänge  zu  denken. 

In  Denudationsresten  sind  ferner  noch  die  Ueberbleibsel  einer 
grösseren  triadischen  Decke  in  den  Radstädter  Tauern  (zwischen 
Ankogl-  und  Hochgollingmassiv),  sodann  südlich  der  Mur,  innerhalb 
des  Königstuhlbogens  in  der  Region  der  Stangalpe,  Ablagerungen 
von    Meer    und    Festland    der    Carbouzeit   erhalten.    Vielleicht    sind 


')  „Sattel"  hier  in  orographischem   Sinne.     Besser  würde  wohl  Senke  oder 
Niederung  passen. 


[5]  Ein  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzeit.  169 

manche  uns  heute  unerklärbar  scheinende  Flussrichtungen  auf  die 
Abfiussverhältnisse  in  den  heute  verschwundenen  palaeozoischen  und 
mesozoischen  Sedimentdecken  zurückzuführen. 

Dies  ist  in  kurzen  Zügen  das  geologische  Bild  der  Umbiegungs- 
region,  die  wir  nach  ihrer  Hauptentwässerungsader  „das  obere  Mur- 
beckeu"  nennen  wollen,  und  die  nächste  Aufgabe  wird  sein,  an  der 
Hand  dieser  Leitlinien  die  Flussrichtungen  derselben  zu  besprechen. 

Die  Mur  durchfliesst  dieses^  ihr  oberstes  Thalgebiet  in  west- 
östlicher Richtung,  unbekümmert  *um  das  Streichen  des  Gebirges. 
Nur  die  bedeutendsten  ihrer  Quellflüsse  haben  thatsächlich  die  Nord- 
west-Südostrichtung, die  sonst  noch  in  den]  Verbindungsstrecken  des 
nördlichen  und  südlichen  Nebenthaies  zum  Ausdruck  kommt.  Die 
natürliche  Abflussrichtung  wäre  die  zur  Gurk,  und  damit  zur  Drau. 
Geyer  ^)  wies  bereits  darauf  hin,  dass  die  nordwest-südöstlich  ge- 
richteten Querstrecken  des  Rauten-,  Katsch-  und  Wölzerbaches,  ebenso 
wie  in  der  Diluvialzeit,  für  die  es  nachweisbar  ist,  auch  in  früheren 
Zeiten,  also  in  der  ursprünglichen  Anlage,  über  die  Perchauer  und 
Neumarkter  Sättel  mit  der  Olsa,  also  der  Gurk-Drau,  in  Verbindung 
stehen  mochten;  also  zu  jener  Zeit,  als  die  Mur  noch  nicht  die 
Gneissmasse  des  Bösenstein-Grössenbergs  durchbrochen  hatte.  Viel- 
leicht kann  die  Untersuchung  der  Carbonablagerungen  der  Stangalpe 
nähere  Aufschlüsse  über  die  älteste  Geschichte  unserer  Gegend  geben. 
Doch  vorher  bleibt  alles  reine  Speculation,  und  es  ist  wohl  metho- 
disch richtiger,  nur  den  westöstlichen  Lauf,  wie  er  heute  daliegt,  ins 
Auge  zu  fassen;  bietet  doch  auch  er  Probleme  in  hinreichender 
Menge ! 

Er  ist  ausgezeichnet  durch  die  vorzügliche  Ausbildung  des 
Doppelthaies,  das  an  manchen  Stellen  sogar  ein  dreifaches  Thal 
darstellt,  und  durch  die  fiederförmige  Stellung  seiner  Quellflüsse. 

Sieben  Quellflüsse,  die  Mur,  der  Zederhausbach,  die  Taurach, 
die  Weissbriach,  der  Lignitz-,  der  Göriach-  und  der  Lessachbach, 
vereinigen  sich  zu  zwei  Quellflussarmen,  Mur  und  Taurach.  Die 
Stellung  der  Quellflüsse  wurde  als  fiederförmig  bezeichnet;  die  süd- 
westlichsten, Mur,  Zederhaus  und  Taurach,  fliessen  parallel  dem 
Streichen  der  Ankoglmasse  nordwest-südöstlich,  die  nach  Osten  zu 
folgenden  stellen  dagegen  Querthäler  dar.  Der  letzte,  der  Lessach- 
bach, verläuft  fast  gradlinig  im  Meridian  und  findet  seine  gradlinige 
Fortsetzung  in  der  Verbindungsstrecke  von  Taurach  und  Mur,  sowie 
in  der  Mur  selbst  auf  der  kurzen  Strecke  ihres  Durchbruchs  durch 
den  Gneiss  des  Königstuhlmassivs.  Dort,  wo  die  Mur  wieder  in 
die  Ostrichtung  einlenkt,  empfängt  sie  den  dritten  Quellarm,  den 
Thomabach. 

Ausser  der  erwähnten,  von  dem  heutigen  Taurach-Murfluss  be- 
nutzten Verbindungsstrecke,  besteht  weiter  oberhalb  eine  zweite,  die 
ebenso  gradlinig  verläuft,  aber  heute  nicht  mehr  vom  Wasser  benutzt 
wird.  Dass  aber  in  früheren  Zeiten  diese  Linie  ein  wirkliches  Fluss- 
thal war,  beweist  die  gleiche  Höhe  der  beiden  Sättel  in  circa  1140  m 
Meereshöhe,   zwischen    Taurach   und   Mur   einerseits,   und   Mur   und 


1)  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1891,  pag.  109. 
Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  1899,  49.  Band,  1.  Heft.  (K.  Oestreich.)        22 


170  Karl  Oestreich.  |6], 

Thomathal  andrerseits  i).  Die  relative  Höhe  dieser  Sättel  beträgt 
circa  40  m  über  der  Taurach,  ungefähr  100  w  über  Mur  und  Thomabach. 
Auch  diese  Verhältnisse  scheinen  für  die  Existenz  primärer  meridio- 
naler  Thalläufe  zu  sprechen,  ebenso  wie  die  eigenthümliche  Richtung 
der  Bundschuhthäler,  die  von  Süden  her  bis  zu  dem  letzterwähnten 
Sattel  der  Mur  zufliessen,  hier  eine  scharfe  Schwenkung  von  90^ 
ausführen  und  der  Mur  parallel  fliesseii,  bis  diese  sie  in  der  geogra- 
phischen Breite  des  Thomathals  erreicht.  Früher  sprach  man  in 
solchem  Falle  wohl  einfach  von  zwei  sich  kreuzenden  Bruchsystemen, 
heute  haben  wir  zunächst  an  zwei  der  Zeit  nach  verschiedene  Ab- 
flusssysteme zu  denken. 

Von  jetzt  an,  also  ungefähr  von  der  1000  m-Isohypse,  durch- 
fliesst  die  Mur  das  südliche  Thal,  die  Fortsetzung  des  Thomathals, 
während  der  eigentliche,  „Mur"  genannte  Quellarm  eine  gradlinige 
Fortsetzung  im  Leissnitzthal  findet.  Ein  dritter,  nördlichster  Parallel- 
lauf ist  der  Krakaubach,  der  von  den  Querthälern  der  Niederen 
Tauern  gespeist  wird.  Es  folgt  nun  wohl  die  eigeuthümlichste  Strecke 
des  gesammten  Thalzugs:  die  nördlichen  Nebenthäler  öffnen  sich  in 
drei  diagonalen  Thalstrecken  in  das  südliche  Hauptthal.  Es  sind  das 
die  Thäler  des  Kanten-,  des  Katsch-  und  des  Wölzerbaches. 

Das  dritte  (nördlichste)  Nebenthal  hat  in  der  Krakau  eine  Meeres- 
höhe von  1100  m.  Ein  Sattel,  der  1200?//  wenig  überschreitet,  führt 
in  das  Schöderthal,  das  nach  kurzer  Entfernung  (circa  6  Kilometer) 
nur  noch  eine  Höhe  von  900  m  hat,  und  eine  breite  Senke  über  den 
Kammersberg  (1066  m)  führt  vom  Schöder-Katschthal  nach  dem 
Wölzerthal.  Das  Katschthal  sowie  das  Wölzerthal  ziehen  aus  ihren 
mehr  als  50  m  höher  gelegenen  Thälern  in  der  erwähnten  Diagonal- 
richtung nach  der  Mur  ab.  Weiter  oberhalb  hat  dieselbe  Richtung 
der  Rantenbach,  der  Abfluss  des  vereinigten  Krakau-  und  Seebaches, 
welch  letzterer  den  mittleren  Thalzug  benutzt,  in  dem  weiter  im 
Westen  Mur  und  Leissnitzbach  fliessen. 

Das  nördliche  Thal  steht  wiederum  mit  dem  mittleren  in  Ver- 
bindung durch  den  trockenen  Sattel  von  Schöder,  dessen  höchste 
Erhebung  50  m  über  den  beiden  Flussniveaus  beträgt  2).  Auch  hier 
ist  wieder  die  Spur  eines  alten  meridionalen  Thaies. 

Die  Mur,  der  Fluss  des  südlichsten  Thaies,  empfängt  von  Süden 
her  die  Gräben  des  Königstuhlmassivs  und  der  transgredirenden 
Carbonscholle,  die  sämmtlich  die  normale  senkrechte  Richtung  zum 
Hauptfluss  zeigen.  Doch  auch  auf  der  Südseite  beginnen  complicirtere 
Verhältnisse  beim  Eintritt  in  die  Phyllitmulde.  Rantenbach,  Katsch- 
und Wölzerbach  erhalten  Fortsetzungen  ihrer  nordwest-südöstlichen 
Richtung  im  Lassnitzbach,  im  Neumarkter  Sattel  und  in  dem  von  der 
Perchau  herabfliessenden  Doppelbach. 

Der  Neumarkter  Sattel  ist  eine  breite  Senke,  die  in  etwa  140  ni 
über  der  in  745  m  Meereshöhe  fliessenden  Mur  im  Gehänge  einsetzt. 


')  Die  Karte  verzeichnet  für  den  erstereu  Sattel  nur  1129  m.  Die  wirkliche 
Wasserscheide  wurde  durch  einen  weiter  nördlich  sich  bildenden,  nach  Südost 
abfliessenden  Bach  ausser  Wirksamkeit  gesetzt. 

^)  Sattel  944  tu,  Schöder  898  m.  Rantenbach  890  m. 


[7]  Ein  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzeit.  171 

Der  höchste  Punkt  seiner  Tietenlinie,  die  Station  St.  Lambrecht  in 
888  m,  ist  in  der  Horizontalen  nur  3  Kilometer  vom  Thalabhang  gegen 
die  Mur  entfernt.  Während  nach  Süden  zu  durch  die  Olsa  eine  Ent- 
wässerung zur  Drau  stattfindet,  besteht  kein  Abfluss  zur  Mur.  Dagegen 
benutzt  der  von  Südwesten  her  kommende  Lambrechtbach  (Tajabach) 
die  weichen  Schiefer  des  Sattels,  um  in  ihnen  in  tief  erodirtem  Bett 
mit  starkem  Gefäll  die  Mur  zu  erreichen.  Vielleicht  stellt  er  einen 
alten  Nebenfluss  eines  einst  über  den  Neumarkter  Sattel  zur  Mur 
fliessenden  Stromes  dar. 

In  diesem  Neumarkter  Sattel  besitzt  also  das  Murthal  einen 
unter  der  9u0  m-Isohypse  gelegenen  Ausgang  in  das  Thalsystem 
der  Drau.  Und  ein  zweiter  derartiger  Sattel  in  der  Meereshöhe  von 
951  m  führt  aus  dem  Judenburger  Becken  in  das  zur  Drau  fliessende 
Lavantthal  über.  Auf  der  nördlichen  Seite  empfängt  die  Mur  in 
demselben  Becken  einen  grösseren  Nebenfluss,  die  Pols,  und  östlich 
von  beiden  genannten  Seitenthälern ,  Granitzenthal  und  Obdacher 
Sattel  einerseits,  Pölsthal  andrerseits,  schliesst  das  von  dem  heutigen 
Flusse  durchbrochene  Bösenstein-Grössenbergmassiv  das  ganze  obere 
Murbecken  ab. 

Es  drängt  sich  nun  von  selbst  die  Frage  auf:  Gibt  es  ein  Mittel, 
die  früheren  Stadien  der  Flussentwicklung  zu  erkennen,  haben  wir 
zunächst  den  tertiären  Fluss? 

Die  Kenntnis  der  Thatsache,  dass  das  Murthal  in  der  Diluvial- 
zeit bis  in  das  Judenburger  Becken  vergletschert  war,  wird  uns  davor 
bewahren,  allzu  kühne  Erwartungen  zu  hegen  in  Betreff  der  Er- 
haltung früherer  Thalablagerungen.  In  der  That,  die  tertiären  Reste 
sind  im  oberen  Murbecken  nur  sehr  spärlich  vorhanden. 

Das  Murthai  von  St.  Michael  im  Lungau  bis  Tamsweg,  also  das 
Thal  des  mittleren  Hauptquellstromes,  wurde  von  den  diluvialen  Eis- 
massen bis  auf  den  Felsgrund  ausgeräumt.  Nur  an  einer  Stelle,  im 
Schutz  der  Gletscherbifurcation,  am  Gehänge  unter  dem  erwähnten, 
vom  Murthal  zum  Thomabach  führenden  niederen  Sattel,  sind  ältere 
Thalablagerungen  in  einem  schmalen  Hügelsaum  erhalten.  Es  ist  ein 
von  Moräne  überlagerter,  dünngeschichteter,  z.  Th.  schon  geschieferter 
Mergel  mit  feinen  Kiesstreifchen,  ganz  rein,  ohne  Gerolle,  Ost  bis 
Nordost  fallend,  dem  sich  gegen  Nordosten  zu  ein  längerer,  aus 
Conglomerat  bestehender  Hügelstreif  anschliesst,  aus  einem  Conglo- 
merat,  das  dem  heutigen  Murschotter  entsprechen  mag  und  gleich 
diesem  viel  KalkgeröUe  (der  Radstädter  Trias)  enthält.  Das  Conglo- 
merat scheint  eine  höhere  Lage  einzunehmen  als  der  Mergel,  doch 
ist  sein  Fallen  nicht  wahrzunehmen,  auch  nichts  von  einem  Contact. 
Weder  auf  der  Karte,  noch  in  der  Literatur  ist  dieses  Vorkommen 
verzeichnet.  Doch  ist  es  in  der  Natur  leicht  wahrnehmbar  durch  die 
eigenthümliche,  kantenlose,  abgerundete  Gestalt  des  Lehmhügels, 
den  höheren,  schärfer  conturirten  Rücken,  den  das  Conglomerat 
zusammensetzt. 

Im  Taurachthal  fand  keine  derartige  Ausräumung  statt.  Hier 
floss  der  Eisstrom  nicht  ungehindert  durch  das  Thal.  Die  Gletscher, 
welche  die  Flüsse  der  Lungauer  Querthäler  ihm  in  die  Flanke 
schickten,    bauten   ihre   Moränen   in   die  Taurachebeue  vor;   und  im 

22' 


172  Karl  Oestreich.  [8] 

Schutze  ihrer  Moränen  innerhalb  der  Taurachebene  und  weiter  nach 
Osten  in  der  ganzen  Breite  zwischen  dein  Leissnitzthal  und  der  vom 
heutigen  Flusslaufe  verlassenen  Fortsetzung  des  Taurachthals  ist  in 
einer  Länge  von  gegen  10  Kilometer  die  tertiäre  Thalablagerung  er- 
halten geblieben.  Sie  stellt  sich  dem  Auge  sehr  deutlich  dar  durch 
das  plötzliche  Auftreten  ruhigerer  Hügelformen  in  der  Grundmoränen- 
landschaft der  Taurachebene. 

Eine  Gliederung,  wie  G  e  y  e  r  ^)  sie  annimmt,  in  unteren  Mergel 
und  oberes  Conglomerat  mit  einem  Schotter  im  Hangenden,  das 
Ganze  muldenförmig,  lässt  sich  nicht  durchführen.  Beginnt  man  die 
Kartirungen  bei  Tamsweg,  so  hat  es  allerdings  den  Anschein,  als 
folgten  unter  dem  Westnordwest  bis  Nordnordwest  einfallenden  Con- 
glomerat die  Pflanzenschiefer  in  den  höheren  Lagen  des  Tertiärhügels. 
Doch  wechselt  einerseits  die  Fallrichtung  beständig,  und  andererseits 
ist  an  vielen  Stellen,  am  besten  aber  im  Göriachthal  (Ostgehänge), 
zu  bemerken,  dass  Conglomerat  und  Mergelschiefer  in  beständiger 
Wiederholung  wechsellagern  ^).  Es  spielte  sich  hier  ein  sehr  wechsel- 
volles Flussleben  ab,  und  die  Einwirkung,  welche  die  spätere  Störung 
auf  diese  stete  Aufeinanderfolge  von  Schichten  allerverschiedenster 
Consistenz  ausübte,  sowie  der  Druck,  den  sie  von  den  darüber  hinweg- 
strömenden Eismassen  erlitten,  äussert  sich  im  beständigen  Wechsel 
der  Fallrichtung.  Weiter  im  Osten,  im  Leissnitzthal,  sind  die  Ver- 
hältnisse einfacher;  das  gegen  Süd  (Südwest  oder  Südost)  geneigte, 
dem  Grundgebirge  auflagernde  Conglomerat  bildet  den  Abhang  nach 
dem  Thal.  Ein  Profil  am  östlichen  Gehänge  des  bei  Sauerfeld  von 
Norden  kommenden  (Prebersee-)  Grabens  zeigt,  wie  unter  dem  Gewicht 
der  sich  schräg  stellenden  Conglomeratmassen  die  weicheren  Glimmer- 
schiefer im  Liegenden  gefältelt  und  zerdrückt  wurden.  Das  Plateau 
oben,  im  Hintergrunde,  ist  von  den  Mergelschiefern  bedeckt. 

Zur  Klarlegung  der  tertiären  Flussverhältnisse  ist  besonders 
der  Umstand  von  Interesse,  dass  die  Conglomerate  keine  Kalkgerölle 
enthalten,  also  nicht  von  der  Taurach  und  aus  dem  Radstädter  Trias- 
gebirge, sondern  aus  den  Lungauer  Querthälern  kamen.  Die  Taurach 
scheint  zu  jener  Zeit  über  den  Mauterndorfer  Sattel  nach  Süden  zur 
Mur  abgeflossen  zu  sein.  Eine  niedere  Thalwasserscheide  mag  sie  vom 
nächsten  Parallelthal,  dem  Thal  der  Weissbriach,  geschieden  haben. 
Was  den  von  Geyer  angenommenen  tertiären  Schotter  auf  dem  rechten 
Ufer  der  Taurach  anbetriff"t,  gegenüber  von  Tamsweg  und  Wölting, 
so  stellt  er  wohl  nur  ein  aufgelöstes  Conglomerat  dar.  Er  bildet  auch 
auf  dem  linken  Ufer  bei  St.  Andrä  einen  kleinen  Hügel.  Vielleicht 
verdankt  er  seine  vom  normalen  Typus  des  Conglomerats  abweichende 
Erhaltungsart  nur  dem  Druck  durch  das  Gletschereis,  dessen  Moränen 
ihn  bedecken. 

Das  nächste  Tertiärvorkommen  ist  das  des  Sattels  von  Schöder, 
zwischen  Schöder-  und  Rantenbach,  in  der  Phyllitmulde-  von  Murau: 
ein    nach   Nord    fallendes   Conglomerat   aus   zum  Theil   sehr  grossen 


^)  Persönliche  Mittbeilung.  Publicirt  wurde   nichts. 

^)  Auf  der  Uebersichtskarte    konnte  diese  Wechsellagerung  nicht  zum  Aus- 
druck gebracht  werden. 


I 


[9]  Ein  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzeit.  l73 

Gneiss-  und  GlimmerschiefergeröUen,  demnach  eines  von  Norden,  von 
den  Niedern  Taueren,  nacli  Süden  fliessenden  Flusses.  Oberhalb  der 
Abzweigung  fand  ich  im  Schöderbach  einige  Conglomeratstücke,  die 
vielleicht  aus  dem  oberen  Günsterthal  stammen  ;  doch  fehlte  die  Zeit, 
dieser  sehr  undeutlichen  Spur  nachzugehen.  Das  Conglomerat  von 
Schöder  ist  wenig  aufgeschlossen,  am  besten  an  der  Strasse,  wo  sie 
die  Höhe  des  Sattels  erreicht;  ferner  kann  man  am  östlichen  Gehänge 
ein  feineres  Conglomerat  und  kohleführenden  Sandstein  wahrnehmen. 

Die  Spuren  eines  bedeutenderen  Flusses  sind  im  Wölzerthal  zu 
finden,  in  den  mächtigen  Conglomeratablagerungen  von  Oberwölz.  In 
vier  Resten,  dem  Hügel  von  Schloss  Rothenfels,  dem  Abhang  des 
Hinterburgplateaus  gegen  das  Wölzerthal,  dem  Meinhartsdorfer  Cal- 
varienberg  und  dem  östlichen  Thalgehänge  über  dem  Eselsberger 
Bach,  ist  diese  über  200  m  mächtige  Ablagerung  erhalten :  Westnord- 
west bis  Nord  fallende,  manchmal  grellroth  gefärbte  Kalk-  und 
Dolomitconglomerate  mit  ebensolchen  Sandsteinzwischenlagen.  Die 
Gerolle  entstammen  den  dort  allenthalben  anstehenden  Kalkmassen 
der  Kalkphyllitstufe.  Doch  da  deren  Hauptverbreitungsgebiet  südöstlich 
der  Wölzergegend  liegt,  möchte  man  geneigt  sein,  in  der  Zeit  der 
Bildung  dieses  Conglomerates  einen  dem  heutigen  entgegengerichteten 
Flusslauf  zu  vermuthen. 

Im  Murthal  selbst  sind  die  tertiären  Ablagerungen  alle  ver- 
schwunden, hier  wechseln  Strecken  glacialer  Erosion  mit  solchen 
glacialer  Accumulation.  Nur  in  einem  kleinen  Seitengraben,  dem 
Waltersbachgraben  bei  Unzmarkt,  ist  ein  blauer  Thon  mit  darüber 
lagerndem  verfestigtem  Schotter  oder  bereits  wieder  aufgelöstem 
Conglomerat  zu  sehen,  in  einem  sehr  unbedeutenden  Aufschluss.  Der 
Schotter  mag  tertiär  sein,  denn  die  Gerolle  sind  wohlgerundet, 
während  ich  für  die  Diluvialzeit  dieselben  eckigen  und  wenig  ge- 
rollten Stücke,  wie  sie  der  heutige  Wildbach  dort  ablagert,  annehmen 
möchte. 

Es  bleibt  nun  noch  die  wichtige  Frage  nach  der  tertiären  Ge- 
schichte des  Neumarkter  Sattels.  In  der  Diluvialzeit  war  diese  Region 
vom  Murgletscher  erfüllt,  worauf  Geyer  hinwies,  und  jedenfalls 
stellt  sie  ein  breites,  uraltes  Thal  dar.  Aber  wiederum  ist  der 
Gletscher  die  Ursache,  dass  oberflächlich  nur  sehr  wenig  zu  sehen 
ist;  es  wechseln  lange  Rücken  anstehenden  Felsgesteins  mit  langen, 
flachen,  von  glacialen  Bildungen  erfüllten  Thälern  ab. 

Stur^)  wies  auf  einige  Vorkommnisse  von  Tegel  hin,  die  Rolle 
aus  der  Neumarkter  Gegend  anführt,  sowie  auf  die  Resultate  einer 
Bohrung,  die  von  oben  nach  unten  eine  Folge  von  Lehm,  Schotter, 
Tegel,  bildsamem  Thon  und  bläulichem  Sand  ergab,  die  er  für  tertiär 
erklärt,  weiss  aber  nichts  über  etwaige  tertiäre  Flussläufe  anzugeben. 
Auch  die  neuere  geologische  Aufnahme  verzeichnete  alle  jüngeren 
Bildungen  mit  der  Farbe  der  glacialen  Schotter.  Leider  konnte  ich 
diese  Gegend  erst  spät  im  Herbst  besuchen,  als  der  Schnee  eine 
genauere  Begehung  unmöglich  machte.  Doch  sah  ich  zwei  interessante 
Stellen,    zunächst   ein   Profil   im    Einriss   des   Lambrechtbaches ,    das 


')  Stur,  Jahrb    d.  k.  k.  geol.  R.-A.   1864,  Bd.  14,  pag.  241. 


174  Karl  Oestreich.  [10] 

von  unten  nach  oben  Schotter,  eine  Conglomeratplatte,  Thon  ergab. 
Diese  Lagerung  ist  ganz  zweifellos,  an  eine  Anlagerung  des  Schotters 
konnte  nicht  gedacht  werden.  Eigenthümlich  ist  auch  die  Conglomerat- 
platte, deren  Mächtigkeit  kaum  mehr  als  5  cm  beträgt.  Die  Serie 
fällt  ganz  flach  südlich.  Sie  ist  eingesenkt  in  die  Quarzphyllite  und 
taucht  unter  die  Thalsohle  des  Lambrechtbaches,  tief  unter  dem  alten 
Thalboden  des  Neumarkter  Sattels. 

Daraus  geht  hervor,  dass  im  Bett  des  Lambrechtbaches  auf 
die  Zeit  starker  Erosion  eine  Accumulationsperiode,  und  dieser 
wiederum  eine  Erosionsperiode  folgte,  die  noch  heute  andauert.  Und 
die  ganze  Entwicklung  fand  erst  statt,  als  der  Neumarkter  Sattel 
kein  Flussthal  mehr  darstellte  ;  also,  wenn  man  in  ihm  das  tertiäre 
Flussthal  sehen  möchte,  erst  in  der  Posttertiärzeit.  Diese  Zeit  würde 
alsdann  mit  einer  starken  Erosion  beginnen,  mit  der  Erniedrigung  der 

Fi^.  1. 


Das  Profil  am  rechten  Ufer  des  Lambrechtbaches, 

1.  Schotter. 

2.  Conglomeratplatte. 

3.  lietten. 

Sohle  des  Lambrechtbaches  auf  das  vielleicht  durch  einen  erneuten 
Einbruch  des  Judenburger  Beckens  neugeschaÖene,  vertiefte  Thal- 
niveau der  Mur.  Darauf  käme,  dem  Anwachsen  der  absperrenden 
Eismassen  im  Hauptthal  entsprechend,  eine  sehr  schnelle,  sehr  mächtige 
Accumulation.  Durch  diese  Zuschüttung  seines  eigenen  Bettes  wäre 
das  Gefälle  des  Lambrechtbaches  stark  reducirt  worden,  so  dass  er 
schliesslich  nur  noch  feine  Gerolle  transportiren  konnte,  wie  sie  die 
Conglomeratplatte  zusammensetzen ;  und  dann  fand  nur  noch  eine 
Ablagerung  feinsten  Schlammes  statt. 

Die  Voraussetzung  dieser  Darlegung,  die  Annahme,  dass  in  der 
Tertiärzeit  noch  der  Neumarkter  Sattel  das  Flussniveu  darstellte, 
fand  unerwartet  schnell  eine  willkommene  Bestätigung.  Denn  östlich 
der  Station  St.  Lambrecht  fand  ich  das  wirkliche  Flussconglomerat  in 
einem  durch  den  Adelsberg  vor  der  Wegschatfung  durch  die  diluvialen 
Eismassen  bewahrten  Best.  Es  besteht  aus  den  Kalken  und  Schiefern 
der  Neumarkter  Gegend  und  beweist  also,  dass  es  nur  einem  Neben- 
fluss,  nicht  aber  der  Mur  selbst  seine  Entstehung  verdankt. 


I 


[11]  Ein  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzeit.  175 

Das  Mürzbecken. 

Wir  brachen  die  Skizzirung  der  geologischen  Position  unseres 
Tiängsthalzuges  an  dem  Punkte  ab,  wo  der  aus  Granatenglimrnerschiefer 
bestehende  Kamm  der  Niederen  Tauern,  aus  der  bisherigen  west- 
östlichen Richtung  in  die  nordwest-südöstliche  umschwenkend  und 
nach  Südost  weiterstreichend,  die  Seethaler  Alpen  sowie  die  Saualpe  ') 
bildet.  Auch  wurde  bereits  erwähnt,  dass  die  äussere  Contur  des 
Glimmerschieferzuges  sich  an  die  Bösenstein- Grössenbergmasse  an- 
lehnt, die  selbst  nur  einen  Theil  der  grossen  „nordsteirischen  Gneiss- 
masse" darstellt,  innerhalb  deren  die  weitere  Entwicklung  des  Längs- 
thals stattfindet,  bis  zu  seinem  Ausklingen  in  das  Wiener  Becken. 
Ueber  die  Structur  dieses  mächtigen  Gneissbogens  sind  wir  durch 
Vacek's^)  Arbeiten  unterrichtet. 

Die  nordsteirische  Gneissmasse  wiederholt  in  ganz  hervor- 
ragender Weise  den  Umriss  des  böhmischen  Massivs :  als  ein  breites 
Kreisbogensegment,  das  seine  Convexität  nach  Süden  wendet.  Und 
diese  Umbiegungsstelle  liegt  sogar,  wie  Vacek  hervorhebt,  im 
Meridian  von  Grein,  wo  die  Donau  den  südlichsten  Vorsprung  der 
alten  Masse  durchbricht^). 

In  tektonischer  Beziehung  erweist  sich  der  nordsteirische  Gneiss- 
bogen  als  ein  Haches  antiklinales  Gewölbe.  Seine  Axe  stellen  die 
Hornblendegneisse  dar,  welche  die  Hauptmasse  der  Rottenmanuer 
Alpen  (Bösensteingruppe),  der  Sekkauer-Alpen  (Zinkenkoglgruppe), 
der  Stubalpe  (Unibiegungsregion)  und  des  nach  Nordosten  weiter 
streichenden  Kammes  (der  Gleinalpe,  der  Hochalpe  und  des  Rennfeld- 
stockes) bilden. 

Daran  legt  sich  im  Norden  ein  Mantel  jüngerer,  grober,  flasriger 
und  porphyrischer  Gneisse,  die  in  den  Rottenmanuer  Alpen  sehr 
stark  entwickelt  sind,  am  Nordabfall  von  Glein-  und  Hochalpe  nur 
mehr  in  einer  schmalen  Zone  auftreten.  Ihre  volle  Entwicklung  tritt 
erst  weiter  nördlich^  im  Mürzthaler  Gneissgebirge  zutage,  zwischen 
Mürz-  und  Stübmingthal,  wo  die  Gesteine,  eben  jene  groben  Gneisse, 


^)  Vacek,  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R-A.  1890,  pag.  14. 

'')  Ueber  den  geologischen  Bau  der  Centralalpen  zwischen  Enns  und  Mur. 
Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1886,  pag.  71. 

Ueber  die  geologischen  Verliältnisse  des  Flussgebietes  der  unteren  Mürz. 
Verhandl.  d.  k.  k    geol.  R.-A.  1886,  pag.  45ö. 

Die  geologischen  Verhältnisse  des  Semmering.  Verhandl.  d.  k.  k.  geol. 
R.-A.  1888,  pag.  60. 

Ueber  die  geologischen  Verhältnisse  des  "Wechselgebietes.  Verhandl.  d.  k.  k. 
geol.  R.-A.  1889,  pag.  151. 

Ueber  die  krystallinische  Umrandung  des  Grazer  Beckens.  Verhandl.  d. 
k.  k.  geol.  R.-A.  1890,  pag.  9. 

Ueber  die  geologischen  Verhältnisse  des  Rosaliengebirges.  Verhandl  d.  k.  k. 
geol.  R.-A.  1891,  pag.  309. 

Ueber  die  krystallinischen  Inseln  am  Ostrande  der  alpinen  Centralzone. 
Verhandl.  d    k.  k.  geol    R.-A.  1892,  pag.  367. 

Einige  Bemerkungen  über  das  Magnesitvorkommen  am  Sattlerkogel  in  der 
Veitsch  und  die  Auffindung  einer  Carbonfauna  daselbst.  Verhandl.  d.  k.  k.  geol. 
R.-A.   1898,  pag.  401. 

')  Vacek,  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1886,  pag.  73. 


176  Karl  Oestreich.  [12] 

dcas  normale  nordwestliche  Einfallen  verrathen.  Und  einen  abge- 
sprengten Rest  dieses  tektonischen  Gliedes  müssen  wir  wohl  in  der 
Pretulalpe  sehen,  die  südöstlich  der  Mürz  in  der  Nachbarschaft  des 
Wechselstockes  liegt.  Sie  ist  aus  den  gleichen  Gesteinen  zusammen- 
gesetzt und  zeigt  das  gleiche  nordwestliche  Einfallen  '). 

Auf  der  Südseite  scheinen  die  Gesteine  der  zweiten  Gneissstufe 
verschwunden  zu  sein,  wenn  nicht  die  Gneisse  des  Grössenbergs 
schon  zu  dieser  zu  stellen  sind,  wie  Geyer  2)  annehmen  möchte. 

Nach  der  älteren  Anschauung  3)  fand  hier,  an  der  südlichen 
Biegung  des  nordsteirischen  Gneissbogens,  eine  tektonische,  nicht  nur 
eine  orographische  Gabelung  statt.  Man  nahm  an,  dass  der  Nordwest- 
Südost  streichende  Bösenstein-Grössenbergzug  in  gleicher  Richtung 
weiterstreiche  und  die  Koralpe  zusammensetze,  und  dass  am  Speik- 
kogl  (der  Stubalpe)  ein  neuer,  südwest-nordöstlich  ziehender  Gneisszug 
einsetze.  Aber  der  Speikkogl  ist  nur  in  orographischer  Hinsicht  ein 
Knotenpunkt.  Denn  nach  V  a  c  e  k's  *)  Untersuchungen  besteht  die 
Koralpe  gar  nicht  aus  Gneiss,  sondern  aus  den  Gesteinen  der  nächst 
jüngeren  Granatenglimnierschiefergruppe. 

Weiter  nach  Osten  zu ,  also  in  dem  Südwest  -  nordöstlich 
streichenden  Bogenstück  der  steirischen  Masse,  taucht  das  tiefste 
Glied,  der  Hornblendegneiss,  unter.  Erst  im  Rosaliengebirge  ragt  er 
wieder  in  einigen  Kuppen  über  die  groben  Gneisse  hervor,  die  nun 
nach  langer  Unterbrechung  in  etwas  veränderter  Streichrichtung  an 
die  Axe  des  Gebirges  von  Süden  herantreten,  östlich  der  Feistritz 
den  Rabenwald,  Presenberg,  Masenberg  und  die  Mulde  des  Wechsel- 
stockes zusammensetzen.  Die  Tiefenlinie  dieser  Mulde  hebt  sich  nach 
Nord-Nordost  zu:  daher  das  vorerwähnte  Wiederauftauchen  der 
tiefsten  Bildungen  im  Rosaliengebirge. 

Dagegen  fehlt  hier,  wie  überhaupt  auf  der  ganzen  Südseite  des 
Gneissbogens,  der  körnige,  sogenannte  „Blasseneck"  5)-Gneiss,  der 
auf  der  Nordseite  in  bedeutender  Mächtigkeit  normal  auf  die  groben 
Gneisse  des  Mürzthales  folgt.  Er  lässt  sich  aus  der  Eisenerzer  Gegend, 
also  von  dem  Gneissbezirk  der  Bösensteingruppe  durch  jüngere 
Bildungen  getrennt,  zunächst  in  breiter  Entwicklung  durch  das  obere 
Tragössthal,  längs  der  Nordhänge  des  Stübmingthals,  durch  die 
oberen  Veitschthäler,  dann  in  einem  schmalen  Zug  in  die  Prein 
verfolgen,  und  tritt  in  drei  Kuppen,  dem  Kreuzberg,  dem  Kober- 
mannsberg  und  dem  Gotschakogl,  noch  in  der  Semmeringgegend 
zutage. 

So  stellt  die  grosse  nordsteierische  Gneissmasse  nur  noch  einen 
Torso  dar,  vielfach  umlagert  von  Trümmern  und  Fragmenten  und 
erfüllt  von  den  Gesteinen  der  Quarzphyllitgruppe.  Denn  der  Granaten- 
glimmerschiefer, der  im  oberen  Murbecken  die  Ausfüllung  zwischen 
den    Gneissmassiven    darstellt,    fehlt    innerhalb    des    nordsteirischen 


')  Vacek,  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1888,  pag.  61. 
'')  Geyer,  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1890,  pag.  200. 
^)  Stur,  Geologie  der  Steiermark,  pag.  13. 
*)  Vacek,  Verband),  d.  k.  k.  geol.  R.-A.   1890,  pag,  13. 
5)  Foul  Ion,  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.   1886,  pag.  88  und  111. 
Vacek,  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R -A.  1891,  pag.  311. 


[13]  Ein  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzeit.  177 

Gneissbogens  gänzlich.  Die  Thatsache  jedoch,  dass  er  auf  der  Aussen- 
seite  desselben  vorhanden  ist,  fuhrt  uns  zur  Annahme,  dass  zur 
Zeit  seiner  Bildung  die  Gneissmassen  noch  nicht  die  tiefgehende 
Zerstörung  erlitten  hatten,  welche  die  erneute  Transgression  und 
Ablagerung  ermöglichten.  Dieser  Zeitpunkt  trat  erst  zur  Zeit  der 
Bildung  der  Gesteine  der  Quarzphyllitgruppe  ein,  immer  voraus- 
gesetzt, dass  Vacek's  Aufstellung  von  grossen  transgredirenden 
Formationen  in  diesen  ältesten  Schichtbildungen  Geltung  hat. 

Die  Quarzphyllitserie  beginnt  im  Innern  des  nordwestlichen  und 
südlichen  Bogenstückes  mit  einem  Conglomerat  i),  über  dem  sich 
zunächst  Gesteine  von  gneissartigem  Habitus  aufbauen,  sodann  die 
ganze  Masse  der  Phyllite,  deren  Streichen  in  dieser  Gegend  voll- 
ständig dem  der  Gneisse  entspricht  2). 

Berücksichtigt  man  ferner  Vacek's  Angabe,  dass  die  Quarz- 
phyllite  vom  Wechselstock  allseitig  abfallen,  so  könnte  man  die 
Vermuthung  aussprechen,  dass  die  Schichtstörung  der  Phyllitgruppe 
nur  eine  Begleiterscheinung  der  Faltung  des  Gneissgebirges  war,  und 
dass  diese  (Ur-)  Faltung  also  in  verhältnismässig  später  Zeit,  erst 
nach    der   grossen    Abtragung   und   erneuten  Transgression,  stattfand. 

Ob  die  Aufsteilung  dieses  Begriffes  einer  Quarzphyllitgruppe 
eine  endgiltige  sein  wird,  ist  heute  schwer  zu  entscheiden ;  schon 
jetzt  sind  Bildungen  dreier,  durch  Fossilfunde  charakterlsirter  Forma- 
tionen im  Verbreitungsgebiet  derselben  nachgewiesen. 

Im  nordwestlichsten  Winkel,  anschliessend  an  den  inneren 
Rand  der  Gneisszone,  erheben  sich  die  Kalkmassen  der  Eisenerzer 
Alpen.  Sie  liegen  nach  der  geltenden  Anschauung  als  transgredirende 
Schichtreihe  auf  dem  Blasseneck-Gneiss  oder  den  Gesteinen  der 
Quarzphyllitgruppe  auf,  am  Abfall  des  Reiting  gegen  das  Trofajacher 
Becken  in  einer  Mächtigkeit  von  mehr  als  1000  m.  Da  uns  aber  keine 
Detailarbeiten  über  diese  Gebilde  zur  Verfügung  stehen,  lässt  sich 
zur  Zeit  nicht  entscheiden,  ob  weiter  gegen  Osten  hin  eine  gewaltige 
Abtragung  ungeheure  Mengen  von  Sediment,  eine  allgemein  verbreitete, 
mächtige  Kalkplatte,  weggeschafft  hat,  oder  ob  die  heute  erhaltenen 
Kalkstöcke  nur  Linsen  in  den  Quarzphylliten  darstellen,  gleichzeitige 
Bildungen,  und  in  einem  andersartigen  Medium  entstanden. 

Im  Liegenden  der  Eisenerzer  ^)  Kalke,  in  den  pyritführenden 
Thonschiefern,  sind  Orthoceren  gefunden  worden.  Und  zwar  ähnelt 
dieses  Vorkommen  in  Gesteinscharakter  sowie  Erhaltungsart  der 
Fossilien  dem  der  zuerst  entdeckten  nordalpinen  Silurfauna,  der 
Fauna  von  Dienten*)  (nördlich  von  Lend  im  Unterpinzgau),  derartig, 
dass    man    auch    die    Eisenerzer    Thonschiefer   ins    Obersilur    stellte 


^)  Verhandl  d.  k.  k.  geol.  R.-A  1890,  pag.  16.  Berichtigung  der  daselbst 
1886,  pag.  73  f.  ausgeführten  Ansicliten  von  der  Zusammensetzung  des  Gneiss- 
profils,  nach  denen  das  Conglomerat  und  die  hangenden  Schiefergneisse  noch  zur 
Gneissserie  gehören. 

2)  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.   1886,  pag.  76. 

^)  Stäche,  Ueber  die  Fossilfunde  von  Eisenerz.  Verhandl.  d.  k.  k.  geol. 
R.-A.  1879,  pag.  216. 

*)  Hai  ding  er  Berichte  1846,  I.,  pag.  187;  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1854, 
pag.  371.  —  Stur,  Geologie  der  Steiermark,  pag.  92.  —  Stäche,  1.  c. 
Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1899,  49.  Band,  l.  Heft.  (K.  Oestreich.)      23 


178  Karl  Oestreich.  [14] 

(Etage  E,  Bar  ran  de).  Die  tieferen  Lagen  der  Kalke,  die  gelb-  und 
rothgefleckten  Sauberger  Kalke,  enthalten  Reste  von  Brordeus  und 
anderen  unterdevonischen  Formen  (Fund  vielleicht  G  Bar  ran  de). 
Nach  oben  gehen  diese  Kalke  in  gleichmässig  grau  gefärbte  über, 
und  das  Hängendste  bildet  das  berühmte  Eisenerzer  Spatheiseustein- 
lager.  Nach  Stur')  ist  auch  in  einem  aus  dem  Spatheisenstein 
stammenden  Handstück  Spirifer  cf.  heterodytus  v.  Buch  gefunden,  so 
dass  das  Erzlager  gleichfalls  ins  Devon  zu  stellen  wäre.  Doch  glaubt 
Vacek,  der  diesen  Fund  nicht  mehr  erwähnt,  dass  die  Eisenstein- 
formation eine  spätere,  vielleicht  permische  ^)  Transgression  auf  den 
in  längerer  Festlandsperiode  mannigfach  ausgestalteten  und  abge- 
tragenen silurisch-devonischen  Untergrund  darstellte. 

Beide  Gebilde,  Kalk  und  Eisenstein,  treten  im  Innern  des 
Gneissbogens  allenthalben  auf,  in  grösseren  und  kleineren  Zügen  und 
Lappen,  aber  eine  stratigraphische  Fixirung  ist  bei  dem  Mangel  an 
bezeichnenden  Fossilien  zur  Zeit  unmöglich. 

Dagegen  ziehen  zwei  durch  Pflanzen  charakterisirte  Züge  von 
carbonischem  Schiefer  und  Kalk,  dem  Gesammtstreichen  entsprechend, 
einerseits  aus  dem  Ennsthal  bis  in  die  Gegend  des  Murdurchbruchs 
bei  Brück,  und  anderentheils  aus  der  Gegend  nordwestlich  davon  bis 
über  den  Semmering.  In  den  Schiefern  des  nördlichen  Zuges  wurden 
durch  Toula^)  bei  Klamm  am  Semmering,  in  denen  des  südlichen 
im  Pressnitzthal  bei  St.  Michael  an  der  Mur  durch  J  e  n  u  1 H)  Pflanzen 
der  Schatzlarer  Schichten,  also  des  Obercarbon,  gefunden.  Und  dieser 
stratigraphischen  Fixirung  widerspricht  auch  die  von  K  o  c  h  5)  als 
Untercarbon  gedeutete  Fauna  von  Veitsch  nicht,  da  auf  dieses  Alter 
mehr  aus  der  Aehnlichkeit  mit  bestimmten  untercarbonischen  Marin- 
faunen, als  aus  einem  ausschliesslich  untercarbonischen  Charakter  der 
Fossilien  geschlossen  wurde  ^j. 

Einige  für  das  Gesammtbild  unwesentliche  Züge  mögen  hier 
übergangen  werden ;  dagegen  soll  späterhin  eine  kurze  Discussion 
der  entgegengesetzten  Anschauungen  über  die  geologischen  Verhält- 
nisse des  Semmering  folgen,  da  er  als  Träger  einer  Thalwasserscheide 
von  besonderem  Interesse  für  unsere  Darstellung  sein  muss. 

Im  Norden  des  vom  nordsteirischen  Gneissbogen  umgrenzten 
Gebietes  findet  die  Auflagerung  des  triadischen  Gebirges,  der  nörd- 
lichen  Kalkalpen,    statt.    Es    sind   das    die    schollenförmigen,    durch 


')  Stur,  Geologie  der  Steiermark,  pag.  94.  —  Stäche,  1.  c. 

»)  Verband],  d.  k.  k    geol.  R.-A.  1886,  pag.  82. 

^)  Verband!,  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1871,  pag.  241. 

Toula,  Geologiscbe  üntersucbungen  in  der  „Grauwackenzone"  der  nord- 
östlicben  Alpen.  Denkschriften  der  kaiserl.  Akademie  der  Wissenschaften  1885, 
Bd.  L,  pag.  133. 

*)  Stur,  Funde  von  untercarbonischen  Pflanzen  der  Schatzlarer  Schichten 
am  Nordrand  der  Centralkette  in  den  nordöstlichen  Alpen.  Jahrb.  d.  k.  k.  geol. 
R.-A.  1883,  pag.  189. 

^)  M.  Koch,  Mittheilung  über  einen  Fundpunkt  von  Uutercarbon  in  der 
Grauwackenzone  der  Nordalpen.  Zeitschrift  d.  Deutsch,  geol.  Ges.  1893,  XLV., 
pag.  294. 

«)  Vacek,  Verhandl.  d.  k.  k.  geol    R.A.  1893,  pag.  402  f. 


[15] 


Ein  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzeit. 


179 


Brüche    deformirten    Kalkhochplateaus    des   Hochschwab,   der    Hoch- 
veitsch,  der  Schneealpe,  der  Raxalpe  und  des  Schneeberg. 

Sie  lagern  im  Westen  auf  den  palaeozoischen  Kalkmassen,  weiter 
im  Osten  meist  auf  dem  sogenannten  Blasseneck-Gneiss.  Und  als 
Beispiel  für  die  Art  ihrer  Auflagerung  möge  hier  ein  Profil  vom 
Reichenstein  der  Eisenerzer  Alpen  zur  Griesmauer  der  Hochschwab- 
gruppe, von  Südsüdwest  nach  Nordnordost  gesehen,  folgen. 


ZISff 


:l88ff 


Fig. 


201^ 


1.  Palaeozoischer  Kalk. 

2.  Grundconglomerat  des  Mesozoicums. 

3.  Sandstein, 

4.  Werfener  Schiefer. 

5.  Unterer  Triaskalk. 


Halten  wir  uns  das  soeben  dargestellte  geologische  Bild  vor 
Augen,  so  werden  wir  gemäss  der  Thatsache,  dass  sich  zwischen  die 
Hauptmasse  der  Gneisse  und  das  Kalkhochgebirge  die  Zone  der 
Quarzphyllite  einschiebt,  innerhalb  dieser  weicheren  Schichten  die 
Entwicklung  eines  grossen  Längsthaies  erwarten.  In  der  That  ist 
dieses  bogenförmig  gerichtete  Längsthal  vorhanden.  Li  seiner  nord- 
west-südöstlich  verlaufenden  Theilstrecke  trennt  eine  niedere  Thal- 
wasserscheide, der  in  nur  849  m  Meereshöhe  gelegene  Schoberpass, 
die  durch  die  Palten  zur  Enns  abfliessenden  von  den  durch  die  Liesing 
nach  Südosten  strömenden  Gewässern.  Der  Umbiegung  der  Gneiss- 
massen entsprechend,  schwenkt  auch  das  Längsthal  in  die  Südwest- 
Nordost-Richtung  um,  die  es  bis  zu  seinem  Ende  beibehält.  Die  von 
Norden  her  einmündenden  Nebenflüsse  erniedrigten  im  Laufe  der 
Erdperioden  das  von  ihnen  durchströmte  Gebiet,  und  es  entstand  ein 
förmliches  Becken,  das  man  nach  dem  Flusslauf,  der  relativ  am 
längsten  die  erwähnte  Längsthaifurche  benutzt,  das  „Mürzbecken" 
nennen  kann. 

Li  dieses  östliche  Becken  tritt  die  Mur  ein.  Aber  nur  eine 
sehr  energische  Gebirgsbewegung,  nur  eine  solche,  die  gänzlich  neue 

23* 


180  Karl  Oestreich.  [16] 

Reliefverhältiiisse  schaffen  musste,  konnte  die  Mur  veranlassen,  ihre 
natürliche  Abfiusslinie,  die  Gesteinsgrenze  zwischen  Glimmerschiefer 
(Seetlialer  Alpen)  und  Gneiss  (Grössenberg)  zu  verlassen,  um  in 
gänzlich  neuer  Richtung,  in  Südwest-nordöstlicher,  statt  wie  bisher  in 
west-östlicher,  sich  ein  Bett  quer  durch  den  breiten  nordsteierischen 
Gneissbogen  zu  suchen. 

In  unserem  Falle  liegt  die  Ursache  klar  vor  Augen,  Bedeutende 
Einbrüche  innerhalb  der  Gneisszone  lenkten  die  Mur  ab,  und  diese 
floss  nun,  anstatt  wie  früher  über  den  Obdacher  Sattel  in  die  Meeres- 
bucht des  mittleren  Lavantthales,  nunmehr  durch  das  Judenburger 
und  das  Sekkauer  Becken  in  das  Längsthal  am  Innenrand  des  nord- 
steierischen Gneissbogens  ein. 

Der  Nachweis,  dass  die  erwähnten  Becken  in  der  That  Ein- 
brüche darstellen,  ist  ohne  eine  specielle  Untersuchung  des  Grund- 
gebirges naturgemäss  nicht  zu  erbringen. 

Doch  ist  die  Umgrenzungslinie  der  Beckenlandschaft,  die  man 
nach  dem  centralgelegenen  Knittelfeld  das  Knittelfelder  Becken 
nennen  mag,  eine  durchaus  vom  allgemeinen  Gebirgsbau  unabhängige, 
und  beide  Einzelbecken,  das  Judenburger  wie  das  von  Sekkau,  zeigen 
ganz  eigenthümliche,  geradlinige  Conturen,  wie  sie  gewöhnlich  durch 
Brüche  entstehen.  Von  gewisser  Bedeutung  für  diese  Betrachtung  ist 
das  Vorkommen  von  Säuerlingen,  wie  des  von  Sauerbrunn  bei  St.  Marein 
am  Ostrand  des  Sekkauer  Beckens,  und  von  Sauerbrunn  unter  dem 
Pölshals,  oberhalb  Judenburg. 

Auch  die  grosse  Serpentinmasse  von  Kraubath  ')  deutet  auf 
vulkanische  Thätigkeit,  also  auf  die  Existenz  einer  Bruchspalte. 

Auf  die  Störungen,  welche  die  jüngeren  Bildungen  innerhalb 
der  Beckenlandschaft  erlitten,  werden  wir  später  einzugehen  haben; 
vielleicht  können  sie  uns  genauere  Anhaltspunkte  für  die  Geschichte 
der  Durchbruchsstrecke,  für  etwaige  Nachsenkungen  innerhalb  des 
Beckens  geben. 

Das  Judenburger  Becken  hat  zwei  HauptÜüsse.  die  Mur  und  die 
Pols,  die  von  dem  1265  m  hohen  Hohentauernpass  herabkommt.  An 
einer  merkwürdigen  Stelle,  wenige  Kilometer  oberhalb  ihres  Eintritts 
in  das  Becken,  nähert  sich  die  Pols  der  Mur  auf  einen  Kilometer. 
Es  ist  der  sogenannte  „Pölshals",  ein  Sattel  in  einer  Meereshöhe 
von  811  m,  100  m  über  dem  Bett  der  Mur,  aber  nur  13  m  über  dem 
Spiegel  der  Pols.  Die  Mur  hat  hier  also  viel  tiefer  erodirt,  viel- 
leicht unter  dem  Einfluss  der  Vergletscherung,  vielleicht  auch,  weil 
die  Region  ihrer  Einmündung  in  das  Judenburger  Becken  eine  tiefere 
Senkung  erfuhr.  Zudem  deutet  der  erwähnte  Sauerbrunn  unter  dem 
Pölshals  auf  tektonische  Störungen.  Auch  innerhalb  des  Beckens  hat 
die  Mur  durch  schnellere  und  tiefere  Erosion  auf  eine  längere  Strecke 
hin  die  Pols  abgedrängt  und  sie  gezwungen,  bis  etwa  in  die  Mitte 
des  Beckens  ihr  parallel  zu  fliessen. 

Seiner  Form  nach  stellt  das  Judenburger  Becken  ein  recht- 
winkeliges Dreieck  dar,  dessen  Basis,  die  Nordseite,  eine  Länge  von 
über  15  Kilometer,  dessen  Höhe,  also  Nord-Süd- Ausdehnung  in  ihrer 


')  Vacek,  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1886,  pag.  83. 


[17]  Kin  alpines  Längsthal  zur  Tertiärreit.  181 

grössten  Breite,  über  1(J  Kilometer  beträgt.  Als  Granitzenbach  fiiesst 
das  von  uns  angenommene  alte  Laufstück  der  Mur  vom  Obdacher 
Sattel  herunter  von  Süden  her  in  das  Becken  ein,  und  von  Norden 
empfängt  die  Mur  das  weitverzweigte  System  des  Ingeringbaclies. 

Aus  dem  Judenburger  Becken  tritt  sie  sodann  in  das  Sekkauer 
Becken,  das  gleichfalls  dreieckige  Gestalt  zeigt;  doch  wird  hier  die 
Basis  von  der  zugleich  vom  Flusse  selbst  benützten  südöstlichen 
Seite  gebildet.  Die  Erklärung  der  merkwürdigen  Abfiussverhältnisse 
dieses  Beckens  hat  uns  später  zu  beschäftigen.  Für  jetzt  mögen 
einige  kurze  Hinweise  genügen,  vor  allem,  dass  es  in  ein  inneres, 
westliches  Becken,  das  obere  Ingeringgebiet,  und  in  ein  äusseres, 
das  eigentliche,  direct  zur  Mur  entwässerte  Sekkauer  Becken,  zerfällt. 
Dieses  ist  wiederum  anfänglich  durch  eine  Reihe  von  niederen  Gueiss- 
hügeln  vom  heutigen  Murthal  abgeschlossen.  Weiterhin  hat  sich  die 
Mur  durch  den  Serpentinzug  von  Kraubath  ein  echtes,  enges  Durch- 
bruchthal,  ein  Thal  im  Thale,  ausgenagt,  während  das  eigentliche 
Becken  in  einer  schmalen,  thalartigen  Erniedrigung  zwischen  dem 
Serpentinzug  im  Südosten  und  dem  Gehänge  des  Gneissgebirges  im 
Nordwesten  seine  Fortsetzung  findet. 

Auf  dem  hiemit  skizzirten  Weg  durchbricht  die  Mur  das  nord- 
steierische Gneissgebirge  und  tritt  in  das  grosse  Längsthal  des  Mürz- 
beckens  als  dessen  Hauptfluss  ein. 

Es  ist  eigenthümlich,  dass  sie  in  der  Durchbruchsregiou  bereits 
die  Richtung  ihres  späteren,  tektonisch  bedingten  Längsthailaufes 
zeigt,  noch  eigenthümlicher  jedoch,  dass  sie  nach  der  kurzen  Strecke 
von  20  hm  wiederum  das  Längsthal  verlässt,  um  die  Gneisszone  von 
neuem  zu  durchbrechen  und  nach  Südost  durch  das  Devongebirge 
die  pannonische  Tiefebene  zu  erreichen. 

An  dieser  Stelle,  dem  sogenannten  „Murknie"  bei  Brück  an  der 
Mur,  haben  wir  in  etwa  480  m  ')  die  tiefste  Stelle  unseres  Längsthal- 
zuges.  Von  da  an  hebt  sich  der  Boden  des  nun  von  der  Mürz  be- 
nutzten Läugsthales  und  hat  bei  Mürzzuschlag,  wo  die  den  nördlichen 
Kalkalpen  entströmende  Mürz  in  das  Längsthal  einmündet,  bereits 
eine  Höhe  von  672  m.  Dieses  zieht  nun  als  Fröschnitzthal,  darauf 
als  unteres  Dürrgrabenthal  hinauf  zu  der  Semmeringscharte  in  980  w, 
und  findet  in  einiger  Entfernung  jenseits  eine  geradlinige  Fort- 
setzung im  Auethal.  Und  das  Auethal  vereinigt  sich  bei  Gloggnitz  mit 
der  parallel  der  Mürz  aus  dem  Triasgebirge  kommenden  Schwarza 
und  fliesst  unter  dem  Namen  der  letzteren,  immer  in  der  Südwest- 
Nordostrichtung,  in  das  Wiener  Becken  hinaus,  als  einer  der  QuellHüsse 
der  Leitha. 

Nach  dieser  Richtung  hin  findet,  entsprechend  der  Nachbarschaft 
der  vom  Einbruch  des  Wiener  Beckens  betroffenen  Landschaft,  die 
Erniedrigung  bedeutend  schneller  statt.  Keine  10  Kilometer  Luft- 
linie von  der  Pnsshöhe  entfernt,  bei  Gloggnitz,  ist  die  Thalsohle  be- 
reits in  nur  noch  400  ni  Meereshöhe  gelegen. 

Sieht  man  vom  Durchbruch  der  Mur  in  das  Tiefland  ab,  so  ist 
die  Stromgebietsentwicklung  auf  der  Südseite  längs  der  ganzen  Strecke 


')  Position  von  Brück  a.  d.  Mur  487 


182  Karl  Oestreich.  [18] 

vom  Beginn  des  ersten  Durchbriichs  bis  zum  Semmering  auf  eine 
schmale  Zone  von  wenigen  KilometeiMi  beschränkt ;  die  Wasserscheide 
ist  vom  Thal  aus  stets  sichtbar.  Und  ein  Nebenthal  ist  nur  an  einer 
Stelle  vorhanden,  in  der  Breitenau,  an  der  Grenze  zwischen  dem 
Gneiss  des  Rennfeldes  und  dem  devonischen  Kalkgebirge  des  Hoch- 
lantsch.  Der  Breitenauer  Bach  fliesst  der  Mürz  parallel  und  ergiesst 
sich  in  die  Mur  kurz  nach  ihrer  Einlenkung  in  die  nordwest-südöst- 
liche  Richtung. 

Umso  complicirter  erweist  sich  das  ausgedehnte  nördliche  Strom- 
gebiet der  Mur-Mürzfurche.  Sie  empfängt  aus  den  palaeozoischen  und 
triadischen  Kalkalpen  sieben  grössere  Zuflüsse,  und  unter  diesen 
findet  ein  auffälliger  Wechsel  von  Flüssen  ohne  seitliche  Stroment- 
wicklung und  Flüssen  mit  solcher  statt.  Es  entsprechen  dem  ersteren 
Typus :  Liesing,  Lamming-  (Tragöss-)  Bach,  Veitsch  ;  dem  letzteren : 
Vordernberger  Bach,  Stübming-Thörlgraben,  Mürz. 

Das  Ostgehänge  des  Liesingthales  ist  nicht  geschlossen.  Es 
öffnet  sich  südlich  der  grossen  palaeozoischen  Kalkmasse  des  Reiting 
gegen  Osten,  gegen  das  Becken  von  Trofajach,  das  von  dem  Vordern- 
berger Bach  entwässert  wird.  Da  das  Trofajacher  Becken  von  dem 
Murthal  durch  eine  aus  Kalk  und  Phyllit  bestehende  Barre  getrennt  ist, 
kann  man  hier  von  einem  Doppelthal  sprechen ;  und  dieses  nördliche 
Nebenthal  scheint  gegen  das  östlich  folgende  Lammingbachthal  durch 
einen  eigenthümlichen  Thalzug  fortgesetzt  zu  werden.  Vom  Trofajacher 
Becken,  also  von  einer  Meereshöhe  von  rund  600  m,  zieht  dieser 
durch  das  Lain-Trasthal  auf  einen  Sattel  von  1194  m  Meereshöhe, 
durch  das  obere  Kletschachthal  zu  einem  Sattel  in  1022  m,  dann 
durch  das  Unterthal  auf  einen,  der  1000  m  nicht  erreicht,  und  direct 
im  Gehänge  ober  dem  Lammingbachthale  gelegen  ist.  Ganz  besonders 
auffällig  ist  die  scharfe  rechtwinkelige  Umbiegung,  mit  der  Kletschach- 
bach  und  Unterthalbach  die  Längsfurche  verlassen,  um  in  kurzen 
Querthalstrecken  der  Mur  zuzueilen.  Oestlich  vom  Lammingbachthal, 
das  nur  ein  ganz  schmales  Stromgebiet  besitzt,  haben  wir  die  lange 
Längsfurche  des  Stübmingthales,  ein  typisches  Nebenthal,  100 — 200  m 
über  dem  Mürzthal  gelegen.  Es  wird  von  sechs  Absüüssen  des  Hoch- 
schwab gespeist  und  ergiesst  sich  durch  den  schluchtartigen  Thörl- 
graben  in  die  Mürz,  Es  erscheint  in  keiner  Weise  geologisch  bedingt 
und  ist  in  den  Gneiss  eingebettet,  den  sein  Ausfluss  durchbricht. 

Minder  deutlich  ist  das  Doppelthal  im  oberen  Lauf  der  Veitsch- 
thäler  erhalten,  während  die  Mürz  mit  der  kurzen  Strecke  ihres 
westöstlichen  Laufes  und  ihrem  östlichen  Zufluss,  dem  Raxenthal, 
diesen  Typus  sehr  gut  darstellt.  Das  Raxenthal  ist  wiederum  durch 
zwei  niedrige  Joche  nach  dem  Preinthal,  einem  Seitenthal  der 
Schwarza,  fortgesetzt. 

Fassen  wir  alles  zusammen,  so  ergeben  sich  als  Besonderheiten 
für  das  Flusssystem  des  Mürzbeckens :  Der  Einbruch  der  Mur  von 
Südwesten  her,  der  Durchbruch  der  Hauptentwässerungsader  nach 
Südosten  zu  durch  das  Gneissgebirge,  die  Thalwasserscheiden  im 
Nordwesten  und  Nordosten  des  grossen  Längsthals  und  das  auf  weite 
Strecken  hin  entwickelte  Doppelthal.  Auffällig  ist  ferner,  dass  der 
in  der  Gegend  des  Murkniees  mündende  Lammingbach  die   Richtung 


[19]  Ein  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzeit.  Ig3 

senkrecht  auf  das  Liliigsthal  zeigt,  dieselbe  Riclitung,  die  in  seiner 
geradlinigen  Fortsetzung  die  Mur  nach  ihrem  Austritt  aus  dem 
Längsthal  befolgt. 

Es  erübrigt  noch,  andeutungsweise  über  die  Region  der  grossen 
Wasserscheide  des  Semmering,  der  höchsten  Stelle  unseres  Längs- 
thalzuges  seit  dem  Lungau,  die  entgegenstehenden  Anschauungen  ^) 
zu  beleuchten. 

Im  grossen  und  ganzen  ist  das  die  Gegend  der  Auflagerung 
der  Trias  auf  dem  Grundgebirge.  Aber  ausser  diesen  durch  Petre- 
factenfunde  in  der  Hauptsache  als  Dachsteinkalk  charakterisirten 
Kalkmassen  kommen  hier  mächtige  Massen  von  fossilleerem  oder 
nur  Crinoidenstielglieder  führendem  Kalk  und  Dolomit  vor,  als  auf 
dem  Grundgebirge  transgredirender  Gebilde.  Man  bezeichnete  sie 
als  Kalke  der  Grauwackenzone,  bis  Toula's  Funde  eine  Räthfauna  "^j 
in  diesen  Kalken  nachwiesen.  Toula  zeichnete  daher  den  ganzen 
Kalkcomplex  auf  seinem  Uebersichtskärtchen  als  zur  Trias  gehörig 
ein,  während  Vacek  den  Zusammenhang  mit  den  weiter  im  Westen 
folgenden,  vom  Carbon  ^)  überlagerten  Kalkmassen  betonte  und  nur 
die  sicher  triadischen  Kalke  und  gypsführenden  Schiefer  als  trans- 
gredirende  Triasfetzen  betrachtet,  als  triadische  Ausfüllung  einer 
alten  Erosionsmulde.  Vacek's  Anschauung  wird  vielfach  bekämpft, 
doch  geht  sie  von  der  richtigen  Grundansicht  aus,  dass  längere 
Festlandsperioden  unter  normalen  Verhältnissen  die  Bildung  von 
Thälern  und  Erosionsbecken  bewirken  müssen.  Daher  muss  die  Ab- 
lagerung einer  neuerlichen  Meeresbedeckung  in  diese  Hohlformen 
zuerst  buchtförmig  eingreifen  und  in  ihnen  auch  in  späteren  Erosions- 
perioden am  ehesten  vor  der  Denudation  bewahrt  bleiben.  Besteht 
nun  eine  Discordanz  zwischen  den  grossen  Semmeringkalkmassen 
und  den  sicher  triadischen  Kalken? 

Man   kann    die    Frage    mit    Ja    beantworten,   wie    mir    scheint. 

Die  triadischen  Kalke  fallen  auf  der  Semmeringhöhe  gegen 
Nordwest,  auch  weiter  im  Osten,  zwischen  Schottwien  und  Mariaschutz, 
sind  sie  ungefähr  gegen  Nord  geneigt.  Auch  die  Kalkschiefer  am 
Myrthenbrückl,  die  Vacek  allerdings  zu  den  palaeozoischen  Kalken 
stellt,  fallen  Nord-Nordwest.  Dagegen  die  Kalke  des  Sonnwendstein 
über  ihnen  fallen  nach  Süd,  und  auch  für  die  Kalke  über  den 
rhätischen  Kalkschiefern  der  Passhöhe,  die  Kalke  des  Pinkenkogels, 
finde  ich  in  meinen  Notizen  eine  Südwest-Richtung  verzeichnet. 
Nördlich,  in  den  Adlitzgräben  und  bei  Klamm,  verzeichnet  Toula 
dagegen  ein  nördliches  Einfallen. 

Um  diese  Daten  zu  vereinigen,  möge  es  gestattet  sein,  eine 
Antiklinale  der  grossen  Kalkmassen  des  Semmering  anzunehmen, 
deren  Axe  zwischen  dem  Hauptthal  und  den   Adlitzgräben    verlaufen 


^)  Toula,  Geologische  Untersuchungen  in  der  „Grauwackenzone"  der  nord- 
östlichen Alpen.  Denkschriften  der  kaiserl.  Akademie  der  Wissenschaften  Wien 
1885,  Bd.  L,  pag.   121. 

Vacek,  Ueber  die  geologischen  Verhältnisse  des  Semmeringgebietes.  Ver- 
band!, d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1888,  pag.  60. 

^)  Toula,  1.  c.  pag.  138. 

^)  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1886,  pag.  460. 


184  Karl  Oestreich.  [20] 

würde,  so  dass  die  Kalke  des  Pinkenkogels  (nördlicli  vom  Hauptthal) 
in  ihrer  tektonischen  Stellung  denen  des  Sonnwendstein  gleich- 
kommen. Und  unregelmässig  in  den  Sattel  und  den  Südflügel  der 
Antiklinale  eingesenkt,  würde  eine  Erosionsmulde  erscheinen,  in  der 
die  Trias  zur  Ablagerung  kam. 

Durch  eine  weitere  Aehnlichkeit  von  Gesteinen  verschiedener 
Altersstufen  wird  eine  zweite  Complication  geschaffen.  Quarzite  und 
quarzitische  Schiefer  finden  wir  in  Verbindung  mit  den  rhätischen 
Kalken,  und  Quarzite  sind  ein  weitverbreitetes  Schichtglied  im 
ganzen  östlichen  Bezirk  der  Phyllite  und  Kalke. 

Die  ältere  Aufnahme,  die  von  Toula,  scheidet  daher  die 
Quarzite  einheitlich  aus.  Vacek  schied  von  der  Quarzitstufe,  die 
sich  ihm  als  ein  palaeontologisch  noch  nicht  fixirter  Horizont  im 
Liegenden  der  palaeozoischen  Kalke  darstellt,  die  triadischen  Quarzit- 
schiefer  aus  und  unterschied  daher  in  den  triadischen  Bildungen  von 
unten  nach  oben  drei  Glieder: 

1.  Feingefältelte,  sericitische  Thonschiefer  (grau,  lichtgrün, 
blassviolett), 

2.  eine  nur  wenige  Meter  mächtige  Kalkabtheilung, 

3.  obere,  gypsführende,  im  übrigen  den  unteren  ähnliche 
Schiefer. 

Erhalten  sind  diese  Schichten,  ausser  in  mehreren  kleinen 
Vorkommnissen,  in  zwei  bedeutenderen,  auf  der  Semmeringhöhe 
selbst  und  in  der  Mulde  von  Mariaschutz. 

Auch  die  Vacek'sche  Auffassung  erklärt  vielleicht  noch  nicht 
alles,  doch  trägt  sie  ganz  wesentlich  zur  Vereinfachung  und  Klärung 
bei,  so  dass  wir  bis  zu  besserer  Kenntnis  ihr  folgen  müssen. 

Ausserdem  tritt  in  die  Semmeringgegend  auch  noch  der  nördliche 
der  beiden  Carbonzüge  ein.  Toula's  schon  erwähnter  Fund  ober- 
carbonischer  Pflanzen  i)  in  den  Schiefern  bei  Klamm  war  eine  der 
frühesten  Entdeckungen  von  Fossilien  in  den  „azoischen"  Schiefern 
der  Alpen. 

Der  Semmering  ist  in  seiner  heutigen  Gestalt  keine  normale 
Thalwasserscheide  mehr,  obwohl  die  Verhältnisse  auf  der  westlichen 
Seite  denen  einer  solchen  völlig  entsprechen.  Eine  schwache  Wasser- 
rinne, die  wohl  durch  den  Tunnelbau  ihres  Wassers  zum  grössten 
Theil  beraubt  wurde,  zieht  mit  schwachem  Gefälle  abwärts  von  der 
Höhe,  bis  sie  in  dem  aus  dem  linken  Thalgehänge  kommenden  Dürr- 
graben einen  stärkeren  Wasserzufluss  erhält,  ganz  wie  bei  anderen 
Thalwasserscheiden. 

Im  Osten  ist  dagegen  unter  dem  Einfluss  der  der  Zerstörung 
leicht  zugänglichen,  weil  nach  Südost  geneigten  Quarzite  ein  ziem- 
lich unvermittelter  Abfall  entstanden,  ohne  ausgesprochenen  Abfluss, 
und  der  in  der  Tiefe  fliessende  Myrthenbach  zieht  senkrecht  zur 
Wasserscheide.  Er  kommt  aus  den  Bergen  der  Sonnwendsteingruppe, 
durchquert  die  Triasmulde,  um,  immer  nördlich  fliessend,  den 
Adlitzgraben,  den  Fluss  des  nördlichen  Flügels  der  Kalkantiklinale 
zu  erreichen,  der  ihn  durch   schnellere  Vertiefung   seines  Bettes  an- 


')  Toula,  1.  c.  pag.  133. 


[21]  Kin  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzeit.  185 

ziehen  mochte ;  denn  die  Wasserscheide  zwischen  dem  Myrthengraben 
und  der  Mukle  von  Mariaschutz  ist  sehr  niedrig. 

Diese  Mulde  selbst  ist  von  breiter,  bogenförmiger  Gestalt  und 
entspricht  in  ihrer  Ausdehnung  den  weichen  rhätischen  Ablagerungen, 
die  hier  ausgeräumt  wurden.  Es  fand  hier  eine  Erniedrigung  von 
900  auf  600  m  statt,  und  in  einem  schmalen  Durchbruchsthal  durch 
die  umschliessenden  palaeozoischen  Kalke  erreicht  der  die  Mulde 
entwässernde  Göstritzbach  die  Tiefenlinie  des  Adlitzgrabens,  mit 
dem  er  den  Auebach  bildet.  Kurz  vor  seiner  Einmündung  in  die 
Schwarza  stellt  dieser  auch  wieder  die  alte  Längsthairichtung  dar, 
die  durch  die  schnellere  Denudation  des  östlichen  Flügels  der 
Wasserscheide  verwischt  war. 

Wir  sahen,  dass  das  Preinthal  als  nördliches  Nebenthal  die 
Nebenthaistrecke  des  Mürzthales  und  das  Raxenthal  fortsetzt.  Die 
Fortsetzung  des  Preinthales  bildet  das  Schwarzathal  in  der  diagonalen 
Verbindungsstrecke  Hirschwang— Gloggnitz. 

Prein  und  Schwarza  verdanken  ihre  Existenz  der  Lage  auf  der 
Grenze  von  Kalkalpen  und  Schieferalpen,  und  zwar  ist  das  Thal, 
wie  überall  längs  der  ganzen  Grenze  vom  Bodensee  an,  in  die 
Schiefer  erodirt. 

Nun  tritt  der  Fluss  in  das  Wiener  Becken  hinaus,  die  Berge 
erniedrigen  sich  schnell  und  treten  weit  auseinander.  Ein  ungeheuerer 
Schuttkegel,  das  „Steinfeld",  erfüllt  den  ganzen  Raum  zwischen 
Rosaliengebirge  und  den  Kalkalpen. 

Wir  sind  am  Ende  des  grossen  Längsthaies. 

Fragen  wir  nun,  wie  sich  auf  Grund  der  tertiären  Ablagerungen 
die  Entwicklungsgeschichte  der  Flussläufe  zunächst  in  jener  Ver- 
bindungsregion zwischen  oberem  Murbecken  und  Mürzbecken 
darstellt,  in  dem  Judenburger  Becken  und  der  ihm  entströmenden 
breiten  Thalstrecke,  so  finden  wir  in  der  That  reichliches  Material 
zur  Beantwortung  dieser  Frage. 

Am  reichhaltigsten  und  am  besten  bekannt  sind  die  tertiären 
Bildungen  am  Nordrand  des  Judenburger  Beckens.  Hier  bestehen 
sie  in  einem  schmalen  Streifen  längs  des  Grundgebirges  aus  einer 
förmlichen  Serie: 

Mergelschiefer, 

Blauer  Lehm, 

Sand  (blaugrau  und  gelb). 

Schotter  (regional  beschränkt). 

Das  Grundconglomerat,  das  Stur  als  den  untersten  fest- 
stehenden Horizont  angibt,  ist  in  seinem  Auftreten,  sowie  in  seinem 
Charakter  sehr  wechselnd,  bald  als  Conglomerat,  bald  als  Sandstein 
oder  sandiger  Schiefer  entwickelt.  Am  besten  ist  das  Profil  an  dem 
steil  eingerissenen  rechten  Ufer  des  Ingeringbaches  wahrzunehmen. 
Das  Fallen  von  Mergelschiefer  und  blauem  Lehm  ist  flach  südlich. 
Die  Sande  sind  ungeschichtet.  Was  Stur  unter  „wellenförmiger 
Biegung"  ihrer  Schichten  versteht,  ist  unklar.  Vielleicht  denkt  er  an 
die  discordante  Auflagerung  der  Schotter,  an  die  Ablagerung  der- 
selben in  Erosionsrinnen  innerhalb  der  Sande.    Stur's  Einbeziehung 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1899,  49.  Band,  l.  Heft.  (K.  Oestreich.)        24 


186  Karl  Oestreich.  [22] 

der  Schotter  in  die  tertiären  Bildungen  ist  für  viele  Punkte  bezweifelt 
worden.  Hier  scheint  diese  Einbeziehung  thatsächlich  zu  Recht  zu 
bestehen.  Fossilien  gibt  es  keine ;  umsoraehr  ist  darauf  Gewicht  zu 
legen,  dass  die  Schotter  mit  den  Sauden  in  engem  stratigraphischen 
Connex  stehen,  und  dass  die  Basis,  der  sie  einst  zugeströmt  wurden, 
nicht  die  grosse  diluviale  Murterrasse  ist,  sondern  ein  höheres  Niveau 
einnahm.  Somit  bilden  die  Schotter  die,  oder  wie  wir  später  sehen 
werden,  eine  tertiäre  Terrasse  des  Ingeringbaches  ^). 

Die  ganze  Ablagerung  fällt  gegen  Süd,  manchmal  Südost,  und 
verflacht  sich  nach  Osten  zu,  so  dass  nur  im  Osten  die  Letten  und 
Sande  erhalten  blieben,  die  Mergelschiefer   regelmässig   überlagernd. 

Der  weiten  Verbreitung  der  Mergelschiefer  nach  war  unser 
Becken  in  der  Tertiärzeit  von  einem  See  erfüllt,  in  dem  sich  sogar 
eine  eigenartige,  wenn  auch  nur  von  einer  Species  gebildete  Fauna 
entwickelte.  In  mehreren,  bis  zu  '/o  ^^  mächtigen  Bänken  tritt  in  den 
unteren  Lagen  der  Mergelschiefer  und  zwar  im  Verlaufe  ihrer 
ganzen  Längserstreckung,  eine  Congeria,  eine  der  Congeria  triangularis 
Partsch  nahestehende  Muschel,  auf.  Dass  das  ßildungsmedium  dieser 
Form  eine  grössere  Ausdehnung  besass,  beweist  das  Auftreten  von 
blauem,  theilweise  geschiefertem  Thon  mit  derselben  Congeria  bei 
St.  Oswald,  nordöstlich  von  Ober-Zeyring,  im  Pölsthal.  Die  Thone 
fallen  unter  45"  nach  Nordost  oder  Ost  und  sind  in  sehr  unregel- 
mässiger Weise  von  den  blaugrauen  Sauden  mit  Kiesellagen  und  den 
gelben  Sauden  überlagert.  Auch  aus  dem  Sekkauer  Becken  wird  die 
Congeria  erwähnt  ^j. 

Von  durchaus  anderem  Charakter  erweisen  sich  die  Tertiär- 
bildungen am  südlichen  Rand  des  Beckens.  Hier  war  die  Material- 
zufuhr stärker,  Mergel  und  Thone  kamen  hier  nicht  zur  Ablagerung; 
höchstens  in  dem  schmalen  P'eeberggraben,  südlich  von  Judenburg. 
Hier  wird  eine  Kohle  abgebaut,  die  in  einem  Sandstein  lagert. 
Darunter  soll  auch  echter  Mergelschiefer  vom  Fohnsdorfer  Typus 
vorkommen.  Doch  ist  das  zu  bezweifeln,  ich  sah  nichts  dergleichen. 
Nach  dort  eingezogenen  Erkundigungen  bildet  das  Tertiär  eine  kleine, 
West-Ost  streichende  Mulde,  zu  der  vom  Gehänge  her  die  Schichten 
steil  einfallen.  Auch  jenseits  des  Sattels  „Auf  dem  Eck"  hat  man 
Kohle  erbohrt. 

Die  südwestliche  Begrenzung  des  Beckens  bildet  der  Kalkzug 
des  Lichtensteinberges.  Auch  er  wird  an  seinem  nordöstlichen  Abhänge 
von  einem  schmalen  Streifen  tertiärer  Sande  und  sandiger  Lehme 
begleitet,  die  bei  Mühldorf  das  Granitzenthal  erreichen.  Jenseits  des 
Granitzenbaches  wird  der  Südrand,  von  nun  an  Südostrand,  des 
Beckens  durch  eine  Reihe  von  breiten,  flachen  Hügeln,  eine  200  m 
(relativ)    hohe  Vorstufe    des   eigentlichen    Gneissgebirges    dargestellt. 


^)  Allerdings  machte  mich  die  Auffindung  einer  Anhäufung  von  wirren, 
groben,  wenig  gerollten  Gesteinstücken  unter  der  Cöte  787  bei  Rattenberg  an  dieser 
Autfassung  einigermassen  irre.  Von  diesem  undeutlichen  Rest  iässt  sich  aber 
doch  noch  nicht  mit  Sicherheit  auf  eine  frühere  Vereisung  schliessen.  Der  Boden 
einer  solchen  hypothetischen  ersten  Vereisung  würde  in  der  That  ein  höheres 
Niveau,  als  das  der  Murboden— Aichfeldterrasse  eingenommen  haben. 

-)  Stur,  Jahrb.  d    k.  k.  geol.  R.-A.  1864,  pag.  240. 


[23]  Ein  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzeit..  187 

Nur  an  wenigen  Stellen  ist  das  anstehende  Gestein  blossgelegt;  vom 
Thale  aus  in  der  ganzen  Höhe  sind  diese  Hiigel  aus  Sand  und  grobem 
Schotter  zusammengesetzt.  Und  zwar  besteht  der  westlichste,  zwischen 
Granitzenbach  und  Feistritzbach  gelegene,  aus  einer  fast  ganz  reinen 
Sandablagerung,  während  die  weiter  östlich  folgenden  aus  einem 
Wechsel  von  Sand  und  grobem  Schotter ')  (bis  zur  Blockgrösse)  be- 
stehen. Das  Einfallen  war  (besonders  im  Einriss  an  der  rechten 
Seite  der  über  die  Stubalpe  ziehenden  Strasse)  als  ein  nordöstliches 
festzustellen.  Es  fand  hier  also  in  der  Tertiärzeit  ein  Wechsel  von 
Zeiten  ruhiger  Ablagerung  und  energischer  Strommündungen  statt. 
Gegenüber  von  Knittelfeld,  bei  Lantschach,  kommen  am  untern  Ge- 
hänge auch  kohlenführende  Letten  vor  2).  Nach  Osten  zu  verschwindet 
allmälig  die  Schotterbedeckung,  und  die  Hügel  der  Vorstufe  zeigen 
das  nackte  Gestein. 

Im  südlichen  Winkel  des  Judenburger  Beckens  mündet  der  vom 
Obdacher  Sattel  herabströmende  Granitzenbach.  Die  höchste  Höhe 
des  Sattels,  951  m,  und  ein  Streifen  von  da  südlich  bis  St.  Peter  im 
Lavantthal  wird  von  Sand  eingenommen,  während  das  Becken  von 
Obdach  selbst  von  den  bekannten  Mergelschiefern  erfüllt  wird,  die 
ich  an  einer  Stelle  südwestfallend  vorfand.  Doch  ist  eine  bestimmte 
Neigungsrichtung  bei  derartig  bildsamen  und  jedem  geringsten  Druck 
und  Gegendruck  nachgebenden  Gesteinen  schwer  anzugeben. 

Welches  war  nun  die  Zeit  der  Ablagerung  der  Knittelfelder 
Mergelschiefer? 

Das  Leitfossil  bildet  die  wahrhaft  gesteinsbildende  Congeria  cj". 
triancjularis  Fartßch.  Ihr  zuliebe  wurde  von  Stur  der  Mergelschiefer, 
sowie  überhaupt  das  ganze  Tertiär  der  Knittelfelder  Beckenlandschaft 
und  der  oberen  Mur,  in  die  Zeit  der  Congerienstufe  ^),  jener  Ueber- 
gangsbildungen  *)  zwischen  Miocän  und  Pliocän,  zu  denen  die  marinen 
Aequivalente  fehlen,  in  die  Zeit  der  zweiten  Säugethierfauna  des 
Wiener  Beckens,  die  durch  Mastodon  langirostris  charakterisirt  ist, 
gestellt.  Doch  kam  er  später  zur  Einsicht,  dass  sich  die  Flora  von 
Fohnsdorf  nicht  mit  der  Flora  der  Congerienstufe  vergleichen  lasse  ^). 
Es  blieb  nun  die  Congeria.  Aber  dieser  legte  er  keine  Bedeutung  mehr 
bei,  da  in  der  Wiener  marinen  Stufe,  sowie  im  Liegenden  der  marinen 
Stufe,  den  Sotzkaschichten,  Congerien^)  gefunden  worden  seien.  Weil 
nun  in  den  mit  dem  Judenburger  Becken  in  Verbindung  stehenden 
Thälern  Bildungen  vorkommen,  die  er  als  terrestrische  Aequivalente 
mit  der  marinen  Stufe  vereinigen  musste,  stellte  Stur  auch  die  Fohns- 


')  Auf  der  Uebersichtskarte  wurde  der  Einfachheit  halber  nur  der  Farben- 
ton für  Schotter  angelegt. 

•*)  Von  hier  stammt  wohl  der  von  A.  Hofmann  gemachte  Fund  von 
Mastodon  angustidens  Cav.,  den  Vacek  erwähnt.  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A. 
1886,  pag.  83. 

3)  Stur,  Jahrb.  d.  k    k.  geol.  R.-A.  1864,  pag.  249. 

•*)  Neumayr,  Denkschriften  der  Wiener  Akademie  der  Wissenschaften, 
math.-naturw.  Classe,  Bd.  40,  pag.  246. 

'")  Stur,  Beiträge  zur  Kenntnis  der  Flora,  der  Süsswasserquarze,  der  Con- 
gerien-  und  Cerithienschichten  im  Wiener  und  ungarischen  Becken.  Jahrb.  d.  k.  k. 
geol.  R.-A.  1867,  pag.  88. 

«)  Stur,  Geologie  der  Steiermark,  pag.  579. 

24* 


188  Karl  Oestreich.  [24] 

dorfer  Mergels(;hiefer  schliesslich  in  die  Zeit  der  ersten  Wiener 
Säugethierfauna  '),  in  die  Zeit  des  Masfodon  angusfidens.  In  der  That 
wurde,  wie  bereits  erwähnt.  Masfodon  angmtidens  bei  Knittelfeld 
gefunden.  Stur,  der  diesen  Fund  noch  nicht  kannte,  gab  zu,  dass 
noch  nicht  alle  Schwierigkeiten  gehoben  seien,  und  auch  uns  scheint 
eine  definitive  Lösung  der  Altersfrage  der  Knittelfelder  Tertiär- 
bildungen erst  nach  erneuter  Prüfung  der  Pfianzenfunde  und  nach 
genauerem  Studium  der  ganzen  als  Congeria  triangularis  bezeichneten 
Formenreihe  möglich  zu  sein. 

Es  mag  zugegeben  werden,  dass  bereits  in  der  Zeit  der  ersten 
Säugethierfauna  hier  Verhältnisse  herrschten,  die  das  Vorkommen  von 
Mastodonten  ermöglichten.  Es  wäre  überhaupt  ein  Widersinn,  das 
Vorhandensein  natürlicher  Abflussverhältnisse  in  dieser  Gegend  für 
die  ältere  Miocänzeit  zu  leugnen.  Aber  ein  solches,  wahrhaft  ge- 
steinbildendes Vorkommen  einer  Congeria  ist  aus  dieser  Zeit,  unseres 
Wissens,  nicht  bekannt  und  vor  der  Blütezeit  der  Gattung  auch  nicht 
ohneweiters  denkbar.  Und  wenn  die  Mergelschiefer  doch  wieder  der 
Congerienstufe  zugewiesen  werden  sollten,  müssen  wir  uns  daran 
erinnern,  dass  die  Congeria,  wie  ich  beispielsweise  an  der  Kapelle 
westlich  von  Schönberg  sah,  bereits  in  den  Grundbildungen,  den  con- 
glomeratartigen  Sandsteinen,  auftritt.  Wir  hätten  alsdann  eine  genaue 
Zeitbestimmung  für  den  Einbruch  des  Judenburger  Beckens,  also  für 
den  Durchbruch  der  Mur  durch  den  nordsteierischen  Gneissbogen, 
was  von  allergrösster  Wichtigkeit  für  die  Kenntnis  der  Flussgeschichte 
der  Ostalpen  wäre. 

Unsere  Congeria  ist  nur  dem  Judenburger  Becken  und  seinen 
Verzweigungen  eigenthümlich,  sonst  nirgends  gefunden.  Es  muss  hier 
eine  Einwanderung  einer  Form  vom  Typus  der  Congeria  triangularis 
stattgefunden  haben,  die  in  einem  sehr  reinen  Süsswassersee  günstige 
Fortpflanzungsbedingungen  fand  und  eine  locale  Varietät  oder  gar 
Art  bildete. 

Weiter  abwärts  tragen,  wie  bereits  erwähnt,  die  Hügel  der 
tertiären  Vorstufe  keine  Ablagerungen  mehr.  Dafür  ist  das  Sekkauer 
Becken  mit  seinem  Hinterland,  dem  oberen  Ingeringbecken,  ganz  vom 
Tertiär  erfüllt,  und  zwar  haben  wir  hier,  nur  schlechter  aufge- 
schlossen, dieselbe  Reihenfolge  der  Schichten,  also  dieselbe  Ent- 
wicklung der  hydrographischen  Verhältnisse,  wie  im  Judenburger 
Becken : 

Mergelschiefer, 

Lehm, 

Sand, 

Schotter. 

Am  Kobenzerbach,  wo  die  Kohle  erschürft  wurde,  fand  Stur 
auch  die  Congeria  wieder;  ich  sah  nur  kleine  Gastropoden,  die  noch 
nicht  bestimmt  werden  konnten.  Die  Mergelschiefer  stehen  nur  im 
oberen  Ingeringbecken  an,  die  Schotter  auf  der  Höhe  des  vorderen 
Beckens  bei  Sekkau ;  sonst  ist  das  ganze  Becken,  zumal  abwärts  von 


')  Zweite  miocäne  Sängethierfauna  L  artet's 


[25]  Ein  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzeit.  189 

Sekkau  von  Lehm  erfüllt,  dessen  oberste  Partien  sandig,  bisweilen  zu 
einem  gruben  Sandstein  verfestigt  werden.  Dieser  Sandstein  ist  un- 
mittelbar bei  Sekkau  in  einem  Bruch  aufgeschlossen,  der  den  Baustein 
zur  romanisclien  Sekkauer  Domkirche  geliefert  iiat.  Es  ist  ein  Sand- 
stein aus  Kies  mit  sandigem  Bindemittel  und  aus  Zwischenlagen  von 
sandigem  Schiefer  bestehend,  nach  Südwest  fallend,  die  Überfläche 
erodirt  und  unregelmässig  von  den  Schottern  bedeckt.  Nach  der  Mur 
zu  wird  die  Tertiärbildung  durch  den  breiten  diluvialen  Sciiuttkegel 
des  Feistritzbaches  abgeschnitten;  doch  erfüllt  der  Lehm  mit  dem 
Sekkauer  Sandstein  auch  den  schmalen  Tertiärstreifen  zwischen  der 
Serpentinmasse  von  Kraubath  und  dem  Grundgebirge,  ebenso  wie 
unterhalb  St.  Stefan,  rechts  der  Mur,  den  Sattel  zwischen  dem  ins 
Murthal  vorspringenden  Hügel  und  dem  Gneissgebirge  südöstlich 
gegenüber  St.  Michael.  Während  wir  in  den  Mergelschiefern  und 
dem  Lehm,  sowie  den  Sauden  wohl  Seeablagerungen  zu  vermuthen 
haben,  dürfte  es  gestattet  sein,  von  dem  erwähnten  groben  Sand- 
stein, bei  seiner  fiussartigen  Längserstreckung  und  seinem  gleich- 
massigen  Charakter  auf  die  Existenz  eines  (ruhig  fliessenden)  Flusses 
zu  schliessen,  mag  er  nun  jünger  oder  auch  älter  als  die  limnische 
Bildung  gewesen  sein. 

Vielleicht  dass  dieses  Flussystem  bei  St.  Michael  seinen  Ur- 
sprung nahm.  Alsdann  würde  der  obere  Pregggraben,  der  gleichfalls 
von  einer  lehmigen  Tertiärablagerung  erfüllt  ist,  einen  linken  Neben- 
fluss  darstellen.  Denn  der  Wasserlauf,  dem  diese  Lehmablagerung 
ihre  Entstehung  verdankte,  nahm  seinen  Ausfluss  nicht  durch  das 
untere  Durchbruchsthal,  sondern,  wie  ein  orientierender  Blick  vom 
Plateau  des  Lichtensteinerbergs  deutlich  macht,  über  einen  Sattel  in 
der  Hügelreihe  der  tertiären  Vorstufe  geradlinig  in  das  Sekkauer 
Becken. 

Es  ist  ein  in  seiner  Lage  wie  im  Charakter  seiner  Tertiär- 
bildungen genau  umschriebenes  und  isolirtes  Gebiet,  welches  wir 
soeben  betrachteten,  charakteristisch  durch  das  Vorwalten  ruhiger 
Seeablagerungen,  besonders  aber  durch  die  zur  Tertiärzeit  bestandene 
Verbindung  über  den  Obdacher  Sattel  mit  dem  Lavantthal.  Weiterhin 
wird  sich  Gelegenheit  finden,  einige  Gesichtspunkte  zur  Beurtheilung 
des  Verhältnisses  zwischen  den  Judenburger  Tertiärbildungen  und 
denen  des  Lavantthals  beizubringen. 

Gänzlich  verschieden  von  den  bisher  betrachteten  Tertiärab- 
lagerungen sind  die  des  Mürzbeckens. 

Schon  schräg  gegenüber  dem  letzten  Vorkommen  des  Lehms 
und  des  Sekkauer  Sandsteins  bei  St.  Stefan  haben  wir  im  Conglo- 
merat  von  St.  Michael  die  Ablagerung  eines  Flusses,  der  aus  den 
Kalkalpen  kam.  Es  erreicht  eine  Höhe  von  800  m  und  fällt,  soweit 
mir  erinnerlich,  flach  gegen  Süd  ein.  Die  Gerolle  sind  Kalke  aus 
dem  palaeozoischen  Gebirge  und  aus  den  nördlichen  Kalkalpen,  auch 
Gneiss-  und  Hornblendegesteine  aus  dem  Gebiet  des  Bösensteinstocks. 
Ein  weiteres  Stück  desselben  Plusslaufs,  das  Tertiär  der  „Einöd". 
ist  südwärts  der  Mur  unter  dem  Schinniger  erhalten,  in  einem  Zug 
von  Sätteln,  die  von  der  Mur  durch  einen  etwas  höheren  Rücken 
getrennt  sind. 


190  Karl  Oestreich.  [26] 

Am  besten  bekannt,  aber  eigentlich  auch  nur  in  Bezug  auf  das 
Vorkommen  seiner  Kohlen,  ist  das  Leobener  Tertiärbecken.  Das 
Liegende  bildet  eine  nach  Stur  über  100  w  mächtige  Ablagerung 
von  Schieferthon,  Schiefer  und  Sandstein  mit  dem  Flötz  im  Liegendsten. 

Darüber  folgt  gegen  225  m  mächtig  das  Conglomerat.  Die 
tieferen  lacustren  Schichten  treten  im  Seegraben  zutage,  und  weiter 
im  Westen,  wo  durch  den  Bergbau  das  Conglomerat  abgedeckt  ist. 
Die  Conglomerate  greifen  allseitig  auf  das  Grundgebirge  über. 

Die  lithologische  Untersuchung  erkennt  in  den  Conglomeraten 
die  Schuttkegel  zweier  Flüsse,  ebenso  wie  die  geognostische  Kartirung 
zwei  auch  äusserlich  getrennte  Conglomeratbezirke  verzeichnen  muss  '), 
Ln  östlichen  Conglomeratbezirk,  um  Veitsberg,  im  Seegraben,  auf 
dem  Sattel  nördlich  desselben  und  auf  der  linken  Seite  des  unteren 
Tollinggrabens  besteht  das  Conglomerat  fast  ausschliesslich  aus  Kalk- 
geröllen,  und  unter  diesen  überwiegen  die  dunkleren  Varietäten 
(schwarz  und  grau),  die  rothen  Kalke  fehlen  vollständig.  Die  Kalk- 
bänke wechsellagern  mit  sandigen  Schichten,  die  nach  oben  in  ein 
sehr  feines  Conglomerat  übergehen,  in  dem  Phyllit-  und  Quarzkörner 
vorherrschen.  Das  würde  also  auf  jedesmaligen  Stillstand  der  Kalk- 
geröllzufuhr und  ein  Vorherrschen  der  Bäche  aus  der  Umgebung 
schliessen  lassen. 

Dieses  Conglomerat,  auf  das  sich  die  oben  angegebene  Mächtigkeit 
bezieht  und  das  nach  Südwest  einfällt,  erreicht  eine  Höhe  von  1000  m 
una  scheint  jenseits  des  Sattels,  im  oberen  Theile  des  unteren  Tolling- 
grabens, eher  nach  Nord  einzufallen.  Es  dürfte  demnach,  wohl  zu- 
sammen mit  seinem  Untergrund,  eine  antiklinale  Aufwölbung  erfahren 
haben.  Wir  nennen  es  das  Leobner  Hauptconglomerat. 

Südwestlich  davon,  dort,  wo  die  Eisenstrasse  in  das  Thal  des 
Vordernberger  Baches  einbiegt,  bei  Donawitz,  lagert  bis  auf  die 
Höhe  des  Annaberges,  662  m,  ein  Conglomerat,  in  dem  gleichfalls 
die  Kalkgerölle  überwiegen.  In  diesen  aber  herrschen  die  helleren 
Varietäten  vor,  Farben,  wie  wir  sie  aus  den  Triasgebieten  kennen. 
Auch  rosa  und  rothe  Kalke,  sowie  Dolomitgerölle  sind  darunter, 
nebst  Hornblendegneissgesteinen.  Das  Leobner  Hauptconglomerat  stellt 
somit  nur  einen  den  palaeozoischen  (Eisenerzer)  Kalkalpen  ent- 
strömenden Nebenfluss  dar,  das  Donawitzer  Conglomerat  aber  den  aus 
den  Kalkalpen  stammenden  Hauptfluss,  den  wir  von  St.  Michael  und 
der  Einöd  her  kennen.  Auch  die  Mündung  eines  kleinen  Baches  aus 
den  Phyiliten  im  Norden  linden  wir  in  einem  feinkörnigen  Conglo- 
merat am  Nordrand,  beim  Bauer  Ehrenhelm. 

Ein  kleiner  Rest  von  Conglomerat  vom  Donawitzer  Typus  ist  in 
der  Tiefe  des  oberen  Tollinggrabens  erhalten.  Sollten  wir  hier  eben- 
falls ein  tertiäres  Conglomerat  vor  uns  sehen,  würden  wir  genöthigt 
sein,  bedeutende  Bewegungen  des  ganzen  Gebirges  seit  oder  in  der 
Tertiärzeit  anzunehmen. 

I]benso  wie  in  das  Leobner  Tertiär,  Hess  sich  auch  in  den 
Complex    der    Tertiärablagerungen    des    Trofajacher   Beckens    mehr 


^)  Auch  Prof.  Höfer  in  Leoben    theilt  diese  Ansicht.     Doch  ist  sie  in  der 
Literatur  meines  Wissens  noch  nicht  zum  Ausdruck  gelangt. 


[27]  Kin  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzeit.  191 

Klarheit  bringen.  Auch  hier  bilden  Thonschiefer,  Thone  und  Sande 
das  Liegendste  der  Tertiärschichten.  Sie  bilden  den  tiefsten  Theil 
des  innern  Beckens,  der  von  den  QuellHüssen  des  Feitscherbaches 
entwässert  wird,  sowie  die  Hügel,  welche  von  der  Strasse  Trofajach- 
Traboch  geschnitten  werden,  ferner  die  Moosflächen  und  das  Plateau 
östlich  über  Trofajach.  Der  das  ganze  Becken  in  zwei  Theile  zer- 
legende Höhenzug  westlich  des  Gössgrabens,  der  Zug  des  Kehrwaldes, 
besteht  aus  einem  Conglomerat  vom  Donawitzer  Typus  (enthält  aber 
allerdings  auch  grosse  Blöcke,  wie  sie  bei  Donawitz  nicht  vorkommen), 
wie  ein  solches  auch  bei  Hafning  rechts  des  Krumpengrabens  bemerkt 
wurde.  Südlich  der  Strasse  Trofajach — Traboch  bis  zu  den  zum  Feit- 
schergraben  ziehenden  Mooswiesen,  sowie  auf  dem  nördlichen,  schräg 
abgeflachten  Gehänge  des  Lainthales  wird  das  Conglomerat  sehr  fein- 
körnig, bis  zu  einem  Sandstein,  was  auch  für  das  echte  Donawitzer 
Conglomerat  charakteristisch  ist.  Am  Nordrand  bei  Kurzheim  ist 
dann  noch  eine  locale  Bildung  zu  erwähnen,  ein  rothgefärbtes  Con- 
glomerat, oft  zu  Lehm  erweicht,  ein  Zerstörungsproduct  der  dort 
anstehenden  Phyllite. 

Der  ganze  Nordwesten  des  Beckens,  aus  dem  gegen  1000  m 
relativ  in  gerader  Wand  der  Reiting  aufragt,  ist  erfüllt  von  dem 
ungeheuren  Schuttkegel  der  Gräben  dieses  Reitingstockes ,  einem 
vielleicht  tertiären,  vielleicht  aber  auch  diluvialen  Kalkconglomerat. 
Echte  Schuttkegelform  ist  diesem  Gebilde  eigenthümlich,  wie  besonders 
ein  Blick  von  der  Trabocher  Strasse  lehrt:  zwei,  in  verschiedenem 
Winkel  geböschte  Stufen  übereinander,  die  höhere,  jüngere  die  des 
Bechelgrabens :  Oberjesner  — Scharstorf.  Das  vom  Schuttkegel  erfüllte 
Becken  öffnet  sich  nach  Westen  zum  Liesingthal,  das  hier  eine  dilu- 
viale Schotterterrasse  unmittelbar  an  den  Schuttkegel  anlehnt. 

Nun  fehlen  im  nördlichen  Arm  des  Doppelthales  (Trasthal, 
Kletschach-  und  Unterthal)  alle  Spuren  von  tertiären  Ablagerungen, 
während  das  Hauptthal  sie  aufweist.  Auf  der  südlichen  Thalseite 
bei  Leoben,  beim  Jägerhaus,  in  einer  Höhe  von  circa  600  m,  finden 
sich  einige  wenige  Blöcke  eines  ganz  feinen  Kalkconglomerats  '),  die 
das  rechte  Ufer  des  tertiären  Flusses  darstellen  dürften. 

Das  Tertiär  von  Foirach  und  zu  beiden  Seiten  des  Utschthales 
(zwischen  Niklasdorf  und  Brück  auf  der  rechten  Seite  der  Mur) 
zeigt  jedoch  nicht,  wie  Stur  angibt,  den  Leobner  Typus.  Es  ist  ein 
Conglomerat  aus  krystallinischen  Gesteinen,  die  Mündung  eines 
Nebenflusses  von  der  Mugel  her,  fällt  nach  Nordosten  und  wird  von 
Lehm  und  Sand  bedeckt,  wenn  diese  Bildungen  nicht  einfach  Auf- 
lösungsproducte  der  feineren  Conglomerate  und  Sandsteine  darstellen. 
Dagegen  wird  die  Ablagerung  des  Hauptflusses  weiter  östlich,  am 
Gehänge  des  Maderereckes  gegen  die  Mur  bei  Brück  gefunden,  ein 
Vorkommen,  das  Stur  nach  dem  Urgenthal  benennt.  Wir  sind  damit 
an  die  Umbieguiigsstelle  der  Mur  gekommen,  die  eine  genauere  Be- 
trachtung verdient. 


^)  Von  Herrn  Professor  Höfer  auf  dieses  Vorkomaieu  aufmerksam  gemacht,, 
gelang  es  mir  erst  nach  eifrigem  Suchen,  die  üheraus  spärlichen  Reste  dieser  Ab- 
lagerung aufzufinden. 


192  Karl  Oestreich.  [28] 

Das  ebenerwähnte  Conglomerat  des  Urgenthales,  im  Westen 
aus  krystallinischen  und  Kalkgeröllen,  im  Innern,  also  nördlich,  nur 
aus  krystallinischen,  im  Osten  jedoch  fast  ausschliesslich  aus  Kalk- 
geröllen bestehend,  fällt  südöstlich  und  taucht  unter  die  diluviale 
Thalsohle.  Weiter  gegen  Osten  hört  die  Conglomeratbedeckung  des 
Phyllitzuges  auf,  und  erst  auf  dem  Greggerberg,  nördlich  vom  Brucker 
Schlossberg,  finden  wir  das  hier  flach  liegende  Conglomerat  wieder, 
in  einer  Höhe,  die  dem  Niveau  der  von  der  Heiligen  Geist-Kapelle 
gekrönten  Felsterrasse  am  Eingang  in  das  Durchbruchthal  der  Mur 
entspricht,  so  dass  wir  einen  Ausfluss  der  tertiären  Mur  nach  Süden 
ganz  wohl  annehmen  können. 

Im  Urgenthal,  im  Liegenden  des  Conglomerats,  kommen  auch 
Sande  und  Lehme  vor. 

Dies  ist,  was  mit  Bestimmtheit  gesagt  werden  kann.  Weiterhin 
tritt  eine  neue  Schwierigkeit  hinzu.  Bisher  waren  die  diluvialen 
Bildungen,  wie  bei  Leoben  vor  der  Einbiegung  der  Strasse  ins 
Vordernbergerthal,  bei  Proleb,  an  der  Mündung  des  Kletschach- 
grabens,  leicht  kenntlich  durch  ihre  nagelfluhartige  Ausbildung  und 
durch  ihre  Zusammensetzung  aus  krystallinischen  Gesteinen.  Nun- 
mehr treten  die  diluvialen  Schuttkegel  des  Lamming-  (Tragöss-)Baches 
und  der  Mürz  hinzu,  die  sämmtlich  die  gleiche  Beschaffenheit  wie 
ein  etwas  zersetztes  und  verwittertes  Tertiärconglomerat  zeigen. 
Auch  hier  bleibt,  bevor  die  Aufeinanderfolge  der  eiszeitlichen 
Schotter  festgestellt  ist,  nichts  übrig,  als  nur  ein  bestimmtes  diluviales 
Niveau  anzunehmen,  und,  da  ja  auch  das  tertiäre  Conglomerat  die 
Thalsohle  erreichen  kann,  wie  beim  Urgenthal  bemerkt  wurde,  alle 
darüber  aufragenden  Conglomerate  ins  Tertiär  zu  ziehen.  Demnach 
wäre  das  Conglomerat  nördlich  vom  Greggerberg  bis  zur  diluvialen 
Sohle  des  Lammingbaches  und  das  östlich  von  Brück  bei  Pischk  für 
tertiär  zu  erklären,  während  ich  auf  der  von  Vacek  verzeichneten, 
unzweifelhaften  Tertiärterrasse  von  Uebelstein  im  Murdurchbruch 
keine  echten  Conglomeratbildungen  fand. 

Das  vorläufige  Aufnahmeergebnis  wäre  also,  dass  der  GeröUe 
aus  den  Kalkalpen  führende  Fluss  des  nordsteierischen  Längsthaies 
auch  in  der  Tertiärzeit  das  Gneissgebirge  des  Rennfelds  nach  Süd- 
osten zu  durchbrach  und  wie  heute  an  dieser  Umbiegungsstelle  die 
Mürz  aufnahm. 

Wenden  wir  uns  nun  zum  nördlichen  Seitenthal,  so  treffen  wir 
auf  die  Spuren  mehrerer,  zeitlich  verschiedener  Thalanlagen.  Während 
das  Lammingbachthal  fast  in  seiner  ganzen  Länge  von  einer  diluvialen 
Nagelfluh  erfüllt  ist,  sind  nur  an  zwei  Punkten  Reste  des  tertiären 
Lammingbach-Congiomerates  erhalten,  westlich  von  Oberort,  an  der 
vom  Rötzgraben  herüberführenden  Strasse  in  der  Höhe  von  etwa 
1000  m  am  Gehänge  \),  und  im  unteren  Theil  des  Thaies  gleich  über 
Schörgeudorf.  Damit  sind  aber  die  Spuren  von  tertiären  Stadien  der 
heutigen  Thäler  erschöpft.  Der  niedere,  relativ  nur  gegen  200  m 
erreichende  Sattel  zwischen  Lammingbach  und  Thörlgraben  enthält 
zwei  Ablagerungen    eines    Westost    gerichteten    Thallaufes,    die    den 


')  Die  Conglomerate  in  der  Tiefe  (Stur,  1.  c.  pag.  220)  sind  diluvial. 


[29]  Ein  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzeit.  X93 

Sattel  selbst  bildenden  Lehme,  die  etwas  weiter  j;egen  Noi'dwest 
Spuren  von  Schieferung  zeigen,  und  etwas  höher  ein  Conglomerat 
meist  zu  Schotter  zerfallen,  aus  Quarzgeröllen  bestehend,  das  in 
rothen  Sandstein  übergeht.  Ausserdem  finden  sich  tiefer,  bei  Winkl 
im  Thörlbachthal,  südfallende  Sande,  Sandsteine  und  kohlenführende 
Letten.  Die  Lagerung  dieser  drei  Glieder  zueinander  ist  nicht 
leicht  zu  bemerken.  Die  Lehme  des  Joches  sind  ein  Thal  im  Thal, 
nämlich  im  rothen  Quarzconglomerat.  Dieses  bildet  überdies  noch 
eine  Terrasse  nördlich  davon,  beim  Gamsbauer,  sowie  jenseits  des 
Thörlgrabens  die  beiden  Plateaus  beim  Gallegger  und  beim  Bauer 
Pötschen.  Das  wäre  ein  von  Westen  her  ins  Thörlthal  und  in  diesem 
in  die  Mürz  gegen  Kapfenberg  zu  Üiessender  Stromlauf.  Die  Mürz 
selbst  fliegst  in  dieser  Gegend  von  Kapfenberg  an  bis  kurz  vor 
Kindberg  am  südöstlichen  Rande  einer  tertiären  Sand-  und  Lehm- 
ablagerung, des  sogenannten  Beckens  von  Parschlug.  Bei  Kapfenberg, 
zu  beiden  Seiten  des  Thörlgrabens,  sind  noch  Reste  einer  nagelfluh- 
artigen  Terrasse  unbestimmten,  doch  wahrscheinlich  diluvialen  Alters 
erhalten.  Von  da  an  aber  bilden  zuerst  reine  Sande,  dann  Lehme 
oder  lehmige  Sandsteine,  an  der  Strasse  unter  Deuchendorf  flach 
östlich  fallend,  eine  Bucht  ähnlich  der  von  Sekkau.  Der  innerste 
Theil  der  Bucht  wird  von  den  Schieferthonen  erfüllt,  die  die  bekannte 
Flora  von  Parschlug  geliefert  haben.  Von  Conglomeraten  sah  ich  gar 
nichts.  Stur's  Angabe,  dass  das  Conglomerat  den  ganzen  Raum 
zwischen  dem  innersten  Theil  des  Beckens  und  dem  Diluvium  der 
Mürz  erfülle,  ist  unrichtig.  Auch  darin  gleicht  das  Tertiär  von  Par- 
schlug dem  von  Sekkau,  dass  es  längs  des  Hauptthaies  nach  Nordost 
zu  durch  einen  schmalen  Streifen  lehmiger  Sandablagerung  fortgesetzt 
wird,  die  sogar  im  Fortstreichen  einen  Sattel,  zwischen  dem  Wart- 
bergkogl,  einem  Gneissvorsprung,  den  die  Mürz  urafliesst,  und  dem 
Grundgebirge,  erfüllt,  genau  wie  bei  St.  Stefan  oberhalb  St.  Michael. 
Eine  eigenthümliche  Homomorphie. 

Ln  Norden,  wo  in  der  Niederung  der  Stübming,  dem  Aflenzer 
Becken,  auch  heute  noch  der  nördliche  Arm  des  Doppelthales 
erhalten  ist,  flnden  wir  in  dieser  breiten,  über  10  km  langen  Furche 
auch  die  Ablagerungen  des  tertiären  Thaies  erhalten.  Auch  hier 
bilden  die  Thonschiefer,  Lehme  und  Sande  das  Liegende.  Auf  ihnen 
lagern  die  wahrscheinlich  diluvialen  Schuttkegel  des  Seegrabens,  des 
Feistritz-  und  Fölzergrabens.  Auch  in  dem  Abschnitt  der  Tertiärzeit, 
dessen  Bildungen  uns  erhalten  wurden,  durchfloss  kein  Fluss  mehr 
dieses  Thal  als  Längsfluss.  Der  Zusammenfluss  lag  auch  damals  schon 
südlich  des  alten  Thaies  in  der  Rinne  der  Stübming.  Interessant  ist 
westlich  vom  heutigen  Tertiärbecken  über  Ettmissl  das  Conglomerat 
eines  heute  verschwundenen  Flusses,  eines  weiteren  Parallelflusses 
der  Fölz  und  des  St.  ligner  Baches.  Im  obersten  Theil  der  Stübming 
ist  die  Zusammensetzung  der  Terrasse  nicht  stets  so  deutlich  zu 
erkennen.  Doch  sah  ich  Gneiss-  und  Schiefergerölle  auf  der  Terrasse 
an  der  Einmündung  des  Rauschinggrabens. 

Eine  genauere  Untersuchung  verdient  die  Pretalhöhe,  das  Joch 
zwischen  Stübming  und  Veitsch.  Oben  fand  ich  keine  Gerolle,  doch 
unmittelbar  darunter  am  Weg  in  die  Stübming,   also  in  rund  1000  w 

Jahi'buch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1899,  49.  Band,  i.  Heft.  (K.  Oestieich.)       25 


194  Karl  Oestreich.  [30] 

Meere^höhe,  sab  ich  wohlgerundete  Schiefer-,  Gneiss-  und  Kalkgerölle, 
wie  sie  nur  von  einem  Fluss  hier  abgelagert  werden  konnten.  Ueber- 
bleibsel  eines  alten,  vielleicht  cretacischen,  von  der  oberen  Veitsch 
in  die  Stubming  fliessenden  Flusses? 

Der  Zug  von  Lehm  und  Mergelschiefer,  den  wir  aus  dem  Par- 
schluger  Becken  im  Hauptthal  bis  nach  Wartberg  verfolgten,  setzt 
sich  nun  an  dem  südwestlichen  Ufer  der  Mürz  bis  kurz  vor  Mürz- 
zuschlag  fort,  und  tritt  auch  auf  der  tertiären  Felsterrasse  über 
Mitterndorf  auf  der  rechten  Seite  des  Flusses  auf.  Bedeckt  ist  er 
bei  Krieglach  zu  beiden  Thalseiten  von  einer  oft  wechselnden  Ab- 
lagerung westlich  fallender,  bald  aus  Gneiss  und  Schiefern,  bald  aus 
KalkgeröUen  bestehender  Conglomerate,  die  mit  Sandstein,  Sand  und 
Lehm  wechsellagern,  was  auf  eine  sehr  abwechslungsreiche  Geschichte 
des  dortigen  Thaies  schliessen  lässt.  Bald  überwog  die  Mürz,  bald 
herrschten  die  Zuflüsse,  besonders  der  rechten  Seite,  vor.  Auf  der 
rechten  Seite  hört  die  Tertiärablagerung  bald  oberhalb  Krieglach 
auf,  auf  der  linken,  bis  Langenwang  wandernd,  verquert  man  eine 
Reihenfolge  von  lehmigen  Thälern  und  Conglomeratrücken.  Später 
bedeckten  den  Lehm  nur  noch  Schuttkegel  jüngerer,  aus  dem  Schiefer- 
gebirge kommender  Nebenbäche. 

Weiter  oberhalb  werden  wir  schon  darum  keine  bedeutendere 
Thalablagerung  erwarten,  weil  die  Semmeringhöhe,  wie  wir  von  vorn- 
herein vermuthen  dürfen ,  auch  in  der  jüngeren  Tertiärzeit  eine 
Wasserscheide  darstellte.  In  der  That  finden  wir  nur  in  schwachen 
Spuren  zwischen  Spital  und  dem  Semmering  die  Gerolle  eines  älteren 
Fröschnitz-  und  Dürrgrabenbaches,  auf  einer  ziemlich  breiten,  in 
schwacher  Neigung  gegen  Südost  abgeböschten  Terrasse,  in  der 
allenthalben  das  Liegende  hervortritt,  so  dass  man  die  Gerolle  förm- 
lich suchen  muss.  In  die  genannte  Terrasse,  die  sich  nach  oben  zu 
in  die  Semmeringhöhe  fortsetzt,  hat  sich  der  Bach  seitdem  ein  noch 
nicht  sehr  ausgebildetes  Bett  vertieft. 

Man  kann  darüber  im  Zweifel  sein,  ob  die  Gerolle  den  tertiären 
oder  den  diluvialen  Flussläufen  entstammen.  Es  finden  sich  auch 
sicher  diluviale  Ablagerungen  in  kleinen  Resten,  so  beim  Wiesenbauer 
am  Eingang  in  die  Fröschnitz,  auch  auf  der  von  der  P'röschnitz  zum 
Dürrgraben  ziehenden  flachen  Vorstufe  des  Dürrkogels.  Doch  ist  es 
zum  mindesten  nicht  ausgeschlossen ,  dass  die  zumeist  bis  aufs 
Liegende  denudirte,  abgeschrägte  Terrasse  zwischen  dem  Kalkzug 
des  Pinkenkogels  und  dem  von  Steinhaus  das  tertiäre  Thalniveau 
darstellt.  Die  Arbeit  der  diluvialen  Flüsse  wäre  dann  in  erster  Linie 
eine  ausräumende  gewesen. 

In  der  Semmeringgegend  ist  durch  die  starke  Denudation  jede 
Spur  einer  tertiären  Ablagerung  verwischt  worden.  Erst  am  Abhänge 
des  Grasberges  gegen  das  Auethal,  über  Weissenbach,  findet  sich  am 
Gehänge  ein  conglomeratartiges  Gestein,  weithin  sichtbar  von  der 
Ebene  aus,  das  auf  der  geologischen  Karte  als  Rohrbacher  Conglo- 
merat,  als  tertiäre  Flussbildung  eingezeichnet  ist.  Doch  die  Gerolle 
sind  eckig,  nie  gerundet,  mit  sehr  dichter  und  stark  hervortretender 
Grundmasse,  so  dass  ich  die  Bildung  als  eine  Gehängebreccie  der 
palaeozoischen    Kalke    des    Grasberges     erklären     muss.      Immerhin 


[31]  Ein  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzeit.  195 

entspricht  ihre  Höhe,  600  —  700  w,  dem  älteren  tertiären  Thal- 
boclen. 

Weder  in  den  oberen  Adlitzgräben,  noch  in  der  Prein  ist  bis 
jetzt  Tertiär  gefunden  worden,  dagegen  ist  hier  nachzutragen,  dass 
über  dem  Altenberger  Graben,  einem  rechten  Zufiuss  des  Kaxen- 
baclies,  in  einer  Höhe  von  900 — 1000  m  ein  kleines,  von  Kalkcon- 
glomerat  und  gelben  Sandsteinzwischenlagern  aufgebautes  Plateau  uns 
einige,  wenn  auch  dürftige  Kunde  von  dem  tertiären  Flussleben  am 
Fusse  der  Kalkalpen  gibt. 

Erst  nach  der  Vereinigung  von  Auebach  und  Schwarza  im 
breiten  Schwarzathal,  das  eine  Meereshöhe  von  nur  mehr  rund  450  ni 
hat,  beginnt  die  Ablagerung  des  echten  Rohrbacher  Conglomerates, 
der  tertiären  Ablagerung  im  Innersten  des  Wiener  Beckens. 

Es  wird  angezeigt  sein,  dasselbe  im  Zusammenhang  mit  einer 
kurzen  Betrachtung  der  ganzen  inneralpinen  Wiener  Tertiärent- 
wicklung zu  Studiren. 

Der  Einbruch  des  „alpinen"  Wiener  Beckens,  der  nach  Süden 
dreieckig  zugespitzten  Niederung  zwischen  Kalk-  und  Sandsteinzone 
der  Alpen  im  Westen,  Rosalia-  und  Leithagebirge  im  Osten,  war  ge- 
folgt von  einer  Transgression  des  mittelmiocänen  Meeres.  Es  entstand 
durch  den  Wellenschlag  längs  des  neu  geschaffenen  Querabbruchs 
der  Alpen  eine  Strandterrasse,  an  die  sich  die  marine  Uferbildung  des 
Leithakalks  anlehnte ;  in  der  Tiefe  bildete  sich  der  bekannte  ßadener 
Tegel.  Unter  dem  Einfluss  einer  Verminderung  des  Salzgehaltes  wurde 
gegen  das  Ende  der  ]\iiocänzeit  die  Fauna  der  „zweiten  Mediterran- 
stufe" artenärmer  und  auch  sonst  mannigfach  umgeändert.  Das  früher 
rein  salzige  Bildungsmedium  dieser  Fauna  wurde  ausgesüsst,  brackisch. 
Diese  Stufe  nannte  man  die  „sarmatische".  Darauf  folgte  nach 
R.  Hörn  es,  der  in  seiner  neuesten  Schrift')  frühere  Gedanken  von 
Suess  und  Andrusow  aufgreift,  eine  Zeit  der  Erosion,  und  diese 
wurde  wiederum  abgelöst  durch  die  „pontische"  Transgression,  eine 
Ueberflutung  durch  die  nunmehr  völlig  ausgesüsste,  weitverbreitete 
„pontische"  Seebildung,  deren  Ablagerung  die  Congerienschichten 
darstellen. 

Im  Innersten  des  Wiener  Beckens  gibt  es  keine  marinen  Ab- 
lagerungen. Die  —  geologisch  gesprochen  —  plötzliche  Erniedrigung,  das 
plötzliche  Sinken  der  Erosionsbasis,  musste  die  Erosionskraft  ins  Un- 
geheure steigern.  Und  thatsächlich  finden  wir  den  gewaltigen  Schutt- 
kegel des  Rohrbacher  Conglomerates  in  einer  Mächtigkeit  von  über 
50  m  bis  10  km  breit  quer  über  das  Thalbecken. 

Die  Frage  nach  dem  Alter  hat  man  geglaubt  lösen  zu  können 
durch  den  Nachweis  sarmatischer^)  Sande  und  Lehme  im  Liegenden 
des  Conglomerates  bei  Brunn  am  Steinfeld,  sowie  durch  den  Fund 
von  Dinotheriumi  Cuvieri^)  ebenda  im  Conglomerat.  Das  Conglomerat 
wäre  demnach  in  die  Zeit  der  Congerienstufe   zu   stellen.   Doch   ab- 


^)R.  Hörne s,    Sarmatische    Concbylien    aus    dem    Oedenburger    Comitat. 
Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1897. 

2)  Karr  er,    Geologie    der   Kaiser   Franz   Josefs -Hochquellenwasserleitung. 
Abhandl.  d    k.  k.  geol.  R.-A.  1877,  IX.  Bd.,  pag.  75. 

8j  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1882,  pag.  342. 

25* 


196  Karl  Oestreich.  [32] 

gesehen  davon,  dass  die  Identität  des  Conglomerates  von  Brunn  a.  St. 
mit  dem  echten  von  Rohrbach  nicht  ohne  weiters  angenommen 
werden  darf,  da  beispielsweise  das  seinerzeit  ebenfalls  als  Rohrbacher 
Conglomerat  bezeichnete  Congiomerat  weiter  nördlich  zwischen 
Steinabrückl  und  Enzesfeld  sich  nach  Bittner  und  anderen  durch 
seine  Structur  als  Deltabildung  erwiesen  hat,  ist  ein  solches  Ergebnis 
auch  gar  nicht  zufriedenstellend.  Das  Rohrbacher  Conglomerat  ist  die 
älteste  Bildung  nach  dem  Einbruch.  Wenn  wir  demnach  nicht  zwei 
Einbrüche  annehmen  wollen,  muss  das  Conglomerat  auch  die  Ab- 
lagerung des  Flusses  unmittelbar  nach  dem  grossen  und  einmaligen 
J]inbruch  darstellen. 

Das  Rohrbacher  Conglomerat  ist  ein  ausgezeichnetes  Kalkcon- 
glomerat,  KalkgeröUe  in  einem  kalkigen  Bindemittel  von  oft  sand- 
steinartigem Aussehen. 

Es  beginnt  als  Hangendes  der  kleinen,  wahrscheinlich  dem 
Einbruch  des  Beckens  vorangehenden  ^),  durch  Mastodon  angustidens 
Cuv.  2)  ausgezeichneten  Braunkohlenablagerung  von  Hart  bei  Gloggnitz, 
bildet  darauf  einen  schmalen  Streifen  am  westlichen  Thalgehänge 
über  Stuppach  und  wiederum  von  Liesling  bis  Pottschach.  Hier  er- 
langt es  grössere  Breite  und  setzt,  durch  den  Saubachgraben  unter- 
brochen, ein  Plateau  am  südwestlichen  Abhang  des  Johannserberges 
(„Gefiederwarte"),  den  sogenannten  Lenzberg,  in  einer  Höhe  von 
über  500  m,  bis  Schloss  Vöstenhof  zusammen.  Seine  ganze  Mächtig- 
keit und  Ausdehnung  wird  aber  erst  klar  durch  das  Auftreten  der 
Rohrbacher  und  Neunkircher  Terrassen,  zweier  zu  beiden  Seiten  des 
Schwarzathals  bis  zu  450  m,  also  60  m  über  das  heutige  Flussbett, 
aufragender  breiter  Vorstufen,  des  Kalkgebirges  im  Westen,  des 
Gneiss-  und  Schiefergebirges  im  Osten. 

Das  Neunkirchner  Plateau  stellt  aber  nur  in  seinem  westlichsten 
Theil  und  auch  wieder  an  seinem  nordöstlichsten  Ausläufer  bei 
Ritten  den  Schuttkegel  der  Schwarza  dar.  Im  östlichen  Theil  besteht 
es  aus  Quarzit-  und  Schiefergeröllen.  Der  tertiäre  Pittenbach  mündete 
demnach  weiter  westlich  als  heute. 

Die  überaus  ebene  Oberfläche  des  vorderen  Neunkirchner 
Plateaus  könnte  den  flüchtigen  Beobachter  veranlassen,  in  420 — 450  m 
das  absolute  Niveau  zu  vermuthen,  bis  zu  dem  die  tertiäre  Auf- 
schüttung stattfand.  Doch  lehrt  uns  die  Terrasse  des  Lenzberges  mit 
520  m,  dass  auch  hier,  wie  fast  stets,  die  Tertiärablagerungen 
Störungen  erfuhren. 

Und  noch  eine  weitere  Bemerkung  wird  durch  die  Lenzberg- 
terrasse veranlasst.  Der  von  der  linken  Seite  einmündende  Sirningbach 
floss  in  der  Tertiärzeit  senkrecht  auf  die  Richtung  des  Hauptflusses, 
zwischen  Johannserberg  und  Hochstickelberg,  wofür  die  ebenerwähnte 
Terrasse  Zeugnis  ablegt.  Da  er  gleichfalls  aus  den  Kalkalpen  kommt, 
bildet  er  eine  Geröllablagerung,  die  der  der  Schwarza  entsprechen 
muss.  Die  Schwarza  scheint  nun  schneller  erodiert  zu  haben,  so  dass 
der  Sirningbach  mit  seinen  Geröllmassen   sich  seinen  Ausfluss  selbst 


')  Karr  er,  1.  c.  pag.   1   f. 
^)  Karr  er,  1.  c.  pag.  59. 


[33]  Ein  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzeit.  197 

verbarrikadirte.  Er  suchte  sich  daher  ein  neues  Bett,  nördlich  vom 
Johannserberg  in  den  weiclieren  Phyliiten  und  triadisciien  Werfener 
Schiefern.  Die  nagelfluhartigen  Gerölhnassen  bei  St.  Johann  und  unter 
dem  nordöstlichen  Abhang  des  Johannserberges  dürften  wohl 
diluvial  sein. 

Ausser  dem  fast  reinen  Kalkconglomerate  finden  wir  ein  jüngeres, 
wahrscheinlich  diluviales  M,  mehr  nagelfluhartiges  indem  ersteren  ein- 
gesenkt. So  in  Ternitz  am  Bahneinschnitt,  am  Steilufer  der  Schwarza, 
ferner  bei  Stuppach  und  Liesling  unter  der  Tertiärterrasse.  Dieses 
Gestein  enthält  zum  Unterschied  vom  Rohrbacher  Conglomerat  viele 
Gerolle  der  Grünschiefer  (einer  Zone  der  Quarzphyllite  nach  Vacek). 
Zur  Zeit  des  Rohrbacher  Flusses  lag  also  die  Thalsohle  noch  über 
den  Payerbacher  Grünschiefern,  in  der  Höhe  des  Preinthales.  Erst 
das  diluviale  Thal   grub   sich  tiefer  ein    bis   zur   heutigen  Thalsohle. 

Beide  Bildungen  verschwinden  unter  dem  mächtigen  diluvialen 
Schuttkegel  des  Steinfeldes.  Von  nun  an  kann  man  nicht;  mehr  von 
einem  Längsthal  reden.  Wir  stehen  am  Schlüsse  unserer  Ausführungen 
über  Vorkommen  und  Verbreitung  der  tertiären  Ablagerungen  in  dem 
zu  besprechenden  Gebiet. 


IL  Theil. 


Theoretische  Betrachtungen. 

1.  lieber  das  relative  Alter  und  die  relative  Höhe  der 
Tertiärablagerungen. 

Fasst  man  alles  zusammen,  was  an  Beobachtungen  über  ältere 
Thalablagerungen  bisher  mitgetheilt  wurde,  so  erhebt  sich  zunächst 
die  Frage  nach  dem  relativen  Alter  dieser  Ablagerungen  unter  sich. 
Denn  ein  für  alle  diese  Bildungen  gleiches  absolutes  Alter  anzunehmen, 
worauf  Stur's  Forschungen  hinausliefen,  wäre  unwissenschaftlich  und 
a  priori  abzuweisen.  Logischerweise  müssen  wir  zu  jeder  Zeit  im 
ganzen  Gebiete  Erosion  und  Flussleben  voraussetzen. 

Die  Fossilfunde  sind  nun  recht  ungenügend.  Die  von  Stur  (Geo- 
logie der  Steiermark,  S.  581)  gegebene  Tabelle  der  tertiären  Fossilien 
ist  seit  jener  Zeit,  seit  1871,  nur  unbeträchtlich  erweitert  worden  2). 
Es  muss  auffallen,  dass  die  Säugethiere  sämmtlich  dem  Miocän,  der 
ersten  Wiener  Säugethierfauna,  angehören ;  wie  als  hätte  die  heran- 
nahende oder  gar  schon  eingetretene  Eiszeit  im  Pliocän  die  Thierwelt 
bis  fast  zum  Aussterben  reducirt.  Auch  die  Molluskenfauna,  die  Stur 
mit   der   von  Rcun  und  Köflach    im    Tertiärland    des  Grazer    Beckens 


')  Karr  er,  1.  c.  pag.  69. 

^)  Besonderes  Interesse  verdient  nur  der  Fund  eines  Zahnes  von  Palaeo- 
therium,  das  allgemein  als  obereocän  gilt,  im  Becken  von  Parschlug.  Toula, 
Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1884,  pag.  345. 


198  Karl  Oestreich.  [34] 

identificirte,  wäre  nach  P  e  n  e  c  k  e's  Fixirung  dieser  Schichten  unter- 
miocän  ^),  Doch  ist  zu  bemerken,  dass  eine  gründliche  Aufsannmlung 
und  Bearbeitung  der  Süsswasserconchylien  des  Mur-Mürzgebietes  noch 
nicht  vorgenommen  wurde.  Daher  muss  für  die  Beurtheilung  des  rela- 
tiven Alters  der  in  Rede  stehenden  Ablagerungen  vorderhand  lediglich 
Gesteinscharakter  und  Lagerung  massgebend  werden. 

Es  ist  auch  nicht  ausgeschlossen,  dass  ein  „gleiches  Alter"  oft 
nur  in  morpliogenetischem,  aber  keineswegs  in  stratigraphischem  Sinne 
aufzufassen  ist. 

Eine  auffallende  Thatsache  ist,  dass  die  tiefsten  Bildungen  im 
allgemeinen  schlammiger  und  sandiger  Natur  sind :  Mergelschiefer  und 
Thonschiefer,  Lehme  und  feine  Sande,  also  Ablagerungen  aus  ruhigem 
Wasser,  aus  Seen  oder  ruhig  fliessenden  Flüssen.  Dies  gilt  vom  Mürz- 
thal,  vom  Atienzer  Becken,  von  Leoben,  von  Trofajach.  Auch  im 
Liegenden  des  Conglomerates  von  St.  Michael  bei  Leoben  erwähnt 
Stur  die  Schichten  der  „tieferen  Stufe".  In  der  Knittelfelder  Becken- 
landschaft kommen  nur  im  Hängendsten  Geröllablagerungen  vor.  Ueber- 
haupt  lässt  sich  die  Reilienfolge  von  Bildungen  in  ruhigem  Wasser 
und  darüber  Schotter  oder  Conglomerat  für  das  ganze  Mürzbecken  und 
die  Durchbruchsregion  festhalten.  Im  oberen  Murbecken  ist  sie  weniger 
klar.  Das  kleine  Vorkommen  im  Waltersbachgraben  bei  Unzmarkt 
würde  den  geforderten  Bedingungen  noch  entsprechen.  Aber  im  Tertiär 
von  Schöder  und  Oberwölz  kann  man  —  bis  jetzt  wenigstens  —  nicht 
von  „tieferen  Bildungen"  reden,  und  im  Lungauer  Tertiär  wechseln 
Conglomerat  und  Schieferthon  regelmässig  ab. 

Es  ist  hier  einzufügen,  dass  auch  die  Conglomerate  sich  oft  auf- 
fällig durch  die  geringe  Korngrösse  ihrer  GeröUe  von  den  Schotter- 
bildungen der  diluvialen  und  recenten  Flüsse  unterscheiden.  Man 
erinnere  sich  des  Conglomerates  von  Trofajach,  das  im  südlichsten 
Theil,  südlich  der  Strasse  Trofajach-Traboch,  fast  ausschliesslich  aus 
feinen,  nicht  centimetergrossen  Körnern  besteht.  Dasselbe  Conglomerat 
setzt  auch  die  nördliche  Terrasse  des  Lainthales  zusammen  und  findet 
sich  im  Donawitzer  Conglomerat  bei  Leoben  wieder.  Auch  der  Sand- 
stein von  Sekkau  verdiente  wohl,  bei  dieser  Betrachtung  herangezogen 
zu  werden. 

Die  Zeit  der  Ablagerung  der  später  conglomerirten  Flussschotter 
entspricht  einer  Erosionsperiode  im  Gebirge,  einer  Zeit  wasserreicher, 
gefällreicher  Flüsse,  die  auf  eine  Zeit  folgte,  in  der  das  Fehlen  solcher 
Flüsse  die  Bildung  grosser,  reiner  Seen  ermöglichte,  u.  a.  des  Stübming- 
Sees,  des  Sees  von  Trofajach.  Die  Ablagerungen  dieser  Seen  sind  nun 
wiederum,  mit  Ausnahme  unbedeutender  localer  Grundconglomerate, 
die  tiefsten  Bildungen  auf  dem  Grundgebirge. 

Nehmen  wir  nun  an,  dass  die  von  diesen  Seen  erfüllten  Niede- 
rungen die  Ergebnisse  der  grossen  intratertiären  Gebirgsaufrichtung 
waren,  so  gelangen  wir  zu  einer  Anschauung,  die  einen  Widersinn 
enthielte:   dass   nämlich  trotz  einer   plötzlich  eingetretenen  Höhenver- 


')  Pen  ecke,  Die  Molluskenfauna  des  untermiocänen  Süsswasserkalkes  von 
Reun  in  Steiermark.  Zeitschrift  der  Deutschen  geol.  Gesellschaft  1801,  Bd.  XLIII, 
pag.   346. 


[35]  Ein  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzeit.  199 

Schiebung,  die  beispielsweise  beim  Trüfajacher  Becken  1000  m  betruji, 
doch  keine  Flüsse  mit  starker  Erosion  und  Accumulation  entstanden, 
sondern  in  weiten  Seebecken  ruhige  und  ungestörte  Ablagerung  weicher 
Schichten  zu  grosser  Mächtigkeit  vor  sich  ging. 

Diese  Ueberlegung  legt  uns  den  Gedanken  nahe,  ob  nicht  jene 
grosse  Höhendifferenz  erst  nachträglich  eintrat,  als  die  Ablagerung 
der  weichen  Schichten  bereits  stattgefunden  hatte,  und  zwar  in  einer 
anderen  absoluten  Höhe,  die  von  der  Kammhöhe  der  überragenden  Ge- 
birge weniger  differirte.  Mit  anderen  Worten:  Bildungen,  wie  die 
Kalkmauer  des  Reiting,  mögen  erst  in  der  Tertiärzeit,  und  zwar  nach 
Beginn  der  uns  erhaltenen  Tertiärablagerungen  durch  Brüche  bloss- 
gelegt  worden  sein.  Das  Hochgebirge,  also  der  relativ  grosse  Unter- 
schied zwischen  Thalbodenhöhe  und  Kammhöhe,  bestand  noch  nicht 
zur  Zeit  des  Absatzes  der  Gebilde  der  tieferen  Stufe. 

Wie  Stur  anfänglich  auf  Grund  des  Fundes  der  Congeria  von 
Fohnsdorf  bei  Knittelfeld  eine  Stufenfolge  der  Ablagerungen  construiren 
wollte,  können  wir  dasselbe  thun  auf  Grund  der  Prüfung  des  Gesteins- 
charakters. 

Für  das  obere  Murthal  haben  wir  auch  für  die  ältere  Zeit  Hoch- 
gebirgsverhältnisse  anzunehmen.  In  der  weiten  Taurachebene  spielte 
sich  ein  überaus  wechselvolles  Flussleben  ab :  bald  überwogen  die 
Flüsse,  die  wiederum  hin  und  her  pendelten,  bald  trat  ein  Stillstand 
ein,  und  Zwischenbildungen  sandigen  und  mergeligen  Charakters  kamen 
zur  Ablagerung. 

Für  die  Durchbruchsregion  jedoch  und  das  Mürzbecken  lässt  sich 
eine  ältere  und  eine  jüngere  Jungtertiärzeit  unterscheiden,  ein  Mittel- 
gebirgsstadium  und  eine  Zeit  des  Hochgebirges. 

Wohin  in  der  Zeit  des  Mittelgebirges  die  Seen  von  Leoben, 
Trofajach,  Aflenz  und  Parschlug  entwässert  wurden,  lässt  sich  in 
keiner  Weise  feststellen.  Doch  kann  kein  Zweifel  herrschen,  dass  der 
spätere,  aus  dem  triadischen  Kalkgebirge  des  Ennsthales  herfliessende 
Liesing-Murfluss  die  nun  auch  in  den  genannten  Seebecken  zur  Bildung 
gekommenen  Flüsse,  Vordernbergerbach,  Thörlgraben,  Mürz,  aufnahm 
und  im  heutigen  Durchbruchthale  in  die  pannonische  Ebene  hinausfloss. 

Die  Terrassen  des  Palten-  und  Liesingthales  sind  noch  nicht 
untersucht,  aber  die  tertiären  Schuttkegel  von  Trofajach,  St.  Michael 
und  Donawitz  enthalten  in  der  Hauptsache  Gerolle  der  nördlichen 
Kalkalpen.  Darüber  kann  kein  Zweifel  bestehen.  Und  wenn  man  auch 
bedenkt,  dass  die  palaeozoischen  Kalke  der  Eisenerzer  Alpen  von  den 
Triaskalken  überlagert  werden,  lassen  sich  doch  unter  den  heutigen 
Verhältnissen  und  im  Hinblick  auf  ihre  diluvialen  Bildungen  die 
heutigen  Zuflüsse  des  Trofajacher  Beckens  nur  sehr  schwer  als  die 
Herbeischaffer  der  erwähnten  Kalkgeröllmassen  ansehen;  so  dass  der 
gewagt  lautende  Schluss,  die  Mur  als  Abfluss  der  oberen  Enns  zu  er- 
klären, noch  der  natürlichste  Erklärungsweg  sein  dürfte. 

Einige  Schwierigkeit  bereitet  uns  das  Trofajacher  Becken  immer- 
hin, und  die  Darstellung  der  Flussgeschichte  jener  Gegend  wäre  ohne 
die  Existenz  desselben  bedeutend  leichter.  Die  Enns  würde  bei 
St.  Michael  in  das  heutige  Murthal  einbiegen  und  wäre  von  da  bis 
nach  Brück  zu  verfolgen.    So  aber  öffnet   sich   das    Liesingthal    gegen 


200  Karl  Oestreich.  [36] 

das  Becken  von  Tiofajach,  in  dem  das  Kalkcongloraerat  den  Berg- 
rücken des  Kehrwaldes  zusammensetzt,  dessen  zum  Theil  sehr 
mächtige  Blöcke  einen  sehr  bedeutenden  Strom  voraussetzen,  der, 
wenn  wir  die  morphologischen  Verhältnisse  im  Auge  haben,  gerad- 
linig nach  Südsüdost  gegen  den  Hauptfluss  nach  Donawitz  zu  abfloss. 
Ausserdem  besteht  aber  auch  die  Terrasse  des  Laintbales  aus  demselben 
Conglomerat.  Wir  müssen  daher  einen  Fluss  annehmen,  der  hier  in 
starken  Windungen  floss.  Doch  möchte  es  verfrüht  sein,  den  Verlauf 
dieser  Windungen  anzugeben. 

Oder  aber,  wir  vereinfachen  uns  die  Deutung  dieser  sonderbaren 
Verhältnisse  durch  die  Annahme  einer  späteren  Senkung  des  Beckens 
in  seiner  Gesammtheit.  Alsdann  wären  die  Conglomerate  des  Beckens 
doch  vom  Vordernberger  und  Rötzbach  herbeigeschafft  worden,  die  in 
einem  höheren  Niveau  in  der  damals  noch  weiter  ausgedehnten  Trias- 
decke geflossen  wären,  und  der  Vordernberger  Bach  wäre,  wie  heute, 
ein  Nebenfluss  der  Mur  gewesen,  die  als  Liesing  aus  dem  Ennsthal 
nach  St.  Michael  floss. 

Vielleicht  ist  diese  letztere  Deutung  die  zutreffende.     . 


2.  lieber  die  absolute   Höhe  der  Tertiärthäler. 

Nachdem  somit  einige  Betrachtungen  über  die  relative  Höhe  der 
Tertiärthäler  mitgetheilt  wurden,  wird  mit  Recht  auch  die  Frage  nach 
der  absoluten  Höhe  des  tertiären  Thalsystems  aufgeworfen  werden. 
Lag  der  tertiäre  Thalboden  höher  als  der  heutige  oder  nicht? 

Im  allgemeinen  gilt  wohl  die  Anschauung,  dass  die  Flüsse  ihre 
Thäler  allmälig  einschneiden,  dass  in  einem  breiten,  hochgelegenen 
Thale  ein  schmäleres,  tieferes,  eingeschnitten  wird,  und  dass  dieser 
Vorgang   bei  jeder    Tieferlegung    der    Erosionsbasis    sich    wiederholt. 

Doch  complicirt  sich  dieses  allmälige  Einschneiden  durch  die 
Gebirgsbewegungen. 

Thatsache  ist,  dass  wir  an  manchen  Stellen  unzweifelhafte, 
modellartige,  ungestörte  Auflagerung  des  tertiären  Conglomerates  auf 
den  Plateaus  über  dem  heutigen  Thal  haben,  so  über  dem  Alten- 
bergerthal  zwischen  Rax  und  Schneealpe,  so  auf  dem  Greggerberg 
bei  Brück  an  der  Mur. 

Aber  ebenso  haben  wir  Tertiärbildungen,  die  unter  die  heutige 
Thalsohle  tauchen,  so  die  des  Judenburger  Beckens,  die  Rohrbacher 
Conglomerate,  das  Lungauer  Tertiär.  Daher  lässt  sich  für  unser 
Längsthal  die  gestellte  Frage  nicht  so  ohne  weiteres  einheitlich  be- 
antworten, und  die  einzelnen  Ablagerungen  sind  auf  ihre  Höhenlage 
zu  prüfen.  Aber  auch  so  werden  unsere  Ergebnisse  sehr  mangelhaft 
sein,  da  Tiefbohrungen  nur  selten  ausgeführt,  noch  seltener  aber  deren 
Ergebnisse  in  die  Oeftentlichkeit  gelangt  sind.  Die  Untersuchung  lässt 
sich  zur  Zeit  nur  in  grossen  Zügen  führen. 

Die  tertiären  Ablagerungen  erscheinen,  mit  ganz  wenigen  Aus- 
nahmen, stets  gestört.  Von  vornherein  wird  man  nun  im  Zweifel  sein, 
ob  sie  allein  gestört  wurden  oder  ob  sie  von  Gebirgsbewegungen,  die 
ihre  Unterlage  betrafen,  in  Mitleidenschaft  gezogen  wurden.  Und  auch 
unter  dieser  Voraussetzung   können   sie   gesonderte    Bewegungen   aus- 


[37]  Ein  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzeit.  201 

geführt  haben,  infolge  ihrer  geringeren  oder  stärkeren  Consisten/  im 
Verhältnis  zu  der  liegenden  Grundgebirgsmasse. 

In  jedem  Falle  erfolgte  eine  Schrägstellung  des  tertiären  Thaies, 
in  einem  Falle  nur  der  Ablagerungen,  im  anderen  Falle  der  Ab- 
lagerungen und  des  Thalbodens,  bald  in  höherem,  bald  in  geringerem 
Betrag,  so  dass  das  tertiäre  und  das  heutige  Thal  zwei  —  thatsächlich 
oder  in  ihrer  Verlängerung  —  sich  spitzwinkelig  schneidende  Flächen 
darstellen 

Am  sichersten  wird  man  eine  Höhenbestimmung  des  tertiären 
Thalbodens  ausführen  können,  wenn  man  ausser  den  Geröllterrassen 
auch  Terrassen  im  anstehenden  Felsgestein  vorfindet,  und  von  solchen 
Punkten  hat  somit  die  Untersuchung  auszugehen. 

Einen  derartigen  Anhaltspunkt  bietet  uns  das  Leissnitzthal 
östlich  von  Tamsweg,  die  Fortsetzung  des  Murthaies.  Die  Vereinigung 
beider  Flüsse  liegt  bei  Tarasweg  in  circa  1020  m  Meereshöhe,  die 
Thalwasserscheide  zwischen  Leissnitz  und  Seebach  10  km  oberhalb  in 
einer  Höhe  von  1246  m.  Während  also  gegen  die  Mur  hin  eine  Er- 
niedrigung von  200  m  stattfand,  ist  auch  die  Wasserscheide  selbst  um 
etwa  60  m  tiefer  gelegt  worden ;  denn  zu  beiden  Seiten  finden  sich 
Terrassen,  die  nördliche  in  1293w,  die  südliche  etwa  in  gleicher  Höhe  i), 
die  nördliche  bedeckt  von  dem  auf  dem  Glimmerschiefer  lagernden 
Tertiär  (und  glacialem  Diluvium),  die  süilliche  im  anstehenden,  nörd- 
lich fallenden  Gneiss.  An  das  Gebirge  der  Nordseite  angelehnt,  er- 
hebt sich  aus  dem  Thale  das  tertiäre  Conglomerat.  Es  fällt  sehr  flach 
bald  nach  Südwest,  bald  nach  Südost.  Die  weichen  alten  Schiefer,  auf 
denen  es  lagert,  sind,  wie  im  unteren  Preberbachgraben  zu  sehen,  an 
der  Auflagerungsfläche  zerdrückt  und  gefältelt.  Hier  wäre,  da  die 
Terrassen  zu  beiden  Seiten  ungestört  blieben,  somit  eine  Bewegung, 
die  lediglich  die  Thalablagerungen  betraf,  eine  Art  Nachsackung,  fest- 
gestellt. Es  ist  wohl  erlaubt,  für  die  Tertiärzeit  einen  Thalboden  in 
der  Höhe  von  1300  m  anzunehmen.  In  diesen  senkten  sich  zwei 
schmälere  Thalböden  ein,  ein  nördlicher  und  ein  südlicher,  von  denen 
nur  noch  der  letztere  heute  als  Wasserader  benützt  wird. 

Für  die  Höhenlage  der  Tertiärthäler  des  obersteierischen 
Doppelthalsystems  kann  uns  die  Bodenplastik  der  Gegend  von  Ober- 
wölz  einige  Anhaltspunkte  geben.  Südlich  gegenüber  von  Oberwölz, 
dessen  Kirche  in  828  m  liegt,  erreicht  das  gegen  das  Thal  einfallende 
Conglomerat  eine  Höhe  von  etwa  1000  m,  westlich  vom  Eselsberger 
Bach  hat  es  eine  Mächtigkeit  von  200  w,  von  900  bis  etwa  1100  m, 
und  in  dieser  Höhe  dehnt  sich  auf  der  gegenüberliegenden  Seite  die 
grosse,  in  der  Diluvialzeit  vergletscherte  Ebene  von  Pöllau  aus.  Bei 
ungestörter  Lagerung  wäre  es  das  nächstliegende,  für  die  Tertiärzeit 
eine  der  heutigen  entsprechende  Thalsohle  anzunehmen,  und  eine 
starke  Geröllführung,  welche  die  heutigen  Thäler  bis  zur  Plateauhöhe 
ausfüllte.  Nun  sind  aber  sämmtliche  tertiären  Reste  geneigt  nach  Norden 
oder  Nordwest,  wie  abgesunken  von  diesem  Plateau  selbst.  Und  daher 
dürfen  wir  wohl  in  eben  diesem  Plateau  die  Höhe  der  tertiären  Thal- 
sohle sehen.     Stellt  das  Conglomerat   von  St.  Lambrecht   das  GeröUe 


^)  Cote  1198  bildet  beiweitem  nicht  die  Terrassenhöhe. 
Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1899,  49.  Band.  1.  Heft.  (K.  Oestreich.)       26 


202  Karl  Oestreich.  [38] 

des  tertiären  Flusses  dar,  so  war  der  Neumarkter  Sattel  in  der  Höhe 
von  etwas  über  900  w  der  tertiäre  Thalboden.  In  800 -900  m  liegen 
zu  beiden  Seiten  der  Mur  Terrassen,  so  Schrattenberg  und  die  auf- 
fällige Stufe  im  Gehänge  des  linken  Ufers  bei  Unzmarkt;  auch  das 
Thonvorkommen  im  Waltersbachgraben  lässt  sich  hier  einbeziehen. 

Schwieriger  gestaltet  sich  die  Untersuchung  im  Judenburger 
Becken.  Der  Anhaltspunkt,  den  uns  die  Hügel  der  tertiären  Vorstufe 
gewähren,  die  bis  gegen  900  m  Sand-  und  Geröllbedeckung  tragen,  wird 
durch  die  Verhältnisse  an  der  nördlichen  Seite  in  seiner  allgemeinen 
Giltigkeit  beeinträchtigt,  da  die  tertiären  Ablagerungen  hier  unter  die 
heutige  Thalsohle  tauchen. 

Nun  ist  ja  die  jüngere  Tertiärzeit  in  unserer  Gegend  überhaupt 
keine  Erosionsperiode,  sondern  eher  eine  echte  Accumulationsperiode, 
aber  eine  über  200  m  betragende,  gleichmässige  Ausfüllung  des  Beckens 
ist  bei  der  relativ  kurzen  Zeit  seines  Bestandes  i)  an  sich  unwahrschein- 
lich;  und  zu  dem  deutet  gerade  der  verschiedene  Charakter  der  Nord- 
und  Südseite  auf  Gebirgsbewegungen,  auf  Verschiebungen,  so  dass  der 
Nordflügel  dem  Südflügel  nicht  mehr  entspricht.  Wir  haben  hier  eine 
Bruchregion,  die  erst  in  der  Diluvialzeit  oder  kurz  vor  derselben  zur 
Ruhe  kam.  Darauf  deutet  auch  die  obenerwähnte  Anwesenheit  der 
Quellen  von  Sauerbrunn  am  Pölshals  und  Sauerbrunn  gegenüber  von 
St.  Lorenzen. 

Wahrscheinlich  lag  der  tertiäre  Thalboden  etwa  in  der  Höhe  des 
Obdacher  Sattels. 

Wie  passt  das  nun  zu  unserer  Annahme,  dass  die  Mur  über  den 
Obdacher  Sattel  in  das  Lavantthal  fioss'?  Verliessen  wir  doch  die 
tertiäre  Mur  in  einer  Höhe  von  etwa  900  m,  während  der  Obdacher 
Sattel  heute  noch  in  951  m  liegt! 

Das  Judenburger  Becken  ist  nach  unserer  Annahme  durch  Ein- 
brüche entstanden.  Das  heisst:  längs  Bruchspalten  sind  Theile  des 
Gebirges  in  ihrer  Lage  zueinander  verschoben  worden.  In  unserem 
Falle,  an  der  Bruchspalte,  die  das  Becken  südlich  begrenzt,  mag  der 
nördliche  Flügel  abgesunken  sein,  der  südliche  hingegen  eine  Hebung 
erfahren  haben,  eine  Hebung,  die  diesmal  ein  ganzes  Gebirgsstück, 
den  Grössenbergstock  und  das  Flussgebiet  des  oberen  und  mittleren 
Lavantthales,  betraf. 

Bewiesen  ist  diese  Lösung  nicht,  wohl  aber  verdiente  sie,  an  Ort 
und  Stelle  auf  ihre  Richtigkeit  geprüft  zu  werden. 

Der  hypothetisch  geforderte  Abtiuss  der  Miir  über  den  Obdacher 
Sattel,  der  etwa  150  m  gehoben  sein  mag,  wäre  gerettet,  und  damit 
zugleich  die  Möglichkeit  einer  Erklärung  des  engen  mittleren  Lavant- 
thales, des  Twimberggrabens,  angebahnt.  Schon  Lipoid  2)  bemerkte 
1854,  es  bestünden  Andeutungen  dafür,  dass  eine  Verbindung  des 
Tertiärs  des  oberen  Lavantthales  mit  dem  des  unteren  bestanden  habe, 
jedoch  nicht  durch  den  Twimberggraben,  sondern  über  den  niederen 
Sattel  bei  Prebel  und  das  Auethal      Ich  konnte    gerade  diese   Gegend 


')  Unter   der  Voraussetzimg,   dass   es   erst  seit  der  Zeit    der  Congerienstufe 
besteht. 

=>)  Jahrb.  d.  k.  k.  geoi.  R.-A.  1854,  pag.  890. 


[39]  Ein  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzeit.  203 

nicht  besuchen  und  muss  mich  daher  auf  Lipo Id's  Angabe  verlassen, 
seine  „Andeutungen"  als  Spuren  tertiärer  Ablagerungen  auffassen.  Aber 
auch  bei  nneiner  flüchtigen  Durchwanderung  des  Lavantthales  war  mir 
klar  geworden,  dass  das  Niveau  des  oberen  Lavantthales  als  ein  deut- 
liches Plateau  in  der  Höhe  von  circa  900  w  sich  hoch  über  dem  Twim- 
berggraben  fortsetzt.  Und  die  Entstehung  dieses  vielfach  gewundenen 
Durchbruchthales  wäre  die,  dass  der  Fluss  ^)  des  oberen  Lavantthales 
nach  eingetretener  Hebung  und  erneutem  Beginn  der  Erosion  seines 
Mittellaufes  sein  altes  Bett  nicht  mehr  fand  und  sich  ein  neues  ero- 
diren  musste. 

Dies  ist  nur  bildlich  gesprochen,  in  Wirklichkeit  wird  die  Erosion 
von  der  Tiefe  des  unteren  Lavantthales  ausgegangen  sein. 

Das  untere  Lavantthal,  das  breite,  in  nur  mehr  rund  400  m 
Meereshöhe  gelegene  Becken  zwischen  Saualpe  und  Koralpe,  stellte, 
wie  jüngst  Höfer^)  in  einer  äusserst  lesenswerthen  Arbeit  gezeigt  hat, 
in  der  Zeit  der  ersten  und  im  Beginn  der  zweiten  Mediterranstufe  eine 
Meeresbucht  dar.  Die  Fossilien  des  Germersdorfer  Baches  bei  St.  Andrä 
gehören  dem  oberen  Grunder  Niveau  an,  also  den  Schichten,  die  im 
ausseralpinen  Wiener  Becken  den  Aequivalenten  des  Leithakalkes  und 
des  Badener  Tegels  vorangingen.  Zur  Zeit  der  Meerestransgression  des 
Wiener  Beckens  war  das  Lavantthal  nicht  mehr  vom  Meer  erfüllt.  Es 
kamen  nun  nur  noch  Sande,  Lehme  und  Conglomerate  mit  Mastodon 
angustidens  zur  Ablagerung.  Aber  auch  nocli  in  dieser  Zeit  wird  die 
Mur  ins  Lavantthal  abgeflossen  sein.  Erst  infolge  jener  Hebung,  die  wir 
in  das  Pliocän,  wenn  nicht  noch  später  anzusetzen  haben,  suchte  die  Mur 
das  Längsthal  innerhalb  der  obersteierischen  Gneisszone  auf.  Vielleicht 
dass  die  Region  der  Brüche  sich  bis  an  das  Knie  dieses  letzteren  fort- 
setzte, so  dass  der  Erosion  gute  Angriffspunkte  geliefert  wurden. 

Für  die  Höhenbestimmung  des  Tertiärthaies  von  Leoben  mag  das 
Conglomeratvorkommen  vom  Jägerhaus  auf  dem  südlichen  Thalgehänge 
in  einer  Höhe  von  660  m  wegweisend  sein.  Vielleicht  lag  der  tertiäre 
Thalboden  in  dieser  Höhe:  und  da  auf  der  nördlichen  Thalseite  die 
Conglomerate  bis  zu  einer  Höhe  von  über  1000  m  ziehen  und  sich 
jenseits  deiselben  wieder  senken,  hätten  wir  auch  für  diese  Gegend 
eine  Bewegung  nachgewiesen,  die  Thal  und  Grundgebirge  in  gleicher 
Weise  verschob. 

Auch  das  Conglomerat  auf  dem  Greggerberge  bei  Brück  an  der 
Mur  in  circa  560  m  deutet  wohl  die  Höhenlage  des  tertiären  Flusses 
über  dem  heutigen  Thale  an.  Entspricht  ihm  doch  auf  dem  jenseitigen 
Ufer  die  Terrasse,  auf  der  die  hl.  Geistkapelle  liegt. 

Von  da  an  hätte  sich  die  tertiäre  Thalsohle  wieder  zu  heben, 
und  im  oberen  Fröschnitzthal  wäre  das  heutige  Thal  dem  tertiären 
nach  Höhe  und  Breite  annähernd  gleich.  Von  den  Verhältnissen  über 
dem  Semmering  wurde  bereits  gesprochen,  und  es  ist  nun  an  der  Zeit, 
diesem  selbst  ein  Alter  zu  geben,  zu  suchen,  ob  in  unserem  Gebiete 
nicht  auch  ältere  Thalniveaus  ausgedrückt  sind. 


')  Nicht  das  Meer,  wie  Lipoid  meinte. 

'^)  Höfer,  Das  Miocän  bei  Mühldorf  in  Kärnten.    Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A. 
1892,  pag.  311. 

26* 


204  Karl  Oestreich.  [40] 

3.  lieber  ältere  Thalniveaus. 

Steht  man  auf  dem  Gstoder,  dem  höchsten  Berge  des  oberen 
Doppelthals  zwischen  Mur  und  Seebach,  so  geniesst  man  wohl  des 
besten  Ueberblickes  über  das  gesammte  obere  Murbecken  mit  seinen 
drei  Thälern,  dem  südlichsten :  Thoma-  und  Murthal,  dem  mittleren : 
Mur-,  Leissnitz-,  Seebach-  und  Rantenthal,  dem  nördlichen:  Taurach-, 
Krakau-  und  Schöderthal ;  man  sieht  die  drei  Einschnitte,  durch  welche 
die  drei  nördlichen  Thäler  in  diagonalem  Laufe  das  südliche,  das  Thal  der 
Mur,  erreichen.  Im  Norden  schliessen  die  Niedern  Tauern  ab,  die  Kalk- 
spitzen der  Radstädter  Tauern  im  Nordwesten,  im  Südwesten  der  Zug 
des  Hafner,  der  zum  Ankoglmassiv  gehört,  im  Süden  der  Stock  des 
Königstuhls,  an  den  sich  gegen  Osten  die  niedrigeren  Berge  der  Phyllit- 
mulde  anschliessen.  Den  Horizont  im  Nordosten  und  Osten  beschliesst 
der  Kamm  der  nach  Südost  umgeschwenkten  Axe  der  Niedern  Tauern. 
Ausser  im  Südosten  ist  das  Bild  also  geschlossen. 

Die  Gipfelhöhen  der  Tauern  —  der  krystallinischen  Niedern,  wie 
der  triadischen  Radstädter  Tauern  —  entsprechen  einander:  2500— 
2800  w,  auch  die  höchsten  Gipfel  des  Königstuhlstockes  überschreiten 
2400  m.  Somit  ist  die  nördliche  und  die  südliche  Wasserscheide  in  mehr 
weniger  2500  m  gelegen. 

War  das  Gebirge  nach  seiner  Faltung  ursprünglich  ein  ge- 
schlossenes Gewölbe,  so  hätten  wir  in  diesen  heutigen  Wasserscheide- 
rücken die  Reste  der  ältesten  Gebirgsanlage  zu  sehen.  Innerhalb 
dieser   beiden  Rumpfgerüste  spielte   sich  nun    die  Thalentwicklung  ab. 

Es  entstand  der  erste  Unterschied  von  Berg  und  Thal,  und  wie 
weit  die  Erosion  in  jenem  Entwicklungsstadium  ging,  müssen  uns  die 
Innern  Randregionen  der  Rumpfrücken,  sowie  etwaige  Reste  in  der 
Mitte  des  breiten  ältesten  Thaies  zeigen.  In  der  That  besteht  eine  Vor- 
stufe, sowohl  vor  den  Niedern  Tauern,  wie  vor  den  Königstuhlbergen. 

Betrachten  wir  zunächst  die  Abhänge  der  Tauernberge  gegen  das 
Lungau,  Da  läuft  vom  Gurpetschegg  der  Kamm  der  Tanninghöhe  in 
2112  >w  nach  Süd  vor,  vom  Hundstein  der  Kranitzl  2070,  auch  auf 
dem  von  der  Kreuzhöhe  herabziehenden  Genssitsch-Berg  lässt  sich  das 
2000  +  Niveau  festhalten ;  bei  dem  vom  Kasereck  herabziehenden 
Kamm  ist  die  Spur  verwischt,  wenn  nicht  der  Gummaberg  in  2223  m 
unser  Niveau  darstellt;  vor  dem  Preberstock  aber  der  Lerchriegel  in 
2138,  dann  die  Preberalpe,  jenseits  des  Rantenbaches  der  Arnlug  2155  m. 
Weiter  gegen  Osten  scheint  die  Vorstufe  sich  etwas  zu  heben ;  die 
Dockner  Alpe  in  2207  w,  Cote  2200  unter  dem  Feldeck. 

Die  Neigungsverhältnisse  dieser  ersten  Thalanlage  können  die 
umgekehrten  gewesen  sein,  oder  aber  die  2000  +  Niveaus  sind  verwischt. 

Im  Süden  stellen  die  Vorberge  wie  der  Hühnerleitennock  und  die 
Würflingerhöhe  (2171  und  2195  m)  die  älteste  Thalanlage  dar.  Und 
dass  auch  der  Thalursprung,  sei  es  nun  des  Hauptflusses  oder  aber 
eines  Nebenflusses,  ungefähr  in  derselben  Höhe  lag,  beweist  das  linke 
Gehänge  des  Zederhausthaies,  das  die  Phänomene  in  den  Lungauer 
Querkämmen  wiederholt,  indem  ein  2000 — 2l00  m  Niveau  stets  wieder- 
kehrt. In  der  Ansicht,  dass  sich  auch  diese  älteste  Mur  nach  Osten  zu 
richtete,  aber  dann  in  der  Phyllitmulde  nach  Süden  abschwenkte,  kann 


[41]  Ein  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzeit.  205 

uns  der  Umstand  bestärken,  dass  zwischen  der  umgeschwenkten  Tauern- 
axe  und  dem  Königstuhlstock  das  Niveau  von  2000  +  in  der  Frauen- 
alpe (2004  m)  das  höchste  der  Gegend  ist. 

Ein  Rest  des  alten  Thalbodens  ist  aber  auch  der  Berg,  auf 
dem  wir  uns  befinden,  der  Gstoder  selbst,  mit  seinen  2141  m  Meeres- 
höhe. 

Somit  hätten  wir  das  Niveau  des  ursprünglichen  Gebirges  in 
2500  w,  die  älteste  Thalanlage  im  2000  +.  Auf  diese  Basis  erodierten 
die  Nebenflüsse  ihre  Betten,  hier  wurden  die  ältesten,  heute  natürlich 
verschwundenen  Flussgerölle  abgelagert. 

Aus  irgend  einer  Ursache,  die  wir  nicht  kennen,  muss  sich  nun 
im  Unterlauf  des  Flusses  eine  Senkung  zugetragen  haben,  und  von 
dieser  neuen  Erosionsbasis  aus  begann  eine  neuerliche  Erosion :  es 
sanken  zwei  Thäler  in  das  alte  Thalniveau  ein,  zwischen  denen  der 
Gstoder  als  ein  zweites  Rumpfniveau  stehen  blieb.  In  dieser  Zeit  also 
finden  wir  den  Beginn  der  Doppelthalbildung. 

Auch  Übel-  den  Betrag  dieser  neuen  Erosion  kann  uns  der  Blick 
vom  Gstoder  Auskunft  geben.  Der  Kamm  zwischen  Krakau  und  See- 
thal mit  dem  Waldschober  (1789)  und  einigen  noch  etwas  höheren 
Punkten  gibt  uns  das  zweite  Thalniveau  an.  Dasselbe  Niveau  (1790 
und  1801)  hat,  dem  Gstoder  benachbart,  der  nordöstliche  Ausläufer 
des  Lasaberges,  das  Lercheck  unter  dem  Preber  (1705),  der  Schwarzen- 
berg  zwischen  Thomathal  und  Murthal  (1778).  Weiter  östlich,  in  der 
Phyllitmulde,  ist  es  das  allgemeine  Gipfelniveau;  zwischen  Ranten- 
bach  und  Mur  der  Kramerkogl  (1806),  zwischen  Katschthal,  Mur- 
und  Rantenthal  die  Stolzalpe  (1816),  zwischen  Wölzerthal,  Mur-  und 
Katschthal  die  Pleschaitz  (1797),  südlich  der  Mur  die  Kuchalpe 
(1770),  die  Kuhalpe  (1784  m).  Die  Gebrenze  (1870  m)  scheint  erst 
im  letzten  Theil  dieser  Erosionspei iode  zum  Rumpfniveau  geworden 
zu  sein,  wenn  nicht  die  früher  erwähnte  meridionale  Aufwölbung  der 
Kalkplatte,  deren  höchste  Erhebung  sie  darstellt,  erst  in  der  Folge- 
zeit eintrat. 

Und  einer  dritten  Erneuerung  des  Flusslebens  entspricht  dann 
das  ausgebildete  Doppelthal.  Denn  in  die  erwähnten  Reste  des  1700 
bis  1800  w  Niveaus  erscheinen  ja  Thoma-  und  Mur-Taurachthal  einge- 
senkt, ferner  die  Diagonalstrecken  des  Ranten-,  Katsch-  und  Wölzer- 
thales. 

Die  Erosion  dieser  Thäler  fand  nun  bis  zu  einem  Niveau  statt, 
dem  im  allgemeinen  die  Höhenlage  von   löOO  m  entspricht. 

Reste  dieses  dritten  Thalniveaus  haben  wir  im  Mitterberg  zwischen 
Mur  und  Taurach  (1578)  zu  sehen,  im  Lessenberg  westlich  von  Schöder 
(1469),  im  Aichberg  südlich  Oberwölz  (1440w). 

Und  erst  als  in  diesem  Niveau  neuerliche  Erosion  platzgriff, 
wurde  das  Schöderthal  individualisirt,  wurde  der  Pleschaitzstock  durch 
den  Hinterburger  Graben  in  zwei  Theile  getheilt,  und  in  diesem  vierten 
Erosionsstadium  haben  wir  wohl  die  Arbeit  der  Tertiärzeit  zu  sehen, 
deren  Thalboden  wir  auf  anderem  Wege  schon  in  einer  Höhe  von 
13C0  m  zu  finden  glaubten. 


206  Karl  Oestreich.  ];42] 

Fassen  wir  zusammen,  so  ergibt  sich 

Niveau      I :  ursprüngliclie  Anlage  des  Gebirges     .  2500  m 

II:  erste     Thalanlage 2000  „ 

III:  zweite  „  1800  „ 

IV:  dritte  „  1500  „ 

V:  vierte  „  (tertiär)     .     .     .     .  1300  „ 

VI:  fünfte  „  (recente  Thäler)      .  1000— 700  m. 

Diese  Reihenfolge  bleibt  selbstverständlich  hypothetisch,  und  erst 
müssten  die  ganzen  Alpen  in  dieser  Weise  studirt  werden,  ehe  wir 
diese  Schlüsse  verallgemeinern  oder  sie  auch  nur  für  unser  Gebiet 
als  gesichert  annehmen  dürften,  ehe  wir  im  vierten  Niveau  das  der 
Kreidethäler  sehen  dürften. 

Schon  in  dem  östlichen  Theile  unseres  Längsthaizuges  finden  wir 
diese  Verhältnisse  nicht  mehr  so  klar.  Das  Bild  wird  sehr  complicirt 
durch  das  Absinken  des  Ostflügels,  die  Gehänge  zu  beiden  Seiten  ent- 
sprechen sich  nicht  mehr,  und  die  orientirenden  Höhenansichten  geben 
uns  nicht  mehr  so  unmittelbare  Antwort. 

Einige  entscheidende  Züge  bietet  uns  aber  auch  hier  das  Land- 
schaftsbild. Um  dasselbe  nicht  allzusehr  zu  verwirren,  sei  es  uns 
erlaubt,  die  Südwest-Nordost-Richtung  auch  im  alten  Gebirge,  der 
ersten  Gebirgsanlage,  als  die  bestimmende  vorauszusetzen.  Sofort  wird 
uns  nun  auffallen,  dass  Nord-  und  Südgehänge  sich  nicht  entsprechen. 
Im  Norden  begrenzt  unser  Thal  mit  kurzen  Unterbrechungen  ein  Wall 
von  Bergen,  die  eine  Höhe  von  2000  m  erreichen  oder  übersteigen. 
Zunächst  die  Sekkauer  Alpen,  dann  der  Reiting,  der  Reichenstein,  die 
Hochschwabgruppe,  Hochveitsch,  Schneealpe,  Raxalpe  und  Schnee- 
berg. Dem  hat  das  Südgehänge,  von  dem  orographischen  Gabelungs- 
punkt am  Speikkogl  an  gerechnet,  nur  noch  Höhen  von  1700  m 
entgegenzustellen,  den  Hochlantsch  (1722)  östlich  der  Mur,  und 
zwar  ihres  zweiten  Durchbruches,  und  dann  erst  wieder  Stuhleck 
(1783)  und  Wechsel  (1738)  in  der  Semmeringgegend.  Das  Stuhleck 
gehört  orographisch  einem  vorderen  Zuge  an,  dem  östlich  des  Mur- 
knies das  Rennfeld  entspricht,  der  Wechsel  dem  hinteren  Zuge,  und 
ihm  entspricht  der  Hochlantsch.  Zwischen  Stuhleck  und  Wechsel  ist 
das  Feistritzthal,  ein  Parallelthal  zur  Mürz,  eingeschaltet,  zwischen 
Rennfeld  und  Hochlantsch  die  Breitenau. 

Dass  Absenkungen  stattgefunden  haben,  ergibt  sich  daraus,  dass 
der  erwähnte  hintere  Zug  unmittelbar  an  die  Einbruchsregion  des 
pannonischen  Beckens  grenzt.  Wir  gehen  vielleicht  nicht  fehl,  wenn 
wir  als  ursprüngliche  Höhe  für  Stuhleck  und  W^echsel  und  Hochlantsch 
das  Niveau  der  nördlichen  Randberge  (2000  m)  annehmen,  so  dass  die 
Senkung  300  m  betragen  würde. 

Der  Kamm  zwischen  Speikkogl  der  Gleinalpe  und  Hochlantsch, 
also  der  Abfall  der  Ceutralalpen  gegen  das  Grazer  Becken,  erreicht  nur 
Höhen  von  1600  m,  diese  aber  in  auffälliger  Constanz.  Dieselbe  Höhe 
hat  das  Rennfeld,  dieselbe  die  Pretulalpe  vor  dem  Stuhleck  (Fenster- 
alpe 1642,  Hochalpe  1643,  Mugel  1632,  Rennfeld  1630,  Pretul- 
alpe 1656  m).  1600  m  ist  somit  das  Hauptniveau  der  südlichen 
Thalseite,  vielleicht  die  Höhe  der  ersten  Thalanlage   im  neugefalteten 


[43]  Ein  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzelt.  207 

Gebirge.  Auf  der  nördlichen  Thalseite  spielt  dieses  Niveau  jedoch  nicht 
diese  Rolle.  Ihm  entspricht  daseU)st  wohl  das  1800  m-Niveau,  wie  die 
Messnerin  (1836)  vor  dem  Ebenstein,  die  Windgrube  (1810)  vor  dem 
Hochschwab,  Schönhaltereck  (1839)  und  Ameisbühel  (1830)  auf  der 
Schneealpe,  und  eine  niedere  Stufe  auf  der  Rax. 

Die  Stufe  von  1400  +  dagegen  ist  auf  beiden  Thalseiten  gleich- 
massig  bestimmend.  Man  vergleiche  den  Zeherer  Alp  -  Troiseckzug 
zwischen  Stübming  und  Mürz  mit  Schwarzkogl-Pürschtling  zwischen 
Mürz  und  Feistritz. 

Das  wäre  das  ursprüngliche  Gebirgsniveau,  erste  und  zweite  Thal- 
anlage. Treffen  die  bei  dem  oberen  Murbecken  angenommenen  Ver- 
hältnisse auch  hier  zu,  müssen  wir  zwischen  dieser  zweiten  Thalanlage 
und  der  Tertiärzeit  noch  eine  dritte  erwarten,  wie  in  der  Höhe  von 
1000  bis  1100  m  in  der  That  eine  dritte  in  Semmering,  in  der 
Teichlalpe  im  Hochlantschgebiet,  im  Joch  zwischen  oberem  Adlitz- 
graben  und  Preiner  Gsoll,  im  Preiner  Gscheid  und  in  Terrassen,  wie 
in  der  ßreitenau,  existiert.  Das  tertiäre  Niveau  endlich  lag  in  900 
bis  600  m  Höhe. 

Es  wäre  nun  nur  noch  nöthig,  für  jeden  Theil  des  Gebietes  diese 
Stufen  festzustellen  oder  zu  prüfen,  in  welchem  Niveau  in  jeder  ein- 
zelnen Region  Flussleben  vor  sich  ging,  denn  ein  solches  weitver- 
zweigtes Stromgebiet  kann  eine  wechselvolle  Geschichte  hinter  sich 
haben  oder  hatte  sie  thatsächlich,  wie  aus  den  manigfachen  Rumpf- 
horsten hervorgeht,  dem  Floning  (1584),  dem  Thalerkogl  (1656),  dem 
Sonnwendstein  (1523  m),  die  immer  Zwischenstadien  in  den  einzelnen 
Erosionsperioden  bedeuten  würden. 

Im  ganzen  lassen  sich  jedoch  auch  hier  vom  junggefalteten  Ge- 
birge an  fünf  Erosionsstadien  der  Reihe  nach  festhalten : 

Niveau     I:  ursprüngliches  Niveau  des  Gebirges  .     2000 — 1700  m 

II:  erste     Thalanlage 1800—1600  „ 

III:  zweite  , 1400 


IV:  dritte 

„ 

(cretacischeThäler) 

1100—1000 

V:  vierte 

« 

(tertiäre  Thäler)    . 

900—  600 

VI:  fünfte 

j) 

(recente  Thäler)     . 

900—  500 

4.  lieber  die  Art  der  Umwandhiiig  der  tertiären  Thäler 
in  die  heutigen. 

Als  Beschluss  unserer  Ausführungen  sei  es  gestattet,  einige  Bei- 
spiele zu  geben  für  die  Art  und  Weise,  nach  welcher  Veränderungen 
in  den  Flussläufen  stattfinden,  nach  welcher  die  tertiären  Flüsse  sich 
in  die  heutigen  verwandelten. 

Das  allmählige  Einschneiden  der  Thalrinnen  wird  durch  Be- 
wegungen des  Untergrundes  modificirt.  Flüsse  werden  von  kleineren 
Nebenflüssen,  die  einer  tieferen  Entwässerungsader  zuströmen,  an- 
gezapft, und  ähnliche  Vorgänge  mehr. 

Wenden  wir  uns  zunächst  zum  Doppelthal  des  oberen  Murbeckens, 
dort,  wo  die  Mur  den  südlichen  Arm  darstellt,  der  nördliche  von 
Schöder-,    Katsch-    und    vom    Wölzerbach    gebildet    wird,    die    durch 


208  Karl  Oestreich.  [44] 

diagonale  Querstrecken  der  Mur  zufliessen.  Dieses  Formgebilde  endigt 
mit  der  Diagonalstrecke  des  Wölzerbaches.  Aber  diese  Endigung  be- 
steht nur  für  das  heutige  Thal.  Das  alte,  tertiäre  Thal  lag,  wie  wir 
sahen,  in  rund  1000— 1100  m,  und  etwa  in  derselben  Höhe  setzt  sich 
das  Thal  von  Oberwölz  nördlich  fort,  zwischen  Dürnberg  und  Schiesseck 
vom  Schöttlgraben  aus  nach  Osten  ziehend,  als  ein  echtes,  massig 
breite  s  Thal  mit  sanft  abgeböschten  Gehängen. 

In  ]\Ö0  m  Meereshöhe  setzt  es  hoch  über  dem  Schöttlgraben 
ein,  zieht  einige  Kilometer  östlich  bis  in  die  Höhe  von  1200  m,  wo  es  sich 
gegon  Süden  öffnet,  und  der  Schönbergerbach  nach  dem  Wölzerbach 
abfliesst.  Das  alte  Thal  steigt  jedoch  weiter  an,  umfliesst  in  einem 
gegen  Norden  gerichteten  Bogen  eine  Höhe  von  1393  m  und  erreicht 
jenseits  derselben  in  1316  m  Meereshöhe  eine  sumpfige  Thal  Wasser- 
scheide, Sümpfe,  Moore  und  Seen  mit  träge  fliessenden  Verbindungs- 
strecken, nach  Westen  entwässert  zum  Schönbergerbach ;  östlich  fällt 
der  vom  Schiesseck  kommende  Lachenbach  in  die  Flanke ,  bringt 
grösseres  Gefälle  und  grössere  Wassermenge,  also  grössere  Erosions- 
kraft mit,  und  fliesst  mit  dem  östlichen  Ausfluss  der  wasserscheidenden 
Strecke  im  alten  Thal  weiter  als  Gfellenbach,  und  dann,  mit  dem 
Zeyringgraben  vereinigt,  in  die  Pols. 

Es  ist  ein  Thalzug  von  Oberwölz,  d.  h.  vom  Schöttlgraben,  bis 
hierhin,  und  auffällig  ist  der  geradlinige,  gefällreiche  Lauf  des  Schön- 
bergerbaches  aus  diesem  Thalzug  nach  Süden. 

Die  Erklärung  möchte  etwa  folgendermassen  lauten :  Es  be- 
standen zwei  Flussläufe  hier,  der  Gfellen-Zeyringer  Fluss  und  der 
Wölzer  Fluss,  in  gleicher  oder  annähernd  gleicher  Höhe.  Die  Erosions- 
basis des  letzteren  wurde  tiefer  gelegt,  er  grub  sich  tiefer  ein,  und 
die  ihm  zuströmenden  Bäche  erhielten  ein  reissendes  Gefälle,  so  dass 
sie  nach  rückwärts  erodirten.  In  dieser  Lage  befand  sich  nun  der 
Schönbergerbach,  der  dadurch  in  allmähligem  Rückwärtseinschneiden 
das  Gehänge  des  Gfellen-Zeyringerbaches  angriff,  die  Wasser  der 
Salchau  (im  Westen)  von  denen  des  Lachenbaches  (im  Osten)  abschnitt 
und  diesem  selbst  die  Wasser  der  neuen  Wasserscheide  streitig  machte; 
so  dass  die  Salchau  jetzt  ein  vom  Wasser  fast  ganz  verlassenes,  ein 
„Trockenthal"  darstellt,  der  Schönbergerbach  sich  im  alten  Thal  ein 
weites  Quellbecken  ausarbeiten  konnte,  und  ohne  den  Lachenbach 
auch  das  Gfellenthal  ohne  Wasser  wäre. 

Ob  dieser  Vorgang  in  der  Tertiärzeit  oder  auf  dem  Boden  des 
tertiären  Thaies  stattfand,  bleibe  dahingestellt.  Liegt  doch  die  Wasser- 
scheide in  1316  m,  und  wir  nahmen  1000  — 1100  m  als  Niveau  des  in 
der  Tertiärzeit  geschaffenen  Flusssystems  an. 

Jedenfalls  haben  wir  hier  ein  typisches  Bild  der  Flussentwicklung, 
und  dieselben  Phänomene  finden  wir  an  vielen  Punkten  des  Doppel- 
thales  wieder. 

Das  Einschneiden  der  Flankenthäler  geschieht  immer  von  Süden 
aus.  Im  Süden  erfolgte  die  verursachende  Senkung,  und  die  Zuflüsse 
auf  der  Nordseite  der  südlichen  Ader  wurden  in  ihrer  Arbeit  be- 
günstigt eben  durch  ihre  Position  gegen  Süden,  ihre  Exponirung  gegen 
Bestrahlung  und  Niederschlag.  Ueberhaupt  ist  das  nördliche  Thal- 
gehänge fast  stets  mehr   sculpirt  und  abgestuft    als    das  südliche,    das 


[45]  Ein  alpines  Längsthal  zur  Tertiärüeit.  209 

oft  im  Gegensatz  hierzu  eine  einheitliche  steile  Wand  darstellt: 
Katschthal  zwischen  Schöder  und  St.  Peter,  Wölzerthal  zwischen 
Eselsbergerbach  und  Oberwölz  u.  s.  w. 

Eine  ähnliche  Rolle,  wie  der  Schönbergerbach,  spielt  der  Graben, 
der  vom  Hinterburg-Plateau  südlich  von  Oberwölz  zum  Katschthal 
zieht,  ebenfalls  direct  nach  Süd. 

Man  steigt  von  Oberwölz  ziemlich  steil  hinauf  bis  1100  m  (also 
300  m  etwa)  und  befindet  sich  oben  in  ill2  m  auf  einem  Plateau,  in 
dem  ein  Bach  seinen  Ursprung  nimmt  und  mit  starkem  Gefälle  sich 
einen  Graben  ausgearbeitet  hat,  der  mit  streng  südlichem  Lauf  nach 
wenigen  Kilometern  in  etwa  760  m  Meereshöhe  in  den  Katschbach 
mündet.  Dieser  Hinterburger  Graben  stellt  ein  etwas  unvollkommeneres 
Stadium  dar,  als  der  Schönbergerbach.  Er  hat  den  nördlichen  Fluss- 
lauf noch  nicht  erreicht,  weil  dieser  selbst  in  seinem  diagonalen  Quei- 
thal  nach  derselben  Erosionsbasis  sich  vertieft  und  daher  bereits 
300  m  unter  dem  Ursprung  des  Baches  liegt,  der  ihm  in  die  Flanke 
zu  fallen  strebt. 

Ein  Beweis  für  die  Richtigkeit  unserer  Anschauung  ist  in  den 
Resten  einer  1 100  w- Terrasse  zu  beiden  Seiten  im  Gehänge  über  dem 
Graben  zu  selten,  durch  die  auf  ihnen  angelegten  Bauernhöfe  leicht 
kenntlich. 

Dieselbe  Erklärung  dürfte  der  bei  der  Wandritschbrücke  (ober- 
halb Murau)  in  die  Mur  einmündende  Saalbach,  sowie  dei'  weiter 
westlich    gelegene    Einachgraben  zwischen  Gstoder  und  Lasaberg  haben. 

Auch  die  Diagonalthäler  könnten  so  gedeutet  werden,  wenn  wir 
nicht  in  ihnen  die  eigentliche  Gebirgsrichtung  zu  sehen  hätten.  Wir 
müssen  uns  hier  vielfach  in  Hypothesen  bewegen,  aber  bei  derartigen 
Problemen  kann  uns  jede  Theorie  eine  Grundlage  für  erneute  Prüfung 
geben;  und  ob  immer  die  gegebene  Deutung  oder  eine  andere  sich 
als  richtig  erweisen  möge,  die  persönliche  Ueberzeugung  hat  vor 
wissenschaftlichen  Thatsachen  zurückzutreten ;  zudem  sind  wir  uns 
wohl  bewusst,  dass  auf  wenig  betretenem  Gebiet  die  Ersten  meist 
straucheln. 

Noch  interessanter  und  vielleicht  noch  deutlicher  als  die  oben 
angeführten  Fälle  ist  wohl  die  Flussverlegung,  die  das  Sekkauer 
Becken  und  mit  ihm  das  Judenburger  betraf.  (Siehe  umstehend  Fig.  3.) 

Steigt  man  vom  Murthal  gegen  Sekkau  zu  das  Becken  hinauf, 
das  sich,  vom  Thal  aus  gesehen,  als  ein  spitzwinkeliges  Dreieck  dar- 
stellt, befindet  man  sich  bis  kurz  vor  Sekkau  beständig  in  der  Ab- 
lagerung von  Lehm  und  Sand,  die  manchmal  Kohlen  enthält.  Bei 
Sekkau,  wo  das  Becken  immerhin  noch  eine  Breite  von  3  hu  hat,  ist 
jedoch  dieser  Lehm  von  einer  mächtigen  Geröllablagerung  bedeckt, 
die  von  jetzt  ab  das  Becken  erfüllt.  Wandert  man  nun  weiter  nach 
oben,  so  befindet  man  sich  in  einer  Höhe  von  900  m  plötzlich  über 
einem  Abfall.  Hier  fliesst  kein  Fluss  in  das  Becken  ein.  Der  Fluss, 
der  die  Gerolle  herbeiführte,    fliesst  nicht  mehr  ins  Sekkauer  Becken. 

Dafür  dehnt  sich  uns  zu  Füssen  ein  inneres  Becken.  Sein  Nord- 
gehänge ist  die  geradlinige  Fortsetzung  des  Sekkauer  Nordgehänges; 
also  der  Fluss  des  Sekkauer  Beckens,  der  Ingeringfluss,  fliesst  entlang 
des  Südgehänges,  im  oberen  Sekkauer  Becken,  dann  aber,  durch  einen 

Jahrbuch  d.  k.  k.  seol.  Reichsanstalt,  1899,  49.  Band,  1    Heft.  (K.  Oestreich.)       27 


210 


Karl  Oestreich. 


[46] 


absolut  1100  m  hohen  Rücken  von  dem  eigentlichen  Sekkauer  Becken 
getrennt,  in  das  von  Judenbiirg  hinaus. 

Das  innere  Becken  ist  unmittelbar  unter  dem  Sekkauer  Steil- 
abfall um  mehr  als  100  m  erniedrigt  durch  den  Gradenbach,  einen 
alten  linken  Nebenfluss  des  Sekkauer  Baches,  der  jetzt  in  den  Ingering- 
fluss  fällt.  Die  Erosion  hatte  hier  leichtes  Spiel ;  war  einmal  die 
Schotteranhäufung  durchsunken,  so  bestand  das  innere  Becken  aus 
denselben  weichen  Schichten  wie  das  von  Sekkau. 


Fig.  3. 


ouA:Ax.iA-e/t  (^^^^ 


8y9 


Blick  von  der  Höhe  879   im  oberen  liigeriugbeclfen. 

(„Tertiär"  bezieht  sich  auf  den  innersten  Hügel  rechts,  „Judenburger  Becken"  auf 
den  Kaum  links  davon.) 


Die  Hügel  im  inneren  Becken  entsprechen  mit  ihrer  Höhe  von 
908  und  ihrer  Randterrasse  von  947  m  der  Höhe  des  Sekkauer 
Beckens  vollständig,  und  wir  sind  zur  Annahme  gezwungen :  Sekkauer 
und  Judenburger  Becken  lagen  ursprünglich  in  gleichem  Niveau.  Dann 
erfuhr  das  Judenburger  Becken,  auf  seiner  Nordseite  wenigstens,  eine 
Senkung  oder  eine  stärkere  als  das  Sekkauer;  und  ein  ins  Juden- 
burger Becken  mündender  Bach,  dessen  späteren  Schuttkegel  wir  schon 
sahen  (s.  o.  bei  Knittelfeid),  gewann  grössere  Erosionskraft,  so  dass 
er  nach  rückwärts  einschnitt  und  schliesslich  den  Ingeringfluss  des 
Sekkauer  Beckens  abfing. 

Der  äussere  Theil  dieses  Beckens  wurde  nun  herrenlos  und  der 
innere  Theil  durch  den  Ingeringfluss  direct  zum  Judenburger  Becken 
entwässert;  dadurch  aber  wurde  der  Mittellauf  des  Flusses  mehr  er- 
niedrigt als  sein  alter  Unterlauf. 


[47]  Ein  alpines  Längstbal  zur  Tertiärzeit,  211 


Schlussbemerkung. 
Ausblick  auf  die  posttertiäre  Zeit. 

Nach  Art  der  im  letzten  Abschnitte  behandelten  Vorgänge  mag 
noch  an  vielen  anderen  Stellen  das  tertiäre  Flusssystem  eine 
Aenderung  erfahren  haben.  Alle  Tertiärschichten  finden  wir  gestört. 
Gebirgsbewegungen  und  Eigenbewegungen  der  jungen  Thalgebilde 
mögen  das  ihrige  dazu  gethan  haben,  die  Tertiärablagerungen  aus 
dem  festen  Verbände  innerhalb  der  Gehänge  des  alten  Gebirges  ge- 
lockert zu  haben,  um  sie  so  der  atmosphärischen  Denudation  wie 
der  fluviatilen  Erosion  preiszugeben.  Und  dann  kam  die  Eiszeit,  eine 
Zeit  grossen  Wasserreichthums,  eine  Zeit  der  Erniedrigung  der 
Temperatur  und  damit  der  Schneegrenze.  Vom  Hochgebirge  aus 
rückten  die  Gletscher  vor.  Im  Thal  der  Taurach  und  in  den  Lungauer 
Querthälern  drangen  sie  in  die  Taurachebene  ein,  wo  sie  ihre  Moränen 
hinausbauten.  Im  Murthal  selbst,  zwischen  St.  Michael  im  Lungau 
und  Tamsweg,  kam  es  nicht  zur  Ablagerung  von  bedeutenden  Moränen, 
weil  kein  Widerstand  hier  den  Gletscher  zwang,  seine  Gerolle  fallen 
zu  lassen ;  aber  die  Gehänge  wurden  polirt  und  die  Sättel  vom 
Gletscher  überschritten.  Die  weiter  im  Osten  entstehenden  Gletscher 
vereinigten  sich  im  Gletscher  der  Krakau,  dessen  stolze  Moränen- 
terrasse das  nördliche  Ufer  des  Krakaubaches  krönt,  und  ein  weiterer 
Gletscher  wälzte  sich  über  die  Hochebene  von  Pöllau  bei  Oberwölz. 
Ueber  den  Neumarkter  Sattel  trug  der  Gletscher  die  Gesteine  der 
Tauern  bis  in  das  Gebiet  der  Drau,  und  im  Murbette  selbst  schoben 
sich  die  Eismassen  bis  kurz  vor  Judenburg,  wo  die  Endmoräne  oder 
eine  der  Endmoränen  in  einem  das  Thal  querenden  Hügel  von  769  m 
erhalten  ist,  oberhalb  dessen  eine  flache  Depression  sich  weitet.  Nach 
unterhalb  dagegen  setzt  sich  die  Endmoräne  in  die  sogenannte  Mur- 
bodenterrasse fort.  Auf  dem  linken  Murufer  kann  man  beobachten, 
wie  das  über  den  dort  anstehenden  Kalk  geschobene  Eis  den  Unter- 
grund aufriss,  Moränenschlamm  in  die  Ritzen  des  Gesteins  hineinpresste, 
vermengt  mit  Geschieben  und  den  eckigen  Fragmenten  des  anstehenden 
Kalkes  selbst. 

Moränen  sind  im  ganzen  Gebiete  der  Murvergletscherung  ver- 
hältnismässig wenig  erhalten,  dagegen  sind  die  glacialen  Schotter  all- 
gemein verbreitet. 

Im  Osten,  in  der  Semmeringgegend,  fand  keine  Vergletscherung 
statt;  höchstens  kam  es  zur  Bildung  localer  Gehängegletscher  auf 
den  Kalkplateaus.  Aber  die  Erniedrigung  des  Klimas  vermehrte  die 
Wassermengen.  Die  reichen  Niederschläge  und  die  erhöhte  Erosions- 
kraft der  Flüsse  zerstörten  grosse  Gebirgsmassen,  ungeheuere  Schutt- 
kegel begannen  die  oberen  Thäler  zu  füllen,  so  beispielsweise  das 
Tragössthal  unter  dem  Hochschwab.  Bergstürze  und  Schutthalden 
schnitten  die  Thäler  förmlich  ab,  so  dass  hier,  an  der  Grenze  der 
Triaskalke  gegen  das  alte  Gebirge,    wahre   Karsterscheinungen,  unter- 

27* 


212  Karl  Oestreich.  [48] 

irdische  Flussläufe,  starke  Quellen,  zu  Seen  abgeschnittene  Flussstrecken, 
Höhlen,  auftreten, 

Gletscher  und  Flüsse  vereinigten  sich  dazu,  die  tertiären 
Bildungen  auszuräumen  oder  sie  mit  jüngeren,  theilweise  zu  Nagelfluh- 
gesteinen verfestigten  Schottern  einzuhüllen,  so  dass  wir  nur  noch 
mühsam  uns  das  Bild  der    tertiären    Flussläufe    reconstruiren    können. 


Inhalts -Verzeichnis. 


Seile 

Vorbemerkung 164    [  1  ] 

I.  Theil. 

Geologisch  -  morphologische    Skizze    und    Darstellung    der    tertiären 

Ablagerungen 166  [  2  ] 

Das  obere  Murbecken 167  [31 

Das  Mürzbecken 175  [11] 

II.  Theil 

Theoretische  Betrachtungen 197     [33] 

1.  Ueber   das   relative  Alter   und  die  relative  Höhe   der   Tertiär- 
ablagerungen    197     [33] 

2.  Ueber  die  absolute  Höhe  der  Tertiärthäler 200     [36] 

3.  Ueber  ältere  Thalniveaus 204     [40] 

4.  Ueber    die  Art    der  Umwandlung   der   tertiären   Thäler  in   die 
heutigen 207     [43] 

Kclilussbemerkuiig. 

Ausblick  in  die  posttertiäru  Zeit 210     [46] 


GeseUschafts-Buchdruckerei  Brüder  HoUinek,   Wien,   IJI.,  Erdbergstrasse  3. 


Tafel  I. 

Geologische   Studien  im  Gebiete  des  01t-  und  Oltetzthales  in 

Rumänien. 


Erklärung  zu  Tafel  I. 

Fig.   1  a,  b,  c,  d.    Terebratella   Mrazelci  ti.  sp. 

Fig.   1  e.  lerehratella   Mrazeki  n.  sp. 

Fig.  2  a,  b,  c.      Waldheimia  Pascuejisis  n.  sp. 

Fig.  2d  Waldheimia  Pascuensis  n.  sp,»Vergrössertos  Sclialenstiick. 

Fig.  3  n,  b.  Anisoceras  cf.  subcompressum    Forbes. 

Fig.  4a,  b.  Baoilites  anceps  Lauk. 

Fig.  ha,  b.  Terebratula  carnea  Soiv. 

Fig.   6.  (xnjphaca  vesiculavis  Laink. 

Fig.  7  a,  b.  Orbitoides  secans  Le_(//;(.  (Natiiriiclie  Grösse.) 

Fig.  1  c.  Orbitoides  secans  Ltyin.  ( Vergrössert ) 

Fig.  Id.  Orbitoides  secans  Leym    (Der  Typus,  wie  ihn  Leymerie  abbildet. 

Fig.  8  a,  b.  Orbitoidts  Faujasi  d'Orb. 

Fig.  8c.  Orbitoides  Faujasi  d'Orb.  (Vergrössert.) 

Fig.  8d.  Orbitoides  Faujasi  d'Orb.  vVergrössorter  Längsscliuitt.) 


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KARedlichiGoüloi:  Studiou  im  Gcbieto  dos  OH  nntl  Oliol/, 

1  b  1c 


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Alüss  l.  a  N..I   1 


Jahrbuch  der  k.k. Geologischen  ReichsanstaH.  Band  XLIX.1899. 

Verlag  der  k.k.GeologischenReichsansfaltWien. III. Rasumoffskygasse  23. 


Tafel  II. 

Geologische  Studien   im  Gebiete  des  01t-  und  Oltetzthales  in 

Rumänien. 


Erklärung  zu  Tafel  II. 

Fig.   1  a.  Hippurites  colHcialus   Woodward  var.  Romanica  m.  r. 

Fig.   1  b,  Hippurites   colliciatus    Woodward    var.    Romanica    m.    v.     Aeiissere 

Form  eines  zweiten  Exempiares 
Fig.   2  o,  b,  c.     Hippurites  Lapeirousei  Goklf. 
Fig.  2d.  Hippurites  Lapeirousei  Goldf.     Ein  Schaleustück   der  Deckelklappe 

mit  Poren  (vergrössert).  ' 

Fig.  3  a,   b.         Janira  äff.  striatoco.slata  Goldf. 
Fig.   4.  Ijitna  divaricata  Dujard. 

Fig.  5  a,  b  c.     Fleurotomaria  sp. 
Fig.  6  a,  b.         Orbitoides  gensacica  Leymerie. 


K.ÄRedIich.:Geolo'^  Sliidioii  iniOebieto  dos  Oltund  OUelz 


Taf.  II. 


^^^^^jfffliTT^-. 


2a 


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''^^l-HiiffiTfu  jiifif  f«i|M»MÄ^ 


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I.ith  Anstv.TlLKanuwartUWien. 


Jahrbuch  der  k.k. Geologischen  Reichsanstall.  Band  XLIX.1899. 

Verlag  der  k.k  Geologischen  Reichsanstalt  Wien.lli.Rasumoffsl'.ygasse  23. 


Franz  Kretschmer:  Die  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen  Devon. 


Taf.  III  [I]. 


Querprofil  der  mährischen  Devonformation. 


Archäische  Formation. 
.r  Ch)oritgneiss. 

Untere    Gruppe  der    Devonformation. 
«  Qiiarzit  (Conglomerat  und  Schiefer). 
h   Phyllit,  dunkelgrau,  thonschieferähnlich. 
c  Dialiasschiefer  und  Tufle  nebst  Varietäteu. 
(7  -^  Eisenerzlager  oben,  und  Crinoidenkalkstein  unten. 
<•  Quarzsandstein. 


Zeichenerklärung. 

Mittlere  Gruppe    der    De  von  formation. 
/  Thonschiefer,  zu  unterst  phyllitähnlich. 
.(/  Grauwackensandstein. 

Obere   Gruppe    der   De  von  f  o  rm  ation. 
h  Thonschiefer,  z.  Th.  kalkhaltig,   dachschieferähnlich    mit  inter- 
calirten  Grauwackensandstein,  Kalksteinlagern  und  organische« 
Einschlüssen. 


1  Diabas-Mandelstein    und    Schalstein    nebst  Varietäten    und    mit 

^—  Eisenerzlagern. 
k  Grauwackensandstein  und  Thonschiefer. 

C  u  1  m  f  0  r  m  a  t  i  0  n. 
y  Grauwackensandstein  und  Thonschiefer. 


Jungtertiäre  und  quartäre  Ueberlagerung. 


HW- 


H \ \ h 


H \ 1 


Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  Band  XLIX,  1899. 

Verlag  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,    Wien,  III.,    Rasumoffskygasse  23. 


F.   Kretschmer:  Die  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen  Devon. 


Tafel  IV  (2J. 


Jahrbuch  der  k.  k.  Geologischen  Reichsanstalt.  Band  XLIX,  1899. 

Verlag  der  k.  k.  Geologischen  Reichsanstalt.  Wien,  III.  Rasumoffskygasse  23. 


Tafel  V. 

Die  Fauna  der  uiiterpontischeii  Bildungen   um  Londjica  in 
Slavonien. 


Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Ueichsanstalt,  1899.  49.  Band,  1.  Heft. 


Erklärung  zu  Tafel  V. 

Fig.     1.     Limnaeus  cf.  vehttinus  Desh.  —  Natürliche  Grösse.  —  Babindol. 
Fig.     2.     (?)  Limnaeus  ?iobilis  Reuss.  —  Natürliche  Grösse.   —  Crnaklada. 
Fig.     3.     Limnaeus  simplex  n.  f.  —  Natürliche  Grösse.   —  Babindol. 
Fig.     4.] 

Fig.     5.  >  Planorbis   Tnrkovici  n.  f.  —  Natürliche  Grösse.  —  Babindol. 
Fig.     6.j 

Fig.  4  von  a—h  obere  Schalenfläche;  von  h  weiter  innere  Schalenfläche 
der  unteren  Seite  des  Gehäuses. 

Fig.  5  von  a — h  untere  Schalenfläche;  von  i  weiter  innere  Schalenfläche 
der  oberen  Seite  des  Gehäuses. 

Fig.  6  untere  Schalenfläche. 
Fig.     7.     Planorhis  tenuistriatus  n.  f.  —  Natürliche  Grösse.  —  Babindol. 
Fig.    8.     Pisidinm  costatum  n.  f.  —  Natürliche  Grösse.  —  Babindol. 
Fig.     9.     Pisidium  protractum  n.  f.  —  Natürliche  Grösse.  —  Babindol. 

y.^'   ,    ■  \  Limnocardium  asperocostntum  n.  f.    —    Natürliche  (Jrösse.  —    Babindol. 

Fig.  11  vergrössert  dargestellte  Sculptur  eines  Schalentheiles  (nach  einem 
Abdrucke  gezeichnet), 
Fig.  12. 

Fig.  13.  \  Limnocardium  Abichiformis  n.  f.  —  Natürliche  Grösse.  —  Babindol. 
Fig.  14. 

Anmerkung:  Die  Sculptur  der  Fig.  4  (von  a — b)  ist  blos  bei  entsprechenden 
Wendungen  gegen  das  Licht,  die  Sculptur  von  Fig.  7  indessen,  blos  bei  An- 
wendung der  Lupe  sichtbar. 


D^  Gorjanovic  -Kramberger:  UutorpoiiüsoUo  Fauna  der  Gegend  voai  Loiuljiia.  TiliY. 


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A.SwoTjoda  n  4Kal  epz.u.luh,  I.itli  \nsl  v.TU  Ikinmvarth.Wi 

Jahrbuch  der  k.k. Geologischen  Reichsanstalü.  Band  XLIX.1899. 

Verlag  der  k.k.GeologischenReichsanstalt.Wien.lll.Rasumoffskygasse  23. 


I 


Karl  Oestreieh.  Ein  alpines  Längstha)  zur  Tertiärzeit. 


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Alle  Rechte  vorbehalten. 


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Jahrbuch  der  k.  k.  geol 
Verlag  der  k.  k.  geologischen 


Tafel  VI. 


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iStlfliÖriiil 


LiUelsb 


[OkNetÄe. 


Neusm, 


Hrhael 


aus  Gerollen  des  Gneiss-  und 
Schiefer-Gebirges. 


S^T^'^.iM^; 


Farben-Erklärung 

Conglomerate 
Schotter 
Mergelschiefer. 
Sand  und  Lehm. 

*äLid  Locale  Kalkconglomerate. 

Conglomerate  des  Hauptflusses  im  Mürzbeckeu 
und  seiner  Nebenflüsse. 


Ausgeführt  im  k.  und  k.  militär-geographisohen  Institute. 


,  Band  XLIX,  1899. 

III.,  Kasumoffskygasse  23. 


m: 


a-r^m^mä 


Inhalt. 

Heft  1. 

Geologische  Studien  im  Gebiete  des  01t-  und  Oltetzthales  in  Rumänien. 
Von  Dr.  K.  A.  Redlich.  Mit  2  lithographirten  Tafeln  (Nr.  I 
und  II)  und  7  Zinkotypien  im  Text 1 

Die  Eisenerzlagerstätten  des  mährischen  Devon.  Von  Franz  Kretschraer, 
Bergingenieur  in  Sternberg  (Mähren).  Mit  2  Tafeln  CSr.  1I[  und 
rV)  und  3  Zinkotypien  im  Text -I'J 

Die  Fauna  der  unterpontischen  Bildungen  um  Londjica  in  Slavonien. 
Von  Prof.  Dr.  Karl  Gorjanovic-Kramberger.  Mit  einer 
lithographirten  Tafel  (Nr.  V) 125 

Beiträge  zur  Parallelisirung  der  Miocänbildungen  des  piemontesischen 
Tertiärs  mit  denen  des  "Wiener  Beckens.  II.  (Nach  Studien,  aus- 
geführt im  Herbste  1898.)  Von  Franz  Seh  äff  er.  Mit  2  Profilen 
im  Text 135 

Ein  alpines  Längsthal  zur  Tertiärzeit.  Von  Karl  Oestreich.  Mit  einer 

Kartenbeilage  (Tafel  Nr.  VI)  und  3  Zinkotypien  im  Text    ....      165 


NB.  Die  Autoren    allein    sind  für    den  Inhalt    und  die  Form 
ihier  Aufsätze  verantwortlich. 


Gesellschafts-Buchdruckerei  Brüder  Hollinek,  Wien,  HI.,  Erdbergstrasse  S. 


»lF^t  '^m.:  -■-, 


Ausge^'ebea  am  30.  Jnli  1899. 


JAHRBUCH 


KAISERLICH  -  KÖNIGLICHEN 


JAHRGANG   1899.  XLIX.  BAND. 

2.  Heft. 
i\lit  Tafel  VII— XIII. 


Wien,  1899. 

Verlag  der  k.  k.  Geologischen  Reichsanstalt. 

Commission  bei   R.   Lechner  (Wilh.   Müller),   k.  u.  k.  Hofbuchhandlong, 


Beiträge  zur  Kenntnis  der  Brachiopoden 
des  Stramberger  Tithon. 

Von  MUDi'.  Mauric  Remes. 

Mit  2  Tafeln  (Nr.  VII  [IJ-VIII  [2])  und  6  Figuren  im  Text. 

Die  vorliegende  Arbeit  ist  als  eine  Ergänzung  der  trefflichen 
Monographie  der  Brachiopoden  Strambergs ,  welche  Prof.  Eduard 
Suess  geschrieben  hat,  sowie  der  Arbeiten  Professor  Zeuschner's 
über  denselben  Gegenstand,  zu  betrachten.  Seit  dem  Erscheinen 
dieser  Werke  sind  nahezu  vierzig  Jahre  verflossen.  Während  dieser 
Zeit  wurden  die  Steinbrucharbeiten  in  Stramberg  in  immer  grösserem 
Maßstabe  betrieben  und  so  gelang  es  besonders  in  den  zwei  letzten 
Decennien,  ein  grosses  Material  Stramberger  Brachiopoden  zu  sammeln, 
welches,  wenn  auch  nicht  auffallend  neue  Arten  lieferte,  dennoch  so 
manches  Interessante  aus  dieser  Abtheilung  der  tithonischen  Fauna 
aufweist.  Dazu  treten  neue  Localitäten.  Während  das  Material  Hohen- 
e  g  g  e  r's ,  welches  der  Arbeit  von  Prof.  Suess  zugrunde  lag,  aus 
dem  Steinbruche  des  Schlossberges  und  dem  Gemeindesteinbruche, 
nur  zum  kleinen  Theil  aus  Nesselsdorf  herrührte,  stammen  die  in  der 
vorliegenden  Arbeit  beschriebenen  Funde  zum  grössten  Theile  aus  dem 
grossen  Bruche  des  Kotouc,  ferner  noch  aus  dem  Gemeindestein- 
bruche und  zu  einem  nicht  unbedeutenden  Theile  aus  dem  Nesseis- 
dorfer  Kalkstein.  Besonders  zu  erwähnen  wäre  die  Brachiopodenfauna 
des  letztgenannten  Fundortes,  welche  eine  bedeutende  Erweiterung 
unserer  Kenntnisse  zeigt.  Der  Vollständigkeit  halber  sind  einzelne 
aus  Stramberg  schon  bekannte  Arten  in  neuer,  durch  Zeuschner 
und  Zittel  begründeter  Auffassung  aufgenommen  worden. 

Die  Arbeit  hätte  keinen  Anspruc*h  auf  Correctheit,  wenn  es 
nicht  möglich  gewesen  wäre,  das  neue  Material  mit  den  berühmten 
Funden  der  Hohe  n egge r'schen  Sammlung  zu  vergleichen.  Durch 
das  liebenswürdige  Entgegenkommen  des  Herrn  Geheimrathes  Pro- 
fessor Dr.  V.  Zittel  in  München  ist  dies  ermöglicht  worden  und 
Herr  Docent  Dr.  J.  F.  Pompe  ckj,  Gustos  der  Münchener  palaeonto- 
logischen  Sammlung,  erwies  mir  die  Ehre,  meine  Arbeit  zu  revidiren 
und  durch  wertvolle  Zusätze  zu  ergänzen.  Ich  spreche  beiden  Herren 
an  dieser  Stelle  meinen  ergebensten  Dank  aus. 


Jahrbucli  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1899,  49.  Bd.,  2.  Heft.  (M.  Remeä.)  2b 


214  Mauric  Remes.  [2] 

Terehratula  Llhivyd. 

Terehrafula  pseudo-bisufarcmata  Gem. 

1845.   Terehratula  biplicata  Zejszner:  Palaeont.  Polska  opis  etc.,  Nr.  5, 

Taf.  V,  Fig.  1-5. 
1858.   T.   hisu/f'arcinata    Stiess:     Die    Brachiopoden    der    Stramberger 

Schichten,  pag.  25,  Taf.  I,  Fig.  1—3. 
1871.   T.  pseudo-hisnjfarcinata  G.  G.  Gemmellaro:  Studi  palaeontologici 

sulla  Fauna  etc.,  parte  III,  pag.  9,  Taf.  II,  Fig.  7. 

Suess  hat  aus  Stramberg  unter  dem  Namen  Terehratula  hisuf- 
farcinata  Schloth.  Exemplare  beschrieben,  welche  jedoch  mit  den 
Zieten'schen  und  Qu  enstedt'schen  Formen  nicht  ganz  überein- 
stimmen. Zejszner  hat  dies  schon  im  Jahre  1860  hervorgehoben 
und  später  Zittel  bestätigt.  Gemmellaro  hat  Exemplare,  welche 
genau  mit  jenen  von  Suess  übereinstimmen,  aus  der  tithonischen 
Stufe  Siciliens  von  Falde  di  Monte  Pellegrino  (Palermo)  als  sehr 
seltene  Funde  abgebildet  und  mit  Rücksicht  auf  die  Einwendungen 
von  Zejszner  und  Zittel  Terehratula  pseudo-hisujfarcinata  genannt. 

Bezüglich  der  Stramberger  Formen  wäre  zu  bemerken ,  dass 
dieselben  im  Gemeindesteinbruch  und  in  den  etwas  tiefer  liegenden 
Nesselsdorfer  Schichten  vorkommen.  Suess  gibt  an,  dass  die  Nesseis- 
dorfer  Exemplare  grösser  sind,  als  jene  der  weissen  Stramberger 
Kalke.  Ich  konnte  bei  vielen  Stücken  aus  dem  weissen  und  rothen 
Kalke  das  Gesentheil  constatiren. 


Terehratula  simplicissima  Zejszner. 

1857.  Terehratula  simplicissima  Zeuschner :  Palaeontolog.  Beiträge  etc., 

pag.  13,  Taf.  IV,  Fig.  la— 4  a. 

1858.  T.  simplicissima  Suess:  Die  Brachiopoden  etc.,  pag.  26,  Taf.  I, 

Fig.  4,  5  und  6, 
1871.    T.  simplicissima    Gemmellaro:    Studi    palaeontologici,    parte    III, 
pag.  12,  Taf.  III,  Fig.  3. 

Suess  beschreibt  von  Willamowitz  eine  schmälere  Varietät  der 
Terehratula  simplicissima  (Taf.  I,  Fig.  6).  Dieselbe  kommt  auch  in  den 
weissen  Stramberger  Kalken  vor,  obwohl  viel  seltener  als  die  typischen 
Formen.  Im  rothen  Kalkstein  von  Nesselsdorf  ist  sie  dagegen  viel 
häufiger.  Ich  habe  daselbst  nur  diese  flache  schmälere  Varietät  mit 
verhältnismässig  grosser  OeÄiung  für  den  Haftmuskel  gefunden.  Die 
Exemplare  sind  von  verschiedener  Grösse,  doch  wiegen  kleine  Stücke 
vor.  Für  Nesselsdorf  ist  diese  Art  neu. 

Terehratula  Bilimeki  Suess. 

1858.  Terehratula  Bilimeli  Suess:  Die  Brachiopoden  der  Stramberger 
Schichten,  pag.  26,  Taf.  I,  Fig.  7—9. 

1870.  T.  Bilimeki  Zittel:  Die  Fauna  der  altern,  Cephalopoden  füh- 
renden Tithonbildungen,  pag.  138,  Taf.  14,  Fig.  9. 


[3]  Beiträge  zur  Kenntnis  der  Brachiopoden  des  Stramberger  Tithon.        215 

1871.    Terehratula    BlUmeki    GemmeUaro:    Studi     palaeontologici    etc., 
pag.  13. 

Auch  diese  Art  ist  für  den  rotheii  Kalkstein  von  Nesselsdorf 
neu.  Sie  kommt  in  denselben  Lagen  vor  wie  Terehratula  simplicissima, 
doch  in  geringerer  Zahl.  Die  Mehrzahl  der  Exemplare  weist  kleine 
Dimensionen  auf;  in  den  weissen  Kalken  sind  sie  im  allgemeinen 
grösser. 

Nach  Zejszner  ist  Terehratula  Bilimeki  Suess  identisch  mit 
Terehratula  pijcnostictus  Zejszner.  Der  letztgenannte  Autor  war  der 
Meinung,  dass  Suess  eine  rippenlose  Varietät  seiner  Art  beschrieben 
hat,  und  dass  also  die  Aufstellung  einer  neuen  Art  nicht  begründet 
ist.  Da  aber  bei  Stramberg  nur  glatte  Exemplare  vorkommen  und  ich 
bei  allen  der  vielen  Stücke  immer  kreisförmigen  Umriss  und  gleich- 
massige  Wölbung  der  Klappen  vorfand,  so  kann  ich  nur  für  Aufrecht- 
erhaltung der  Suess'schen  Gattung  eintreten. 


Terehratula  immanis  Zejszner. 

Textfiguren   1,  2  und  3. 

1856.  Terehratula    imma?iis    Zejszner:    Geologia    do    Latwego    pojecia 

szastösow,  pag.  232,  nom. 

1857.  T.  immanis  Zeuschner:  Palaeontologische  Beiträge  zur  Kenntnis 

des   weissen   Jurakalkes   etc.,    pag.  9,    Taf.   I,    Fig.   l/>— 46; 

Taf.  II,  Fig.  bh-Uh;  Taf.  III,  Fig.  V2h. 
1871.   T.  immanis    Gemmellaro:   Studi    palaeontologici  etc.,    parte  III, 

pag.  6,  Taf.  I,  Fig.  8  und  9. 
non :  1858.   T.    immanis    Suess:    Die    Brachiopoden    der    Stramberger 

Schichten,  pag.  28,  Taf.  II,  Fig.  2. 

Die  Formen,  welche  ich  aus  Stramberg  besitze,  stimmen  nicht 
mit  Abbildung  und  Beschreibung  von  Suess,  wohl  aber  mit  jenen 
von  Zeuschner  und  Gemmellaro.  Die  von  Suess  abgebildete 
Form  weicht  durch  den  massigen  Wirbel  mit  ganz  kleinem  Deltidium 
und  durch  die  geringere  Breite  so  sehr  von  dem  Typus  der  Terehra- 
tula immanis  Zeuschner  ab,  dass  sie  vielleicht  eher  als  eine  Varietät 
der  Terehratula  Tichaviensis  aufzufassen  ist;  sicher  kann  sie  mit  T 
immanis  Zeuschner  nicht  zusammengeworfen  werden. 

Zeuschner  hat  die  Meinung  ausgesprochen '),  dass  die  von 
Suess  abgebildeten  Exemplare  der  Terehratula  immanis  und  T.  for- 
mosa  sich  von  einander  nicht  unterscheiden  lassen  und  daher  nicht 
zu  trennen  sind.  Es  lässt  sich  nicht  bestreiten,  dass  Zeuschner 
bis  zu  gewissem  Grade  Recht  hat.  Die  Taf.  I,  Fig.  10—12  bei  Suess 
abgebildeten  Stücke  wären  wohl  auf  Grund  des  ganz  abweichenden 
Commissurverlaufes  als  Terehratula  formosa  beizubehalten  ;  anders  ist 
es  mit  Fig.  13.  Diese  Terebratel  wäre  eine  Terehratula  immanis,  und 


')  lieber  die  Brachiopolen  des  Stramberger  Kalkes  von  Prof.  Zeuschner. 
Neues  Jahrbuch    für  Mineralogie   von  Leonhard  und  Bronn.    1860,    pag.  678. 

28* 


k 


216 


Maiiric  Remps. 


[4] 


zwar  ein  junges  Individuum.  Ich  habe  mehrere  solche  Stücke  in 
meiner  Sammlung.  Pompeckj  ist  ausserdem  nach  Prüfung  der  von 
S  u  e  s  s  bestimmten  Stücke  zu  der  Ueberzeugung  gekommen,  dass  die 
von  Suess  als  Bieskidensis  bestimmten  breiteren  Stücke  mit  grossem 
Deltidium  junge  T.  immanis  sind,  und  dass  Terehratula  Bieskidensis 
eine  recht  seltene  Form  ist. 


Fig.  1, 


-X 


Terehratula  immanis  Zejszner. 


Meine  Stramberger  Exemplare,  von  denen  das  grösste  hier  ab- 
gebildet ist,  sind  im  grossen  Steinbruch  des  Kotouc  gefunden 
worden.  —  An  Dimensionen  habe  ich  gemessen:  Länge  104  mm, 
Breite  102  mm,  Dicke  54  mm. 

Zwei  andere  Stücke  haben  folgende  Maße :  Länge  87 — 85  mm, 
Breite  85—90  mm,  Dicke  48—45  mm.  Zeuschner  gibt  für  die 
grössten  Formen  aus  Invald  84  mm  Länge,  75  mm,  Breite  und  50  mm 
Dicke  an. 


[5]  Beiträge  zur  Kenntnis  der  Brachiopoden  des  Stramberger  Tithon.       217 


Fig'.  2.     Terehratiila  innnanin  Zejsziier.  (Seitenansicht.) 


Fig.  3.    Terebrafula  immanis  Zejszner.  (Stiruansicht.) 


218 


Mauric  Reme§. 


[6] 


Terehratula  cyclogonia  Zeuschner. 

Textfigur  4  a— d. 

1857.  Terehratula  ci^dogonia  Zeuschner:  Palaeontolog.  Beiträge  etc., 
pag.  41  und'42,Taf.  III,  Fig.  ld—4:d-  Taf.  IV,  Fig.  1  b  und  2  b. 

1871.  T.  cyclogonia  Gemmellaro:  Studi  palaeontologici  etc.,  pag.  8, 
Taf.  II,  Fig.  5  und  6. 


Fig.  4. 


Fig.  4  a. 


Fig.  4  6. 


Fig.  4  c. 


Fig    4( 


Terehratula  cyclogonia  Zeuschner. 


Nach  Zeuschner  ist  sie  identisch  mit  Terehratula  Haidingeri 
Hohenegger-Suess,  welche  dieser  Autor  aus  den  Stramberger  Schichten 
von  Bobrek,  Wilhimowitz  und  Zeislowitz  beschreibt.  Es  kann  keinem 
Zweifel  unterliegen,  dass  Zeuschner  Recht  hat,  denn  diese  Tere- 
brat'ula  Haidingeri  Holienegger  (Suess,  1.  c.'pag.  28,  Taf.  II,  Fig.  1) 
ist  wohl  nichts  anderes  als  eine  T.  cyclogonia,  deren  Stirncommissur 
fast  gar  keine  Biegung  macht.  Das  von  mir  abgebildete  Stramberger 


I 


[7]  Beiträge  zur  Kenntnis  der  Brachiopoden  des  Stramberger  Tithon.        219 

Exemplar  stimmt  genau  mit  dem  von  Gemmellaro,  Tat'.  II,  Fig.  6 
aus  dem  Tithon  Siciliens  abgebildeten  Stücke  überein. 
Diese  Art  ist  für  Stramberg  neu. 


Terehratula  mltis  Suess. 

1858.   Terehratula    mitis    Suess:    Die    Brachiopoden    der    Stramberger 

Schichten,  pag.  31,  Tat".  III,  Fig.  5-7. 
1871.   T.  mitis  Gemmellaro:   Studi   palaeontologici  etc.,    pag.   13,  Taf. 

III,  Fig.  4. 

In  dem  weissen  Stramberger  Kalk  recht  häufig.  Aus  dem  rothen 
Nesselsdorfer  Kalk  war  sie  noch  nicht  bekannt.  Ein  Exemplar  habe 
ich  erst  in  der  letzten  Zeit  aus  diesen  Schichten  erhalten.  Dasselbe 
ist  sehr  ähnlich  der  in  Nesselsdorf  häufigen  Waldheimia  caeliformis 
Suess,  unterscheidet  sich  jedoch  durch  das  gänzliche  Fehlen  eines 
dorsalen  Septum,  sowie  der  Schnabelkanten. 

Terehratula  n.  sp.  ex  äff.  mitis   E.   Suess. 

Taf.  VII  (1),  Fig.  ia-c. 

[cf.  E.  Suess:  Die  Brachiopoden  der  Stramberger  Schichten,  pag.  31, 
Taf.  III,  Fig.  5-7.] 

Dimensionen: 
Länge  13  mm,      Breite  12  mm,      Dicke  8  mm. 

Kleine  Form  von  abgerundet  dreiseitigem  Umriss.  Die  gewölbtere 
grössere  Schale  trägt  einen  dicken,  massigen,  stumpfen  Wirbel,  der 
gegen  die  kleine  Schale  etwas  übergebogen  ist.  Foramen  undeutlich, 
Deltidium  nicht  sichtbar. 

Kleine  Schale  flacher,  au  der  Stirn  gegen  die  grosse  Schale 
zu  einem  flachen  Sinus  ausgebogen,  mit  dem  entsprechenden  Verlauf 
der  Stirncommissur.  Die  Commissuren  der  Seitenränder  sind  gerade. 

Sowohl  die  grosse,  wie  die  kleine  Schale  tragen  eine  schmale 
Medianrinne,  welche  in  ungefähr  einem  Drittel  der  Schalenlänge 
vom  Wirbel  entfernt  beginnt  und  bis  zum  Stirnrand  zieht.  Der  Stirn- 
rand erleidet  dadurch  eine  kurze  mediane  Einbuchtung.  Die  Sculptur 
besteht  aus  dichtstehenden  kräftigen  Anwachsstreifen.  Die  Schale  ist 
ziemlich  grob  punktirt. 

Das  vorliegende  Stück  stimmt  in  seiner  äusseren  Gestalt  mit 
Terehratula  mitis  überein,  besonders  gut  mit  Exemplaren,  wie  Suess 
1.  c.  Taf.  III,  Fig.  1  eines  abbildet.  Das  Stück  unterscheidet  sich 
von  T.  mitis  durch  den  massigeren  Wirbel,  durch  die  auf  beiden 
Schalen  deutlicher  ausgeprägte  Medianrinne  und  infolge  derselben 
durch  die  deutlichere  Einbuchtung  des  Stirnrandes.  Es  ist  dabei 
noch  zu  bemerken,  dass  bei  Terehratula  mitis  das  Deltidium  nie  in 
der  Grösse  und  Deutlichkeit  zu  beobachten  ist,  wie  die  Abbildungen 
6  und  7  bei  Suess  es  zeigen. 

Vorkommen:  Im  weissen  Stramberger  Kalkstein. 


220 


Mauric  Remes. 


[8] 


Terehratula  janitor  Pidet. 

Textfigur  ba—d. 

1837.    Terebmfula  diphija  Pitsch :  Polens  Palaeontol,  pag.  15,  Taf.  III, 

Fig.  13. 
1859.   T.  diphi/a  Suess:  Die  Brachiopoden  der  Stramberger  Schichten, 

pag.  34,  Taf.  III,  Fig.  13. 
1863  —  1868.   T.   janitor  Pidet:  Melanges   paleontologiques,   pag.  161, 

pl.  29,  Fig.  4-6,  pl.  30. 
1868.   T.  janitor  Zittel:  Die  Cephalopoden  etc.,   pag.  9. 
1871.   T.   janitor  Gemmellaro:    Studi    palaeoutologici    etc.,    parte    III, 

Taf.  I,  Fig.  5. 


Fig.  5, 


'^^> 


Fig.   ba. 


Fig.   bh. 


Fig.  5  c. 


Fig.  bd. 


Terchrafiila  jcoiitor  Pictet. 


Nach  Zittel,  der  die  Hohenegger'schen  Exemplare,  welche 
Suess  beschrieben  hat,  zu  untersuchen  Gelegenheit  hatte,  sind  die 
von  Suess  als   Terehratula  diplnja  Cot.  sp.  aus  Stramberg  und  Nessels- 


[91  Beiträge  zur  Kenntnis  der  Brachiopodcn  des  Stramberger  Tithon. 


221 


I 


dort"  angeführten  Stücke  identisch  mit  T.janitor  Pidet.  Bei  Stramberg 
sehr  selten.  Ein  schönes  Stück  von  Nesseisdorf  liegt  in  der  Münchener 
Sammlung.  Mein  Exemplar  stammt  aus  dem  Steinbruch  des  Kotouc 
und  ist  für  diese  Localität  neu. 

Terebratnla  spec. 

Textfigur  Ga—c  (siehe  umstehende  Seite). 

Dimensionen: 

Länge  70  mm,     Breite  45  mm.,     Dicke  38  mm. 

Ein  unvollständig  erhaltenes  Exemplar,  das  wegen  seiner  Form 

erwähnt  zu  werden  verdient.  Dasselbe  ähnelt  der  Terehratiüa   Ticha- 

viensis    Supss,    ist    aber    durch    die    bedeutende    grössere    Breite    im 

hinteren  Theile  der  Schale  von  ihr  unterschieden.    Vielleicht  könnte 

man    dieses  Stück   als    ein   sehr   grosses  Individuum   von   Terehrafida 

simplicissima,  und  zwar  als  dicke  Varietät  auffassen. 


WaldheiTViia  King, 

Waldheimia  trigonella  Schloth.  sp. 

Taf.  VII  (1),  Fig.  2a-d. 

1820.   Terehratulites  trigonellu^  ^'c/«/o^/imw;  Petrefactenkunde,  pag.  271. 

1828.  Terebratula  (Ismenia)  Hoenlnghausü  Defr.  teste  D  e  s  1  o  n  g- 
champs:  Revue  des  Terebratules  descrites  par  Defrauce  etc. 
in  Etudes  critiques  sur  des  brachiopodes  nouveaux  on  peu 
connus  1884,  pag.  281,  pl.  27,  Fig.   1,  2. 

1830.  T.  acideata  Zielen:  Versteinerungen  Württembergs,  pag.  58, 
Taf.  43,  Fig.  3. 

1850.   Terehratella  Fleuriausa  d'Orbignif:  Prodrome  II,  pag.  25,  Nr.  398. 

1868—1871.  Terebratula  trigonella  (??^ms^ec?^;  Petrefactenkunde  Deutsch- 
lands:   Brachiopoden   pag.  280,  Taf.  45,  Fig.  1—12. 
Zwei   kleinere    und   ein    grösseres    beschädigtes  Exemplar    aus 

dem  rothen  Kalkstein  von  Nesselsdorf. 

Dimensionen  des  grösseren  Stückes :  Länge  14  mm,  Breite  8  mm, 

Dicke    6   mm;    des   kleineren:    Länge    3—4  mm.    Breite   3—4   mm, 

Dicke  1  —  1^2  '>'^f^- 

Dictyothyris  JDoiiv. 

Dictyothyris  altirosfris  n.  sp. 

Taf.  VII  (1),  Fig.  3a— d,  4.a—d. 

Dimensionen: 

Länge  9—15  mm,     Breite  8—12  mm,     Dicke  6—10  mm. 

Die  kleine  Klappe  von  der  Gestalt  eines  ziemlich  regelmässigen 
Pentagons,  gleichmässig  gewölbt.  Die  grosse  Klappe  sowohl  an  Grösse 
als  Wölbung  die  kleine  bedeutend  übertreffend.  Zwei  starke  Leisten 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1899,  49,  Band,  2.  Heft.  (M.  Uemeä.)  29 


222 


Maiiric  RemeS. 


[10] 


Figr.  6. 


Fig.   6( 


Fig.  6< 


Terehratula  spec. 


[11]        Beiträge  zur  Kenntnis  der  Brachiopoden  des  Stramberger  Tithon.         223 

durchziehen  vom  Schnabel  zur  Stirn  diver^irend  die  ganze  Länge 
der  grossen  Klappe  und  begrenzen  einen  flachen  Sinus.  Zu  beiden 
Seiten  dieser  Falten  fällt  die  Wölbung  der  Klappe  gegen  die  kleine 
Klappe  recht  steil  ab.  Der  Schnabel  dick,  ziemlich  lang,  abstehend. 
Oeffnung  für  den  Haftmuskel  gross.  Deltidium  hoch,  etwas  eng. 

Die  Sculptur  ist  an  einzelnen  Schalen  recht  gut  erhalten.  Feine 
Falten  strahlen  in  grosser  Anzahl  vom  Wirbel  und  Schnabel  gegen 
die  Peripherie  aus.  Beinahe  zwischen  allen  diesen  Falten  sind  zartere 
eingeschaltet,  welche  jedoch  nicht  die  ganze  Länge  der  Schale  durch- 
ziehen. Zarte  Querstreifen,  welche  die  Längsfalten  kreuzen,  ver- 
leihen der  Zeichnung  die  Gestalt  eines  feinen  Gitters. 

Die  eben  beschriebene  Art  steht  der  Oppel'schen  IHcti/othi/ria 
Kurri  sehr  nahe,  ist  aber  von  ihr  durch  den  längeren,  mehr  ab- 
stehenden Schnabel  verschieden.  Sie  kommt  sowohl  im  weissen  Stram- 
berger Kalk  als  auch  im  rothen  Nesselsdorfer  Kalkstein  vor,  am 
letzteren  Fundorte  jedoch  häufiger.  Dieselbe  Art  ist  aus  dem  oberen 
Malm  von  Tynice  bei  Krakau  bekannt  und  kommt  auch  im  weissen 
Jura  £  (Kieselkalk)  von  Amberg,  sowie  im  Diceraskalk  von  Kapfel- 
berg  bei  Kehlheim  vor  (Münchener  Museum).  Etwas  abweichende 
Stücke  könnten  als  vor.  notoptijcha  bezeichnet  werden  (Taf.  Yll  [1], 
Fig.  4  a— (i).  Dieselben  kommen  ebenfalls  im  rothen  Nesselsdorfer 
Kalk  vor.  Sie  haben  kleinere  Dimensionen:  7 — 8  mm  Länge,  6 — 7  mm 
Breite  und  5  —  6  mm  Dicke  stimmen  sonst  mit  der  eben  beschriebenen 
Art  überein  und  unterscheiden  sich  nur  durch  die  kleine  Klappe 
von  ihr.  Man  findet  nämlich  an  derselben  zwei  deutliche,  vom  Wirbel 
ausgehende,  gegen  die  Stirn  ziehende  Leisten.  Diese  sind  nur  in  der 
ersten  Hälfte  der  Klappe  stark  ausgeprägt,  verlieren  sich  gegen  den 
Stirnrand  hin,  so  dass  sie  in  der  zweiten  Hälfte  der  Klappe  kaum 
angedeutet  sind. 

An  einem  Exemplar  ist  der  Schnabel  sehr  lang,  gegen  die 
Spitze  verengt  und  umgebogen.  Die  Oeffnung  für  den  Haftmuskel 
klein.  Diese  Varietät  ist  im  weissen  Stramberger  Kalk  noch  nicht 
gefunden  worden.  Sie  kommt  im  weissen  Jura  s  (Kieselkalk)  von 
Amberg  vor.  Quenstedt  (Brachiopoden,  Taf.  44,  Fig.  127,  128) 
bildet  ganz  ähnliche  Formen  unter   seiner    Terehratula  retlculata   ab. 


Dictyothyris  Chaperi  Doiiv. 

Taf.  VII  (1),  Fig.  5a-d. 

1886.  Dlcfijothijris  Chaperi  H.  DouviUe:  Sur  quelques  Brachiopodes 
du  terr.  jur.  Bull.  d.  1.  Soc.  d.  Sc.  bist,  et  nat.  de  l'Yonne 
1885,  pag.  59,  PI.  IV,  Fig.  5. 

Das  abgebildete  Stück  mit  dem  langen,  massig  gebogenen 
Schnabel  entspricht  ganz  der  Abbildung  und  Beschreibung,  welche 
Douville  von  Dictijothijris  Chaperi  gab.  —  Fundort:  Rother  Kalk 
von  Nesselsdorf. 

Dieselbe  P'orm  kommt  ausserdem  in  verschiedenen  Gebieten 
des  oberen  Jura  vor;  Quenstedt  (Brachiopoden,  pag.  273,  Taf.  44, 
Fig.   L29)  beschrieb   sie   aus  weissem  Jura  e  von  Sirchingen,  ausser- 

29* 


224  Mauric  Reme§.  [12] 

dem  liegt  sie  in  mehreren  Stücken  von  Amberg,  Streitberg  und  von 
Kapfeiberg  bei  Kehlheim  vor;  sie  ist  ferner  auch  bei  Stramberg 
(Münchener  Museum)  gefunden  worden  i). 

Douville  erörterte  bereits  die  Beziehungen  unserer  Art  zu 
der  von  Zeuschner  und  Suess  beschriebenen  tithonischen 
Dictyothi/ris  repanda,  von  welcher  sie  sich  durch  etwas  kürzeren 
Schnabel    und    durch    die     deutlicheren    Radialfalten    unterscheidet. 


Dictyothyris  Koprivnicetisis  n.  sp. 

Taf.  VII  (1),  Fig.  6a- d. 

Dimensionen: 
Länge  Ibmm,     Breite  14  mm,     Dicke  11  min. 

Beide  Klappen  stark  gewölbt,  besonders  die  grössere.  Die 
kleinere  hat  einen  fünfeckigen  Umriss,  die  grössere  die  Gestalt  eines 
sphärischen  Dreieckes.  Seiten-  und  Stirncommissur  bilden  ein  breit- 
gezogenes W.  Die  erstere  wird  von  drei  deutlichen  Falten  in  ihrer 
ganzen  Ausdehnung  durchzogen.  Die  Falten  sind  von  bedeutender 
Stärke  (besonders  die  mittlere)  und  beginnen  schon  am  Wirbel.  An 
der  grossen  Klappe  ziehen  zwei  divergirende,  einen  Hachen  Sinus 
begrenzende,  recht  scharfe  Falten  von  der  Schnabelspitze  zum  Stirn- 
rand. Zwei  weniger  scharfe  Schnabelkanten  gehen  vom  Schnabel  bis 
etwa  zur  Mitte  des  Seitenrandes.  Schnabel  dick,  gegen  vorn  über- 
gebogen; Foramen  gross,  oval.  Ein  kurzes  dorsales  Septum  ist  vor- 
handen. Was  die  Zeichnung  der  Schale  betrifft,  so  ist  von  ihr,  da 
die  obere  Schalenschicht  fehlt,  nur  an  einzelnen  Stellen  eine  zarte 
Punktirung,  ausserdem  dichtstehende  concentrische  Anwachsstreifung 
sichtbar.  Unter  den  von  Suess  als  Terehratula  subcanalis  be- 
schriebenen Formen  von  Stramberg,  welche  Zittel  als  von  Wald- 
heimia  suhcafial/s  Münster  verschieden  und  mit  Terehratula  (Dictijothijris) 
Euthyml  Pia.  übereinstimmend  erkannte,  befinden  sich  einige  Stücke 
mit  deutlicher  Medianfalte  auf  der  kleinen  Schale  (noch  deutlicher 
als  Suess  sie  1.  c.  Taf.  III,  Fig.  11  zeichnet.) 

Diese  Stücke  sind  daher  von  Euthijml  zu  trennen  und  unserer 
Art  nahezustellen.  Auf  Alters-  und  Wachsthums- Verschiedenheiten 
ist  das  Auftreten  der  Medianfalte  nicht  zurückzuführen,  wie  es  Suess 
will.  Diese  Straniberger  Form  besitzt  wie  Dicti/otln/ris  Kopnvnicensis 
ein  deutliches  Medianseptum.  Die  Bestimmung  als  Dictijothijris  kann 
nur  als  vorläufig  gelten,  da  von  der  Organisation  des  Armgerüstes 
nichts  bekannt  ist.  Pompe  ckj  stellt  sie  zu  Dictijoth.ijrls,  weil 

1.  in  Bezug  auf  die  Sculptur  und  die  Wulst-Sinusbildung  nahe 
Anklänge  an  Dictijothijrk  Chaperl  vorhanden  sind ; 

2.  weil  ebenso  Aehnlichkeit  und  durch  die  oben  erwähnte 
Stramberger  Form  wohl  auch  verwandtschaftliche  Verbindung  mit 
Terehratula  Euthymi  vorhanden  ist. 


^)  Eine    wahrscheinlich    übereinstimmende  Form    sammelte  Pompe  ckj    im 
Kimmeridge  der  Dobrogea. 


[13]        Beiträge  zur  Kenntnis  der  Brachiopoden  des  Stramberger  Tithon.        225 

Nach  Douville  soll  bei  Dictijothyris  zwar  kein  Medianseptum 
vorhanden  sein,  doch  Qiienstedt  (Brachiopoden,  Taf.  44,  Fig.  119, 
120)  zeichnet  ein  solches,  allerdings  sehr  kurzes,  bereits  bei  seiner 
Terebratida  reticulata;  Pompeckj  konnte  ein  solches  —  wie  bei 
unserer  Art  längeres  —  an  mehreren  Stücken  der  DidijofJiyris  Eufhi/mi 
beobachten  (welche  darum  auch  nicht  etwa  zu  Geonothifris  zu  stellen 
ist  [cf.  Douville],  sondern  richtiger  zu  Dictyothi/ris  [cf.  Rothpletz, 
Vilser  Alpen,  pag.  80;  in  Palaeontographica,  Bd.  XXXIII]).  Im  Kreise 
der  Dictifotlti/riH -Artei)  nehmen  Dicti/ofJn/ris  Kopnvnicensis^  Euthi/mi 
und  die  von  dieser  abzutrennende  Stramberger  Form  eine  Sonder- 
stellung ein,  indem  sie  sich  ausser  durch  das  längere  Medianseptum, 
noch  durch  stärkere  Faltung,  kürzeren,  niedergedrückten  Schnabel 
und  sehr  kleines  (bis  fehlendes?)  Deltidium  von  den  übrigen  Arten 
unterscheiden. 

Die  hier  abgebildete  Didyotlujrls  Kopnvnicensis  ist  im  rothen 
Kalkstein  von  Nesselsdorf  gefunden  und  nach  diesem  Fundorte,  dessen 
eigentlich  richtiger  Name  Kopiivnic  lautet,  auch  benannt  worden. 
Sie  ist  an  dieser  Localität  selten. 


Megerlea  King. 

Megerlea  cf.  tatrica  Zitt. 

Taf.  VII  (1),  Fig.  Qa-d. 

Dimensionen: 
Länge  4-13  mm,     Breite  3  —  10  mm,     Dicke  1—7  mm. 
[cf.    K.    Zittel:     Die    Fauna   der    altern,    Cephalopoden   führenden 
Tithonbildungen,  pag.  261,  Taf.  18,  Fig.  21,  22.] 
Der  Megerlea    tatrica    Zitt.    nahe    stehende  Form,    welche    sich 
von  den  bei  Zittel  abgebildeten  Stücken  nur  durch  gröbere  Radial- 
falten und  durch  gestreckteren  Schlossrand  der  kleinen  Schale  unter- 
scheidet. 

Vorkommen:  Rother  Kalkstein  von  Nesseldorf. 

Megerlea  tithonia  n.  sp. 

Taf.  VII  (1),  Fig.  7a-d. 
Dimensionen: 
Länge  2  —  10  mm.     Breite  3—12  mm,     Dicke  1—6  mm. 
Der  vorigen  nahe  verwandt. 

Grosse  Schale  mit  sechs,  kleine  Schale  mit  sieben  groben,  ab- 
gerundeten Radialfalten,  welche  von  dichten  concentrischen  Anwachs- 
streifen gekreuzt  werden,  wodurch  die  Schale  ein  schuppiges  Aus- 
sehen erhält. 

Area  unter  dem  Wirbel  der  grossen  Schale  niedrig,  sehr  breit, 
mit  scharfen  Arealkanten.  Schlossrand  der  kleinen  Schale  gerade  mit 
langausgezogenen  Ecken.  Die  langausgezogenen  Ecken  des  Schloss- 
raudes  und  die  grössere  Breite  unterscheiden  die  vorliegende  Art 
von  der  Megerlea  cf.  tatrica  und  bringen  sie  in  ihrer  äusseren  Gestalt 


i 


226  Mauric  Reme§.  [14] 

der  Terebratelln  pedunciiloides  Schloth.  sp.  und  namentlich  auch  der 
Megerlea  reda  Quenst.  sp.  nahe ;  von  beiden  letzteren  Arten  ist  Meger- 
lea  fWionia  aber  durch  die  niemals  scharfkantigen,  sondern  abge- 
rundeten Rippen  verschieden. 

Vorkommen :  Im  Nesselsdorfer  rothen  Kalkstein. 


Megerlea  proloricata  n.  sp. 

Taf.  VII  (1),  Fig.  9a-d. 

Dimensionen: 

Länge  11  mm,     Breite  12  mm,     Dicke  7  mm, 
„        10  mm,  „         9  min^  „        ß  mm, 

„  5  m?n,  „         4  mm,         „        1  min. 

Umriss  gerundet,  fünfseitig,  mit  langgezogenen  Schnabelkanten. 
Breitere  und  schlankere  Formen.  Beide  Schalen  fast  gleichmässig 
gewölbt.  Grosse  Schale  mit  vorgebogenem,  dickem  Schnabel,  der 
durch  ein  grosses  Foramen  abgeschnitten  ist.  Unter  dem  Foramen 
kleine  Deltidialplättchen  sichtbar.  Eine  eigentliche  Area  ist  nicht 
ausgebildet,  Arealkanten  fehlen;  der  Wirbel  zeigt  daher  rundlichen 
Querschnitt.  Deutliche  Areolen  senken  sich  an  den  Seiten  des  Wirbels 
in  die  Schlossrandpartien  der   beiden  Schalen  ein. 

Die  Schlossränder  der  kleinen  Schale  stossen  unter  einem 
Winkel  von  ca.  90^  zusammen.  Die  grosse  Schale  trägt  6,  die  kleine 
5  von  den  Wirbeln  ausstrahlende  grobe  Radialfalten,  welche  zuerst 
scharfkantig  sind,  gegen  die  Ränder  hin  aber  flacher  werden.  Auf 
den  groben  Falten  und  in  ihren  Zwischenräumen  sind  feine,  dicht- 
stehende Radialleistchen  ausgebildet,  welche  von  entfernt  stehenden 
Anwachsstreifen  gekreuzt  werden.  Den  Falten  der  einen  Schale 
entsprechen  auf  der  anderen  Schale  tiefe  Rinnen,  so  dass  die  Com- 
missuren  im  Zickzack  verlaufen;  die  Stirncommissur  bildet  ein  W. 
Die  Schale  ist  deutlich  punktirt. 

Die  vorliegende  Form  ist  nach  ihrer  Sculptur  als  eine  Ver- 
wandte der  Terebratula  lorimfa  aufzufassen.  Sie  ist  demgemäss  auch 
zu  Megerlea  gestellt  worden,  obwohl  über  die  innere  Organisation  der 
Art  nicht  mehr  gesagt  werden  kann,  als  dass  in  der  kleinen  Schale 
ein  Medianseptum  von  fast  der  halben  Schalenlänge  ausgebildet  ist. 
Unter  den  Amberger  Exemplaren  der  Terebratula  loricata  kommen 
solche  vor,  welche  mit  unserer  Art  in  Bezug  auf  die  Sculptur  der 
Schalen  vollkommen  übereinstimmen.  Diese  Stücke  unterscheiden 
sich  von  unserer  Form  aber  durch  kürzeren,  breiten  Schnabel,  durch 
das  Vorhandensein  einer  deutlich  abgegrenzten  Area  mit  scharfen 
Arealkanten,  ferner  dadurch,  dass  bei  diesen  die  Radialsculptur  wie 
bei  Megerlea  loricata  überhaupt,  durch  d  i  c  h  t  s  t  e  h  e  n  d  e  gröbere 
Anwachsstreifen  gekreuzt  wird,  wodurch  die  Oberfläche  ein  schuppiges 
Aussehen  erhält. 

Ob  in  der  That  eine  engere  Verwandtschaft  mit  Megerlea  lori- 
cata vorhanden  ist,  vermag  ich  nicht  sicherzustellen.  Möglicherweise 
ist    die    an    einzelnen    Exemplaren    der    loricata    lebhaft    erinnernde 


[15]        Beiträge  zur  Kenntnis  der  Brachiopoden  des  Stramberger  Tithon.        227 

Sculptur  unserer  Art  nur  eine  Convergenzerscheinung,  welche  sich 
bei  einer  schärfer  gefalteten  Mutationsreihe  der  Me.gerlm  Uitrka  Zittel 
einstellt. 

Zwei  Stücke  dieser  letzteren  Art  von  Biala  woda  (Münchener 
Museum)  zeigen  nämlich  schon  ähnlich  scharfe  Faltung,  haben  aber 
noch  nicht  den  langen  Schnabel  unserer  Menerlea  prolorkata. 

Vorkommen:  Kother  Kalk  von  Nesselsdorf. 


TerebratiUhia  (VOrh kjnfj. 

Terehratuliiia  suhsiriata  Schloth.  sp. 

1852.  Terebrafula  sub.^frlafn  Quenstedt:  Handbuch  der  Petrefacten- 
kunde,  pag.  482,  Taf.  37,  Fig.  6. 

1858.   T.  silicea  Quenstedt:  Der  Jura,  pag.  745,  Taf.  90,  Fig.  32. 

1858.  Terehratulina  mhstriata  Suess:  Die  Brachiopoden  der  Stram- 
berger Schichten,  pag.  37,  Taf.  IV,  Fig.  3-6. 

1871.  T.  suhstriata  Quenstedt:  Die  Brachiopoden.  Petrefactenkunde 
Deutschlands,  I.  Abth.  2.  Bd.,  pag.  246,  Taf.  44,  Fig.  26. 

In  den  verschiedenen  Fundorten  der  Stramberger  Schichten 
ziemlich  verbreitet.  Im  Nesselsdorfer  Kalk  sind  wenige  Stücke  kleinerer 
Dimensionen  beobachtet  worden.  Dieselben  sind  flach,  wenig  verbogen, 
die  Streifung  nicht  so  deutlich  hervortretend  wie  in  den  Exemplaren 
des  weissen  Kalkes. 

Für  Nesselsdorf  neu. 

Terebratulina  latirostris  Suess. 

1858.  Terehratulina  latirostris  Suess:  Die  Brachiopoden  der  Stramberger 
Schichten  etc.,  pag.  39,  Taf.  IV,  Fig.  7,  8. 

Die  bisherigen  Fundorte  in  den  Stramberger  Schichten  sind 
Koniakau,  Stramberg,  Ignatiusberg  bei  Neutitschein.  In  den  letzten 
Jahren  ist  diese  Art  auch  in  den  rothen  Kalken  von  Nesselsdorf, 
aus  welchen  sie  noch  nicht  bekannt  war,  in  wenigen  Exemplaren  ge- 
funden worden. 

Lyra  Cumherland. 

Lyra  angustirostris    n.  sp. 

Taf.  VIT  (1),  Fig.  10  a-d. 

In  den  Schichten  von  Nesselsdorf  kommt  neben  der  eben  be- 
schriebenen Art  in  ziemlich  grosser  Menge  eine  mit  Li/ra  Neocomiensis 
d'Orh.  nahe  verwandte  Form  vor,  welche  wegen  einiger  besonderer 
Merkmale  hervorgehoben  zu  werden  verdient. 

Sämmtliche  Stücke  sind  klein.  Länge  10—17  mm,  grösste  Breite 
9_10  mm,  grösste  Dicke  2—3  mm.  Sie  sind  von  spateiförmiger  Gestalt. 
Die  grösste  Breite  fällt    in  das  am  Stirnrande  gelegene  Drittel.    Die 


228  Manric  Renjes.  [16] 

Bauchklappe  erscheint  flach  gewölbt,  die  Wölbung  ist  gleichmässig ; 
die  Dorsalklappe  am  Stirnrande  flach  ausgehöhlt,  wölbt  sich  gegen 
das  Schloss  hin  stärker  empor.  Diese  Partie  tritt  daher  deutlicher 
hervor.  Der  Stirnrand  wird  durch  eine  flache  Einbuchtung  in  zwei 
Hälften  getheilt.  Die  auf  diese  Weise  entstandenen  Lappen  sind  an 
manchen  Exemplaren  ungleich  gross.  Die  radiale  Streifung  der  Klappen 
ist  sehr  fein  und  dicht.  Die  Schlosskanten  bilden  einen  spitzen 
Winkel  und  übergehen  schon  weit  ober  der  halben  Länge  der  kleinen 
Klappe  in  die  Randkanten,  welche  sehr  scharf  und  gebogen  sind. 
Einzelne  Stücke  sind  so  dünn,  dass  der  Stirntheil  in  seiner  grössten 
Ausdehnung  durchscheinend  wird.  Der  lange,  gerundete  Schnabel  ist 
durch  das  Foramen  gerade  abgestutzt. 

Das  Deltidium  ist  sehr  deutlich  sichtbar,  es  ist  flach,  gross, 
sehr  hoch  und  schmal,  am  Schloss  etwas  breiter,  gegen  die  Spitze 
enger,  zu  beiden  Seiten  desselben  je    eine  deutliche  scharfe  Furche. 

Lyra  angusfirostris  unterscheidet  sich  von  Li/ra  Neocomiensis 
d'Orh.  1),  die  mir  aus  dem  Valanginien  von  St.  Croix  und  Villers  le 
Lac  vorliegt,  lediglich  durch  ihre  flachere  Gestalt  und  etwas  längeren 
Wirbel. 

Die  neubeschriebene  Art  ist  im  weissen  Stramberger  Kalk 
noch  nicht  gefunden  worden,  sondern  nur  im  rothen  Kalkstein  von 
Nesselsdorf. 


Ithynchofiella  Fischer  von  Waldheim. 

Rhynchonella  spoliata  Suess. 

1858.  RhynchoneUa  spoliata  Suess:  Die  Brachiopoden  der  Stramberger 

Schichten,  pag.  54,  Fig.  1. 
1868.  Rh.  Boissieri  Fielet^  Zittel:    Die  Cephalopoden  der  Stramberger 

Schichten,  pag.  9. 

Nach  Pictet  und  Zittel  stimmt  diese  Art  mit  Rhynchonella 
Boissieri  Fictet  aus  Berrias  überein.  Suess  führt  als  Fundorte  Koniakau 
und  die  rothen  Kalke  von  Nesselsdorf  an.  Obwohl  ich  aus  den  rothen 
Kalken  sehr  viele  Brachiopoden  besitze,  findet  sich  Rliychofiella  spoliata 
darunter  in  einem  einzigen  Exemplar.  Ich  glaube,  dass  sie  in  den 
oberflächlichen  Schichten  dieser  Kalke  häufiger  war,  denn  jedenfalls 
ist  die  erwähnte  Thatsache  auffallend. 

Li  den  weissen  Kalken  ist  sie  noch  nicht  gefunden  worden. 

Rhynchonella  Suessi  Zitt. 

1858.  Rhynchonella  lacunosa  var.  suhsimilis  Suess:  Die  Brachiopoden 
der  Stramberger  Schichten,  pag.  53,  Taf.  VI,  Fig.  5—7. 

1868.  Rh.  Suessi  Zitt.:  Die  Cephalopoden  der  Stramberger  Schichten, 
pag.  11. 


^)  d'Orbigny:  Paläontologie  frangaise.  Terrain    crdtacö  IV.    Brachiopodes, 
pag.  127,  pl.  519,  Fig.   1  —  5. 


[17]        Beiträge  zur  Kenntnis  der  Brachiopoden  des  Ötramberger  Tithon.        229 

1868.    Terebratula  lacunosa  diffma  Quenstedt :  Brachiopoden  I   nag   128 
Taf.  XXX,  Fig.  1.    '  ,        .        , 

1870.  Bhi/Hchonella  Suessi  Z/U.:  Die  Fauna  der  altern,  Cephalopoden 

führenden  Tithonbildungen,  i)ag.  145. 

1871.  Eh.  Suessi  Gemmellaro:  Studi  palaeontolog.  etc.  pag.  25,  parte  III. 

Im  Stramberger  Tithon  samnit  der  flachen  Varietät  häufig. 
Beide  Formen  kommen  auch  im  Nesselsdorfer  Kalk  vor.  Ein  unvoll- 
ständig erhaltenes  Exemplar  stammt  aus  Chlebowitz.  Aus  diesem 
Fundort  war  von  Rhynchonellen  bis  jetzt  nur  die  RhijnchonelJa  sub- 
variabiUs  Dav.,  welche  sonst  in  anderen  Fundorten  der  Stramberger 
Schichten  nicht  vorkommt,  bekannt. 


RhynchoHella  Hoheneggeri  Suess. 

Taf.  VIII  (2),  Fig.   \a—b,  2  a— b. 

1858.  Rhi/nchonelJa  Hoheneggeri  Suess:  Die  Brachiopoden  der  Stram- 
berger Schichten,  pag.  56,  Taf.  VI,  Fig.  13—19. 

1866.  Rh.  Hohmeggeri  Suess,  0  oster:  Synopsis  des  Brachiopodes 
fossiles  des  Alpes  Suisses,  pag.  52,  pl.  17,  Fig.  13  —  15. 

1871.  Rh.  Hoheneggeri  Zittel:  Die  Fauna  der  altern,  Cephalopoden 
führenden'Tithonbildungen,  pag.  147,  Taf.    38,    Fig.    29—31. 

Aus  dem  rothen  Kalkstein  von  Nesselsdorf  habe  ich  zwei 
Exemplare  abgebildet,  welche  von  den  typischen  Formen  interessante 
Abweichungen  zeigen.  Fig.  1  a—b  stellt  ein  etwas  asymmetrisches 
Stück  dar,  dessen  grössere  Klappe  beinahe  in  ihrer  ganzen  Ausbreitung 
stark  in  der  Richtung  gegen  die  kleinere  Klappe  eingedrückt  erscheint. 
In  Fig.  2  a—h  ist  eine  ganz  ähnliche  Erscheinung  zu  sehen,  nur  ist 
hier  das  Exemplar  der  Länge  nach  verzogen  und  infolge  dessen  treten 
die  Falten  sowohl  der  grossen  als  auch  der  kleinen  Klappe  stark 
hervor.  An  der  letzteren  bildet  die  Mittelfalte  einen  förmlichen  Kiel, 
Zu  erwähnen  wäre,  dass  Suess  die  RhynchoneUa  Hoheneggeri  als 
charakteristisch  für  den  Nesselsdorfer  Kalk  hielt.  Nun  ist  sie  aber 
schon  von  Hohen  egger  1861  an  verschiedenen  Orten  im  weissen 
Kalke  gefunden  worden. 

RhynchoneUa  cfr.   Hoheneggeri  Suess. 

Taf.  VIII  (2),  Fig.  3  a— d. 

Zwei  kleine  Exemplare  aus  dem  rothen  Kalke  von  Nesselsdorf. 
Beide  sind  von  annähernd  gleicher  Grösse :  8  mm  Länge,  9  mm  Breite 
und  6  mm  Dicke.  Sie  haben  zwar  eine  ganz  ähnliche  Faltung  wie 
einzelne  junge  Exemplare  der  typischen  RhynchoneUa  Hoheneggeri, 
zeigen  jedoch  gewisse  Abweichungen,  welche  ihre  Sonderstellung  recht- 
fertigen. Zuerst  möchten  wir  den  Umriss  erwähnen.  Während  dieser 
bei  RhynchoneUa  Hoheneggeri  gerundet  ist  —  sogar  mehr  als  bei 
RhynchoneUa  Suessi  —  erscheint  er  bei  unserer  Art  von  sechseckiger 
Gestalt  mit  scharf  abgesetzten  Kanten.     An  der  kleineren,  stark  ge- 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1899,  49.  Band,  2.  Heft.  (M.  Remeä.)  30 


230  Mauric  Reme§.  [18] 

wölbten  Klappe  gabeln  sich  sowohl  die  Mittelfalte  als  auch  die  Neben- 
falten in  je  zwei  Aeste  in  einiger  Entfernung  vom  Scheitel.  Der 
mediane  Ast  der  Nebenfalten  tritt  besonders  stark  hervor.  An  der 
grossen  Klappe  zieht  zu  jeder  Seite  des  Sinus  je  eine  stark  vor- 
tretende Falte,  die  gegen  den  Stirnrand  breiter  wird.  Zwischen  ihnen 
und  der  Nebenfalte  ist  die  Klappe  stark  eingesenkt.  Die  Mittelfalte 
ist  flacher  als  die  Nebenfalten. 

Rhynchonella  Glockeri  n.  sp. 

Taf.  VIII  (2),  Fig.  Aa-d. 

[cf.  1887.  Bhynchonella  Hohenegqeri  Haas:    Soc.  pal.  Suisse  vol.  XIII, 
pag.   i06,  pl.  X,  Fig.  8.] 

Dimensionen: 

Länge  11 — 16  mm,     Breite  8  —  15  nnn^     Dicke  6—11  mm. 

Die  Stücke  haben  einen  annähernd  dreieckigen  Umriss  mit  ab- 
gerundeten unteren  Ecken.  Die  Wölbung  beider  Klappen  sehr  stark, 
gegen  die  Stirn  steil  abfallend.  Schnabel  klein,  spitzig,  Oetthung  für 
den  Haftmuskel  und  Deltidium  nicht  sichtbar  —  jedenfalls  klein; 
Schnabelkanten  fehlen. 

Sinusbildung  an  allen  Exemplaren  deutlich.  An  beiden  Klappen 
treten  deutliche  Falten  vor.  Dieselben  reichen  bis  weit  gegen  den 
Schnabel,  an  wohlerhaltenen  Stücken  bis  in  den  Schnabel  hinein. 
Von  einer  Spaltung  ist  nichts  zu  sehen.  In  der  Form  stimmen  die 
abgebildeten  Stücke  mit  Fig.  15  a  und  19  a  der  Rlujnchonella  strioplicata 
bei  Suess  überein,  auch  die  Sculptur  der  Schale  (sehr  feine,  dichte 
Kadialleistchen)  ist  dieselbe,  sind  jedoch  hauptsächlich  durch  die 
deutliche  Sinusbildung  unterschieden  und  leicht  zu  trennen. 
Die  citirte  Abbildung  der  Rht/nchonella  Hoheneggeri  Haas,  welche 
nicht  mit  BhijncJioneUa  Hoheneggeri  Suess  übereinstimmt,  stellt  eine 
nach  Form  und  Sinusbildung  unserer  Art  ähnliche  Gestalt  vor.  Ob 
dieselbe  mit  unserer  Art  identisch  ist,  lässt  sich  nach  der  mangel- 
haften Beschreibung  bei  Haas  nicht  entscheiden. 

Diese  BhijnchoneUa-kxt  kommt  sowohl  im  weissen  Stramberger 
Kalk  als  auch  im  rothen  Kalkstein  von  Nesselsdorf  vor.  Am  ersteren 
Fundorte  ist  sie  etwas  grösser. 

Rhynchonella  Genunellarol  Zitt.  in  coli. 
1852.   Terehratula  striatoplicata  Qiienstedf:  Handbuch  der  Petrefacten- 

kunde,  pag.  455,  Taf.  36,  Fig.  23. 
1858.    T.  striatopikafa  Quenstedt:  Der  Jura,  pag.  635,  Taf.  78,  Fig.  24. 
1858.  Rhynchonella  striatoplicata  Oppel :  Die  Juraformation  etc.,  pag.  689. 
1858.  Rh.    strioplicata    Suess:      Die    Brachiopoden    der    Stramberger 

Schichten,  pag.  149,  Taf.  V,  Fig.   15—19. 
1868.  Rh.  strioplicata  Suess,  Zittel:  Die  Cephalopoden  etc.,  pag.  10. 

In  der  Münchener  Sammlung  ist  die  Rlnjnchonella  strioplicata 
Suess    von    Zittel    als  Rhgnchonella    Gemmellaroi    bezeichnet.     Nach 


[19]        Beiträge  zur  Kenntnis  der  Brachiojjoden  des  Stramberger  Tithon.        231 

Zittel  eine  für  Stramberg  sehr  charakteristische  Form.  Junge  In- 
dividuen sind  zwar  der  Q  uen  ste  d  t'schen  Art  sehr  ähnlich,  aus- 
gewachsene zeigen  niclit   die  geringste  Uebereinstimmung. 


Rhyuchonella  .sp 

Taf.  VIII  (2),  Fig.  ba-d. 

Dimensionen: 
Länge  11  mm,    Breite  9  mm,    Dicke  4  mm. 

Kleine  Form.  Sculptur  ähnlich  wie  bei  Rhijmhomlla  Gemmellaroi 
ZiU.  {strioplkata  Suess)  und  Rhynchonella  Glociceri  n.  sp.  (Hoheneggeri 
Haas).  Ganz  ähnliche  Stücke  liegen  unter  den  von  Suess  als  sirio- 
-pVicata  bestimmten  Formen  der  Höh  en  egger'schen  Sammlung.  Durch 
die  deutliche  Sinusbildung  ist  sie  aber  von  dem  Typus  der  Suess'schen 
Art  zu  trennen.  Durch  die  schlankere  Form  ist  sie  auch  von  der 
früher  erwähnten  BliynclioneUa  Glockeri  w    sp.  verschieden. 

Vielleicht  wäre  es  am  besten,  sie  als  cfr.  sfrioph'cata  QuensHdt 
(Brachiopoden,  pag.  132,  133,  Taf.  40,  Fig.  23 — 33)  zu  bezeichnen, 
da  die  äussere  Gestalt  am  besten  mit  Quenstedt,  Fig.  25,  über- 
einstimmt. Ob  übrigens  alles,  was  Quenstedt  als  sfrioplicata  be- 
zeichnete, zusammengehört,  ist  fraglich. 


Rhyiichonella  Frici    n.  sy 

Taf.  VIII  (2),  Fig.  Qa—d. 

1879,  Rhfjnchonella   tatrica   Favre:    Foss.  d.  couches    tithoniques    des 

Alpes  Fribourgeoises,  pag.  62,  pl.  V,  Fig.  10—11. 
1887.  R.  tatrica  Haas:    Soc.  pal.  Suisse,    Vol.  XIV,    pag.   109,    pl.  X, 
Fig.  9  und  10. 

Dimensionen: 
Länge  8 — 9  mm,    Breite  7 — 9  mm,    Dicke  5  mm. 

Umriss  annähernd  von  der  Form  eines  Dreieckes.  Beide  Klappen 
recht  stark  gewölbt,  die  grössere  stärker  als  die  kleinere.  Schnabel 
klein,  sehr  spitzig,  Oeffnung  für  den  Haftmuskel  sehr  klein.  Deltidium 
ziemlich  breit,  jedocli  niedrig. 

An  der  grossen  Klappe  begrenzen  zwei  vom  Schnabel  ausge- 
hende, gegen  die  Stirn  divergirende  Falten  einen  deutlichen  Sinus. 
Eine  oder  zwei  Mittelfalten  reichen  von  der  Stirn  bis  nahe  zum 
Schnabel,  sie  sind  undeutlicher  als  die  Seitenfalten.  An  der  kleinen 
Klappe  ist  eine  in  2—3  Aeste  gespaltene  Mittelfalte  deutlich  aus- 
gesprochen, je  eine  flache  Nebenfalte  kaum  angedeutet.  Zwischen 
der  Nebenfalte  und  dem  lateralen  Aste  der  Mittelfalte  ist  nahe  am 
Stirnrande  die  Klappe  stärker  eingesenkt.  Von  der  faserigen  Structur 
der  Schale  ist  nicht  viel  zu  sehen. 

Wie  bereits  Haas  hervorhob,  zeigt  diese  auch  im  Tithon  der 
Freiburger    Alpen    vorkommende    Form    durch    ihre    starke    Faltung 

30* 


232  Mauric  Reme§.  [20] 

wesentliche  Unterschiede  gegenüber  der  Rhijnchonella  iatrica  Zeuschner. 
Sie  ist  daher  hier  mit  einem  neuen  Namen  belegt  worden. 

Diese  Art  kommt  bei  Stramberg  selten  vor.  Sie  ist  bis  jetzt  nur 
im  rothen  Nesselsdorfer  Kalk  (3  Exemplare)  gefunden  worden;  aus 
dem  weissen  Kalk  kennt  man  sie  noch  nicht. 

Rhynchonella  Pompeckji  n.  sp. 

Taf.  VIII  (2),  Fig.  7  a—d. 

Dimen  sionen: 

Ltänge:  23  mm,   Breite:  31  mm,     Dicke:  16  mm, 

„        20  mm,         „         29  mm.,         „        14  mm, 

„        20  mm,         „         25  mm,  „        15  mm, 

„         19  mtn,         „         22  mm,         „        14  mm. 

Die  Breite  übertrifft  immer  die  Länge. 

Die  kleine  Klappe  stärker  gewölbt  als  die  grosse.  Schlosskanten 
divergiren  unter  einem  stumpfen  Winkel  und  übergehen  allmälig  in 
die  gerundeten  Randkanten,  welche  recht  weit  gegen  die  grosse  Klappe 
eingreifen. 

Ein  breiter  flacher  Sinus  reicht  weit  in  die  kleine  Klappe  hin- 
ein. Die  Stirnlinie  bildet  nie  einen  spitzen  Winkel,  sondern  stellt 
immer  einen  breiten,  flachen  Bogen  dar.  Gewöhnlich  ist  die  Biegung 
asymmetrisch. 

Deutliche,  flache  gespaltene  Rippen  durchziehen  beide  Klappen. 
Gegen  die  Ränder  hin  werden  dieselben  sehr  abgeschwächt,  so  dass 
die  Commissuren  glatt  werden.  Anwachsstreifen  sind  an  beiden  Klappen 
sichtbar.  Schnabel  massig  hoch,  an  der  Spitze  wenig  abgebogen. 
Oeffnung  für  den  Haftmuskel  klein,  liegt  unter  der  Schnabelspitze. 
Dreieckiges  Deltidiuni  umgrenzt  die  Oeftnung. 

Structur  der  Schale  faserig. 

Die  RhynchoneUa  Pompeckji  stellt  eine  neue  Art  aus  dem  weissen 
Stramberger  Kalk  dar.  Nach  der  Art  der  Rippentheilung  gehört  sie 
in  den  Kreis  der  RhynchoneUa  lacunosa,  doch  ist  die  Biegung  der 
Sinuswulstcommissur  eine  andere;  ausserdem  fehlt  den  Rippen  die 
für  den  echten  Lacunosa-Ty\iVi^  charakteristische  Schärfe :  sie  sind  hier 
mehr  gerundet. 

Von  RhynchoneUa  spoliata  Suess,  der  sie  sich  in  der  äusseren 
Form  nähert,  ist  sie  durch  die  sehr  viel  gröberen  Rippen,  welche 
in  viel  geringerer  Zahl  auftreten,  unterschieden. 

Rhynchonella  Pompeckji  n.  sp.  var. 

Taf.  VIII  (2),  Fig.  8«— e. 
Dimensionen: 
Länge  22  mnt,     Breite  21  mm,     Dicke  17  mm, 
„        24  nun,  „        2^  mm,         „        17  mm, 

„        24  mm,         „        23  mm,         „        17  mm. 
In  der  äusseren  Form    stimmt  diese  Varietät    mit  RhynchoneUa 
Pompeckji  überein,  jedoch  sind  die  vorgefundenen  Stücke  länger  und 


[21]       Beiträge  zur  Kenntnis  der  Brachiopoden  des  Stramberger  Titlion.         233 

schmäler  (vergleiche  die  Dimensionen).  Die  Rippung  ist  ferner  eine 
stärkere,  die  Rippen  gerundet,  nicht  scharfkantig  wie  bei  dem  La- 
cunosentypus,  dem  sich  die  Varietät  nähert,  jedoch  durch  Rundung 
der  Rippen  unterscheidet. 

Kommt    gemeinsam    mit  der  Witinchonelhi.  Pompeckji  im  weissen 
Kalkstein  von  Stramberg  vor. 

Ehy/ichonelld   Stramhergensis  n.  sp. 

Taf.  VIII  (2),  Fig.  9  a— e. 
Dimensionen: 

Dicke 


länge 

20 

mm, 

l'reite 

25  mm. 

)) 

18 

mm, 

n 

1 7  mm, 

» 

17 

mm, 

n 

19  mm, 

» 

17 

mm. 

)) 

17  mm. 

n 

16 

mm. 

19  mm. 

71 

16- 

5  mm, 

„ 

20  mm, 

16 

5  mm. 

)) 

19  mm. 

„ 

15"5  tnni, 

H 

17  mm. 

„ 

14 

mm. 

» 

14  mm, 

„ 

12 

mm. 

n 

13  mm,, 

18 

mm. 

10 

mm. 

9 

mm, 

11 

mm. 

13 

mm, 

12 

mm,. 

11 

mm. 

13 

mm. 

8 

mm. 

7 

mm. 

Der  Umriss  der  grossen  Klappe  hat  die  Gestalt  eines  Viereckes. 
Zwei  vom  Schnabel  zur  Stirngegend  ziehende  Falten  begrenzen  einen 
deutlichen  Sinus,  der  in  Form  einer  langen,  zugeschärften  Zunge 
weit  gegen  die  kleine  Klappe  umgeschlagen  ausläuft.  Die  Breite  des 
Sinus  ist  ungleich,  ebenso  seine  Tiefe.  Der  Winkel,  welchen  die 
Zunge  an  der  Unischlagstelle  mit  der  Fläche  der  grossen  Klappe 
bildet,  ist  gewöhnlich  ein  stumpfer,  kann  jedoch  auch  ein  rechter  und 
sogar  ein  spitziger  werden.  Die  Spitze  der  Zunge  ist  immer  abgerundet, 
kann  jedoch  bald  spitziger,  bald  stumpfer  sein.  Gewöhnlich  ist  der 
Sinus  durch  eine  zarte  Furche  seiner  ganzen  Länge  nach  in  zwei 
Hälften  getheilt.  mitunter  jedoch  ist  dieselbe  durch  eine  flache, 
ziemlich  breite  Falte  ersetzt. 

Die  den  Sinus  begrenzenden  Falten  sind  an  den  meisten  Exem- 
plaren von  zwei  schwächeren,  jedoch  immerhin  leicht  erkennbaren 
Nebenfalten  begleitet.  Schnabel  klein,  jedoch  deutlich  vortretend, 
abgebogen;  Oetfnung  für  den  Haftmuskel  klein,    Deltidium  versteckt. 

An  der  kleinen  Klappe  ist  der  Breitendurchmesser  grösser  als 
der  Längendurchmesser.  Wölbung  stärker  als  an  der  grossen  Klappe. 
Schlosskanten  bilden  einen  stumpfen  Winkel,  der  Uebergang  in  die 
Randkanten  ist  immer  abgerundet.  Vom  Wirbel  zieht  eine  deutliche, 
mitunter  kielartig  vortretende  Falte  gegen  die  Spitze  der  oben  be- 
schriebenen Zunge  der  grossen  Schale.  An  manchen  Stücken  ist  durch 
eine  zarte  Rinne  eine  Spaltung  dieser  Mittelfalte  in  zwei  Aeste  an- 
gedeutet. Ausserdem  findet  man  zu  beiden  Seiten  der  Mittelfalte  je 
einen  bis  zwei  ebenfalls  deutliche  Falten,  welche  gleichfalls  vom 
Wirbel  ausgehen  und  in  schiefer  Richtung  die  Klappe  durchziehend, 
am  Stirnrand  endigen.  An  den  meisten  Exemplaren  sind  deutliche 
Ansatzstreifen  zu  sehen. 


234  Mauric  Remes.  [22] 

Die  beschriebene  Art  ist  gegenwärtig  nur  aus  dem  weissen 
Kalk  von  Stramberg  bekannt.  Sie  zeigt  in  ihrer  Form  Aehnlichkeit 
mit  der  RliynchoneUa  coardata  Opp.  aus  den  Klaussschichten  und  der 
RhynchoneUa  Loxiae  Fisch,  aus  dem  Moskauer  Jura.  Dadurch,  dass 
die  Flügel  mehr  oder  weniger  grobe  Rippen  tragen,  steht  sie  der 
letzteren  Art  näher  als  der  Hhynchonella  coardata  Oppel;  sie  unter- 
scheidet sich  von  dieser  aber  doch  dadurch,  dass  der  Wirbel  länger 
und  schlanker  ist,  während  der  Wulst  wesentlich  niedriger  ist  als 
bei  RhynchoneUa  Loxiae  Fisch.  Auch  Rhijndionella  Monsalvensis  GiJl. 
var.  Heimi  Haas^)  aus  den  Bimmammatum-Schichten  von  Plagniöres 
bei  Chätel  St.  Denis  ist  mit  unserer  Art  verwandt,  unterscheidet  sich 
aber  durch  kürzeren,  breiteren  Wirbel,  welcher  an  den  Seiten  nicht 
die  flache  Einbuchtung  zeigt,  wie  die  Rhyndionella  stramhergensis. 


Bhyticliotiella  cfr.  ,S2)ars?cosia   Oppel. 

Taf.  VIII  (2),  Fig.  10  a-d. 

Dimensionen: 

Länge     20  mm,     Breite     21  mm,  Dicke  13  tnm, 

„         19  mm,  „        20  mm,  „  15  mm, 

„         16  mm,  „         15  mm,  „  11  mm. 

Die  kleine  Klappe  breiter  als  laug,  stark  gewölbt,  besonders 
die  Mittelpartie,  welche  mitunter  kielartig  hervortritt.  Die  grosse 
Klappe  in  ihrem  mittleren  Theile  eingesenkt,  ragt  mit  der  Sinusbucht 
gegen  die  kleine  Klappe  vor,  am  Stirnrand  einen  deutlichen  flachen 
Bogen  bildend.  Die  Schlosskanten  treten  unter  einem  rechten  bis 
stumpfen  Winkel  zusammen. 

Zahlreiche  deutliche  Falten  durchziehen  der  Länge  nach  beide 
Schalen. 

Schnabel  nicht  gross,  abgerundet.  Oeft'nung  für  den  Haftmuskel 
und  Deltidium  klein. 

Diese  nur  im  weissen  Stramberger  Kalkstein  vorkommende  Art 
bildet  einen  Uebergang  von  Rhytidiotiella  sparsicosta  Opp.  zu  Rhyn- 
choneUa Fompeckji  n.  sp.,  ist  jedoch  durch  die  oben  angeführten  Merk- 
male leicht  von  beiden  Arten  zu  unterscheiden. 


^)   H.  Haas:    Etüde   monogr.   et    crit.  des    Brachiopodes    rhet.    et  jur.    des 
Alpes  Vaudoises.    Mem.  Soc.  pal.  Suisse  Vol.  XIV,  pag.  100,  pl.  Vlll,  Fig.  15-19. 


Die  Fauna  der  oberpontischen  Bildungen 
von  Podgradje  und  Vizanovec  in  Kroatien. 

Von  Prof.  Dr.  Karl  Gorjanovic-Kramberger. 

Mit  einer  lithographirten  Tafel  (Nr.  IX). 

In  der  vorliegenden  Schrift  habe  ich  zwei  der  obersten  pontischen 
Etage  angehörende  Faunen  beschrieben.  Diese  Etage  ist  es,  die  sich 
auch  theilweise  petrographisch  auszeichnet,  und  zwar  insoferne,  als  es 
mehr  oder  minder  eisenschüssige  Sande  sind,  die  jene  Faunen  be- 
herbergen. Der  Eisengehalt  dieser  sandigen  Etage  ist  stellenweise 
so  bedeutend,  dass  die  darin  vorkommenden  Fossilien  ganz  und  gar 
limonitisirt  sind.  Ich  verweise  diesbezüglich  auf  die  entsprechende 
Fauna  von  Remete  (bei  Agram),  welche  Brusina  bereits  kurz  an- 
gedeutet hat,  und  auf  meine  Schrift:  „Das  Tertiär  des  Agramer  Ge- 
birges", wo  ich  die  stratigraphische  Stellung  dieser  Etage  genau 
fixirte  ^).  Diese  Sande  nämlich  liegen  stets  über  dem  sogenannten 
„Congeria  r/<omfeo?VZea-Niveau"  (Bud7nani(i-^iveixu),  von  welchem  sie 
übrigens  faunistisch  kaum  zu  trennen  sind.  Nur  das  Auftreten  grosser 
Cardiaceen  (insbesonders  Limnoc.  Schmklti)  und  der  verhältnismässig 
grosse  Reichthum  an  Dreissensiden  könnte  für  diese  Etage  als  Merkmal 
betrachtet  werden.  F<ine  der  vorliegenden  Faunen  ist  überdies  noch 
durch  das  Auftreten  gewisser  Limnocardien,  welche  auffallend  auf  die 
Gattung  Prosodacna  Tourn.  (=  Fsilodon  Cohcdc.  2)  hinweisen,  aus- 
gezeichnet. Leider  sind  die  in  Rede  stehenden  Reste  blos  Steinkerne ; 
dennoch  halte  ich  sie  für  ganz  besonders  interessant  und  wichtig, 
weil  sie  genau,  unter  denselben  stratigraphischen  Verhältnissen,  d.  h. 
in  den  obersten  pontischen  Bildungen  wie  in  Rumänien  —  der  bisher 
ausgezeichnetsten  Fundstelle  derartiger  Cardiaceen  —  auftreten. 

^)  Siehe:  Brusina:  „Congerienschicliten  von  Agram".  Beiträge  zur  Palaeon- 
tologie  Oester.-Ung.  Bd.  III,  pag.  129  [5],  1884. 

Gorjanovic- Kr  am  berger:  „Das  Tertiär  des  A  gramer  Gebirges'.  Jahrb. 
d.  k.  k.  geol.  Reichsanst.  Wien   1898,  pag.  552  [4]. 

^)  Vergleiche:  Cobälcescu:  „ötudii  geologici  et  paleoutol.  asupra  unor 
terämuri  tertiäre  .  .  ."  , Bukarest  1883,  pag.  93. 

Stefanescu:  Etudes  sur  les  Terrains  tertiaires  de  la  Roumanie  .  .  ," 
Mem.  d.  1.  Society  Geolog,  de  France.  Paris  1896,  pag.  55. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst.,  1899,  49.  Bd.,  2.  Hft.  (Gorjanovlc-Kramberger.) 


236  Gorjanovid-Kramberger.  [2^ 


I.  Die  Fauna  von  Podgradje  bei  Samobor. 

Das  Dorf  Podgradje  liegt  südlich  und  circa  62  Kilometer  Luft- 
linie von  Samobor  oder  etwa  25 — 3  Meilen  südwestlich  von  Agram 
entfernt.  Die  dort  entwickelten  pontischen  Bildungen,  nämlich  der 
„Rliomhoidea-'NiveRu"  ist  im  Hangenden  mit  den  sandigen,  stellenweise 
eisenschüssigen  Bildungen  bedeckt,  die  bei  Set  Martin  wieder  durch 
Belvedereschotter  und  Sande  bedeckt  werden. 

Der  gewesene  Caplan  von  Set.  Martin  Herr  C.  V  u  g  i  c  machte 
sich  die  Ausbeute  der  eisenschüssigen  Sande  zur  Aufgabe,  wobei  er 
auch  die  Schulkinder  herbeizog,  und  so  gelang  es  ihm,  eine  ganz 
nette  Collection  zusammenzubringen,  welche  er  dann  unserem  geolo- 
gisch -  palaeontologischen  Museum  zum  Geschenke  machte.  Möge 
ihm  an  dieser  Stelle  für  sein  freundliches  Entgegenkommen  ge- 
dankt sein. 

Uebersicht  d(;i'  in  Podgradje  aufgesammelten  Mollusken: 

1.  Limnocardium  pseudo- Suessi  Häl. 

2.  „  cf.  zagrahiense  Brus. 

3.  „  pteropJiornni  Brus. 

4.  „  Mayeri  M.  Hörn. 

5.  „  Vugici   n.  f. 

6.  „  sp.  n. 

7.  Congeria  croatica  Brus. 

8.  „  Markovici  Brus. 

9.  „  cf.  pernaoformis  Andrus. 
10.  „  rhomboidea  M.  Hörn. 
IL  „  cf.  simulans  Brus. 

12.  „         zagrahiense  Brus. 

13.  „  .s;;. 

14.  Dreissensiomija  cf.  Schröckingeri  Fuchs. 

Limnocardium  pseudo-Suessi   Häl. 

1882.  Cardium  (Ädacna)  Suessi  Barb.-Hdlavafs:  „Palaeontolog.  Daten  . . .", 
L  „Die  pont.  Fauna  v.  Langenfeld".  Mittheil.  a.  d.  Jahrb.  d. 
k.  Ungar,  geol.  Anst.  Bd.  VI,  pag.  166,  Taf.  XIV,  Fig.  6—8. 

1886.  Cardium  pseudo-Suessi  nov.  sp.  Hdlavats:   „Termeszetrajzi  Füze- 

tek"  (Naturh.  Heften),    Bd.  X,  pag.  262,  Taf.  VI,  Fig.  1-5. 

1887.  Cardium  {Adacna)  pseudo-Suessi  Hdlavats:  „Palaeontolog.  Daten 

zur  Kenntnis  der  Fauna  d.  südungar.  Neog.  Ablag."  Mittheil, 
a.  d.  Jahrb.  d.  k.  ungar.  geol.  Anst.,  pag.  135,  Taf.  XXV, 
Fig.  3,  4. 

Von  dieser  interessanten  Muschelart  liegen  mir  blos  vier  Stein- 
kerne vor,  die  leider  nicht  vollständig  erhalten  sind,  um  eine  genaue 
Vergleichung  mit  Cardium  obsoletum  Meine,  durchzuführen.  Zweifels- 
ohne ist  es,  dass  diese  Art  von  der  sarmatischen  C.  obsoletum  Eichiv. 


[3]       Die  Fauna  der  oberpontischen  Bildungen  von  Podgradjc  und  Vizanovec.     237 

herstammt,  wie  dies  bereits  Hähivats^)  und  nachher  auch  ich '^)  be- 
tont haben.  Die  vorliegenden  Steinkerne  lassen  im  ganzen  15  Rippen 
erkennen,  von  welchen  G  höher  und  wie  es  scheint  staclielig  waren 
und  so  angeordnet  sind,  dass  zvvis(dien  je  zweien  derselben  zwei 
schwächere  Rippen  auftreten;  blos  zwischen  der  vierten  und  fünften 
höheren  Rii)pe  (von  vorne  an  gezählt)  befindet  sich  nur  eine  der 
schw<ächeren.  Zugleich  bildet  diese  fünfte  Rippe  einen  Kiel,  hinter 
welchem  nur  noch  eine  stärkere  Rippe  auftritt.  Wenn  auch  unsere 
Limnocardien  eine  geringere  Rippenzahl  als  Limnoc.  pseudo- iSiiessi 
Hol.  besitzen,  und  auch  weniger  der  schwächeren  Rippen  zwischen 
den  scharfen  aufweisen,  so  kann  ich  unsere  Kerne  doch  nicht  von 
den  Nikolincer  trennen,  da  ja  diese  Art  gerade  in  der  verschiedenen 
Anordnung  der  schwächeren  Rippen  eine  grosse  Veränderlichkeit  zeigt. 


Limnocardium  pterophoriim   Brus. 

1874.   Cardium    cf.    edentulum    Bruslna:     „Fossile    Binnenmollusken", 

pag.  129. 
1884.  Adacna  pterophora  Brusina:    „Die  Fauna  der  Congeriensch.  v. 

Agram",  pag.  161,  185,  Taf.'  29,  Fig.  65,  66. 
1893.  Limnocardium   pterophormn    Brusina:      „Die    foss.    Fauna    von 

Dubovac."  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A,,  pag.  375. 
1897.  Limnocardium  pter-ophorum  Brusina:  „Materiaux  pour  la  Fauna 

malacol.",  pag.  33. 
Von  dieser,   in  Podgradje   sehr   häufig   anzutreffenden  Art,    be- 
sitze   ich    mehrere    recht    gut    erhaltene   Steinkerne    und  Abdrücke, 
welche  bis  Q2  mm  an  Grösse  erreichen. 


Limnocardium  cf.  zagrabiense  Brus. 
1874.  Cardium  zagrabiense  Brusina:  „Fossile  Binnenmolusken",  pag.  137. 
1884.  Adacna   zagrabiensis  Brusina:    „Die    Fauna  d.  Congeriensch.  v. 
Agram".    Beiträge  z.  Palaeontol.  Oesterr.-Ung.  Wien,  Bd.  III, 
pag.  148,  Taf.  XXVIII,  Fig.  34,  35  und  Taf.  XXIX,  Fig.  63. 
1897.  Limnocardium   zagrabiensis   Brus.:    „Materiaux   pour    la   Fauna 
malacol.",  pag.  32,  Taf.  XIX,  Fig.  2  und  3. 
Also  bezeichne  ich  Steinkerne  einer  ziemlich  häufigen  Muschel- 
art, welche  noch  am  besten  mit  dem  Limnoc.  zagrabiense  Brus.  über- 
einstimmt. Die  Dimensionen  einiger  der  Kerne  sind  folgende: 
Länge  58-0  mm,     b20  mm,     51 '0  mm, 
Höhe    40-0  mm,     45*2  mm,     45-0  mm, 
Dicke    89-5  mm,     36-5  mm,     35-3  mm. 


^)  Hälavats:  „Langenfeld^  pag.  165. 

■')  Gorjanovid-Kramberger:    „Präpont.  Bild,   des   Agramer  Gebirges.« 
(Societas  bist.  nal.  Croatica  1890,  pag.  159.) 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst.,  1899,  49.  Bd.,  2.  Hft.  (Gorjanoviö-Kramberger.)  31 


238  Gorjanovid-Kramberger.  |^4] 

Lhmiocardium    Vugici  Kramb.   Gorj. 

Taf.  IX,  Fig.  4. 

So  nenne  ich  den  Steinkern  eines  grösseren  Limnocardiums, 
welches  sich  durch  den  nach  vorne  gerüci^ten  Wirbel,  die  geringe 
Anzahl  kräftiger,  schütter  stehender  Rippen  und  den  geraden  langen 
hinteren  Schlossrand  auszeichnet. 

Die  Länge  des  Kernes  beträgt  64*6  mm,  und  die  Höhe  45  mm ; 
die  Anzahl  der  Rippen  ist  11,  Bemerkt  muss  noch  werden,  dass  die 
hintere  Schalenpartie  glatt  ist ;  wenigstens  sind  an  diesem  Exemplare 
dort  keine  Rippen  sichtbar. 

Vor  der  Hand  möge  diese  kurze  Beschreibung  und  Abbildung 
genügen;  sobald  ich  bessere  Exemplare  erhalten  werde,  werde  ich 
beides  vervollständigen. 

Limnocardium  sp.  n. 

Bios  mit  einigen  Worten  soll  eines  zum  Formenkreis  der  vorigen 
Art  gehörenden  Limnocardiums  Erwähnung  gethan  werden,  welches 
durch  seinen  nach  vorne  gerückten  Wirbel,  die  kräftigen,  wenigen 
Rippen  (8—9),  sich  einmal  eng  an  das  Limnoc.  Vugici  m.  anschliesst, 
andererseits  wieder,  wie  dies  Prof.  Atha  nasi  u  meint  ^),  an  die  Art 
Psilodon  Damienensis  Cob.  erinnert. 

Es  lässt  sich  zwar  eine  gewisse  Aehnlichkeit  unseres  Exemplares 
mit  Psil.  Damienensis  Cob.  nicht  ganz  verkennen,  indessen  ist  mir  das 
zu  Gebote  stehende  Material  doch  entschieden  zu  ungenügend,  um 
diesen  Vergleich  mit  Bestimmtheit  zu  betonen,  als  ja  doch  dieses 
fragliche  Limnocardium  dem  Limnoc.  Vugici  nahe  steht,  und  wahr- 
scheinlich ebenso  wie  dieses  hinten  klaffend  war. 


Congeria  croatica  Brus. 

1874.  Dreissena   croatica    Brusina:    „Rad  jugosl.  akademije    XXVHI, 

pag.  101. 
1874.  Dreissena  croatica  Brusina:  „Foss.  Binnenmollusken",  pag.  129. 
1884.  Dreissena  croatica  Brusina:  „Congeriensch.  v.  Agram",  pag.  138, 

139,  181,  186;  Taf.  27,  Fig.  53,  54. 
1890,   Congeria  croatica  Lörentheg :  Mittheilungen  a.  d.  Jahrb.  d.  k.  ungar. 

geol,  Anst,  IX,  pag.  45  (9),  Taf.  1,  Fig.  2—3. 
1892.   Congeria  croatica  Brusina:  „Fauna  foss.  di  Markusevac"  (Societas 

bist.  nat.  croatica,  pag.  196). 
1892.  Congeria  croatica  Brusina:    „Ueber    die  Gruppe    der  C.  Trian- 

gularis''.    —   Zeitsch,  d.  deutschen  geol.  Gesellsch.,    pag.  492. 


')  Prof.  Athanasiii  hat  freundlichst  diesen  und  noch  andere  Steinkerne 
mit  seinen  rumänischen  Psüodonten  verglichen.  (Siehe  später  bei  „II.  Fauna  von 
Vi^anovec"  sub.  Prosodacna). 


[5]       Die  Fauna  der  oberpontiscben  Bildungen  von  Podgradje  und  Vizanovec.     239 

1897,  Congeria  croatica  Brusina:  „Materiaux  pour  la  Fauna  malacol.", 
pag.  29,  Taf.  16,  Fig  2. 

1897.   Congeria     croatica     Andrusov:     „Foss.     u.    leb.    Dreii^semidue^, 
pag.  163,  Taf.  VI,  Fig.  4—5,  8—11. 

Von  dieser  Art  liegen  mehrere  Steinkerne  vor,  welche  wegen 
ihres  breiten,  dreieckigen  Hintertheils  und  den  entsprechenden  Di- 
mensionen leicht  als  zu  dieser  Art  gehörend  zu  erkennen  sind. 


Congeria  Markovi'ci  Brus. 

1884.  Dreissena  Markovici  Brusina:  „Congeriensch.  v.  Agram",  pag.  181 
[57],  Taf.  27,  Fig.  61. 

1897.   Congeria    Markovici    ÄndmsoD;    „Fossile  u.  leb.   Dreissensidiae'', 
pag.  216,  Taf.  XII,  Fig.  1-5. 

Von  dieser  charakteristischen  und  leicht  erkennbaren  Species 
liegen  aus  den  gelben  Podgradjeer  Sauden  2  Steinkerne  vor,  von 
denen  der  längste  circa  33  7nm  erreicht. 


Congeria  rhomboidea  M.   Hoern. 

1860  Congeria  rhomboidea  M.  Hörnes:  Jahrb.  d.  k,  k.  geol.  Reichsanst., 
Bd.  XI,  Fig.  5. 

1862  Congeria  rhomboidea  Peters:  Sitzungsber.  d.  Wiener  Akad.  d. 
V^'iss.  XLIV,  pag.  63. 

1867.  Congeria  rhomboidea  M.  Hörnes:  „Fossile  Mollusk.  d.  Wiener- 
beckens", II,  pag.  364,  Taf.  48,  Fig.  4. 

1884.  Dreissena  rhomboidea  Brusina-.  „Congerienschichten  von  Agram", 
pag.  139. 

1890.  Congeria  rhomboidea  Lörenthey:  „Die  pont.  Stufe  und  deren 
Fauna  bei  Nagy  Manyok",  pag.  43. 

1892.  Congeria  rhomboidea  Hdlavats:  „Die  pont.  Fauna  bei  Kiraly- 
hegye",  pag.  32. 

1892.  Congeria  rhomboidea  Brusina:     „Fauna    foss.    di   Markusevac", 

pag.  196. 

1893.  Congeria   rhomboidea    Brusina:    „Fossile   Fauna   von  Dubovac", 

pag.  371. 

1894.  Congeria  rhomboidea  Lörentheg :  „Die  ob.  pont.  Sedim.  b.  Szeg- 

zard  ..",  pag.  81. 
1897.   Congeria  rJiomboidea  Andrusov.     „Foss.    u.    leb.    Dreissensidae" , 
pag.  227,  Taf.  X,  Fig.  8—13. 

Mehrere  Steinkerne,    wovon  der  grösste   und  besterhaltene  fol- 
gende Dimensionen  aufweist: 

Höhe  75-6  mm,     Länge  52  mm,     Dicke  55-4  mm. 

31* 


240  Gorjanovid-Kramberger.  [ßl 

Congeria  (?)  pernaeformis  Andrus. 
(Taf.  IX,  Fig.  7.) 

1890.   Congeria  triangularis  Bartsch.  —  Fuchs:    „Annalen   des  k.  k. 

naturh.  Hof-Museums",  Bd.  V,  Nr.  2,  Notizen,  pag.  87. 
1897.  Congeria  (?)  pernaeformis  Ändrusov:  „Fossile  u.  leb.  Dreissen- 
sidae\  pag.  232  "(51),  Taf.  VIII,  Fig.  7. 
Von  dieser  seltenen  Art  liegen  blos  zwei  Steinkerne  vor.  Der 
Contour  nach  entspricht  diese  Art  der  Congeria  rhomhoidea  M.  H , 
unterscheidet  sich  indessen  von  dieser  durch  ihre  viel  geringere 
Grösse  und  Dicke.  Diesbezüglich  erinnert  sie  zweifelsohne  lebhaft  an 
die  Andrusov'sche  C.  (?)  pernaeformis  von  ^irovac  und  Livno  in 
Bosnien,  mit  welcher  ich  sie  auch  vergleiche. 

Die  Dimensionen  des  besser  erhaltenen  Kernes  sind : 
Höhe  40  mm,     Länge  30  mm,     Dicke  17  mm. 

Congeria  zagrabiensis  Brus. 

1884.  Dreissena    zagrebiensis    Brusina:     „Congeriensch.    von   Agram", 
pag.  140,  Taf.  27,  Fig.  52.    • 

1892.  Congeria   zagrahiensis  Brusina:     „Fauna    foss.    di  Markusevac", 

pag.   196. 

1893.  Congeria  zagrahiensis  Brusina:    „Fauna  v.  Dubovac",  pag.  372. 
1897.  Congeria  zagrahiensis  Brusina:   „Materiaux  pour  la  Fauna  mala- 

col....",  pag.  29,  Taf.  16,  Fig.  3. 
1897.   Congeria   zagrahiensis  Ändrusov:    „Foss.    u.    leb.    Dreissensidae^ , 
pag.  199,  Taf.  IX,  Fig.  17—21. 
Bios  ein  Steinkern,  welcher  indessen  die  Art  mit  vollkommener 
Sicherheit  feststellen  Hess.  Die  Dimensionen  sind: 

Höhe  Ö0-6  mm,     Länge  28  mm,     Dicke  16*5  tmn. 

Congeria  äff.  simulans  Brus. 
(Taf.  IX,  Fig.  6.) 

1893.  Congeria  simulans  Brusina:  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst., 

pag.  49. 
1893.   Congeria  simulans  Brusina:     „Die    foss.  Fauna    von    Dubovac", 

pag.  371,  Taf.  VI,  Fig.  8—10. 
1897.  Congeria  simulans  Ändrusov:  „Fossile  und  leb.  Dreissensidae^ , 
pag.  116,  Taf.  HI,  Fig.  17—22. 
Zu  dieser  Form  ziehe  ich  einige  Steinkerne,  die  noch  am  besten 
mit  den  Merkmalen  dieser  Species  übereinstimmen.  Hauptsächlich 
sind  es  die  entsprechenden  Contouren  und  die  Lage  des  hinteren 
Winkels,  die  mich  besthnmten,  unsere  Steinkerne  mit  C.  simulans  zu 
vergleichen. 

Die  Dimensionen  zweier,  besser  erhaltener  Kerne  sind: 
Höhe  46"5  7nm,     Länge  26     mm.,     Dicke  32  mm. 
„       50     mm,         „       36-5  mm,  „      37  mm. 


[7]       Die  Fauna  der  oberpontischen  Bildungen  von  Podgradje  und  Viianovec.     241 
Congeria  sp. 

(Taf.  IX,  Fig.  5.) 

Ist  ebenfalls  eine  in  Steinkernen  vorliegende  Art,  die  theilweise 
an  Cong.  croatka  Bms.  erinnert,  jedoch  sich  von  dieser  durch  ihre 
viel  schmälere  hintere  Partie  unterscheidet.  Die  Höhe  nämlich  beträgt 
52  mm,  die  Breite  nur  29-o  mtn  und  die  Dicke  30-4  mm.  bezeichnend 
für  diese  momentan  nicht  näher  zu  beschreibende  Art  dürfte  der 
Umstand  sein,  dass  der  Winkel  des  hinteren  Flügels  ober  der  Mitte, 
also  näher  zum  Wirbel,  hinaufgerückt  ist. 


Dreissensiomya  cf.   Schröcldngeri  Fuchs. 

1870.   Congeria  Seh röckingen  FucJifi:   „Radmanest"  (Jahrb.  d.  k.  k.  geol. 
R.-A.,  pag.  360, 'Taf.  16,  Fig.   10-11). 

1893.  Dreissensiomya    Schröckingeri  Lörenflieij:    „Fauna    v.    Szegzard", 

pag.  85. 

1894.  Dreissensiomya  Schröckingeri  Lörentheg -.  „Fauna  v.  Kurd",  pag.  77. 
1897.  Dreissensiomya  Schröckingeri  Andrusop:  „Leb.  u.  foss.  Dreissen- 

sidae\  pag.  399,  Taf.  XIX,  Fig.  9—12. 

Obzwar  uns  von  dieser  Art  blos  drei  Steinkerne  vorliegen,  so 
sind  dieselben  doch  von  bedeutendem  Interesse,  und  zwar,  weil  sie : 

1.  feststellen  lassen,  dass  sie  nicht  der  Brusin  a'schen  Art 
Dreiss.  croatica  aus  Okrugljak  ^)  angehören  und 

2.  mit  der  Fuchs'schen  Art  sozusagen  identisch  sind.  Unsere 
Steinkerne  sind,  was  Grösse  anlangt,  zwar  kleiner  von  Dreiss. 
Schröckingeri,  besitzen  jedoch  hinten  jene  zwei  leichten  Falten  oder 
Kiele,  welche  eben  die  genannte  Art  kennzeichnen. 

Die  Grössenverhältnisse  sind  wie  folgt: 

Länge  34'0  mm,  Höhe  170,  Dicke  ca.  125  mm. 


II.  Die  Fauna  von  Vizanovec  bei  gornja  Konscina 
in  Zagorien. 

Der  hier  in  Betracht  kommende  Fundort  liegt  am  Nordhange 
des  „Visec-Berges"  südlich  von  Vizanovec  und  nordwestlich  der 
Eisenbahnhaltestelle  Konscina.  Herr  P.  v.  Dumicic  deckte  hier  be- 
deutende Lignitlager  auf  und  bei  dieser  Gelegenheit  sammelte  er 
eine  kleine,  jedocli  interessante  Suite  von  Mollusken,  deren  Schalen 
indessen  entweder  ganz  verloren  gingen  oder  derart  mürbe  sind, 
das  man  sie  nur  mit  allergrösster  Vorsicht  zu  präpariren  imstande  ist. 


')  „Die  Congeriensch.  v.  Agram",  pag.  140,  Taf  27,   Fig.  51   und  „Materiaux 
pour  la  Faune  malacol. .  . .",  pag.  31,  Taf   XVII,  Fig.  24. 


242  Gorjanovid-Kramberger.  [g] 

Sämmtliche  Mollusken  entstammen  der  oberen  sandigen  Ab- 
theilung der  pontischen  Stufe  und  reprcäsentiren  ein  chronologisches 
Aequivalent  zur  vorher  beschriebenen  Fauna  von  Podgradje. 

Uebersicht  der  von  Herrn  v.  Dumicic  aufgesammelten  Reste : 

HeHx  {Tacheocampijlaea)  Doderleini,  Briis. 
Lhmiocardium  Maijeri,  M.  Hörn. 

„  F.  Penslii  Fuchs. 

Dumicici  n.  f. 
Prosodacna  Athanasiui  n.  f. 

„  inflata  n.  f. 


Helix  (Tacheocampylaea)  Doderleini   Brus. 

1897.  Helix  {Taclieocampijlaea)  Doderleini,  Brusina:    „Materiaux  pour 
la  Fauna  malacologique",  pag.  1,  Taf.  I,  Fig.    1. 

Ein  gut  erhaltenes  Exemplar  dieser  Art  liegt  uns  aus  Vizanovec 
vor.  Dasselbe  entspricht  genau  der  Brusina'schen  Form,  die  ich 
im  Jahre  1884  in  Grabicani  bei  Lepavina  fand. 


Limnocardium  May  er  i  M.   Hoernes. 

1862.  Cardium  Mai/eri,  M.  Hörnes:  „Foss.  Moll.  d.  Wiener-Beckens" 
IL,  Taf.  28,  Fig.  5  u.  s.  w. 

1884.  Ädacna  Mayeri,  Brusina:  „Die  Fauna  der  Congeriensch.  v. 
Agram",  pag.  153. 

1887.  Cardium  {Adacna)  Mai/eri,  Haldmts:  Paläontol.  Daten,  II.  „Die 
pontische  Fauna  von  Nikolincz",  pag.  138  (28),  Taf,  XXV, 
Fig.  la—b. 

1890.  Ädacna  Mai^eri,  Lürenthey :  „Pont.  Stufe  u.  Fauna  v.  N.  Mänyok", 
pag.  47  (13). 

1894.  Limnocardium  Maijeri,  Lörenthey:  „Die  oberen  pont.  Sedim.  u. 
deren  Fauna.  I.  Szegzärd",  pag.  94  (24). 

Von  dieser  Art  wurde  ein  vollständiges  Exemplar  in  einem 
hellgelben,  sandigen  Mergel  gefunden.  Dasselbe  ist  33  mm  lang, 
22  mm  hoch  und  besitzt  22  Rippen  und  überdies  noch  4—5  sehr 
schwache  an  der  hinteren  Schalenpartie.  Sämmtliche  Rippen  sind 
ganz  so  wie  an  dem  Hörne  s'schen  Originale  angeordnet.  Die 
grössere  Rippenzahl  an  unserer  Schale  ist  insoferne  bemerkenswert, 
als  dieselbe  gerade  nicht  einem  ganz  jungen  Exemplare  angehört. 
Das  Hörnes'sche  Stück  besitzt  bei  einer  Schalenlänge  von  35  mm  nur 
V2 — 13,  während  unser  beinahe  ebenso  grosses  Exemplar  22  Rippen 
aufweist.  Es  scheint  demnach  die  Rippenzahl  nicht  gerade  vom 
Alter  des  Individuums  abzuhängen,  vielmehr  ein  variabler  Charakter 
zu  sein. 


[9]       Die  Fauna  der  obeipontischen  Bildungen  von  Podgradje  und  Vi2anovec.     243 

Limit ocardwm  cf.   Fenslil  Fuchs. 

1870.  Cardimn  Fenslii,  Fuchs:  „Fauna  d.  Congeriensch.  v.  Radmanest" 
(Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  pag.  355,  Tat".  XV,  Fig.  15—17). 

Leider  besitze  ich  blos  die  rechte  Klappe,  die  zwar  auch  nicht 
ganz  tadellos  erhalten  blieb,  jedoch  was  Form  der  Schale  und  Zahl 
der  Rippen  anlangt,  auffallend  mit  Limnoc.  Fenslii  Fuchs  überein- 
stimmt. Länge  der  Schale  circa  47  bis  48  mw,  Höhe  41*3  mm, 
Dicke  2 12  mm.  Vergleichen  wir  diese  Dimensionen  mit  jenen  der 
erwähnten  Art,  so  sehen  wir,  dass  sich  beide  auch  diesbezüglich 
decken.  Fuchs  erwähnt  zwar  nicht  die  Anzahl  der  Rippen ;  ich  habe 
dieselbe  seiner  Zeichnung  entnommen  und  ihrer  21  gefunden,  welche 
Zahl  genau  der  Rippenzahl  unseres  Exemplares  entspricht.  Auch  die 
abgerundeten  Rippen  mit  ihren  Zuwachsstreifen  entsprechen  der 
genannten  Art. 


Limnocardium  Dumicici  n.  /. 

(Taf.  IX,  Fig.  3,  3  a.) 

So  nenne  ich  ein  ziemlich  gut  erhaltenes  Limnocardium,  aus 
dem  Formenkreise  des  Limnoc.  Schmidti  M.  H.,  welches  sich  indessen 
auf  den  ersten  Blick  von  der  erwähnten  Art  unterscheidet.  Lymnoc. 
Dumicici  ist  mehr  in  die  Länge  gezogen,  hat  ein  geraderes  Schloss, 
einen  kürzeren  Wirbel,  eine  grössere  Anzahl  von  Längsrippen  (24), 
5  Querwülste  und  ist  hinten  weniger  schief  abgeschnitten.  Im  übrigen, 
insbesondere  was  den  grossen,  eingerollten  Wirbel  anlangt,  reiht  sich 
unsere  Form  an  das  Limnoc.  Schmidti. 

Die  einzige  rechte  Klappe  ist  67-5  mm  lang,  49*3  mm  hoch  und 
etwa  26"5  mm  dick. 

Da  die  Schale  äusserst  gebrechlich  und  verwittert  ist,  erscheinen 
die  Rippen  viel  flacher  als  sie  ursprünglich  waren ;  dieselben  sind 
durch  circa  3V2  ^^^^  weit  entfernte  Furchen  von  einander  getrennt. 
Nahe  beim  unteren  Schalenrande  besitzen  die  Rippen  deutliche  Zu- 
wachsstreifen und  sehen  demnach  quergestreift  aus. 


Genus:  Frosodacna   Tournouer. 

An  das  vorherbeschriebene  Limnocardium  Dumicici  m.  schliessen 
sich  noch  einige  merkwürdige  Formen,  die  ihres  misslichen  Erhaltungs- 
zustandes wegen  leider  keine  absolut  sicheren  Schlüsse  zulassen, 
immerhin  auf  bereits  bekannte  Typen  hinweisen,  die  bisher  aus  den 
kroatischen  pontischen  Ablagerungen  unbekannt  waren.  Es  sind  dies 
die  zwei  auf  Taf.  IX,  Fig.  1,  2  abgebildeten  Steinkerne  Ich  hielt 
dieselben  anfänglich  für  Psilodonten,  und  zwar  wegen  ihres  stark 
gedrehten  und  nach  vorne  gerückten  Wirbels  u.  s.  w.  Diese  meine 
Deutung  wurde  auch  von  Herrn  Prof.  Sava  Athanasiu,  welcher 
eine  grössere  Anzahl  von  Psilodonten  aus  Rumänien  besitzt,  getheilt. 
Er  war  so  freundlich,  meine  fraglichen  Steinkerne  mit  seinen  typischen 


244  Gorjanovic-Kramberger.  MQ"] 

Psilodonten  zu  vergleichen  und  fand,  dass  unsere  kroatischen  Ueber- 
reste  „alle  sicher  der  Gattung  Psi/odon  und  den  Arten  P.s.  Heherti 
Cob.,  P.s,  Berti  Cob.  und  Ps.  cf.  Damienesis  Coh.  angehören."  Die 
Bestätigung  meiner  Ansicht  machte  mir  zwar  Freude,  bestimmte  mich 
aber  gleichzeitig  zu  einer  eingehenderen  Prüfung  und  Vergleichung 
unserer  aus  Vi^anovec  und  Podgradje  stammenden  Pteste,  was  um 
so  leichter  geschehen  konnte,  als  mir  Herr  Athanasiu  in  liebens- 
würdigster Weise  tlieils  zum  Vergleich,  theils  zum  Geschenk,  einige 
echte  Psilodonten  übersandte. 

Um  unnöthige  Wiederholungen  zu  vermeiden,  erwähne  ich  hier 
die  diesbezüglichen  Arbeiten  von  Tournouer^),  Cobalcescu^) 
undStefanescu^),  und  möchte  hauptsächlich  auf  die  einleitenden  Be- 
merkungen zur  Gattung  Prosodacna,  welche  Stefanescu  auf  Seite  55 
in  chronologischer  und  kritischer  Weise  gibt,  aufmerksam  machen.  Aus 
diesen  generellen  Bemerkungen  ersehen  wir,  dass  Cobalcescu  für 
gewisse,  schon  von  Tournouer  als  Prosodacna  beschriebene  und 
noch  einige  andere  Arten,  ein  neues  Subgenus  Psilodon  (1.  cit.  pag.  93) 
aufstellte,  in  welches  aber  Arten  verschiedener  Typen  untergebracht 
wurden.  Herr  Stefanescu  hat  nun  dieses  Gemisch  sortirt  und  bei 
dieser  Gelegenheit  unter  anderen  auch  die  Gattung  Stylodacna  auf- 
gestellt, welche  sich  von  der  ihr  sonst  sehr  ähnlichen  Prosodacna 
durch  ein  abweichend  gebautes  Schloss  u.  s.  w.  unterscheidet. 

Bei  Berücksichtigung  nun  aller  dieser  Umstände  und  insbe- 
sondere auch  einer  brieflichen  Notiz  des  Herrn  S.  Stefanescu, 
wonach  die  Gattung  Prosodacna  hinten  etwas  klaffende  Schalen  hat 
(„Tout  les  Prosodacna  sont  tres  peu  beautes  ä  la  partie  posterieur"), 
kann  ich  in  Betreff  unserer  fraglichen  Stücke  Folgendes  sagen: 

1.  Der  als  Psilodon  Heberti  Cohalc.  (Fig.  1)  angesprochene  Stein- 
kern erinnert  zwar  sehr  an  Psilodon,  respective  an  Stylodacna  Heherti 
Coh.  (nach  Stefanescu,  1.  cit.  pag.  65),  muss  indessen  von  dieser 
Form  getrennt  werden,  weil  unsere  Exemplare  hinten  etwas  klaifende 
Schalen  besitzen,  ein  Merkmal,  welches  typischen  Psilodonten  ab- 
geht. Demnach  ist  unser  Petrefact  in  die  Gattung  Prosodacna  und 
in  die  Nähe  der  Art  Prosodacna  orientalis  Sahha  zu  versetzen. 

2.  Der  als  Psilodon  Berti  Coh.  bezeichnete  Steinkern  ist  aller- 
dings durch  seine  wenigen  kräftigen  Rippen  dieser  Art  ähnlich  (insbe- 
sondere 1.  cit.  Taf.  HI,  Fig.  3  h  und  3  c  und  Taf.  IV,  Fig.  7  h),  muss 
indessen  aus  denselben  Gründen  wie  die  vorige  in  die  Gattung  Pro- 
sodacna, und  mit  Rücksicht  auf  seine  unbedeutende  Länge  als  eine 
neue  Art  bezeichnet  werden. 

3.  Psilodon  cf.  Daniienensis  Coh.  aus  Podgradje  ist,  wie  wir  schon 
bemerkten,  ein  Limnocardium. 


^)  Description  d'iin  nouvean  gonre  de  Cardiidae  fossiles  des  „Couches  a 
Congeries"  de  TEurope  Orientale.   —  Journal  de  Conchyliologie  1882,  pag.  58. 

'^)  Stiidii  geologice    si  paleontologice   asiipra  unor   terämuri  tertiäre 

Bucnresci  1883,  pag.  93. 

^)  „ifitudes  sur  les  Terrains  tert.  de  la  Roumanie  ..."  (M^moires  de  la 
Societe  geologique  de  France  1896,  pag.  55. 


[11 1     I>ie  Fauna  der  ()l)eri)ontiscLen  Bildiiiigeu  von  Podgradje  und  Vj/.auovef.     24f) 

Prosodacna  Athanasmi  n.  f. 
(Taf.  IX,  Fig.  1,  1  «.) 

Erinnert  sehr  an  Fros.  onentall^  Sahba  (S  t ef  an  e  s  c  u,  pag.  60, 
Taf.  V,  Fig.  10),  nnd  zwar  bezüglich  der  Gestalt  der  Schale  und  der 
Anzahl  der  Rippen.  Noch  grösser  ist  die  Aehnlichkeit  mit  Sti/Iotloctia 
Heherti  Sah.  (Stefan  es  cu,  pag.  65,  Taf.  V,  Fig.  8,  9),  so  dass  man 
eigentlich  sagen  könnte,  unsere  neue  Art  hat  die  Form  und  Grösse 
von  Sti/lod.  Heherti  und  die  Ripi)enzahl  der  Prosod.  orient<dis. 

Unserer  Abbildung  brauche  ich  nur  noch  hinzufügen,  dass  diese 
Art  24  Rippen  besitzt,  und  das  der  hintere  Theil  theilweise  unberippt 
war.  Dortselbst  beobachtet  man  beim  unteren  Rande  zarte,  nach 
aufwcärts  gebogene  Zuwachsstreifen,  die  mit  dem  gewesenen  Schaleu- 
ausschnitt  parallel  verlaufen  und  uns  so  das  Klaffen  der  Schalen 
beweisen. 

Im  Ganzen  besitze  ich  blos  zwei  Steinkerne  dieser  Art,  welche 
aus  dem  gelben,  eisenschüssigen  Sande  von  Vizanovec  herrühren.  — 
Die  Dimensionen  des  besser  erhaltenen  und  abgebildeten  Exem- 
plares  sind : 

Länge  555  imn,     Höhe  5o'0  min,     Dicke  30*0  mm. 


Prosodacna  infiata  n.  f. 

(Taf.  IX,  Fig.  2,  2  «.) 
Der  Kern  dieser  Art  rührt  von  einer  auffallend  gestalteten, 
hinten  etwas  klaffenden  Form  her,  welche  bezüglich  ihrer  wenigen, 
jedoch  kräftigen,  scharfen  Rippen  an  die  Art  Prosod.  Stefmiescui  Tourn. 
erinnert.  Sie  unterscheidet  sich  indessen  von  dieser  Art  durch  ihren 
kurzen  Hintertheil,  die  aufgeblasene  Schale  und  die  etwas  grössere 
Anzahl  der  Rippen  (10).  Diese  letzteren  waren  scharf  und  in  ihrer 
Längserstreckung  durch  stärkere  Zuwachsstreifen  3—4  mal  etwas  ge- 
knickt, so  dass  die  Rippen  keinen  glatten,  sondern  einen  gebrochenen 
Bogen  bildeten.  —  Die  Dimensionen  sind: 

Länge  34-6  mtn,     Höhe  346  mm,     Dicke  circa  20  min. 


Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst.,  18'J9,  49.  Bd.,  2.  Htt.  (Gorjanovic-Kramberger.)  32 


246  Gorjauovic-Kramberger.  [12] 


Erklärung:  zu  Tafel  IX. 

Fig.  1,  In.  Prosodacna  Athanasiui  n.  f.  —  Natürliche  Grösse.  —  Vizauovec. 

Fig.  2,  2  a.  Prosodacna  inflata  n.  f.  —  Natürliche  Grösse.    —   Vizanovec. 

Fig.  3,  3  a.  Limnocardium  Dtimici'ci  n.  f.  —  Natürliche  Grösse.  —  Vizanovec. 

Fig.  4.  Limnocardium   Vngici  n.  f.  —  Natürliche  Grösse.   —  Podgradje. 

Fig.  5.  Concjeria  sp.  —  Natürliche  Grösse.  —  Podgradje. 

Fig.  6.  Congeria  cf.  simnlaus  Brns.  —  Natürliche  Grösse.  —  Podgradje. 

Fig.  7.  Congeria  cf.  pernacformis  Andma.  —  Natürliche  Grösse.  —  Podgradje. 


Sämmtliche    Originalien    befinden    sich    im     geologisch  -  palaeontologischen 
Nationalnmseum  zu  Agram. 


Ueber    Eruptivgesteine   aus   dem   Salz- 
kammergut. 

Von  C.  V.  Jolin. 

Die  in  Folgendem  beschriebenen  Eruptivgesteine  sind  fast  alle 
von  Herrn  Vicedirector,  Oberbergrath  Dr.  E.  v.  Moj  siso  vi  es,  bei 
Gelegenheit  der  geologischen  Aufnahmen  im  Salzkammergut  gesammelt 
worden. 

Derselbe  übergab  diese  Gesteine  schon  vor  Jahren  dem  leider 
so  früh  verstorbenen  Baron  H.  v.  Foullon,  welcher  dieselben  auch 
theilweise  untersuchte,  infolge  seiner  zahlreichen  Reisen  und  seiner 
Berufsgeschäfte  jedoch  nicht  dazu  kam,  seine  Untersuchungen  ab- 
zuschliessen. 

Nach  dem  Tode  Baron  Foullon's  übernahm  ich  auf  Auftbrderung 
des  Herrn  v.  Moj  siso  vi  es  die  Bearbeitung  der  von  letzterem  ge- 
sammelten Eruptivgesteine  des  Salzkammergutes. 

Unter  den  von  Herrn  B.  Foullon  hinterlassenen  Schriften  fand 
sich  auch  ein  Zettel,  auf  welchem  die  mit  Nummern  bezeichneten 
Gesteine  aufgeführt  und  ihre  Bestimmung  gegeben  wurde.  Es  fand 
,sich  jedoch  nirgends  eine  Ucähere  Beschreibung  eines  Gesteines  oder 
gesteinsbildenden  Minerals  oder  eine  chemische  Analyse  derselben. 
Es  musste  daher  von  mir  wieder  eine  Untersuchung,  sowohl  in 
mineralogischer  als  in  chemischer  Beziehung,  stattfinden,  so  dass  die 
von  Foullon  gewiss  gemachten  Vorarbeiten  für  mich  verloren  waren. 
Die  von  Foullon  gegebenen  Gesteinsbestimniungen  stimmen  fast  in 
allen  Fallen  mit  den  meinigen  überein,  nur  in  einzelnen  wenigen 
Fällen  nicht.  Dies  erklärt  sich  dadurch,  dass  viele  Gesteine  eine 
Mittelstellung  zwischen  zwei  Typen  einnehmen  und  daher  sowohl  zu 
dem  einen  als  dem  andern  Typus  gezählt  werden  können.  Anderer- 
seits sind  die  meisten  der  vorliegenden  Gesteine  stark  zersetzt,  so 
dass  in  vielen  Fällen  nicht  mehr  unzweifelhaft  der  ursprüngliche 
Mineralbestand  festgestellt  werden  konnte. 

Viele  der  von  E.  v.  Mojsisovics  gesammelten  Gesteine  sind 
schon  früher  bekannt  gewesen  und  haben  schon  ihre  Beschreibung 
gefunden.  Ich  gebe  deshalb  hier  zuerst  eine  kurze  Zusammenstellung 
der  schon  aus  dem  Salzkammergut  bekannten  Gesteine    und  füge  an 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsaiistalt,  1899,  49.  Band,  2.  Heft.  (C.  v.  John.)        32* 


248  C.  V.  John.  [2] 

dieselbe  die  Beschreibung  der  einzelnen  Gesteinsvorkommen,  die  bis 
jetzt  noch  nicht  bekannt  waren. 

Die  eingehendste  und  vollständigste  Zusammenstellung  der  Vor- 
kommen von  Eruptivgesteinen  aus  dem  Salzkammergut  findet  man  in 
Dr.  G.  Tschermak's  Arbeit  „Die  Porphyrgesteine  Oesterreichs  aus 
der  mittleren  geologischen  Epoche  Wien  1869".  In  dieser  Arbeit  ist 
die  gesammte  ältere  Literatur  berücksichtigt  und  kann  also  dieselbe 
hier  übergangen  werden.  Auf  Seite  165  und  folgenden  unter  der  Auf- 
schrift: „Nördliche  Kalkzone"  finden  sich  alle  bis  dahin  bekannten 
und  die  von  Dr.  G.  Tschermak  selbst  untersuchten  Gesteins- 
vorkommen aufgezählt  und  beschrieben,  sowie  die  gesammten,  bis 
dahin  erschienenen  Arbeiten  über  die  Eruptivgesteine  dieses  Ge- 
bietes zusammengestellt.  Hier  seien  die  wichtigsten  Vorkommen  er- 
wähnt und  kurz  eine  Charakteristik  der  einzelnen  Gesteine  gegeben. 

Besonders  zu  erwähnen  wäre  das  Gestein  von  „Fitz  am  Berg" 
vom  Südufer  des  Wolfgangsees,  welches  als  typischer  Gabbro  anzu- 
sehen ist  und  aus  einem  grobkörnigen  Gemenge  von  Labradorit  mit 
Diallag  besteht.  Ein  solcher  Gabbro  befindet  sich  auch  unter  den 
von  E.  V.  Mojsisovics  gesammelten  Gesteinen  von  Fitz  am  Berge. 
Andere  Gesteine  von  dieser  Localität,  die  mir  vorliegen,  lassen  sich 
durchaus  nicht  als  Gabbro  ansehen,  sondern  müssen  als  Porphyrite 
bezeichnet  werden.   Von  denselben  wird  später  die  Bede  sein. 

Es  wären  dann  noch  zu  erwähnen  die  von  Tschermak  als  Gabbro 
bezeichneten  Gesteine  von  Schöffau  bei  Golling,  vom  Arikogel  bei 
St.  Agatha,  vom  Kroissengraben  und  vom  Calvarienberg  bei  Ischl  und 
das  Gestein  vom  Sillberge  bei  Berchtesgaden.  Alle  diese  Gesteine 
sind  stark  zersetzt  und  sind  entweder  ursprünglich  Gabbro  oder 
Diabase  gewesen. 

Die  Gesteine  vom  Sillberg  und  von  St.  Agatha,  sowie  das  von 
Schöffau  wurden  von  Gümbel  als  „Sillit"  bezeichnet,  ein  Name,  der 
wohl,  da  die  so  genannten  Gesteine  zersetzte  Gabbro  oder  Diabase 
sind,  kaum  aufrecht  zu  halten  ist. 

Melaphyre  führt  Tschermak  aus  dem  Salzkammcrgut  noch 
keine  an.  Dagegen  sind  solche  später  beschrieben  worden  von  Hall- 
statt, und  zwar  von  v.  Hauer  „Melaphyr  vom  Hallstätter  Salzberge", 
Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1879,  pag.  252,  und  v.  John  „Ueber 
Melaphyr  von  Hallstatt  und  einige  Analysen  von  Mitterberger  Schiefer", 
Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1884,  pag.  76.  Dieser  Melaphyr  ist  sehr 
stark  mit  Kochsalz  und  Gyps  durchsetzt  und  ist  das  ursprüngliche 
Vorhandensein  von  Olivin  nicht  mehr  mit  Sicherheit  nachzuweisen, 
so  dass  man  es  vielleicht  auch  mit  einem  Diabasporphyrit  zu 
thun  hat. 

Zu  erwälinen  wären  noch  die  sogenannten  „grünen  Schiefer"  von 
Mitterberg,  die  eine  eingehende  Beschreibung  von  A.  v.  Groddeck 
„Zur  Kenntnis  der  grünen  Gesteine  (grüne  Schiefer)  von  Mitterberg 
im  Saizburgischen",  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1883,  pag.  397  ge- 
funden haben  und  von  denen  auch  Analysen  zu  finden  sind  in  dem 
Aufsatze:  C.  v.  John,  „Ueber  Melaphyr  von  Hallstatt  und  einige 
Analysen  von  Mitterberger  Schiefer",  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A. 
1884,  pag.  76. 


[3]  Ueber  Eruptivgesteine  aus  dem  Salzkammergut.  249 

Es  ist  zweifelhaft,  ob  diese  Gesteine  eruptiven  Ursprungs  sind. 
A.  V.  Groddec'k  spricht  sich  entschieden  gegen  die  eruptive  Natur 
derselben  aus.  Andererseits  scheinen  mir  doch  viele  Gründe  dafür  zu 
sprechen,  dass  diese  sogenannten  Schiefer  doch  nur  stark  zersetzte 
Umwandlungsproducte  eruptiver  Gesteine  sind,  deshalb  wurden  die- 
selben auch  hier  angeführt. 

Ich  gehe  nun  zur  Beschreibung  der  einzelnen  Vorkommen  über, 
die  bisher  meines  Wissens  noch  nicht  bekannt  waren. 


Quarzdiorit  (Toiialit)  vom  PöUagrabeii  bei  St.  Gilgen. 

Dieses  Gestein  sieht  makroskopisch  wie  ein  Granit  oder  in 
manchen  Varietäten  wie  ein  Gneissgranit  aus.  Es  ist  rein  körnig  und 
lassen  sich  die  einzelnen  Mineralbestandtheile  schon  mit  dem  freien 
Auge  erkennen.  Der  Hauptgemengtheil  ist  ein  weisser,  gestreifter 
Feldspath,  der  oft  bis  zu  einem  Centimeter  grosse  Säulchen  bildet. 
Ausserdem  ist  noch  fast  schwarze  Hornblende,  meist  in  Form  rissiger 
Säulchen  vorhanden,  sowie  Biotit  in  einzelnen  Blättchen.  Die  Horn- 
blende und  der  Biotit  sind  entweder  regellos  in  dem  Gestein  ver- 
theilt  oder  sind  sie  auch  im  ganzen  grossen  mehr  nach  einer  Richtung 
angeordnet  oder  umgeben  flaserig  die  einzelnen  grösseren  Feldspath- 
säulchen.  Im  ersteren  Falle  sieht  das  Gestein,  wie  schon  erwähnt, 
granitisch  aus,  in  letzterem  Falle  nähert  es  sich  durch  Uebergänge 
verbunden,  in  seinem  Aeusseren  mehr  einem  Gneissgranit,  obschon 
es  nie  eine  halbwegs  typische  Gneissstructur  zeigt. 

Quarz  ist  schon  mit  freiem  Auge  in  dem  Gesteinsgemenge  er- 
kennbar, tritt  aber  doch  an  Menge  den  übrigen  Bestandtheilen  gegen- 
über zurück. 

Im  Dünnschliffe  sieht  man  unter  dem  Mikroskop  dementsprechend 
als  Hauptbestandtiieil  Feldspath.  Derselbe  erscheint  ziemlich  frisch 
und  ist  zum  weitaus  überwiegenden  Theile  Plagioklas,  nur  einzelne 
Körner  sind  Orthoklas.  Das  ganze  Bild  des  Gesteins  sowohl  makro- 
skopisch als  auch  in  Schliff"  nähert  sich  dem  eines  Tonalites,  nur  ist 
der  Quarzgehalt,  wie  auch  die  später  gegebene  Analyse  zeigt,  ein  zu 
geringer.  Ueber  die  Ausbildung  der  Hornblende  und  des  Biotites  ist 
nichts  besonderes  zu  erwähnen.  Es  ist  dieselbe,  wie  sie  granitische 
Gesteine  zu  zeigen  pflegen.  Die  Hornblende  erscheint  im  Schliff  mit 
schöner  grüner  Farbe  und  ist  ziemlich  stark  pleochroitisch.  Der  Biotit 
bildet  theils  die  bekannten,  fein  gestreiften,  lichtbraunen,  stark  pleo- 
chroitischen  Durchschnitte,  theils  unregelmässige  braune  Lappen. 
Hornblende  und  Biotit  sind  sehr  häufig  unregelmässig  miteinander 
verwachsen.  Quarz  tritt  in  verhältnismässig  geringer  Menge  auf  und 
bildet  gleichmässig  im  Gestein  vertheilte  einzelne  Körner. 

Accessorisch  findet  sich  noch  titanhältiges  Magneteisen,  das  oft 
eine  Umsetzung  in  sogenannten  Leukoxen  zeigt  und  Apatit  in  ziemlich 
grossen  Nadeln, 

Von  dem  Gestein  wurde  eine  chemische  Analyse  ausgeführt, 
die  folgende  Resultate  ergab: 


250  C.  V.  John.  [4] 

Percent 

Kieselsäure 58-20 

Titansäui-e 021 

Thonerde 19  20 

Eisenoxyd 2-01 

Eisenoxydul 4-42 

Kalk 5-üO 

Magnesia 3-25 

Kali 1-81 

Natron 4-5n 

Ihospliürsiiuic 033 

Ciliihverlust 1-28 

""iöo^m" 


Diese  Analyse  stimmt  sehr  gut  überein  mit  der  anderer  Quarz- 
diorite.  Der  verhältnismässig  niedrige  Kieselsäuregehalt  erklärt  sich 
durch  die  geringe  Menge  des  vorhandenen  Quarzes.  Auch  mit  der 
Analyse  des  ersten  Tonalites  stimmt  die  vorliegende  Analyse  gut 
überein,  wenn  man  sich  den  Kieselsäuregehalt  des  Tonalites  durch 
geringeren  Quarzgehalt  des  Gesteines  herabgedrückt  denkt.  Zum 
Vergleiche  sei  hier  die  Analyse  des  typischen  Tonalites  vom  Avio- 
See  von  G.  v.  Rath,  Zeitsciir.  d.  Deutsch,  geol.  Gesellsch.  XVI, 
18G4,  pag.  57,  L-egeben: 

Tonalit  vom  Avio-See 
P  e  r  c  e  n  t 

Kieselsäure 60  91 

Thonerde 15-20 

Eisenoxydul 045 

Kalk 3  73 

Magnesia 235 

Kali 0-86 

Natron 3-33 

Wasser 0^6 

98-99 

Um  eine  genauere  Kenntnis  des  Gesteines  zu  erlangen,  wurde 
der  Hauptfeldsi)ath  des  Gesteines  mittelst  einer  Kalium-Quecksilber- 
jodidlösuiig  isolirt.  Hiebei  wurde  zuerst  Hornblende,  Biotit,  Ai)atit 
und  P'.rz  entfernt  und  dann  bei  dem  specifischen  Gewicht  von  etwa  2-67 
bis  208  der  Lösung  die  Hauptmasse  des  Feldspathes  gewonnen, 
während  Quarz  und  Orthoklas,  sowie  zersetzte  Feldspäthe  noch  auf 
der  Lösung  schwammen. 


15]  lieber  Eruptivgesteine  aus  dem  SalzUainmergut.  251 

Der  ausgeschiedene  Feldspath  hat  folgende  chemische  Zusammen- 
setzung : 

Per  ce  ii  t 

Kieselsäure 58 1)7 

Thonerde 25  21 

Eisenoxyd 0*65 

Kalk 6-82 

Magnesia^ 0-21 

Kali. 0-71 

Natron G-()2 

Glühverlust O'öO 

Es  nähert  sich  also  der  vorliegende  Feldspath  ziemlich  der 
typischen  Andesinzusammensetzung  und  stimmt  auch  gut  überein  niit 
den  Feldspäthen,  die  aus  Tonaliten  isolirt  wurden.  So  fand  G.  v.  Rath 
in  dem  Tonalit  von  Val  San  Valentino  den  triklinen  Feldspath 
folgendermassen  zusammengesetzt : 

Feldspath  aus  dem  Tonalit 

von  Val  San  Valentino 

Pe  r cent 

Kieselsäure 58*15 

Thonerde 26-55 

Kalk 8-66 

Magnesia 0-06 

Natron  (mit  etwas  Kali)   .     .       6-28 

Glühverlust OSO 

^100-00 

Das  vorliegende  Gestein  aus  dem  Pöllagraben  führt  also  als 
Hauptfeldspath  A  n  d  e  s  i  n  und  nähert  sich  also  ,  wenn  man  von 
dem  geringen  Quarzgehalt  absieht,  in  jeder  Weise  dem  typischen 
Tonalite. 

Es  hat  den  granitischen  Habitus  des  Tonalites,  führt  ziemlich 
viel  Hornblende  neben  Biotit,  enthält  neben  etwas  Orthoklas  denselben 
triklinen  Feldspath,  nämlich  Andesin,  und  hat,  vom  Kieselsäuregehalt 
abgesehen,  eine  dem  Tonalit  sehr  ähnliche  chemische  Zusammen- 
setzung. 

Das  Gestein  vom  Pöllagraben  bei  St.  Gilgen  ist  also  als  ein 
quarzarmer  Quarzdiorit,  resp.  quarzarmer  Tonalit  zu  bezeichnen. 
Nach  den  Mittheilungen  des  Herrn  E.  v.  Moj  siso  vi  es  bildet  dieses 
Gestein  hausgrosse  Blöcke,  welche  mitten  aus  einer  von  Gosaukreide 
gebildeten  Umgebung  aufragen. 


252  C.  V.  John.  [6] 

Gabbro  aus  dem  Salzkamniergut. 

Hier  wären  mehrere  Gesteine  einzureihen,  die  bis  jetzt  nicht 
bekannt  gewesen  sind.  Alle  diese  Gesteine  stimmen  in  ihrer  petro- 
graphischen  Ausbildung  überein  und  sind  alle  ähnlich  den  schon 
früher  erwähnten  Gabbro  von  Fitz  am  Berge  und  vom  Calvarienberg 
bei  Ischl,  so  dass  eigentlich  nur  auf  die  Beschreibung  dieser  Gesteine 
von  Dr.  G.  Tschermak,  „Die  Porphyrgesteine  Oesterreichs",  hin- 
zuweisen ist. 

Hier  sei  nur  kurz  ihre  mineralogische  Zusammensetzung  an- 
gegeben. Es  sind  alle  grobkörnige  Gemenge  von  Feldspath  mit  einem 
diallagartigen  Augit,  wozu  sich  noch  in  geringerer  Menge  titanhältiges 
Magneteisen  und  Apatit  gesellt.  In  den  meisten  Gesteinen  ist  der 
Feldspath  schon  ziemlich  zersetzt,  während  der  diallagartige,  im 
Schliff  lichtrotlibraun    erscheinende    Augit   noch   ziemlich   frisch   ist. 

Von  Localitäten,  von  denen  Herr  Dr.  E.  v.  Mojsisovics 
Gabbrogesteine  gesammelt  hat,  wären  ausser  den  schon  erwähnten 
(Fitz  am  Berge,  Calvarienberg  bei  Ischl)  noch  Gesteine  anzuführen, 
die  aus  den  Werfener  Schichten  (Haselgebirge)  stammen,  und  zwar 
die  von  Steinberg  am  Ischler  Salzberg  und  solche,  die  als  Geschiebe 
am  rechten  Traunufer  zwischen  Weissenbach  und  Kesselbach,  sowie 
auch  gegenüber  von  Kesselbach  gefunden  wurden.  Die  Gesteine  von 
Fitz  am  Berge  stammen  aus  Gosauschichten.  Das  Gestein  vom  Stein- 
berg am  Ischler  Salzberg  wurde  einer  chemischen  Untersuchung  unter- 
zogen und  hiebei  folgende  Resultate  gefunden,  die  ich  hier  zugleich 
mit  der  von  Dr.  G.  Tschermak  gegebenen  Analyse  des  Gabbro 
von  Fitz  am  Berge  gebe  : 

Gabbro  vom  Gabbro  von 

Steinberg  PMtz  am  Berge 

(O.    V.   John)  (F.  Paul) 

P  c  r  c  e  n  t 

Kieselsäure 45-75  49-73 

Titansäure 1-68  — 

Thonerde 15-85  1737 

Eisenoxyd 7-40  560 

Eisenoxydul 5-82  3-53 

Manganoxydul      ....       0*31  — 

Kalk 7-20  8-14 

Magnesia 6-90  7-75 

Kali 1-33  0-84 

Natron 344  300 

Phosphorsäure      ....       0-55  — 

Schwefel 0-18  — 

Glühverlust 3-20  2-20 

99-61  98-16 


[7]  Ueber  Eruptivgesteine  aus  dem  Salzkammergut.  253 

Beide  Analysen  stimmen  ziemlich  gut  überein.  Sie  wurden 
beide  an  ziemlich  zersetzten  Gesteinen  vorgenommen,  wie  die  hohen 
Glühverluste  zeigen.  Das  Gestein  von  Steinberg  enthält,  wie  man 
schon  äusserlich  deutlich  sieht,  Schwefelkies,  was  bei  dem  von  Fitz 
am  Berge  nicht  der  Fall  ist.  Jedenfalls  ist  die  Zersetzung  bei  dem 
Gestein  vom  Steinberg  noch  weiter  vorgeschritten,  wofür  auch  der 
noch  höhere  Glühverlust  stimmt.  Ich  versuchte  es,  sowohl  durch 
mechanisches  Ausklauben  als  mit  Hilfe  der  T  o  u  1  e  t'schen  Lösung 
eine  Isolirung  des  Feldspathes  behufs  chemischer  Analyse  desselben 
durchzuführen,  was  mir  jedoch  nicht  gelang.  Man  kann  aber  aus  der 
Analyse  schon  mit  Sicherheit  deduciren,  was  schon  Dr.  G.  Tschermak 
bei  der  Beschreibung  des  Gabbro  von  Fitz  am  Berge  that,  dass 
der  Feldspath  dieser  Gesteine  in  die  Labrad ori  treib  e  zu  stellen 
sein  wird. 


Diabase. 

Gesteine,  die  direct  als  Diabase  bezeichnet  wurden,  sind  bis 
jetzt  aus  dem  Salzkammergut  nicht  bekannt  gewesen,  wenn  auch 
manche  Vorkommen,  wie  das  von  Schöffau,  das  von  Gümbel  als  Sillit 
bezeichnet  wurde  und  das  T  s  c  h  e  r  m  a  k  als  zersetzten  Gabbro  be- 
zeichnet, theilweise  hierher  zu  rechnen  sein  dürften.  Die  mir  vor- 
liegenden Stücke  von  Schöft'au,  die  von  Herrn  Dr.  A.  Bittner  ge- 
sammelt wurden,  stimmen  nämlich  sehr  gut  überein  mit  den  zersetzten 
Diabasen  anderer  Localitäten  des  Salzkammergutes.  Vielleicht,  sogar 
wahrscheinlich,  kommen  Gesteine  in  Schöffau  vor,  die  sich  mehr 
einem  Gabbro  und  solche,  die  sich  mehr  einem  Diabas  nähern.  Bei 
der  ziemlich  starken  Zersetzung  der  Gesteine  lässt  sich  der  Unter- 
schied, der  doch  vornehmlich  im  Augit  liegt,  meist  nicht  feststellen. 
Von  Fitz  am  Berge  liegen  z.  B.  typische  Gabbro  mit  Diallag  und 
ebenso  typische  Diabase  vor. 

Die  Diabase  sind  alle  gleichartig  ausgebildet,  so  dass  ich  die- 
selben hier  zusammen  behandeln  kann.  Sie  stammen  entweder  aus 
Werfener  Schichten  (Haselgebirge\  wie  der  Diabas  von  Pfenningbach, 
oder  aus  Gosauschichten,  wie  der  Diabas  von  Fitz  am  Berge ;  ausser- 
dem wurden  Diabase  als  Findling  im  Thalboden  von  Freinwald  bei 
Mürzsteg  in  Steiermark  gefunden. 

Die  Diabase  sind  alle  rein  körnige  Gemenge  von  Plagioklas  mit 
einem  gewöhnlichen  monoklinen  Augit,  wozu  sich  noch  etwas  titan- 
hältiges  Magneteisen  und  Apatit  gesellten.  Sie  sind  im  allgemeinen 
viel  feinkörniger  als  die  Gabbros  und  unterscheiden  sich  dadurch 
schon  äusserlich  von  denselben.  In  vielen  zersetzten  Diabasen  ist 
Chlorit  oder  Epidot,  die  sich  aus  Augit  gebildet  haben,  sowie  Calcit 
oder  auch  Schwefelldes  nachweisbar. 

Im  Dünnschliff  bildet  der  Plagioklas  theils  unregelmässig  be- 
grenzte Partien,  theils  ist  er  in  schönen  Säulchen  entwickelt.  Er  ist 
häufig  durch  beginnende  Zersetzung  stark  getrübt,  zeigt  aber  meist 
noch  ziemlich  deutlich  seine  polysynthetische  Zwillingszusammensetzung. 

Nach  der  chemischen  Analyse  eines  typischen  Diabases  (von 
Fitz  am  Berge)  zu  schliessen,  ist  der  Feldspath  jedenfalls  ein  Labra- 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Keichsanstalt,  1899,  49.  Band,  2.  lieft.  (C.  v.  John.)  33 


254  C.  V.  John.  [g] 

dorit.  Der  Augit  unterscheidet  sich  wesentlich  vou  dem  der  Gabbros. 
Er  erscheint  im  Schliff  meist  in  Form  von  Körnern  von  lichtbrauner 
Farbe  und  zeigt  die  Ausbilduug  der  gewöhnlichen  monoklinen  Augite. 
Bei  der  Zersetzung  der  Gesteine  erfolgt  meist  eine  chloritische  Zer- 
setzung der  Augite,  oft  ist  auch  eine  Umsetzung  der  Augite  in  Epidot 
nachweisbar. 

Ausser  diesen  beiden  Hauptbestandtheilen  sieht  man  im  Schliff 
noch  titanhältiges  Magneteisen,  das  oft  leukoxenartig  zersetzt  erscheint, 
und  einzelne  meist  ziemlich  grosse  Nadeln  von  Apatit. 

Bei  zersetzten  Gesteinen  ist  entweder  Chlorit  oder  Epidot,  dann 
oft  auch  Calcit  und  Schwefelkies  im  Dünnschliff  nachweisbar.  Von 
einem  der  frischesten  Diabase,  nämlich  dem  vom  „Fitz  am  Berge", 
wurde  eine  chemische  Analyse  durchgeführt,  die  folgende  Resultate 
ergab : 

P  e  r  c  en  t 

Kieselsäure     . 48-87 

Titansäure 0-82 

Thonerde 1624 

Eisenoxyd 5-30 

Eisenoxydul 5-21 

Kalk 8-92 

Magnesia 765 

Kali 0-96 

Natron 303 

Phosphorsäure 0"31 

Glühverlust 220 

99-51 

Die  Analyse  stimmt  mit  der  des  Gabbros  von  Fitz  am  Berge 
fast  vollständig  überein,  was  auch  durchaus  nicht  überraschend  ist, 
da  die  chemische  Zusammensetzung  des  diallagartigen  und  des  ge- 
wöhnlichen monoklinen  Augites  wohl  nur  unwesentlich  differiren  wird 
und  die  anderen  Bestandtheile  dieselben  sind.  Es  hat  sich  jedenfalls 
dasselbe  Magma  einerseits  grobkörniger  mit  diallagartigem  Augit  als 
Gabbros  und  andererseits  feiner  körnig  mit  gewöhnlichem  Augit  als 
Diabas  entwickelt.  Dieser  Fall  dürfte  auch  bei  dem  Vorkommen  von 
Schöffau  eingetreten  sein. 


Diabasporphyrite  (Melaphyre). 

Ausser  der  schon  bekannten  Vorkommen  vom  Salzberg  bei 
Hallstatt,  auf  das  schon  in  der  Einleitung  hingewiesen  wurde,  sind 
durch  die  Herren  E.  v.  Mojsisovics,  A.  Böhm  und  G.  Geyer 
noch  verschiedene  andere  Gesteine  theils  anstehend,  theils  auch  nur 
als  Geschiebe  gefunden  worden. 

Es  wäre  zu  erwähnen  die  anstehend  im  Niveau  des  Werfener 
Schiefers    gefundenen  Gesteine  von  Sulzenhals,    vom    „Gassner"    am 


[9]  Ueber  Eruptivgesteine  aus  dem  Salzkammergut.  255 

Jainzen  bei  Ischl  und  vom  Grundner  Wald  bei  Windischgarsten,  dann 
die  nur  als  Geschiebe  gefundenen  Gesteine  vom  Delta  des  Mühlbaches 
in  Hallstatt  und  aus  der  Lämmer  unterhalb  Rigaussag  bei  Abtenau. 
Alle  diese  Gesteine  sind  stark  zersetzt  und  oft,  besonders  das  Gestein 
von  Hallstatt,  mit  Gyps  oder  selbst  Steinsalz  durchzogen.  Soweit  die 
Zersetzung  der  Gesteine  es  erlaubt,  lässt  sich  bei  den  meisten  Ge- 
steinen feststellen,  dass  dieselben  aus  Feldspath  und  Augit,  welcher 
meist  vollkommen  chloritisch  zersetzt  erscheint,  bestehen,  zwischen 
welchen  sich  eine  mit  Erz  durchsetzte,  nicht  mehr  näher  zu  bestim- 
mende Grundmasse  befindet.  Bei  vielen  Gesteinen  kommen  in  grüne 
faserige  Partien  zersetzte  Krystalldurchschnitte  vor,  die  mit  Eisen- 
oxyduloxyd aderförmig  durchsetzt  sind  und  daher  an  zersetzte  Olivine 
erinnern.  In  keinem  Falle  ist  es  jedoch  sicher  festzustellen,  dass 
Olivine  ursprünglich  vorhanden  waren,  weshalb  auch  die  Bestimmung, 
ob  man  es  mit  zersetzten  Diabasporphyriten  oder  Melaphyren  zu 
thun  hat,  nicht  mehr  mit  Sicherheit  durchzuführen  ist. 

Bei  dem  schlechten  Erhaltungszustande  dieser  Gesteine,  die 
immer  Glühverluste  von  6 — 12  Procent  zeigen,  wurde  von  einer 
chemischen  Analyse  abgesehen  und  nur  an  dem  Gestein  aus  dem 
Delta  des  Mühlbaches  bei  Hallstatt  eine  Kieselsäurebestimmung  vor- 
genommen, die  46-20  Procent  Kieselsäure  (bei  einem  Glühverlust 
von  6*06  Procent)  ergab.  Nach  der  seinerseits  von  mir  an  dem  Ge- 
stein vom  Hallstätter  Salzberg  vorgenommenen  chemischen  Unter- 
suchung lässt  sich  schliessen,  dass  man  es  mit  ziemlich  basischen 
Gesteinen  der  Diabasporphyritgruppe  zu  thun  hat. 


Glaukophanartige  Hornblende  führende  Gesteine. 

Solche  Gesteine  liegen  nur  aus  der  Gegend  der  Auermahd 
am  Grundelsee  vor.  Und  zwar  ein  Gestein  von  Auermahd 
selbst,  welches  als  Diabas,  und  dann  eines  östlich  vom  A  u  e  r- 
mahdsattel,  welches  am  besten  als  Diabasporphyrit  bezeichnet 
werden  kann.  Dieselben  sind  ganz  gleich  den  bis  jetzt  beschriebenen 
Diabasen  und  Diabasporphyriten,  nur  führen  sie  blaue,  glaukophan- 
ähnliche  Hornblende.  Die  Feldspäthe  sind  meist  noch  sehr  deutlich 
als  Plagioklase  zu  erkennen,  dagegen  sind  die  Augite  im  Gegensatz 
zu  den  bisher  beschriebenen  Gesteinen  meist  vollständig  zersetzt  und 
in  Epidot  umgewandelt,  der  überhaupt  das  ganze  Gestein  durch- 
schwärmt und  sowohl  in  Körnern,  als  auch  in  Säulchen  ausgebildet 
erscheint.  Es  hat  sich  jedenfalls  aus  dem  Augit  und  auch  aus  dem 
Feldspath  gebildet;  auch  die  später  zu  beschreibende  Hornblende 
scheint  bei  ihrer  Zersetzung  in  Epidot  überzugehen.  Ausser  den  ge- 
nannten Bestandtheilen  kommt  noch  verhältnismässig  viel  titanhaltiges 
Magneteisen,  sowie  etwas  Apatit  vor.  Das  Gestein  von  Auermahd  ist 
rein  körnig,  jedoch  ziemlich  feinkörnig,  das  östlich  von  Auermahd- 
sattel  mehr  porphyrisch  entwickelt.  Die  Grundmasse  ist  jedoch  bei 
der  schon  ziemlich  weit  vorgeschrittenen  Zersetzung  nicht  mehr  näher 
untersuchbar,  jedenfalls  kann  man  das  erstere  Gestein  als  Diabas, 
das  letztere  als  Diabasporphyrit  bezeichnen. 


256  C.  V.  John.  [10] 

In  ziemlicher  Menge  enthalten  nun  beide  Gesteine  eine  blaue, 
rissige,  schlecht  umgrenzte  Hornblende,  die  auf  den  ersten  Blick  im 
Schliff  sofort  an  Glaukophan  erinnert.  Diese  Hornblende  ist  in  dem 
Diabas  von  Auermahd  viel  deutlicher  und  besser  entwickelt  als  in 
dem  Diabasporphyrit  vom  Auermahdsattel.  In  letzterem  Gestein  er- 
scheint sie  in  kleinen,  rissigen  Säulchen  von  blauer  Farbe,  mit  deut- 
lichem Pleochroismus  zu  violett  und  violettbraun.  Besser  ist  sie  in 
dem  Gestein  von  Auermahd  entwickelt,  wo  sie  in  Form  terminal 
schlecht  begrenzter,  grösserer  Durchschnitte  mit  parallelen  Spaltungs- 
streifen erscheint.  Dieselbe  erscheint  im  gewöhnlichen  Licht  blau 
mit  einem  Stich  ins  Grüne  und  zeigt,  soweit  man  bei  den  schlecht 
begrenzten  Längsschnitten  und  in  einzelnen  Querschnitten  beurtheilen 
kann,  deutlichen  Pleochroismus,  und  zwar:  c)  blau,  b)  mehr  violettblau 
und  a)  braunviolett. 

In  Längsschnitten  konnte  die  Auslöschung  wegen  der  parallelen 
Streifung  ziemlich  gut  bestimmt  werden.  Sie  beträgt  je  nach  der  Art 
des  Schnittes  von  0  Grad  bis  20  Grad.  Dies  würde  auf  Glaukophan 
nicht  stimmen,  da  derselbe  bekanntlich  blos  Auslöschungsschiefen  bis 
zu  6  Grad  zeigt.  Eine  Isolirung  dieser  blauen  Hornblende  ist  mir 
nicht  gelungen,  auch  einen  einzelnen  Hornblendekrystall  zu  gewinnen, 
um  genauere  optische  Bestimmungen  machen  zu  können,  war  mir 
nicht  möglich. 

Eine  Analyse  des  Diabasporphyrites  vom  Auermahdsattel  ergab 
folgende  Resultate: 

Procent 

Kieselsäure 47*20 

Titansäure 1'80 

Thonerde 1660 

Eisenoxyd 7-80 

Eisenoxydul 640 

Kalk 7-20 

Magnesia 5*69 

Kali 0-55 

Natron 4*74 

Schwefel 0*09 

Phosphorsäure 0-18 

Glühverlust 1*29 


99-54 


Aus  dieser  Analyse,  die  so  ziemlich  mit  den  bis  jetzt  gegebenen 
Analysen  der  Diabase  und  Diabasporphyrite  stimmt,  sieht  man,  dass 
der  Natrongehalt  etwas  höher  ist,  so  dass  immerhin  auch  chemisch 
eine  dem  Glaukophan  ähnliche  Hornblende  in  diesen  Gesteinen  ent- 
halten sein  dürfte. 


[11]  lieber  Eruptivgesteine  aus  dem  Salzkammergut.  25*^ 


Wehrlit   (Diallagperidotit)   von    der   Traunterrasse   bei 
Gmunden. 

Dieses  Gestein  stellt  ein  grobkörniges  Gemenge  von  Olivin  mit 
Diallag  dar,    zu  dem  sich  noch  in   geringerer  Menge  Picotit    gesellt. 

Das  Gestein  zeichnet  sich  durch  seine  verhältnismässige  Frische 
aus.  Der  Olivin  ist  in  grossen  Körnern  entwickelt  und  zeigt  an  seinen 
Sprüngen  die  bekannte  serpentinische  Zersetzung.  Der  Augit  ist  in 
Form  von  Diallag  entwickelt  und  ist  die  parallele  Streifung,  die 
ausserordentlich  deutlich  ist,  oft  durch  Druck  gebogen. 

Der  Picotit  erscheint  im  Dünnschlilf  in  Körnern,  aber  auch  in 
unregelmässigen  Partien  von  gelbbrauer  Farbe.  Eine  Probe  auf  Chrom 
in  dem  Gestein    ergab    einen   Gehalt   von    0-54  Procent   Chromoxyd. 

Das  Gestein  ist  also  ein  typischer  Wehrlit. 

Da  Gesteine  von  ähnlichem  Habitus  aus  den  Alpen  nicht  bekannt 
sind  und  das  Gestein  auf  secundärer  Lagerstätte  sich  befindet,  so  ist 
es  höchst  wahrscheinlich,  dass  das  vorliegende  Gestein  zur  Eiszeit 
aus  dem  Gebiete  des  böhmischen  Massivs,  wo  sich  einzelne  ähnliche 
Gesteine  vorfinden,  hierher  gebracht  wurde. 

Zum  Schlüsse  gebe  ich  hier  eine  Zusammenstellung  der  nun 
aus  dem  Salzkammergut  bekannten  Eruptivgesteine: 

Quarzdiorit   (Tonali t): 
Pöllagraben  bei  St.  Gilgen. 

Diabase : 

Fitz  am  Berge,  Wolfgangsee. 

Schöifau  bei  Golling. 

Pfenningbach  bei  Ischl. 

Auermahd,  Grundelsee  (mit  Glaukophan-artiger  Hornblende). 

Freinwald  bei  Mürzsteg  in  Steiermark  (Geschiebe). 

Gabbrogesteine: 

Fitz  am  Berge,  Wolfgangsee. 
Schöffau  bei  Golling. 
Arikogel  bei  St.  Agatha,  Hallstättersee. 
Calvarienberg  bei  Ischl. 
Kroissengraben  bei  Ischl. 

Sillberg  bei  Berchtesgaden  („Sillit"  v.  Gümbel's). 
Steinberg  am  Ischler  Salzberg. 

Rechtes  Traunufer  zwischen  Weissenbach  und  Kesselbach 
(Geschiebe). 

Diabasporphyrite  und  Melaphyre: 

Hallstätter  Salzberg. 

Sulzenhals,  südlich  vom  Thorstein. 


258  C.  V.  John.  [12] 

„Gassner"  am  Jainzen  bei  Ischl. 
Grundner  Wald  bei  Windischgarsten. 

Auermahdsattel,     Grundelsee    (mit    Glaukophan  -  artiger    Horn- 
blende). 

Delta  des  Hallstätter  Mühlbaches  (Geschiebe). 

In   der  Lammer   unterhalb  Rigaussag   bei  Abtenau  (Geschiebe). 

W  e  h  r  1  i  t  (D  i  a  1 1  a  g  -  P  e  r  i  d  0 1  i  t ) : 
Traunterrasse  bei  Gmunden  (Geschiebe), 


Ueber  die  geologischen  Verhältnisse  des 
Bergbaugebietes  von  Idria. 

Von  Dr.  Franz  Kossniat. 

Mit  2  Tafeln  (Nr.  X— XI)  und  7  Zinkotypien  im  Text. 

Während  der  geologischen  Aufnahme  des  Kartenblattes  Adels- 
berg^ — Haidenschaft  befasste  ich  mich  längere  Zeit  mit  dem 
Studium  des  interessanten  Baues  der  Umgebung  von  Idria  und  hatte 
dank  dem  Entgegenkommen  des  Herrn  Bergdirectors  Öermak  auch 
die  Gelegenheit,  die  geologischen  Verhältnisse  in  der  Grube  eingehend 
zu  beobachten  und  mit  den  an  der  Oberfläche  wahrgenommenen  Er- 
scheinungen zu  vergleichen. 

Mit  Vergnügen  folgte  ich  daher  der  Anregung  des  Herrn  Bergrathes 
Schmid,  eine  obertägige  Aufnahme  des  Grubenterrains  im  Katastral- 
maßstabe  (1  :  2880)  durchzuführen,  eine  Arbeit,  für  die  mir  von  Seite 
der  k.  k.  Bergdirection  die  nöthigen  Behelfe  zur  Verfügung  gestellt 
wurden;  auch  hatte  ich  mich  bei  den  meisten  diesbezüglichen  Be- 
gehungen der  Begleitung  des  Herrn  Bergrathes  Schmid  zu  erfreuen. 

Durch  die  Herren  Oberverwalter  Lanzinger  und  Verwalter 
Tschemernigg  wurde  mir  der  häufige  Besuch  der  verschiedenen 
Grubenpartien  sehr  erleichtert,  und  wiederholt  unterzogen  sich  die 
beiden  genannten  Herren  der  Mühe,  mich  persönlich  zu  führen.  Ferner 
danke  ich  meinem  Freunde,  Herrn  Adjunkten  M.  Ho  11  er,  welcher 
mich  bei  zahlreichen  geologischen  Touren,  sowohl  in  der  Grube,  als 
auch  obertags  begleitete. 


I.  Schichtfolge. 

Bezüglich  der  Schichtgesteine,  aus  denen  die  Umgebung  von 
Idria  aufgebaut  ist,  kann  ich  mich  auf  eine  tabellarische  Uebersicht 
beschränken,  da  ich  bereits  im  Vorjahre  einen  Bericht  darüber  ver- 
öffentlichte, auf  welchen  ich  hier  verweisen  darf^). 


^)  Dr.  Franz  Kossmat:    Die  Triasbildungeu  der  Umgebung  von  Idria    und 
Gereuth.  Verhandl.  d.  k,  k.geol.  R.-A.  1898,  Nr.  3,  S.  92  ff. 

.Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1899,  49.  Band,  2.  Heft.  (Fr.  Kossmat.) 


260  Dr-  Franz  Kossmat.  [2] 

Die  Reihenfolge  ist  diese: 

1.  Palaeozoische  Schiefer. 

(„Gail  thalers  Chief  er" ;    „Silberschiefer"    des  Grubenbaues.) 
Schwarze,    milde  Schiefer  mit   sehr   feinen  Glimmerschüppchen. 
(Vergl.  über  diesen  Horizont  auch  pag.  272  [14]  dieses  Berichtes.) 

2.  Werfener  Schichten. 

a)  Untere  Werfener  Schichten  („Seisser  Schichten"):  Rothe 
Sandsteine  und  glimmerige  Schiefer  mit  einzelnen  dolomitischen  Ein- 
schaltungen.  (Fossilien :  Fseudomonotis  Clarai^  Myacites  fassaensis  etc.) 

b)  Mittlere  und  obere  Werfen  er  Schichten:  1.  Oolith- 
bänke  in  Schiefer,  2.  Mergelkalke  und  Kalkschiefer  („Campiler 
Schichten")  mit  Naticella  costata^   Tyrolites  cassianus  etc. 

8.  Dolomite  und  Dolomitbreccien  des  Muschelkalkes. 

Im  unteren  Theile  dieser  mächtigen  Schichtgruppe  sind  auf  den 
Höhen  NW  und  NO  von  Idria  typische,  splittrige  Dolomite  entwickelt, 
während  sich  die  Breccien  und  Conglomerate  erst  höher  oben  ein- 
stellen. Geht  man  aber  gegen  den  Jelicen  vrh  und  das  Lubeucthal, 
so  bemerkt  man,  dass  die  Breccienfacies  immer  tiefer  herabreicht  und 
endlich  den  reinen  Dolomit  verdrängt,  so  dass  dort  bereits  unmittelbar 
über  dem  Werfenerschiefer  die  Trümmerstructur  beginnt,  genau  so, 
wie  in  der  Gereuther  Gegend. 

4.  Wengener  Schichten. 

Diesem  Horizonte  gehören  die  sehr  häufig  durch  gebänderte 
Hornsteinausscheidungen  ausgezeichneten,  graubraunen  Mergel  und 
Sandsteine  mit  DaoneUa  Lommeli  }flss?n.  etc.  an.  Eine  speciell  für 
die  unmittelbare  Umgebung  von  Idria  bezeichnende  Einschaltung  in 
den  Wengener  Schichten  bilden  die  Pflanzenreichen  Skonza- 
s  a  n  d  s  t  e  i  n  e  u  n  d  -S  c  h  i  e  f  e  r  (==^  „  L  a  g  e  r  s  c  h  i  e  f  e  r "  d  e  r  G  r  u  b  e). 
Im  heurigen  Jahre  konnte  ich  die  Beobachtung  machen,  dass  die 
Conglomerate,  welche  im  Skonzagräben  das  scheinbare  Hangende 
der  Skonzaschichten  bilden,  in  ununterbrochenem  Schichtzusammen- 
hange mit  den  Dolomitbreccien  (3)  des  Jelicen  vrh  stehen,  mithin  die 
Basis  des  Wengener  Horizontes  bilden  und  vollkommen  analog  sind 
den  Conglomeraten,  welche  an  der  Ober-Laibacherstrasse,  in  der 
directen  Fortsetzung  des  Zuges  der  Skonzaschichten  im  gleichnamigen 
Graben,  die  Grenze  zwischen  den  Wengener  Schichten  und  der  Dolomit- 
breccie  des  Muschelkalkes  bilden.  Die  Lagerung  der  erwähnten  Conglo- 
merate ist  auch  für  die  Auffassung  der  Schichtfolge  in  der  Grube  von 
Wichtigkeit. 

5.  (Jassianer  Schichten. 

Vorwiegend  dunkle,  meist  ausgezeichnet  plattige  Kalke  und  Kalk- 
schiefer mit  zahlreichen  Hornsteinschnüren  und  -Knollen.  Von  Fossilien 


[3]         Ueber  die  geologischen  Verhältnisse  des  Bergbaugebietes  von  Idria.      261 

finden  sich  am  liäufigsten  Posidonomi/a  Wengensis,  Encrintis  cassianus, 
VoUzia  Foetteiiei.  Am  Z  a g o  d ab  e r  g e,  SO  von  Idria,  sowie  am  P  s e  n k- 
und  Plan  inarücken,  SW  von  Jdria  sind  die  unteren  Schichten 
dieser  Abtheihmg  in  fossilleerer  dolomitischer  Facies  entwickelt, 
während  am  Jelicen  vrh  und  am  Rinnwerke  die  Kalkfacies  bereits 
unmittelbar  über  den  Wengener  Schichten  beginnt. 

Die  jüngsten  Horizonte  der  Trias:  Raibler  Schichten  und 
Hauptdolomit  sind  im  Bergbaugebiete  nicht  vorhanden,  treten  aber 
in  der  weiteren  Umgebung  von  Idria,  sowohl  im  Westen  (oberes 
Idricagebiet)  als  auch  im  Osten  (Umgebung  von  Na  Planina  an  der 
Ober-Laibacherstrasse)  in  typischer  Ausbildung  auf  (vergl.  Kossmat, 
Verh.  1898,  1.  c.  pag.  91,  98  und  99). 

Die  Kreide  kommt  in  Form  eines  ziemlich  breiten  Zuges  aus 
dem  Birnbaumerwalde  in  den  Bereich  von  Idria  und  greift  daselbst 
sowohl  in  das  Idricathal  als  auch  in  das  Nikovathal  ein.  Wegen  der 
Seltenheit  von  gut  erhaltenen  Fossilien  und  der  ziemlich  einförmigen 
petrographischen  Ausbildung  ist  eine  genauere  Gliederung  dieser 
Schichtgruppe  nicht  durchzuführen,  doch  gilt  auch  in  der  Umgebung 
von  Idria  dieselbe  Regel  wie  für  den  Birnbaumerwald,  dass  nämlich 
die  unteren  Kreideschichten  in  Form  von  dunklen,  sehr  bituminösen 
Kalken  mit  Requienien,  die  oberen  hingegen  als  lichtgraue  bis  weisse 
Kalke  mit  Radioliten  entwickelt  sind. 

Ueber  das  stratigraphische  Verhältnis  dieser  Formation  zu  den 
älteren  Schichtgruppen  gewinnt  man  bei  Idria  keinen  Aufschluss,  da 
liier  die  Grenze  durch  Verwerfungen  gebildet  ist,  welche  man  mehr- 
fach in  den  Gräben  aufgeschlossen  sieht;  doch  geben  Beobachtungen 
in  der  Nähe  von  Hotederschitz  (SO  von  Idria)  Grund  zur  Annahme, 
dass  die  Kreideformation  in  diesen  Gegenden  bereits  transgredirend 
auf  der  Trias  liegt,  von  der  sie  im  benachbarten  Ternowanerwalde 
noch  durch   die    ganze   Mächtigkeit  der   Jurakalke  geschieden  ist. 

Der  von  der  Kreide  durch  eine  scharfe  Discordanz  getrennte 
Eocänflysch  erscheint  in  Form  von  schmalen,  eingeklemmten  Zügen 
im  Rudistenkalkgebiet  des  Nikovathales  und  der  Strugschlucht;  hydrau- 
lischer Mergel,  Sandstein  und  Nummulitenbreccien  sind  sein  charak- 
teristisches Gesteinsmaterial.  Jüngere  Schichten  sind  weder  im  Be- 
reiche von  Idria,  noch  überhaupt  im  Gebiete  des  Blattes  Adelsberg  - 
Haidenschaft  vorhanden. 

Die  Aenderungen,  welche  sich  im  stratigraphischen  Schema 
gegenüber  den  Aufnahmen  von  Lipoid  (Erläuterungen  zur  geologischen 
Karte  der  Umgebung  von  Idria  in  Krain,  Jahrbuch  d.  k.  k.  geol. 
R.-A.  1874,  Bd.  XXIV,  S.  426  ff.  mit  geologischer  Karte  1:11.500 
und  Profilen)  ergeben,  sind  im  allgemeinen  nur  untergeordneter  Natur 
und  beziehen  sich  mehr  auf  die  weitere  Umgebung  der  Stadt  als  auf 
das  Bergwerksgebiet.  Etwas  grösser  ist  der  Unterschied  in  Bezug  auf 
die  Anschauungen  über  Verbreitung  und  Lagerung  der  einzelnen 
Schichtglieder,  doch  ist  es  wohl  überflüssig,  hierauf  schon  an  dieser 
Stelle  im  speciellen  einzugehen. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol,  Reichsanstalt,  1899,  49.  Band,  2.  Heft.  (Fr.  Kossmat.)       34 


26^  I^r-  Franz  Kossmat.  [4] 

Zur  orographischen  Orientierung,  welche  für  das  Verständnis 
der  tektonischen  Erörterungen  unentbehrlich  ist,  habe  ich  nebenstehend 
eine  Kartenskizze  entworfen,  auf  welcher  zugleich  die  Grundzüge  des 
geologischen  Baues  eingetragen  sind ;  im  übrigen  kann  ich  auf 
Lipold's  Arbeit  verweisen,  in  der  auf  pag.  431  und  432  eine  aus- 
reichende Terrainbeschreibung  gegeben  ist. 

Auf  die  Publication  einer  geologischen  Karte  der  weiteren 
Umgebung  von  Idria,  welche  ich  in  einem  Maßstabe  von  ca.  1:12.000 
aufgenommen  habe,  musste  vorderhand  verzichtet  werden,  da  die 
Herstellung  einer  guten  topographischen  Grundlage  mit  Terrain- 
zeichnung zu  viel  Zeitaufwand  erfordern  würde  und  die  Veröffent- 
lichung der  vorliegenden  Arbeit  bedeutend  hinausschieben  müsste, 
ich  begnügte  mich  daher  mit  der  als  Taf.  X  beigegebenen  Darstellung 
des  Bergwerkgebietes. 


II.  Tektonischer  Theil. 

Einen  gemeinsamen  Grundzug  im  Aufbaue  der  Umgebung  von 
Idria  bildet  das  Fehlen  grösserer  Schichtfaltungen  und  die  auffällige 
Häufigkeit  von  Brüchen,  welche  zum  Theil  als  normale  Verwerfungen, 
zum  Theil  als  Ueberschiebungen  ausgebildet  sind  und  die  Schicht- 
reihe in  sehr  verwickelter  Weise  zerstückeln. 

Unter  allen  Dislocationen  tritt  als  besonders 
wichtig  eine  hervor,  welche  aus  dem  oberen  Kanomlja- 
thale  über  den  Raspotsattel  zum  linken  Idricagehänge 
zieht  und  sich  jenseits  desselben  du'rchdasLubeucthal 
weit  nach  Osten  fortsetzt.  (Vergl.  Lipoid  1.  c.  pag.  447.) 

Nördlich  von  dieser  Ueberschiebung,  welche  durch  das  Auf- 
brechen der  schwarzen  palaeozoischen  Schiefer  ausgezeichnet  ist, 
herrscht  einfacher  Bau  und  verhältnismässig  ruhige  Lagerung,  welche 
auch  eine  ziemlich  einfache  orographische  Gestaltung  zur  Folge  hat. 

Li  jenem  Theile  dieses  Gebietes,  der  zwischen  dem  Raspotsattel, 
der  Idrica  und  unteren  Kanomlja  liegt  (Tebelo  brdo),  bestehen 
die  Höhen  aus  dem  flachliegenden,  mächtigen  Dolomite  des  Muschel- 
kalkes, unter  welchem  in  den  Erosionsthälern  der  Kalkschiefer  der 
oberen  Werfener  Schichten  blossgelegt  ist.  Auf  der  Ostseite  des 
Idricathales  senkt  sich  die  Unterlage  tiefer  herab,  infolge  dessen  sind 
über  den  Dolomiten  (und  Breccien)  des  Muschelkalkes  an  vielen 
Stellen  die  Wengener  Schichten  und  Cassianerkalke  in  Form  von 
Erosionsresten  erhalten  und  bilden  die  Gipfelplatform  von  mehr 
oder  minder  ausgedehnten  Waldplateaus.  Hieher  gehören: 

1.  Der  Mrutni  vrh  (beim  Gehöfte  Mocnik),  dessen  Kalke  von 
Lipo'ld  für  Muschelkalk  gehalten  wurden,  sich  aber  dadurch,  dass 
sie  randlich  überall  auf  Wengenermergeln  und  -Sandsteinen  auflagern, 
als  Cassianer  Schichten  erweisen,  wofür  auch  der  petrographische 
Charakter  ganz  unzweideutig  spricht. 


[5]         Ueber  die  geologischen  Verhältnisse  des  Bergbaiierphietes  von  Tdria. 


264  Dr.  Franz  Kossmat.  [6] 

2.  Die  Höhe  des  Jelicen  vrh  (St.  Magdalena),  welche  der 
vorigen  sehr  ähnlich  ist  und  von  ihr  nur  durch  einen  kleinen  Sattel 
getrennt  wird. 

[Die  Kalke  dieses  Plateaus  wurden  bereits  von  Lipoid  zu  den 
Cassianer  Schichten  gerechnet.] 

3.  Eine  kleine  Partie  von  fossilführenden  Cassianerkalken  zwischen 
den  obersten  Armen  des  Lubeucthales. 

4.  Das  Plateau  von  Lesetenza.  (Von  Lipoid  als  unterer 
Muschelkalk  ausgeschieden.) 

Auf  den  genannten  Höhen  entspringen  zahlreiche  Seiteiigräben 
der  Idrica  und  des  Lubeucthales,  welche  bis  auf  die  Doloraitbreccien 
des  Muschelkalkes,  zum  Theile  sogar  bis  auf  die  Werfener  Schichten 
einschneiden  und  dadurch  die  ehemals  gewiss  zusammenhängende 
Decke  von  Cassianerkalk  in  isolierte  Partien  zerlegen. 

Ganz  im  Gegensatze  zu  dieser  einfach  und  ruhig  gelagerten 
Region  zeigt  sich  die  Trias  südlich  der  genannten  Hauptstörung 
von  zahlreichen  Nebenbrüchen  durchsetzt,  welche  zum  Theile  sehr 
verschiedene  Richtungen  verfolgen  und  stellenweise  ein  förmliches 
Sprungnetz  bilden. 

Im  Bereiche  des  Wei  ch  en  thales  (zwischen  dem  Raspotthal 
und  der  Nikova),  wo  Muschelkalk-Dolomit  und  Aufbrüche  von  Wer- 
fenerschiefer das  Gebirge  aufbauen,  zeigt  sich  eine  eigenthümliche 
Convergenz  der  Dislocationen,  indem  die  nördlichen  von  WNW  nach 
OSO,  die  südlichen  hingegen  —  darunter  auch  der  Randbruch  gegen 
die  Kreide  der  Nikova  —  von  WSW  nach  ONO  streichen,  derart, 
dass  in  der  Nähe  des  Raspotsattels  die  schmälste  Stelle  der  Ueber- 
schiebungszone  ist;  verfolgt  man  aber  dieselbe  weiter  nach  Osten,  so 
sieht  man  sehr  bald  wieder  ein  Zertheilen  der  Bruchlinien  eintreten 
und  in  der  Umgebung  des  Idricaflusses,  im  unmittelbaren  Stadtgebiete 
von  Idria  ein  Maximum  erreichen.  Zunächst  schiebt  sich  die  Dolomit- 
masse des  Calvarienberges  (N  der  Nikova,  W  der  Idrica)  keil- 
artig ein,  und  die  durch  den  Aufbruch  der  palaeozoischen  Schiefer, 
sowie  der  W^erfener  Schichten  ausgezeichnete  Hauptdislocation  spaltet 
sich  demgemäss  in  zwei  Hauptäste,  deren  nördlicher  fast  eine  OW- 
Richtung  annimmt,  während  der  andere  nach  SO  abschwenkt  und 
durch  den  Nordabhang  des  Vogelberges  hindurchgeht. 

Ich  habe  dieses  Gebiet,  welches  abgesehen  von  seiner  com- 
plicirten  Tektonik  dadurch  ein  besonderes  Interesse  gewinnt,  dass 
sich  unter  ihm  der  berühmte  Quecksilberabbau  bewegt,  im  Katastral- 
maßstabe  (1  :  2880)  aufgenommen  und  will  im  Folgenden  bei  seiner 
Besprechung  länger  verweilen.  Die  geologische  Karte,  welche  der 
vorliegenden  Arbeit  beigegeben  ist,  wurde  aus  Raumrücksichten  auf 
1  :  11.500  reducirt,  doch  genügt  auch  dieser  Maßstab  völlig,  um  die 
Detaile  des  verwickelten  Gebirgsbaues  wiederzugeben. 

Von  geologischem  Gesichtspunkte  betrachtet  zerfällt  das  in 
Rede  stehende  Bergbaugebiet,  welches  den  Winkel  zwischen  der 
unteren  Nikova  und  der  Idrica  einnimmt,  in  drei  Theile: 


[7]        Ueber  die  geologischen  Verhältnisse  des  Bergbaugebiet.es  von  Idria.      265 

I.  Cerin  (mit  dein  sogenannten  Erzberg); 
II.  Vogel berg; 

III.  obertriadischer  Zug  entlang  des  Rinn  Werkes 
(an  der  Idrica),  welcher  sich  0  des  Flusses  im  Lubeucthale  fortsetzt. 

Alle  drei  gehören  orographisch  zusammen  und  hängen 
untrennbar  mit  dem  waldigen  Kreidekalkplateau  auf  der  Westseite 
der  Strugschlucht  zusammen. 

V 

a)  Cerin. 

Der  Abhang  des  Cerin  gegen  die  Idrica  besteht  aus  Werfener 
Schichten,  welche  überall  dort,  wo  das  Fallen  zu  beobachten  ist, 
eine  mehr  oder  minder  steile  Neigung  bergwärts  zeigen.  Besonders 
schön  und  mächtig  entwickelt  sind  die  unteren,  sandig-glimmerigen 
Werfener  Schichten  mit  eingeschalteten  Dolomitlagen,  während  die 
oberen  nur  selten  und  in  geringer  Mächtigkeit  aufgeschlossen  sind. 
Circa  200  ni  südlich  des  Josephischachtes  sind  innerhalb  des  Werfener 
Complexes  die  im  stratigraphischen  Schema  erwähnten  Oolithe  durch 
einen  kleinen  Steinbruch  entblösst. 

Auf  der  Lipold'schen  Karte  ist  in  der  Nähe  des  Josephi- 
schachtes ein  kleiner  Aufbruch  von  palaeozoischem  Schiefer 
angegeben,  den  ich  jedoch  nicht  mehr  auffinden  konnte,  da  Bau- 
schutt etc.  in  der  unmittelbaren  Umgebung  den  Untergrund  verhüllt. 

Ueber^  den  Werfener  Schichten  folgt  mit  gleichem,  ebenfalls 
gegen  die  Cerinhöhe  gerichteten  Einfallen  die  typische  Dolomit- 
breccie  des  Muschelkalkes,  welche  auf  der  Kuppe  von  den 
h  0  r  n  s  t  e  i  n  r  e  i  c h  e  n  W e  n  g  e  n  e  r  t  u  f  f  e  n  überlagert  wird,  jedoch  an 
mehreren  Stellen  aus  diesen  herausragt,  ein  Beweis,  dass  die  auf- 
liegende Decke  nur  dünn  ist.  Cassian  er  kalke  kommen  östlich 
der  Cerinhäuser  in  ganz  kleinen  blockartigen  Erosionsresten  über  den 
hornsteinführendcn  Mergeln  zum  Vorschein. 

Eine  scharf  ausgeprägte  Stövungslinie,  an  welcher  alle  Schicht- 
glieder des  Cerin  nacheinander  abschneiden,  bildet  die  Grenze  gegen 
den  Vogelberg.  Im  Brandgraben,  welcher  in  SO-NW-Ilichtung  zur 
Nikova  herabkommt  und  in  der  Nähe  des  Antonistollens  endigt,  wird 
diese  Dislocation  in  einem  ziemlich  tiefen  Niveau  angeschnitten  und 
dadurch  in  ziemlicher  Ausdehnung  der  palae  o  zois  che  Schiefer 
blossgelegt,  welcher  die  Störungslinie  sehr  auffallend  bezeichnet. 
Sobald  man  höher  hinauf,  zum  Sattel  zwischen  Cerin  und  Vogelberg 
steigt,  tauchen  diese  Schiefer  unter  und  kommen  erst  auf  der  jen- 
seitigen Abdachung,  beim  Hause  Kogej,  wieder  zum  Vorscheine. 

b)  Vogelberg'. 

Der  Vogelberg,  welcher  sich  SW  des  Cerin  erhebt  und  diesen 
nicht  unbedeutend  überragt,  zeigt  im  Aufbaue  und  im  Schichten- 
materiale  eine  derartig  überraschende  Aehnlichkeit  mit  dem  erst- 
genannten Berge,  dass  er  auf  der  geologischen  Karte  eine  fast 
vollständige  Wiederholung  desselben  darstellt,  weshalb  J^ipold  (1.  c. 
S.  450)    sogar    die   Vermuthung   aussprach,    dass  der  Cerin  nur  eine 


266  Dr-  Franz  Kossmat.  ,  [8] 

vom  Vogelberg  abgerutschte  Partie  darstelle,  eine  Ansicht,  welche 
sich  allerdings  aus  Gründen,  die  später  zu  erörtern  sind,  nicht  be- 
stätigt. Auch  am  Vogelberge  besteht  der  Sockel  aus  Werfener 
iSchichten,  von  denen  auch  hier  die  untere  Abtheilung  mächtig 
entwickelt  ist,  während  die  kalkigeren  oberen  Schichten  zwar  vor- 
handen, aber  nur  in  geringerer  Verbreitung  und  Mächtigkeit  auf- 
geschlossen sind.  Ueber  diesen  Schichten  baut  sich,  gleichfalls 
bergwärts  fallend  wie  die  Unterlage  die  Dolomitb  re  ccie  des 
Muschelkalkes  auf,  welche  auf  der  Höhe  des  Vogelberges  von 
den  W  engen  er  Schichten  (Hornsteintuffe  und  Sandsteine  mit 
Tracliyceras  Idrianum  Mojs.,  DaoneUa  Lommell  Wissm.  etc.)  überlagert 
wird.  Von  der  Skonzafacies  sind  sowohl  auf  dem  Cerin  als  auch  auf 
dem  Vogelberge  nur  geringe  Spuren  nachzuweisen,  was  wohl  damit 
zusammenhängt,  dass  in  den  Wengener  Schichten  tieferreichende  Ein- 
schnitte nicht  vorkommen  und  infolge  dessen  nur  das  verwitterte  Aus- 
gehende zu  sehen  ist,  an  welchem  die  charakteristischen  Eigenthüm- 
lichkeiten  der  einzelnen  Facies  mehr  oder  minder  verschwinden.  In 
der  Regel  ist  das  Verbreitungsgebiet  der  Wengener  Schichten  durch 
eine  Ueberstreuung  mit  den  gebänderten  Hornsteinen  und  Kiesel- 
schiefern ausgezeichnet,  da  natürlich  diese  der  Verwitterung  den 
grössten  Widerstand  entgegensetzen. 

Cassianerkalke  konnte  ich  auf  dem  Vogelberge  nicht  auffinden. 

Die  ganze  Schichtfolge  des  Vogelberges  schneidet  an  einer 
ungewöhnlich  scharfen,  auch  landschaftlich  sehr  auffälligen  Verwerfung 
gegen  die  Kreidekalke  ab.  Die  Bruchlinie,  welche  an  der  Nikova 
von  der  Hauptdislocation  des  Cerin  abzweigt,  ist  besonders  schön 
aufgeschlossen  in  der  „Grapa",  in  welcher  auf  eine  sehr  lange  Strecke 
die  Südwestseite  von  einer  Harnischfläche  gebildet  wird,  welche  die 
Kreidekalke  begrenzt  und  steil  —  60  — 80°  —  ONO  fällt,  während 
auf  der  gegenüberliegenden  Seite  des  Baches  die  Triasbildungen  des 
Vogelberges  anstehen.  Eine  eigenthümliche  Erscheinung  ist  es,  dass 
der  Werfenerschiefer,  welcher  um  die  Basis  des  Vogelberges  herum- 
schwenkt und  die  „Grapa"  von  unten  nach  oben  auf  eine  ziemliche 
Entfernung  begleitet,  nicht  constant  entlang  der  Grenzverwerfung 
gegen  die  Kreide  verläuft,  sondern  von  derselben  durch  einen 
schmalen  Zug  von  Dolomitbreccie  getrennt  ist.  Es  handelt  sich  hier 
um  eine  Parallelstörung  zur  südlichen  Grenzdislocation,  welche  beson- 
ders dadurch  klar  zum  Ausdrucke  kommt,  dass  an  einer  Stelle  inner- 
halb des  genannten  Zuges  von  (oberen)  Werfenerschiefern  ein  kleiner 
Aufbruch  von  Silberschiefer  (palaeozoischer  Schiefer)  zu  constatiren 
war,  der  sich  in  grösserer  Tiefe  sicherlich  zu  einer  ähnlichen 
Zone  entwickelt,  wie  der  palaeozoische  Zug  des  Brandgrabens  zwischen 
Öerin  und  Vogelberg.  Man  darf  eben  nicht  vergessen,  dass  im  unteren 
Brandgraben  die  Entblössung  tiefer  reicht  als  an  der  Südwestab- 
dachung des  Vogelberges. 

c)  Ober  triadische  Partie  entlang  des  „Rinnwerkes". 

Sowohl  der  Cerin  als  auch  der  Vogelberg  stossen  im  Osten  an 
einer   Dislocation    scharf    gegen    den    oberen    Triaszug    ab,    welcher 


[9]         Ueber  die  geologischen  Verhältnisse  des  Bergbaugebietes  von  Tdria.      267 

entlang    des    sogenannten  Rinnwerkes   vom  Podrotheagraben  bis  nahe 
zur  Semlia  (beim  Josephischacht)  reicht. 

1.  Südlich  des  Josephischachtes  sind  entlang  des  Rinnwerkes 
typische  C  a  s  s  i  a  n  e  r  p  1  a  1 1  e  n  k  a  1  k  e  aufgeschlossen,  in  denen  Lipoid 
einige  bezeichnende  Petrefacten  auffand.  Diese  Schichten,  welche 
starken  Stauchungen  und  Biegungen  ausgesetzt  waren,  im  allge- 
meinen aber  ein  gegen  den  Cerin  gerichtetes  Einfaljen  zeigen, 
schneiden  nacheinander  die  älteren  Triasbildungen  des  Cerin,  d.  h. 
die  Werfenerschiefer,  Dolomitbreccien  und  Wengener  Schichten  ab 
und  schwenken  mit  einer  halbmondförmigen  Biegung  in  den  Cerin- 
graben  hinein,  an  dessen  oberen  P]nde  sie  die  mehrfach  erwähnte 
Hauptdislocation  des  Vogelberges  treffen. 

Auch  nördlich  der  Idrica,  an  der  Mündung  des  Skonzagrabens 
taucht  mitten  aus  den  unteren  Werfener  Schichten  eine  kleine  Partie 
dieser  Cassianerkalke  in  der  unmittelbaren  Fortsetzung  des  Haupt- 
zuges empor. 

Entlang  der  gekrümmten  Linie,  an  welcher  der  Cerin  mit  dem 
Cassianerkalkzuge  zusammenstösst,  fand  ich  einen  ganz  schmalen 
Streifen  von  typischem  Silberschiefer  (palaeozoischer  Schiefer),  welcher 
besonders  deutlich  auf  der  nördlichen  Seite  des  Ceringrabens  zu 
verfolgen  ist  und  den  Wengenerschiefer  der  Cerinkuppe  vom 
Cassianerkalke  des  Graben  sehr  scharf  trennt,  wodurch  auch  hier  die 
Bruchlinie  gekennzeichnet  ist. 

2.  Eine  zweite,  südliche  Partie  von  Cassianerkalk  grenzt  den 
Vogelberg  im  Osten  ab ;  auch  hier  treten  die  verschiedenen  Schicht- 
glieder nacheinander  an  den  Kalk  heran  und  auch  hier  ist  die 
Grenzlinie,  wenigstens  an  einer  Stelle,  durch  das  Zutagetreten  der 
palaeozoischen  Schiefer  ausgezeichnet.  Die  südliche  Zone  der  Cassianer- 
kalke ist  ein  wenig  breiter  als  die  nördliche,  zeigt  aber  gleichfalls 
ein  vorwiegend  bergwärts  (also  westlich)  gerichtetes  Verflachen,  wobei 
allerdings  untergeordnete  Faltungs-  und  Knickungserscheinungen  häufig 
locale  Abweichungen  herbeiführen. 

Im  Liegenden  der  Cassianerkalke  kommt  am  Rinnwerke 
von  der  Mündung  des  Podrotheagrabens  bis  zum  Öeringraben  der 
W  e  n  g  e  n  e  r  s  c  h  i  e  f  e  r  zum  Vorschein,  welcher  in  der  Umgebung 
des  Hauses  Kogej  (S  v.  Ceringraben)  direct  an  die  Hauptstörung 
des  Vogelberges  herantritt  und  auf  diese  Weise  den  nördlichen 
Cassianerkalkzug  (am  östlichen  Cerinabhang)  vom  südlichen  Zuge 
(am  südöstlichen  Vogelbergabhang)  völlig  trennt.  An  mehreren  Stellen 
taucht  unter  ihm  sogar  die  aus  Dolomitbreccie  bestehende 
Unterlage  empor  und  bildet  kleine  Kuppen  innerhalb  der  weichen 
Mergel.  (Vergl.  die  Partien  W  des  Seilsteges,  der  vom  Hause  Gruden 
über  die  Idrica  führt.) 

d)  Ostseite  des  Idricathales. 

(Zwischen  Podrothea  und  Skonzagraben.) 

Der  nördliche  Cassianerkalkzug  des  Rinnwerkes  quert  die 
Idrica  an  der  Mündung  des  Lubeucthales  und  zieht  mit  ausgesprochenem 
WNW — OSO-Streichen  in  diesem  Thale  aufwärts   bis  zu   seiner  Ver- 


k 


268  Dr-  Franz  Kossmat.  [10] 

eiiiiguiig  mit  dem  Grohatgraben.  Die  Breite  dieser  Kalkzone  ist  am 
Idricaflusse  noch  ziemlich  beträchtlich,  nimmt  aber  nach  Osten  rasch 
ab.  An  zwei  Stellen :  1.  Am  Südufer  des  Lubeucbaches,  gegenüber  der 
Einmündung  des  Rossgrabens  (SO  von  Ferdinandischacht),  2.  in  der 
Fortsetzung  des  VVengener  Aufschlusses  an  dem  westlichen  Idricaufer, 
kommt  der  W  e  n  g  e  n  e  r  s  c  h  i  e  f  e  r  unter  dem  Kalke  heraus.  Beson- 
ders instructiv  ist  der  erstgenannte  Aufschluss,  an  welchem  die  steil 
gestellten  und  mannigfach  geknickten  Wengener  Schichten  deutliche 
Pflanzenspuren  führen  und  dadurch  ihre  Zugehörigkeit  zur  Skonza- 
facies  erweisen.  Die  Cassianerkalke  streichen  aber  auch  hier,  wenn 
auch  bedeutend  verschmälert,  auf  der  Nordseite  des  Lubeucbaches 
durch  den  unteren  Rossgraben  durch,  zeigen  steiles,  nach  SSW  ge- 
richtetes Verflachen  —  genau  so,  wie  auch  auf  der  ganzen  Strecke 
von  hier  bis  zum  Idricaflusse  —  und  besitzen  mitunter  knollige  Schicht- 
flächen, eine  Erscheinung,  die  man  sehr  häufig  in  diesem  Horizonte 
wahrnehmen  kann. 

Die  Cassianer  Schichten  des  Lubeucthales  stossen  im  Norden 
unmittelbar  an  die  unteren  sandig -glimmerigen  Werfener 
Schichten,  welche  die  Basis  des  Jelicen  vrh  bilden  und  von  den 
hier  fossilführenden  Mergelkalken  und  Mergeln  der  oberen  Werfener 
Schichten  überlagert  werden,  auf  denen  sich  —  immer  mit  nördlichem 
l)is  nordöstlichen  Verflachen  —  die  Dolomitbreccien,  die  Wengener 
Schichten  und  der  Cassianerkalk  (von  St.  Magdalena)  in  normaler 
Reihenfolge  aufbauen. 

Die  Fortsetzung  der  Störung,  welche  sich  am  Franzschachte  durch 
das  Emportauchen  der  palaeozoischen  Schiefer  kundgibt,  ist  im  Lubeuc- 
thale  durch  den  palaeozoischen  Zug,  der  innerhalb  der  Werfener  Zone 
vom  unteren  Skonzagraben  zum  Ferdinandischacht  verläuft,  angedeutet. 

Im  Süden  grenzt  der  Kalkzug  des  Lubeucthales  mit  einer  scharfen, 
stellenweise  durch  den  Bach  aufgeschlossenen  Dislocatiou  an  die  unteren 
Werfener  Schichten  des  Zagodaabhanges  ;  auch  hier  liegt  über  letzterer 
Abtheilung  die  ganze  Schichtfolge  bis  zu  den  Cassianerkalken,  ja 
weiter  östlich  sogar  bis  zu  den  Raibler  Schichten. 

Von  der  Kreide  des  Salathaies  ist  der  Zagoda  noch  durch  eine 
ebenfalls  stark  gestörte  Triaszone  getrennt,  in  welcher  lange,  schmale 
Züge  von  Werfener  Schichten  als  Aufbrüche  innerhalb  der  Dolomit- 
breccien des  Muschelkalkes  erscheinen.  (Siehe  Fig.  2.) 

Trägt  man  den  Verlauf  der  im  Vorhergehenden  besprochenen 
Hauptstörungslinien  der  Umgebung  von  Idria  auf  eine  Kartenskizze  ein, 
so  erhält  man  das  auf  pag.  263  [5]  dargestellte  schematische  Bild, 
aus  welchen  man  deutlich  ersieht,  dass  der  Querbruch,  welcher 
die  Triaspartie  des  Rinnwerkes  nach  Westen  abgrenzt, 
durch  die  L ä n g s s t ö r u n g e n  (Streichen  NW — SO)  gekreuzt 
und  abgeändert  wurde,  mithin  älter  ist  als  sie^).  Dies 
kommt  vor  allem  im  Folgenden  zum  Ausdrucke : 


^)  Wenn  gesagt  wird,  dass  der  Qiierbruch  älter  ist  als  die  Längsstörungen, 
soll  damit  übrigens  keineswegs  gemeint  sein,  dass  es  sich  um  eine  erhebliche 
Altersdifferenz  handelt.  Es  sind  vielmehr  beide  Kategorien  von  Dislocationen  er- 
wiesenermaßen postcretacisch  und  gehören  jedenfalls  nur  verschiedenen  Phasen 
der  gleichen  Störungsperiode  an. 


[11]      Ueber  die  geologischen  Verliältnisse  des  Bergbaugebietea  von  Idria.        269 

1.  Die  südliche  Randverwerfung  zwischen  Trias  und  Kreide 
schneidet  den  Querbruch  gänzlicli  ab. 

2.  Die  Hauptdislocation  zwischen  Vogelberg  und  Öerin  lenkt 
ihn  (den  Querbruch)  ab  und  bringt  die  ^eigenthümliche  spitzwinklige 
Ausstülpung  des  Cassianerkalkzuges  im  Öeringraben  zustande.  Auch 
das  Auftauchen  der  Wengener  Schichten  und  Dolomitbreccien  beim 
Hause  Kogej  und  die  hiedurcii  bewirkte  Trennung  der  beiden  Kalk- 
züge des  Rinnwerkes  steht  mit  dieser  Erscheinung  in  Einklang. 

3.  Am  Nordufer  der  Idrica,  in  der  (iegend  des  unteren  Skonza- 
grabens  streicht  die  WNW— OSO-Dislocation,  welche  aus  der  Gegend 
des  Raspotsattels  über  den  Franzschacht  zum  Ferdinandischacht  im 
Lubeucthal  zieht,  senkrecht  auf  den  genannten  Querbruch  und  schneidet 
ihn  gleichfalls  ab. 


Fig-.  2.  Profil  durcli  das  Lubeucthal  vom  Jelicen  vrh  zum  Salabach. 

Maßstab:   1:25.000. 


W  =  Werfener  Schiefer.    —    DBr  =  Dolomitbreccie  des  Muschelkalks.  —    IVg  = 

Wengener  Schiefer  (incl.  Skonzafacies).  —  CD  =  Cassianer  Dolomit  (auf  dem  Zagoda- 

gehänge.  —  CK  =  Cassianerkalk.  —  Kr  =  Kreidekalk. 


In  dem  complicirten  Sprungnetze,  welches  die  Trias  von  Idria 
durchsetzt,  spielt  somit  der  Querbruch  an  der  Idrica  eine  ganz  hervor- 
ragende Rolle,  umsomehr,  als  Andeutungen  vorliegen,  dass  auch  weiter 
im  Süden,  in  den  Kreidekalken  der  Strug  (eingeklemmter  Flyschzug 
in  der  Tiefe  der  Idricaschlucht)  und  im  Norden,  von  der  Mündung 
der  Nikova  abwärts,  entlang  des  Flusses  eine  nordsüdliche  Verwerfungs- 
linie vorhanden  ist. 

Wahrend  nämlich  gegenüber  der  Quecksilberhütte  auf  dem 
We  stuf  er  der  Idrica  unter  den  Dolomiten  des  Muschelkalkes  die 
unteren  Werfener-  und  palaeozoischen  Schiefer  in  Form  von  lang- 
gestreckten Zügen  auftauchen  (vergl.  den  Nord-  und  Südabhang  des 
Calvarienberges),  findet  man  sofort  auf  der  Ostseite  der  Idrica  in  der 
gleichen  Streich linie  eingeklemmte  Züge  von  typischen  Skonza- 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Keichsanstalt,  1899,  49.  Band,  2.  Heft.  (Fr.  Kossmat.)       35 


270  I^i"-  Franz  Kossmat.  [12] 

schichten.  Die  durchgreifende  Regel  ist,  dass  auf  der  Ostseite  die 
tälteren  Schichten  in  einer  grösseren  Tiefe  liegen  als  auf  der  West- 
seite, dass  also  —  und  dies  gilt  auch  für  die  Partie  am  Rinnwerke  — 
die  Gesteinsreihe  auf  dem  östlichen  Flügel  der  Verwerfung  gegenüber 
jener  auf  dem  westlichen  Flügel  entweder  tiefer  abgesunken  oder 
minder  hoch  gehoben  ist,  was  ja  schliesslich  auf  das  gleiche  hinausläuft. 

Diese  Regel  gilt  in  gleicher  Weise  für  das  einfach  gebaute  Gebiet 
nördlich  der  Hauptüberschiebung,  wie  für  die  complicirten  Partien 
südlich  dieser  Dislocation;  so  steht  zum  Beispiel  in  Bezug  auf  die 
Anzahl  der  vertretenen  Schichtglieder  das  Bruchgebiet  des  Weichen- 
thaies (W  der  Idrica)  zu  jenem  des  Zagoda  (0  der  Idrica)  in 
gleichem  Verhältnisse,  wie  das  nördlich  davon  gelegene  Plateau  des 
Tebelo  brdo  zu  jenem  des  Magdalena  und  Mrutni  vrh.  Es 
ist  dies  gleichfalls  ein  Umstand,  der  dafür  spricht,  dass  die  Längs- 
störungen erst  gebildet  wurden,  als  der  Querbruch  und  die  durch  ihn 
bedingten  Niveauunterschiede  der  Sedimente  diesseits  und  jenseits 
des  heutigen  Idricathales  bereits  vorhanden  waren. 

Eine  besondere  Bedeutung  gewinnt  die  letztgenannte  Dislocation 
aber  dadurch,  dass  sie  sich  den  Ueberschiebungen  gegenüber  nicht  rein 
passiv  verhielt,  sondern  ganz  deutlich  ein  Zersplittern  dieser  bewirkte. 

Wenn  man  nämlich  die  zahlreichen  Störungen  von  Idria  nach 
Westen  verfolgt,  so  kann  man  beobachten,  dass  sie  rasch  convergiren 
und  sich  bereits  auf  dem  Raspotsattel  mit  der  grossen  Ueberschiebung 
vereinigen,  welche  hinüber  zum  oberen  Kanoinljathal  streicht;  die- 
selbe Vereinfachung  kann  man  beobachten,  wenn  man  von  Idria  nach 
Osten  geht  und  die  Ueberschiebung  im  Lubeucthale  verfolgt. 

Die  grosseQuerkluft  und  das  mit  ihr  in  Zusammen- 
hang stehende  Zersplittern  der  NW— SO  -Brüche  gewinnt 
dadurch  an  Wichtigkeit,  dass  gerade  in  der  Region,  wo 
die  Complication  das  Maximum  erreicht,  das  Queck- 
silbervorkommen ist,  während  wederimWestennoch  im 
Osten  eine  Erzführung  angetroffen  wurde. 

Wenn  man  nun  auch  bereits  aus  den  geologischen  Verhältnissen 
an  der  Tagesoberfläche  einen  Einblick  in  den  Aufbau  des  besprochenen 
Gebietes  gewinnt,  so  erhält  man  doch  ein  klares  Bild  von  der  Be- 
schaifenheit  und  Bedeutung  der  einzelnen  Störungen  erst,  wenn  man 
in  den  Kreis  der  Beobachtung  auch  die  Erscheinungen  im  Bergbaue 
einbezieht,  welche  ganz  überraschende  Aufschlüsse  über  den  verti- 
c  al  e  n  Verlauf  einer  Anzahl  von  Brüchen  geben,  deren  P  r  o j  e  c  ti  o  n 
man  an  der  Oberfläche  studieren  kann.  Ich  gehe  daher  im  Folgenden 
auf  die  Besprechung  des  Grubenbaues  über. 


Nordwestgrube. 

Profil  1,  Tafel  XI. 

Da   die  Ausrichtung   in   diesem    älteren  Grubentheile  ')    bereits 
viel    weiter   gediehen   ist    als  in   der  Südostgrube    und    dadurch  das 


^)  Die    wichtigsten    obertägigeii    Einbaue    der    NW-Grube    sind:     Inzagli 
Theresia-  und  Franzschacht,  ferner  der  nahezu  400  Jahre  alte  Antonistollen. 


[13]      lieber  die  geologischen  Verhältnisse  dos  Bergbaugebietes  von  Idria.      271 

geologische  Bild  in  den  einzelnen  Horizonten  bereits  niilier  dem 
Abschliisse  ist,  empfiehlt  es  sich,  in  der  Darstellung  mit  dieser  Ab- 
theilung zu  beginnen,  obgleich  gerade  hier  die  verwickeltsten  Ver- 
hältnisse herrschen. 

Die  Quecksilberlagerstätte  befindet  sich  in  Gesteinen  der 
mittleren  Trias  und  ist  sowohl  nach  NNO  als  auch  nach  SSW  durch 
Ueberschiebungen  begrenzt,  welche  gegen  die  Oberfläche  derart 
convergiren,  dass  sie  sich  noch  in  den  obersten  Laufstrecken  (I.  Lauf 
und  Horizont  des  Antonistollens)  nahezu  vereinigen  und  die  erz- 
führende Partie  keilförmig  abstutzen. 

Der  Verlauf  der  beiden  Grenzüberschiebungen  ist  WNW — OSO, 
entsprechend  der  Richtung  des  oberen  Kanomljathales  und  Lubeuc- 
thales,  in  deren  Verbindungslinie  sie  liegen;  das  Fallen  der  Kluft- 
flächen ist  vorwiegend  nach  NNO  gerichtet. 


I.  Nordcontact. 

Von  Norden  her  tritt  an  die  Lagerstätte  unmittelbar  der  milde, 
schwarze  palaeozoische  Schiefer  heran,  welcher  nahe  der  Grenz- 
verwerfung häufig  gediegenes  Quecksilber  führt  und  davon  den  Namen 
„Silberscliiefer"  erhalten  hat.  Sein  Contact  mit  den  erzführenden 
Schichten  der  mittleren  Trias  steigt  in  den  tieferen  Läufen  (vom  XI. 
aufwärts  zum  III.)  sehr  steil  an,  legt  sich  dann  aber  rasch  flach, 
derart,  dass  im  II.  Laufe  noch  N  und  S  des  Inzaghischachtes  der 
Triasdolomit  auf  weite  Erstreckung  ausgerichtet  ist,  während  im 
I.  Lauf,  00  m  höher,  der  Silberschiefer  bis  nahe  an  die  südliche 
Hauptverwerfung  reicht,  also  flach  über  die  Hauptpartie  der  Lager- 
stätte hinweggeht. 

Mit  zwei  Zungen,  deren  tektonische  Bedeutung  weiter  unten 
erörtert  werden  soll,  greift  der  Schiefer  aus  dem  Dache  in  die  erz- 
führende Trias  ein. 

Zeichnet  man  auf  einer  grösseren  Karte  die  Grenzen  der  Lager- 
stätte ein,  so  zeigt  sich,  dass  diese  fast  völlig  unter  den  Cerin  zu 
liegen  kommt,  und  da  der  letztere  aus  einer  Schichtfolge  aufgebaut 
ist,  welche  nach  unten  mit  t  y  p  i  s  c  h  e  n,  f  o  s  s  i  1  f  ü  h  r  e  n  d  e  n  u  n  t  e  r  e  n 
Werfen  er  Schichten  abschliesst,  aus  denen  stellenweise  der- 
selbe palaeozoische  Schiefer  aufbricht  (in  der  Umgebung  von  Josephi- 
schacht und  auf  der  nördlichen  Idricaseite  in  der  Gegend  des  Franz- 
schachtes), welcher  in  der  Grube  das  Dach  der  mitteltriasischen 
Lagerstätte  bildet,  so  ergibt  sich  mit  voller  Gewissheit,  dass  die 
Masse  des  Cerin  aufgeschoben  ist  auf  die  Schichten- 
reihe des  Grubenbaues.  Auf  diese  wichtige  Thatsache  hat 
zuerst  Lipoid  klar  und  bestimmt  hingewiesen  (1.  c.  S.  450). 

Bezüglich  der  „Silberschiefer"  wurde  vor  einigen  Jahren  (vergl. 
die  Einleitung  zur  Schrift:  Geolog.-bergmännische  Karten  etc.  von 
den  Quecksilberlagerstätten  in  Idria.  Wien  1893,  herausgegeben  vom 
k.  k.  Ackerbauministerium)  von  Professor  Höfer  die  Vermuthung 
ausgesprochen,  dass  der  mit  diesem  Namen  belegte  Gesteinscomplex 
nicht  zu  den  palaeozoischen  Schiefern,  sondern  zu  den  Lagerschiefern 

35* 


272  ^^'  Franz  Kossmat,  [14] 

(Skonzaschichten)  der  mittleren  Trias  gehöre  i).  —  Ich  hatte 
sowohl  1897,  als  im  Vorjahre  die  Gelegenheit,  den  „Silberschiefer" 
aus  dem  Gebiete  des  oberen  Kanomljathales  durch  Idria  hindurch 
in  das  Lubeucthal,  obere  Salathal  und  weiterhin  bis  nach  „Potok" 
(N  von  Leskouc  und  Veherce  an  der  Ober-Laibacherstrasse)  zu  ver- 
folgen; ich  fand  denselben  Schiefer,  mit  absolut  gleicher  Be- 
schaffenheit wie  im  Grubenbaue,  auch  bei  Gereuth,  wo  er  in 
der  Mitte  einer  Aufwölbung  der  unteren  Werfenerschiefer  zum 
Vorschein  kommt,  und  konnte  denselben  auch  noch  weiter  östlich  an 
einer  grossen  Querstörung,  welche  aus  der  Umgebung  von  Za  Plana 
zur  Ebene  von  Loitsch  hinausstreicht,  in  grösserer  Ausdehnung 
beobachten.  Nun  ist  aber  in  den  Wengener  Schichten  des  schönen 
Profiles  von  Gereuth  die  Skonzafacies,  welche  ja  überhaupt  nur 
für  die  unmittelbare  Umgebung  von  Idria  bezeichnend  ist,  gänzlich 
verschwunden,  und  in  der  ganzen,  hier  ausserordentlich 
ruhig  und  einfach  gelagerten  Triasfolge  ist  kein  Niveau 
vorhanden,  welches  mit  den  erwähnten  schwarzen 
Silberschiefern  nur  einen  Augenblick  verwechselt 
werden  könnte.  Nimmt  man  hiezu  noch  die  eigenthümliche  Ver- 
breitung dieser  Schichten,  welche  überall  im  untersuchten  Gebiete 
an  den  Bereich  der  Werfener  Schichten,  also  der  tiefsten  Trias- 
bildungen, gebunden  sind  und  in  Form  von  langen  Zügen  die  Haupt- 
dislocationslinien  begleiten,  so  muss  man  unbedingt  der  Ansicht 
Stur's  und  Lipold's  beipflichten,  dass  man  es  mit  palaeozoischen 
Gebilden  zu  thun  hat,  umsomehr,  als  ja  bereits  in  dem  unmittelbar 
anstossenden  Gebiete  des  Blattes  „Bischoflack — Ober-Idria"  diese 
älteren  Schichten  eine  grosse  Rolle  spielen. 

Der  Silber  schiefer  in  der  Grube  ist  übrigens  nicht  nur  petro- 
graphisch  mit  jenem  an  der  Aufbruchslinie  Ober-Kanomljathal — Lubeuc- 
bach  identisch,  sondern  hängt  mit  ihm  ununterbrochen  zusammen, 
wie  durch  die  obertägigen  und  untertägigen  Aufschlüsse  in  der 
Gegend  des  Franzschachtes  klar  erwiesen  ist.  Andererseits  ist  wieder 
der  Lagerschiefer  in  der  Grube  immer  mit  den  typischen  Lager- 
(Skonza-)  Sandsteinen  und  sogenannten  Tufl"en  in  engster  Ver- 
bindung, so  dass  eine  Trennung  der  beiden  fraglichen  Schiefer- 
horizonte bei  näherem  Studium  immer  durchführbar  ist. 

Ausserdem  zeigen  Lager-  und  Silberschiefer  trotz  ihrer  Aehn- 
lichkeit  in  Farbe  und  Consistenz  doch  petrographische  Unterscheidungs- 
merkmale, indem  der  letztere  Schichtcomplex  immer  durch  einen 
feinschuppigen  Glimmerbelag  auf  den  Spaltflächen  ausgezeichnet  ist 
und  auf  den  Rutschflächen  fettigen  Glanz  besitzt,  während  dem  Lager- 
schiefer der  Glimmerbelag  fehlt  und  die  Rutschflächen  anthracitischen 
Glanz  haben. 

Auch  die  Analysen  der  beiden  Gesteine  weichen  von  einander 
ab,  da  der  Silberschiefer  einen  bedeutend  höheren  ÄI2  O3 .  Fe^  O3- 
und  niedrigeren  Sl  Og-Gehalt  aufweist  als  der  Lagerschiefer  und 
-Sandstein  (vergl.  die  Analysen  von  Sehr  auf  in  der  citirten  Schrift). 


^)  In  dem  von  A.  Flamin  ek  gescliriebonen  geologischen  Tbeile  ist  übrigens 
die  Lipold'sche  Anschauung  beibehalten. 


[15]     lieber  die  geologischen  Verhältnisse  des  Bergbaugebietes  von  Idria.      273 

II.  Erzführende  Partie. 

Den  wichtigsten  Leithorizont  innerhalb  dieser  stark  gestörten 
Masse  bilden  die  „Lagers chief er  und  -Sandsteine",  weh-he 
als  die  Träger  von  mitunter  reichen  Erzen  seit  jeher  sorgfältig  ver- 
folgt und  auch  auf  den  Grubenkarten  detailirt  eingetragen  wurden.  Im 
Ganzen  scheidet  man  in  der  Nordwestgrube  vier  Züge  von  Lager- 
schiefern aus,  welche  mit  den  Buchstaben  Ä,  B,  C,  J)  benannt  sind  [vergl. 
die  vom  k.  k.  Ackerbauministerium  herausgegebene  Schrift,  S.  IH,  19], 
jedoch  keineswegs  von  einander  unabhängige  Partien  darstellen,  sondern 
in  einem  engen  tektonischen  Verbände  stehen. 

Der  südlichste  Zug,  das  Lager  A,  ist  sowohl  in  verticaler  als 
auch  horizontaler  Ausdehnung  am  meisten  constant  und  setzt  mit 
einem  mittleren  Verflachen  nach  NNO  vom  obersten  Lauf  in  die 
Tiefe  bis  zum  IX.  Lauf  (280  m  unter  dem  Tagkranze  des  Josephi- 
schachtes).  Es  besteht  aus  schwarzen  Schiefern  und  -Sandsteinen  — 
letztere  stellenweise  mit  Pflanzenresten,  welche  denen  des  Skonza- 
grabens  gleich  sind\);  —  an  vielen  Stellen  kann  man,  ebenso  wie  in 
den  Skonzaschichten  der  typischen  Localität,  beobachten,  dass  der 
schwarze  Sandstein  Gerolle  von  Dolomit  aufnimmt,  wodurch  er  in  die 
unmittelbar  anstossende  Dolomitbreccie  übergeht. 

Weit  unregelmässiger  sind  die  übrigen  Hauptlager. 

Lager  Ü  geht  vom  III.  Lauf  mit  nordöstlichem  Verflachen  zum 
IV.  Lauf,  macht  hier  eine  Knickung  und  fällt  bis  zum  VII.  Lauf  steil 
in  SW-Richtung  hinab.  Dann  vollzieht  sich  eine  zweite  Schwenkung, 
und  das  Lager  steigt,  als  Lager  C  bezeichnet,  wieder  steil  empor, 
behält  aber  das  SW-Fallen  noch  bei,  bis  es  im  Zwischenhorizont  vom 
III.  und  IV.  Lauf  sattelartig  umbiegt  und  mannigfach  zersplittert  als 
Lager  D  gegen  den  Nordcontact  fällt,  worauf  es  im  VII.  Lauf  sein 
Ende  erreicht.  —  Im  VIII.  Lauf  sind  noch  die  Ausläufer  der  Lager 
Ä,  B  und  C  vorhanden,  verfliessen  aber  derart  ineinander,  dass 
eine  Trennung  ganz  unmöglich  ist;  im  IX.  Lauf  ist  nur  mehr  ein 
bedeutenderer  Lagerzug  zu  finden,  der  nahe  dem  Südcontact  verläuft 
und  als  Fortsetzung  des  Lagers  A  aufgefasst  werden  kann. 

Ausser  diesen  grösseren  Zügen  sind  noch  an  verschiedenen  Stellen 
der  Nordwestgrube  kleine,  eingeklemmte  Partien  von  Lagerschiefern 
und  Lagersandsteinen  vorhanden,  welche  aber  für  den  Bergbau  von 
geringerer  Bedeutung  sind.  —  Ich  habe  einige  derselben  auf  dem 
Profile  zur  Darstellung  gebracht  (vergl.  den  Zug  am  Nordcontact  im 
III.  Lauf,  ferner  den  schmäleren  Schmitz  zwischen  Lager  A  und  />' 
an  dem  eingreifenden  Keile  von  Silberschiefer  im  III.  und  IV.  Lauf). 
—  Die  Facies  der  Wengenertuffe  tritt  in  der  Nordwestgrube  gegenüber 
der  erwähnten  Entwicklung  (Skonzafacies)  zurück. 

Die  anderen  Schichtgesteine,  welche  in  der  Nordwestgrube  vor- 
kommen, sind  Dolomite,  D o lomitbr e c cie n ,  Conglomerate 
und  Kalke. 

1.  Die  tiefere  Hauptpartie  dieser  Gesteine  ist  nach  oben  durch 
die    Lager  C,  D    und    die  unteren  Ausläufer    von  A    (im  VIII.  Lau.f) 


*)  Lipoid:  1.  c.  pag.  455. 


274  Dr.  Franz  Kossmat.  [16] 

abgeschlossen  und  bestellt  aus  festen  Dolomiten  und  Dolomitbreccien, 
welche  nur  selten  von  untergeordneten  und  schmalen  Schnüren  des 
Lagerschiefers  durchzogen  sind. 

2.  Die  zweite  Dolomitpartie  ist  zwischen  den  Lagern  B,  C,  I) 
und  dem  hangenden  Silberschiefer  eingeschlossen.  Auch  diese  zeigt 
das  gleiche  Gesteinsmaterial  wie  die  tiefere  Partie,  ist  aber  von  mehr 
Schmitzen  des  Lagerschiefers  durchzogen.  In  der  Nähe  der  Hauptlager 
nimmt  der  Dolomit  meistens  den  Charakter  einer  Breccie  oder  sogar 
eines  Conglomerates  an,  welches  durch  Aufnahme  von  schwarzem, 
sandigem  Bindemittel  an  manchen  Stellen  in  den  Lagersandstein 
übergeht. 

3.  Dasselbe  gilt  von  der  Dolomitpartie  zwischen  dem  Lager  B 
und  Ä.  Hier  ist  die  Breccie,  oft  ausgezeichnet  durch  faustgrosse 
Bruchstücke  oder  Gerolle  [sehr  schön  im  IV.  und  VII.  Lauf],  besonders 
näher  dem  Lager  ^4  wohl  entwickelt  und  zeigt  ebenfalls  stellenweise 
Uebergänge  in  Conglomerate  mit  Sandsteinbindemittel. 

Auf  dem  Profil  C — D  der  Tafelbeilagen  zu  der  wiederholt  citirten 
Schrift  über  die  Lagerstätten  von  Idria  sind  die  beiden  letzterwähnten 
Dolomitpartien  als  Cassianer  Schichten  (11)  ausgeschieden,  während 
die  Conglomerate  als  Kalkconglomerate  (10)  der  Wengener  Schichten, 
und  die  Dolomitmassen  der  tieferen  Horizonte  als  „Dolomite  und 
Breccien  der  Gutensteiner  Schichten"  bezeichnet  werden.  Die  Einrei- 
hung der  oberen  Complexe  in  die  Cassianer  Schichten  erfolgte  übrigens 
nur  mit  Vorbehalt,  da  im  Texte  (Seite  18,  19  und  20)  an  den  dies- 
bezüglichen Stellen  immer  von  „Dolomitconglomeraten  und  Breccien 
der  Wengener,  eventuell  Cassianer  Schichten"  die  Rede  ist.  Man 
sieht  also,  dass  mit  der  Bezeichnung  11  auf  dem  Profile  keineswegs 
die  bezeichnende  Cassianerfacies  gemeint  ist,  wie  sie  z.  B.  am  Rinn- 
werke auftritt. 

Ich  habe  im  heurigen  Jahre  bei  häufig  wiederholten  Befahrungen 
der  Nordwestgrube  den  Eindruck  erhalten,  dass  eine  Unterscheidung 
zwischen  den  Dolomitbreccien  oberhalb  der  Lager  yl — />  und  jenen 
unterhalb  der  letzteren  nicht  durchführbar  ist.  Was  ferner  die 
Möglichkeit  einer  Gleichstellung  der  oberen  Dolomite  und  Dolomit- 
breccien mit  den  Cassianer  Schichten  der  Oberfläche  anbelangt,  so 
möchte  ich  dagegen  Folgendes  bemerken : 

1.  Sind  an  denjenigen  Stellen  der  unmittelbaren  Umgebung  von 
Idria,  welche  in  nächster  Beziehung  zu  den  Vorkommnissen  in  der 
Grube  stehen,  also  am  Jelicen  vrh  (St.  Magdalena),  Rinn  werk 
und  Lubeucthal,  die  Cassianer  Schichten  bereits  an  der  Basis  als 
Kalke  entwickelt,  während  das  Auftreten  der  Dolomitfacies  erst  am 
Zagodaberge,  Psenk-  und  PI  an  inarücken  zu  constatiren  ist, 
also  an  Stellen,  wo  auch  schon  in  den  Wengener  Schichten  besondere 
Facieseigenthümlichkeiten  auftreten,  indem  z.  B.  die  so  bezeichnende 
Entwicklung  der  Skonzaschichten  (Lagerschiefer)  nicht  mehr  vor- 
handen ist,  während  man  sie  im  Lubeucthal  und  am  Jelicen  vrh  noch 
beobachten  kann.  Will  man  also  nach  Analogieschlüssen  urtheilen  — 
und  dazu  ist  man  im  vorliegenden  Falle  genöthigt  — ,  so  muss  man 
wohl  erwarten,  dass  auch  in  der  Grube  die  Cassianer  Schichten 
nicht   in  Dolomit-,    sondern   in    Kalkfacies   erscheinen ;    man   hat  also 


[17]      Ueber  die  geologischen  Verhältnisse  des  Bergbaiigebietes  von  Idria.      275 

kaum  Grund,  anzunehmen,  dass  die  erwähnten  Dolomite  und  Breccien 
oberhalb  der  Lager,  welche  noch  dazu  von  sicher  nachgewiesenen 
Dolomiten  und  Breccien  des  Muschelkalkes  nicht  zu  unterscheiden 
sind,  mit  den  Cassianer  Schichten  parallelisirt  werden  dürfen 

2.  Wie  bereits  früher  erwähnt,  zeigen  die  Dolomite  und  Breccien 
aus  dem  Hangenden  der  Lager  die  Neigung,  in  der  Nähe  der  Lager- 
schiefer und  -Sandsteine  die  Structur  gewöhnlicher  Conglomerate  an- 
zunehmen, welche  zum  Bindemittel  einen  dunklen,  bituminösen  Sand- 
stein haben  und  sowohl  petrographisch  als  auch  den  Lagerungs Ver- 
hältnissen nach  vollkommen  dem  Conglomerate  gleichen,  welches  im 
Skonzagraben  in  Verbindung  mit  den  Skonzaschichten  auftritt,  weshalb 
man  die  beiden  Vorkommnisse  auch  seit  jeher  gleichstellte  (vergl. 
auch  die  identische  Bezeichnung  beider  auf  den  Karten  und  Profilen 
zur  citirten  officiellen  Schrift).  Nun  habe  ich  auf  S.  4  erwähnt,  dass 
die  Skonzaconglomerate,  welche  mit  den  Skonzasandsteinen  in  voll- 
kommenem Schichtverbande  stehen,  andererseits  auch  mit  den  Dolo- 
miten und  Dolomitbreccien  des  Muschelkalkes  ein  untrennbares  Ganzes 
bilden,  so  dass  man  also  die  Conglomerate  stratigraphisch  an  die 
Basis  des  Wengener  Complexes  versetzen  muss  und  nicht  in  das 
Hangende,  wie  man  bisher  annahm  \).  Die  scheinbare  Unter- 
lagerung der  Skonzaconglomerate  durch  die  Sandsteine  kann  also 
sowohl  im  genannten  Graben,  wie  auch  in  der  Grube  nur  eine 
Folge   von  Ueberkippung  sein. 

Ich  fasse  daher  die  Dolomite  und  Dolomitbreccien 
im  Hangenden  der  Hauptlager  Ä,  B,  C  und  D  als  iden- 
tisch mit  jenen  der  tieferen  Horizonte  und  in  zweiter 
Linie  auch  als  identisch  mit  den  Dolomitbreccien 
des  Muschelkalkes  der  obertäg ig  aufgeschlossenen  Ge- 
birg s  p  a  r  t  i  e  n  auf. 

Nach  dieser  Auffassung  stellt  also  die  Hangend-Dolomitmasse  eine 
durch  Ueberschiebung  bewirkte  Wiederholung  der  tieferen  Partie  dar  2). 

Dass  thatsächlich  im  erzführenden  Körper  ausser  den  beiden 
Greuzcontacten  noch  andere  Dislocationen  (Ueberschiebungen)  vor- 
handen sind,  beweist  auch  das  Verhalten  des  Silberschiefers,  der 
zwischen  dem  oberen  Theile  des  Lagers  B  und  dem  Hangenden  des 
Lagers  Ä  in  einer  tiefen  Zunge  mit  NNO- Verflachen  bis  unter  das 
Niveau  des  IV.  Laufes  hinabgeht  und  an  einer  Stelle  durch  einen 
aufragenden  Keil  von  Dolomit  gespalten  ist.  (Vergl.  das  Profil.)  Diese 
Zunge  von  Silberschiefer  steht  zum  Lager  B  und  dem  dazugehörigen 
Dolomitcomplexe  in  einem  ganz  analogen  Verhältnisse,  wie  der 
Werfenerschiefer  des  Südcontactes  zur  Lagerpartie  Ä,  und  man  kann 


')  Die  in  meiner  Arbeit,  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1898,  S.  96  erwähnten 
dünnen  Conglomeratbänkchen,  welche  an  der  Localität  Vonöina  in  einem  höheren 
Niveau  auftreten,  liaben,  wie  ich  mich  heuer  überzeugte,  mit  den  echten  Skonza- 
conglomeraten  des  Skonzagrabens  nichts  zu  thun. 

2)  Nur  im  NW- Schlage  des  III.  Laufes  ist  mir  nahe  am  Contacte  mit 
den  Werfener  Schichten  eine  kleine  Partie  von  Kalken  mit  Spuren  von  Crinoiden- 
stielen  bekannt,  welche  möglicherweise  dem  Cassianerniveau  angehören 
könnten.  Der  tektonische  Zusammenhang  mit  den  weiter  im  SO  betindlichen  Par- 
tien der  Lagerstätte  ist  unbekannt. 


276 


Dr.  Franz  Kossmat. 


[18J 


die  Kluftfläche  entlang  der  Südgrenze  von  B  auch  thatsächlich  in 
den  einzelnen  Läufen  scharf  feststellen. 

Eine  sehr  eigenthümliche  Erscheinung  ist  der  unregelmässige 
Verlauf  der  im  Bergbaue  aufgeschlossenen  Ueberschiebungsklüfte.  So 
steigt  der  Südeon  tact,  welcher  das  Lager  Ä  gegen  die  Werfener- 
schiefer scharf  abgrenzt,  zwar  in  NNO-Richtung  nach  abwärts,  zeigt 
aber,  wie  sich  durch  die  genauen  Grubenkarten  sicher  constatiren 
lässt,  eine  Anzahl  von  ziemlich  scharfen  Biegungen,  welche  auch  das 
Lager  A  mitmacht  (vergl.  das  Profil).  Da  ein  Gleiten  auf  einer  schon 
ursprünglich  so  stark  welligen  Ueberschiebungsfläche  nicht  denkbar 
ist,  bleibt  nur  die  Annahme  übrig,  dass  die  Krümmung  der  Kluftfläche 
und  mit  ihr  auch  jene  des  Lagers  A  eine  nachträgliche  Erscheinung  ist. 

Nachträgliche  Faltung  von  Ueberschiebungsflächen  wurde  auch 
an  anderen  Orten  wiederholt  beobachtet  ^)  und  es  ist  ja  von  vorne- 
herein einzusehen,  dass  dieselbe  Spannung,  welche  ein  Zerreissen  und 
Gleiten  von  Gesteinsmassen  bewirkt,  auch  eine  Krümmung  der  ent- 
standenen Kluftflächen  herbeiführen  kann.  Damit  wäre  auch  eine  Er- 
klärung des  eigenthümlichen  Verhaltens  der  Lager  i>,  C  und  D  ge- 
geben, welche,  wie  ein  Blick  auf  das  Profil  zeigt,  nichts  anderes  dar- 
stellen, als  ein  einziges,  stark  gekrümmtes  Lager.  Schematisch  lässt 
sich  die  Sache  etwa  auf  folgende  Weise  zeichnen : 

Fig.  3.   Schematisches  Profil  durcli  die  erzfülirende  Partie  der  Nordwest- 
grube. 


NO  SW 

P  — Palaeozoische  Schiefer.  —    Pf  ^  Werfener  Schichten,  —   Z>i?r  =  Dolomite  und 

Breccien    des   Muschelkalkes.    —    a,   b,  c,   d  ==^   Lagerschieferzüge    der    Wengener 

Schichten.  —  nc  =  Nordcontact.  —  sc  =  Südcontact. 


Nach  meiner  Ansicht  wurde  der  Complex  von  Dolomitbreccien 
des  Muschelkalkes  und  Lager-  (Skonza-)  Schiefern,  welcher  den  heutigen 
erzführenden  Körper  bildet,  bei  der  Gebirgsbildung  durch  Zusammen- 
pressen gebrochen  und  theilweise  überkippt,  die  einzelnen  Partien 
verschoben  sich  aneinander,  und  zwar  gaben  in  der  Kegel  die  weniger 


*j  Vergl.  z.  15.  F.  A  Ho  ff  mann:  Ein  Beitrag  zur  Frage  nach  der  Ent- 
stehung und  dem  Alter  der  Ueherscliieliungen  im  westjjhälischen  Steinkohlengebirge 
Zeitschrift  für  praktische  Geologie.  Berlin  1895,  S.  230,  231  ff. 


[19]      Ueber  die  geologischen  Verhältnisse  dos  Borgbaugebietes  von  Idria.      277 

widerstandsfähigen  Lagerschiefer  die  Gleitflächen  ab,  wie  man  denn 
auch  an  anderen  Orten  einen  ähnlichen  Zusammenhang  zwischen  den 
tektonischen  Erscheinungen  und  der  Consistenz  des  Materiales  ge- 
funden hat. 

Gleichzeitig  muss  wohl  auch  die  Ueberschiebung  des  Cerin  über 
die  ganze  heutige  Lagerstätte  stattgefunden  haben. 

Durch  den  andauernden  Druck  wurden  die  L'utschfiächen,  auf 
denen  sich  die  einzelnen  Gesteinsmassen  gegeneinander  bewegten, 
verbogen,  und  mit  ihnen  trat  natürlich  auch  die  Biegung  der  Lager- 
schiefer ein.  Würde  man  sich  die  Krümmung  ausgeglichen  denken,  so 
hätte  man  beiläufig  folgenden  Bau: 

Fig.  i,  Scheinatisches  Pn»(ll  diircli  die  Nordwestgrube. 


Die  Krümmungen  der  Ueberschiebungsflächen  und  Lagerschieferzüge    ausgeglichen 

gedacht. 
(Die  Zeichenerklärung  ist  dieselbe  wie  bei  vorstehender  Figur.) 


Es  lässt  sich  also  die  ganze  complicirte  Lagerung  auf  eine 
normale  „S  chuppenstructur"  zurückführen,  wie  man  sie  auch 
anderwärts  findet. 

Selbstverständlich  machen  die  obigen  Erörterungen  nur  den  An- 
spruch darauf,  ein  Erklär  ungsv  er  such  zu  sein,  doch  glaube  ich, 
dass  derselbe  mit  den  heutigen  Erfahrungen  der  Tektonik  in  Ein- 
klang steht. 

Was  die  Erzführung  in  der  Nordwestgrube  anbelangt,  habe  ich 
dem,  was  in  der  citirten  o  ffi  cieUen  S  chrift  steht  und  was  bereits 
Lipoid  in  seiner  geologischen  Arbeit  betonte,    nichts   hinzuzufügen. 

Die  Imprägnation  der  Lagerschiefer  als  auch  der  gangartigen 
Erzklüfte  im  Dolomit  muss  später  erfolgt  sein  als  die  Bildung  der 
grossen  Klüfte  und  Ueberschiebungen,  da  sie  von  diesen  abhängig  ist, 
sie  kann  demnach  erst  während  der  Tertiärzeit  erfolgt  sein.  Nirgends 
ist  das  Auftreten  der  Erze  an  einen  bestimmten  Horizont  gebunden, 
wenn  auch  offenbar  die  Lagerschiefer  infolge  ihres  bituminösen 
Charakters  einen  günstigen  Einfluss  auf  die  Reductiou  und  Abscheidung 

.lahi'buch  d.  k.  k.  geol.  ßeicbsanslalt,  1899,  49.  Band,  2.  Uel't.  (Fr.  Kossmat.)        36 


278  l^r-  Franz  Kossmat.  [20] 

der  Quecksilberhaltigen   Verbindungen   ausgeübt  haben   dürften    und 
dadurch  stellenweise  zu  Trägern  reicherer  Erze  wurden. 

Der  Silberschiefer,  welcher  die  Lagerstcätte  nach  oben  abschneidet 
und  damit  eine  scharfe  Grenze  der  Vererzung  bildet,  ist  in  der  Nähe 
des  Contactes  durch  das  Auftreten  gediegenen  Quecksilbers  und  zahl- 
reicher Schwefelkiesknollen  ausgezeichnet.  Man  könnte  sich  die  Frage 
stellen,  ob  das  Zusamnienvorkommen  dieser  beiden  Ausscheidungen 
nicht  vielleicht  darauf  hindeutet,  dass  am  Contacte  die  nicht  unbe- 
trächtliche Eisenoxydmenge  der  bituminösen  Silberschiefer  und  der 
Zinnobergehalt  der  Lagerstätte  einer  theilweisen  Umsetzung  unterlagen, 
bei  der  sich  das  Eisen  mit  dem  Schwefel  verband,  während  das  Queck- 
silber unter  dem  Einflüsse  der  reducirenden  Wirkung  der  vorhandenen 
organischen  Substanz  zum  Theil  frei  wurde. 


Während  in  den  tieferen  Horizonten  des  Grubenbaues  die  Breite 
der  Lagerstätte  ganz  beträchtlich  ist,  kommt  schon  im  IL  Laufe  der 
Silberschiefer  des  Nordcontactes  so  nahe  an  den  Werfenerschiefer  des 
Südcontactes,  dass  beide  nur  durch  einen  schmalen  Zug  von  erz- 
führenden Lagerschiefern  (Lager  A)  voneinander  getrennt  sind. 

Noch  höher  oben  keilt  auch  dieses  Band  ganz  aus  und  an  der 
Tagesober  fläche  tritt  der  Silberschiefer  (im  Brand- 
graben) unmittelbar  an  den  Südcontact,  d.  h.  an  den 
Werfen  erschiefer  der  nordöstlichen  Basis  des  Vogel- 
berges heran.  Der  Zusammenhang  zwischen  den  obertägigen  Auf- 
schlüssen und  denen  in  der  Grube  ist  ein  so  enger,  dass  die  Ver- 
bindung der  Schnittpunkte  ganz  ungezwungen  vorgenommen  werden 
kann.  Wie  ein  Vergleich  von  Profil  und  Karte  zeigt,  ist 
die.Grenzdislocation  zwischen  dem  We^rfeners chiefer 
des  Vogelberges  und  den  Schichten  des  Cerin  identisch 
m  i  t  d  e  m  S  ü  d  c  o  n  t  a  c  t  e  d  e  r  G  r  u  b  e,  und  d  e  r  V  o  g  e  1  b  e  r  g  J  i  e  g  t 
somitbereitssüdlichderLagerstätte,  währen  dder  Cerin 
über  ihr  1  i  e  g  1 1). 

Ich  habe  auf  der  Karte  den  Südcontact  der  Grube  für  mehrere 
Läufe  in  Form  von  schwarzen  Linien  dargestellt,  um  zu  zeigen,  in 
welchem  Ausmaße  er  sich  infolge  seines  NNO-Verflächens  von  der 
Projectionslinie  seines  obertägigen  Ausbisses  entfernt. 

Südostgrube. 

Profil  2  und  3,  Tafel  XI. 

Die  Südostgrube  (obertägige  Einbaue:  Josefischacht  und  Ferdi- 
nandischacht) steht  dem  Streichen  nach  mit  der  Nordwestgrube  in 
ununterbrochenem  Zusammenhange ,  zeichnet  sich  aber  vor  dieser 
durch  grössere  Einfachheit  in  der  tektonischen  Gliederung  aus. 


^)  Daraus  ergibt  sich  auch,  dass  Öerin  und  Vogelberg  tektonisch  selbst- 
ständig sind,  dass  mithin  jener  nicht  von  letzterem  abgerutscht  sein  kann  (vergl, 
S.  9),  da  er  sich  über  dem  Nordcontacte  befindet,  während  die  Basis  des  Vogel- 
berges entlang  der  südlichen  Lagerstätteugreuze  zur  Tiefe  geht. 


[21]      lieber  die  geologischen  Verhältnisse  des  Hergljangehietes  von  Idria.      279 

Die  Silberschiefer  des  Nord contactes  und  des  Daches 
der  Lagerstätte  sind  auch  hier  in  ähnlicher  anormaler  Lagerung 
nachgewiesen,  wie  in  der  Nordvvestgrube  (vergl.  z.  B.  die  beiden 
Lappen  von  Silberschiefer  im  IIL  Lauf,  Umgebung  des  Josephi- 
schachtes),  sind  aber  in  den  tieferen  Läufen  nur  au  wenigen  Stellen 
(VIL  Lauf)  angefahren,  da  hier  die  Ausrichtung  gegen  Nu  nicht  so 
weit  vorgeschritten  ist. 

Der  Südcontact  zeigt  dieselben  Eigenthümlichkeiten  wie  im 
anderen  Grubentheile,  indem  auch  hier  die  Werfenerschiefer  in 
directe  Berührung  mit  den  Lagerschiefern  und  Dolomiten  der  zwischen 
den  beiden  Hauptdislocationen  eingeschlossenen  erzführenden  Partie 
kommen. 

Die  Lager  schiefer  treten  an  Bedeutung  weit  zurück,  da 
nur  das  Lager  A  noch  als  zusammenhängender  Zug  nachgewiesen  ist, 
während  die  anderen  mehr  oder  minder  auskeilen  oder  sich  in  ganz 
unbedeutende  Schmitzen  auflösen,  welche  auf  Klüften  innerhalb  der 
Dolomitmassen  eingekeilt  sind.  Besonders  deutlich  sind  diese 
Schmitzen  im  VIL  Lauf. 

Das  Lager  Ä  reicht  nachweislich  bis  in  den  IX.  Lauf  hinab,  wo 
z.  B.  noch  in  den  südöstlichsten  Abbauen  (Umgebung  des  IV.  Gesenkes) 
nahe  am  Südcontact  ganz  typische  Lagerschiefer  und  Sandsteine  auf- 
geschlossen sind,  von  denen  die  letzteren  an  einer  Stelle  durch  das 
Vorkommen  von  „Korallenerz"  (Sandstein  mit  kohligen,  napfartigen 
Gebilden,  welche  nach  Dr.  Bittner  der  Brachiopodengattung  Discina 
angehören)  ausgezeichnet  sind,  ein  Fund,  der  die  vollkommene  Ana- 
logie mit  dem  Lagersandstein  der  Nordwestgrube  beweist.  Der  er- 
wähnte Zug  ist  von  mehreren  Verwerfungen  durchschnitten  und  in 
Dolomit  eingeklemmt,  der  durch  seine  zahlreichen,  glänzend  polirten 
Rutschflächen  die  Heftigkeit  der  stattgefundenen  tektonischen  Vor- 
gänge beweist. 

Das  Verflachen  der  erwähnten  tiefsten  Partie  des  Lagers  Ä  ist 
hier  vorwiegend  steil  SSW,  während  es  in  den  höheren  Horizonten 
durchschnittlich  die  gewöhnliche  NNO-Richtung  zeigt. 

Die  Facies  der  W  e  n  g e n  e r t u f  f  e  (zum  T h  e i  1  mit  Ho r n- 
steinen)  ist  in  der  Südostgrube  mehrfach  vorhanden,  so  im 
VII.  Lauf,  Beginn  des  Südwestschlages,  wo  die  Hornsteintutfe  das 
Lager  vertreten,  ferner  auch  sehr  schön  im  Zwischenlauf  zwischen 
dem  IIL  und  VI.  Horizont  bei  der  Schüttlrolle  etc. 

Die  Hauptmasse  der  Gesteine  in  der  Südostgrube  bilden  die 
typischen  Dolomite  und  Dolomi  tbre  ccien  des  Muschel- 
kalkes, welche  ihrer  Ausbildung  nach  mit  jenen  der  Nordwestgrube 
identisch  sind  und  mit  ihnen  auch  ununterbrochen  zusammenhängen. 
In  den  tiefsten  Horizonten.,  so  vor  allem  am  X.  Laufe,  greifen  in 
diese  Dolomite  vom  Südcontacte  her  Partien  von  Werfener  Schichten 
ein,   welche    die  Erzführung  an   verschiedenen   Stellen    abschneiden. 

Ueberhaupt  unterscheidet  sich  der  Charakter  der  südöstlichen 
Lagerstätte  in  mancher  Beziehung  von  jener  der  nordwestlichen,  wie 
dies  in  der  mehrfach  citirten  geologisch-bergmännischen  Arbeit  sehr 
klar  dargestellt  wurde  (S.  21,  22).  Es  hängt  dies  vor  allem  tUmit 
zusammen,    dass  die  Lagerschiefer    hier   zurücktreten,    die  Dolomite 

36* 


k 


280  Dr.  Franz  Kossmat.  [22] 

hingegen,  in  denen  die  Erzführung  vermöge  der  Gesteinsbeschaft'en- 
heit  nicht  lager-,  sondern  gang-  oder  netzartig  auftritt,  vorherrschen. 

Die  Ueberschiebungen  sind  in  der  Südostgrube  ebenso  klar 
ausgesprochen,  wie  weiter  im  Nordwesten  und  zeigen  auch  hier  die 
Eigenthümliclikeit,  dass  sie  sich  in  den  höheren  Horizonten  ziemlich 
flach  legen,  während  sie  gegen  die  Tiefe  steil,  ja  sogar  senkrecht 
werden.  Besonders  bezeichnend  dafür  sind  das  I.  und  IL  steile 
Blatt  im  IX,  und  XI.  Laufe,  welche  Paralleldislocationen  zum  Nord- 
und  Südcontacte  darstellen. 

Ausser  den  NW— SO-Kluftflächen  erscheint  aber  in  der  Südost- 
grube eine  neue  Dislocationsrichtung,  welche  im  nordwestlichen  Reviere 
nicht  bekannt  ist. 

Auf  den  Grubenkarten  sind  diese  Klüfte  mit  den  Buchstaben 
0  und  0'  bezeichnet.  Das  Streichen  ist  ONO,  also  nahezu  quer  auf 
die  Hauptrichtung,  das  Fallen  SSO. 

Auch  diese  Klüfte  sind  für  die  Erzführung  von  ähnlicher  Be- 
deutung wie  das  I.  und  IL  steile  Blatt  (vergl,  1.  c.  Geologisch-berg- 
männ.  Karte  von  Idria,  S.  22). 

Zwischen  den  0  und  O'-Klüften  und  der^  Querstörung,  welche 
an  der  Tagesoberfläche  vom  Ostabhange  des  Cerin  (Rinnwerk)  sich 
gegen  die  Mündung  des  Skonzagrabens  fortsetzt,  besteht  eine  ähnliche 
Beziehung,  wie  zwischen  den  Längsstörungen  in  der  Grube  (M  und 
iV-Klüfte)  und  jenen  an  der  Oberfläche  zwischen  Cerin  und  Vogelberg. 
(Vergl.  das  schematische  Profil  3  auf  TaL  XL) 

In  einem  eigenthümlichen  Zusammenhange  mit  den  Querstörungen 
steht  das  Auftreten  der  Cassianerkalke  in  der  Südostgrube. 
Während  man  nämlich  in  der  Umgebung  des  Josephischachtes  im 
III.  Laufe  noch  denselben  Dolomit  findet,  wie  in  der  Nordwestgrube, 
erscheinen  in  der  nach  SO  zum  Ferdinandischachte  getriebenen 
Strecke,  dem  sogenannten  Ferdiuandi-Hof fnungsschlage,  die 
typischen  Cassianerkalke.  Beide,  die  Dolomite  und  Cassianerkalke, 
treten  hier  aber  nicht  direct  miteinander  in  Contact,  sondern  sind, 
wie  ich  bei  meiner  letzten  vorjährigen  Grubenbefahrung  beobachten 
konnte,  durch  eine  Partie  von  g  1  i  m  m  e  r  i  g  e  n,  s  a  u  d  i  g  -  m  e  r  g  e  1  i  g  e  n 
Werfen  er  Schichten  voneinander  getrennt.  Diese  Zone  beginnt 
nahe  vor  der  Querstrecke  zum  Brusgesenk  und  begleitet  den  SO- 
Schlag  auf  eine  nicht  ganz  unbedeutende  Strecke,  da  ihr  Streichen 
durchschnittlich  OSO,  das  Fallen  SSW  ist.  Sie  steht  ohne  Zweifel  in 
directem  Zusammenhange  mit  den  obertags  unmittelbar  darüber  ent- 
blössten  Werfener  Schichten  des  L^erin,  gehört  somit  dem  Dache 
der  erzführenden  Masse  an  und  setzt  nicht  mit  ihr  in  die  Tiefe ;  in 
den  unteren  Läufen  trifft  man  bereits  beiderseits  der  Quer- 
störuugen  Dolomite  und  Lagerschieferschmitzen  an. 

Die  Cassianerkalke  beginnen  bereits  vorder  zweiten  SW- 
Querstrecke  des  Iloffnungsschlages  und  halten  an  bis  zum  Ferdinandi- 
schachte. Es  handelt  sich  hier  um  dieselbe  Partie  von  Kalken, 
welche  in  unmittelbarer  Nähe  des  Josephischachtes  und  im  unteren 
Lubeucthale  an  der  Tagesoberfläche  erscheint  und  gleichfalls 
direct  in  Contact  mit  Werfener  Scliichten  tritt.  Das  Fallen  ist  sowohl 


[23]      Ueber  die  geologischen  Verhältnisse  des  Bergbaugebietes  von  Idria.      281 

in  der  Grube  als  auch  obertags  durchschnittlich  SSW,  das  Streichen 
nach  WNW  gerichtet. 

Mit  dorn  Ueberschreiten  der  genannten  Zone  von  Werfener- 
schiefer im  III.  Laufe  hat  man  das  Gebiet  der  von  dem 
Cerin  überdeckten  erzführenden  Partie  verlassen  und 
tritt  in  jene  Kalkzone  ein,  welche  an  der  Tagesober- 
fläche entlang  des  II i n n w e r k e s  und  im  L u b e  u c g r a h  e n 
erscheint.  Bekanntlich  hat  man  im  Holfnungsschlage  keine  Erz- 
vorkommnisse mehr  angetroffen ;  ich  halte  es  nicht  für  ausgeschlossen, 
dass  dies  in  Zusammenhang  mit  der  erwähnten  tektonischen  Er- 
scheinung steht. 

Unterhalb  des  Ferdinandischlages  ist  im  Zwischenlauf  zwischen 
dem  III.  und  VI.  Horizont  (ca.  100  m  SO  des  Josephischachtes)  eine 
kleine  Grubenpartie  ausgerichtet  (zwischen  Brus-Gesenk  und  Mayer- 
Gesenk),  welche  das  folgende  Bild  zeigt: 


Fig.  5.  Profil   zwischen   Brusfahrtl  (NO)   und   Maj  ei -tfesenk   (SW);    Südost- 
grube,  III Vj.  Lauf. 


Dßr  =  Dolomit.  —   Cgi   -  Conglomerate.  —    L.s7<    =  Lagerschiefer. 
CK  =  Cassianerkalk. 


Nach  meiner  Ansicht  ist  an  dieser  Stelle  gerade  das  untere 
Ende  der  Cassianerkalkzone,  welche  im  III.  Lauf  durch  den  Ferdi- 
nandischlag  ausgerichtet  ist,  erreicht,  denn  bereits  im  nächsttieferen 
Lauf,  dem  VI.,  triff't  man  nur  mehr  Dolomit  (respective  Dolomit- 
breccie)  mit  Schmitzen  von  Lagerschiefern  ( Wengener  Schichten)  an 
—  die  Cassianerkalke  hätten  demnach    eine    muldenartige  Lagerung. 


Umgebung  der  Lagerstätte. 

Während  das  Hinabreicheu  des  Quecksilbervorkommens  von 
Idria  in  grössere  Tiefen  ganz  ausser  Zweifel  steht,  bietet  die 
Frage  nach  der  h  o  r  i  z  o  n  t  a  1  e  n  V  e  r  b  r  e  i  t  u  n  g  erzführender  Partien 
in  der  Umgebung  des  heutigen  Grubenbaues  viel  grössere  Schwierig- 
keiten. Im  Obigen  wurde  die  Fortsetzung  gegen  SO  behandelt ; 
was  die  Ausdehnung  gegen  NW  anbelangt,  so  ist  darüber  nur  wenig 
zu  bemerken.  Im  III.  Laufe,  in  welchem  die  Ausrichtung  am  aller- 
weitesten  gediehen  ist,  kann  man  eine  gegenseitige  Annäherung  des 
Nord-  und  Südcontactes  gegen  NW  beobachten,  so  dass  man  den  Ver- 
einigungspunkt ziemlich  nahe  annehmen  muss. 


282  t)r-  ^ranz  Kossmat.  r24] 

Auch  im  VI.  Lauf  ist  eine  ähnliche  Convergenz  angedeutet,  es 
scheint  also  nicht,  dass  sich  die  Lagerstätte  gegen  NW  noch  weit 
erstreckt. 

Nebenbei  möchte  ich  bemerken,  dass  an  der  Tagesoberfläche 
der  Cal varienberg,  welcher  ähnlich  wie  die  Lagerstätte  zwischen 
zwei  Ueberschiebungen  eingeschlossen  ist,  sich  gegen  WNW  keil- 
förmig zuspitzt,  eine  Erscheinung,  welche  jedenfalls  damit  zusammen- 
hängt, dass  die  zahlreichen  Ueberschiebungslinien  von  Idria  sich  in 
dieser  Richtung  sehr  bald  vereinigen  und  zu  einer  Hauptstörung 
zusammenfliessen  (vergl.  pag.  270  [12]). 

Dieser  Umstand  dürfte  der  Lagerstätte  ziemlich  bald  eine 
Grenze  gegen  Nordwesten  setzen. 

Was  die  Nordseite  betrifft,  so  zeigt  die  Karte,  dass  man 
jenseits  der  Grenzdislocation  unter  die  Masse  des  Jelicen  vrh 
kommen  würde,  welche  nicht  mehr  von  tiefreichenden  Dislocationen 
durchsetzt  ist,  wie  z.  B.  Ceriii  und  Vogelberg,  weshalb  auch  wenig 
Aussicht  vorhanden  ist,  in  dieser  Richtung  ein  Analogon  zu  dem 
gegenwärtig  in   Abbau    begrififenen    erzführenden   Körper    zu    finden. 

Es  erübrigt  also  noch  die  Betrachtung  des  jenseits  vom 
Südcontacte  liegenden  Gebietes,  über  welches  man  vor  allem 
durch  zwei  Querstrecken:  1.  den  Gersdorf- Liegendschlag,  2.  den  SW- 
Schlag  in  der  Nähe  des  Josephischachtes,  beide  im  VIL  Lauf,  einige 
Anhaltspunkte  gewinnen  kann. 

I.  Gersdorf-Liegendschlag,  VII.  Lauf. 

Der  Gersdorf- Liegendschlag  beginnt  nur  circa  20 — 30  m  vom 
Inzaghischachte  entfernt,  quert  das  Lager  B  und  Ä,  sowie  die  zwischen 
beiden  liegende  Partie  von  Dolomitbreccie  und  tritt  jenseits  des 
Lagers  Ä  über  den  Südcontact  hinaus  in  den  Werfenerschiefer  ein. 
Seine  Länge  beträgt  circa  400  m  und  übertrifft  sogar  etwas  die  Breite 
der  Lagerstätte  im  VII.  Lauf. 

Auf  nebenstehender  Seite  gebe  ich  ein  Profil  durch  den  Gers- 
dorfschlag, wie  es  sich  nach  meinen  im  Vorjahre  gemachten  Beobach- 
tungen darstellt. 

Die  Dimensionen  sind  nicht  ganz  in  den  richtigen  Verhältnissen 
gegeben ,  doch  dürften  die  in  der  Erklärung  zum  Durchschnitt  ange- 
gebenen Maße  genügende  Anhaltspunkte  für  eine  Richtigstellung  liefern. 

Das  Profil  ist  in  zweifacher  Beziehung  von  Interesse. 

Es  zeigt:  L  Dass  noch  südlich  des  Südcontact  es 
P  a  r  a  1 1  e  1  k  1  ü  f  t  e  vorhanden  sind,  welche  man  als  U  e  b  e  r- 
s  c h i e b  u n g  e n  a u  f z u f  a s  s  e n  hat,  d a  s i e  z.  B.  d a s  A  u f  t a u  c h  e  n 
einerZone  von  Silberschiefer  zwischen  den  mergeligen 
Werfen  er  Schichten  und  den  Dolomiten  bewirken. 

2.  Dass  auch  die  Erzführung  nicht  mit  dem  Süd- 
contacte abgeschlossen  ist,  sondern  dass  noch  jenseits 
desselben  reiche  Scheidgänge  auftreten.  Die  Erzführung 
ist,  wie  man  auch  hier  sehen  kann ,  nicht  an  einen  bestimmten 
Horizont  gebunden,  denn  die  Werfenerschiefer  sind  hier  ebenso  schön 
imprägnirt,    wie   anderwärts   die   Dolomitbreccien   und  Lagerschiefer. 


[25]      TIeber  die  geologischen  Verhältnisse  des  Berghaugebietes  von  Idria.      283 


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284  DJ"    Franz  Kossmat.  [26] 

Das  Auftreten  freien  Quecksilbers  erinnert  an  die  Verhältnisse 
entlang  des  Nordcontactes,  wo  das  Hg  an  die  Nähe  der  Lagerstätte 
gebunden  ist. 

Nicht  unerwähnt  möchte  ich  an  dieser  Stelle  lassen,  dass 
Lipoid  an  einer  Stelle  seiner  grundlegenden  Arbeit  (Seite  24) 
wörtlich  sagt: 

„Diese  Beobachtung  (nämlich  das  Auftreten 
mehrerer,  zur  Hau])tdislocation  paralleler  Störungen 
an  der  Oberfläche)  ist  insoferne  von  Wichtigkeit,  weil 
sie  den  Fingerzeig  gibt,  dass  ähnliche  Nebenspalten 
auch  im  Grubenbaue  sich  vorfinden,  und  dass  demnach 
die  Hoffnung  vorliegt,  im  Hangenden  und  Liegenden 
des  gegenwärtig  im  Abbau  befindlichen  Erzlagers  neue 
parallele  Lagerstätten  aufzuschli essen."  — 

Diese  Bemerkung  kann  nach  meiner  Ueberzeugung  ganz  gut 
für  den  Gersdorf- Liegendschlag  angewendet  werden. 

II.  Südwestschlag  bei  Josefischachi 

Der  zweite  grosse  Südwestschlag  des  VIL  Laufes  beginnt  etwas 
N  vom  Mayergesenk  und  quert  ebenfalls  den  Südcontact  sehr  bald 
(vergl.  das  nebenstehende  Profil). 

Auch  dieser  Durchschnitt  beweist,  dass  noch  jen- 
seits des  Südcontactes  und  des  daselbst  auftretenden 
Werfenerschiefers  Ueberschiebungen  vorkommen, 
welche  zu  Schichtwiederholungen  führen,  und  zeigt, 
dass  eingeklemmte  Partien  von  Dolomit  und  Lager- 
schiefer auch  noch  südlich  der  heute  in  Abbau  be- 
griffenen  Lagerstätte   erscheinen. 

Zinnober-Scheidgänge  fanden  sich  im  Bereiche  der  Dolomit- 
partie 5,  also  ebenfalls  schon  ausserhalb  der  Hauptlagerstätte  —  ganz 
ähnlich  wie  im  Gersdorfschlag. 

Der  Abstand  des  Südcontactes  von  der  Kreide- 
grenze scheint,  soweit  man  es  auf  Grundlage  der  nach 
den  bisherigen  Erfahrungen  gewonnenen  Profile  beur- 
t heilen  kann,  im  Südwestschlage  der  Jose fi grübe  viel 
grösser  zu  sein  als  im  weiter  nordwestlich  gelegenen 
Gers  dorfschlage,  wasdamitgutüberein  stimmt,  dassauch 
an  der  Oberfläche  auf  der  Nordwestabdachung  des 
Vogelberges  die  Grenze  der  Kreide  kalke  sehr  rasch 
gegen  die  Fortsetzung  des  Südcontactes  convergirt 
und  sich  in  der  Nähe  des  N i k  o  v  a b  a c  h  e  s  mit  ihr  sogar 
vereinigt. 

Es  wurde  bereits  früher  (vergl.  pag.  278  [20])  betont,  dass  der 
Vogelberg  bereits  jenseits  des  Südcontactes  liegt; 
mithin  gehören  die  Partien,  welche  durch  die  ge- 
nannten Süd westsch läge  erschlossen  wurden,  tekto- 
nisch  bereits  zum  Untergrunde  des  Vogelberges,  wenn 
auch  ihre  Proj  ection  wegen  des  nordöstlichen  Verflächens  des 
Südcontactes  zum  guten  Theile  noch  in  den  Bereich  des  Cerin  fällt. 


1271      üeber  die  gcologisclien  Verhältniss«!  des  Bfi-gbaiigchietes  von  Idiia.       285 


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Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Ileichsanstalt,  1899,  49,  Band,  2.  Heft.  (Fr.  Kossiuat.)      i^7 


286  I^*"-  Franz  Kossmat.  [28] 

Es  ist  somit  erwiesen,  dass  der  Vogelberg  nicht  auf  einer 
ungestörten  Basis  aufrulit,  sondern  dass  in  seinem  Untergrunde  eben- 
falls Ueberschiebungen  vorhanden  sind,  welche  mit  Erzführung  in 
Zusammenhang  stehen.  Es  ist  also  Aussicht  vorhanden ,  dass  der 
Vogelberg,  welcher  obertags  mit  dem  Cerin  eine  so  auffällige 
Analogie  zeigt,  auch  unterirdisch  einen  cähnlichen  Bau  aufweist  wie 
letzterer  und  ebenfalls  auf  andere  Gesteine  der  Trias  aufgeschoben  ist. 
Hiefür  spricht  in  zweiter  Linie  auch  der  bereits  auf  pag.  266  [8] 
erwähnte  Umstand,  dass  ausser  der  Grenzüberschiebung  gegen  die 
Kreide  der  „Grapa"  noch  eine  andere  Störung  durch  den  schmalen 
Aufbruch  von  Silberschiefer  innerhalb  des  zur  Grenzverwerfung  pa- 
rallelen Zuges  der  Werfener  Schichten  angedeutet  ist. 

Da  auch  die  tektonische  Lage  des  Vogelberges  zur  Querstörung, 
welche  W^des  Rinnwerkes  zutage  kommt,  ganz  die  gleiche  ist,  wie 
jene  des  Cerin,  kann  man  an  der  geologischen  Analogie  beider  wohl 
kaum  zweifeln.  Wenn  man  also  nach  den  bereits  von  Lipoid  ver- 
mutheten  oder  erhofften  erzführenden  Parallelzügen  zu  der  gegen- 
wärtig in  Abbau  stehenden  Lagerstätte  sucht,  ist  wohl  der  Unter- 
grund des  Vogelberges  das  erste  Terrain,  welches  einer  eingehenden 
Durchforschung  bedarf. 

Ein  Weitertreiben  des  G  ers  dorf-L  legen  ds  chlag  es  und 
einer  der  zu  ihm  parallel  en  Stre  cken  (z.B.  des  La  m  berg- 
schlag es),  bis  zum  Contacte  mit  dem  Kreidekalke  (resp  dessen 
Unterlage  in  der  Tiefe),  also  bis  zum  Süd  contacte  des  Vogel- 
berges, würde  unter  diesen  Umständen  sehr  wichtig  für  die  even- 
tuelle Erschliessung  eines  zweiten,  südlich  gelegenen  Erzkörpers  sein. 
Für  die  möglicherweise  später  einmal  in  Betracht  kommende 
Anlage  eines  Schurfschachtes  scheint  mir  aus  geologischen  Gründen 
der  Nordabhang  des  Vogelberges  zwischen  dem  Gipfel  und  dem  oberen 
Brandgraben,  jedoch  etwas  näher  dem  letzteren,  die  beste  Lage  zu 
besitzen. 

Jedenfalls  aber  ist  der  Vogelberg  ein  Gebiet,  welches  nicht  nur 
ein  hervorragendes  theoretisches  Interesse  besitzt,  sondern  auch  vom 
bergmännischen  Standpunkte  eine  besondere  Aufmerksamkeit  verdient. 


Das  Salzburger  Vorland. 

Von  Eberhard  Fiigger. 

Mit  2  Tafeln  (Nr.  XII- XIII)  und  30  Zinkot.ypien  im  Tr^xt. 

Wo  die  Salztach  die  enge  Schlucht  zwischen  Tannen-  und 
Hagengebirge  verlässt,  betritt  sie  das  weite  Thal  von  Hallein,  ein- 
geschlossen von  Bergen,  welche  hauptsächlich  der  Trias-  und  Jura- 
formation angehören  und  an  deren  Fuss  cretacische  Bildungen  an- 
gelagert sind.  Den  Thalboden  selbst  bilden  quartäre  Ablagerungen, 
aus  denen  nur  wenige  Hügel  theils  cretacischen,  theils  tertiären 
Ursprunges  hervorragen.  Bei  der  Stadt  Salzburg  wird  das  Salzachthal 
durch  einen  Felsriegel  abgesperrt,  welcher  sich  quer  durch  dasselbe 
hinzieht,  vom  Kühberg,  einem  Ausläufer  des  Gaisberges,  bis  zum 
Rainberg.  Zwischen  diesem  letzteren  und  dem  Untersberg  bleibt 
eine  weite  Lücke,  durch  welche  die  Wasser  der  Salzach  ursprünglich 
ihren  Abfluss  hatten.  Späterhin  als  sich  der  Fluss  diesen  Weg  verlegt 
hatte,  nagte  er  sich  seine  Bahn  zwischen  Neuhauser-  und  Kapuziner- 
berg aus;  und  noch  im  Jahre  1884  konnte  man  am  Ostfusse  des 
letzteren  eine  mächtige  Schichte  von  Sand  beobachten,  welchen  die 
Salzach  seinerzeit  dort  abgelagert  hatte.  Viel  später  wurde  auch 
dieser  Weg,  vielleicht  durch  die  Schuttkegel  der  vom  Gaisberg 
kommenden  Bäche  versperrt,  und  die  Salzach  bohrte  sich  zwischen 
Kapuziner-  und  Festungsberg  ein,  um  sich  ihre  heutige  Bahn  zu 
erschliessen.  Kühberg,  Kapuziner-  und  Festungsberg  gehören  der 
oberen  Trias  an,  an  den  Nordfuss  derselben  waren  Kroideschichten 
angelagert,  von  denen  sich  Pteste  in  Schallmoos  und  im  südlichen 
Almstollen,  der  durch  den  Mönchsberg  führt,  erhalten  haben.  Die 
Fortsetzung  dieser  Kreidebank  bildet  das  Liegende  des  Bainberges. 
Ueber  dieselbe  hin,  concordant  mit  ihr  gelagert,  breiten  sich  auf 
dem  Mönchs-  und  Rainberg  geschichtete  Conglomerate  aus,  welche 
ich  —  eben  wegen  dieser  Concordanz  —  in  Uebereinstimmung  mit 
Hauer  und  Wähn  er  für  tertiär  halte,  im  Gegensatz  zu  Gümbel 
und  Penck,  welche  sie  als  diluvial,  als  eine  Art  Ueberguss  an- 
sprechen. Die  Conglomerate  wie  die  Kreideschichten  streichen  fast 
Ostwest  (hO  — 1)  mit  einer  Neigung  von  20  — 25^. 

Aus  diesem  Querriegel  tritt  die  Salzach  in  ein  Gebiet,  welches 
sich  von  dem  ihres  bisherigen  Laufes  schon  landschaftlich  deutlich 
unterscheidet,  aus  dem  Gebirgslande  tritt  sie  in  das  Salzburger  Vorland. 

Während  im  Gebirgslande  die  Berge  meist  schroff  und  steil 
ansteigen  und  kahle  Wände  und  Felsen  darbieten,  steigen  die  Hügel 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1899,  49.  üaiid,  2.  Heft.  (E.  Fugger.)  37* 


I 


288  Eberhard  Fiigger.  [2] 

und  Berge  im  Vorlande  nur  allmälig  zu  geringer  Höhe  an,  sind 
überall  mit  Ortschaften,  Feldern  und  Wäldern  bedeckt  und  zeigen 
nur  einige  wenige  unbedeutende  Wandflächen. 

Die  Südgrenze  des  Vorlandes  ist  markirt  durch  die  schroifen 
Wände  des  Staufen,  des  Kapuzinerberges,  des  Küh-  und  Gaisberges, 
des  Lidaunberges  bei  Hof,  des  Feldberges  am  Fuschler  See,  des 
Schober  und  der  Drachenwand  am  Mondsee.  Im  Westen  ist  das 
Gebiet  durch  die  Salzach,  im  Osten  durch  den  Irrsee  begrenzt,  im 
Norden  endigt  es  mit  der  Landesgrenze. 

Die  geologischen  Verhältnisse  des  Salzburger  Vorlandes  wurden 
bereits  seit  langer  Zeit  in  einzelnen  Partien  studirt  und  bearbeitet. 
Schon  zu  Anfang  des  Jahrhundertes  berichtet  Wagner  in  Moll's 
Ephemeriden  über  Wildshut,  1830  bis  1833  Li  11  über  Högl  und 
Mattsee,  1835  Rus segger  über  das  Vorland,  1847  Morlot,  1848 
bis  1855  Ehrlich,  und  seit  Gründung  der  k.  k,  geologischen 
Reichsanstalt  schrieben  die  Herren  Hauer,  Lipoid,  Seeland, 
Emmerich,  E  1 1  i  n  g  s  h  a  u  s  e  n,  C  z  j  z  c  k,  Stur,  G  ü  m  b  e  1, 
Frauscher,  Mojsisovics,  Johannes  Böhm,  Bittner,  Paul 
u.  a.  über  einzelne  Theile  des  Gebietes. 

Ich  habe  das  Salzburger  Vorland  seit  mehr  als  15  Jahren  nach 
allen  Richtungen  hin  mit  Hammer  und  Compass  durchwandert,  und 
wurde  dabei  häufig  von  meinem  Freunde  und  Collegen  Professor 
Karl  Kastner  begleitet,  dem  ich  an  dieser  Stelle  dafür  meinen 
besten  Dank  sage.  In  den  folgenden  Bliittern  lege  ich  meine 
Beobachtungen  und  deren  Resultate  nieder.  Nachdem  das  Gebiet 
eine  immerhin  bedeutende  Fläche  einnimmt,  werde  ich  dasselbe  in 
einzelnen  Theilen  behandeln,  die  sich  durch  natürliche  Grenzen  von 
einander  abtrennen  lassen. 

Am  Ende  eines  jeden  Abschnittes  folgt  eine  Zusammenstellung 
der  gemessenen  Streich-  und  Fallrichtungen,  deren  Nummern  mit  den 
in  den  Text  eingefügten  und  den  in  den  Karten  am  entsprechenden 
Orte  aufscheinenden  Nummern  übereinstimmen.  In  den  Karten  ist 
die  Lage  der  Kegelwülste  der  Flyschsandsteine  an  den  Zeichen  für 
die  Lagerung  durch  je  zwei  an  der  betreifenden  Seite  angefügten 
Halbringe  bemerkbar  gemacht;  es  bedeutet  das  Zeichen -^y^:  die  Seite, 
auf  welcher  die  Wülste  vorkommen,  ist  der  Fallrichtung  entgegen- 
gesetzt, und  das  Zeichen  -iii£>  :  Die  Wülste  liegen  auf  derselben  Seite, 
nach  welcher  die  Schichten  sich  verflachen.  Auch  in  den  Profilen 
ist    die   Lage    der  Kegelwülste    durch    kleine  Halbringe    bezeichnet. 

Ich  habe  mich  bemüht,  meine  Beobachtungen  objectiv  dar- 
zustellen und  wenn  dabei  zahlreiche  Wiederholungen  vorkommen 
und  das  Ganze  sich  nicht  gerade  angenehm  und  fliessend  liest,  so 
liegt  dies  eben  in  der  Natur  der  Sache.  Die  Ergebnisse  meiner 
Beobachtungen  aber  dürften  die  Lagerungsverhältnisse  des  Salzburger 
Vorlandes  unzweifelhaft  feststellen,  und  so  hotfe  ich,  im  Nachstehenden 
einen  brauchbaren,  wenn  auch  bescheidenen  Beitrag  zur  Kenntnis 
der  geologischen  Verhältnisse  eines  kleinen  Theiles  unserer  Voralpen 
geliefert  zu  hnben. 


[3]  Das  Salzburger  Vorlaud  289 


I.  Der  Plainberg. 

(Vergl.  hiezu  die  in  den  Text  eingedruckte  Kartenskizze  Fig.  1  auf  Seite  290.) 

Die  Ebene  nördlich  der  Stadt  Salzburg  am  rechten  Salzachufer 
zwischen  K  a  p  u  z  i  n  e  r  b  e  r  g  und  dem  Höhenzuge  des  P 1  a  i  n  b  e  r  g  e  s 
und  Nussdorfer  Hügels  hat  durchaus  glacialen  und  alluvialen 
Untergrund.  Die  diluviale  Uferterrasse,  welche  sich  längs  der  Frosch- 
heimer  Hauptstrasse  und  der  Strasse  nach  Itzling  bis  zur  Plainbrücke 
hinzieht,  ist  in  ihren  südlichen  Partien  durch  Bauten  schon  ziemlich 
undeutlich  geworden.  Das  mächtige  Schotterlager,  durch  welches  jene 
Bahnstrecke  geführt  ist,  die  den  Frachtenbahnhof  Itzling  der  Obern- 
dorfer  Bahn  mit  dem  Staatsbahnhof  verbindet,  enthält  auch  horizontal 
geschichtetes  Conglomerat  und  lieferte  reiches  Material  für  den  Bau 
der  Bahnlinie  Salzburg-Oberudorf.  Es  gehört  der  Diluvialterrasse  an. 

Weiter  gegen  Osten  dehnen  sich  weite  Moorgründe  aus,  das 
Schallmoos  und  das  Itzlinger  Moos,  deren  Material  zur  Torf- 
gewinnung, deren  Unterlage  im  nordöstlichen  Theile  zur  Ziegelbe- 
reitung benützt  wird.  Im  Schallmoos  wurde  iin  Jahre  1889  Dopplerit 
gefunden;  derselbe  ergab  einen  Wassergehalt  von  71-3  und  einen 
Aschengehalt  von  P8  Procent. 

Am  Plainbache  hin  findet  man  an  verschiedenen  Stellen 
Moränen  aufgeschlossen,  unter  anderen  eine  mächtige  Moräne  bei  der 
Grabenmühle  zwischen  Plainbrücke  und  Pflanzmann.  Dort  wo  der 
Eisenbahndamm  der  Staatsbahn  vom  Bahnhofe  weg  in  der  Richtung 
nach  Seekirchen  ziemlich  stark  ansteigt  und  etwa  120  w  vor  dem 
Wächterhaus  400,  welches  beim  Eintritt  der  Bahnlinie  in  den  Wald 
steht,  auf  anstehendes  Flyschgestein  stösst,  lagen  noch  im  Jahre  1885 
zwei  grosse  erratische  Blöcke  von  Gosauconglomerat,  kaum  10  m  über 
der  Ebene.  In  der  Mulde  zwischen  dem  Wirtshaus  „zum  grünen 
Wald",  dem  „Jägerhaus"  und  dem  Schloss  Radeck  befinden  sich 
mehrere  auffallend  abgerundete  Flyschhügel,  doch  fanden  wir  keinerlei 
glacialen  Schotter  daselbst;  dagegen  liegen  auf  dem  benachbarten 
Nussdorferhügel  und  in  der  Nähe  der  Rundhügel  von  Söllheim  Gosau- 
conglomerate  überall  zerstreut  umher. 

Das  Thal  nördlich  des  Plainberges,  das  weite  uritere  Fischach- 
thal  ist  ebenfalls  mit  Schottermaterial  erfüllt.  Unmittelbar  am  nörd- 
lichen Ende  des  Dorfes  Bergheim  lagern  an  der  Strasse  glaciale 
Schotter.  An  der  Strasse  von  Bergheim  nach  Lengfelden  waren  im 
Spätherbste  1896  zwei  Schottergruben  eröffnet;  in  diesen  beobachtete 
man  mehrere  Zwischenlagen  von  feinem  Wellsand,  welche  etwa  4  cm 
mächtig  und  horizontal  gelagert  waren. 

Zwischen  dem  unteren  Fischachthaie  und  der  Itzlinger  Ebene 
erhebt  sich  der  Plainberg,  welcher  sich  von  West  nach  Osten  hin- 
zieht und  dessen  höchste  Erhebung  5G2  m  ü.  d.  M.  beträgt.  An  hervor- 
ragender Stelle  steht  die  weithin  sichtbare  Wallfahrtskirche  Maria  Piain. 

Das  Gestein  des  Berges  gehört  durchaus  dem  Flysch  an.  An 
seinem  westlichen  Fusse  reichen  die  Mergel-  und  Sandsteinbänke  bis 
in  die  Salzach  hinein  und  ist  daselbst  die  Lagerung  derselben  in  h  6,  10<^ 
mit  einem  südlichen  Einfallen  und  84°  Neigung  (1)  deutlich  messbar. 


290 


Eberhard  Fugger. 


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[5]  Das  Salzbiirger  Vorland  291 

Wenige  hundert  Meter  stromabwärts  befindet  sich  am  (rechten) 
Ufer  der  Salzacli  der  grosse  S  tein  bru  ch  von  liergh  ei  m  (2).  Die 
Schichten  sind  hier  steil  gelagert  und  laufen  fast  parallel  zum  Fluss- 
ufer; sie  streichen  ebenfalls  in  hB,  10 — 12"  und  ihr  Fallen  schwankt 
zwischen  Tt)"  gegen  Süd  und  B*)^  gegen  Nord,  sie  stehen  also  fast 
senkrecht. 

Die  Basis  des  Steinbruches  ist  ein  offenes  Rechteck ;  die  der 
offenen  Seite  gegenüberliegende  Wand  ist  eine  Schichtfläclie,  deren 
Länge  im  Jahre  189(5  etwa  200  ;n  betrug;  seit  IH'JT  ist  derselbe  ausser 
Betrieb.  Die  im  Bergheimer  Steinbruch  auftretenden  Gesteinsarten 
sind  Mergel,  und  zwar  Kalk-  und  Thonmergel  und  Mergelkalke,  dann 
Mergel-  und  Thonschiefer,  sowie  fein-  bis  grobkörnige  Sandsteine,  mehr 
oder  weniger  kalkig  oder  mergelig,  theilweise  mit  Ausscheidungen  von 
ziemlich  grossen,  weissen  Glimmerblättchen  und  von  zahlreichen  Kohlen- 
stückchen, oder  auch  mit  Einschlüssen  von  Glauconitkörnern. 

Die  Aufeinanderfolge  der  Schichten,  wie  sie  im  April  I81H)  an 
einer  Seitenwand  messbar  war,  ist,  von  aussen  nach  innen,  nachstehende. 

Aussen  ist  das  Gestein  verschüttet,  dann  folgen  : 

100  cm  fester  Sandstein, 

dünnplattige  Mergel  und  Mergelschiefer, 

Sandstein, 

dünnplattige  Mergel, 

Mergelbank, 

dünnplattige  Mergel, 

Mergelbank, 

dünnplattige  Mergel, 

Sandstein, 

dunkle,  dünnplattige  Mergel, 

Sandstein, 

dünnplattige  Mergel, 

Sandstein, 

dünnplattige  Mergel, 

Kalkmergelbank  mit  grossen  Chondriten,  GijfophijUite^  und 
FacJi ijdistus  Neuberg icus  Hauer ^ 

dünnplattige,  dunkelgraue  Mergel-  und  Thonschiefer, 

hellgraue,  dünnplattige  Mergel, 

sandige  Mergel  und  Sandsteine, 

verschiedene  Lagen  dünnplattiger  Mergel,  Sandsteine  und 
Mergelbänke, 

fester  Sandstein, 

dünnplattige  Mergel, 

Sandstein, 

dünnplattige,  zum  Theil  fast  schwarze  Mergel-  und  Thon- 
schiefer, 

dünnschichtige  Sandsteine, 

compacter  Sandstein, 

dünnplattige  Mergel, 

Sandstein, 


2. 

8 

3. 

240 

4. 

10 

5. 

30 

H. 

30 

7, 

30 

8. 

18 

9. 

50 

10. 

35 

11. 

100 

12. 

40 

18. 

280 

14. 

60 

15. 

15 

IB. 

15 

17. 

10 

18. 

175 

19. 

250 

20. 

95 

21. 

75 

22. 

165 

23. 

20 

24. 

20 

25. 

210 

26. 

23 

27. 

100 

k 


2S. 

90 

29. 

80 

30. 

50 

31. 

292  Eberhard  Fugger.  [6] 

•m  Mergel, 

„     Sandstein  mit  Kohlensplittern, 

„     diinnplattige  Mergel, 

nördliche  Wand:  Sandstein. 

Die  dünnplattigen  Mergel  gehen  hiiufig  in  Mergel-  und  Thon- 
schiefer  über. 

Vorstehende  Schichtenfolge  ist  mit  jener,  welche  ich  im  Jahre 
1882  mit  Prof.  Kastner  in  demselben  Steinbruche,  aber  an  einer 
anderen  Stelle  beobachtet  und  gemessen  habe  '),  nicht  in  Einklang  zu 
bringen.  Aus  dieser  Thatsache  lässt  sich  schliessen,  dass  die  einzelnen 
Schichten  nicht  in  gleicher  Mächtigkeit  fortstreichen  und  dass  hie  und 
da  einzelne  sich  auskeilen. 

Auf  den  Schichttlächen  sieht  man  mehr  oder  weniger  deutliche 
S  förmige  Wülste  von  6  —  8  mm  Breite  und  2 — 3  mm  Höhe,  an  der 
Nordseite  der  Sandsteinschichte  9  sind  aber  grobe  Hieroglyphen  ent- 
wickelt von  jener  Form,  welche  ich  als  Kegelwülste  bezeichne.  Die 
dünnplattigen  Thonmergel  8  liegen  scheinbar  dicht  an  den  Hiero- 
glyphen an;  sie  brechen  aber  sofort  in  kleine  Stücke,  wenn  man 
einzelne  Theile  wegnehmen  will,  um  zu  sehen,  ob  die  Hieroglyphen 
Abdrücke  in  den  Mergeln  gebildet  haben.  Diese  Kegelwülste,  auf 
welche  ich  später  zurückkommen  werde,  befinden  sich,  wie  schon  er- 
wähnt, auf  der  Nordseite,  also  an  der  von  dem  Beschauer  abge- 
Avendeten  Fläche  der  Sandsteinschichte. 

Prachtvolle,  glänzend  schwarze  Rutschflächen,  sowie  Ausblühungen 
von  Bittersalz  und  Alaun  sind  an  den  Wänden  niclit  selten.  Zahlreiche 
Chondriten,  iiisbesondere  Cli.  intricatus  Brongn.,  arhnsculus  F.  0., 
Targionil  Brongn.  und  affinis  Sternb.,  letzterer  häufig  in  der  Aus- 
bildung von  Ilormosira  moniliformis  Heer,  d.  h.  senkrecht  auf  die 
Schichtung  das  Gestein  durchquerend,  Taenidium  Fischeri  Heer,  Tao- 
nurus  ßahelliforniis  F.  0.  und  andere  Formen  dieses  Genus,  und 
IlehnintJwida  labgrintliica  Heer  durchziehen  die  Mergel.  Ausserdem  findet 
man  Hgdrancglns  geniculatus  F.  0.  und  andere  Arten,  ferner  ver- 
schiedene Species  von  Gyropliyllites  und  Halgmenidium,  sowie  Formen, 
die  mit  unseren  Gräsern  Aehnlichkeit  besitzen.  Das  Salzburger 
städtische  Museum  Carolino-Augusteum  besitzt  auch  je  ein  Exemplar 
von  Caulerpa  filiformis  Sternb.  und  C.  eicatricosa  Heer  mit  der  Fundorts- 
angabe „Bergheim";  ob  aber  dieselben  wirklich  von  dort  stammen, 
muss  dahin  gestellt  bleiben,  da  ich  trotz  ausserordentlich  zahlreicher 
Besuche  in  den  Flyschsteinbrüchen  nie  auch  nur  eine  Spur  einer 
Caulerpa  sah. 

In  den  Mergeln  —  Schichte  15  —  des  Bergheimer  Steinbruches 
fand  Prof.  Kastner  den  Abdruck  eines  Ammoniten :  Fachgdiscus 
NeubergicuH  Flauer,  womit  die  Zugehörigkeit  des  Flysches  von  Berg- 
heim zur  oberen  Kreide  zweifellos  nachgewiesen  ist.  Auch  ein  Bruch- 
stück eines  Krebses,  sowie  ein  Fischwirbel  und  eine  froschfussähnliche 
Bildung  wurden  daselbst  aufgefunden. 


')  Sielie  Fugger  undKastner:  Studien  und  Beobachtungen  aus  und  über 
Salzburg.  Salzburg  1885,  S.  63. 


[7]  I>as  Salzburgor  Vorland.  293 

In  den  Sandsteinen  kommen  eioentliümliche  lilngliclie  Knollen 
vor,  abgerundete  Kegel  von  25  an  Höhe  und  12  cm  P>asisdurchmesser, 
aus  genau  demselben  Materiale  wie  der  umgebende  Sandstein  und 
von  der  gleichen  Grösse  der  ihn  zusammensetzenden  Körner.  Diese 
Knollen  liegen  der  Länge  nach  in  der  Sandsteinschichte,  und  zwar 
sowohl  mitten  in  einer  Bank,  als  auch  an  der  Aussenseite  einer 
solchen,  gleichviel  ob  über-  oder  Unterseite  hervorragend. 

An  einzelnen  Stellen  trifft  man  im  Gesteine  Thongallen,  das 
heisst  kleine  Knollen  von  etwa  3  bis  5  cm  Länge,  2  cm  Breite  und 
5  bis  8  mm  Dicke  aus  Mergelthonsubstanz  von  rundlichen  flachen 
Formen  ohne  jede  Structur.  Auf  den  ersten  Blick  könnte  man  sie  für 
Ausfüllungen  von  Hohlräumen  ansehen,  welche  durch  Muscheln  ent- 
standen sind;  bei  näherer  Betrachtung  jedoch  sieht  man,  dass  sie 
dies  nicht  sein  können.  Auch  ähnliche  Formen  aus  schwarzer  Thon- 
schiefermasse  findet  man  hin  und  wieder  im  Sandstein. 

An  der  Grenze  zwischen  den  Schichten  12  und  13  werden 
die  Mergel  allmälig  sandiger  und  gehen  schliesslich  in  krummschalige 
Sandsteine  über.  In  diesen  beobachtet  man  Mergelknollen  von  60  ctn 
Länge  und  45  cm  Höhe,  diese  zeigen  muschlige  Bruchflächen  und 
verwittern  theilweise  mit  brauner  Farbe. 

Eine  ganz  eigenthümliche  Verwitterung  zeigt  die  Schichte  18. 
Während  sonst  die  Wände  des  feinkörnigen  mergeligen  Saudsteines 
derart  verwittern,  dass  auf  der  fast  verticalen  Schichtfläche  horizon- 
tale und  verticale  Spaltlinien  entstehen,  so  dass  eine  solche  Wand 
das  Aussehen  einer  roh  und  unregelmässig  aufgeführten  Steinmauer 
hat  (s.  Fig.  2),  ist  hier  (Fig.  3)  die  Oberfläche  des  mergeligen  Sand- 
steines über  eine  ziemlich  grosse  Fläche  hin  in  lauter  Vierecke  ge- 
spalten, die  durch  ziemlich  regelmässige  gerade  Linien,  welche  nach 
rechts  und  links  abwärts  gehen,  gebildet  werden.  Die  Seiten  eines 
solchen  Viereckes  sind  15  bis  20  cm  lang.  Stellenweise  sind  es  wirk- 
liche Quadrate,  deren  Seiten  gegen  die  Horizontale  um  45°  ge- 
neigt sind. 

An  einer  anderen  Stelle  dieser  Schichte  sieht  man  einen 
Knollen  von  80  cm  Länge  und  25  bis  30  cm  Höhe  aus  der  carrirten 
Wand  hervorragen.  Der  Sandstein,  welcher  zahlreiche  kleine  Kohlen- 
splitter enthält  und  sandig  verwittert,  zeigt  auch  Einschlüsse  von 
härteren  Sandsteinknollen,  die  theilweise  von  ockerigem  Sand  umhüllt 
sind ;  auch  ziehen  sich  einzelne  Ockerschnüre  durch  den  lockeren 
Sandstein. 

Im  März  1893  wurde  beim  Abräumen  der  Südostecke  des  Stein- 
bruches auf  dem  Flysch  eine  Moräne  blossgelegt,  welche  mit  Salzach- 
sand überdeckt  war.  Nachdem  die  Moräne  theilweise  weggeführt  war, 
kamen  auf  den  abgerundeten  Schichtenköpfen  der  anstehenden  Flysch- 
sandsteine  Gletscherschlifl"e  zum  Vorschein,  deren  Streifen  parallel  zur 
Schichtung,  also  in  der  Richtung  von  Ost  nach  West,  d.  h.  in  der 
localen  Flussrichtung  gezogen  waren. 

Am  Nordrande  des  Steinbruches  sind  die  Schichten  durch  den 
Bau  der  Eisenbahn  Salzburg-Lamprechtshausen  angeschnitten  worden. 
Man  beobachtet  hier  Kalkspathadern  und  krystallisirten  Kalkspath 
im  Sandstein;   theilweise  haben  die  Kalkeinschlüsse  Streifungen,   wie 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsaustalt  1899,  49.  Band,  2.  tieft.  (E.  Fugger.)  38 


294 


Eberhard  Fugger. 


[8] 


[9] 


Das  Salzbiirger  Vorland. 


295 


38* 


296  Eberhard  Fiigger.  [10] 

man  sie  an  Rutschflächen  sieht.  Auch  Mergelknollen  von  5  cm  Höhe 
beobachtete  ich  daselbst. 

Kaum  hundert  Schritte  unterhalb  des  Steinbruches  steht  Flysch 
direct  an  der  Salzach  an.  Ganz  Bergheim  steht  auf  Flysch  und 
ist  derselbe  an  der  Fahrstrasse  im  Dorfe  blossgelegt.  Beim  Finanz- 
wächterhaus nördlich  des  Dorfes  (3)  war  vor  dem  Neubau  desselben 
Flysch  mit  (U)"  Neigung  gegen  Süd  anstehend,  messbar. 

Beim  Dechanthof,  sowie  auf  dem  Wege  von  der  Piain  er 
Kirche  gegen  das  Restaurationsgebäude  sieht  man  die  Schichten- 
köpfe auf  eine  ziemlich  lange  Strecke  aus  dem  Boden  hervorragen; 
die  Streichrichtung  bleibt  auf  der  Höhe  des  Plainberges  ziemlich 
unverändert;  so  ist  die  Lagerung  beim  Kreuz  auf  der  Wiese  am 
Fusswege  von  Bergheim  nach  Piain  (4)  h  8  mit  86«  Fallen  nach  NNO 
und  80  bis  W  nach  SSW  ;  westlich  von  den  Kreuzwegstationen  im 
Walde  (5)  fallen  die  Schichten  steil  nach  SSW;  an  der  Stiege, 
welche  am  Nordgehänge  des  Plainberges  aus  dem  Fischachthaie  auf 
die  Höhe  führt,  beobachtet  man  ebenfalls  eine  Neigung  nach  SSW  (6); 
östlich  vom  Fahrwege  von  Salzburg  uach  Piain  an  der  Südseite  des  Berges 
gegenüber  der  ersten  Station  (7)  ziemlich  steiles  südliches  Einfallen  — 
die  Mergel  sind  hier  voll  von  Chondriten  und  auf  den  gegen  N  ge- 
richteten Sandsteinflächen  zeigen  sich  riesige  Kegelwülste ;  ich  mass 
eine  solche  von  21cm  Länge  und  7  rw  Basisdurchmesser,  b  cm  hoch 
aus  der  Schichtfläche  hervortretend. 

Unterhalb  dieser  Stelle  im  Walde  ^fallen  die  Schichten  (8)  wieder 
sehr  steil  gegen  SSW,  die  Wülste  ^)  befinden    sich  an  der  Nordseite. 

Weiter  gegen  Osten  hin  biegt  die  Streichrichtung  immer  mehr 
in  die  nordsüdliche  über.  So  ist  die  Lagerung  in  der  sumpfigen 
Mulde  nordwestlich  von  Gagelham,  am  Waldsaum  (0)  h  8,  5*>  mit 
50^  Phallen  nach  SW ;  ähnlich  hinter  dem  PLiuse  Gagelham  (10)  an 
zwei  Stellen  und  im  grossen  Steinbruch  östlich  von  Gagelham  im 
Walde  (11);  hier  sind  die  Kegelwülste  gegen  NO  gerichtet.  Weiter 
östlich  von  dieser  Stelle,  in  einer  Mulde  im  Walde  (12)  ist  das 
Streichen  h  9  mit  42"  Fallen  gegen  SW.  Zwischen  diesem  Punkte 
und  der  südlich  davon  gelegenen  Häusergruppe  Rauchenbichl 
befinden  sich  zwei  Steinbrüche  auf  Flyschmergel  (13);  das  Streichen 
ist  hier  h  11,  5"  bis  h  12,  das  Phallen  3no  gegen  W,  die  Wülste  liegen 
an  der  Ostseite. 

Eine  ähnliche  Unregelmässigkeit  zeigt  sich  am  südwestlichen 
Gehänge  des  Berges.  In  einem  Eisenbalineinschnitte  der  Lamprechts- 
hausener  Bahn  unterhalb  der  Plainb rücke,  also  in  der  Nähe  von 
Bergheim,  fallen  die  Schichten  gegen  NNW  (14);  im  Bache  längs 
des  Fahrweges  nach  Piain  ,  unterhalb  K  e  m  a  t  e  n ,  streichen  sie 
in  h  11  mit  50°  Einfallen  gegen  WSW,  die  Wülste  gegen  ONO  ge- 
richtet (15). 

Am  Ostfusse  des  Plainberges,  zwischen  diesem  und  dem  Nuss- 
dorfer  Hügel  liegt  die 


^)  Wenn    ich    von  Wülsten    ohne   nähere   Bezeichnung   spreche,    sind   stets 
Kegelwülste  gemeint. 


[11]  Das  Salzburger  Vorland.  297 


Mulde  von  Rudeck, 

welche  von  einer  Fahrstrasse  und  der  Staatsbahn  durchzogen  wird. 
In  dieser  Mulde  erhebt  sich  eine  Anzahl  isolirter  Rundhügel;  nur 
der  Hügel,  auf  welchem  Radeck  steht,  ist  in  directer  Verbindung 
mit  dem  Plainberge.  An  der  Südseite  dieses  Hügels  wechsellagern 
Mergelkalke  und  Sandsteine ;  letztere  enthalten  muschelartige  Ein- 
drücke, welche  mit  einer  thonschieferähnlichen  Masse  erfüllt  sind, 
d.  i.  Thongallen,    wie    sie    im  Steinbruch   von   Bergheim    vorkommen. 

Auf  der  Radeckerwiese,  südöstlich  von  Radeck,  erhebt  sich  ein 
isolirter  Rundhügel,  an  dessen  Südseite  in  den  Achtzigerjahren  ein 
kleiner  Steinbruch  eröftnet  war.  Hier  liegen  unten  Mergelkalke, 
welche  an  ihrer  oberen  Grenzfläche  Chondr/fes  afinii^  und  häufiger 
Ch.  intricatus  tragen;  darüber  folgen  dünnschichtige  Mergel  und  über 
diesen  Sandstein  mit  den  vorerwähnten  Thongallen.  Die  Schichtung 
in  diesem  Steinbruch  ist  h  9,  5"  mit  Fallen  nach  SW,  die  Wülste  an 
der  NO-Seite  (16). 

Oestlich  der  Fahrstrasse,  hart  an  derselben,  zieht  sich  ein  lang- 
gestreckter Hügel  hin;  an  seinem  Südende,  wo  sich  Strasse  und  Bahn 
kreuzen,  nahe  dem  Wächterhause  400,  ist  die  Schichtung  h  11,  10^ 
mit  westlichem  Einfallen  und  Wülsten  an  der  Westseite  (17);  mehr 
gegen  SW  ist  das  Gestein  in  diesem  Anbruch  vollkommen  verworfen. 
Weiterhin  an  der  Strasse  lagern  Mergel  und  Sandsteine,  auf  einige 
zwanzig  Meter  blossgelegt,  in  h  10  mit  südwestlichem  Einfallen  (18), 

Von  Punkt  17  die  Bahnlinie  entlang  findet  sich  ein  Anbruch, 
eigentlich  ein  kleiner  Bahneinschnitt,  dann  weiterhin  gegen  NO  ein 
grösserer,  aber  verlassener  Steinbruch  und  einige  hundert  Meter  in 
derselben  Richtung  fort  wieder  ein  Anbruch ;  an  allen  diesen  drei 
Punkten  ist  die  Lagerung  der  Mergel-  und  Sandsteinbänke  h  12  mit 
mehr  oder  weniger  steilem  westlichen  Einfallen,  die  Wülste  an  der 
Westseite  (19). 

Nordöstlich  von  diesen  Punkten  erhebt  sich  aus  der  Wiese  ein 
kleiner  isolirter  Hügel,  welcher  theilweise  von  Humus  entblösst  ist 
und  von  unten  nach  oben  nachstehende  Schichtenfolge  zeigt: 

50  cm  dichte  compacte  Mergelkalke  in  Platten  von  15—20  cm 
Dicke;  auf  der  Oberseite  der  obersten  Bank  linden  sich  zahlreiche 
Chondriten,  besonders  Ch.  intricatus^  seltener  Ch.  iridinatus; 

21  cm  dünnschichtige  Mergel; 

22  ctn  dichter  Mergelkalk ; 

17  cm  dünnschichtige  Mergel;  als  Hangendes  200  fw  geschichtete 
Sandsteine,  welche  in  den  unteren  Partiell  grobkörnig,  in  den  oberen 
feinkörniger  sind.  Die  Unterseite  der  Liegendschicht  des  Sandsteines 
zeigt  zahlreiche  erhabene  Kegelwülste,  von  denen  man  aber  in  den 
darunter  liegenden  dünnschichtigen  Mergeln  vergebens  nach  negativen 
Abdrücken  sucht.  Die  Lagerung  dieses  Schichtencomplexes  ist  h  10 
mit  Einfallen  nach  SW,  die  Wülste  in  SW  (20). 

Im  Osten  und  Südosten  der  Mulde  von  Radeck  erhebt  sich 
zwischen  der  Linie  der  Staatsbahn  und  jener  der  Salzkammergut- 
Localbahn  der 


298  Eberhard  Fugger.  [12] 

Nussdorfer  Hügel. 

An  seinem  Südfusse  liegt  die  kleine  Ortschaft  Sani.  Hier 
befindet  sich  fast  in  der  Thalsohle  ein  Steinbruch  auf  Mergelkalke 
und  Sandstein,  in  h  7  mit  Einfallen  nach  S  gelagert  (21);  die 
Wülste  liegen  an  der  Nordseite ;  auf  der  Südseite  sieht  man  zahl- 
reiche Chondriten :  inc1inatus,  Tan/ionü  und  intricatus.  Nordwestlich 
von  diesem  Punkte,  etwas  höher  gelegen,  ist  ein  Doppelsteinbruch 
{22)^  in  welchem  die  Schichten  derart  verdrückt  und  verschoben  sind, 
dass  eine  Lagerung  derselben  nicht  bestimmbar  ist. 

An  der  Staatsbahn,  den  Punkten  19  gegenüber,  findet  sich  ein 
Anbruch  (23)  und  etwas  nordöstlich  davon  ein  verlassener  Steinbruch 
(24).  Im  ersteren  ist  die  Schichtung  vollkommen  übereinstimmend 
mit  jener  der  Punkte  19,  nämlich  h  12  mit  steilem  westlichen  Fallen 
(23),  im  Steinbruche  (24)  dagegen  ist  die  Lagerung  in  h  8  mit 
Einfallen  nach  SW.  Wülste  waren  an  den  zuletzt  genannten  drei 
Stellen  nicht  aufzufinden. 

An  dem  Nordostgelulnge  des  Nussdorfer  Hügels,  zwischen  den 
Ortschaften  Nussdorf  und  Sölllieim,  ist  ein  Aufschluss  (25)  in  h  7  mit 
Fallen  nach  SSW  —  Thonscliiefergallen  iind  Wülsten  an  der  NNO- 
Seite  —  vorhanden,  und  bei  Söllheim  selbst,  an  einem  isolirten 
Rundhügel  zwischen  Bahn  und  Schloss,  ein  solcher  mit  li  9  und  süd- 
westlicher Fallrichtung  und  Chondriten  ;  Wülste  wurden  nicht  gefunden. 


Die  Hieroglyphen  oder  Wülste,  welche  sich  auf  den 
Schichtfiiichen  der  Sandsteine  vorfinden,  gelten  zum  Theil  wenigstens 
ziemlich  allgemein  als  die  Ausfüllung  von  Eindrücken,  welche  das 
Materiale,  das  seinerzeit  die  Oberfiiiche  einer  mit  Wasser  bedeckten 
Dank  gebildet  hat,  auf  irgend  eine  Weise  erhalten  hat.  Woher  diese 
Eindrücke  stammen,  soll  hier  nicht  weiter  berührt  werden.  Auf  die 
eben  besprochene  Bank  hat  sich  neues  Materiale  abgelagert  und  dabei 
auch  die  vorhandenen  Vertiefungen  ausgefüllt.  Jene  Seite  einer  Bank, 
welche  derartige  Ausfüllungen,  also  erhabene  Wülste  trägt,  muss  daher 
die  Unterseite  der  betreffenden  Schichte  sein. 

So  schreibt  auch  Zugmayer  0,  dass  die  Hieroglyphen  „immer 
nur  an  Sandsteinplatten,  und  zwar  naturgemäss  nur  an  deren  Liegend- 
fiäche  erscheinen".  Fline  ähnliche  Bemerkung  machen  Paul  und  Tietze 
in  ihren  „Neuen  Studien  in  der  Sandsteinzone  der  Karpathen"  ^).  Ililber 
sagt 2):  „Wo  man  über  das  wahre  Hangende  nicht  im  Zweifel  sein 
kann,  treten  die  Hieroglyphen  stets  an  der  Unterseite  der  Sandstein- 
bänke auf". 

Aber  nicht  alle  Arten  von  Hieroglyphen  charakterisiren  die 
Unterseite  einer  Schichte.  Schon  Hauer*)  erwähnt,  dass  die  Hiero- 
glyphen „wenigstens  theilweise  gewiss  nicht   blosse  Ausfüllungen   von 


M  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  187^,  S.  294. 

-)  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1879,  S.  198  und  200. 

')  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1885,  S.  408. 

*)  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.  1859,  S.  421. 


[13]  Das  Salzburger  Vorland.  299 

Eindrücken  an  der  Oberfläche  der  Schichten"  sind  und  Fuchs')  sagt 
mit  Recht,  „dass  bestimmte  Reliefformen  rcfjelmässig  nur  an  der 
unteren,  andere  ebenso  regelmässig  nur  auf  der  oberen  Fläche  der 
Gesteinsbänke  gefunden  werden". 

Zu  den  Wülsten,  welche  stets  nur  an  der  Unterseite  einer 
Sandsteinschichte  auftreten  und  welche  durch  ihre  Form  besonders 
auffallen,  ge|iören  diejenigen,  welche  ich  in  Ermangelung  eines  treffen- 
deren Ausdruckes  als  Kegelwülste  bezeichnen  möchte. 

Diese  Wülste  gleichen  einigermassen  unregelmässigen  Kegeln, 
deren  Axe  in  der  Schichtflächc  liegt;  die  Basis  des  Kegels  ist  meist 
elliptisch.  Die  Wülste  verlaufen  an  ihrer  dickeren  Stelle  anfangs 
cylindrisch  und  verjüngen  sich  allmälig  nach  der  einen  Seite  zur 
Kegelgestalt,  nach  der  anderen  verflachen  sie  sich  rasch.  Die  Länge 
der  Kegelaxe  verhält  sich  meist  zu  den  beiden  Ellipsenaxen  der 
Basis,  wie  5  :  1  :  1V2>  wobei  meist  die  längere  Ellipsenaxe  mit  der 
Schichtfläche  zusammenfällt;  es  kommt  aber  auch,  wenngleich  selten 
vor,  dass  die  längere  Ellipsenaxe  der  Basis  auf  der  Schichtfläche  senk- 
recht steht  und  daher  die  kleine  Axe  in  der  Fläche  selbst  liegt.  Nach- 
dem aber  nur  die  Hälfte  dieses  unregelmässigen  Cylinderkegels  aus  der 
Gesteinsfläche  hervorragt,  so  sind  die  Wülste  eigentlich  nur  Halbkegel. 

Bemerkenswert  ist  das  Material  der  Wülste.  Die  Sandkörner 
derselben  sind  viel  gröber  und  grösser  als  in  der  Sandsteinfläche,  auf 
der  sie  sich  befinden  und  sie  enthalten  stets  zahlreiche  silberweisse 
Glimmerblättchen  beigemengt.  Die  Wülste  sind  aber  trotz  dieser  Ver- 
schiedenheit im  Materiale  in  innigem  Zusammenhange  mit  der  Schicht- 
fläche, aus  welcher  sie  hervortreten  und  lassen  sich  nicht  von  der- 
selben ablösen.  Häufig  treten  die  Kegelwülste  gesellig  auf;  dann  sind 
sie  meist  in  Reihen  so  nebeneinander  gestellt,  dass  die  Flachseiten 
der  Wülste  der  einen  Reihe  von  den  Spitzen  der  Wülste  der  anderen 
Reihe  umsäumt  werden.  Sie  sind  etwa  20— 25  cm  lang,  6— 8  cm  breit 
und  2-  4  cm  hoch. 

Solche  Kegelwülste  befinden  sich,  wie  schon  früher  erwähnt,  in 
dem  Steinbruch  von  Bergheim  an  der  dem  Beschauer  abgewendeten 
Nordseite  ;  die  frei  gelegten  Wände  bilden  sohin  die  obere  Seite  der 
Schichten. 

Paul 2)  schreibt  zwar:  „Die  Greifensteiner  Sandsteine  der  Gegend 
von  Pressbaum  sind  vielfach  als  Beispiele  für  den  Umstand  angeführt 
worden,  dass  die  Hieroglyphen  stets  nur  an  der  Unterseite  der  Schichten 
zu  finden  seien,  und  aus  diesem  Umstände  sind  dann  mannigfache 
theoretische  Schlüsse  gezogen  worden.  Da  nun  aber  infolge  der  bei 
Pressbaum  zweifellos  herrschenden  überkippten  Schichtenstellung  die 
dort  unten  erscheinende  Seite  der  Schichten  bei  normaler  Lagerung 
gerade  die  Oberseite  repräsentirt,  so  sind  selbstverständlich  alle  diese 
Schlüsse  hinfällig". 

Es  fragt  sich  dabei  nur,  welche  Art  von  Hieroglyphen  hier  auf 
der  Oberseite  sichtbar  ist;  Kegelwülste  sind  es  wahrscheinlich  nicht. 


')  Denkschriften   d.  kais.  Akad.  d.   Wiss.   in  Wien,    math.-natiirwiss    Classe, 
1895,  Band  LXII,  S.  370. 

*)  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  R.-A.   1895,  S.   289. 


300  Eberhard  Fiigger.  [14] 

Director  Fuchs  erklärt^)  die  Wülste  als  Fliesswülste,  welche 
durch  Bewegung  einer  Sandschichte  direct  an  der  Unterseite  derselben 
entstanden  und  später  verhärtet  sind.  Nach  dieser  Auffassung  sind  die 
Wülste  keine  negativen  Abdrücke,  sondern  positive  Erhabenheiten, 
welche  aber  ebenfalls  die  Unterseite  einer  Sandsteinbank  kennzeichnen. 

Es  ist  aber  eigenthümlich,  dass  diese  Wülste,  also  die  negativen 
Abdrücke  von  ursprünglichen  Vertiefungen  oder  nach  F  u  c  h  s  positive 
Erhabenheiten,  zwar  sehr  häufig  vorkommen,  dass  man  aber  nie  eine 
Spur  der  ursprünglichen  Vertiefung  selbst,  oder  einen  negativen  ver- 
tieften Abdruck  der  Fliesswülste  an  der  Oberfläche  der  Liegendschichte 
findet.  Einen  stichhältigen  Grund  für  diese  Erscheinung  habe  ich  bis 
jetzt  nicht  gefunden. 

Halten  wir  die  Ansicht  fest,  dass  die  Kegelwülste  auf  den  Sand- 
steinflächen wirklich  die  Unterseite  der  Schichten  charakterisiren,  so 
erhalten  wir  durch  die  Möglichkeit  der  Unters<^'heidung  von  oben  und 
unten  bei  Beobachtung  der  Lagerung  der  Schiebten  ganz  interessante 
Aufschlüsse  über  die  Entstehung  von  Berg  und  Thal  im  Flyschgebiete. 


Li  dem  eben  geschilderten  Gebiete  Plainberg — Radeck— Nuss- 
dorfer  Hügel  streichen  die  Schichten  am  Westgehänge  (1,  2,  3)  und 
in  den  nördlichen  Partien  (6)  ziemlich  normal  von  West  nach  Ost  mit 
steilem  Einfallen  gegen  Süd;  je  weiter  wir  gegen  Süden  und  Osten 
vorschreiten,  desto  mehr  richtet  sich  das  Streichen  in  ein  nordwest- 
südöstliches, bis  dasselbe  auf  dem  liauchenbichl  (13),  in  der  Südecke 
der  Kadecker  Mulde  (17,  19,  20)  und  am  Südwestfusse  des  Nuss- 
dorfer  Hügels  (23)  geradezu  nordsüdlich  wird.  Auf  dem  Nussdorfer 
Hügel  streichen  die  Schichten  wieder  beiläufig  in  der  Richtung  von 
West  nach  Ost.  Die  Unterseite  der  Schichten  ist  überall  nach  Norden 
gerichtet;  nur  dort,  wo  das  Streichen  nordsüdlich  ist  (13,  17,  19,  20, 
23),  ist  auch  in  Bezug  auf  das  Unten  und  Oben  eine  Unregelmässig- 
keit bemerkbar. 

Auf  dem  Rauchenbichl  (13)  liegen  die  Wülste,  übereinstimmend 
mit  der  allmäligen  Biegung  der  Streichrichtung  an  der  Ostseite,  in 
der  Südecke  der  Radecker  Mulde  (17,  19,  20),  und  am  Südwestfusse 
des  Nussdorfer  Hügels  (23)  dagegen  liegen  sie  an  der  Westseite.  Es 
ist  also  hier  gleichzeitig  mit  der  Biegung  ein  Bruch  zu  constatiren, 
bei  welchem  die  westlich  gelegenen  Partien  ein  blosses  Einsinken  gegen 
Westen  um  35*^  erlitten,  während  die  östliciien  Partien  um  einen 
Winkel  von  100  —  135'^  derart  gedreht  wurden,  dass  ihre  Unterseite 
nach  oben  kam.  Die  verdrückten  Schichten  des  Doppelsteinbruches 
bei  Sam  (22)  kennzeichnen  eine  zweite  Bruchstelle. 


Bergheini:  (1)  h  G,  10"  'f  84  S.   —    (2)  h  G,    10—12"  'i  76  S  bis  86  N;    Wülste 

in  N.  —  (3)  h  6,  10"  'f  60  S. 
Plainberghöbe:    (4)  h  8  'f  86  NNO  bis  80  SSW.    —    (5)  h  8,  7"  f  76  SSW.  -- 

(6)  h  7,    1—4"    'f    f.0— 53    SSW.    —    (7)    h    6,   8"    '^    73  S.    —    (8)    h   7,    8"  tf 

85  SSW;  Wülste  in  N. 


M  Denkschriften    d.    kais.    Akad.    d.    Wiss.    in    Wien,    math -naturw.    Classe, 
1895,  Band  LXII,  S.  5. 


[15]  r)as  Salzbiirgor  Vorland.  301 

Gagel  harn:  (9)  h  8,  f)"  '^  50  SW.  -   (10)  h  8  'i    48—58  SW.    -    (11)  h  8,  5"  'i 

45-SW;  Wülste  in  NO.  —  (12)  h  9  cp  42  SW.,, 
Rauchenbiclil:  (13)  h  11,  5"  bis  h   12  'f  35  W;  Wülste  in  (). 
Plainbrücke:  (14)  h  5  'f  50  NNW. 
Keniaten:  (1&)  li  11  'f  50  WSW;  Wülste  in  ONO. 
Raileck:   (KJ)  h  9,   5"  'f  SG  SW;    Wülste    in    NO.    —    (17)   b    11,    10"   'v   45  W; 

Wülste  in  W.    —  (18)  h   10  -f  27  SW.  —    (19)  b   12  -i  42-80  W;   Wülste  in 

W.  —  (20)  h   10  f  41  SW;  Wülste  in  SW. 
Nnssdorfer  Hügel:    (21)    b    7    'v    51    S;    Wülste  in  N.    —    (22)   Verdrückt.    — 

(23)  h   12  'f  steil  W.   —  (24)  h  8  -f  52  SW. 
Soll  beim:,  (25)  b  7  'f  50  SSW;  Wülste  in  NNO.  —  (26)  h  9  f  60  SW. 


II.  Der  Heuberg 

(vergl.  biezu  die  Kartenskizze  Fig.  4  auf  umstebentler  Seite) 

erhebt  sich  im  Nordosten  der  Stadt  Salzburg  und  wird  im  Süden  vom 
Alter-  oder  Götze nb ach,  der  in  seinem  unteren  Lauf  den  Namen 
Plainbach  führt,  und  der  Strasse,  welche  von  Salzburg  über  Gnigl, 
Guggenthal  und  Pesteig  nach  Plainfeld  zieht,  begrenzt;  im  Osten 
bilden  die  Grenze  der  Plainf eider  Bach  und  die  Strasse  Pesteig- 
Plainf  eld  — Kraiwies  en;  im  Norden  die  Eugen  dorf- Th  al- 
gauer  und  im  Nordwesten  ein  Theil  der  Linzer  Reichsstrasse, 
nämlich  die  Strecke  G  ni  gl -Eugendor  f  und  das  damit  parallel 
laufende  S  ö  1 1  h  e  i  in  e  r  Moos  und  der  H  a m  m  e  r  s  c  h  m  i  e  d  g  r  a b  e  n. 
Der  Berg  erhebt  sich  in  Süd  und  West  ziemlich  steil  und  erreicht 
in  seinem  höchsten  Punkte,  im  Hochmais,  die  Höhe  von  899  m 
über  dem  Meere  ;  gegen  Ost  und  Nord  bildet  er  in  etwa  750  m  Meeres- 
höhe ein  weites  freundliches  Plateau,  das  mit  Wiesen  und  Aeckern, 
aber  auch  mit  Sümpfen  bedeckt  ist,  und  gegen  Norden  verflacht  er 
sich  allmälig  in  das  Kalhamer  und  Unzin ger  Moor.  Li  der 
südwestlichen  Hälfte  des  Berges  tritt't  man  anstehendes  Flyschgestein 
und  Moränenmaterial,  in  der  nordöstlichen  Hälfte  dagegen  ist  der 
Boden  ausschliesslich  von  glacialen  Resten  gebildet  und  zeigt  sich 
nirgends  ein  Aufschluss  in  anstehendem  älteren  Gestein. 

Aber  auch  in  der  südwestlichen  Hälfte  findet  man  verhältnis- 
mässig selten  anstehenden  Fels.  Bei  der  Alterbachbrücke  an 
der  Linzer  Reichsstrasse  in  Gnigl,  gegenüber  der  Leimsiederei  (1), 
befindet  sich  ein  Steinbruch,  in  welchem  die  Schichtung  zwischen 
h  (5  und  h  5,  5*^  schwankt,  bei  einem  südlichen  Einfallen  unter  65  bis 
70  Grad.  Die  Kegelwülste  befinden  sich  an  der  Nordseite,  die  Chon- 
driten  auf  der  Südseite ;  die  grossen  Chondriten  gehen  nicht  tief  ins 
Gestein.  Ein  Taonurus  fand  sich  an  der  Südseite  einer  Schichte,  sich 
ins  Innere  hinein  verjüngend.  An  dem  Wege,  der  von  der  Kirche 
Gnigl  auf  den  Dachslueg  führt,  zwischen  der  Brücke  über  den 
Alterbach  und  dem  Walde  (2),  steht  Flysch  an  in  h  5,  8^  mit  nörd- 
lichem Einfallen ;  die  Wülste  liegen  an  der  Südseite.  30  m  höher  an 
demselben  Wege  sind  die  Flyschmergel  sehr  verdrückt,  an  einer  Stelle 
daselbst  (3)  fallen  die  Schichten  nach  NW. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1899.  49.  Band,  2.  Heft.  (E.  Fugger.)  39 


302 


Eberhard  Fugger. 


[16] 


[  1  7J  Das  Salzbiirgcr  Vorlatul.  303 

Weiiifj;  weiter  gegen  Ost  kommt  ein  Bach  herab,  der  in  der 
Nähe  des  Gruberlehens  entspringt  und  in  den  Alterbacli  fiiesst. 
Dieser  zeigt  an  einer  Stelle  (4)  ein  Streichen  in  h  ö,  7"  mit  nörd- 
lichem Kinfallen,  die  Wülste  an  der  Südseite,  und  wenige  Schritte 
weiter  oben  (5)  ein  Streichen  nach  h  6  mit  fast  senkrechter,  wenig 
nach  Norden  geneigter  Schichtenstelhmg,  die  Wülste  aber  an  der 
Nordseite.  Wir  befinden  uns  also  hier  wieder  an  einer  Bruchlinie, 
die  sich  in  der  Terraingestaltung  durch  den  Graben  markirt,  welcher 
sich  zwisclien  Leiterbauer  und  Gruberbauer  hinzieht. 

Im  Alterbach  selbst  zwischen  Kohlhub  und  Framleiten 
(6)  steht  Flysch  an  in  h  5  bis  (5  mit  nördlichem  Kinfallen ;  weiter 
oben,  etwas  unterhalb  der  Mühle,  ziehen  sich  die  Schichten  durch 
den  Bach  hin  (7)  und  zeigen  am  rechten  Ufer  und  im  Bach  ein 
Streichen  in  h  5,  7^  mit  ziemlich  steilem  südlichen  Einfallen,  am 
linken  Ufer  aber  ein  Streichen  in  h  6  mit  demselben,  wenn  auch 
weniger  steilen  Fallen ;  die  Wülste  sind  hier  an  der  Südseite. 

Gerade  gegenüber  von  Guggenthal,  etwa  nord-nordwestlich  davon, 
mündet  ein  Seitenbach,  der  Sock  er  er  bach,  in  den  Alterbach. 
Steigt  man  im  Bette  dieses  Seitenbaches  am  Heuberg  aufwärts,  so 
findet  man  nur  Schutt  und  colossale  Trümmer  von  Aigner  Conglomerat. 
Dann  durchquert  ein  Weg  den  Bach;  weiter  hinauf  liegt  ebenfalls 
nur  Schutt,  bis  ein  zweiter  Weg  über  den  Bach  führt.  Erst  oberhalb 
dieser  Stelle  ist  Flysch  anstehend  (8)  und  lässt  sich  an  verschiedenen 
Punkten  seine  Lagerung  messen.  Das  Streichen  schwankt  zwischen 
h  4,  5"  und  h  6  bei  steilem  Einfallen  nach  Nord,  die  Wülste  eben- 
falls in  Nord.  Der  Bach  scheint  nun  aus  einer  Sumpfwiese  zu  ent- 
stehen; oberhalb  der  Wiese  aber  im  Walde  ist  sein  Bett  wieder 
tiefer  eingerissen,  und  hier  sieht  man  (9)  Flyschsandstein  mit  Kalk- 
spathadern, dann  Mergelkalk  und  Kalksandstein  in  h  G  mit  nördlichem 
Fallen.  Auch  tritt  in  diesem  Theil  des  Bachbettes  ziemlich  viel  Kalk- 
tuff auf.  Fünfzehn  Meter  beobachtet  man  dieselbe  Lagerung.  Weiter- 
hin lagert  ein  grünlich-bläulicher  Lehm,  dann  Schutt,  in  welchem  ich 
einige  abgerundete  Findlinge  eines  Nummulitenkalksandsteines 
sammelte  von  dem  Aussehen,  wie  er  an  der  Hochburg  bei  Wolf- 
schwang, am  Fusse  des  Untersberges  anstehend,  vorkommt.  Auch 
Gosauconglomerate  liegen  umher.  Li  der  nun  folgenden  Strecke  von 
etwa  50  m  Länge  tritt  das  Flyschgestein  noch  viermal  zutage,  zwar 
mit  derselben  Streichrichtung,  aber  an  dem  ersten  Punkte  mit  sehr 
steilem,  am  zweiten  mit  ziemlich  fiachem  Einfallen  nach  Süden,  an 
den  beiden  letzten  Punkten  dagegen  mit  sehr  steilem  nördlichen 
Fallen.  Von  dem  letzten  Punkte  sind  noch  etwa  30  m  bis  zur  Quelle 
des  Baches,  welcher  bei  einem  einzeln  stehenden  Baum  auf  der 
Wiese  unterhalb  des  Sockerergutes  entspringt. 

Oestlich  der  vorher  erwähnten  Sumpfwiese,  an  einem  schlechten 
Fahrwege  im  Wald  (10),  etwa  an  der  Isohypse  700  m,  ist  das  Streichen 
h  7  bis  8  mit  steilem  nördlichen  Einfallen. 

Der  Graben  bei  Sehern  wies  ist  sehr  steil,  wild  und  tief  in's  Gestein 
eingerissen,  bietet  aber  nirgends  Gelegenheit,  die  Schichtung  zu  messen. 

Dagegen  ist  bei  der  Brücke  über  den  Alterbach  oberhalb  Guggen- 
thal, bei  dem  Buchstaben  t  des  Wortes  Gotzenbach  der  Generalstabs- 

39' 


k 


304  Eberhard  Fugger.  [18] 

karte,  am  linken  Ufer  Flysch  deutlich  geschichtet  von  W  nach  0  und 
ziemlich  steil  nach  Norden  fallend  (11).  Dasselbe  Streichen,  aber  fast 
senkrecht  stehende  Schichtung  (12)  beobachtet  man  weiterhin  im  Bache 
und  an  beiden  Ufern. 

Im  nun  folgenden  ersten  rechtsseitigen  Zufluss  lagert  Morilne 
mit  gekritzten  Steinen,  und  etwas  oberhalb  ist  ein  Steinbruch  (13j 
auf  Flyschsandstein  eröffnet,  dessen  Platten  nach  Norden  fallen. 

Zwischen  den  Quellen  dieses  Baches  und  dem  H  e  u  b  e  r  g  b  a  u  e  r 
erhebt  sich  mitten  im  Walde  der  sogenannte  Hochstein,  ein 
Numraulitenkalk  f  e  Is  von  etwa  30  m  Länge,  30  ;/<  Breite  und 
12  m  Höhe,  welcher  reich  an  Petrefacten  ist.  Er  ist  hier  dem 
Flysch  aufgelagert  und  offenbar  ein  Rest  einer  ehemaligen,  sehr 
ausgedehnten  Decke  von  Nummulitenschichten.  Das  Gestein  des  Hoch- 
stein ist  identisch  mit  jenem  von  Kressenberg,  vom  Haunsberg, 
von  Mattsee  und  den  westlichen  Vorhügeln  des  Tannberges,  gehört 
also  dem  älteren  Nummulitenzuge,  dem  Parisien,  an. 

Oberhalb  der  Mündung  des  vorher  genannten  Seitenbaches,  40  m 
von  derselben  entfernt,  ist  am  linken  Alterbacliufer  wieder  Flysch 
entblösst  und  zwar  (14)  graue  Mergel  mit  Pnnlagerung  von  zwei 
Schichten  von  rothbraunen  Mergeln,  deren  eine  30  bis  40,  deren 
andere  60  bis  70  cm  mächtig  ist,  dann  dicke  Bänke  von  Sandsteinen. 
In  den  letzteren  eingeschlossen  fanden  wir  mächtige  Kugeln  aus  dem- 
selben Sandstein,  und  zwar  mehrere  kleinere  von  4,  10  und  15  au 
Durchmesser  und  fast  geometrischer  Kugelform,  dann  eine  sehr 
grosse,  breit  gedrückte  Kugel  von  30  cm  Durchmesser.  Dichte  und 
Material  der  Kugeln  ist  von  dem  umgebenden  Sandstein  nicht  ver- 
schieden. Diese  Kugeln  befinden  sich  in  der  Sammlung  des  städtischen 
Museums  Carolino-Augusteum  in  Salzburg.  Die  Lagerung  der  Schichten 
ist  ostwestlich  mit  steilem  nördlichen  und  südlichen  P]infallen. 

Der  nächste  Seitenbach  am  rechten  Ufer  enthält  in  seinen  unteren 
Theilen  nur  überkalkten  Flyschschutt,  Moränenmaterial  und  erratische 
Blöcke ;  erst  weit  oberhalb  der  Gabelung  dieses  Seitengrabens  trift't 
man  im  rechtseitigen  Arme  (15)  anstehenden  Sandstein,  dann  dünn- 
plattige,  wulstige  und  gebogene  Mergelkalke  mit  Einlagen  von  Kalk, 
alles  mit  Kalksinter  überzogen;  diesen  Bänken  sind  nach  Süden  vor- 
gelagert graugrüne  und  braunrotlie  Mergel,  etwa  1  m  mächtig,  mit 
nördlichem  Einfallen.  An  der  Nordseite  der  Sandsteinplatten  sieht  man 
zarte,  erhabene  Wülste,  theils  geradlinig,  theils  gewunden,  weicheich 
als  Wurmgänge  bezeichnen  möchte.  Im  linken  Seitenarm  finden  sich 
unten  (16)  verdrückte  und  verbogene  Sandsteine  und  Mergel  anstehend; 
weiter  oben,  etwa  in  der  Höhe  wie  (15\  Mergelkalke,  erst  massig, 
dann  plattig  mit  schwachem  südlichen  Verflachen. 

Unmittelbar  westlich  von  G  schwand  vereinigen  sich  wieder 
zwei  kleine  Seitengräben;  im  rechten  Arm  sieht  man  nur  Moränen- 
schutt, im  linken  ausser  diesem  an  einer  Stelle  (17)  wieder  Flysch 
mit  steilem  südlichen  Fallen,  und  zwar  Sandsteine  und  Mergelplatten. 
Besonders  interessant  ist  das  häufige  Auftreten  von  mächtigen  Blöcken 
von  Kreideconglomerat.  Nach  der  Vereinigung  der  beiden  Arme,  ganz 
nahe  am  Hauptbache  (18),  steht  Flyschgestein  an,  dünnschichtig,  mit 
sehr  steilem  nördlichen  Einfallen  und  Kegelwülsten  an  der  Südseite. 


[19]  l^as  ISalzburgor  Vorland.  305 

Gellt  man  weiter  am  llaiiptbac.lie  aufwiirts,  so  trirtt  man  nur 
Moränen  und  erratische  Blöcke;  unterhalb  der  G  rabenm  i'ih  le  fallt 
ein  erratischer  Block  von  Gosauconglomerat  auf,  dessen  Grösse 
mindestens  25  m^  beträgt.  Im  Hauptbach  zeigt  sich  bis  hinauf  an 
dessen  Quelle  bei  Pesteig  kein  Aufschluss  mehr.  Dagegen  findet  man 
in  den  Gräben  von  Schwaighofen  noch  anstehendes  Flyschgestein. 
Es  sind  hier  zwei  Gräben,  die  sich  erst  unten  in  der  Thalsolde  des 
Alterbaches  vereinigen. 

Im  westlichen  Arm  beobachtet  man  ganz  wenig  über  dem  Thal- 
boden (19)  senkrechte  Schichten  mit  Knoten  an  der  Südseite;  es  sind 
meist  Sandsteine.  Ihr  Streichen  dreht  sich  allmälig,  das  Einfallen  ist 
steil  S  bis  SSW.  Nun  folgen  senkrecht  stehende  Mergel  in  h6,  IS". 
Etwas  unter  der  Höhe  von  Schwaighofen  selbst  (20)  fallen  die  Mergel- 
schiefer bei  gleicher  Streichrichtung  steil  nach  N.  Unmittelbar  bei 
Schwaighofen  (21),  bei  der  Brücke,  ist  das  Streichen  der  senkrechten 
Schichten  fast  von  SO  nach  NW,  weiterhin  dreht  es  sich  wieder 
allmälig  in  die  Richtung  OW  zurück.  Es  zeigen  sich  etwa  20  w  massige 
Sandsteine ;  dann  folgt  eine  Stelle  mit  Kriechspuren  an  der  Nordseite, 
kleinen  wulstartigen  Erhöhungen,  welche  an  der  Schichtfläche  von  oben 
0  nach  unten  W  gerichtet  sind.  Schliesslich  folgt  20  m  weiter  oben 
ein  Steinbruch  in  h6,  5*^  mit  sehr  steilem  südlichen  Einfallen  und 
kleinen  Kegelwülsten  an  der  Südseite ;  die  Wülste  ziehen  sich  horizontal 
von  W  nach  0,  ihre  Spitzen  liegen  gegen  0.  Weiter  hinauf  findet 
man  nur  Moränenmaterial. 

Im  östlichen  Arm  des  Grabens  lagert  oben  Moräne,  weiter  ab- 
wärts steht  Flysch  an  in  h  5,  10^  mit  steilem  südlichen  Einfallen, 
15  >M  weiter  unten  lagert  er  (23)  in  h7  — 8  mit  steilem  Fallen  nach 
NNO,  später  nach  SSW;  dann  folgt  wieder  Moräne.  Etwas  unterhalb 
der  Isohypse  700  oder  der  Höhe  von  Schwaighofen  tritt  massiger  Sand- 
stein auf,  welcher  tiefer  unten  (22)  geschichtet  erscheint  in  h  10  mit 
steilem  Einfallen  nach  WSW,  dann  nach  ONO ;  weiterhin  folgen  Mergel 
und  Mergelkalke  in  h  9 — 10  mit  ostnordöstlichem  Verflachen ;  dann 
werden  die  Schichten  senkrecht  in  h7 — 8  und  h6— 8,  und  reichen 
diese  Aufschlüsse  bis  etwa  15  w  über  dem  obersten  Thalboden  des 
Alterbaches. 

An  Petrefacten  fanden  wir  aus  dem  Gebiete  des  Alterbaches 
die  überall  vorkommenden  Chondriten:  Ch.  affinis  Stenih.,  patulns  F.  0. 
und  intricatus  Brongn.,  dann  Hi/drancylus  genkulatus  F.  0.,  Taenidmm 
Fischen  Heer  und  heloetümm  Scliimper,  sowie  mehrere  Taomirus- 
Arten. 

Die  Gräben,  welche  sich  östlich  vom  Schwaighofer  Bach  nach 
abwärts  ziehen,  münden  in  das  Thal  von  Plainfeld  und  zeigen, 
wenn  überhaupt  irgendwo  etwas  aufgeschlossen  ist,  nur  Moränenmaterial 
und  erratische  Blöcke,  meist  von  Kreideconglomerat  und  gar  nicht 
selten  von  gewaltigen  Dimensionen. 

Im  westlichen,  rechtseitigen  Arm  des  Grossöder  Graben  flndet 
man  viel  Kalktuft'bildungen,  ebenso  im  östlichen,  linkseitigen.  Eigen- 
thümlich  ist,  dass  in  dem  letzteren  kein  Centralgestein  zu  sehen  ist, 
obwohl  die  Moräne  daselbst  auf  mindestens  200  /;/  Länge  bis  zu  30  m 
tief  eingerissen  ist. 


306  Eberhard  Fiigger.  [20] 

An  der  Strasse,  die  von  Plainfeld  nach  Kraiwiesen  führt, 
steht  an  der  nordöstlichsten  Ecke  des  Heubergs  glaciales  Conglomerat  an. 

Die  Bäche,  welche  im  N  vom  Heuberg  herabkommen,  führen 
ebenfalls  nur  Moränenmaterial  und  die  wenigen  vorhandenen  Auf- 
schlüsse zeigen  gleichfalls  nur  Moränen,  so  der  Gaschbach,  welcher 
das  Unzinger  Moor  durchfiiesst  und  insbesondere  der  Gottsreuter 
Graben,  dessen  Richtung  schon  fast  nordwestlich  ist  und  der  bei  Strass 
in  die  Ebene  tritt;  dieser  ist  auf  eine  sehr  bedeutende  Strecke  60  bis 
80  iH  tief  in  die  Moräne  eingerissen,  ohne  irgend  ein  anderes  Material 
als  eben  Moräne  und  höchstens  an  einzelnen  Stellen  grössere  Mengen 
von  Kalktuff  zu  zeigen. 

Auf  dem  Plateau  der  Ostseite  des  Berges  tritt  an  zahlreichen 
Stellen  die  Moräne  zutage.  Interessant  ist  hier  die  Moräne  von 
Schwel  lern  (in  der  Generalstabskarte  steht  Schwodeln).  Sie  enthält 
nur  Triaskalke  und  jüngere  Gesteine,  wie  Kreideconglomerate,  Flysch- 
brocken  u.  dgl.,  aber  kein  Centralgestein,  nicht  einmal  Werfener 
Schiefer;  dagegen  fanden  wir  einen  Nummulitensandstein  aus  dem 
jüngeren  Nummulitenzuge  (Bartonien),  wie  im  Sockerer  Graben,  wie 
er  bei  Wolfschwang  am  Fusse  des  Untersberges  ansteht.  Dieses  jüngere 
Nummulitengestein  wurde  bisher  in  Salzburg  nur  am  Fusse  des  Unters- 
berges anstehend  gefunden.  Wir  werden  übrigens  noch  einen  dritten 
Punkt  kennen  lernen,  wo  wir  ebenfalls  erratische  Stücke  dieser  Gesteins- 
art auffanden. 

Kehren  wir  wieder  an  das  Südwestende  des  Heuberges  zurück 
und  gehen  wir  längs  der  Linzer  Reichsstrasse  von  der  Alterbachbrücke 
am  Nordende  von  Gnigl  in  der  Richtung  gegen  Mayr wies,  so  finden 
wir  im  Walde  zahlreiche  Blöcke  von  Aigner  Conglomerat  zerstreut; 
ein  Bach,  der  vom  Gruberlehen  kommt,  zeigt  keinen  Aufschluss.  Der 
nächste  Graben  kommt  vom  Schrey ergute.  In  diesem  Graben  gibt 
es  zahlreiche  Aufschlüsse.  Etwa  50  m  über  der  Thalsohle  (24)  beob- 
achtet man  am  rechten  Ufer  ein  Streichen  in  h5  mit  senkrechter 
Schichtenstellung  oder  sehr  steilem  Fallen  nach  S.  Die  Kegelwülste 
befinden  sich  an  der  Nordseite,  Chondriten  an  der  Südseite,  und  zwar 
die  grossen  bloss  an  der  Oberfläche,  während  die  kleinen  auch  tiefer 
ins  Gestein  gehen.  Am  linken  Ufer  gegenüber  ist  die  Schichtung  in 
h  4,  100  mit  55«  Neigung  nach  SSO.  Etwa  70  m  über  der  Thalsohle 
(25)  streichen  die  Schichten  am  linken  Bachufer  in  h4  mit  Einfallen 
nach  SO,  am  rechten  Ufer  daselbst,  aber  10  w  über  dem  Bach,  in 
h  6,  10"  mit  steilem  nordwestlichen  Einfallen.  Noch  weiter  oben  im 
Graben  (26)  ist  die  Lagerung  am  rechten  Ufer  im  Bache  selbst  in 
h  4,  10"  mit  fast  senkrechter  Stellung  oder  äusserst  steilem  Fallen 
nach  SSO;  \0  m  über  dem  Bach  in  h5,  10°,  ebenfalls  fast  senkrecht; 
gegenüber  am  linken  Ufer  unten  am  Bach  in  h  5,  5"  fast  senkrecht 
mit  Neigung  gegen  N. 

Wenig  weiter  oben  kommt  der  Bach  über  ebenes  Wiesenterrain, 
dann  überquert  man  bei  der  grossen  Lacke  den  Dachsluegweg  und 
betritt,  den  Bach  aufwärts  entlang,  den  Wald.  Hier  fliesst  dem  Schreyer- 
bach  an  dessen  rechtem  Ufer  ein  Seitenbach  zu,  der  bei  dem  Reut- 
bauer  entspringt.  In  der  Mulde  dieses  Reutbauerbaches  unten  im 
Walde   (27)   ist  wieder   Flysch    entblösst    und  zeigt  ein  Streichen  in 


[21]  r)as  Salzburger  Vorland.  307 

h  6  bei  sehr  steilem  nördlichen  Einfallen,  die  Wülste  in  Nord-. 
Weiter  oben  im  Reutbauerbach  (28)  ist  das  Streichen  ähnlich,  h  5 
bis  6,  bei  ebenfalls  sehr  steilem  nördlichen  Einfallen. 

Hinter  dem  Hause  des  Wi  eslehenbauers  (29)  steht  eine 
kleine  Flyschwand  mit  der  Schichtung  h  (j,  10^  bei  südlichem  Ein- 
fallen. Am  Dachsluegwege  oberhalb  des  Keutbauers  im  Walde  fSO) 
ist  die  Lagerung  h  ('>,  ()'*  und  ebenfalls  fast  senkrecht  oder  sehr  steil 
in  Süd. 

Ziemlich  parallel  mit  dem  Schreyergraben  verläuft  nördlich  von 
demselben  der  Dachslueger-Graben.  Dieser  entspringt  südlich  von 
der  Meierei  Dachslueg  und  trili't  etwa  dort  die  Linzer  Reichsstrasse, 
wo  der  Weg  nach  Söllheim  von  derselben  abzweigt.  An  der  Stelle,  wo 
der  Berg  von  der  Thalsohle  aus  ziemlich  steil  ansteigt,  findet  sich 
der  erste  Aufschluss  (31)  in  diesem  Graben,  etwa  in  500  m  Meeres- 
höhe. Das  Streichen  ist  hier  bis  in  die  Höhe  555  m  ziemlich  über- 
einstimmend in  h  5  bis  0  mit  steilem  nördlichen  Einfallen,  die  Wülste 
liegen  an  der  Südseite;  nur  in  515  m  Höhe  fallen  die  Schichten 
unter  einem  Winkel  von  ()5**  nach  Süd.     In  500  m  Höhe   (132)   dreht 


Fiff.  5. 


^^-^ 


sich  das  Streichen  plötzlich  nach  h  1  bis  2  mit  steilem  westlichen 
Einfallen,  die  Wülste  gegen  West  gerichtet.  Drei  Meter  höher  am 
Bache  streichen  die  Schichten  wieder  in  h  5,  10"  und  stehen  senk- 
recht mit  den  Wülsten  in  Süd.  Bei  565  m  ist  ihr  Streichen  wieder 
h  2,  5<'  mit  steilem  nordwestlichen  Einfallen ;  von  5G7  m  aufwärts 
bis  575  m  ist  die  Lagerung  in  h  4  bis  G  mit  steilem  nordwestlichen 
oder  nördlichen  Fallen  und  den  Wülsten  auf  der  Nordwest-  oder 
Nordseite.  In  G30  m.  (33)  haben  sie  sich  gar  nach  h  9  gedreht  mit 
Einfallen  nach  SW  unter  30'^  Neigung.  An  diesem  letzteren  Punkte 
hat  die  Südwestseite  der  Schichten    einen  dünnen  grünen  Ueberzug. 

Die  im  Dachslueger  Bach  aufgeschlossenen  Schichten  zeigen 
demnach  wiederholt  wannenförmige  Bildungen  und  horizontale  Ver- 
schiebungen (siehe  Fig.  5) 

Ungefähr  nördlich  von  Dachslueg  liegt  am  nordwestlichen  Ge- 
hänge des  Heubergs  das  Brunn  wiesgut  zwischen  zwei  Gräben, 
die  sich  unterhalb  des  Gutes  vereinigen  und  in  der  Nähe  von  Mayr- 
wies  das  Thal  erreichen.  In  diesen  beiden  Gräben  sind  wenig  Auf- 
schlüsse zu  sehen.  In  einem  Zufluss  des  südlichen  der  beiden  Gräben 
findet  sich  am  rothmarkirten  Wege  von  Dachslueg  nach  Söllheim 
in  G45  m  Meereshöhe  ein  Aufschluss  (34)  mit  dem  Streichen  in  h  7 
bei  südlichem  Einfallen,  und  an  demselben  Wege  (OK)  m)  an  dem 
Ursprünge    des   nördlichen  Grabens  (35)  ein  Aufschluss    mit  gleicher 


308  Eberhard  Fugger,  [22] 

Schichtung.  Dort,  wo  der  Weg  von  Brunnwies  nach  Strass  bei  Mayr- 
wies  den  südliclien  Graben  überschreitet,  schon  nalie  an  der  Ver- 
einigung beider  Gräben,  ist  ein  grösserer  Aufschluss  (36),  welcher 
ein  Streichen  in  h  G  bis  7  bei  steilem  südlichen  Einfallen  zeigt. 
Wülste  konnte  ich  trotz  eifrigen  Suchens  nicht  finden. 

Bevor  die  Linzer  Reichsstrasse  zum  Rennerberg  ansteigt,  steht 
links  an  derselben  das  Wirtshaus  Rechl  und  rechts  einige  Bauern- 
häuser. Ein  Bach,  der  M  atzin  ger  Bach,  fiiesst  hiervon!  lleuberg 
her  und  wird  von  der  Strasse  überbrückt.  Dieser  Bach  bildet  sich 
aus  drei  Hauptzuflüssen,  Nahe  oberhalb  der  Häuser  kommt  links  der 
erste,  südlichste  Zufluss,  weiterhin  im  Walde  vereinigen  sich  in 
ziemlich  tiefen  Gräben  der  mittlere  und  der  nördliclie  Bach.  An 
dieser  Stelle  (37)  streicht  der  Flysch  in  h  8.  6^  mit  sehr  steilem 
nordöstlichen,  und  3  ni  weiter  unten  mit  steilem  südwestlichen  Ein- 
fallen; die  Wülste  und  die  vorher  erwähnte  grüne  Schicht  liegen 
an  der  Südwestseite.  Dieselbe  Schichtung  ist  im  nördlichen  Zufluss 
auf  20  Schritte  entblösst;  weiterhin  in  diesem  Graben,  etwa  80  Schritte 
lang,  treten  wiederholt  die  Schichten  deutlich  zutage  mit  einem 
Streichen  in  h  8,  9^,  theils  senkrecht,  theils  mit  75^  südwestlichem 
Einfallen,  Dann  liegt  ein  riesiger  Block  von  Gosauconglomerat  im 
Bache  und  oberhalb  desselben  sind  Wehren  zur  Gewinnung  von  Sand 
und  Schotter  angebracht.  Im  mittleren  Graben  maß  ich  30  Schritte 
oberhalb  der  Vereinigung  desselben  mit  dem  nördlichen  (38)  h  8 
mit  steilem  Fallen  nach  NNO;  ebenso  10  Schritte  weiterhin.  Hier 
sah  ich  eine  Helmintlioida  crai^sa  vertieft  an  der  Nordnordostseite 
der  Schichte.  20  Schritte  von  diesem  Punkte  aufwärts  dreht  sich 
das  Streichen  in  h  6  bis  7  mit  60^  südlichem  Einfallen.  Weiterhin 
liegt  nur  Schutt  und  Geröll:  alle  drei  Gräben  zeigen  in  ihren  oberen 
Partien  nirgends  anstehendes  Gestein. 

In  dem  Graben  zwischen  M  a  t  z  i  n  g  und  P  e  b  e  r  i  n  g  reicht  die 
Moräne  bis  über  000  w  Meereshöhe ;  bei  590  m  liegt  am  linken  Ufer 
ein  erratischer  Block  aus  Kreideconglomerat  von  mindestens  25 
Cubikmeter  Grösse.  Bei  010  m  steht  Flysch  an  (39)  auf  mehr  als 
30  m  Länge,  und  zwar  meist  Sandstein,  deutlich  geschichtet  in  h  5,  7« 
mit  sehr  steilem  südlichen  Einfallen.  Weiter  hinauf  trifft  man  nur 
auf  Flyschschutt. 

Es  scheint  dies  die  nördlichste  Stelle  des  Heubergs  zu  sein, 
an  welcher  anstehender  Flysch  angetroffen  wird. 

Der  Heuberg  gehört  sohin  dem  Flyschgebiete  an  und  ist  in 
seiner  Nordhälfte  mit  glacialem  Materiale  vollkommen  überdeckt, 
während  in  dem  südlichen  Theile  desselben  die  glacialen  Gebilde 
vielfach  weggeschwemmt  und  die  Flyschgesteine  blossgelegt  sind, 
Eigenthümlich  ist  eine  Linie  von  erratischen  Blöcken,  welche  mit- 
unter mehrere  Cubikmeter  gross  sind  und  meist  aus  Gosauconglome- 
raten  bestehen,  eine  Linie,  welche  sich  an  der  Südhälfte  des  Berges 
in  einer  Höhe  von  etwa  100  m  über  der  Salzach  auf  eine  weite 
Strecke  verfolgen  lässt.  Von  ganz  besonderem  Interesse  .  aber  ist 
der  Fels  aus  Nummulitenkalk.  der  Hochstein,  in  der  Nähe  des  Heu- 
bergbauers, welcher  einen  neuerlichen  Beweis  dafür  liefert,  dass 
unser  Flysch  unter  den  Eocängebilden  liegt. 


[231  Das  Salzbiirger  Vorland.  309 

Die  Streichrichtung  der  Flyschscliichten  des  Heubergs  ist  im 
allgemeinen  von  Westen  nach  Osten  oder  von  WSW  nach  ONO  mit 
steilem,  bald  nach  N,  bald  nach  S  gerichtetem  Einfallen.  Von  den 
70  Messungen,  betreuend  die  Lagerung  der  Schichten,  welche  ich 
aus  diesem  Gebiete  notirt  habe,  ergeben  sich  nur  13,  also  1672l^ro- 
cent  oder  ein  Sechstel  mit  Neigungen  unter  50''. 

Die  Beobachtung  der  Lage  der  Kegelwülste  ergibt  —  unter 
der  Voraussetzung,  dass  es  richtig  ist,  dass  diese  stets  nur  an  der 
Unterseite  der  Schichten  liegen  —  mehrere  Falten  oder  vielleicht 
auch  Bruchlinien,  die  in  der  Richtung  von  WSW  nach  ONO  ver- 
laufen. Eine  Schichtenmulde  (Synklinale)  zieht  sich  von  der  Süd- 
westecke  des  Berges  bis  zur  Grabenmühle  bei  Gschwand;  die  süd- 
lich von  dieser  Linie  liegenden  Punkte  2,  4,  7  und  18  haben  die 
Kegelwüste  an  der  Südseite,  die  nördlich  davon  gelegenen  Punkte  1, 
5  und  8  an  der  Nordseite.  Auch  bei  Sam  im  Plainberggebiete,  dann 
im  Schreyerbach  (24  und  27)  liegen  die  Wülste  an  der  Nordseite; 
in  dem  nördlich  von  letzterem  laufenden  Dachslueger  Graben  sind 
sie  hauptsächlich  an  der  Südseite  (31  und  32);  zwischen  diesen  bei- 
den Gräben  zieht  sich  also  eine  Antiklinale  hin. 

Im  Dachslueger  Graben  beobachtet  man  noch  ausserdem  locale 
Störungen.  Zwischen  dem  Dachslueger  Graben  und  SöUheim  verläuft 
eine  Schichtenmulde,  zwischen  Söllheim  und  dem  Matzinger  Graben 
(37)  ein  Schichtensattel  (Antiklinale),  da  in  Söllheim  die  Wülste  an 
der  Nordseite,  im  Matzinger  Graben  dagegen  an  der  Südseite  liegen. 

Das  auf  umstehender  Seite  befindliche  Profil  des  Heubergs  von 
der  Gnigler  Kirche  bis  zum  Matzinger  Graben  (Fig.  6)  soll  diese 
Lagerungsverhältnisse  anschaulich  machen. 


Alterb  ach:  (1)  h  6  -^  65  S  und  h  5,  5"  f  70  SSO;  Wülste  in  N. 
Üruberbach:  (2)  h  5,  8"  -^  56  N;  Wülste  in  S.  —  (3)  h  3  'f  50  NW.  —  (4)  h  5, 

7"  'f  53  N;  Wülste  in  Ö.  —  (5)  h  6  cp  88  N;  Wülste  in  N. 
Alterbach:  (6)  h  5  bis  6   cp  45  N.    —    (7)  h  5,  7"    f   60  S    iiud    h  6    -f    40  S  ; 

Wülste  in  S. 
Sock  er  erb  ach:   (S)  h  4,  5" 'f  65  N ;  Wülste  in  N.  —  h  4,  10"  'f  70  N;  Wülste 

in  N.  —  h  5,  10"  'f  85  N.  —  h  4,  7"  cp  85  N.  —  h  6  'f  85  N;  Wülste  in  N. 

—  h  5,  10"  'f  86  N.  -  ■  (9)  h  6  '.^  40  N.  -  h  6  'f  40  N.  —  h  6,  3"  'p  80  S. 

—  h  5,  10"  cp  30  S.  —  h  5,  10"  'f  84  N.  —  (10)  h  7  bis  8  'f  70  N. 
Alterbach:  (11)  h  5,  10"  -f  50  N.   —  (12)  h  5,   10"  '^  87  N.    —    (13)  h  5,  5"  f 

40  N.  —  (14)  h  6,  1"  cp  steil  S  und  N. 

Gräben  bei  Gschwand:  (15)  h  5,  12"  tp  45  N.  —  (16)  h  6  tp  75  N.  —  h  5, 
5"  'p  25  S    —  (17)  h  6,  5"  ^  60  S. 

Grabeumühle  am  Alterbach:  (18)  h  6,  5"  -f  80  N;  Wülste  in  S. 

Schweighofer  Bach:  il9)  h  6,  10"  *  90.  —  h  6,  12"  f  steil  S.  --  h  7,  5"  cp 
steil  SSW.  —  h  6,  13"  ¥  90.  —  (20)  h  6,  13"  cp  steil  N.  —  (21)  h  8,  5"  cp 
90.  —  h  7,  10"  'i  90.  —  h  5,  5"  'f  90.  —  h  6  5"  'f  85  S;  Wülste  in  S.  — 
(22)  h  10  '^  steil'  WSW  und  ONO.  —  h  9  bis  10  cp  30  ONO.  -  h  7  bis  8 
'f  90.  —  h  6  bis  8  '^  90.  —  (23)  h  7  bis  8  cp  steil  SSW.  —  h  5,  10"  'f  85  S. 

Schreyerbach:  (24)  h  5  cc  88  S;  Wülste  in  N.  —  h  4,  10"  -f  55  SSO.  — 
(25)  h  4  cp  56  SO.  —  h  6,  10"  cp  70  NW.  —  (26)  h  4,  10"  cp  87  SSO.  — 
h  5,  10"  cp  89  S.  —  h  5,  5"  cü  87  N.  —  (27)  h  6  cp  88  N;  Wülste  in  N.  — 
(28)  h  5  bis  6  cp  87  S.  -  (29)  h  6,  10"  cp  40  S. 

Reutbauer:  (30)  h  6,  6"  cp  88  S. 

Jahrbuch  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1899,  49.  Band,  2.  Heft.  (E.  Fugger.)  40 


310 


Eberhard  Fugger. 


[24] 


Gnigl. 


Gruberlehen. 


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Kramlehen. 

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Dachslueger 
Graben. 

Matzinger- 
Giaben. 


[25]  I^as  Salzburger  Vorland.  311 

Dachslueger  Graben:  (31)  510  m  ii.  d.  M.  h  5,  4"  f  82  N.  —  515  m  h  5 
4»  <f  65  S.  —  540  m  h  5  (f  steil  N;  Wülste  in  S.  —  555  m  h  5  bis  6  v 
steil  N.  —  (32)  560  w  h  1  bis  2  'f  70  W;  Wülste  in  W.  -  563  m  h  5,  10» 
'f  90;  Wülste  in  S.  —  565  m  h  2,  5"  f  steil  NW.  —  567  m  h  4  'f  steil  NW; 
Wülste  in  NW.  —  570  m  h  5  bis  6  -f  90.  —  575  m  h  5  'f  steil  N.  — 
(33)    630  m  h  9  'f  30  SW. 

Br\inn  wieser  Graben:  (34)  645  m  h  7  'f  35  S.  —  (35)  610  m  h  7  bis  8  'f 
35  S.  —  (36)  h  6  bis  7  <p  steil  8. 

Matzinger  Graben:  (37)  h  8,  6'  f  steil  S;  Wülste  in  S.  —  h  8,  6'  'f  sehr 
steil  N.  —  h  8,  6°  <f  sehr  steil  N.  —  h  8  bis  9  'f  90.  —  n  8  bis  9  'i  75  8. 
(38)  h  8  cp  70  N.  —  h  8  'f  70  N.  —  h  6  bis  7  'f  60  S. 

Beberinger  Bach:  (39)  h  5,  7«  'f  80  S. 


III.  Die  Halwanger  Höhe 

ist  ein  schmaler  Höhenzug,  welcher  dem  Heuberg  gegen  Nordwest 
vorgelagert  ist  und  im  Süden  und  Südwesten  durch  die  Einsenkung 
Söllheim  — Käsern— Lengfelden,  im  Südosten  von  dem  Hammerschmid- 
bache  und  der  mit  letzterem  parallel  verlaufenden  Linzer  Reichsstrasse, 
der  Wasserscheide  von  Strass  und  dem  vom  Heuberg  kommenden 
westlichen  Zuflüsse  des  Eugenbaches,  im  Nordosten  und  Norden  vom 
Eugenbach  selber  und  im  Nordwesten  von  der  Fischach  begrenzt  wird. 

Der  grösste  Theil  dieses  Terrains  ist  von  Moränen,  giacialen 
Schottern  und  Conglomeraten  bedeckt.  So  findet  sich  im  Walde  bei 
Söllheim  junges,  horizontal  geschichtetes  Conglomerat  mit  Zwischen- 
lagen von  Sandstein.  Auf  der  Höhe  von  Berg  liegt  glacialer  Letten, 
welcher  in  einer  grossen  Ziegelei  verarbeitet  wird.  Von  der  Halte- 
stelle Berg- Maria  Piain  der  Staatsbahn  führt  ein  Fahrweg  hinauf 
zur  Fabrik;  etwa  in  halber  Höhe  desselben  steht  Flysch  an,  aber 
mit  nicht  messbarer  Schichtung.  Bei  dem  nördlichen  der  beiden 
Ziegelöfen  steht  Conglomerat  an ;  hinter  dem  Ofen  —  gegen  Nord  — 
ist  eine  grosse  Lettengrube,  welche  oben  gelblichgrauen  Mergelthon, 
darunter  blauen  Letten  blosslegt.  Beim  südlichen  Ziegelofen  ist  eine 
sehr  grosse  Lehmgrube,  welche  fast  nur  den  gelblichgrauen,  sandigen 
Mergelthon  und  wenig  blauen  Letten  im  Liegenden  zeigt.  Auf  der 
Höhe  zwischen  Berg  und  Söllheim  ist  eine  Moräne  mit  zahlreichen 
gekritzten  Steinen  aufgeschlossen. 

Der  Halwanger  Bach,  welcher  südlich  von  Halwang  ent- 
springt und  in  nordsüdlicher  Richtung  dem  Hammerschmidbach 
zufliesst,  in  welchen  er  zwischen  Rechl  und  Söllheim  mündet,  zeigt  nur 
glaciale  Schotter.  An  seinem  linken  Ufer  nimmt  er  den  Zillingbach 
auf.  Die  Salzkammergut-Localbahn  überquert  diesen  letzteren.  Nahe 
unterhalb  der  Eisenbalinbrücke  steht  oben  am  rechtseitigen  Gehänge 
(1)  Flysch  an  in  h  11  mit  schwachem  Fallen  gegen  O  und  Wülsten 
an  der  Westseite.  Etwas  oberhalb  der  Eisenbahnbrücke  (2)  sind  die 
Schichten  dem  Laufe  des  Baches  parallel  gestellt  in  h  8  mit  steilem 
Einfallen  nach  Südwest  und  Wülsten  in  Südwest.  Noch  weiter 
aufwärts  im  Bache  (3)  ist  das  Streichen  in  h  7,  5*^,  aber  mit  steilem 

40* 


312 


Eberhard  Fugger. 


[26] 


Nordnordostfalleii,  die  Wülste  in  Südsüdwest.  Die  Lagerung  bleibt 
nun  gegen  die  Quelle  des  Baches  zu,  soweit  dieselbe  aufgeschlossen 
ist,  ziemlich  constant.  Beim  Steg,  der  dort  über  den  Bach  führt, 
wo  dessen  Richtung  senkrecht  auf  die  Schichtung  steht  (4),  sowie 
bei  dem  kleinen,  aber  recht  hübschen  Wasserfall  oberhalb  desselben 
(5),  ist  das  Streichen  in  h  7  bis  7,  2^  mit  steilem  südlichen  Einfallen, 
die  Wülste  an  der  Südseite.  Beim  Wasserfall  fand  ich  Hehninfhoida 
lahyrinthica  und  Chondritefi  Targionii  in  zahlreichen  Exemplaren. 

Der  Hammerschmidbach  bildet  zwischen  Rechl  und  der 
Gritschmühle  nächst  Zilling  einen  tiefen  Graben,  längs  welchem  die 
Salzkammergut-Localbahn  hinführt  Am  Ausgange  des  Grabens  steht 
am  rechten  Ufer  eine  verfallene  Flyschwand  (6)  in  h  9  mit  schwachem 
Fallen  nach  NO.  Das  Streichen  bleibt  bachaufwärts  dasselbe  (7  und  S), 
nur  das  Einfallen  wird  steiler.  Bei  Punkt  8,  wo  die  Bachrichtung 
dem  Streichen  der  Schichten  parallel  ist,  beobachtete  ich  auch  Wülste, 


Fig.  7. 


und  zwar  in  SW.  Weiterhin  (9)  bleibt  die  Schichtung  und  Lage  der 
Wülste  unverändert;  es  zeigt  sich  hier  am  linken  Ufer  eine  Wand,  an 
deren  Oberseite  (Nordostseite)  zahlreiche  Chondriten  sichtbar  sind;  ein 
Taenidium  Fiacheri  zieht  sich  von  der  Oberseite  in  das  Innere  der 
Bank  hinein.  Nun  folgen  verschiedene  Verwerfungen  und  Verdrückungen. 
Einmal  sieht  man  am  rechten  Ufer  die  steilen  Schichten  sich  so 
biegen,  dass  sie  nahezu  horizontal  werden ;  dann  folgt  wieder  normale 
Lagerung  (10)  in  h  8,  7°  mit  massigem  Einfallen  nach  NO.  Weiterhin 
(11)  wird  das  Streichen  nordsüdlich  mit  steilem  Einfallen  nach  Ost 
und  Wülsten  in  Ost.  Wenig  weiter  aufwärts  von  dieser  Stelle  sind 
die  Bänke  zwar  deutlich  geschichtet,  aber  es  zeigen  sich  in  den  ein- 
zelnen Bänken  gewaltige  Pressungen,  Knickungen  und  Biegungen. 
So  finden  wir  am  linken  Ufer  eine  vollkommene  Biegung  (12)  derart, 
dass  das  bachabwärts  gelegene  Stück  a  der  Schicht  die  Lagerung 
h  2  9  60  SO,  die  Wülste  in  SO,  und  das  bachaufwärts  liegende  Stück 
b  h  9,  100  9  87  SW,  die  Wülste  in  NO  zeigt.  Eine  ähnliche  Biegung 
findet  sich  unmittelbar  daneben,  und  eine  dritte,  allerdings  weniger 
deutlich,    etwas    weiter   oben    am    gegenüberliegenden  Ufer   (Fig.  7). 


[27] 


Das  Salzburger  Vorland. 


313 


Am  rechten  Ufer  sind  nun  mehrmals  Bänke  blossgelej^t  (1P>;  14) 
in  h  7  bis  h  7,  10^  mit  sehr  steilem  Fallen  nach  SSW,  die  Wülste  eben- 
falls in  SSW.  Die  letzte  liank  (14).  reicht  theilweise  in  das  Bachbett 
selbst  hinein;  ihr  gegenüber  am  linken  Ufer  (15)  ist  die  sehr  steil  ge. 
stellte  Bank  wie  ein  Hufeisen  gebogen  und  bildet  eine  vollständige 
Nische ;  man  kann  dieselbe  von  oben  auf  beiden  Seiten,  der  Vorder- 
und  Rückseite,  deutlich  übersehen,  und  beobachtet  dabei,  dass  die 
Wülste  sich  n  u  r  an  der  Aussenselte  der  Nische  befinden.  Die 
Stellung  der  Bank  ist  folgende  (Fig.  8) : 

bei  a:  h  (^,  7»  9  76  S,  Wülste  in  S; 

bei  ^:  h  4,  12"  9  80  SO,  Wülste  in  SO; 

bei  c:  h  0,  5"  ^p  77  0,  Wülste  in  0; 

bei  (/:  h  9,  7»^  9  86  NO,  Wülste  in  NO. 

Fig.  8. 


Wenige  Schritte  weiter  oben  im  Bache  ist  noch  eine  Bank 
blossgelegt,  sowohl  am  linken  Ufer  als  im  Baclibett  selbst  (IG)  in 
h  9,  3<*  mit  sehr  steilem  Einfallen  nach  SW,  die  Wülste  in  NO,  also 
dem  Stücke  d  der  zuletzt  erwähnten  Bank  parallel. 

Nun  folgt  noch  eine  grosse  Moräne,  oberlialb  derselben  führt 
eine  Brücke  über  den  Bach  und  hier  steht  die  Gritsclunühle.  Wenig 
oberhalb  derselben  ist  noch  ein  Flyschaufschluss  im  Bache  zu  sehen, 
dann  keiner  mehr  bis  hinauf  zur  Wasserscheide  von  Strass. 

Der  Hammersclmiidgraben,  dessen  Länge,  soweit  die  Flysch- 
aufschlüsse  reichen,  etwn  800  m  beträgt,  zeigt  so  recht  deutlich 
(Fig.  9)  die  Zerdrückungen  und  Biegungen,  welche  hier  im  Flysch 
vorkommen,  und  lässt  sie  um  so  besser  hervortreten,  weil  die  Bänke 
fast  vertical  stehen  oder  wenigstens  steil  gelagert  sind.  Aus  dem 
Hammerschmidbache  besitzt  das  Salzburger  Museum  Carolino-Augusteum 
ein  paar  hohle  Erbsensteine  von  4  cm  Länge  und  2  cm  Breite,  doch 
kenne  ich  die  Fundstelle,  aus  der  sie  stammen,  nicht  genau. 

Das  Haus  des  Grundnerbauern  nächst  Guggenberg,  nördlich 
von  Zilling,  steht  auf  glacialem  Congiomerat,  welches  theilweise  hori- 
zontal geschichtet,  theilweise  wenige  Grade  gegen  NW  geneigt  ist. 
Dasselbe  Congiomerat  ist  an  der  Strecke  der  Salzkammergut-Localbahn 
bei    Guggenberg   auf  eine    Länge    von    etwa   00    Metern    aufgedeckt. 


314  Eberhard  Fiigger.  [28] 

In  dem  nördlichen  Theil  des  Halwanger  Höhenzuges  sind  überall 
nur  glaciale  Schotter  sichtbar, 

Aufschlüsse  im  Flysch  finden  sich  dagegen  an  der  Strecke  der 
Staatsbalin  und  im  Fis  chachthal  e  äusserst  zalilreich.  Noch  bevor 
die  Bahn  in  das  Fischachthal  einbiegt,  sieht  man  bei  dem  Wächter- 
haus .^97  Flyschmergel  und  -Sandstein  anstehend  in  h  6,  5^  mit  ziem- 
lich steilem  nördlichen  Einfallen  und  Kegelwülsten  in  Süd  (17).  Die 
Aufschlüsse  im  Fischachthaie  zwischen  Lengfelden  und  dem  Wallersee 
werden  im  Abschnitte  VIII  (Waldprechting)  besprochen.  Das  Streichen 
der  Schichten  ist  im  allgemeinen  ein  normales  von  West  nach  Ost, 
nur  an  einzelnen  Stellen  beobachtet  man  Biegungen  bis  h  9;  das 
Einfallen  ist  vorherrschend  nördlich ,  obwohl  Punkte  mit  südlicher 
Fallrichtung  nicht  gerade  selten  sind,  lieber  den  anstehenden  Flysch- 
bänken  lagern  häufig  glaciale  Conglomerate  oder  Moränen. 

Die  Seitengräben,  welche  am  linken  Ufer,  also  aus  der  Hal- 
wanger Höhe  in  die  P'ischach  münden,  enthalten  nur  glaciale  Reste ; 
im  Graben,  welcher  zwischen  Dorf  und  Station  Halwang  herabzieht, 
steht  Conglomerat  und  junger  Sandstein  an;  im  Graben  südlich  von 
Eugendorf  liegt  eine  schöne  Moräne. 


Fig.  9. 


Das  Gehänge  bei  der  Ilaltstelle  Halwang  der  Staatsbahn  ist 
eine  durchnässte  Moräne,  die  bei  anhaltendem  Regen  leicht  in  Be- 
wegung kommt  und  bei  den  Ueberschwemmungen  Ende  Juli  1897 
bedeutende  Verkehrsstörungen  verursachte. 


Zillinggraben:  (1)  h  11  'i  20  0;  Wülste  in  W.  —  (2)  h  8  'v  72  SW;  Wülste 

in  SW.  —  (3)  h  7,  5"  'f  72  NNO;  Wulste    in  SSW.  —  (4)  h '?,  2"  'f  78  SSW; 
Wülste  in  SSW.  —  (5)  h  7  'f  82  SSW. 

Hammerscbmidgraben:  (6)  b  9  f  25  NO.  —  (7)  h  9  cp  45  NO.  —  (8)  h  9 
'f  80  NO;  Wülste  in  SW.  -  (9)  h  9  'f  77  NO;  Wülste  in  SW.  —  (10)  h  8,  7"^ 
'f  55  NO.  —  (11)  h  12  cf  72  0;  Wülste  in  0.  —  (12)  «:  b  2  cc  60  SO; 
Wülste  in  SO.  —  h:  h  9,  10»  cp  87  SW;  Wülsfe  in  NO.  —  (13)  b  7,  10  'f  85 
SSW;  Wülste  in  SSW.  -  (14)  b  7  'f  85  S ;  Wülste  in  S.  —  (15)  «:  b  6,  7" 
'f  76  S;  Wülste  in  S.  —  b:  4,  2"  'f  SO  SO;  Wülste  in  SO.  —  r:  b  0,  5"  'f  77 
0;  Wülste  in  0.  —  (h.  b  9,  1"  ■{.  86  NO;  Wülste  in  NO.  —  (16)  b  9,  3"  '^  81 
SW;  Wülste  in  NO. 

Berg:  (17)  b,  G,  5"  f  67  N;  Wülste  in  S. 


[29]  Das  Salzbiirger  Vorlaud.  31 5 


IV.  Plainf eider  Höhe. 

Ich  möchte  die  Höhe,  welche  westlich  vom  Phiinfelder  Bach 
und  östlich  von  der  Fuschler  Ache  umflossen  wird,  nacli  dem  grössten 
Orte,  der  am  Fusse  dieses  Höhenzuges  liegt,  die  Plainfelder  Höhe 
nennen.  Im  Süden  reicht  sie  an  die  triadischen  und  rhätischen  Kalk- 
berge und  die  Strasse,  welche  von  Salzburg  über  Hof  gegen  Sanct 
Gilgen  und  Isclil  führt,  bildet  hier  die  Grenze. 

Im  Plainfelder  Graben  findet  man  von  dem  Punkte  an, 
wo  er  die  Kalkberge  verlässt,  nur  mehr  Schotter  und  junge  Bildungen. 
Bei  Piain feld  selbst  ist  ein  mächtiges  Lager  von  Kalktuff  aufge- 
schlossen, welches  zahlreiche  PJinschlüsse  von  Blättern  und  recenten 
Schnecken  enthält.  Prof.  Kastner  konnte  folgende  Arten  be- 
stimmen : 

Hijalina  crystallina  Müll. 

„         nitens  Mich. 
Helix  unidentata  Drap. 

„       sericea  Drap. 

„       incarnata  Müll. 

„       arhustorum  L. 

„      pomatia  L. 
ßytliinella  Schmidtii  Charp. 

Der  Kalktutt"  wird  steinbruchmässig  gewonnen  und  als  Bau- 
materiale  verwendet.  In  der  Nähe  von  Bodenschwand  steht  oben 
im  Walde  glaciales  Conglomerat  an,  und  auf  der  ganzen  Höhe  hin 
zeigen  die  Aufschlüsse  nur  Schotter  und  Moränen.  Bloss  im  Gebiete 
der  Fuschler  Ache,  und  auch  hier  fast  nur  an  deren  rechtem  Ufer, 
ist  fester  Fels  anstehend. 

Das  ganze  Gebiet  ist  von  glacialem  Materiale  erfüllt,  das  bis 
in  gewaltige  Tiefen  reicht;  so  sind  z.  B.  bei  Elsenwang  nach 
Brückner^)  Moränen  in  einer  Mächtigkeit  von  135  m  aufge- 
schlossen,   ohne  dass  das  Liegende  derselben  blossgelegt  wäre. 

Wandert  man  von  Hof  auf  der  Reichsstrasse  dem  Fuschlsee  zu, 
so  erreicht  man  nach  kurzer  Strecke  das  Wirtshaus  „zur  alten 
Tanne"  am  linken  Gehänge  des  Fuschler  Achenthaies.  Der  Mühlen- 
bach stürzt  hier  über  Kalkwände  herab  gegen  W^aldach  zu.  Die  Kalke 
scheinen  den  Raibler  Schichten  anzugehören;  sie  sind  schwarz  mit 
weissen  Adern  und  dünn  geschichtet.  Die  Dicke  der  Platten  beträgt 
4—5  cm.  Ihre  Lagerung  (l)  ist  in  h  7  mit  P]infallen  nach  Süd. 
Diese  Kalke  bilden  jedenfalls  das  Li